Killer’s Moon


  • Original-Titel: Killer's Moon
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  • Regie: Alan Birkinshaw
  • Land: Großbritannien
  • Jahr: 1978
  • Darsteller:

    Anthony Forrest (Pete), Tom Marshall (Mike), Georgina Kean (Agatha), Alison Elliott (Sandy), Jane Hayden (Julie), Nigel Gregory (Mr. Smith), David Jackson (Mr. Trubshaw), Paul Rattee (Mr. Muldoon), Peter Spraggon (Mr. Jones), Jean Reeve (Mrs. Hargreaves), Elizabeth Counsell (Miss Lilac), Charles Stewart (Bert), Edwina Wray (Enid)


Vorwort:

An original video nasty!
 
In der britischen Pampa ist ein Mädchenchor, zumindest ein nicht unwesentlicher Teil eines solchen, per scheintotem Reisebus unterwegs zu einem Konzert. Die Schar paarungsfähiger Junghühner beläuft sich auf so ca. stückers 8 schmucke Dinger mit goldenen Kehlen, angeleitet von ihren Lehrerinnen Mrs. Hargreaves (Jean Reeve, THE INBETWEENERS, SCHOOLGIRL CHUMS), Typ einigermaßen joviale alte Jungfer, und der jüngeren, sich dafür aber auch gelinde merkwürdig gerierenden Miss Lilac (Elizabeth Counsell, GEHEIMAGENT 0014, DOCTOR AT SEA). Der Bus macht einen geringfügig zuverlässigeren Eindruck als sein Fahrer (Chubby Oates, THE DEVIL’S CROWN, ROGUE’S ROCK). In einem kleinen Dorf streckt der Bus erstmals die Reifen von sich – der Motor ist überhitzt, aber das ist nichts, was nicht durch eine kurze Pause, die die Girls auch zum Ausfalten ihrer diversen Extremitäten nutzen können, und ein paar Liter Wasser aus dem nahen Flüsschen, freund- und hilfreicherweise dargereicht vom zufällig des Weges entlangtrippelnden Joggers Pete (Anthony Forrest, KRIEG DER STERNE, EINE BEISPIELLOSE AFFÄRE), behoben werden könnte. Der Freund und Helfer wird, da speziell von Mrs. Hargreaves als potentielle Gefahr für die Unschuld ihrer Zöglinge betrachtet, mit lieben Grüßen und bestem Dank verabschiedet, teilt aber noch mit, dass er, falls Bedarf bestünde, sprichwörtlich im nächsten Waldstück sein Zelt aufgeschlagen habe, da Camper und genereller Naturfreund.
 
Als solcher ist er auch nicht allein an der Frischluftfront, er hat seinen besten Kumpel Mike (Tom Marshall, EINE SOMMERNACHTSLIEBE, BLIND JUSTICE) mitgebracht, und der ist gerade dabei bzw. eben damit fertig geworden, das lokale Chick Julie (Jane Hayden, EMILY, DIE UNGLAUBLICHEN ABENTEUER EINES TAXIFAHRERS) flachzulegen. Julie drängt nach vollzogener Verrichtung in Richtung Heimweg, was Mike als Hinweis auf unzureichende sexuelle Fertigkeiten seinerseits versteht („it usually does“, wie er selbstkritisch anmerkt). Aber nein, Julie hat’s nur eilig, weil in dem Hotel, in dem sie arbeitet, noch viel bis zur Saisoneröffnung zu erledigen ist, und deswegen kann sie auch nicht versprechen, dass das Schäferstündchen am nächsten Tag fortgesetzt werden kann. Und als wäre das nicht schon stimmungstötend genug, taucht auch noch ein dreibeiniger und blutender Hund auf. Der Köter bringt Julie dazu, endgültig Reißaus zu nehmen, wohingegen Mike und der nun auch wieder zurückgekehrte Pete Tierfreunde sind und die Flohtüte fachmännisch verbinden. Auch die undankbare Töle geht danach stiften.
 
Indes, in London. Der Innenminister (Hugh Ross, TYCOON, ANNA KARENINA) rauft sich das spärliche Haupthaar. Ein gefährlicher Massenmörder ist entsprungen (sein behandelnder Arzt hält das für übertrieben: „Three is not mass murder!“), und das nicht etwa aus einem Hochsicherheitsknast oder einem für solche Zwecke konstruierten Anstalt für gefährliche Geisteskranke, wie sich das gehören würde, sondern aus einer kleinen Landhütte, wo ein Psychiater (Graham Rowe, ZORNIGES SCHWEIGEN, INSPEKTOR WEXFORD ERMITTELT) an ihm verhaltenspsychologische Experimente vorgenommen hat, um ihn von seiner gewalttätigen Klatsche zu kurieren – wie der zuständige Gefängnisaufseher (James Kerry, DIE SPUR MIT DEM LIPPENSTIFT, THE RAT CATCHERS) ausführt, ist Resozialisierung ja ein primärer Zweck des Strafvollzugs, wenn man nicht auf die althergebrachte Methode „einsperren, Schlüssel wegwerfen“ zurückgreifen soll. Das wäre dem Minister aber momentan deutlich lieber, denn ein entlaufener Psychopath irgendwo in der Provinz ist schlecht für die Publicity der Regierung, die schon genug Ärger an der Backe hat. Äh, druckst da der Gefängnischef herum, es ist, nun ja, nicht direkt nur einer… Der Entsprungene hat nämlich noch drei Kollegen mitgenommen, allesamt ebenfalls erstklassig wahnsinnige Sex- und Gewalttäter, wovon einer allerdings dem eigenen Geschlecht zugeneigt sei („Und das soll mich beruhigen?“, fragt der Minister berechtigterweise bissig) und ein anderer ein religiöser Fanatiker, der in allen anderen Menschen auszurottende Teufel und Dämonen sähe. Und da gibt’s noch ein ganz anderes Problem – wie wir schon geklärt haben, wurden an den Typen experimentielle Therapien getestet, eine sogenannte „Traumtherapie“, bei der die Probanden mittels halluzigener Drogen in einen Traumzustand versetzt würden – und in dem glauben sich die Entlaufenen immer noch. Der Minister ist kurz davor, die Beherrschung zu verlieren. „In meinen Träumen morde, plündere und vergewaltige ich nach Belieben!“ („ You do?“, gibt sich der Psychiater sehr interessiert). Und der Minister ist noch nicht mal ein Psycho (naja. Behauptet er). Jedenfalls müssen die Flüchtigen wieder eingefangen werden und das auf betont unauffällige Weise, auf dass keine Panik in der Bevölkerung entstehe.
 
Dieweil, zurück in der Provinz. Der Busfahrertrottel manöveriert sein Gefährt in eine weitere Panne. Diesmal allerdings ist der Schaden so beträchtlich, dass an eine Weiterfahrt nicht zu denken ist. Eine Übernachtung irgendwo in der Wildnis im Bus wird von Mrs. Hargreaves als ausgesprochen unschicklich angesehen. Es wird doch in der Gegend und in Laufnähe irgendwo ein Hotel oder ähnliches geben, oder? Der Busfahrer (dessen Gefährt die schmale Straße vollkommen blockiert… SO gottverlassen, dass nicht mal alle ein-zwei Stunden ein Auto vorbeikommt, dessen Fahrer ob des Verkehrshindernisses praktisch zur Hilfeleistung genötigt wird, kann die Ecke doch nicht sein) ist minderbegeistert, wird aber als einziger Mann und damit potentieller Beschützer der unschuldigen Zierpflanzen zwangsverpflichtet, die Expedition anzuführen (da halte ich’s mit einem der Mädels, die bereits jetzt bei einem fatalistischen „I’d rather die“ angekommen ist).
 
Dieweil Pete und Mike sich langsam auf die Nachtruhe vorbereiten und dabei verdutzt feststellen, dass die Axt, mit der sie eigentlich Feuerholz hacken wollten, durch unangemeldete Abwesenheit glänzt, trekkt das knappe Dutzend Busbrüchige also durch finstere Mischwälder, auf der Suche nach Zivilisation, einem warmen Tee und einem Dach überm Kopf. Sie laufen dabei aber erst mal Bert (Charles Stewart, SCHALCKEN THE PAINTER), dem Gamekeeper der hiesigen Wälder, über den Weg, der sich einigermaßen echauffiert darüber zeigt, dass die singende Rasselbande die hier heimischen Vögel stört. Mrs. Hargreaves‘ dominante Persönlichkeit überredet Bert allerdings, die Gruppe zu einem nahegelegenen Hotel zu führen. Das sei, doziert Bert, zwar eigentlich noch geschlossen, aber die dort tätige Verwalterin wird sich angesichts der lieben und netten Mädchen sicher breit schlagen lassen, sie dort nächtigen zu lassen. Gegen Bargeld, versteht sich. Dem Busfahrer wird das alles zu bunt, er beschließt, zu seinem geliebten Reisebus zurückzukehren und dort sein Haupt zur Nacht zu betten.
 
Das Schlosshotel macht zwar insgesamt einen eher unheimlichen Eindruck, aber das mag auch an der vorgerückten Tageszeit liegen. Mrs. May (Hilda Braid, EASTENDERS, 101 DALMATINER) gibt sich zunächst zwar bedauernd-abweisend, aber wie Bert richtig vermutet hat, kann die gute Frau angesichts einer Horde trauriger Mädchen ihre mütterlichen Instinkte nicht im Zaum halten. Es wird schon irgendwie gehen, die Girls eine Nacht lang unterzubringen. Bert verabschiedet sich und kehrt zu seinem Haus zurück – dabei läuft ihm auch der Dreibeinhund über den Weg (der offenbar, allerdings bis dato durchaus im Besitz aller vorgesehenen Laufstelzen, zu seinem Haushalt gehört) und wird mitgenommen. Bert plagt allerdings ein unbestimmtes Unwohlsein, weswegen er sich zum Leidwesen seines angetrauten Ehebesens Enid (Edwina Wray, DICK BARTON: SPECIAL AGENT) dazu entschließt, mit seiner bewährten Schrotflinte noch einen weiteren Erkundungsgang durch den Wald zu unternehmen.
Jetzt fehlen uns zum Glück eigentlich nur noch unsere fröhlichen Psychos. Den ersten lernen wir jetzt auch kennen – er wird uns später noch als Mr. Jones (Peter Spraggon, FÜR KÖNIGIN UND VATERLAND) vorgestellt werden, ist von eher grobschlächtiger Statur und wie seine Kameraden mit einem weißen Klinik-Overall bekleidet. Außerdem ist er widerrechtlicher Besitzer der Axt unserer Camper-Freunde und erlegt mitselbiger zunächst mal unseren Freund, den Busfahrer. Batsch.
 
Im Schlosshotel improvisieren die Mädchen mit Mrs. May ein Abendessen – insbesondere Sandy (Alison Elliot, DIE MARS-CHRONIKEN) und Agatha (Georgina Kean, KIM & CO., KING OF THE CASTLE) werden von Mrs. Hargreaves zum Küchendienst verdonnert. Schlägt vermutlich sogar noch ein paar Sangesstunden im Salon. Mrs. May ist für die Hilfe dankbar, aber auch ein bisschen durch’n Wind. Sie vermisst nämlich… ta-daa, Julie, die noch nicht zurückgekehrt ist. Arbeitstechnisch ist das nicht die Katastrophe schlechthin, da Julie, wenn anwesend, nach Meinung ihrer Chefin und/oder Mutti (der Film drückt sich da nicht sehr direkt aus) weniger Hilfe denn personifiziertes Hindernis darstelle, aber, naja, Sorgen macht man sich dann halt doch. Unglücklicherweise ist das Telefon kaputt, sonst hätte May auch schon einen Anruf bei der Polizei getätigt. Sandy ist Doctor-Who-Kennerin – gibt’s hier nicht irgendwo in der Nähe eine Police-Call-Box? Gibt es, bestätigt May, an der Grundstückseinfahrt. Sandy und Agatha melden sich sofort freiwillig für die Expedition zu einer potentiellen TARDIS, aber bevor die beiden sich davonschleichen können, beordert die Hargreaves Agatha zurück zu den restlichen Schäfchen. Sandy macht sich also allein auf die Selbstgestrickten.
 
Unser Freund und Kupferstecher (oder Kopfabstecher) Mr. Jones hat indes Berts Hütte entdeckt. Das Gamekeeper-Ehepaar hält sich unglücklicherweise neben dem Wuff, der aber schon wieder aushäusig ist, auch eine Miezekatze, und Mr. Jones gehört auch zu den Freunden der Tierwelt. Nach kurzer Knuddeleinlage hackt er der Pussycat mit einem Messer, das auch Crocodile Dundee als solches klassifizieren würde, den Schwanz ab (bevor PETA-Fans aufheulen: Den kleinen Spaß improvisierte die Filmcrew an Ort und Stelle, als sie feststellte, dass der Katze sowieso schon der Schwanz fehlte). Enid, die zu ihrem persönlichen Pech die nächste ist, die Jones über den Weg läuft, hat leider keine Fortsätze, die man abschneiden kann und ist auch deutlich weniger kooperativ als der Stubentiger. Sie greift selbst zum Messer und sticht Jones in die Visage. Das mag der nun wieder gar nicht leiden…
 
Jones‘ Fluchtkumpane, Mr. Smith (Nigel Gregory, UFO, K-9 AND COMPANY: A GIRL’S BEST FRIEND), mutmaßlich der erwähnte religiöse Madman, der dickliche Mr. Trubshaw (TASK FORCE POLICE, BLAKE’S 7) und der noch recht jugendlich-frisch wirkende Mr. Muldoon (Paul Rattee, DIE BRÜCKE VON ARNHEIM, DAS RUSSLAND-HAUS) stolpern indes über das Schlosshotel und die wohlklingenden Gesänge, die aus ihm strömen. Zumindest vorübergehend, denn es ist schon spät und Hargreaves scheucht ihre Rasselbande in die respektiven Betten. Drei Zimmer hat Mrs. May hergerichtet, so dass sich zwei bzw. drei Girls einen Raum teilen müssen. Aber es ist besser als auf dem Boden schlafen. Die Mädchen hören aber rasch ungewöhnliche Klänge – von draus vom Walde erklingt ein dreistimmiger Männerchor. Auch der mörderische Psychopath von Welt ist musikalisch ein- und ausgebildet.  Die Drei von der Singstelle lassen sich nicht lumpen und dringen ohne größere Probleme ins Hotel ein.

Dort begegnen sie zunächst Miss Lilac, die ihnen aber keinen gesteigerten Widerstand entgegensetzen kann, sondern einfach beim ersten Anblick von drei wenig vertrauenswürdigen Gesellen in eine dekorative Ohnmacht fällt. Und da denkt man immer, englische Internatslehrerinnen sind a) einiges gewohnt und halten b) viel aus. Man hat mich massiv angelogen. Irgendeins der Girls – die sind eh kaum zu unterscheiden, weil sie entweder ihr Schuluniformkleid oder, wie jetzt, weiße Nachthemden im Einheitsschnitt tragen, man vergebe mir also, wenn ich bis auf Agatha, Sandy und Mary, die entweder größere Rollen spielen bzw. ein eindeutiges Identifikationsmerkmal, im Falle Mary den stets mitgeschleiften gelben Teddybären, haben, keine Ahnung habe, wer genau das in diesem Falle ist – leidet offenbar unter akuter Schlaflosigkeit und scharwenzelt ins Foyer, was Mr. Muldoon grad recht kommt, der müsste sich nämlich dringend mal sexuell abreagieren. Und da die Herrschaften sich ja auch einig sind, dass sie sich in einem zwar recht kuriosen, nichtsdestoweniger aber nicht realen Gemeinschaftstraum befinden, kann man ja ohne Konsequenzen flachlegen, was flachgelegt gehört. Die Vergewaltigung ruft, da mit Geräusch verbunden, Mrs. Hargreaves auf den Plan. Ich hatte die kurze Hoffnung, als Lehrerin alten Schlags wäre die von etwas bemerkenswerterer Widerstandskraft, aber Trubshaw muss ihr nur dezent die Hand auf die Kehle legen – wohl hauptberuflich der Würger von Wolverhampton, der Kerl – und schon verscheidet die Dame unspektakulär. Mr. Smith macht sich für ein ordentliches Begräbnis stark, das darin besteht, der Verblichenen ein günstig herumliegendes Laken über den Astralkörper zu legen.
 
Eins der anderen Girls hat sich aus seinem Zimmer gewagt und die schöne Bescherung nach meiner bescheidenen Ansicht realistischerweise nicht sehen können, nichtsdestotrotz aber die richtigen Schlüsse gezogen und eilt zurück ins Schlafgemach, wo sie sich mit ihren Gefährtinnen verbarrikadiert. Unglücklicherweise fehlt für das Türschloss der passende Schlüssel, so dass die gut alte Stuhl-unter-die-Klinke-schieben-Methode herhalten muss.
 
Während die Psychos realisieren, dass hier noch mehr vergewaltigbares Weibsvolk rumschlumpft, und abgesehen davon sich der kleine Hunger meldet (was immerhin von Trubshaw für im Rahmen eines Traumes relativ merkwürdig gehalten wird), versuchen sie, in die Zimmer der Mädchen einzudringen, was aber misslingt. Zwei Türen sind verschlossen, die dritte verrammelt, und mit freiwillig rauskommen haben‘s die Grazien nicht so.
 
Indes ist Sandy auf dem Weg zur Police Box offenbar vom rechten Weg abgekommen, fällt jedoch über etwas, was ihr das kalte Grauen über den Rücken und die Stimmbänder laufen lässt.  Mir wurde tatsächlich erst sehr viel später klar, dass der Haufen Walddreck und Blätter, den man mir da zeigt,  allen Ernstes die Leiche von Bert, dem Gamekeeper, sein soll. Wie gesagt, ich hätte eher auf Ameisenhügel, wilde Müllkippe oder einfach nur herumliegendes Geäste getippt.  Ebenso kreischend wie blindlings rennt Sandy los und hat das unverdiente Glück, nicht in Mr. Jones, der ja noch irgendwo im Wald rumstromern sollte, sondern auf das Zelt von Mike und Pete zu treffen, und das noch größere Glück, dass die das hysterische Mädchen nicht für eine durchgeknallte Irre halten, sondern nach kurzer anfänglicher Skepsis ihre Geschichte mit der Leiche des alten Mannes für bare Münze nehmen.
 
Dieweil sich Mr. Jones zu seinen Kollegen ins Hotel gesetzt, sind diese auf einen todsicheren Plan verfallen, wie sie die Mädchen aus der Reserve locken. Trubshaw kloppt auf einen Topf und brüllte „FEUER!“ Es spricht nicht für die Qualität des englischen Bildungssystems, dass eins der Mädchen tatsächlich doof genug ist, darauf reinzufallen. Aber andererseits ist’s ja auch nur Mary, und aufgrund ihres Teddybärenticks vermute ich eh, dass die leicht zurückgeblieben ist. Mary wird also als Geisel und Druckmittel genommen – wenn Agatha und ihre zwei Bettgefährtinnen nicht freiwillig rauskommen (dass auch noch ein drittes Zimmer belegt ist, haben die Psychos bislang nicht mitbekommen und die zwei dortigen Insassinnen halten sich begreiflicherweise bedeckt), wird Mary ein verdrießlich Missgeschick der fatalen Sorte zustoßen, und das wollen ihre Freundinnen doch nicht, oder? ODER?
 
Wo jede vernünftige Klassengemeinschaft ein achselzuckendes „lieber die als wir“ als Losung ausgeben würde, hält Agatha, die in ihrem Zimmer die Denkhaube aufhat, die Situation für alternativlos und kapituliert auch im Namen ihrer Mitbewohnerinnen. Die Herrschaften sind aber, was die unmittelbar geäußerten Wünsche zum weiteren Verlauf der lauschigen Nacht angeht, jetzt relativ zivil – es plagt, wie gesagt, der Kohldampf, und das möchten die Mädchen doch jetzt bitte durch Zubereitung eines der Könige, die sie momentan als Herren über Leben und Tod ja sind, würdigen Mahls korrigieren. Die Schicksen versuchen das „wir können nicht kochen“-Argument anzubringen, aber Trubshaw ist in der Hinsicht stockkonservativ – „alle Mädchen sollten kochen können“, und im Zweifelsfalls ist jetzt ja der i-de-a-le Zeitpunkt, um’s zu lernen. Ich hoffe, Bullrichsalz und Rennie stehen in ausreichender Anzahl in der Hotelapotheke zur Verfügung.
 
Pete und Mike bekommen noch mehr Damenbesuch – es ist Julie, die verstört und verwirrt auf ihr Zelt zuwankt. Da offene Bluse (und kein BH drunter) wohl auch in ruralen Landstrichen nicht als tugendhafte Bekleidung betrachtet werden, ist ihr wohl auch schon ein solch Missgeschick zugestoßen, und ja, Julie rapportiert, von drei fiesen, ganz in weiß, aber ohne Blumenstrauß, gekleideten Männern vergewaltigt worden zu sein. In Verbindung mit Sandys Geschichte sind sich Pete und Mike nun einig, dass hier mächtig was im Busch ist, und als Männer der Tat liegt es zweifellos an ihnen, den fiesen Frauenschändern ordentlich was vors Fressbrett zu geben, und/oder wenigstens irgendwie die Polizei zu alarmieren, auch wenn Pete nachdenklich darauf hinweist, dass die Mordbrennerbande mindestens mit der verschwundenen Camper-Axt bewaffnet sind. Man einigt sich auf eine getrennt-marschieren-vereint-zuschlagen-Strategie – Pete will sich zum Hotel durchschlagen, Mike soll die Wälder durchforsten.
 
Bei Psychos herrscht indes gewisser Zweifel über diese ganze Traum-oder-nicht-Geschichte. Muldoon und Smith sind absolut davon überzeugt, im Traum zu sein, Trubshaw ist sich nicht so sicher, und wenn das Geschehen real ist, dann haben sie wohl ein oder zwei oopsies begangen, für die sich die Ordnungsmacht interessieren sollte. Jones, der’s mit dem Denken generell nicht so hat, wird daher losgeschickt, um die im Hause des Gamekeepers zweifellos in ausreichender Menge vorhandenen Knarren zu apportieren.  
 
Das ist insofern schlecht für Pete, der sich zunächst mal im Gamekeeper-Haus umsehen will und dort zunächst über die dekorativ per stirnwärts eingeführtem Langmesser an die Küchentür genagelte Enid stolpert. Der hinzustoßende Jones ist durchaus gewillt – und dank körperlicher Überlegenheit absolut in der Lage hierzu -, ähnliches mit Pete anzustellen, doch fällt sein Blick während des Handgemenges in einen Spiegel und er bemerkt, dass die eigene Visage durch Enids vorige Gegenwehr entstellt ist. Das schockiert den Mördersmann so sehr, dass er von Pete ablässt und der sich schleunigst verpissen kann.

Am Schlosshotel angekommen, profitiert er davon, dass die drei Restpsychos sich von ihren Geiselinnen verköstigen lassen, wobei die zubereiteten Sandwiches eher keine Michelin-Sterne gewinnen. Pete schleicht sich in den ersten Stock und wird von den verbliebenen zwei Mädels eingelassen, nachdem er glaubhaft versichert sein, kein psychopathischer Triebtäter zu sein. Pete schlägt eine Flucht durchs Fenster vor – zum Glück ist das Hotel von der Sorte, die ihre Obergeschosse von Galerien umlaufen lassen, über die man sich herunterhangeln kann. Etwas unpraktisch ist, dass die letzte Etappe der Fluchtroute über eine Leiter direkt am Küchenfenster vorbeiführt und Trubshaw da ganz salopp rausglotzen könnte, wenn nicht Agatha geistesgegenwärtig die Flucht ihrer Kameradinnen durch eine verführerische Pose und Freilegung einer attraktiven Teenie-Schulter oder zwei decken würde. Pete gibt einen thumbs up und verdünnisiert sich mit den zwei Geretteteten.

Or are they saved? Als Pete sich und seine neuen Schützlinge weit genug vom Schlosse entfernt glaubt, verdonnert er sie dazu, alleine zur Straße durchzubrechen und im Dorf Polizei, Armee oder Justice League zu alarmieren, er selbst, elender Held, der er ist, will auch die restlichen Mädchen aus ihrem garstigen Ungemach befreien. Während er also zurück zum Schlosshotel hechelt, laufen die beiden Flüchtigen geradewegs in den gerade ziellos durch die Botanik geisternden Jones. Der würde sich jetzt gern per Zellteilung vermehren, denn die Girls hauen in unterschiedliche Richtungen ab und er kann schlechterdings nur eine der Gören verfolgen. Gut für eins der jungen Dinger, das uns im weiteren Filmverlauf dann auch nicht mehr interessieren wird, schlecht für das andere – die wird von Jones nämlich bis zu einem See gescheucht. Das Mädchen – das könnte Elisabeth gewesen sein – geht ins Wasser, Jones allerdings ist auch nicht wasserscheu und legt ihr seinen patenten Schraubstockgriff um die Kehle. Abgang Liesel.
 
Während Pete also zurück ins Hotel hechelt und dort mit den verbleibenden Girls einen Schlachtplan entwerfen kann, weil die Psychos mal wieder eine kleine Debattierstunde zum Thema Traum oder Wirklichkeit einlegen, findet Jones zufällig das Zelt der Camper, in dem sich zur Zeit Julie und Sandy aufhalten. Jones wäre geneigt, auch hier Nägel mit Köpfen zu machen, hat die Rechnung jedoch nicht ohne kaninen Wirt gemacht. Der Dreibeinköter stürzt sich auf ihn und zerfleischt den fiesen Irren (nun, zumindest soll das das Endergebnis sein, es sieht nicht wirklich so aus…).

Der raffinierte Plan im Hotel wird vollzogen – die Mädels krauchen in den Keller und spielen dort die heulsusigen Japperlappinnen. Smith, Muldoon und Trubshaw wittern leichte Beute, aber kaum haben sie sich ebenfalls ins Kellerkabuff hinunterbewegen, zündet Agatha ein Feuerchen an. Das wiederum eröffnet eine neue Runde des Traum-oder-nicht-Ratespiels, und Smith hat sich momentan mal wieder für die Traum-Variante entschieden und ist überzeugt davon, dass ihm die Flammen, da nicht real, nichts anhaben können. Irrtum. Dieweil Smith verbrutzelt, verduften Pete und die Mädchen, verfolgt von Trubshaw.

Die ganze Rasselbande feiert großes Wiedervereinigung mit Sandy, Julie und Mike – die Jungs hasseln die Mädchen zu einem kleinen Sägewerk, während Pete versucht, den mittlerweile mit Berts Schrotflinte bewaffneten Trubshaw von diesem improvisierten Versteck wegzulocken. Das klappt ganz gut, hat allerdings für Pete den gesundheitsabträglichen Nachteil, dass der Melonenträger durchaus mit dem Schießgewehr umzugehen versteht und in bester Stimmung ist, Pete langsam, aber genüsslich in seine Einzelteile zu zerballern. Sähe schlecht für unseren Helden aus, hätte nicht Agatha ihren gesammelten Mut plus eine Sichel zusammengenommen, Trubshaw nachgesetzt und ihm im entscheidenden Moment die Sichel ins Kreuz gedengelt…

Dann wäre ja nur noch Muldoon zu erledigen…

Inhalt:

Wie für so viele der armen unschuldigen Filme, die in den 80er Jahren, mitten in der schönsten Anti-Gewaltfilm-Hysterie auf der offiziellen britischen Video-Nasty-Liste (für den verdienten Gorehound von Welt nichts anderes als eine Einkaufsliste ähnlich des BPjS-Reports), landeten, ist auch bei KILLER’S MOON die primäre zu treffende Aussage „viel Rauch um verhältnismäßig wenig“. Sure, es ist kein besonders menschen- (oder frauen-, falls man die als Menschen zählen will, ähm)freundlicher Film, aber wer hier ein in Blut und Eingeweiden ersaufenden Machwerks fortgeschrittenen Sexualterrors entfesselter Nicht-Vampire, dafür aber sadistischer Psychopathen erwartet, wird einmal mehr bitterlich enttäuscht (hat aber dann vermutlich bessere Karten, von mir auf ein Bier eingeladen zu werden). Es sollten zwar noch ein paar Jahre vergehen, bis die Italiener ausloteten, was man unter Vernachlässigung jeglichen guten Geschmacks auf die Leinwand klatschen konnte, ohne direkt verhaftet zu werden (zumindest meistens. Signore Deodato hat da ja ganz eigene Erfahrungen), und abgefeimte Widerlichkeiten der extremen Art waren noch nicht per se an der Tagesordnung, aber wir reden immerhin auch vom gleichen Jahr, in dem DAWN OF THE DEAD in die Kinos kam, und das gute alte TEXAS CHAINSAW MASSACRE hatte schon vier Jahre auf dem Buckel, der Horrorfilm war also schon deutlich offensiver (in jeder Hinsicht), und im Vergleich zu Romero ist der Film von Alan Birkinshaw (einer, den man „journeyman director“ nennen kann, u.a. inszenierte er den hier besprochenen SÖLDNER DES TODES oder für Cannon/Harry Alan Towers die Christie-Adaption DEATH ON SAFARI) regelrecht handzahm.
 
Birkinshaw, der den Film auch schrieb und produzierte, konnte auf prominente Mithilfe zählen. Die Dialoge des Scripts entwarf nämlich die britische Schriftstellerin Fay Weldon, aus deren Feder u.a. die Romanvorlage für das Roseanne-Barr-Vehikel DIE TEUFELIN stammt. Weldons erklärtes Ziel als Autorin war es, die Sicht von „gewöhnlichen“ Frauen einzunehmen, die sich in der steifen, patriarchalischen britischen Gesellschaft durchsetzen müssen. Weldon sieht sich als Feministin, sah sich aber einem massiven Shitstorm ausgesetzt, als 1998 in einem Interview leichtfertigerweise aussagte, eine Vergewaltigung sei nicht das schlimmste, was einer Frau passieren könnte (natürlich gab’s noch einen Qualifier hinterher, der meistens zwecks größerer Skandalisierung ignoriert wurde. „if you’re safe, alive and unmarked after the event“. Natürlich immer noch eine zumindest sehr diskutable Aussage, aber nun auch nicht die pure satanische Bosheit) – ein Satz, der sich praktisch 1:1 auch in den Dialogen von KILLER’S MOON wiederfindet. Wie kam Alan Birkinshaw also zu dieser für einen Horror-Thriller eher ungewöhnlichen Kollaborateurin? Einfach. Blut ist dicker als Wasser, und Fay Weldon wurde als Franklin Birkinshaw geboren und ist mithin Alans Halbschwester. Dennoch bezeichnete sie später ihre Mitarbeit an diesem Film als den großen Fehler. In ihren Worten:  „Im Drehbuch waren die Mädchen Chiffren. Ich gab ihnen Charaktere, was den unglücklichen Effekt hatte, den Film zu einem Kultfilm zu machen. Ich hätte es lassen sollen, wie es war. Dialoge des Films: Note 1. Fertiger Film: Note 4. Eine furchtbare Mischung.“  Ich bin nicht ganz sicher, ob die gute Fay ihren Einfluss auf den Film und die objektive Qualität ihrer Dialoge nicht womöglich doch ein gaaanz klein wenig überschätzt. It’s not Shakespeare (der hat stattdessen die Musik komponiert. John Shakespeare).
 
Für einen Film, der auf die Essenz runtergebrochen nichts anderes ist als ein Bastard aus Proto-Slasher und LAST HOUSE ON THE LEFT-Nachzieher, hat KILLER’S MOON eine gar nicht mal so dumme Grundidee. Die Psychokiller sind böse Gesellen, aber man kann ihnen nicht die volle Verantwortung für ihre Taten zuschanzen (was der Film im Endeffekt natürlich schon tut, weil er seinen „kritischen“ oder satirischen Aspekt nach dem Gespräch des Ministers mit dem Psychiater und dem Gefängnisdirektor nicht wieder aufgreift), sind sie doch in gewisser Weise auch Opfer. Aufgrund der experimentellen Drogen (LSD, unausgesprochen, aber wohl gemeint) sind sie nicht mehr in der Lage, Realität und Traumwelt zu unterscheiden, wähnen sich, wie von ihrem Psychiater angekündigt, im Traum und geben, wie vom Psychiater auch verlangt, ihren finsteren Trieben und Neigungen nach, wo es ohne Konsequenzen möglich sein soll, damit sie in der Realität dieses Verlangen nicht mehr spüren. Es ist nicht ihr Fehler, dass die Therapie den Nebeneffekt hat, für sie die Grenze zwischen realer und Traumwelt verschwinden zu lassen. Leider sind die vier Psychopathen als Figuren selbst nicht sonderlich interessant. Zwar reißt der Film in dem schon erwähnten Polit-Gespräch die unterschiedlichen Hintergründe der kranken Kriminellen an, belässt es aber auch bei dreien, denen eine distinkte Motivation unterstellt wird, und tut dann in der Folge damit exakt nichts. Wir wissen nicht mal, wer *welcher* der Psychopathen sein soll. Ich kann nur anhand von ein-zwei Dialogzeilen vermuten, dass Smith der religiöse Typ ist, und ich glaube, mit ein bisschen guten Willen soweit fabulieren zu können, dass Trubshow der eher dem männlichen Geschlecht zugeneigte Irre sein könnte, aber dafür erschießen lassen ließe ich mich nicht (zumal der Schluss auch zu implizieren scheint, Muldoon wäre derjenige welcher… you see, konsistente Charakterdarstellung ist die Sache des Films nich‘ so). Wenigstens setzt Trubshow nach einer Stunde oder so eine Melone auf. Muss als „Charakter“ dann wohl auch reichen.
 
Nicht, dass es bei den Mädchen besser aussähe. Fay Weldon mag meinen, aus den Figuren Charaktere gemacht zu haben, aber trotzdem – ich könnte von keinem der Girls irgendeine Charaktereigenschaft aufzählen, die sie von den anderen absetzen würde. Sandy und Agatha haben ein paar Lines mehr (und Sandy treibt sich in der zweiten Filmhälfte nicht im Schloss rum), und Mary hat ihren Teddy-Tick, bei den anderen ziehe ich aber total blank (was ironischerweise auch das ist, was zumindest zwei-drei der Girls tun, halt ein bissl anders…).
 
Und die Helden? Pete und Mike trifft’s sogar besonders schlimm, denn die haben nun wirklich gar keinen Background, gar nichts, was sie irgendwie definieren würde. Sind halt zwei Typen, die zufällig in der Gegend sind und in die Sache reingerissen werden, was zwar auch irgendwie schon wieder ein Statement sein könnte, aber warum Pete und Mike sich so für die Sache der Mädchen einsetzen (die sie ja auch für verrückt halten oder es dabei belassen könnten, Sandy zum Dorf zu begleiten und dort die Polizei zu informieren), wird nie klar. Auch Birkinshaw muss das aufgefallen sein, denn es gibt ein-zwei auffällig nachgedreht wirkende Dialogszenen der beiden, die nicht mehr on location, sondern im Studio vor einem wunderschönen Landschaftsvorhang gedreht wurden, aber die Charaktere faktisch auch nicht weiter vertiefen.
 
Was mich direkt zum Thema „völlig verhunzte Szenen“ bringt, und davon hat KILLER’S MOON mindestens drei. Eben die erwähnten Pete-und-Mike-vor-dem-Studiovorhang-Dialoge, die Entdeckung der „Leiche“ von Bert durch erst Sandy und dann Mike, bei der ich erst beim vierten close-up begriffen habe, dass das, was sich vor meinem ungläubigen Auge auf dem TV-Schirm abzeichnet, tatsächlich ein toter menschlicher Körper und nicht ein Haufen Hirschexkrement mit Huflattich und Birkenblättern sein soll, und der „brutale“ Angriff des dreibeinigen Hunds auf Jones, der den Psycho umbringt, obwohl Hannah, der echte dreibeinige Hund (der von einer örtlichen Tiervermittlung beigebracht wurde und sein Bein als echter Held verlor, als er seinem Herrchen bei einem Überfall zur Seite sprang) einfach nur lieb sein und knuddeln will… Nicht radikal vergeigt, aber irgendwie verschenkt erscheint mir der Komplex um die mysteriöse Miss Lilac – ich hab die ganze Zeit darauf gewartet, dass da noch irgendein pay-off, eine Pointe kommt (ich hielt sie zwischendurch schon mal für einen Transvestiten), aber nein, das sieht nur aus wie eine unvollendete Idee, da war vermutlich nie wirklich Substanz dahinter gemeint…
Aber ich will auch nicht zu sehr den Grinch raushängen lassen – es ist nicht alles schlecht an KILLER’S MOON. Trotz der mangelnden Unterfütterung ergibt sich einfach schon durch die unterschiedliche Herangehensweise der Darsteller eine stellenweise ganz interessante Gruppendynamik bei den Pschyos – Smith ist so etwas wie der nominelle Anführer, liefert sich aber mit Muldoon gelegentlich beinahe schon philosophische Auseinandersetzung über die Traum-oder-doch-nicht-Frage, wobei Muldoon derjenige ist, der zuerst auf die Idee kommt, es könnte doch alles echt sein, aber auch selbst nie hundertprozentig zur einen oder anderen Überzeugung kommt, Trubshaw ist derjenige, der sich meist wie ein Fähnchen im Wind nach dem richtet, der momentan die intellektuelle Oberhand gewonnen zu haben scheint, und Jones ist der tumbe eindimensionale Gewalttäter, der auch von seinen Kumpanen primär als herumkommandierbare „muscles“ gesehen wird. Das bringt da und dort schon gewissen Frohsinn, auch wenn die Jungs gelegentlich in etwas zu grobes Overacting verfallen.
Pete und Mike sind als Helden durchaus effektiv, treffen überwiegend vernünftige Entscheidungen und verhalten sich wie denkende Menschen, was auch auf die überraschend kaltblütige Agatha zutrifft, wie insgesamt die Mädchen glücklicherweise nicht nur als heulende und kreischende OPFA gezeichnet werden.
Die day-for-night-Fotografie ist nicht immer gelungen, aber das verleiht dem Film sogar einen gewissen unwirklichen Charme – manchmal können technische Unzulänglichkeiten eben doch der Atmosphäre eines Chillers zuträglich sein (was nicht heißt, dass jeder Depp jetzt losziehen und mit seiner Digicam am hellichten Tag Nachtaufnahmen drehen soll. Es muss schon im „Gesamtpaket“ stimmen). Kameramann Arthur Lavis schwang schon für den nicht üblen Briten-Thriller CATACOMBS (1965), die Mystery-Serie JOURNEY TO THE UNKNOWN oder CATWEAZLE die Kamera und arbeitete mit Birkinshaw auch bei dessen Filmdebüt THE MAN WHO COULDN’T GET ENOUGH und seinem Cannon-Whodunit DEATH ON SAFARI zusammen.
 
Das angeschlagene Tempo ist eher mittelschnell – bis die Psychos das Hotel erreichen und der Terror (der dann ja auch so terrifizierend nicht ist) beginnt, sind wir schon ungefähr bei der Halbzeitmarke angekommen. Es ist bis dahin nicht langweilig, weil Birkinshaw bis dahin durchaus passabel sein Szenario aufbaut, die positiven Figuren einführt und die Rahmenbedingungen festlegt (die Psychos bekommen wir bis dahin nur mal kurz als durchs Bild huschende Schatten zu sehen), und danach wird durch das Switchen zwischen den unterschiedlichen Erzählstränge (im Hotel/Pete/Mike und ggf. noch Jones, wenn der irgendwo rumschlurcht) schon solider Druck aufgebaut und Spannung erzeugt. Die Musik von John Shakespeare und Derek Warne wird sparsam und eher dissonant eingesetzt, was durchaus zur Atmosphäre des Films passt. Das Hotel (übrigens ein echtes Hotel, das während der Dreharbeiten ganz normal in Betrieb war; dafür durften Cast und Crew sich nach Belieben durchfuttern) gibt einen durchaus adäquaten Backdrop ab.
 
Die Gemeinheiten sind, ich deutete es an, so exaltiert nicht. Ein bisschen Kunstblut, aber nie wirklich Gore oder richtiger Splatter. Die nackten Tatsachen werden ebenfalls recht knapp gehalten, das erweckt mehr den Eindruck, als wäre Birkinshaw (zurecht) davon ausgegangen, das Publikum erwarten solche, wolle den Sleaze-Faktor aber so gering wie möglich zu halten, ohne von der Zielgruppe ausgelacht zu werden. Wie gesagt, den Zensoren reichte das schon 1978 für ein britisches „X“-Rating bis hin zum späteren Totalverbot während der moral panic der 80er.

Die schauspielerischen Leistungen sind schwer zu beurteilen, weil – gewollt oder nicht – zwei „Schauspielschulen“ gegeneinander agieren zu scheinen. Die vier Psychopathen bzw. ihre Darsteller legen ihre Kunst offenbar im Sinne der groben Farce aus, wohingegen die Mädchen und die jugendlichen Helden die Sache eher nüchtern-straight angehen. Das beißt sich zwischendurch schon ganz schön, als würden die Darsteller einer Cop-Show in einen Monty-Python-Sketch wandern. Das entbehrt nicht eines gewissen Unterhaltungswerts, aber wer auf einen einheitlichen Ton der Darstellung wert legt, wird hier nicht zufriedengestellt. Herausheben kann man vielleicht Anthony Forrest als Pete und Georgina Kean als Agatha, die das Bestmögliche aus ihrem Material herausholen.

Die Blu-Ray von Screenbound bringt den Film in solider Bildqualität – bei einem Low-Budget-Film von 1978 kann man, wie üblich, keine Wunderdinge verlangen, das ist ein ordentlicher Transfer, der auch der großen Flachbildglotze keinen Schrecken einjagt. Der Ton ist okay, Extras gibt’s leider keine.

KILLER’S MOON ist, am Ende, kein filmischer Weitwurf – für einen echten, memorablen Gewaltschocker ist der Streifen erheblich zu zahm und nimmt sich auch zu viel Zeit, bis er zu dem, was er als „good stuff“ bietet, kommt, und der Kontrast zwischen den munter übertreibenden Psychos und den die Sache straight angehenden Opfern/Helden sorgt mitunter für Misstöne, „watachable“ bleibt die Chose aber durchaus. Man kommt nicht umhin, verschenktes Potential zu erkennen (was Gewaltdarstellungen, Charakterisierungen und die Möglichkeit für ein wenig gallige Satire angeht), stellt man aber keine zu hohen Ansprüche, kann man sich 90 Minuten passabel unterhalten.

© 2020 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 6

BIER-Skala: 5


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