Kill Your Friends


  • Deutscher Titel: Kill Your Friends
  • Original-Titel: Kill Your Friends
  •  
  • Regie: Großbritannien
  • Land: 2015
  • Jahr: Owen Harris
  • Darsteller:

    Nicholas Hoult, Tom Riley, Moritz Bleibtreu, Edward Hoog, Rosanna Arquette, James Cordon


Vorwort:

Steven Stelfox (Nicholas Hoult) ist A&R-Manager bei einem Majorlabel. Wie seine Kollegen ist er ständig auf der Suche nach dem nächsten großen Hit, aber wie in der Branche jeder weiß, aber keiner zugeben würde, hat keiner von ihnen auch nur den leisesten Schimmer, worauf das doofe Publikum denn abfahren wird. Ersatzweise signt man Acts nach dem Zufallsprinzip, dröhnt sich mit Schampus und Koks die Birne zu und vögelt, was nicht bei drei auf’m Baum ist. Als der A&R-Chef seines Labels wegen chronischer Erfolglosigkeit (und der Tatsache, dass sein Leib- und Magenstar, der Drum’n’Bass-Musiker Rage, für sein zweites Album über eine halbe Million Pfund verpulvert hat, und als erste Single mit einem 53 Minuten langen Experimantal-Track ankommt) gefeuert wird, wittert Steven seine Chance auf Aufstieg, doch wird ihm sein Kollege und sort-of-Freund Roger Waters (sic, James Cordon) vorgezogen. Kurzerhand bringt Steven Roger um und wird so temporär A&R-Chef. Seine Aufgabe wäre es nun, den angesagten Indie-Act „The Lazies“ an Land zu ziehen, doch die wollen nur bei Stevens Nemesis, EMI-A&R-Chef Parker-Hall (Tom Riley) unterschreiben. Während Steven in seiner Verzweiflung eine extrem talentfreie Girlband signt, wird ihm Parker-Hall samt der „Lazies“ als neuer A&R-Boss vor die Nase gesetzt. Zudem sitzt Steven der lästige Polizist Woodham (Edward Hoog) im Nacken, der sich für einen begnadeten Songwriter hält und je länger Steven ihn mit dem versprochenen Publishing Deal hinhält, desto mehr interessiert sich der Copper für die Stevens widersprüchliche Aussagen zu Rogers Tod. Zusammen mit seiner aufstiegsgeilen Sekretärin Barbara (Rosanna Arquette) entwickelt Steven Pläne, um erstens den Bullen zum Schweigen zu bringen und zweitens Parker-Hall auszuschalten…

Inhalt:

Der FFF-Eröffnungsfilm, die von John Niven selbst verfaßte Adaption seines Bestseller-Romans, hat zwar wenig mit „Genre“ zu tun (außer dass die pechschwarze Feldstudie eines Psychopathen natürlich irgendwo Anklänge an „American Psycho“ durchblicken lässt), ist aber nichtsdestotrotz ein grandioser Film. Eine ebenso bösartige wie detailverliebte und bei allen geschilderten Exzessen und Abgründen glaubwürdige Satire (die im Vergleich zur Romanvorlage wohl sogar noch abgemildert wurde) auf die hysterischen 90er im Musikbizz, eine Zeit, in der die Branche berauscht von sich selbst war wie nie, ohne eigentlich einen Grund dazu zu haben (es sei denn, man hält die Spice Girls für einen elementar hochwertigen kulturellen Höhepunkt der Menschheitsgeschichte), sondern nur im Koksrausch blind umherstapfte und auf Zufallstreffer hoffte (wie es dann auch Steven gelingt, dessen Girlgroup, deren Talentlosigkeit nur noch von ihrer Zickigkeit übertroffen ist, und sich unschwer als Parodie der „Sugababes“ und anderer Sätze „singender“ Titten enziffern lässt, zu seiner eigenen Überraschung abgeht wie eine Rakete). Unser Protagonist Stelfox ist ein Psychopath – und trotzdem einer, dem wir nicht entscheidend „böse“ sein können, weil er in einem Haifischbecken schwimmt, in dem alle Anderen genauso auf die Möglichkeit lauern, dem auf der nächsthöheren Karrierestufe ein bis drei Messer in den Rücken zu rammen – vielleicht subtiler als Stelfox, als er Roger killt, aber nicht weniger effektiv (so ist Parker-Hall ein Meister darin, für die Erfolge seines Teams die Lorbeeren einzustreichen, im Misserfolgsfall den Verursacher aber ohne Zögern den Löwen vorzuwerfen).

Neben dem perfekten Einfangen des Zeitgefühls der späten 90er (auch und insbesondere, was die Musik angeht. Der Original-Score stammt übrigens aus der Feder von Junkie XL) lebt der Streifen vor allem von der phänomenalen Leistung von Nicholas Hoult, der vor allem ein Meister der reaction shots ist, was der Bursche allein mit einem Augenaufschlag zu transportieren vermag, ist unglaublich – natürlich hilft der unglaublich gut gechriebene Charakter (der auch ständig die „fourth wall“ bricht, den Zuschauer an seinen Überlegungen teilhaben lässt und ihn so zum Komplizen macht) ungemein, aber Hoult („Warm Bodies“, „X-Men: Days of Future Past“, „Mad Max: Fury Road“) bringt die ganze Verdorbenheit seiner Figur so nonchalant-mühelos auf den Punkt, es ist einfach bemerkenswert. Der supporting cast vermag ebenfalls zu überzeugen, und ganz besondere Erwähnung finden muss selbstredend der Kurzauftrit von Moritz Bleibtreu als prolligem deutschen Musik-Agenten, der Steven den Techno-Track „Why don’t you suck my fucking dick“ („biggest single in Germany ever!“, behauptet Moritz, und leider hielte ich das nicht für unmöglich) anzudrehen versucht. Vermutlich die beste Szene, die Bleibtreu in seiner ganzen Karriere je gespielt hat…

Summa summarum – eine großartig-böse Satire, getragen von einer fulminanten darstellerischen Leistung von Nicholas Hoult, die allerdings durchaus voraussetzt, dass man die 90er pop-musikalisch „miterlebt“ hat; ohne dieses Wissen ist „Kill Your Friends“ sicher nur der halbe Spaß.

Toter Hund: Check.

5/5
(c) 2015 Dr. Acula


mm
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