Kaal – Das Geheimnis des Dschungels


  • Deutscher Titel: Kaal - Das Geheimnis des Dschungels
  • Original-Titel: Kaal
  •  
  • Regie: Soham Shah
  • Land: Indien
  • Jahr: 2005
  • Darsteller:

    Ajay Devgn (Kaali Pratap Singh), Vivek Oberoi (Dev Malhotra), John Abraham (Krish Thapar), Lara Dutta (Ishika), Esha Deol (Riya Thapar), Parmeet Sethi (Bashir Khan), Vishal Malhotra (Vishal), Kushal Punjabi (Sajid), Vineet Sharma (Bagga), Daya Shankar Pandey (D.S. Pandey), Shahrukh Khan (Special Guest Star), Malaika Arora (Special Guest Star)


Vorwort:

Im indischen Orbit-Nationalpark gibt’s Ärger – seit vor zwei Monaten zwei unvorsichtige Fotografen von einem Tiger zerfleischt wurden, häufen sich die Gerüchte und Sensationsberichte über weitere Angriffe von Menschenfresser-Tigern. Grund genug für National Geographic, ihren Tigerexperten Krish und seine fotografierdene Ehefrau Riya in den Park zu schicken, um mal zu checken, ob die Unglücksfälle a) wirklich alle passiert sind und b) am Ende tatsächlich auf Tigerattacken zurückzuführen sind.

Auch auf den Weg in den Nationalpark sind vier junge Leute aus Delhi: Dev, seine Freundin Ishika und ihre Freunde Vishal und Sanjid. Die wollten eigentlich wie jedes Jahr auf eine Farm zum Urlauben fahren, wurden aber nach einer Autopanne von dem einheimischen Burschen Bagaar überredet, sich lieber in Orbit auf Tigersuche zu begeben. Sanjid, begeisterter Jäger, ist schon ganz heiß darauf, irgendwas möglichst Geschütztes abzuknallen.

Eine weitere Autopanne später haben sich die Touristen und die Experten zu einer Zweckgemeinschaft zusammengefunden und kampieren gemeinsam. Aber der Trip steht unter einem schlechten Stern – erst verschwindet Krishs Fahrer, dann der Tour Guide. Und Sanjid macht sich auf eigene Faust ins gesperrte Zentralgebiet, um dort auf die Jagd zu gehen.

Die Freunde machen sich auf die Suche nach Sanjid, werden aber von drei Tigern gestellt. Die Lage sieht brenzlig aus, doch da taucht Kali Pratap Singh auf, ein mysteriöser Waldläufer, der die Tiger verscheucht und der Gruppe kryptische Warnungen mit auf den Weg gibt. Wenig später finden Krish & Co. Sanjid – dummerweise ohne seine Rübe und daher naheliegend ziemlich tot. Im Gegensatz zu den Park Rangers ist Krish überzeugt, dass hier kein Tiger am Werke war. Vielleicht aber Dev, der mit jedem der Vermissten und auch mit Sanjid zuvor heftigen Streit hatte?

Die Parkleitung befiehlt den ganzen Trupp ultimativ aus dem Park, doch haben Unwetter alle Straßen blockiert. Zum Glück taucht wieder Kali Pratap Singh auf und bietet sich an, die Gruppe auf Geheimpfaden aus dem Park zu führen. Doch Kalis Wege sind nicht nur unergründlich, sondern auch akut lebensgefährlich. Und was ist eigentlich mit der örtlichen urban legend, dass ein ehemaliger Tourguide, dessen Nachlässigkeit überhaupt erst die ersten Todesfälle verursacht hat und der aus Wut von der Dorfbevölkerung totgeschlagen wurde, immer noch im Dschungel umherspukt und sein Leichenkonto zu füllen versucht?

Inhalt:

Dieses Mal stimmt’s wirklich – „Kaal“ ist sowohl ein „echter“ Bollywoodfilm, hochglanzproduziert und „präsentiert“ von niemand geringerem als Bollywood-Ultra-Super-Duper-Mega-Star Shah Rukh Khan, UND ein sich seiner Sache und seines Genres nicht schämender reinrassiger Horrorfilm. Gut, so „Horror“, wie eine FSK-12-Freigabe es nur zulässt, aber „Kaal“ sucht keine Entschuldigungen und Ausreden für das, was er ist, und das macht in im Pantheon des „großen“, major-produzierten Bollywood-Kinos zu einer Ausnahme.

„Kaal“ spielt sich daher durchaus anders als der übliche masala-(Genremix)-Klopfer aus Mumbais Curryküche – mit 120 Minuten Laufzeit belässt es der Streifen bei einer handlichen Länge, und er verzichtet komjplett auf plot-aufhaltende Song-and-Dance-Einlagen. Die zwei Gesangs- und Tanznummern, die augenscheinlich gesetzlich vorgeschrieben sind, benutzt „Kaal“ für den Vor- und den Abspann – der eigentliche Film bleibt völlig musical-frei und für die Vorspann-Nummer schwingt sogar Shah Rukh Khan als Gaststar mit der offensichtlich in Indien durchaus berühmten MTV-VJane Malaika Arora das Tanzbein für den Titelsong.

Wenn’s dann in den Film proper geht, muss man natürlich schon damit leben, dass der Streifen, bei aller Freude am Genre, indisch bleibt. Wir haben einen Haufen extrem schöner Menschen und so führt „Kaal“ seine Protagonisten auch ein, das erste, was wir z.B. von Tiger-Experten Krish sehen, ist sein Waschbrettbauch. Die Ladies zeigen viel Bein und midriff, aber natürlich ist nudity streng verboten. Und überhaupt brauchen wir recht viel Zeit für eine Auftaktphase mit viel Comedy-Einlagen um Dev, Ishika, Vishal und Sanjid – und später auch mit Park-Guide Pandey, bevor der seinen terminalen Abgang macht.

Das ist dann auch der Wendepunkt, an dem „Kaal“ aufhört, Witze zu machen, sondern von nun an dem Horror zu widmen gedenkt. Und dabei gelingt „Kaal“ sogar überraschendes, woran sich selbst manch Hollywood-Produkt verhoben hat, nämlich ein eleganter Schwung vom eigentlich versprochenen Tierhorror Mensch gegen Tiger hin zum full-fledged supernatural horror, denn schon bald (kurz nach der „Intermission“ zur Halbzeitmarke) wird klar, dass das, was hier unsere Helden dezimiert, wie von Krish richtig vorhergesagt, nicht das Werk von hungrigen Tigern ist, sondern von etwas… anderem. Okay, wer die obige Inhaltsangabe aufmerksam gelesen hat, wird eine vermutlich zutreffende Vermutung haben, worauf der Twist hinausläuft, nichtsdestotrotz macht „Kaal“ das richtig gut.

Freilich kann ein indischer Horrorfilm, erst recht, wenn er ein Major-Produkt ist, nicht so aus sich heraus gehen wie Hollywood – es gibt nur zwei etwas graphischere Szenen (und eine davon ist ein ziemlich, eh, witziger Kill), dafür verwendet Soham Shah gerne für die Dschungelszenen einen fisheye-look, der die Perspektiven leicht verzerrt und dadurch für dezentes Unwohlsein sorgt – eine interessante Variante, einem Publikum, das an „Horror“ im Wortsinne nicht gewohnt ist, die rechte Stimmungslage nachzubringen.

Grundsätzlich hat Regisseur/Autor Shah auch ein ganz gutes Händchen für seine Charaktere, die verschieden genug sind, um auch Konflikte innerhalb der Gruppe zu arrangieren, aber dabei sympathisch genug bleiben, um mit ihnen mitfiebern zu können – und der geheimnisvolle Kali Pratap Singh taugt sehr gut als wandelnde Metapher für die unsichtbare Bedrohung. Gut, Dev ist manchmal etwas kindisch jähzornig und Krish hat für einen Tigerexperten erstaunlich wenig Ahnung davon, wie man im Dschungel (der nicht sooo dschungelig ist, wie man sich’s vorstellt, aber es ist eben auch Dschungel und nicht Regenwald) überlebt (der raucht IM BUSCH Kette…).

John Abraham (auch bekannt aus dem Actionfetzer „Dhoom“) schlägt sich als Krish aber ansonsten gut, wie auch Vivek Oberoj („Krrish 3“ – heißa, ich hab noch nicht mal den ersten Teil dieses hauseigenen indischen Superheldenfranchise gesehen und die sind schon bei Nr. 3) als Dev und Ajay Devgn (Star des indischen „Action Jackson“) als Kali. Die Damen sind entzückendes optisches Beiwerk… yummyyummy.

Gefilmt ist das alles sehr fein, mit teilweise beeindruckenden Aufnahmen des Nationalparks und beachtlicher Tigerdressur („Kaal“ arbeitet nämlich ausschließlich mit leibhaftigen Tigern. Nix CGI-Creatures) und wird, sobald der Horror-Plot ins Rollen kommt, auch in ordentlichem Tempo vorangetrieben.

Ergo: ein schicker, gelegentlich mitreißender Horror-Streifen, gut gespielt, durchaus spannend und mit einigen guten Ideen. Den kann auch der Bollywood-Verächter mal antesten.

3,5/5
(c) 2017 Dr. Acula


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