Jail Bait


  • Deutscher Titel: Jail Bait
  • Original-Titel: Jail Bait
  • Alternative Titel: The Hidden Face
  • Regie: Edward D. Wood jr.
  • Land: USA
  • Jahr: 1954
  • Darsteller:

    Inspector Johns (Lyle Talbot)
    Marilyn Gregor (Dolores Fuller)
    Dr. Boris Gregor (Herbert Rawlinson)
    Lt. Bob Lawrence (Steve Reeves)
    Don Gregor (Clancy Malone)
    Vic Brady (Timothy Farrell)
    Loretta (Theodora Thurman)
    Paul McKenna (Bud Osborne)
    Miss Willis (Mona McKinnon)
    Det. Davis (Don Nagel)
    Det. McCall (John Robert Martin)
    Miss Lytell (La Vada Simmons)
    Reporter (Regina Claire)
    Polizeiarzt (John Avery)
    Verdächtiger (Henry Bederski)
    Fotograf (Conrad Brooks)
    as themselves (Chick und Cotton Watts)
    Radiosprecher (Edward D. Wood jr.)


Vorwort:

Endlich kommen wir zum ungekrönten King der Badmovies, Ed Wood himself. Bis jetzt war dieser ja nur in Form seiner darstellerischen Betätigung in Love_Feast hier präsent und das hatte durchaus seine Gründe. Ich hab zwar seine GROSSEN VIER, d.h. die bekanntesten Filme, hier als wohlgeschätzte Teile meiner Sammlung hier rumstehen (und auch immer wieder in den respektiven Abspielgeräten), hab mich mit Reviews aber bislang zurückgehalten. Zum einen ist es natürlich ob der mittlerweile ausgebrochenen Woodmania schwer, etwas neues oder originelles zum Thema zu sagen, auf der anderen Seite hat Eddie Wood für mich etwas fast „Unberührbares“, so dass es schon irgendwie respektlos wäre, auf meine übliche Art und Weise meinen Senf zu seinen Filmen zu geben. Aber – mein Gott, es ist eine badmovie-Site und die ist ohne Ed-Wood-Reviews nun mal nicht komplett. Also habe ich mich dann doch daran gesetzt, aber ich fange „klein“ an und fange mit dem wohl unbekanntesten seiner vier besser bekannten und leichter erhältichen Streifen an, seinem zweiten Kinofilm JAIL BAIT von 1954 (also keine Angst: GLEN OR GLENDA, BRIDE OF THE MONSTER und natürlich PLAN 9 FROM OUTER SPACE werden folgen, aber allein für den letztgenannten muss ich mir sicher einen neuen Notizblock zulegen). JAIL BAIT ist von Eddie´s genannten Filmen in einer Sonderstellung – Ed versucht hier nicht, sein Faible für Horrorfilme auszuspielen und ist hier auch nicht autobiographisch tätig, nein, Ed versucht sich hier an einer Art Mischung aus Gangsterdrama und „Aufklärungsfilm“ (a la REEFER MADNESS etc.)

Inhalt:

Das erste, was uns bei JAIL BAIT auffallen und in bleibender Erinnerung haften wird, ist der NERVTÖTENDE Soundtrack aus schrammelnder Latin-Gitarre, courtesy bei niemand geringeres als FLINTSTONES-Komponist Hoyt Curtin und ursprünglich 1952 für den trashigen MESA OF THE LOST WOMEN entstanden; das zweite, wenn man in den Credits aufpasst, dass für die „Lingerie“ eine Firma kreditiert wird (das konkurriert schon fast mit dem Credit für die Billion Bubble Machine aus ROBOT MONSTER).

Polizisten liefern einen Verdächtigen auf der Wache ab, was aber für unseren Film nur die Bedeutung hat, dass einer der Cops die auf einem Stuhl wartende Dolores Fuller, hier Marilyn Gregor, fast von selbigem schmeissen kann (ob das mal beabsichtigt war? We know our good old Eddie Wood…). Marilyn will die Kaution für ihren nichtsnutzigen Bruder Don hinterlegen, der wegen unerlaubten Waffenbesitzes eingeknastelt wurde. Inspektor Johns warnt Marilyn: „Eine Waffe zu tragen ist gefährlich!“ „Wolkenkratzer bauen auch,“ kontert Marilyn. Don ist blöde genug, seine Kanone zurückzuverlangen, als er seine persönlichen Gegenstände in Beschlag nimmt. Der Inspektor wirft ihm ein mitleidiges Lächeln und ein paar wohlgemeinte Ratschläge zu. Marilyn und Don ziehen ab.

Johns unterhält sich mit seinem Harry, äh, Assi Lawrence (Mr. Universum Steve HERCULES Reeves himself) über die schlechte Gesellschaft, in der Don sich bewegt, namentlich der stadtbekannte Schurke Vic Brady. „Wie kann ein so grossartiger Arzt nur so einen Sohn haben,“ wundert sich Johns, „sein Vater ist ein grossartiger Mann.“ „Hört sich wie ein Mann an, den ich kennenlernen will,“ entgegnet Lawrence. „Das wirst du wahrscheinlich,“ prognostiziert Johns.

Zuhause giesst sich Don erst mal einen Schoppen hinter die Binde. Schwesterherz macht ihm Vorwürfe. „Ich weiss, was ich tue,“ brummt Don und nicht nur wir bezweifeln das. „Was würde Vater dazu sagen?“ entfährt es Marilyn, woraus Don messerscharf schliesst, dass Paps noch nichts von den Eskapaden weiss. „Und das bleibt auch so,“ gelobt Marilyn, aber „er wird´s rausfinden, früher oder später.“ „Eher später,“ ist sich Don sicher und holt aus dem enorm cleveren Versteck eines ausgeschnittenen Buches eine Ersatz-Bleispritze, man muss sich ja schützen können, falls ein böser Mann einen überfallen sollte.

Justament, als Don sich unbekannten Ziels verabschiedet, kommt Doc Gregor nach Hause und kann seinem Sohn gerade noch hinterherwinken. „Er hatte es offenbar eilig,“ kommentiert der Doc. Gregor ist zur Überraschung seiner Tochter über alles im Bilde, „denn heute nachmittag hatte ich früher am Tag ein längeres Telefonat mit Inspector Johns“ (das kann man gar nicht so blöd übersetzen, wie es im Original ist). Dann hebt der Schönheitschirurg zu einem Lamento übe seinen Beruf an. „Ich hatte heute einen schweren Fall, eine Gesichtsneumodellage. Die Operation war sehr kompliziert. Plastische Chirurgie erscheint mir heutzutage sehr sehr sehr kompliziert zu sein.“ Zweifellos. Das Thema wird wieder auf Don gelenkt, der, so meinte Johns, wohl in Ärger geraten wird. Gregor grübelt, ob die verwöhnte Jugend und fehlende mütterliche Aufmerksamkeit zu Dons Demise beigetragen haben.

Der trifft sich derweil in einer Bar mit Evildoer Vic Brady (aus unerfindlichen Gründen dürfen wir auch hier einen Grossteil der Unterhaltung in der Form verfolgen, nur die Rücken der Gesprächspartner sehen zu können). Mitten in der schönsten Gangsterunterhaltung kommen Johns und Lawrence gar zufällig vorbei. Johns provoziert Don mit einigen Bemerkungen über seinen Vater und der revanchiert sich mit dem teuflischen Akt des Verschüttens eines Bieres. Der Inspektor sagt den Ganoven recht unverblümt, dass sie das Weite suchen sollen.

Das Weite, muss Brady seinen unter Teil-Amnesie leidenden Juniorpartner erinnern, ist ein Theater, wo man die Gagenkasse rauben will. „Hab ich vergessen,“ gibt Don (SUCKER) zu und ist auch sonst recht zögerlich, aber Brady macht ihm klar, wer der Boss ist.

Während Johns und Lawrence entscheiden, am nächsten Tag Doc Gregor zu besuchen, rüsselt der in seinem Sessel vor sich hin und wird von Marilyn geweckt. Gregor kann wieder ein wenig sein Schicksal beklagen. „Wo habe ich versagt?“ fragt er sich. „Nirgends,“ gibt Marilyn brav zurück. „Nur Worte,“ meint Gregor, „der Beweis liegt in der Tatsache!“ (?).

Okay, der Raubzug soll in einem Theater stattfinden und dem alten Runtime-Padder Eddie Wood gibt das Gelegenheit, etwas unrelated Material einzustreuen, je nach Videofassung entweder eine lahme Striptease-Sequenz (im sogenannten Director´s Cut von Rhino) oder, in der Wade-Williams-Fassung, eine reichlich unkomische Vaudeville-Nummer mit einem auf Schwarz geschminkten weissen Pseudokomiker (kann mir nicht vorstellen, dass man auch vor 50 Jahren über solche Spässe lachen konnte…).

Verdammt, ich muss ein bisschen auf die Tube drücken, sonst dauert das Lesen dieses Revies länger als das Betrachten des Films. Okay, Brady und Don entern das nächtliche Theater, wo nur ein einsamer Nachtwärter sein soll. Shoot first, ask questions later, gibt Brady die Devise ab. Der Nachtwächter streitet zunächst ab, irgendetwas von einem Safe zu wissen (und steht dabei direkt daneben), aber das Ultimatum Safe oder Leben ist dann doch effektiv. Leider taucht die Theatersekretärin unangemeldet auf und sorgt für Verwirrung. Kurzer Tumult, dann hat Don auch schon den alten Nachtwächterzausel erschossen und Brady versucht, die Lady zu killen. Mit der Beute von 23.000 Dollar hauen der geschockte Don und Brady ab, aber die Cops sind schon im Anmarsch, it´s official CAR CHASE Time a la Eddie Wood (dem mir vorliegenden Print fehlt leider die göttliche und oft zitierte Szene, in der Verfolgter und Verfolger brav an einer Ampel anhalten und sich bei Grün weiterverfolgen). Auf jeden Fall gibt es auch so genügend Opportunity, den selben Shot einer, ähempt, High-Speed-Verfolgung (mit ungefähr 30 Meilen, grob geschätzt) einzufiedeln, bis Vic die Verfolger endlich abschüttelt.

Die Cops am Tatort versorgen derweilen die angeschossene Lady. „Nur eine Fleischwunde, in ein paar Tagen spürt sie nicht mal mehr den Schmerz,“ verkündet der Doktor. Der herbeigerufene Johns erweist sich als Superkriminalist. Er wird über Raub, versuchten Mord und Mord informiert, der Polizeidoktor verkündet, dass die Lady überleben wird, im Gegensatz zu dem alten Knaben. „Tot?“ fragt Johns. Eh. Äh. Mord ist doch meistens mit mindestens einem Toten verbunden, oder? To make the matter worse kennt Johns noch den Erschossenen, einen alten Ex-Cop namens McKenna, womit der Killer automatisch zum „Copkiller“ mutiert und deswegen die Sache persönliche Züge annimmt.

Brady und Don suchen Unterschlupf bei Bradys Girlfriend Loretta (nicht, dass irgendjemand im Film das damalige Supermodel Theodora Thurman so anreden würde). Während Loretta Brady anpfeift, weil er nicht sicher ist, ob die Zeugin tot ist, faselt Don etwas von „sich stellen“ und ist ehe Brady ihn noch so richtig zur Sau machen kann, auch schon zur Tür raus, Brady verfolgt.

Next morning, Johns und Lawrence vernehmen die fidele angeschossene Lady, die relativ problemlos Don und Brady identifiziert. „Sicher, dass Don der Killer war?“ „Klar,“ meint die Lady, „der andere war zu sehr damit beschäftigt, mich zu erschiessen“.

Don flüchtet in seiner Not in Papas Praxis. „Ich hab Ärger. Schlimmen Ärger.“ Papa Gregor ist über die neusten Entwicklungen noch nicht im Bilde. Don schildert die letzte Nacht in blumiger Ed-Wood-Prosa. „Funny thing about remembering. You never remember the right things until its too late.“ (Whatever THAT means…). Schliesslich rückt Filius mit der Tatsache raus, einen Mord begangen zu haben. „Warum?“ will Papa wissen. „Weiss nicht, hatte die Kanone in der Hand, hab den Abzug gedrückt, dann fiel er tot um. Notwehr,“ fasst Don überobjektiv die Ereignisse zusammen. „Er oder ich,“ sei schliesslich die Entscheidung gewesen. „Dann wärst es besser du gewesen,“ gibt Paps ein Paradebeispiel elterlicher Liebe. Nichtsdestotrotz, Blut ist dicker als Wasser. „Wenn du dich stellst, bin ich auf deiner Seite, wenn aber nicht, tu ich alles, um dich hinter Gitter zu bringen,“ stellt Paps seinen Standpunkt klar und Sohnemann knickt ein. Aber gleich muss er sich verstecken, denn Johns und Lawrence führen ihren Besuch durch. Paps verspricht, Don nicht auszuliefern, wenn er verspricht, sich selbst zu stellen. Word, meint Don und versteckt sich in einem Nebenzimmer.

Johns und Lawrence erzählen Gregor nix neues und Gregor räumt auch freimütig ein, dass Don hier war und gebeichtet hat. „Destiny is a strange and mysterious thing,“ brummelt der Alte etwas zusammenhanglos vor sich hin und komplimentiert die Cops unverrichteterdinge, aber immerhin in Kenntnis davon, dass Don sich selbst zu stellen beabsichtigt, hinaus. Don tritt aus dem Versteck. „I never thought carrying a gun would lead to this!“ meint er. (NRA-Philosophy: Guns don´t kill people. Bullets do. Oder wie war das?). Dann verdrückt er sich durch die Hintertür, wo er aber sofort von Brady abgefangen wird.

Brady schleppt Don zu Loretta, wo Don sich erstmal in Selbstmitleid suhlt und heult, dass die Bullen über alles Bescheid wissen. Brady ist gelassen. „Du bist der Copkiller, nicht ich“. „I´m through with hurtin´ people“, jammert Don und will sich erneut verdrücken, aber Brady knallt ihn kurzerhand ab (recht so. Jammerlappen, hat´s nicht besser verdient). Nun können sich Brady und Loretta ein wenig an die Gurgel gehen. „Was machen wir mit der Leiche?“ fragt sie. „In den Fluss schmeissen?“ „Jetzt?“ „Du dumme Pute, später!“ Brady deponiert die Leiche irgendwo in der Wohnung. „I don´t like dead men clubbering up my place“, protestiert Loretta und fängt sich eine ein. „Ich versorge mich mit all dem Luxus,“ schimpft Brady sein undankbares Gspusi aus (welchen Luxus? Ein Zimmer mit Küche? Wow. Guess I´m a millionaire and don´t know it yet). Die Szene endet in leidenschaftlicher Umarmung. „Zu dumm, dass die Cops dein Gesicht in ihren Akten haben,“ findet Loretta und Brady trifft die Erleuchtung wie ein Blitz. „You hit the solution right on the head!“ Na, was könnt er da wohl meinen?

Paps Gregor und Marilyn sind in Sorge um Don und babbeln babbeln babbeln, bis das Telefon klingelt. Natürlich ist es Brady. To cut a long story short – Brady behauptet Don zu haben und bietet die Freilassung von Filius im Tausch gegen ein neues Gesicht. Gregor willigt ein.
Im Bullen-HQ zeigt uns
Mächtige Muckis machen müde Männer munter
Lawrence seinen gestählten Oberkörper. Johns schlägt ihm vor, seinen Feierabend dazu zu nutzen, bei den Gregors vorbeizuschauen. Lawrence macht sich auf die Socken bzw. in sein Auto (FACT AM RAND: Sowohl Don und Marilyn am Anfang wie auch Steve jetzt steigen in das selbe vor dem Polizeirevier geparkte Automobil, und – ein bei Wood wiederkehrendes Motiv, alle steigen immer durch die Beifahrertür ein und rutschen rüber. Deeper symbolic meaning? I don´t think so.)

Marilyn empfängt Lawrence an der Tür und befördert ihn so schnell wie möglich wieder raus, denn man ist in Aufbruchsstimmung, um zu Brady zu fahren. Marilyn packt sicherheitshalber noch einen Schiessprügel ein. Bei Loretta angekommen, soll sich der Doc gleich ans Werk machen und Brady ein komplett neues Gesicht verpassen. „Take off your shirt and shoes and stretch out on the couch,“ kommandiert Gregor und geht daran, Brady zu chloroformieren. Brady protestiert, aber die Schmerzen würde er nicht aushalten, macht ihm Gregor klar, also willigt Brady in die Anästhesie ein, Loretta soll Gregor und Marilyn in Schach halten. Brady schläft bereits vor sich hin, Gregor macht sich in die Küche, um heisses Wasser (bekanntlich für jede Art von Operation immens wichtig) zu besorgen. Während er auf der Suche nach einer Schüssel die Regale durchwühlt, können sich Marilyn und Loretta fröhlich kabbeln. „Wenn du alt bist, lässt dieser billige Kerl dich einfach sitzen,“ meint Marilyn. „Billig? Sieh dich um, sieht das alles hier billig aus?“ entsetzt sich Loretta (und ja, es SIEHT alles billig aus… love sure makes blind).

Beim Rumwühlen in der Küche stolpert Papa Gregor sprichwörtlich über Dons Leiche. Seine Reaktion auf diese gruesome Entdeckung muss man gesehen haben… Na, jedenfalls betritt er keine Minute später lächelnd das Wohnzimmer und macht sich an die Operation, die eine Screensekunde darauf schon absolviert ist, Brady spielt gesichtstechnisch die Mumie.

Keine Sekunde zu früh, befindet Loretta, „you made his face look like raw meat!“ (Soll in solchen Fällen durchaus vorkommen, siehe FACE/OFF ;-)). Gregor verdonnert den Patienten davor, in zwei Wochen zwecks Verbandsabnahme bei ihm reinzuschneien, das muss Gregor selbst machen, sonst drohen drastic consequences (hm, wenn er meint… aber der Bluff funktioniert, muss man dem alten Knacker lassen). Damit machen Gregor und Tochter ihren Abflug.

Zwei Wochen vergehen… Johns und Lawrence ist es zu ruhig, niemand lässt was von sich hören, weder Brady, Don noch Doc Gregor. Justament als die Cops beschliessen, bei Gregor nach dem rechten zu sehen, ruft der auch schon an und lädt die Bullen für den heutigen Abend zu sich ins Familienheim ein.

[[Bild:jail_ba2.jpg|right|thumb|600x225px|´Und Sie sind sicher, Bela Lugosi hat heute frei?´ fragte die Mumie.]] Und warum wohl, denn Brady findet sich treudoof mitsamt Loretta zur feierlichen Verband-Abnahme ein. Mit dem enormen Reichtum von 23.000 $ beabsichtigt er, bis ans Ende seiner Tage mit Loretta in Südamerika wie Könige zu leben (okay, ich weiss, der Dollar stand damals besser als heute, aber …). Gregor spielt den Ahnungslosen und fragt, wann Brady denn nun Don freilassen würde. „Sobald wir hier weg sind,“ meint Brady und gibt sein Ganovenehrenwort drauf. Bevor der Doc aber zur Tat schreiten kann, platzen Johns, Lawrence und diverses Cop-Gefolge in die traute Wohnstatt und glauben natürlich, Brady vor sich zu haben. Brady, siegessicher, spielt die „ihr-verwechselt-mich-ich-bin-nur-ein-ganz-normaler-Patient“-Nummer. Gregor schreitet unter den Worten „A doctor´s duty sometimes is shown in strange ways, first there´s loyalty to the patient, then to the law, then to the … family“ zur Demaskierung… DRAMATIC PAUSE, Close-ups aller Anwesenden, TA-DAAA. Shock! Kreisch! Zunächst sehen wir nur die Reaktionen der Anwesenden. Brady ist siegesgewiss, macht ihm die Reaktion doch klar, dass „ich nicht der bin, für den ihr mich gehalten habt.“ Soviel ist klar, meint auch Johns und ruft die seinerzeit im Theater angeschossene Lady ein. „Das ist der Mann, der den Nachtwächter erschossen hat!“ ruft diese prompt. Und falls es Brady immer noch nicht geschnallt haben sollte, reicht Johns ihm einen Spiegel – und aus dem grinst ihn das vernarbte Gesicht von DON GREGOR an… (ja, ich weiss, Fifties, Ed Wood – trotzdem – das geht nicht! Brady und Don haben vollkommen unterschiedliche Gesichtsphysiognomie… wollte ich nur anmerken, sorry, I shut up already…). „Das ist mein Sohn,“ verkündet Gregor. Brady panicks, stürmt aus dem Haus, erschiesst noch schnell einen Cop, bevor er selbst erschossen wird und sich tot in den Swimmingpool rollt. THE END.
Bewertung

Good old Eddie Wood. Was wären wir ohne ihn und seine Filme? Obwohl – von einem technischen Standpunkt her betrachtet, ist JAIL BAIT zweifellos sein bester Film. Wood kommt hier ohne übermässigen Einsatz von Stock Footage aus (Ausnahme: die Theater-Nummer, wobei m.E. die Vaudeville-Nummer aus Ron Ormonds Revuefilm YES SIR, MR. BONES! besser passt als ein Striptease, so lausig sie auch sein mag), er bemüht sich um eine straffe, geradlinige Inszenierung (wobei die wieder arg statische Kameraführung von „Wild Bill“ Thompson nicht hilft) und selbst ein für Wood-Verhältnisse nachvollziehbares und, öh, halbwegs stimmiges Script steht zur Verfügung – nur leider heisst „für Wood-Verhältnisse“ ungefähr soviel wie „telegrafiert sein ´twist´-Ende ungefähr 30 Minuten vor Schluss an“, „gibt den Charakteren endlose Gelegenheit zum Labern hirnloser Dialoge“ und „garantiert spannungs- und überraschungsfrei“.

Irreführend ist auch mal wieder der Titel, denn unter JAIL BAIT versteht der geneigte Kinofreund natürlich bevorzugt ein Mädel, das den desgnierten Helden in Schwierigkeiten bringt (und das neue DVD-Cover schlachtet diesen Mythos selbstredend reichlich auch). „Jail Bait“ ist aber, according to Wood, „nur“ die Pistole, die Don auf die schiefe Bahn bringt (das Script suggeriert, dass die Waffe ähnlich wie Drogen zu einer Sucht führt, hence mein oben angeführter Vergleich mit den Marijuana-„Aufklärungs“-Filmen, stilistisch sind hier Verwandschaften zu erkennen).

Natürlich weist aber JAIL BAIT auch sonst genügend Hinweise darauf auf, wer hier auf dem Regiestuhl sass, wobei neben den oben in der Inhaltsangabe geschilderten diversen öfter verwendeten gleichen Aufnahmen an aller erste Stelle die schon kurz erwähnten Dialoge stehen dürften. Mein Gott, endlos könnte ich aus dem Streifen zitieren (hab´s ja aber auch in aller Ausführlichkeit weiter oben getan) und vor allem der arme Herbert Rawlinson hat einige der vermutlich sinnlosesten Zeilen aller Zeiten von sich zu geben. Aber in Punkto Ausstattung, Kulissen, Set Design muss JAIL BAIT gegenüber seinen Nachfolgern PLAN 9 und BRIDE OF THE MONSTER klar die Segel streichen – das ist zu professionell, das sieht richtig nach Film aus.

Auf die Nerven gehen kann einem allerdings die fürchterliche Filmmusik, die nur aus einem einzigen Thema zu bestehen scheint, das dafür aber fast über die gesamte Filmlaufzeit das Ohr des Zuschauers foltert. Verantwortlich dafür wie erwähnt der Schöpfer des FLINTSTONES-Themas Hoyt Curtin, der aber zumindest die Entschuldigung hat, dass die Musik ja nicht für JAIL BAIT entstand. Dennoch – dieses Geschrammel kann einen noch tagelang im Schlaf verfolgen. Nein, davon will ich gewiss kein MP3, lieber dreimal „Laugh Children Laugh“ von Don Sullivan (aus dem GILA MONSTER, zur Erinnerung).

Der Cast ist, wie üblich bei Wood, stellar. Neben seiner damaligen Freundin und GLEN-OR-GLENDA-Star und späterer Elvis-Songwriterin Dolores Fuller (die mit Sicherheit als Songschreiberin besser war als als Schauspielerin, denn was sie hier liefert, ist traurig) „brilliert“ Mr. Universum Steve Reeves (wie sagt schon Frank N. Furter: „If you want something visual that´s not to abysmal, we could take in an old Steve Reeves movie“), der später als HERCULES oder MACISTE zum Topstar des Sandalen-Films wurde. Spötter bezeichnen seine Vorstellung hier als „katatonisch“ und das kommt hin. (Noch dazu brauchte er, wie Dolores Fuller zu berichten weiss, 27 Takes, um eine Krawatte zu binden – der 27. und letztlich verwendete Take sieht auch nicht so aus, als wüsste Reeves, was er täte; Dolores Fuller berichtet übrigens weiter von einer Kussszene mit Reeves, die ist aber im Film letztendlich nicht enthalten, würde auch nirgendwo reinpassen…). Lyle Talbot, auch in GLEN OR GLENDA und PLAN 9 FROM OUTER SPACE mit von der Partie, war nicht nur in den 30ern und 40ern gefragter Charakterdarsteller und später in vielen TV-Serien mit von der Partie, sondern zur Drehzeit auch im Aufsichtsrat der Schauspielergewerkschaft, die (einmal mehr) von Woods Dreharbeiten nichts wusste und, als man´s rausfand, beinahe die Produktion stoppte. Wood überredete die Gewerkschaftler, die Tagesarbeit noch zuende drehen zu dürfen und drehte den gesamten Film dann in einer hektischen Nacht ab. Talbot spielt de facto den selben Charakter wie in GLEN OR GLENDA, aber auch ihm helfen seine Dialoge sicher nicht weiter.

Die beste schauspielerische Leistung bietet, trotz der extrem sinnlosen Dialoge, Altstar Herbert Rawlinson, der sprichwörtlich hunderte Stummfilme abgedreht hatte und auch als Radio-Hörspielsprecher Erfolge feierte. Rawlinson sprang ein, weil der eigentlich vorgesehene Bela Lugosi unpässlich wurde, dabei war Rawlinson selbst schwer krank und starb unmittelbar (am nächsten Morgen!) nach Abschluss der Dreharbeiten. Stellenweise wirkt Rawlinson wirklich stark angeschlagen, aber er zieht mit beeindruckender Professionalität sein Ding durch; ich glaube nicht, dass Bela, so gross er auch war, die Rolle ähnlich gut gespielt hätte, denn sie passt einfach nicht zu Lugosi, umso mehr zu Rawlinson.

Des weiteren dabei: Timothy Farrell, auch schon in GLEN OR GLENDA aktiv und in zahllosen Exploitation-Streifen der Epoche dabei, hier solide, Theodora Thurman, damals VOGUE-Covergirl und gefragtes Model und eine selten untalentierte Schauspielerin, sowie Mona McKinnon, später auch in PLAN 9 mit von der lustigen Partie.

JAIL BAIT ist, wie erwähnt, sicherlich Woods handwerklich bester Film, aber im Umkehrschluss damit auch leider der mit dem geringsten Unterhaltungswert. Sicher hat der Film genügend unfreiwillige Lacher zu bieten, aber im Vergleich zu Romps wie PLAN 9 oder BRIDE OF THE MONSTER fehlen halt die offenkundigen technischen Mängel wie lausige Nicht-Spezialeffekte, Pappmache-Kulissen etc.. Seine Perlen „versteckt“ Wood für die Fans hier hauptsächlich in wahnwitzigen Dialogen, d.h. JAIL BAIT ist ein Film, bei dem man zuhören muss und den man nicht unbedingt einfach so nebenher als Partytape laufen lassen kann. Ohne Woods Dialoge wäre JAIL BAIT vermutlich nicht viel schlechter als so mancher Gangsterfilm dieser Epoche, die sich zumeist auch nicht durch schauspielerische Glanzleistungen auszeichneten, hätte also Wood nicht selber das Drehbuch geschrieben, könnte JAIL BAIT als „passabler B-Gangsterthriller“ in den Geschichtsbüchern stehen, denn hier deutet Eddie an, dass er zumindest als Regisseur kein ganz hoffnungsloser Fall gewesen wäre.

Wood-Sammler müssen natürlich zuschlagen, wobei ich aufgrund der passenderen Vaudeville-Sequenz die Wade-Williams-Fassung aus dem Hause IMAGE (auf DVD erhältlich) empfehlen würde, die DVD bietet auch einen ausgezeichneten Bildtransfer und sogar einen recht passablen Mono-Ton.

(c) 2000 Dr. Acula

  • Timothy Farrell prüft kritisch, aber Theodora Thurman besteht jeden Attraktivitätstest.

  • ´Wenn Steve Reeves seinen Body zeigt, mußt du das auch, Tim, steht im Vertrag!

  • Mächtige Muckis machen müde Männer munter

  • Ein alter Sack gegen zwei Frauen. Das ist doch unfair.


BOMBEN-Skala: 7

BIER-Skala: 7


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