Invasion aus dem Innern der Erde (Langreview)


  • Deutscher Titel: Invasion aus dem Innern der Erde
  • Original-Titel: Jung-gwok chiu-yan
  • Alternative Titel: The Infra Superman The Super Inframan
  • Regie: Hua Shan
  • Land: Hongkong
  • Jahr: 1975
  • Darsteller:

    Ray/Infra Superman (Danny Lee (=LiHsui-Hsien))
    Dämona (Terry Liu)
    Professor Liu (Wang Hsieh)
    May May (Yuan Man-Tzu)
    Chu Ming (Lin Wen-wei)
    in weiteren Rollen: Shu-Yi Tsen, Chien-Lung Huang, Lu Sheng


Vorwort:

Der ein oder andere mag es vielleicht mitbekommen haben, neben dieser Site läuft unter meinem Banner auch noch die Parallelsite merkwuerden.de, die sich u.a. auch mit Filmen beschäftigt, dort allerdings in knapperer Form abgehandelt. Der dort besprochene Film, auf den ich mit Abstand die meisten Reaktionen erhalten habe, ist zweifellos „The Infra Superman“, eine guilty pleasure of mine, und offenbar nicht nur von mir. Wer diesen Film kennt, hat ihn beinahe ausnahmslos in den Status eines Kultfilms erhoben. Wie kommt´s?

Hongkong, 1975. Cinema City befindet sich in einer leichten Krise. Das überraschende Ableben von Bruce Lee hat die Filmschaffenden in eine Sinnkrise geführt. Der traditionelle Chop-socky-Klopper schien mit dem Verlust des Ober-Zugpferds ein wenig an Durchschlagskraft an den Kinokassen geführt zu haben. Neue Märkte braucht das Land. In Japan hatte man gerade die Godzilla-Serie zum ersten Mal zu Grabe getragen, der neue Held hiess Ultraman. Den Verantwortlichen des führenden Hongkong-Studios Shaw Brothers (die u.a. den wohl besten traditionellen Eastern überhaupt zu verantworten haben: „Die 36 Kammern der Shaolin“) hielten es für eine Klasse-Idee, diese drei Franchises zusammenzulegen und das ganze jugendgerecht aufzuarbeiten. Also haben wir bei „The Infra Superman“ gleich drei Filme auf einmal (Drei? Das geht nun wirklich nicht!): Kung-fu, Monster- und Superheldenfilm in einem… Macht´s euch bequem, nehmt euch ein Bier, das könnte länger dauern 🙂

Inhalt:

Bis heute wundert es mich, dass Warner Brothers die Shaw Brothers nicht wegen Klau des Firmenlogos verklagt haben, das nur am Rande. Wir beginnen dann mit einem fetzigen Vorspann, der nicht nur ein paar Trademark-Szenen des Infra Superman (von nun an kurz ISM) zeigt, sondern auch eine echt schmissige Titelmusik bietet (haben will! Wer hat diese Titelmusik als MP3? Haben will!), dann auf zum richtigen Film.

Ein Schulbus kurvt durch´s Hongkonger Hinterland, die Kinder singen, wie es sich gehört „Wer hat Angst vorm bösen Wolf“. Doch da! Schock. Ein Erdbeben! Schlinger-schlinger, der Fahrer kann das Fahrzeug nicht mehr halten. Ein böser Requisiteur wirft einen Gummiflugsaurier vor den VW Bus, der dematerialisiert (der Saurier, that is), worauf sich sofort ein Erdrutsch ereignet. Die Kinder können rechtzeitig flüchten, doch für den Fahrer isses too late, my dear, er stürzt sich mitsamt seinem Fahrzeug gen Erdmittelpunkt.

Meanwhile, in the city. Flammendes Inferno, die Stadt steht in hellen Flammen, als würde Godzilla selbst in einer seiner komischen fünf Minuten (dreimal die Viertelstunde) sein Temperament ausleben. Panik! Aufruhr! Argh!

Cut zu einem Radioteleskop, untrügliches Anzeichen, dass wir uns einer wissenschaftlichen Forschungsstation nähern. Mit einer Motorradeskorte, die einem Staatschef zur Ehre gereichen würde, kutschiert einer unserer Protagonisten in seiner Limousine an. Es handelt sich um Professor Liu, Sorte Universalgenie, der von diversen Journalisten sofort mit Fragen bombardiert wird, diese allerdings mit dem üblichen „wir wissen noch nix“ abfertigt.

Unser Prof wechselt in ein spaciges Star-Trek-Outfit, passend, denn er entert auch gleich die Brücke der Enterprise, eh, will sagen, die Zentrale der Forschungsstation. Damit wir uns gleich wie zuhause fühlen, verwendet der Film gleich die entsprechenden fiep-düdel-biep-Soundeffekte der Enterprise-Brücke (old school, of course), gerade rechtzeitig, denn ein neues Erdbeben ist auf dem Weg und es kommt vom … schock… Teufelsberg! (Wusste gar nicht, dass gewisse Teile Berlins geologisch so aktiv sind – aber Trost sei Dank, der Prof weiss es auch nicht…). Schon wird die Zentrale durchgeschüttelt, Chu Ming, einer der Untergebenen des Profs (der übrigens Rangabzeichen auf seiner, eh, Uniform trägt und militärisch begrüsst wird), verkriecht sich hinter einem Steuerpult und wird umgehend gemassregelt. Ahnen wir, dass die feige Socke Chu Ming noch auf irgendeine Art und Weise Ärger bringen wird? (Wenn ja, verleiht euch selbst 10 Gummipunkte). Vor dem Erdbeben, das hab ich ganz vergessen, stört irgendetwas aus dem Erdinnern die Satellitenverbindungen der Station, nur für die Aufzeichnungen.

Der Prof lässt alle Antennen auf den Teufelsberg ausrichten, und weil wir uns in einem zünftigen SF-(ächz)-Spektakel(uffz) befinden, braucht das natürlich das Einschalten der Übertragung einen angemessen dramatischen Countdown (!). Der Teufelsberg explodiert gerade und offenbart riesige Skelettschädel, u.a. einen skelettierten Saurier, dessen Auge aufleuchtet… die Übertragung geht kurzfristig verlustig, stellt sich aber rechtzeitig wieder ein, damit wir wichtige Plot-Exposition nicht verpassen. Der Gummisaurier vom Anfang meldet sich, verwandelt sich ein ein blondes Gift mit Hörnern und stellt sich als „Dämona, Herrscherin der Unterwelt“ vor. Sie und ihre Monster blablabla alle Katastrophen der letzten Zeit usw usf und überhaupt werden sie jetzt die Weltherrschaft übernehmen und wer sich nicht binnen drei Tagen unterwirft, wird bestraft etc etc. (Anmerkung: in der US-Videofassung nennt sich die gute Böse „Dragon Mom“. Wer das Faible der Chinesen fürs Theatralische kennt, dürfte annehmen wollen, dass „Dragon Mom“ näher am Original liegt als das eher unkreative „Dämonä. Da sich letzteres aber schneller schreibt, bleiben wir mal dabei).

Der Prof sucht seinen besten Mann, Ray, doch der ist gerade in der brennenden Statt damit beschäftigt, Kinderpuppen aus brennenden Häusern zu retten, verspricht aber zeitnah die Zentrale zu beehren.
Krisensitzung in einer Behörde of some unspecified purpose. Ein Anzugträger unbekannter Herkunft, aber offenbar von gewisser Bedeutung, eröffnet den Versammelten, dass sich überall auf der Welt Katastrophen, die von Urwelt-Monstern verursacht werden, ereignet haben, hunderttausende Tote sind zu beklagen (bei dem globalen Ausmass der Katastrophen, die uns vorgesetzt werden, ist das ein recht konservativer Bodycount). Unser Prof vermutet, dass Dämona und ihre Monster bei der letzten Eiszeit eingefroren, jetzt durch Vulkaneruptionen oder ähnliches gewcket wurden und sich als rechtmässige Herrscher der Erde betrachten. Einzig praktikables Gegenmittel gegen die Monsterbande sei das Projekt ISM, das auch prompt genehmigt wird. Währenddessen, in der Unterwelt. Dämona ruft ihre Diener zu sich, da wären zum einen die Skelette, d.h. Stuntmen in schwarzen Kostümen mit Knochendesign, Skull-Masken und Motorradhelmen mit Hörnern, Teufelsauge, eine Chinesin mit Hörnern und Augen auf den Handflächen (don´t ask – we´ll explain later), und die diversen Dämonen der Unterwelt, namentlich Stahlklaue (ein undefinierbares graues Etwas mit einem Bohrer an einer Hand), Octopus (ein undefinierbares grünes Ding mit Tentakeln am Kopf) und die Jungs, die keine Namen bekommen haben, die ich ihnen jetzt verleihe: Spider Baby (eine mannshohe Kreuzspinne), Rapunzelstilzchen (das IST so gemeint), King Moustache mit Flammenwerfer sowie als comic relief die gar lustigen Robotwins mit ihren an Bungeeseilen abfeuerbaren Händen und Köpfen. Das also sind die exakt sieben Monster, die die Erde verwüsten.
Effektives Grüppchen, I admit.

Zurück in der Forschungsstation, wo der Prof, nachdem er diverse Aufgaben verteilt hat, Ray ins Labor bittet, um ihm dort die Konstruktionspläne für den ISM vorzuführen. Der ISM ist der ultimative Supermann, superstark und praktisch unzerstörbar, dank Frischzellenkur, Nervenstimulation und eines bionischen Schutzanzuges (das wird zwar nie so erwähnt mit der Bionik, aber das erschliesst sich… nur verwunderlich, dass der Film nirgendwo auf der Welt „Der 6-Mio-Dollar-Kung-fuzius“ betitelt wurde). Der Prof braucht nur einen Freiwilligen für die lange und schmerzhafte Operation. Ray ist aber gleich Feuer und Flamme, also macht man sich forsch ans Werk.

Und wir wechseln wieder in die Unterwelt, wo Dämona etwas angesäuert ist, dass man ihr tatsächlich Widerstand entgegenbringt. Also lässt sie Teufelsauge zwei ihrer besten Kämpfer in den Thronsaal beamen (bislang hielt „Space Mutiny“ den Rekord für den schlechtesten Beam-Effekt… this is close second). Der Transporter arbeitet von unten nach oben bzw. von oben nach unten. Die Funktionsweise des Geräts ist aber offenbar so, dass, ist der Beamstrahl erst mal oben angekommen, die nächste Person nur von oben nach unten gebeamt werden kann. Hört sich bescheuert an, sieht noch bescheuerter aus… anyway, die Auserwählten sind Stahlklaue und Octopus. Die sollen die Forschungsstation plätten und den Prof killen, natürlich auch alle anderen, die sich dort unglückseligerweise rumtreiben sollten.

Leidtragender ist zunächst mal Chu Ming, der in seinem VW Käfer rumgondelt, aber von Stahlklaue aufgehalten wird. Stahlklaue hebt den Käfer hoch, legt ihn auf den Rücken und der Käfer explodiert, was sonst. Chu Ming konnte sich gerade noch retten, läuft aber genau in die Arme von Stahlklaue, der ihn k.o. schlägt und abtransportiert.
Während der Prof mit dem Umbau von Ray beschäftigt ist, versinkt Octopus vor der Station im Boden (eine grandiose rückwärts gefilmte Sequenz… oder sowas ähnliches). Octopus schlägt Wurzeln und taucht in Form von riesigen Fangarmen wieder auf, welche die Station angreifen. Die Fortschritte der Operation an Ray werden in Form von aufgeblendeten Cartoons gezeigt, während in und ausserhalb der Station ein Tohuwabohu ausbricht, als die (selbstredend alle mit Pistolen ausgerüsteten) „Forscher“ mit dem Tentakelbiest kämpfen, aber auf ziemlich verlorenem Posten stehen (dabei aber jeden Ed-Wood-Gedächtnispreis gewinnen… einer meiner Favoriten ist die Szene, in der vier der, eh, Helden, einen Fangarm hin- und herschwingen). Ein Unglücklicher wird per Elektroschock geröstet. Dem Tentakelbiest gelingt es, die Stromzufuhr abzuschalten, natürlich zu einem kreuzwichtigen Zeitpunkt der Operation an Ray. Ein kurzes Telefonat mit der Zentrale – wenn nicht in einer Minute der Notstrom an ist, dann ist Ray, wie man so schön sagt, Geschichte. Der Diensthabende erzählt das natürlich nicht weiter, weil es wäre ja bescheuert, wenn vielleicht mehrere Männer versuchen würden, in der tentakelverseuchten Zentrale den Hebel für den Notstrom umzulegen, schliesslich kann man so Suspense erzeugen… natürlich gelingt es in letzter Sekunde. PAFF! Aus Schmalhemd Ray wird der unzerstörbare, rotglänzende INFRA SUPERMAN, der so agil ist, dass er gleich dreimal aufsteht (Superhelden tun alles dreimal…). ISM hüpft im Labor herum und demoliert aus Spass ein paar Einrichtungsgegenstände, bevor er per Radar-Blick den Radau mit den Tentakeln ortet. Der Prof schickt ihn auf in den Kampf… ISM fliegt ins Getümmel, ortet mit seinem Röntgenblick das Herz des Monsters und jagt ein paar Raketen in die ungefähre Richtung, was zur Folge hat, dass Octopus wieder seine ursprüngliche Grösse annimmt und sich mit dem ISM einen zünftigen Kung-fu-Fight liefert. Das Kampfgeschehen verlagert sich in einen nahen Wald, wo Octopus den ISM mit ungeahnten Teleportationsfähigkeiten verblüfft. Mittels verdächtig nach Tischfeuerwerk aussehenden Raketen und Laser kann unser aller ISM den grünen Tentakler allerdings in Holzkohle verwandeln.

Szenenwechsel… Chu Ming befindet sich im Teufelsberg und wird von Dämona mit der schlichten Frage konfrontiert: „Kooperieren & Leben oder Löffel reichen“. Wir wissen ja schon, dass Chu Ming ein Chicken ist, also knickt er ohne grössere Umschweife ein und wird von Teufelsauge einer Gehirnwäsche unterzogen, mittels des „Modulators“, bestehend aus einer Art Gehirnwasch-Kanone mit Hörnern und einem Helm (mit Hörnern, versteht sich), und natürlich einem Bildschirm, auf dem der Fortgang der Aktion visuell dargestellt wird. Danach hypnotisiert sie Chu Ming noch mit Strahlen aus den Augen auf ihren Handflächen (womit das auch geklärt wäre). Chu Ming ist nun also erfolgreich dem Gästeteam beigetreten.

In der Station währenddessen will Ray die Monster aufmischen, doch der Prof weist darauf hin, dass sie zusammen zu stark sind (interessant, dass der Prof die zahlenmässige Stärke des Gegners schon kennt… vielleicht hat er vorgespult), aber mit den neuen Fäusten, an denen der Prof noch bastelt, soll das auch geregelt werden (warum hat er nicht gleich die gebaut? Fragen über Fragen…). Chu Ming taucht wieder auf, sieht aus wie der Tod auf Urlaub, wird freudig begrüsst und spielt ansonsten den Schock-Patienten. Ray kommt er nicht koscher vor und der Prof gibt Einwilligung, den Rückkehrer überwachen zu lassen. Nicht zu Unrecht, denn Chu Ming soll in Dämonas Auftrag die Konstruktionspläne des ISM klauen. Das Labor wird immerhin von einem Wächter gesichert, aber ein Blick in Chu Mings Augen sendet selbigen winselnd zu Boden. Chu Ming hat nützlicherweise das Gerät, das einige meiner US-Kollegen den „just-what-you-are-looking-for-detector“ nennen, also den „Detektor für das, was man gerade sucht“, und das schlägt am Safe an (kreativ, kreativ, diese chinesischen Autoren). Chu knackt den Safe und fotografiert die Pläne mit seiner Pocket-Kamera (very sophisticated technology, I must say). Chus nicht sonderlich aufmerksamer Schatten findet endlich den niedergestierten Wächter und auch den verräterischen Chu selbst, worauf eine Motorradverfolgungsjagd gen Teufelsberg entbrennt. Dort rodeln Chu samt Verfolger einen Abhang hinunter, aber bevor sich ein Zweikampf entwickeln kann, taucht das nächste Monster, Spider Baby, nebst einem ganzen Rattenschwanz Skelette auf. Spidey ordert Chu in den Berg und möchte eine Runde mit dem namenlosen Verfolger spielen. Kung-fu-Fight, die nächste, jahoo! Allein unter Idioten, eh, Skeletten, hat unser Freund natürlich wenig Chancen und wird von Spider Baby eingesponnen. Zum Glück taucht rechtzeitig die Kavallerie in Form von Ray und der gesamten Stationsbesatzung auf. Fights Galore! Yiee-haa! Spideys Spinn-Fähigkeiten und seine entflammbare Säure erweisen sich als recht vorteilhaft, so dass sich Ray genötigt sieht, sich in den ISM zu verwandeln (wofür offenbar eine gewisse kryptische Armfuchtelei notwendig ist). Mit dem ISM auf seiten des Heimteams sieht die Sache anders aus, also greift ein neues Monster ein, Rapunzelstilzchen, ein langhaariger Zwerg mit Hörnern (what else?), der aus selbigen Strahlen schiessen kann. Das tut er dann auch reichlich und schiesst den ISM in einen nahegelegenen See. ISM strahlt zurück, die Rollen werden vertauscht, Rapunzelstilzchen geht Baden und wird von ISMs Killerstrahlen ins Nirvana verdampft. Kurzauftritt beendet, ISM kann sich wieder dem Spinnchen zuwenden. Spidey ist sauer und bläst sich auf ca. zehnfache Grösse auf und hat nun einen geringfügigen Reichweiten- und Kraftvorteil. Bevor die nunmehrige Riesenspinne aber einen von Rays Genossen zu Menschenmus verarbeiten kann, kontert ISM mit der selben Taktik (!) und vergrössert sich ebenfalls (whatever… suspension of disbelief, nennt man das glaub ich, gähn…). Die beiden Riesen kloppen sich in der Botanik, ISM wrestlet die Spinne in ein praktischerweise hier befindliches Umspannwerk, die Elektroreaktion verkleinert die Spinne, die dann – splotsch – vom ISM zertreten wird…

Dämona ist verständlicherweise angefressen. Von der stolzen Monsterparade sind schon drei in den Orkus geblasen worden, der zuverlässigste Mann, äh, Monster, Stahlklaue, soll nun endgültig aus der Station Kleinholz machen. Die bei Fotofix entwickelten Bilder der Konstruktionspläne entlocken der Dämonenfürstin ein Lächeln, denn – TA-DA-DA-DAMM!!!! – sie kennt nun die Schwachstelle des ISM!!! Argh! Panik! Kann das alles noch ein gutes Ende nehmen (und damit dieses eh schon viel zu lange Review auch?)???

Never fear, I am near… an der Station werden Kinderspiele betrieben. Die Kids Ling und Chiu Fu, die sich warum auch immer dort rumtreiben, spielen ausserhalb der Station und entdecken dabei eine Höhle. Chiu Fu vermutet, dass sich darin ein Bär aufhält und Ling triezt Chiu Fu, er sei zu feige, um nachzusehen. Chiu Fu lässt sich das nicht zweimal sagen. Dort entdeckt er aber keinen Bären, sondern bekommt selbigen von Stahlklaue und Chu Ming aufgebunden, die gerade eine Bombe installieren. Des Profs Tochter Mei Mei gabelt Ling auf, der es mittlerweile zu langweilig ist. Nach kurzer Einweisung in die Sach- und Rechtslage folgt Mei Mei Chiu Fu in die Höhle und wird dort ebenfalls von Stahlklaue & dem Verräter dingfest gemacht, spricht gefesselt und geknebelt. Ling treibt nun wieder Ray auf, selbes Spiel. Stahlklaue und Chu Ming haben sich inzwischen verdünnisiert, nachdem sie die Zündschnur angefeuert haben. Ray entdeckt die Gefesselten und die Bombe, verwandelt sich flugs in den ISM und entsorgt das Bömbchen. Home Team 4 – Visitors 0.

Ob der weiteren Fiasken ersinnt Dämona einen neuen Plan. Stahlklaue soll den Professor kidnappen.

Dieweil hat der Prof die neuen Fäuste fertig, die sich u.a. vom Körper schleudern lassen und wieder zurückkommen, sowie über Messerstrahlen (!) verfügen. Während der Testvorführung entführt Stahlklaue, da der Prof nicht habhaft ist, eben Mei Mei.

Als am nächsten Morgen der unaufmerksame Papa seinen Recken den Schlachtplan verkündet, schaltet sich Dämona zu und präsentiert Star- und Überraschungsgast Mei Mei. Will der liebe Prof seinen Augenstern wiederhaben, möge er zu Dämona pilgern, die sogar ihren Abholservice anerbietet. Schweren Herzens und entgegen sämtlicher Proteste seitens Ray willigt der Prof ein.

So wird der Prof also von Dämonas eigenem Kajütkreuzer (inkl. Hörnern, aber das habt ihr ja eh schon gewusst) abgeholt und zum Teufelsberg gebracht, wo Dämona die Verhandlungen damit einleitet, als kleines Exempel mal eben Chu Ming in den zufälligerweise zur Verfügung stehenden Vulkankrater werfen zu lassen.
Ungefragterweise hat Ray aber die Verfolgung aufgenommen und prügelt sich schon bald vor dem Berg mit einigen Dutzend Skeletten, die, wie´s in Kung-fu-Filmen halt so üblich ist, den Ehrenkodex einhalten und immer nur alleine angreifen. Stahlklaue stösst zur Party und mischt mit, aber glücklicherweise sorgen die restlichen Stations-Macker für ausgeglichene numerische Verhältnisse. Ray kann auch ohne ISM-Kostüm mit Stahlklaue ganz gut mithalten, also schickt das Auswärtsteam einen weiteren Mitspieler auf den Rasen, mithin King Moustache, so von mir getauft, da den Schädel ein Krönchen und ein Bärtchen ziert. Nebenbei kann der Knabe auch Feuer spucken und ist somit ein ernsthafter Contender, zumal von seiten der Gäste auch unfaires Double Teaming vollführt wird. Ray muss sich also endlich verwandeln. Dämona faselt, dass der ISM Sonnenlicht als Energiequelle braucht und nebelt das Areal ein. Der ISM ist durch derlei Sabotageakte nur peripher tangiert, sondern löscht Stahlklaue mittels Stiefelrakten aus. King Moustache versucht sich durch diverse Unsichtbarkeits- und Teleportationsakte aus der Bredouille zu bringen, wird aber schliesslich und endlich von ISM mittels selber Wunderwaffe geplättet. Endlich kann der ISM in den Berg eindringen, wird dort jedoch sofort mit Fesselstrahlen seiner Mobilität beraubt. Dämona lässt den guten Roten dann auch gleich in den Vulkan werfen. Dämona wähnt sich siegreich und beauftragt den Prof gleich mal mit der Erbauung eines neuen ISM, diesmal in bösen Diensten, denn irgendwie muss der Monsterschwund ja ausgeglichen werden. Erwartungsgemäss weigert sich der Prof, trotz der Drohung, Mei Mei könnte ebenfalls den Weg des Vulkanischen gehen. Dämona gibt dem Prof Bedenkzeit und sperrt die Geiseln in die „Eisgrotte“. Doch der ISM ist mitnichten Opfer der Flammen geworfen, sondern hat sich irgendwo an einem Vorsprung festgekrallt und jumpt wieder ins Getümmel.

Und auf zum nächsten Kung-fu-Fight. Teufelsauge versucht, den ISM mit dem Modulator zu grillen, wird aber per Messerstrahlen ihrer Handipatschis beraubt und wandert in den Vulkan. Dämona schickt ihre letzten Edeljoker ins Rennen, die Robotwins. Eine ernsthafte Herausforderung stellen die mit ihren Bungee-Fäusten und -Köpfen nicht dar, aber etwas – haha – Komedy, wenn sich der eine Robo als Stehaufmännchen versucht und der andere auf dem Kopf herumspringt, als wäre er ein Flummi. Dämona nimmt wieder ihre Gummidrachenform an und kämpft mit, die Robos spielen Jojo (see it to believe) und endlich gelingt es Dämona, den ISM in die Falle zu locken und ihn mit Eisgas einzufrieren. Doch, ha-ha! In einem Flashback zu einer Szene, die wir vorher im Film nie gesehen haben, erinnert der Prof den ISM, sich für just diesen Fall mit fünf Kleinraketen wieder auftauen zu können. Geflashbackt, getan und weiter wird gekämpft, ISM gegen Robotwins und Dämonadrache. Es gelingt dem ISM, die Robos zu verknoten, worauf sie sich dematerialisieren, also steht nur noch Dämona gegen den ISM. Mit den Messerstrahlen köpft ISM Dämona, doch das Gummihaupt wächst prompt nach. Was macht also der kluge Superheld? Richtig, er macht das gleiche nochmal. Und nochmal. Und nochmal. Die Anzahl der lächerlichen Gummiköpfe auf dem Boden mehrt sich, der Special FX wird deswegen auch nicht überzeugender. Nach dem fünften Versuch erkennt ISM endlich die Sinnlosigkeit seines Unterfangens, sondern schleudert seine Fäuste auf Dämona. Das hat Erfolg. Dämona dematerialisiert ebenfalls, der Prof und Mei Mei werden befreit und können just ebenso entkommen, als sich die ganze dämonische Festungsanlage in ihre Bestandteile auflöst. Mit Dämonas Kajütkreuzer verschwinden unsere Helden am Horizont…

Ich glaube, die Länge dieses Reviews ist rekordverdächtig, für 76 Minuten Film, aber ich glaube, ich hab alles wesentliche schon gesagt. Wenn nicht, dann jetzt: alles, aber auch wirklich alles an THE INFRA SUPERMAN ist in einem Wort: schlecht. In mehreren Worten: unglaublich, wahnsinnig, entsetzlich, kultverdächtig, raketenmässig ultrastark schlecht. Das qualifiziert den Infrasupie by default zum Lachschlager auf jeder geneigten Trashfilmparty. Ein gutes Haar an dem Streifen zu lassen, ist objektiv unmöglich. Das Drehbuch ist lachhaft und bemüht jeden noch so abwegigen und absurden Einfall, die Spezialeffekte sind mit lächerlich noch äusserst wohlwollend beschrieben und treiben jedem Amateurfilmer die Schamesröte ins Gesicht, von den Monster Suits wollen wir mal gar nicht reden. Die Monster haben nicht mal bewegliche Gesichter, d.h. Stahlklaue steht ständig das Maul offen, weil für irgendwie bewegliche Teile offenbar kein Budget da war. Die Kampfszenen sind undynamisch inszeniert, weil die Kampfgegner auch einfach nicht zusammenpassen. Die Skelette fungieren als „Cannon Fodder“, und sind daher von Skript wegen keine begnadeten Fighter, die Monster haben keine wahnsinnig beweglichen (ich muss drauf rum reiten) Extremitäten, um ausser ein paar wild punches irgendwas aufzuteilen und ihre „Special Moves“, würde man im Videospiel sagen, werden recht uninspiriert eingesetzt, wenn überhaupt. Dass das ganze natürlich auch absolut unspannend ist, geht damit unisono. Die Kämpfe laufen stets nach dem selben Schema ab und sonderlich kreativ in der Kampfsportabteilung ist auch der ISM nicht. Gipfel der Absurdität ist sicherlich das Riesen-Duell zwischen dem Spinennmonster und dem ISM. Immerhin ist die Produktion aber professionell genug, dass sich keine ernsten handwerklichen Schwächen ausmachen lassen. Immerhin.

Erstaunlich genug, dass tatsächlich einer der Beteiligten an diesem Schwachfug eine echte Karriere gemacht hat. Denn der Danny Lee, der als Ray-Darsteller aufgeführt wird, ist tatsächlich eben jener Danny Lee, der später an der Seite von Chow-Yun Fat in John Woo´s „THE KILLER“ zu Weltruhm kam und in zahlreichen anderen New-Wave-Hongkong-Filmen brillieren konnte. „THE INFRA SUPERMAN“ ist eine seiner zwei Jugendsünden, die zweite war zwei Jahre später der nächste HK-Versuch im Monstergenre, der kaum weniger schlechte „THE MIGHTY PEKING MAN“. Schwer vorstellbar, dass Lee auf seine Frühwerke sonderlich stolz ist.

Okay, langer langer Rede eigentlich recht kurzer Sinn: „THE INFRA SUPERMAN“ ist der vermutlich schundigste Klopper, der jemals ein Filmstudio in Hongkong verlassen hat, unspannend, undramatisch, mit schlappen Fights, lächerlichen Monstern, nicht so speziellen (shudder) Effekten, einem dämlichen Drehbuch und in Deutsch natürlich auch noch recht schwachmatig synchronisiert (wobei die englischsprachige US-Fassung wohl näher am Original liegt). Ergo: ein absoluter Kultfilm, den jeder badmovie-Fan in seiner Sammlung haben muss. Diesseits einer Ed-Wood-Retrospektive gibt es kaum etwas, das es mit diesem Streifen aufnehmen kann. Leider ist der Film heutzutage wohl nicht mehr erhältlich. Vor 15 Jahren gab´s den Film mit gar lustigem Covertext („Eine Welt der Zukunft, wie sie sich Jules Verne nicht besser hätte ausdenken können!“ – Und jetzt ratet mal, welche Worte davon FETT gedruckt waren…) von VPS Video als Kaufcassette, heutzutage natürlich nicht mehr. Selbst in den USA werden für ein Tape Sammlerpreise von fast 90 Dollar gefordert (und gezahlt). Wer sich die Rechte sichert und ´ne DVD herausbringt, kann sicher ein paar Euro verdienen (denkt dann an Euren lieben Ideengeber Doc).

(Bitte verachtet auch das Kurzreview zur tatsächlich erfolgten DVD-Veröffentlichung).

(c) 2000 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 9

BIER-Skala: 9


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