Innocent Babysitter


  • Deutscher Titel: Innocent Babysitter
  • Original-Titel: The Babysitter
  • Alternative Titel: The Babysitter - Gefährliche Phantasien
  • Regie: Guy Ferland
  • Land: USA
  • Jahr: 1995
  • Darsteller:

    Alicia Silverstone (Die Babysitterin), Jeremy London (Jack), Nicky Katt (Mark), J.T. Walsh (Harry), Lee Garlington (Dolly), George Segal (Bill), Lois Chiles (Bernice), Ryan Slater (Jimmy), Brittany English Stephens (Bitsy), Tuesday Knight (Bedienung) u.a.


Vorwort:

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, bin ich regelmäßig enttäuscht, wie wenige Erinnerungen daran doch haften geblieben sind. Okay, würde man mich fragen, mit wem ich bis Mitte der 90er zur Grundschule gegangen bin, könnte ich immer noch ihre Vor- und Nachnamen nennen (kein Wunder – unser Abschlussjahrgang in der vierten Klasse umfasste auch lediglich 13 Schüler), aber wenn es darum geht, Ereignisse zu rekapitulieren, so ist über das letzte Vierteljahrhundert sehr viel verloren gegangen. Ich kann mich aber immerhin noch gut daran erinnern, was ich damals gut fand: „I Wanna Be a Hippy“ von Technohead, selbst gedrehte Filme mit der eigenen Kamera, in denen meine Kuscheltiere, darunter bevorzugt die fünf Mogwais Gismo I bis Gismo V aus dem Greifarmautomaten, eine Hauptrolle spielten (garantiert samt und sonders von mir selbst mit piepsiger Stimme gesprochen) – und natürlich die BRAVO. Die Tipps von Dr. Sommer waren mir damals zu Beginn meiner einsetzenden Pubertät noch relativ egal. Was es mir angetan hatte, waren die Foto-Love-Stories rund um Gil Ofarim, die Crash-Kids mit ihren Mutproben, die Liebesgeschichte einer Lehrerin mit ihrem Schüler oder der Kampf von einigen Teenager-Drömeln gegen niemand Geringeren als Satan aka Natas persönlich.

Warum ich das alles erzähle? Nun, neben diesen Foto-Love-Stories gab es noch eine weitere Rubrik in der Zeitschrift, die mein Herz höher schlagen ließ – die Film-Foto-Romane! Aus irgendwelchen Gründen ist mir dabei ausgerechnet ein Film besonders in Erinnerung geblieben: „Das Biest“ von 1993. Das ist deshalb erwähnenswert, weil dies der Zeitpunkt gewesen sein muss, zu dem ich erstmals mit dem kurzlebigen Phänomen Alicia Silverstone in Kontakt gekommen bin. In ihrer Rolle als frühreife und manipulative Lolita wurde sie, wenn schon nicht bei der Oscar-Verleihung, dann doch wenigstens bei den MTV Movie Awards gleich zweimal ausgezeichnet: für die Beste Breakthrough Performance und für den Besten Bösewicht. Mit ihrem Kinodebüt machte die 17-jährige also gleich von sich reden, und zwei Jahre später sollte ihr dann auch mit „Clueless“ der endgültige Durchbruch gelingen, einer charmanten, in die 90er-Jahre des 20. Jahrhunderts verlegten Neuauflage von Jane Austens „Emma“. Damit wurde sie nicht nur zum Star, sondern auch zur Stilikone und somit zum Vorbild vieler junger Frauen. Seltsamerweise ist ausgerechnet dieser Film seinerzeit an mir vorbeigegangen, obwohl es sich im Vergleich zum entsetzlich lahmen „Das Biest“ um den wesentlich besseren Film handelt. Aber gut, Mädchenkram und so, igitt…

Überhaupt war 1995 das arbeitsreichste Filmjahr für die Silverstone. Bereits vor „Clueless“ verkörperte sie in der eher missglückten Dean-Koontz-Verfilmung „Hideaway“ die Filmtochter von Jeff Goldblum, und im Herbst kam schließlich der Film heraus, der heute unser ausführlich zu sezierendes Objekt sein soll: „The Babysitter“ – oder wie er auf Deutsch ganz besonders pornös klingt: „Innocent Babysitter“. Da juckt es doch gleich in der Hose, wenn man diese Wortkombination liest, oder? „Innocent“ und „Babysitter“. Lechz. Stöhn. Sabber. Und dann wie gesagt auch noch mit Sweetheart Alicia Silverstone, die zum Zeitpunkt des Drehs auch schon 19 Jahre alt war, weshalb man ohne schlechtes Gewissen einen Doppel-Grunzer von sich geben kann.

Doch Obacht – das hier soll kein schäbiger Schund sein, basiert der Film doch auf einer Kurzgeschichte des anerkannten Schriftstellers Robert Coover, die er 1969 in seinem Band „Pricksongs and Descants“ herausbrachte. Coover zählt zum Kreis der Postmodernisten, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Leser mit seinem experimentellen Schreibstil an den Rand des Wahnsinns zu treiben – und wer die Vorlage zu „Innocent Babysitter“ gelesen hat, wird mir da, ohne zu zögern, zustimmen. Darin wird so sehr mit den Ebenen der Realität und des (Wunsch-)Traums gespielt, dass es unmöglich ist, zweifelsfrei herauszufinden, was aus der immer widersprüchlicher werdenden Geschichte, der man trotz eines vorgegebenen Zeitrahmens von knapp zweieinhalb Stunden irgendwann nicht mal mehr eine Chronologie unterstellen kann, nun der Wahrheit entspricht und was lediglich geträumt ist. Es gibt nicht einmal ein eindeutiges Ende, sondern es werden gleich mehrere angeboten, bei denen jeder für sich selbst entscheiden kann, welches er als das richtige betrachten möchte, wobei bis zum letzten Buchstaben unklar bleibt, was vorgefallen bzw. ob überhaupt was vorgefallen ist.

Doch ganz egal, ob die Kurzgeschichte verstanden werden kann oder nicht, sind darin doch – ich bleibe zu diesem Zeitpunkt noch bewusst vage – einige kontroverse und anstößige Szenen enthalten, dass es schwer vorstellbar erscheint, sie wie dort präsentiert in laufende Bilder übertragen zu können. Und wer so wie ich zuerst den Film sieht und dann erst die Kurzgeschichte liest, fragt sich sowieso, wie es überhaupt jemand für eine gute Idee halten konnte, aus der Geschichte einen abendfüllenden Film zu machen. Ups, habe ich damit etwa schon vorab den Eindruck vermittelt, dass das Projekt gescheitert ist, und zwar so richtig mit Schmackes? Andererseits: Alles andere wäre ja auch enttäuschend, denn wozu sind wir alle sonst hier?

Inhalt:

Der Vorspann eröffnet mit weißen Titeln auf schwarzem Grund, um dann einen heiteren Himmel und schließlich einen Kameraschwenk hinab auf die beruhigte Straße einer idyllischen Kleinstadt in Kalifornien zu zeigen. Dazu spielt ein Klavierstück, das noch lauter anschwillt, als wir erstmals „Alicia Silverstone“ in großen Lettern und auch ganz leibhaftig zu Fuß durch die Gegend gehen sehen. Mein Hauptaugenmerk ist zu diesem Zeitpunkt aber noch weniger auf sie als auf die illustren Namen gerichtet, die da eingeblendet werden, denn die Silverstone ist beileibe nicht die Einzige, die der geneigte Filmfan kennen wird.

Was steht denn da Feines? Produziert von Joel Schumacher („Falling Down“)? J. T. Walsh, bevorzugt als widerliches Ekel in Nebenrollen besetzt? Nicky Katt aus der später erschienenen hochgelobten Schulserie „Boston Public“ (2000-2002)? „Moonraker“-Bond-Girl Lois Chiles? Dann noch Tuesday Knight, die wohl niemand mehr kennen würde, hätte sie nicht diesen wohlklingenden Namen. Tuesday. Knight. Falls es nicht klingeln sollte, was bei einem Namen wie Tuesday Knight eigentlich unmöglich ist – sie spielte Kristen Parker im vierten „Nightmare on Elm Street“-Teil, weil Patricia Arquette aus dem dritten Teil die Rolle nicht mehr spielen wollte. Und wer bekommt denn da noch den „And“-Credit? Es ist George Segal, der schon an der Seite von Elizabeth Taylor und Richard Burton in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ agieren durfte und auch in „Innocent Babysitter“ seine schauspielerische Klasse einbringen wird. Da bin ich mir sicher.

Aber gut, zurück zur Silverstone. Die spaziert also durch die Kleinstadt. Dabei zieht sie auch die Aufmerksamkeit einer verträumten Brillenschlange auf sich, der ihr auf der Rückbank eines Fünfsitzers hinterherstarrt. Die Silverstone schaut nach links und dann nach rechts und geht über eine Straße. Ein Polizist in seinem Wagen wird ebenfalls auf sie aufmerksam und folgt ihr mit seinem Blick. Es wird frühzeitig deutlich: Alicia Silverstone ist der wandelnde feuchte Traum der Männerwelt hier. So auch der von Nicky Katt, der an einer Ecke rumsteht und Blickkontakt mit der Traumfrau sucht. Es dauert nicht mehr als zwei Sekunden, da habe ich ihn schon als Bad Guy identifiziert: Er trägt eine schwarze Lederjacke. Und er raucht. Gänsehaut.

Im nächsten Moment geht Katt auf die junge Frau zu und spricht ihn an. Somit gehören ihm die ersten gesprochenen Worte nach exakt drei Minuten und 40 Sekunden, und es entspinnt sich ein Dialog, der bereits die Richtung angibt, auf welchem Niveau wir uns in der Folge werden einpendeln müssen.

Er: Hey, was machst du?
Sie: Ich gehe.
Er: Was du nicht sagst. Und wohin gehst du?
Sie: Ich gehe babysitten, Mark. Lässt du mich bitte in Ruhe?
Er: Wollen wir nachher was machen? Immerhin ist heute Freitag.
Sie: Bist du taub?
Er: Was?
Sie: Ob du taub bist?
Er: Was?
Sie: Was soll das werden?
Er: Ach, komm schon, das wird lustig. Nimm die Kinder doch einfach mit.
Sie: Ich hab’ dir gesagt, du sollst mich in Ruhe lassen.

Damit lässt sie, die Babysitterin, ihn, Mark, einfach stehen, und er schaut ihr eindringlich hinterher. Und weil er wie gesagt unser Bad Guy ist und sich am liebsten selbst vögeln würde, wenn er denn könnte, zündet er sich gleich die nächste Kippe an. Wer sich da nicht in die Hosen macht, hat wie Kim Jong-un kein Ausscheidungsorgan (danke, „The Interview“!).

Ich nehme an, dass es wenig überrascht, dass unsere titelgebende Hauptfigur tatsächlich babysitten geht und sich nicht etwa eine Ausrede ausgedacht hat, um sich Mark vom Leibe zu halten. Ihr Ziel ist ein schickes Familienhaus, in dem sie bereits von ihrer Auftraggeberin (Lee Garlington) in Empfang genommen wird, wenn auch im hektischen Zustand, weil sie noch nicht ausgehfertig ist. Das gilt auch für den Mann des Hauses, Harry, der noch in Boxershorts vor dem Badezimmerspiegel steht und sich die Krawatte bindet. Harry wird gespielt von J. T. Walsh, und wie gewohnt hassen wir ihn bereits nach wenigen Augenblicken, immerhin ist er J. T. Walsh.

Die Auftraggeberin bedankt sich bei der Babysitterin für ihre kurzfristige Zusage. Es gilt, drei Kinder zu hüten (ein Baby, eine etwa sechsjährige Tochter und einen vielleicht zwölfjährigen Sohn). Sohnemann ist es gestattet, heute Abend bis 10 wach zu bleiben. Die Mutter bittet die Babysitterin, ihr beim Reißverschluss ihres Kleides zu helfen, und sie tut es. Da lässt sich auch schon Harry mit einem Whiskyglas in der Hand blicken, aber immer noch in Unterhose, was seine Gattin auf die Palme bringt. Vor allem aber den Schlips kann sie nicht leiden. Harry versteht die Aufregung nicht und schämt sich kein wenig. „Der ist doch schick“, sagt er zur Babysitterin, die nun in der Verlegenheit ist, irgendwie reagieren zu müssen. „Wie Sie meinen, Mr. Tucker“, erwidert sie mit einem verlegenen Lächeln und zieht sich damit mehr oder weniger geschickt aus der Affäre.

Arschloch Mark betritt ein Café, wo er auf die Brillenschlange von vorhin trifft. Den Nerd-Status wollte ich dem Typen ja schon allein wegen seiner Brille aufdrücken. Da er aber nichts Besseres zu tun hat, als allein in einer Café „Der Fänger im Roggen“ zu lesen, wird er mein Vorurteil auch garantiert nicht mehr los. Mark wird von einer blonden Bedienung (Tuesday Knight – was für ein Name: Tuesday. Knight.) angemacht, aber kurioserweise interessiert der sich doch mehr für die Brillenschlange. Wo deren Freundin sei, will er von der Blondine wissen. Sie hätte mit dem Typen Schluss gemacht, antwortet die Blondine, die sich Chancen ausrechnet, mit Mark ausgehen zu können, aber er will es sich erst noch überlegen.

Mark, der nun schon die dritte Zigarette in zwei Minuten Bildschirmpräsenz inhaliert (Bad Guy!), fixiert die Brillenschlange. Die wiederum bemerkt den stechenden Blick im Nacken und dreht sich zu ihm um. Aus dem sich anschließenden Gespräch wird klar, dass die beiden sich näher kennen. Die Brillenschlange – Jack – wirkt dabei deutlich abweisend und entzieht sich dem sehr neugierigen Mark, indem sie vorgibt, nun nach Hause zu müssen, weil sie morgen Training hat. Schnell muss ich meine vorschnelle Meinung revidieren: eine Ex-Freundin und Training. Was ist denn das für ein lächerlicher Nerd? Jedenfalls haut Jack ab, und Mark widmet sich noch kurz der blonden Bedienung, die übrigens von Tuesday Knight gespielt wird. Erwähnte ich das schon? Tuesday. Knight. Wie Honig in meinen Ohren.

Er: Krieg’ ich ein Bier?
Sie: Vielleicht.
Er: Ich hab’ aber kein Geld.

Auch daran erkennt man unseren Bad Guy: Säufer und ohne Knete. Mit seinem Scherz hat er aber Erfolg bei der Blondine (Tuesday Knight!), die ihm augenscheinlich jetzt und sofort an die Wäsche will, denn Frauen lieben böse Jungs. Mark bittet sie, ihre Augen zu schließen. Dann küsst er sie – und ein leichter Kamerazoom folgt…

… und zack, liegt die Blondine auch schon in ihrer (oder seiner?) Bude auf dem Fußboden und lässt sich von Mark das Kleid vom Leib reißen, was uns die erfreuliche Möglichkeit gibt, Tuesday Knights freigelegten Brüste zu erblicken. Wild entschlossen, es wie die Karnickel zu treiben, bricht diese Szene abrupt ab…

… und wir sind wieder im Café. Es war lediglich ein Traum. Von Mark? Oder von Tuesday Knight? Hundertprozentig Aufschluss erhalten wir darüber nicht. Mark greift sich eine Buddel Bier und zieht Leine. Und Tuesday Knight verabschiedet sich damit aus dem Film. Einmal kurz Hallo gesagt, Möpse gezeigt, und tschüss. Das war jetzt irgendwie… sinnlos? Egal – Tuesday Knight hat ihr Soll erfüllt. Danke.

Zurück bei Familie Tucker und der Babysitterin. Ich warte darauf, dass der Film langsam etwas Fahrt aufnimmt, aber er braucht noch. Wir lernen aber immerhin schon mal den Namen des zwölfjährigen Sprosses kennen: Jimmy. Seine Mutter beschwert sich über eben diesen, weil er lieber Kartoffelchips frisst als seinen Hamburger. (Was ist das denn für einer? Wenn ich die Wahl hätte zwischen Chips und Hamburger, nehme ich ja wohl beides.) Harry hat sich auch endlich in Schale geworfen und kommt mit einem weiteren Glas Whisky in der Hand in die Runde. Das ist wieder ein Grund für seine Gattin, mit ihm zu schimpfen. Trinken noch vor der Party? Geht gar nicht. Es nervt bereits zu diesem Zeitpunkt, wie grobschlächtig uns die Dysfunktionalität dieser Familie über den Scheitel gezogen wird. Harry unternimmt einen Holzfäller-Flirt mit der Babysitterin: „Hey, süßes Outfit hast du an!“ Die reagiert ähnlich verlegen wie vorhin: „Danke, Mr. Tucker.“ Frau Tucker ist von Harrys Plumpheit wenig angetan und wirft ihm einen missbilligenden Blick zu. Dann verabschieden sie sich von der Babysitterin und den Kindern. Beim Rausgehen schwärmt Harry seiner Frau gegenüber: „Ist wirklich ein süßes Ding.“ Ja, J. T. Walsh tut frühzeitig sein Bestes, zum Dirty Old Man unserer Geschichte zu werden. Das kann er gut.

In der Zwischenzeit holt Mark Jack auf seinem Nachhauseweg ein und zeigt seine Arschlochhaftigkeit, indem er lautstark seine Bierflasche auf dem Bordsteig zerschellt. Jack zeigt sich davon unbeeindruckt und fragt sich wie ich langsam, aber sicher wirklich, was der Typ eigentlich von ihm will. Wir erfahren, dass sie – kaum vorstellbar – früher einmal Freunde gewesen sind, und Mark scheint aufrichtig interessiert daran, die Freundschaft wieder aufleben zu lassen. Er möchte nämlich etwas mit ihm unternehmen, beißt bei Jack aber weiter auf Granit. „Wieso unternimmst du denn nichts mit deiner Freundin, der Kellnerin?“, fragt Jack, woraufhin Mark erst einmal mit Wucht gegen ein Schild hämmert. Boah, ist Mark böse. Ich sagte es ja: Der Film ist subtil wie ein Dampfwalzenmuseum. Mark interessiert sich auch gar nicht für die Kellnerin, sondern für Jacks Freundin. Schnell wird klar, dass jene Freundin (bzw. Ex-Freundin, Tuesday Knight hatte ja Derartiges vorhin angedeutet) tatsächlich unsere Babysitterin ist. Okay, jetzt reicht’s mir: Der Nerd-Status für Jack ist hiermit unwiederbringlich gestrichen.

Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass mir die Dialoge echt sämtliche zwei Schuhe ausziehen. Es ist wirklich schmerzhaft, den beiden zuzuhören. Aber lest selbst:

Mark: Werdet ihr euch heute Abend gar nicht treffen?
Jack: Nein, sie ist babysitten.
Mark: Babysitten? Hä, das ist ja blöd! Und nachher klopfst du überraschend an die Tür, oder, du Glückspilz? Echt! Wenn ich mich recht erinnere, bist du echt ein Glückspilz!
Jack: Was meinst du damit?
Mark: Hm?
Jack: Was soll das heißen, wenn du dich recht erinnerst? Was meinst du? Heißt das, du bist mit ihr ausgegangen?
Mark: Na ja, ich bin schon mit vielen Frauen ausgegangen, also …
Jack: Was willst du von mir?
Mark: Gar nichts. Wieso?
Jack: Wie auch immer, wir sehen uns.
Mark: Hey, hey, hey! Bist du etwa sauer auf mich? Was ist los?
Jack: Nein, überhaupt nicht.
Mark: Gut! Komm schon! Es tut mir ehrlich leid. Ich wusste nicht … Sie hat dir nie was gesagt?
Jack: Nein, hat sie nicht.
Mark: Wär’ aber fair gewesen.

„Was meinst du damit?“ „Was meinst du?“ „Was willst du von mir?“ „Was ist los?“ Ja verdammt, ich weiß ja auch immer noch nicht, was Mark von Jack will, aber könnten wir bitte die Dialoge zukünftig etwas zielführender gestalten, anstatt uns gefühlte Stunden im Kreis zu drehen, um im Anschluss dann immer noch kein bisschen schlauer zu sein?

Die Babysitterin packt in der Zwischenzeit das Baby zum Schlafen in die Kinderwiege. Soll sie machen. Ich wäre sehr dankbar, wenn der Film langsam mal unserer unschuldigen Babysitterin einen Rollennamen geben würde. Ich tippe mich ja sonst tot. Ach, und noch was: Kann es hier langsam mal losgehen? Ich weiß, der Film ist noch keine 15 Minuten alt, und einige Filme brauchen Zeit, um sich zu entfalten, aber er fühlt sich jetzt schon an wie Stunden.

Bei den Tuckers im Auto unterhalten sich Harry und seine noch namenlose Frau über die Babysitterin. Sie ist skeptisch über ihre Qualitäten und hält sie für unachtsam, zumal sie der Meinung ist, dass sie letztes Mal auch ihren uneingeladenen Freund zu Besuch hatte. Das findet Harry halb so schlimm. Kamerazoom auf sein Gesicht…

… und schon sitzt die Babysitterin neben Harry auf dem Beifahrersitz und macht ihm schöne Augen. Mir deucht frühzeitig, dass, immer wenn die Kamera an ein Gesicht heranfährt, angedeutet werden soll, dass wir gleich eine (Wunsch-?)Vorstellung desjenigen Protagonisten sehen werden, auf den gezoomt wird. Glückwunsch an den Herrn Regisseur, ein genialer Einfall, der genauso unsubtil wie alles andere in diesem Film ist. Und als wolle er mir gleich einen weiteren Faustschlag verpassen, ertönt zu Harrys Fantasie auch noch Jazzmusik (!) mit viel Saxophon, wie sie nicht schöner in schwülstigen Erotikthrillern gespielt werden könnte. In seinen Gedanken ist Harry ein lächerlicher Idiot, der mit seinen hochgegelten Haaren und seiner angezündeten Zigarette offensichtlich noch ganz jung und hip erscheinen möchte. Unverhohlen starrt er ihr erst auf die Brüste und danach ins Gesicht, um dann vorzuschlagen: „Also, was dagegen, wenn wir einen kleinen Umweg fahren, hm?“ „Wie es Ihnen gefällt“, antwortet sie und lächelt ihn lasziv an. Er nimmt etwas Mundspray und setzt zum Kuss an …

… um in der Realität bei so ablenkender Fantasie fast einen Unfall zu bauen. Seine Olle ist entsprechend verärgert über ihren schon leicht alkoholisierten Gatten und fügt daraufhin an: „Ach, und noch was wegen dieses Babysitters: Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie das letzte Mal während unserer Abwesenheit ein Bad genommen hat. Ich meine, kannst du dir das vorstellen?“ Oh ja, Harrys abwesendem Blick nach zu urteilen kann er sich das sogar sehr gut vorstellen. Es ist schon reichlich unangenehm, wie perfekt J. T. Walsh den Schmierlappen drauf hat.

Auf der Suche nach irgendeiner Figur, die uns mal irgendwie sympathisch vorkommen könnte (Harry ist eklig, seine Frau nervtötend, ihre Kinder stinken und die Babysitterin ist bislang auch total langweilig), verschlägt es uns wieder mal zu Weichei Jack und Arschloch Mark. Zwar hätte ich längst gedacht, die beiden wären nun getrennte Wege gegangen, aber stattdessen hängen sie gemeinsam in einem Plattenladen namens Beat City Records rum, wo Jack eine Runde flippert und Mark ihn (und uns) nach seiner Behauptung, mit der Babysitterin ausgegangen zu sein, weiter ungefragt zulabert: „Jack, es tut mir leid, Mann! Ganz sicher, dass das für dich in Ordnung geht? Hör zu, das war echt blöd von mir. Ich hätte nichts sagen sollen, Jack. Okay?“ Jahaaa, ist okay. Wir sind doch nicht bei Renato Polselli hier. Damit nicht genug, provoziert Mark auch fortwährend Jack, weil er heute wirklich nicht gut flippert: „Oh nein, das war wohl nichts! Du musst besser aufpassen! Oh, da kriege ich ja Gänsehaut! Mann, du warst mal so gut! Was ist aus dem alten Jack geworden? (…) Oh, das war echt schlecht!“ Gib ihm doch endlich was auf die Fresse, Jack! Stattdessen will auch Mark sich mal am Automaten beweisen. Jack möchte von ihm wissen, wann er denn mit der Babysitterin zusammen gewesen wäre. Das sei echt schon Ewigkeiten her, meint Mark, und es sei auch nur ein Date gewesen. Viel mehr interessiert er sich dafür, warum Jack an einem Freitagabend ganz allein unterwegs sei. „Ich sagte doch, sie ist babysitten!“, insistiert Jack – und ich habe den Eindruck, wir wären noch nicht einen Schritt weiter mit dem Film. „Warum rufst du sie nicht an?“, fragt Mark. Kamerazoom auf Mark…

… Jack ruft von einer Telefonzelle aus bei der Babysitterin an, und Mark steht daneben und instruiert ihn, was er ihr sagen soll. Mit dem „Hey, wir dachten, wir kommen mal vorbei!“ ist Mark aber äußerst unzufrieden, und er schubst ihn beiseite, um es besser zu machen: „Jack und ich haben gerade gesagt, zwei sind Besuch, aber drei sind ’ne Orgie!“ …

… Ende des Traums, zurück am Flipperautomaten. Das war die dritte Fantasiesequenz, und sie war genauso belanglos wie die vorherigen. Mark hat die kurzzeitige Realitätsflucht vor allen Dingen wenig gebracht, er versagt beim Flippern so kläglich wie zuvor Jack und tritt vor Wut gegen das Spielgerät. Er ist böse. So böse. Jack hat mal wieder genug und geht.

Zu Hause bei den Tuckers liest die Babysitterin in der Küche sich selbst aus einem Buch vor und wiederholt mehrfach Passagen, die sie offenbar für die Schule auswendig lernen muss. Und aufgepasst: Dabei isst sie – ihr werdet es nicht glauben – einen Joghurt!

Nun aber schnell zurück zu Jack – und auch zu Mark, der ihm mittlerweile hinterherläuft wie ein Hund seinem Herrchen. „Was ist los mit dir? Bist du verliebt in sie?“, lässt Mark nicht locker und redet einfach immer weiter, ob wir nun wollen oder nicht: „Alter! Du bist ja völlig von der Rolle, aber ich versteh’ das wirklich. Ist allerdings schwer zu sagen, ob man eine Frau wirklich liebt, bevor man sie gefickt hat.“ Jacks Geduldsfaden war erstaunlich dick, nun aber reißt er, und er geht Mark in die Gurgel. Yeah, Action! Die vorbeifahrende Polizei verhindert aber Schlimmeres. Buuuh! Beide hauen schnell in eine Nebengasse ab, wo sich Mark bei Jack entschuldigt: „Am besten sag’ ich gar nichts mehr und halt’ die Klappe!“ Ja, Mark, bitte! Tu uns den Gefallen! Aber natürlich hat er das nur so gesagt und bietet Jack eine verbotene Frucht an – einen Joint! Jack nimmt alibihalber einen Zug, um Mark dann aber mit dem Joint zu bewerfen und sich mal wieder von ihm zu entfernen. Aber Mark gibt immer noch nicht auf: Jack solle doch bitte schön seine Freundin anrufen. Leute, mal ganz ernsthaft jetzt: Soll das hier ewig so weitergehen? Jack geht, Mark läuft hinterher. Jack geht, Mark läuft hinterher. Jack geht, Mark läuft hinterher. Wenn ich „Und täglich grüßt das Murmeltier“ gucken will, gucke ich „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Der nervt auch nicht so.

Fürs Protokoll: Der Film hat soeben die 20-Minuten-Marke erreicht. Er hat also noch 69 Minuten (inklusive Abspann) Zeit, um endlich anzufangen.

Immerhin aber das Ehepaar Tucker hat in der Zwischenzeit mal ein Ziel erreicht, nämlich die Party, zu der man will. Harry pfeift, seine Frau motzt, er solle nicht pfeifen. Und auch nicht so viel trinken. Wisst ihr noch? Die Ehe ist kaputt und Harry ein Säufer. Das hat man uns fünf Minuten lang schon nicht mehr gesagt. Wenn der Partybesuch für was gut ist, dann dafür, dass Harrys Frau endlich einen Namen erhält: Dolly. Leider haben wir aber gleichzeitig wieder ein neues Gesicht: den Gastgeber, der von George Segal gespielt wird, und der kriegt nicht sofort einen Namen. Dafür aber seine Frau. Die heißt Bernice und wird von Lois Chiles gespielt. Die Fete ist schon im Gange, als Dolly und Harry das Haus betreten. Dolly ordert erst einmal eine Weißweinschorle, eine Audrey ist schwanger und erhofft sich ein Mädchen, weil sie schon vier Jungs hat. Es ist spannend. Der Gastgeber schleimt in Richtung Dolly: „Du siehst jeden Tag jünger aus. Was ist dein Geheimnis?“ Dafür hat Harry die passende Antwort: „Häagen-Dazs. Langsam, aber sicher futtert sie sich ihren Babyspeck wieder an.“ Dieser Unverschämtheit tritt Dolly mit dem Wunsch nach einem Wodka ohne alles entgegen. Falls ihr es noch nicht gemerkt habt: Die Ehe ist kaputt!!

Aber was macht denn unsere Babysitterin? Die liest immer noch im Buch und isst. Parallel läuft ein Western in der Glotze, aber die Kinder (ihr erinnert euch? Das Baby ist zwar im Bett, aber die Tuckers haben noch zwei weitere Blagen), die sie davorsitzend vermutete, sind weg. Sie ruft nach Bitsy und Jimmy, doch da sind die beiden schon, stürzen sich auf die Babysitterin und kitzeln sie durch. VERDAMMT, FANGT ENDLICH AN!

Als Nächstes sehen wir Jack, und wider Erwarten hat er diesmal gar nicht die lästige Fliege Mark mit dabei, hat sich jedoch deren Vorschlag zu Herzen genommen und ruft bei der Babysitterin an. Jack macht sich dabei zum Vollhorst. Oder als was möchte man es sonst bezeichnen, wenn er Folgendes sagt: „Vielleicht sollte ich rüberkommen und dich beschützen.“ Im Laufe des Telefonats vermutet die Babysitterin Alkohol im Spiel, weil Jack für seine Verhältnisse ziemlich rangeht, und lehnt einen Spontanbesuch strikt ab. Merkt ihr das? Die ersten Anzeichen, dass der als Teufelchen fungierende Mark einen schlechten Einfluss auf ihn ausübt. Der Film ist und bleibt subtil. Und nerven tut er auch. Ach, das sagte ich schon? Das ist der schlechte Einfluss dieses Films auf mich. Darüber hinaus dachte ich eigentlich, das Pärchen hätte sich getrennt. Davon ist jetzt aber keine Rede mehr. Hat Tuesday Knight etwa gelogen? Tuesday. Knight. Hach…

Dann taucht auch wieder Mark auf – und erschrickt Jack, als er hinter der Telefonzelle hervorspringt. Er ist so böse. Der Bad Guy möchte wissen, was die Babysitterin gesagt hätte, und Jack ist der Meinung, dass ihn das einen feuchten Scheißdreck angeht. Wo er recht hat. Abermals entschuldigt sich Mark bei ihm, diesmal für seinen schlechten Rat, sie anzurufen, aber er täte es trotzdem gut finden, wenn man was gemeinsam unternehmen würde. Es ist schwer verständlich: Die Aussicht, mit diesem kaputten Nervsack rumhängen zu dürfen, klingt für Jack gar nicht mehr so schlimm, und er stimmt zu. Wagga.

Wie sich herausstellt, ist Mark der Sohn des Gastgebers der Party, auf der Harry und Dolly herumhängen. Er stattet der Party gemeinsam mit Jack einen Besuch ab und begrüßt seinen Vater freundlich. Das hat aber einen Grund: Mark möchte ihm die Autoschlüssel für dessen Wagen aus den Rippen leiern, und weil der Gastgeber ein netter Daddy ist, stellt er ihn den beiden Rabauken sofort zur Verfügung. Harry bekommt die Konversation hautnah mit und setzt gleich einen düsteren Blick auf, als Mark seinen Freund Jack vorstellt und in einem Nebensatz erwähnt, er sei der Lover des Mädchens, das gerade bei den Tuckers babysittet. Dementsprechend äußert er, nachdem die Jungs gegangen sind, um die Schlüssel zu holen, auch laut: „Was die Zwei wohl vorhaben?“ Das nehmen der Gastgeber und ein ebenfalls anwesender Fettsack-Gast zum Anlass, über die eigene Jugend und die Aufreißerjahre in ihren alten Schlitten zu reden. „Ah, blanke Schenkel, keine Stützstrümpfe oder Liebestöter, nur ein paar hauchzarte Höschen auf der Autorückbank“, schwärmt der Fettsack. Ich möchte mir das lieber nicht vorstellen. Harrys Eifersucht auf den jungen Glückspilz Jack dampft ihm aus allen Poren.

Bevor Mark und Jack die Nacht mit dem geliehenen Auto begehen, plündert Mark noch ein paar Vorräte aus dem Kühlschrank seiner Alten, und zwar ausschließlich Bier. Denn habt ihr es noch nicht mitbekommen? Bier ist böse. Und Mark verrät auch gleich, was er mit Jack vorhat: Jack und die Babysitterin sollen zwei, drei Bier trinken, und dann mal sehen, was passiert. Der Plan eines Genies, der nur leider davon abhängt, ob die Babysitterin für ihn die Tür öffnet. Immerhin will sie Jack nicht sehen, und er hat mit seinem plumpen Telefonat eben auch nicht viel dafür getan, dass sie ihre Meinung ändert. Um ihn davon zu überzeugen, seinen Plan in die Tat umzusetzen, setzt Mark seinem Kumpel die Flause ins Ohr, dass möglicherweise bereits ein anderer an der Babysitterin rumfummelt, schließlich hat sie ihm auch nichts von ihr und Mark erzählt. Wie dem auch sei – sie dampfen ab, und Harry schaut ihnen missgünstig hinterher. Zoom auf Harry…

… der spontan mit einer Whiskyflasche in der Hand (Alkohol = böse, klar?) nach Hause stürzt und vom Garten aus dabei zuschaut, wie seine herzallerliebste Babysitterin im Bademantel mit Jack rummacht. „Hab‘ ich’s doch gewusst“, stöhnt er…

… Ende Fantasiesequenz. Puh. Ich will ja nicht sagen, dass die langsam nerven, aber langsam nerven die. Wie der gesamte Film mit seinen unsympathischen Gesellen im Überfluss. Tut sich hier mal was?

Die Frau des Gastgebers, Bernice, lässt sich Dolly gegenüber über die bösen Männer aus, die sich eine Jüngere schnappen. Alte Säcke, die eine Jüngere haben wollen? Da kommt doch gleich mal Harry hinzu, der seine Absicht bekundet, zu Hause mal die Lage checken zu wollen, weil er befürchtet, dass die Babysitterin Besuch von ihrem Freund erhalten wird. Dolly kratzbürstet nicht zu Unrecht drauf los: „Weißt du, der Einzige, vor dem der Babysitter beschützt werden muss, bist du.“ Damit hätte sich die Sache für sie und den Pantoffelhelden erledigt. Harry bleibt – basta! Dolly klagt Bernice ihr Leid, den Rest ihres Lebens an diesen dicken Mann gebunden zu sein: „Da wünscht man sich doch, das Ehegelöbnis hätte eine Arschlochklausel, oder?“ Ich wäre ja eher für eine Klausel, nach der Filme wie „Innocent Babysitter“ sofort beendet werden müssen, sobald sie einen gewissen Langeweile-Pegel unterschritten haben. Zugleich betont Dolly, dass es ihr gut getan hätte, als Bill (der Name des Gastgebers! Check!) meinte, sie würde so jung aussehen. Oh nein, ein Zoom…

… Dolly stellt sich vor, wie sie mit Bill im Badezimmer verschwindet und er ihr sagt, sie sähe von Tag zu Tag jünger aus, um sie danach umgehend zu bespringen…

… Ende Fantasiesequenz. Schnarch. Bernice ist Dollys geistige Abwesenheit aufgefallen, und sie fragt, ob alles in Ordnung sei. „Ja, alles in Ordnung“, antwortet ihre Gesprächspartnerin. Nein, es ist gar nichts in Ordnung. Frag doch nicht so doof, Bernice.

Bei den Tuckers lässt die Babysitterin Badewannenwasser ein. Oh, meine Aufmerksamkeit ist geweckt. Gibt’s jetzt wenigstens Silverstone-Titten? „Bitsy, Zeit für dein Bad!“, ruft sie. Nein, sieht nicht so aus.

Mark und Jack sind in der geliehenen Karre unterwegs, und Jack muss aus dem Seitenfenster kotzen. Das soll wohl zeigen, dass er bereits zu viel getrunken hat. Mark meckert kurz, beschleunigt dann aber den Wagen: „Wir sind gleich da!“ Er ist so ein Revoluzzer, unser rauchender, saufender und schnellfahrender Bad Guy!

Bitsy hat keine Lust auf ihr Bad und möchte in der Glotze lieber den derzeit laufenden Actionfilm gucken. Sie will, dass Jimmy zuerst badet, aber die Babysitterin besteht darauf, dass er erst nach seiner Schwester dran ist, weil er länger aufbleiben darf. Auch die Ankündigung, dass sie noch weitergucken dürfe, solange Jimmy ein Bad nehme, kann Bitsy nicht besänftigen, und sie wehrt sich selbst dann noch mit Händen und Füßen, als die Babysitterin sie ins Bad trägt. Dort wirft Bitsy ihr trotzig Papis Unterhose ins Gesicht. „Du gehst jetzt in die Wanne!“, zeigt die Aufpasserin, wer hier am längeren Hebel sitzt. Drei weitere kostbare Minuten meines Lebens – einfach vertan.

Vor dem tuckerschen Anwesen hält der Wagen von Mark und Jack. Mark trinkt ein Bier, weil er doch so böse ist.

Jack: Und was jetzt?
Mark: Du steigst aus dem Auto, gehst die Treppe hoch und klingelst an der Tür.
Jack: Das ist doch bescheuert! Ich will es nicht vermasseln.
Mark: Das wirst du nicht.
Jack: Und was machst du?
Mark: Ich warte so lange, bis du reingehst. Viel Glück, Mann!

Es verwundert wirklich nicht, dass dieser Film 90 Minuten geht, wenn jede einfache Handlung wie „Jack geht zur Tür“ erst eine Minute ausdiskutiert werden muss. Ich will ja nicht unfair sein, aber ich glaube, hätte der Film an dieser Stelle angefangen, hätten wir immer noch nichts versäumt.

Jack steigt also aus und geht zur Tür (bravo!), Mark bleibt zurück und raucht seine geschätzt fünfzehnte Zigarette. Während er wartet, gibt es schon wieder einen ominösen Zoom auf sein Gesicht…

… In Analogie zur Traumszene mit der blonden Bedienung (Tuesday Knight!) liegt jetzt die Babysitterin nackt auf dem Rücken. In fehlender Analogie zur Traumszene mit der blonden Bedienung (Tuesday Knight!) filmt die Kamera sie dabei aber lediglich oberhalb der Brust. Buuuh! Mark hockt im Unterhemd über ihr, und sie ist in freudiger Erwartung: „Ich will etwas erleben mit dir.“ Vorher muss Mark aber erstmal eine rauchen. Das darf auch im Traum nicht fehlen. Direkt daneben sitzt Jack und schaut mit großen verängstigten Augen zu. „Sie ist eiskalt. Sie braucht deine Berührung, Jack“, sagt Mark. Gut, ich soll und will ja nicht immer meckern, aber ich würde Orgien mit zwei Frauen bevorzugen…

… Wenn es denn wenigstens so was wie Orgien gäbe oder etwas nackte Haut oder so. Stattdessen ist die Fantasiesequenz erneut beendet, ohne dass mal irgendwas in irgendeiner Form geschehen wäre. Waaah!

Jack klingelt an der Haustür – mehrmals, weil seine Freundin ja gerade mit Bitsy-Baden beschäftigt ist. Sie eilt nach unten und ist wenig erfreut, die trübe Tasse da vor der Tür stehen zu sehen, und so beginnt ein weiterer endlos gestreckter Dialog.

Sie: Du solltest doch nicht herkommen, Jack!
Er: Na ja, ich dachte, ich überrasch‘ dich.
Sie: Du führst dich auf wie ein Idiot, und das bringt uns keinen Schritt weiter.
Er: Ich wollte nur mal sehen, was du so machst.
Sie: Ich babysitte! Im Augenblick sind sie oben und baden.
Er: Darf ich einen Moment reinkommen? Ich bin auch ganz brav.
Sie: Du bist betrunken! Du solltest nicht kommen und bist trotzdem hier. Ich ruf‘ dich nachher an. Ich muss jetzt weitermachen.

Die Babysitterin knallt die Tür zu. Jack erkennt, dass er unerwünscht ist und geht unverrichteter Dinge zurück zum besten Kunden der Tabakindustrie, Mark. Jack will nach Hause (rabäääh, meine Freundin will mich nicht sehen, heul), aber Mark hat schon einen neuen Plan. Er steigt aus, um eine Runde „Peeping Tom“ zu spielen. Nun ist es Jack, der ihm wie ein Hündchen hinterherläuft. Sie schleichen ums Haus und spähen heimlich ins Wohnzimmer, wo sie die frisch gebadete Bitsy, Jimmy und die Babysitterin (argh! Einen Namen! Gebt mir endlich einen Namen!) erblicken. Die Babysitterin will, dass jetzt Jimmy badet, doch der hat ebenso wenig Bock wie Bitsy (bzw. wie ich noch auf diesen Film). Sie droht, ihn nach oben zu schleifen. Weil er sich noch immer wehrt, entwickelt sich daraus kurzerhand ein Zieh-und-Zerr-Spiel, bei dem auch Bitsy kräftig mitmischt. Mark ist begeistert, wie Jimmy bei der Babysitterin auf Tuchfühlung geht: „Oh ja, super! Der Kleine hat’s voll drauf!“ Mark fühlt sich in seiner Rolle als Spanner äußerst unwohl und hat zudem Angst, erwischt zu werden. „Bleib ganz locker! Pass lieber ein bisschen auf. Guck zu und lerne!“, meint Mark dazu nur. Jack ist aber mehr damit beschäftigt, sich von der Kamera anzoomen zu lassen…

… Hallo, Fantasiesequenz! Jack macht die Tischlampe aus, legt sich auf die Couch und knutscht mit seiner im Bademantel steckenden und sehr willigen Freundin rum. Er zieht sein T-Shirt aus und tönt: „Hi, hier ist Jack!“…

… Hallo, Realität, du hast uns wieder! Also, ich werde wirklich unleidlich: Wie lange soll das noch so weitergehen? Was bringen mir diese halbgaren Traumszenen, wenn doch nichts und wieder nichts passiert? Jack ist auf die Babysitterin scharf, Mark auch und Harry erst recht. Es ist etabliert, Leute. Wir können jetzt mit dem Plot anfangen. Viele Chancen gebe ich dem Film nicht mehr.

Wo ich von Harry sprach, der ist Bestandteil der nächsten Szene, denn wir sind wieder auf der Party – und gleich auch wieder nicht, weil die Kamera meint, zoomen zu müssen…

… Jazzmusik setzt ein, als Harry sein eigenes Haus stürmt und Jack und Alicia auf der Couch herummachen sieht. Das kann er nicht dulden. Dieses Haus ist schließlich ein sauberes. Jack springt sofort auf und hält sich seine ausgezogene Hose vor die Boxershorts, aber Harry reißt sie weg und lacht: „Hey, was ist das denn für ein kleines Ding, was da raus will?“ Dann wirft er Jack kurzerhand aus dem Haus und widmet sich ganz der unartigen Babysitterin in ihrem Bademantel. Er zieht ihr Jacks zurückgelassene Jacke über und wanzt sich an sie heran: „Du und ich haben ab sofort wohl ein kleines Geheimnis.“ Da es Harrys Traum ist, ist die Babysitterin natürlich auch diesmal für ihn bereit und lässt sich erst von ihm umarmen und sich dann küssen. „Was hältst du davon, wenn wir zwei kleine Geheimnisse daraus machen?“, fragt er…

… und das war’s mal wieder. Wenn der Film etwas kann, dann ist es, immer dann abzubrechen, wenn es spannend (oder nackt) werden könnte. Langsam bin ich nicht mehr nur genervt, ich bin auch sauer.

Zurück auf der Party ist der mittlerweile schwer betrunkene Harry nun aber wirklich bereit, endlich abzuhauen und zu Hause mal nach dem Rechten zu sehen (um dort vermutlich über die Babysitterin herzufallen und sie zu vergewaltigen). Er könnte erfolgreicher sein, wenn er seine Absichtserklärung, die Party verlassen zu wollen, nicht immer vorab Dolly ankündigen würde. Die lässt ihren schurkischen Gatten ganz bestimmt nicht gehen und kontert seinem billigen Argument, Kopfschmerzen zu haben und daher seine Pillen holen zu wollen, souverän mit dem Vorschlag, doch hier bei Bill und Bernice im Badezimmer nach welchen zu suchen – mal ganz davon abgesehen, dass er in seinem Zustand ganz bestimmt nicht in ein Auto hinters Lenkrad springen sollte. Harry trollt sich.

In der Zwischenzeit hat auch Jimmy gebadet und darf, wie vorhin von seiner Mama erlaubt, noch etwas Fernsehen gucken. Die Babysitterin führt ihn zurück ins Wohnzimmer, und ich hoffe einfach mal, die war jetzt nicht die ganze Zeit dabei, während der Zwölfjährige in der Wanne saß. Draußen sind immer noch die spannenden Schmierlappen. Mark trinkt einen Schluck aus seinem mitgebrachten Flachmann (Alkohol = böse, ihr erinnert euch?), und auch Jack gönnt sich einen Schluck. Ach, ich habe ja noch gar nicht erwähnt, dass es schon länger im Hintergrund donnert und grollt. Versteht ihr? Hier schwelen Konflikte, und deshalb der Donner. Wobei – Konflikte? Die Tuckers haben eine Ehekrise, Jack darf nicht mit der Babysitterin spielen, Mark zerstört seine Lunge, und die Babysitterin muss widerspenstige Kinder hüten. Aufregend.

Die Babysitterin kümmert sich derweil mal wieder um das Baby. Ich dachte zwar, das hätte sie vorhin schon schlafen gelegt, aber das kann ich auch missverstanden haben. Sie nimmt den Säugling jedenfalls auf den Arm und sagt: „Ist ja gut. Shhh.“ Nein, gar nichts ist gut!

Jack nimmt immer noch Schlucke aus der Pulle. Mark meint zur ganzen Situation nur: „Immer noch besser, als allein zu Hause zu sitzen, weißt du? Du musst rausfinden, was du willst, und dann holst du’s dir.“ Ein weiser Mann. Ich weiß, was ich will. Ich will, dass der Film zu Ende ist – ein hehres Ziel, denn wir haben erst gut eine Dreiviertelstunde und somit gerade die Hälfte um. Bjaaarch. Und Zoom auf Mark…

… der mal wieder die Babysitterin flachlegt. Oder immer noch. Hat er vorhin ja schon gemacht. Vielleicht ist das eine Fortsetzung seines Traums. „Asshole Fantasies II“. Jack guckt auch wieder zu. Oder immer noch. „Du verlierst, Kumpel. Tja, dein Pech“, sagt Mark und vollzieht seine Turnübungen auf der Frau, über die jeder Mann mal rüber will…

… Ende Traum. Ende Geduld.

Die Babysitterin bringt Bitsy ins Bett und bedankt sich für den schönen Abend, wenn ihr Zögling auch ganz schön frech war. Zum Abschied schaltet sie noch das Nachtlicht an. Rührend. Ich bin müde.

Wieder unten im Wohnzimmer kritzelt die Babysitterin eine Katze, einen Hasen und irgendwelche Muster auf einen Zettel. Das mache ich übrigens schon längst. Sie gähnt. So ein Zufall – ich auch. In der Glotze wird Werbung für einen Rasierer gemacht. Stimmt, rasieren könnte ich mich auch mal wieder. Und ich sag‘ euch, der Film tut ja nun wirklich alles, um sämtliche Lebensgeister aus mir herauszusaugen, aber ihr werdet es nicht glauben: Es tut sich was. Nicht viel, aber immerhin was, denn – Achtung –: Die Babysitterin bekleckert sich versehentlich mit Joghurt!!!11!!!!!! Habe ich zu viel versprochen?

Nach kurzem Fluchen geht sie ins Bad und lässt neues Wasser in die Wanne ein. Danach geht sie an die Waschmaschine und schaltet sie ein. Sie entkleidet sich. Die Kamera interessiert das nicht, sie filmt nur die Füße. Zack, Kleidung in die Waschmaschine, und ab damit. Für zwei Kleidungsstücke ein ganz schöner Wirbel. Die Tuckers werden sich bedanken, sobald sie die Wasserrechnung in ihren Händen halten. Im nächsten Moment trägt sie bereits einen Bademantel, ohne dass wir auch nur ein Fitzelchen nackter Haut gesehen hätten. Ich will nicht sagen, dass Alicia Silverstones Brüste den Film retten würden, aber etwas besänftigter wäre ich schon.

Vor dem Fenster tummeln sich nach wie vor Jack und Mark und warten vergeblich auf spannende und spannwürdige Ereignisse. Nun ja, zugegebenermaßen ist Mark schon ziemlich begeistert: Die Babysitterin ist im Bademantel! Da muss auch Jack mal genauer hinschauen, ist aber dermaßen blöde, dass er aus der Hock- in die Stehposition wechselt – und das frontal vorm Fenster. Unverdientes Glück hat er, dass es mittlerweile dunkel ist und der Lichtschein im Haus an den Scheiben reflektiert wird, sodass die Babysitterin ihn nicht sehen kann. Einmal durchatmen. Jack ist irritiert.

Jack: Warum hat sie einen Bademantel an?
Mark: Hörst du das? Klingt, als würde irgendwo Wasser laufen.
Jack: Wieso Wasser? Badewasser? Du meinst, sie will jetzt baden?

Ich glaube, du bist auf der richtigen Spur, Jack. Bademantel und laufendes Wasser – könnte hinhauen.

Die Babysitterin (ich würde euch so gern einen Vornamen präsentieren, glaubt mir das, ehrlich!) schickt Jimmy ins Bett, nicht ohne ihm noch anzukündigen, vorher baden zu gehen. Ich weiß ja generell nicht, ob das so eine gute Idee ist. Ich meine, Dolly schien vorhin bei der Fahrt zur Party geringfügig echauffiert, dass sie einfach deren Badewanne nutzt, wofür sie sie bestimmt auch nicht bezahlen. Was wäre, wenn Jimmy das nun einfach petzen würde?

Schließlich wünscht sie dem Tucker-Baby noch süße Träume. Das müsste jetzt das dritte Mal gewesen sein. Und sie tut weitere aufregende Dinge: Im Badezimmer wischt sie über den beschlagenen Spiegel, greift sich die weiße Unterhose, mit der Bitsy sie vorhin beworfen hatte, lächelt, sagt „Oh Gott“ und kämmt sich. Dann macht sie den Wasserhahn aus. Es bringt Spaß, da zuzuschauen. Ach sorry, mein Hirn ist schon mürbe gekocht vor Langeweile. Ich muss ins Bett.

Wieder hätte der Regisseur die Möglichkeit gehabt, den Kameramann Alicia Silverstones nackten Körper abfahren zu lassen, doch einen Schnitt später liegt sie bereits in der Wanne und ist so eingehüllt mit Schaum, dass nackte Tatsachen etwas sind, was wir uns vielleicht wünschen können, aber niemals erfüllt kriegen. Gerade deshalb erscheint die Rolle von Tuesday Knight (Tuesday. Knight.) im Rückblick umso wichtiger. Wenn schon sonst nichts haften bleibt, dann wenigstens deren Titten. Die Tonspur lässt ein Klavier klimpern. Die Babysitterin schließt die Augen und atmet tief durch. Gar keine schlechte Idee, muss ich sagen. Ich glaube, ich tue es ihr gleich.

Das beendet aber leider immer noch nicht dieses Nichts von Film. Stattdessen wieder Harry mit dem nächsten gefüllten Whiskyglas in der Hand. Damit geht er ins Bad des gastgebenden Ehepaars, greift mit den Fingern ins Glas und reibt sich damit durch die Augen. Dann trocknet er sich ab. Ein Zoom…

… In seinen Gedanken ist er nach Hause gefahren, um sich Aspirin zu holen. Zu seiner Freude findet er in der Badewanne die Babysitterin vor, die zwar hochschreckt, aber schnell genug ist, um sich die Hände vor die Brüste zu halten. Leute, findet euch damit ab: Alicia Silverstone hat für diesen Film einen No-Nudity-Kontrakt unterzeichnet. Wir brauchen nicht mehr zu hoffen, falls ihr überhaupt noch Hoffnung auf irgendwas Erbauliches gehabt haben solltet. Als Ersatz müssen wir damit leben, wie sich Harry leicht die Lippen leckt, sie in bester Dirty-Old-Man-Manier angrinst und sich auf die Badewannenkante setzt, um ihr zart durchs Gesicht zu streicheln und sie zu küssen. „Ich steig‘ einfach dazu! Was meinst du?“, fragt er. Es würde zu „Innocent Babysitter“ passen, wenn wir, wenn schon sonst keine Nacktheit, dann aber J. T. Walshs Dödel sehen dürften. Zu meiner Erleichterung zieht er sich aber nur die Schuhe aus und steigt sonst in voller Anzugmontur ins Badewasser. Beide lachen…

… Der Alltag hat Harry nur allzu schnell wieder, denn sein gehasstes Frauchen Dolly klopft an die Badezimmertür und will wissen, ob es ihm gut geht. Alles bestens, meint er und gibt vor, Aspirin zu suchen, aber keines zu finden. Wenn ich nicht genau wüsste, dass er nur einen Vorwand benötigt, um die Babysitterin nageln zu können, würde ich Dollys Idee für geradezu genial halten: Vielleicht sollte er mal Bill nach Aspirin fragen. Nun hat Harry aber wirklich genug und sieht gar nicht mehr ein, noch auf seinen Drachen zu hören: Sie solle gefälligst weiterfeiern, er hingegen wolle kurz nach Hause und seine eigenen Pillen holen.

Da das Wohnzimmer so ganz ohne die Babysitterin langweilig geworden ist, müssen die zwei Bengel Jack und Mark sich was Neues einfallen lassen, um weiterspannen zu können. Zum Glück hat das Tucker-Anwesen wie jedes vernünftige US-amerikanische Haus eine Leiter an der Fassade stehen, über die die Jungs aufs Dach klettern können. Die Babysitterin ahnt davon nichts und genießt ihr Schaumbad so sehr, dass sie einschläft und ihre Lippen sinnlich öffnet. Die Kamera fährt ganz nah an ihr Gesicht und…

… Mark schafft es zuerst aufs Dach, Jack folgt ihm kurz dahinter. Äh. Nein, sorry, das ist wohl doch kein Traum. Verwirr mich doch nicht so, Film. Wieso ein Zoom, wenn es gar keinen Traum gibt? Aber gut – die beiden sind nun also auf dem Dach. Zum Glück für sie finden sie das Badezimmerfenster schnell, zu ihrem Pech erschweren die weit zugezogenen Jalousien freie Einblicke. Die Kamera zoomt an Jack heran und…

… dann öffnet er die Badezimmertür. „Wow! Hi! Ich wollte nur kurz sehen, ob du brav warst“, sagt er, als er die nackte Babysitterin dort in der Wanne sitzen sieht. Na also, das sieht mir doch schon eher nach einer weiteren Fantasiesequenz aus. Bestimmt wird die auch wieder ganz doll erotisch und spannend und so. Jacks Freundin sagt nichts, sieht ihn aber lächelnd und erwartungsvoll an, als er sagt: „Setz dich mal auf! Ich könnte dir doch den Rücken einseifen, wenn ich schon hier bin. Was meinst du?“…

… Ups, schon wieder vorbei. Haben wir was anderes erwartet? Nicht doch. Nicht mal einen nackten Rücken gönnt man uns. Was sind das hier nur für Verbrecher? Wie lange noch? Ächz. 37 Minuten.

Jack späht mühsam durch die Jalousien und sieht die Babysitterin in der Badewanne liegen. „Sie liegt in der Badewanne“, sagt er zu Mark. Ach?

Eigentlich vermutete ich Harry ja längst Schleifen fahrend auf der Rückfahrt zu seinem Heim, aber zu meiner Überraschung albert er immer noch mit Gastgeber Bill und anderen männlichen Gästen auf dieser grottenlangweiligen Party herum, wofür Dolly nur ihr übliches Nörgeln übrighat: „Was tust du denn da?“ Harry, der eigentlich nur Golfschlagbewegungen imitieren wollte, geht die Hutschnur hoch: „Wieso kannst du nicht mal lustig betrunken sein anstatt immer nur sauer betrunken?“ Nun möchte er aber auch wirklich los. Ganz in echt. Bill äußert Zweifel, dass er noch fahren kann, und Bernice sind die Spannungen zwischen dem sympathischen Ehepaar (hüstel) nicht verborgen geblieben. Sie guckt nachdenklich.

Harry kämpft sich mehr zum Wagen, als dass er geht, schafft es jedoch tatsächlich auf den Fahrersitz und ergeht sich in Fantasien – zumindest verbal: „Ich schleich’ mich einfach ganz leise rein, und vielleicht liegt sie ja schon in der Wanne. Huhuhu, entschuldige die Störung.“ Als er aber die Autoschlüssel sucht, findet er sie nicht. „Oh scheiße“, kann er da nur noch sagen, seinen Kopf in den Nacken legen und einschlafen. Aber nicht ohne Zoom…

… In seiner Fantasie seift er der Babysitterin den Rücken ein. Hui, ein nackter Rücken ganz ohne Kleidungsstoff. Was ist da los? Dabei lässt er absichtlich die Seife aus seinen Händen ins Badewasser flutschen und lacht sich über den Gag kaputt. Auch sein Objekt der Begierde lacht kieksend auf, weil er bei der händischen Suche nach der Seife offenbar auch an ihren Hintern und sonstige heikle Zonen geht…

… Und Ende. Um euch mal deutlich zu machen, wie sehr die Erotik allein in dieser Szene prickelte, sei euch gesagt, dass Alicia Silverstone dabei ein Handtuch um ihren Körper gewickelt hat. In der Badewanne! Die mit Wasser gefüllt ist! Also, wenn ich erotische Fantasien habe, stelle ich gefälligst auch sicher, dass meine gewünschte Sexualpartnerin aber sowas von splitterfasernackt ist. Und hier? Ein Handtuch um alle interessanten Stellen. Nicht mal vernünftig fantasieren kann Harry.

Bernice stellt auf der Party besorgt Dolly zur Rede und macht ihr schwere Vorwürfe, ihren Göttergatten in seinem Zustand einfach fahren gelassen zu haben. Dolly kann darüber nur lachen, was daran liegt, dass sie a) ebenfalls ordentlich einen im Tee hat und b) den richtigen Autoschlüssel aus ihrem Ausschnitt fischt. Ein Fuchs, diese Frau.

Ich muss ja sagen, dass ich so langsam kapiert habe, dass diese Ehe wohl kaum mehr zu kitten ist ohne Paartherapie. Und selbst wenn Dolly und Harry eine machen würden, käme dabei vermutlich nur raus, dass sie sich trennen sollten. Big Drama is in the house. Da das aber dem Regisseur wohl immer noch zu uneindeutig ist, lässt er auf der Party einen Mann darüber schwadronieren, dass sein Dad ja jetzt eine Freundin hätte, die 20 Jahre jünger wäre als er. Kurzum: Sie sei jung genug, um seine Tochter zu sein. Versteht ihr? Dad = Harry. Freundin = Babysitterin. Babysitterin könnte Harrys Tochter sein. Jetzt klar? Dolly hört sich dieses Gespräch augenrollend an. Ihr persönlicher Lichtblick ist aber Bill, der ihr ein Lächeln zuwirft, das sie erwidert. Oha, Zoom…

… „Oh Dolly, du siehst hinreißend aus!“, seufzt Bill begeistert, während Dolly auf dem Rücken unter ihm liegt und sich erwartungsvoll durchvögeln lassen will. Dieser Akt, wenn man ihn denn so nennen will, geschieht selbstverständlich im angezogenen Zustand, aber eine 43-jährige Lee Garlington hätte ich nun auch nicht mit einem 62-jährigen George Segal kopulieren sehen wollen. Das Höchste dieses Sexspiels ist schon, dass Bill Champagner aus der geöffneten Champagnerflasche in Dollys Mund laufen lässt, um sie dann zu küssen (wie heiß!)…

… womit wir wieder im Hier und Jetzt und in der viel traurigeren Gegenwart wären. Also, Dolly zumindest. Mir selbst ist das egal. Traum und wirkliche Gegenwart sind gleichermaßen triste Trauerspiele. Dolly verschafft sich mit ihrem Körper durch explizites Wegdrängeln blöd im Flur rumstehender Gäste Zutritt zur Küche und greift dort zum Telefon, um von bösen Vorahnungen geplagt zu Hause anzurufen. Mach dir keine Sorgen, Dolly. Hier tut niemand irgendwas.

Streng genommen macht hier schon jemand irgendwas, namentlich Jack, der immer noch durchs Badezimmerfenster geifert, um Körperteile zu erhaschen, an die er bislang nicht ran durfte. Da kannst du lange warten, Junge. Hier zeigt niemand irgendwas. Außer Tuesday Knight. (Tuesday. Knight.) Mark ist übrigens auch immer noch mit dabei, lässt sich aber lieber als Hörspiel berichten, was sein Kumpel sieht. Eine gewisse Hoffnung, auf seine Kosten zu kommen, hegt Jack, da er unten das Telefon klingeln hört und die Babysitterin deshalb doch eigentlich mal aufstehen müsste. Das tut sie auch, allerdings mit dem Rücken zu den Jungs. Sollte Jack ihren nackten Arsch erhaschen, so teilt der Kameramann diesen Blick nicht mit uns. Da durchströmt Mark plötzlich ein Gedanke.

Mark: Ich glaub’, ich hab’ da ’ne Idee, Jack. Weißt du noch, ob sie die Vordertür abgeschlossen hat, als sie dich weggeschickt hat?
Jack: Keine Ahnung.
Mark: Oh Mann! Denkst du, was ich denke?

Wenn sie „Was für ein hundserbärmlicher Nicht-Film“ denken, dann denke ich dasselbe.

Dolly lässt energisch das Telefon klingeln. So schnell gibt sie nicht auf, auch wenn die Babysitterin Ewigkeiten braucht, den Apparat von der Gabel zu nehmen – und letztlich legt sie doch eine Sekunde zu früh auf. Das Lebenszeichen der Babysitterin kommt nicht mehr rechtzeitig. Das stört Dolly dann aber schnell gar nicht mehr, weil Bill ihr Gesellschaft in der Küche leistet und ihr etwas Champagner anbietet. Da geht doch ihr Herz auf. Die Babysitterin (der Film ist ja schon schlimm genug, aber dass ich ständig „die Babysitterin“ tippen muss, weil das Drehbuch es nicht gebacken kriegt, ihr einen Namen zu geben, setzt dem Ganzen die Krone auf) bemerkt das sich zusammenbrauende Gewitter draußen. Die Konflikte spitzen sich zu, denn seit vorhin hat sich einiges getan: Die Tuckers hassen sich immer noch, die Jungs spannen immer noch, und die Babysitterin macht immer noch nichts. Was für eine Entwicklung!

Und dieser feurige Erotikthriller bewegt sich schnurstracks auf seinen vorläufigen Höhepunkt zu, weil unversehens auch Jimmy mitmischt. Jimmy? Der zwölfjährige Tucker-Knirps, der eigentlich längst schlafen soll? Ja, genau der. Mitnichten hat er sich schlafen gelegt, sondern blättert mit einer eingeschalteten Taschenlampe in der Hand ein Tittenheft durch. Die Taschenlampe wäre eigentlich gar nicht nötig, es scheint nämlich genügend Licht durchs Fenster. Soll aber keine große Rolle spielen. Es dauert nicht lange, und die Kamera zoomt auch auf ihn…

… Genau, nun bekommen wir auch Jimmys ganz persönlichen feuchten Traum. Jimmy schleicht aus seinem Zimmer und schaut durchs Schlüsselloch der Badezimmertür. Dabei kann er erkennen, wie die Babysitterin sich wannenfertig macht. Der kleine Spanner stellt sich aber dämlich an und stößt mit seinem Kopf gegen den Türknauf, sodass die sich von der Kamera unbemerkt in die Badewanne gelegt habende Babysitterin auf ihn aufmerksam wird. Unter dem Vorwand, auf Toilette zu müssen, tritt er ein. Sie lässt sich viel Zeit mit einer Reaktion, bis sie schließlich sagt: „Du wolltest mich doch nur in der Wanne liegen sehen, oder? Du bist ein ganz böser Junge, Jimmy.“ Äh, hallo? Was wird das hier?

Der verlegene Jimmy will wieder gehen, aber der Gedanke, einen Zwölfjährigen zu verführen, scheint der Babysitterin durchaus zu gefallen. So hat sie eine Bitte, die das frühreife Kind ja wohl kaum ausschlagen kann: „Jimmy, wenn du schon mal hier bist, kannst du mir den Rücken einseifen.“ Ja gut, gerade noch „Playboy“ gelesen, da ist eine zarte Rückenmassage das Erste, was mir zum Wichsen einfiele. Zu zärtlichem Klaviergeklimper greift er zur Seife und macht kleine Kreise über ihr Schulterblatt. Unter Einseifen verstehe ich dann doch was anderes. Versehentlich lässt er die Seife ins Wasser fallen, aber keine Sorge, die Babysitterin findet es nicht weiter schlimm: „Dann hilf mir, sie zu finden, Jimmy. Hilf mir, sie zu finden.“ Sie greift nach dem Arm des Jungen…

… womit das Ganze zum Glück auch schon ein Ende hat. Nicht dass dem Film am Ende ausgerechnet jetzt einfällt, seine Zurückhaltung aufzugeben und den Sex zwischen Kind und Schutzbefohlener zu visualisieren. Und nein, ich habe das nicht ernsthaft angenommen. Es fällt übrigens auf, dass der Jimmy-Darsteller Ryan Slater und Alicia Silverstone diese Szene nicht gemeinsam spielen. Die Hände an den Schultern der Silverstone gehören einem Double, und ansonsten arbeitet die Szene nur mit Schnitt und Gegenschnitt. Diese sexuell aufgeladene Situation wollte man dem minderjährigen Schauspiel-Lümmel dann lieber nicht zumuten.

Jimmy hört Geräusche und leuchtet mit seiner Taschenlampe über die Jalousien in seinem Zimmer. Ich weiß nicht, ob ihr es nach dieser hübschen Erotikszene (würg) eben noch wisst, aber Mark hatte einen neuen Plan ausgeheckt: sich heimlich ins Haus schleichen – und irgendwas machen. Gut, etwas konkreter führt er den Plan gegenüber Jack dann doch aus: „Du gehst ins Haus und rufst ihre Nummer an, klar? Und sobald es klingelt, legst du sofort auf, okay? Das ist wichtig. Wenn sie den Hörer annimmt, ist niemand dran.“ Jack ist noch nicht überzeugt, aber Marks Plan ist ja auch noch nicht fertig: „Dann rufst du noch mal an und sagst ihr, dass irgendjemand im Haus ist. (…) Jemand ist im Haus, und du kommst, um sie zu beschützen.“ Ich stehe auf, klatsche und verneige mich. Chapeau, Mark.

Auf der Party hat Dolly gleich drei Probleme. Sie ist sturzbetrunken. Sie fühlt sich alt. Und sie kriegt ihr sich offenbar eigenständig geöffnetes Strumpfband nicht wieder zu. Es ist der schmerzhafte Realismus, der „Innocent Babysitter“ zu einem echten Leckerbissen für Intellektuelle macht. Hier werden noch Probleme thematisiert, die für jeden anderen Film zu uninteressant wären. Beim Versuch, ihre Strumpfhose im Badezimmer zu richten, weint Dolly: „Die werden mich in einer Schubkarre vor irgendeinem Altersheim abliefern.“ Bernice und Bill machen sich Sorgen, klopfen an die Tür und wollen helfen. Dolly aber meint, dass alles bestens sei. Bernice kümmert sich weiter um die Gäste und bittet Bill, das zu regeln.

Da die Babysitterin vorhin die Tür tatsächlich nicht wieder abgeschlossen hat, kann sich Jack auf Geheiß von Mark ins Haus schleichen und den ersten Teil des sorgsam ausgetüftelten Plans in die Tat umsetzen. Er nimmt das Küchentelefon in die Hand und wählt die Nummer der Tuckers. Das kann er auch nur machen, weil für mich etwas überraschend die Babysitterin wieder in der Wanne liegt, obwohl ich vermutet hätte, ihr wäre das Baden nach dem Anruf eben vergangen. „Nicht doch“, seufzt sie, als sie das Klingeln hört, und steigt ohne gefilmte Nudity aus der Badewanne. Das passt auch Jimmy nicht, der zuvor durch den Flur geschlichen ist und offenbar seinen Wunschtraum mit etwas Schlüsselloch-Peeping erfüllen wollte, sich nun aber verstecken muss. Die Spannung ist auf dem Siedepunkt, die Fingernägel abgekaut, meine Hände vors Gesicht geschlagen.

Die Babysitterin geht ans Telefon, und wie vorher mit Mark vereinbart meldet sich Jack nicht. Und dann passiert etwas!! Es ist vielleicht nicht so aufregend wie der Moment, in dem der Babysitterin der Joghurt auf ihr Oberteil getropft ist, aber nah dran: Sie wird von hinten angefallen und schreit dabei so laut, dass sämtliche Kinder in diesem Haus, die bislang noch nicht wach waren, erwachen. Der Angreifer ist – Mark. „Ich bin’s, ich bin’s, ich bin’s! Ganz ruhig. Ich bin hier, um dich zu beschützen.“ Moment, so haben wir aber nicht gewettet. Das war doch eigentlich Jacks Spruch. In der Tat beruhigt sich die Babysitterin immerhin dahingehend, dass sie den Angreifer kennt. Auf ihre Nachfrage, vor wem sie denn wohl beschützt werden müsse, fällt Mr. Hinterfotz eine fiese Lüge ein: „Vor Jack! Er ist verrückt geworden.“ Wie aufs Stichwort kommt Jack auch schon um die Ecke gestürmt und fragt Mark, was hier los sei. Mark tut ganz ahnungslos und fragt wiederum Jack, was er hier zu suchen habe. Ladies and gentlemen, this is it: das Gipfeltreffen der Schwachmaten!

Der Babysitterin missfällt die gesamte Situation, und ich kann es ihr nicht verübeln. Wenn zwei Bekannte spät abends im Dunkeln uneingeladen in ein Haus platzen würden, in dem ich Kinder hüte (gut, eine seeehr hypothetische Vorstellung), wäre ich auch nur so mäßig begeistert. In den USA hat man da schnell mal fünf Kugeln im Gesicht. Anstatt wegen Hausfriedensbruch die Polizei zu rufen, macht die Babysitterin jedoch lediglich klar, dass sie sofort zu verschwinden hätten. Mit Engelszungen redet Mark auf sie ein, damit die beiden eben nicht wieder gehen müssen. Man sei ziemlich besoffen, und in dem Zustand sollte man nicht mehr fahren. Außerdem sei es dunkel, und es hätte geregnet. Daher:„ Können wir vielleicht noch eine Viertelstunde hier bleiben oder so, nur um ein bisschen auszunüchtern?“ Ich an der Stelle der Babysitterin würde ihm ja ein gepflegtes „Fuck you“ in alle erdenklichen Körperteile pfeffern, aber die Gedankenwelt der Frauen hat schon immer anders funktioniert: „Ich mach’ euch einen Kaffee, und dann verschwindet ihr wieder.“ Lange war der Film stinkend langweilig. Nun ist er offiziell noch zusätzlich stinkend blöd. Wie lange noch? 23 Minuten? Okay, bringen wir’s hinter uns, bringen wir’s einfach nur noch hinter uns. Ach ja, und ein äußerst dezenter Zoom auf Mark zeigt an…

… dass hier wieder jemand träumt. Mark vögelt mit der Babysitterin. Diesmal jedoch ist sie ganz und gar nicht fickbereit, sondern wehrt sich mit Händen und Füßen. Jack betrachtet das wie vorhin von der Seitenlinie, mischt sich dann aber auch aktiv ein.

Jack: Hör auf!
Mark: Wer sagt das?
Jack: Ich sag’ das!
Mark: Ach du! Ja?
Jack: Ja!
Mark: Tja, drauf geschissen! Weil ich nämlich sag’, wann genug ist.

Ich kann mich schwer entscheiden, in welchem Universum die Dialoge unerträglicher sind: im Traum oder in der Realität. Wenn man so will, kann man aber dankbar sein, dass Jack seine Faust (wohlgemerkt noch im Traum – wäre ja noch schöner, wenn real mal was von Belang passieren würde) in Marks Fresse donnert, weil sich im Anschluss eine Prügelei anschließt. Ich freue mich über jeden Ausbruch aus der Monotonie dieses tödlichen Langeweilers. Homosexuell-sadomasochistische Untertöne hier, oder was? Mark steht auf Schläge? Der Kampf mit seinem versteckten Schwulsein? Beim Kreuz-und-Quer-Geprügle kippt ein Fernseher um, und zwar genau auf den Kopf der Babysitterin! Natürlich sehen wir nichts davon, nur die entsetzten Reaktionen. „Scheiße, wir müssen sie hier rausschaffen“, flucht Mark. Nur leider erweist sich das als schwierig, weil der durch den Lärm herbeigeeilte Jimmy Zeuge des bedauerlichen Unfalls war. Mark guckt Jack an, der genau weiß, was Mark will: „Er ist noch ein Kind.“ Doch Mark ist unerbittlich: „Wir haben keine Wahl. Oder wir sind tot.“…

… Hä? Mehr fällt mir nicht mehr ein. Zugegeben: Auch ich hatte als Kind und Jugendlicher eine überbordende Fantasie und habe mir manchmal gewaltreiche Geschichten im Kopf ausgemalt. Wie aber passt diese Fantasiesequenz in den Gesamtzusammenhang des Films? Bislang hatten die Träumereien ja wenigstens immer irgendwie was mit der ultradünnen Story zu tun, aber wie passt hier ein bei einem Handgemenge auf den Kopf der Babysitterin knallender Fernseher mit anschließendem Ausmalen eines Kindermordes rein, wenn Mark doch eigentlich nur ficken will? Wer stellt sich in so einer Situation so etwas vor? Ich gebe auf.

Die Babysitterin hasselt die durch ihre eigenen Schreie geweckten Kinder von der Treppe zurück ins Bett. Bitsy würde gern wissen, wer die Typen sind, aber ihre Aufpasserin beschwichtigt: „Ach, das sind nur Freunde von mir. Das müssen eure Eltern gar nicht wissen.“ Ich möchte wetten, dass Bitsy morgen früh nach dem Aufwachen die Erste ist, die Mami den unerlaubten Besuch von zwei Männern petzen wird. Wenn sie nicht vorher von Mark abgeschlachtet wird oder so.

Noch weniger interessiert mich das Gedöns rund um Dolly, die sich von Bill trösten lässt und dabei immer wieder Ängste äußert, ins Altersheim abgeschoben zu werden. Ja, ich hab’s kapiert: Dolly fühlt sich alt und sieht sich der Babysitterin nicht gewachsen – und sie gesteht das Bill auch noch offen und ehrlich, denn unter Alkoholeinfluss ist man ja am ehrlichsten: „Die ganze Zeit hat er feuchte Träume von unserem verdammten Babysitter.“

Feuchte Träume ist gut. Als wir Harry das letzte Mal in der Wirklichkeit gesehen haben, ratzte der gemütlich in seinem Wagen vor sich hin. Seitdem hat er sich nicht vom Fleck gerührt. Ein Zoom deutet an, dass er tatsächlich wieder (oder immer noch) träumt…

… von der Babysitterin in der Badewanne. Wie bei Mark steigern sich auch seine Träume allmählich in Gewaltexzesse (hüstel), auch wenn wir davon nach wie vor nichts sehen. Er tritt die Badezimmertür auf, wo die Babysitterin in der Wanne liegt. Die zeigt sich nicht gerade erfreut über den ebenso unerwarteten wie unwillkommenen Besuch. Just schnappt er sich sein Aspirin und fällt anschließend über sie her. Die Babysitterin wehrt sich und knallt dabei mit Wucht mit dem Kopf gegen den Badewannenrand…

… Weiter mit der Realität. Bill tröstet Dolly auch weiterhin und versucht vergeblich, ihr Strumpfband zu schließen. Ist euch der Kontrast aufgefallen? Der herzensgute Bill und sein teuflisch böser Sohn? Woah, Gänsehaut. Der Fettsack-Gast, den wir während der Party schon mehrfach gesehen haben, erkundigt sich, ob Dolly ins Klo gefallen sei. Bill aber stellt klar: „Nein. Dolly ist in sich zusammengefallen.“ Das reicht dem Fettsack als Auskunft, und er geht wieder. „Ich bin betrunken“, stellt Dolly fest. Hätte ich jetzt nicht gedacht. Gut allerdings, dass der Film sicherstellt, dass uns bloß keine Feinheiten entgehen. Wie lange noch? Knapp 20 Minuten. Hilfe – die Zeit will einfach nicht vergehen.

Bei den Tuckers hat die Babysitterin für die Jungs Kaffee aufgesetzt und sich dann doch lieber wieder in ihr ursprüngliches Babysitter-Outfit gehüllt, anstatt im Bademantel vor den Herren herumzutanzen. Da hat die Waschmaschine aber schnell gewaschen. Mark bedankt sich bei ihr und fragt: „Ist es okay, wenn ich hier rauche?“ Die Babysitterin verneint deutlich. Unbehagliches Schweigen. Die Jungs wissen nicht, was sie sagen sollen, und das Mädchen will nichts sagen. Jack versucht mutig das Eis zu brechen und setzt sich neben seine Freundin auf die Couch, Mark auf den Sessel gegenüber. Die Babysitterin zeigt ihren Widerwillen und rutscht weiter von Jack weg.

Mark: Können wir nicht ein bisschen Mucke hören oder sowas?
Babysitterin: Mucke?
Mark: Musik!
Babysitterin (schaltet Stereoanlage ein): Da! Musik! Nach dem Kaffee verschwindet ihr.

Ich kenne solche Dates. Man versucht, ein Gespräch zu beginnen, und das Gegenüber antwortet einsilbig. Es ist äußerst unangenehm. Bleibt die Frage, was sich die Jungs davon versprochen haben, noch eine Viertelstunde länger zu bleiben? Die Babysitterin ist sauer – auf beide. Das wird heute nichts mehr. Jack fixiert sie dennoch, aber sie schaut nur teilnahmslos ins Nichts, wo sie vermutlich den Sinn dieses Films zu finden hofft. Mark wirft Jack ständig auffordernde Blicke zu. Jack versteht und lehnt sich vor. „Ich werde mal nach dem Kaffee sehen“, sagt Mark und steht auf. Jack bleibt sitzen und glotzt seine Sitznachbarin weiter an. Dann ein Zoom…

… Jack vögelt die Babysitterin auf der Couch, auf der er auch außerhalb seines Traums gerade mit ihr sitzt. Mark guckt im Hintergrund zu und treibt ihn an: „Jack, besorg’s ihr!“ Dann hört Jack ziemlich abrupt auf und sagt: „So. Das war’s.“ …

… Hä? Das war’s? Schön wär’s. Wir haben noch 17 Minuten, die es mit nichts zu füllen gibt. Herr, wieso vertue ich meine wertvolle Zeit damit, verklemmten bis verblödeten Spannern und einem alten notgeilen Sack dabei zuzuschauen, wie sie einer langweiligen prüden Babysitterin nachstellen und sich in lahme Tagträume flüchten? Warum passiert denn hier einfach nichts, verflucht nochmal?!

Offenbar angeheizt von seiner blühenden Fantasie (er hat geringere Ansprüche als ich) fummelt Jack bedächtig an den Haaren der Babysitterin und legt seinen Kopf auf ihre Schulter. Sein Opfer lässt es gelangweilt mit sich geschehen und gestattet ihm sogar einen zarten Kuss auf die Wange. Damit nicht genug, dass hier nichts passiert – ich verstehe die Figuren nicht. Als Jack ihr allerdings die rechte Brust kneten möchte, ist eine Grenze überschritten: „Jack, hör auf! Spinnst du?“ Der Ausgeschimpfte kann nur noch stammeln, und die Babysitterin kann es einfach nicht glauben: „Mann, was sollte denn das werden?“ Mark hat die lächerlich-unbeholfenen Versuche seines Kumpels aus der Distanz beobachtet und kommt hinzu.

Mark: Was ist denn hier los?
Babysitterin: Willst du, dass Mark uns dabei zusieht?
Mark: Du bist echt ein krankes Arschloch, und das weißt du, oder?

Boah, meint Mark die ganze Freundschaftssache mit Jack am Ende gar nicht ernst? Das konnte man ja überhaupt nicht erwarten – erst recht nicht, nachdem er sich vorhin nicht an seinen eigenen Jack-als-Beschützer-für-die-Babysitterin-Plan halten wollte. Und er raucht. Und trinkt. Und trägt Lederjacke. Kommt Jack langsam dahinter? Jedenfalls flüchtet er sich dank Kamerazoom in eine weitere Fantasiesequenz…

… Jack prügelt pausenlos auf Mark ein, bis der im Gesicht und aus dem Mund blutet (oh, Blut! Huch!). Die Babysitterin (wieder im Bademantel) will den Schläger zunächst aufhalten, schmiegt sich dann aber an ihn und beginnt, mit ihm zu knutschen. Schließlich ist Jack jetzt ein richtiger Mann, da könnte man ja mal poppen…

… Wie gesagt: Man könnte. Aber nicht in diesem Film, der wieder da abbricht, wo es interessant (und nackt) werden könnte.

Draußen braut sich noch immer ein Gewitter zusammen. Vom Donnergrollen wird Harry in seinem Wagen wach und erinnert sich, dass er vorhin nicht losfahren konnte, weil ihm die Autoschlüssel fehlten. Deshalb sieht er keine andere Wahl, um zurück auf die Party zu torkeln und von seiner Frau ultimativ die Schlüssel einzufordern.

Seine Frau ist aber gerade noch mit Bill beschäftigt – zwar nicht so, wie sie will, aber weil er ihr Gesicht mit einem Tuch von den Tränen befreit und sie vorhin auch als attraktiv bezeichnet hatte, ist sie der felsenfesten Überzeugung, dass auch er mehr möchte. Derart von ihr mit ihren Gedanken konfrontiert muss Bill dann doch etwas schlucken. Offenbar wurden hier Zeichen falsch interpretiert. Sie legt ihm auch noch Worte in den Mund, die er so nie gesagt hat („Du hast mich gefragt, ob ich eine Affäre mit dir haben will“), und dann stülpt sie ihm ihre Lippen über den Mund. Es bleibt mittels Zoom nur die Flucht in den Traum…

… wo Bill Dolly im Bett nagelt und sie zum Orgasmus bringt. „Was werden die Nachbarn sagen?“, fragt sie…

… und Bill sträubt sich gegen so viel Zudringlichkeit. Er will nichts von Dolly, und das soll bitte so bleiben. Damit bringt er sie zum Weinen: „Was wäre, wenn ich ein Mädchen wäre? So ein frühreifes Früchtchen, knackige 16 Jahre oder so?“ Sie schmiegt sich verzweifelt an ihn, und just in diesem Moment platzt ihr Gatte ins Bad. Der versteht natürlich alles falsch, aber es interessiert ihn schlichtweg nicht. Alles, was noch zählt, sind die Autoschlüssel. Dolly greift bereitwillig in ihren Ausschnitt und überreicht ihm das Gewünschte: „Fahr doch gegen den Baum!“ Harry singt von einer Jeannie mit ihren hellbraunen Haaren (soll das etwa heißen, dass die Babysitterin Jeannie heißt? Echt?! Echt?!) und ihren gespreizten Schenkeln auf der Couch oder auf dem Küchentisch und lacht. Damit pikiert er die gesamte Partygesellschaft. Habt ihr gemerkt? Die Ehe ist im Eimer, und nun können die unter der Oberfläche schwelenden Konflikte auch nicht mehr zurückgehalten werden. Der Film hat noch knapp 13 Minuten, eine Geschichte zu erzählen.

Es ist etwas unklar, aber da die Kamera geringfügig an Dolly heranzoomt, als sie nach Harrys peinlichem Abgang die Badezimmertür schließt, könnte das jetzt erneut ihre Vision sein…

… vielleicht aber auch nicht, weil sie nämlich da fortsetzt, wo Harry vorhin zu träumen aufgehört hat: mit der Babysitterin (Jeannie?!), der er den Kopf auf der Badewannenkante aufgeschlagen hat. Nun liegt sie vermutlich tot (oh, schon wieder Blut!) in der mit Wasser gefüllten Wanne („They call me the Wild Rose…“), und Harry hockt erschrocken über ihr. Dabei wird er zunächst von einem Polizisten auf frischer Tat ertappt, dann kommt Dolly hinzu, schließlich Bill, Bernice und noch andere. Dolly – und das spricht wieder für ihren Traum – zieht die Pistole aus dem Halfter des neben ihr stehenden Polizisten und pumpt eine Kugel in Harrys Körper. Das Resultat sehen wir selbstverständlich nicht…

… Harry ist überglücklich, endlich die Schlüssel zu haben und fährt los.

Bei den Tuckers zu Hause eskaliert es. Na ja, oder auch nicht. Mark ist immer noch dabei, Jack als Idioten zu bezeichnen, der sich an unschuldigen Babysitterinnen vergeht. Jack streitet das ab. Die Babysitterin (Jeannie?! Na ja, ist auch schon egal) ist genervt, wie sich die beiden aufführen. Ich verstehe sowieso nicht, warum sie die Vollpfosten nicht längst herausgeworfen hat. Ich meine, Busengrabscher sind kein Kavaliersdelikt, und Mark hat ja ganz offenbar auch nicht mehr alle beisammen. „Könntet ihr beide jetzt bitte einfach gehen?“, seufzt sie verzweifelt mit ihrer ganzen Autorität. Weichling Jack droht, dass Mark das noch leid tun werde. Was eigentlich? Dass Jack das Offensichtliche nicht kapiert hat, nämlich dass Mark es gar nicht mal so gut mit ihm meint? Seine ungenügende Menschenkenntnis ist es, die ihm leid tun sollte. „Wenn du wüsstest, was unser perverser Freund so alles vorhatte“, stichelt Mark immer weiter. Die Babysitterin bleibt energisch wie eh und je: „Könntet ihr beide jetzt bitte gehen? Euretwegen werde ich noch Ärger bekommen.“ Jack entschuldigt sich, und Mark ergänzt: „Ja, mit tut’s auch leid. Ich hab’ ihm gesagt, du bist was Besonderes, und dass du es nicht verdient hast, so behandelt zu werden.“

Ich möchte noch einmal betonen, WIE ungenügend Jacks Menschenkenntnis ist. Obgleich Mark ja den ganzen Abend bislang manipuliert, belogen und betrogen hat wie nichts Gutes, verlagert Jack seine Wut plötzlich auf die Babysitterin: „Du hast es dir von Mark besorgen lassen. Hab’ ich recht? Hab’ ich recht?“ So sehr in die Ecke gedrängt versucht sie an seinen gesunden Menschenverstand zu appellieren: „Jack, du weißt nicht, was du da redest.“ Doch das Tier in Jack ist längst geweckt, und er holt aus, um der Lügnerin eine schallende Ohrfeige zu verpassen. Hui, es passiert was! Dann kann ich ja endlich mal in den Popcorneimer greifen. Ich habe vorhin aus purer Langeweile zwei Stück gegessen, aber ansonsten ist er noch randvoll. Offenbar wird sich Jack seiner Kurzschlusshandlung sehr schnell bewusst und will ihr entschuldigend durchs Gesicht streichen, aber sie schlägt seine Hand weg. Dann hat plötzlich Mark genug von diesem Affentheater: „Weißt du was, Süße? Scheiß auf dich, und scheiß auch auf dich, du Lügner!“ HÄ? Willst du mich verarschen? Was genau war denn jetzt dein Plan? Ich hatte mir mühevoll zusammengereimt, dass du genau das vorhattest, nämlich dass die Babysitterin mit Jack bricht, damit du dich an sie heranmachen und als Beschützer aufspielen kannst. Die Möglichkeit ist jetzt doch da (mal abgesehen davon, dass die Babysitterin schön doof wäre, sich jetzt noch von einem Typen wie Mark einlullen zu lassen, aber Mark machte bislang ja nicht den Eindruck, bis Drei zählen zu können). Verdammt, wir sind 10 Minuten vor dem Ende, und ich weiß immer noch nicht, was die Figuren eigentlich wollen. Ich stehe vor einem hysterischen Schreikrampf.

Immerhin – auch Jack weiß gar nicht mehr, was los ist: „Ich weiß nicht mehr, was wirklich ist und was nicht, aber dich mach‘ ich jetzt fertig.“ Und hiermit, meine Damen und Herren, haben wir die erste Action, die nicht innerhalb eines Traums stattfindet (abgesehen von dem aufs Oberteil der Babysitterin gekleckerten Joghurt). Jack geht auf Mark los und prügelt ihn windelweich oder würde es gern, wenn Mark das tatenlos über sich ergehen lassen würde. Er mischt selbst mächtig mit, und zu donnernder Rockmusik (na ja) geht sogar mal eine Schreibtischlampe zu Bruch. Die Babysitterin ist in ihrer traditionellen Rolle der sich aus Prügeleien heraushaltenden Frau gefangen und schreit nur, dass die beiden aufhören sollen. Tun sie aber nicht. Schwerst symbolisch kocht und bebt in der Küche der Kessel mit dem heißen Wasser für den Kaffee auf der Herdplatte (der Regisseur hat’s so drauf – jetzt muss eigentlich nur noch der Deckel abfliegen!), und schließlich endet der Zweikampf damit, dass Mark eine Lampe nimmt und sie Jack über den Schädel zimmert.

Die Babysitterin hätte in der Zwischenzeit, anstatt zu schreien, theoretisch aus dem Haus laufen und die Nachbarn verständigen können, aber sie ist geblieben und liefert sich einen kurzen Niederstierwettbewerb mit Mark, bis der auf sie losgeht. Sie flüchtet in die Küche und nimmt den Wasserkocher, um den Inhalt in Marks Gesicht zu schleudern. Damit macht sie ihn nur noch wütender. Seine physische Überlegenheit (oder die Tatsache, dass er einfach schneller schaltet als sie) führt dazu, dass er sie sofort einholt und sich mit seinem Körpergewicht auf sie wirft. „Halt die Klappe! Halt dein verdammtes Maul!“, brüllt er, weil sie sich das nicht gefallen lässt. Instinktiv beißt sie in seine Hand und reißt sich los. Die Babysitterin rennt aus dem Haus und Mark hinterher. Harry nähert sich mit dem Wagen. Och nö, ehrlich, Film? DARAUF läuft das hinaus? Leider doch. Die Babysitterin läuft über die Straße und kann Harry noch gerade so ausweichen, aber Mark nicht mehr. Den fährt der besoffene Familienvater über den Haufen. Harry steigt aus, um sich das Malheur näher anzusehen. Er kommt zu spät: Mark atmet seinen letzten Hauch und stirbt. Zoom…

Doch diesmal bedeutet der Zoom keine Flucht in eine Traumwelt, um der düsteren Realität zu entkommen. Die Polizei kommt mit Blaulicht angefahren. Bitsy und Jimmy schauen vom Zimmerfenster aus zu, wie Harry von den Ordnungshütern abgeführt wird. Dolly ist auch da, und Bill und Bernice auch, die nun die schmerzhafte Gewissheit haben, dass ihr Freund ihren Sohn totgefahren hat (auch dank Dolly, die ihm die Autoschlüssel gegeben hat). Die Babysitterin steht traurig herum, als ein Police-Officer kommt, der sie nach Hause fahren und später noch ein paar Fragen stellen will. Ehe der Polizeiwagen abfährt, kommt noch der wieder zu sich gekommene Jack an die offene Wagentür, um mit der Babysitterin zu reden: „Jennifer…“ Jennifer??? Die Babysitterin heißt Jennifer??? Und das sagt ihr mir JETZT? Alter! Ich hasse dich, Film. Die Babysitterin (pah, jetzt nenne ich ihren Namen aus Trotz nicht! Du kannst mich mal, Film) aber ist nicht versöhnlich gestimmt und fasst mit der letzten Dialogzeile vor dem Abspann (zum Glück kein schlichter „The End“-Schriftzug, sondern einer, der rund vier Minuten in Anspruch nimmt, was die Filmhandlung folglich auch erfreulicherweise um vier Minuten verkürzt) all das zusammen, was ich seit 85 Minuten denke: „Ich versteh‘ das nicht, Jack. Was hast du dir nur gedacht?“ Ein passender Schluss für diesen Film, der nicht zu verstehen ist und dessen künstlerische Ambitionen mir auf ewig ein Rätsel bleiben werden…

Woah, gar nicht mal so leicht, einen fast 90-minütigen Film wie „Innocent Babysitter“ wie eine Zitrone auszupressen, wenn er doch eigentlich gar keinen Saft hergibt. Ich habe es ja mehrfach betont – und daran ändern auch die letzten drei Minuten nichts, in denen wir noch einen Toten auf die Habenliste setzen können –, aber es ist und bleibt unverständlich, wie jemand meinen konnte, für dieses pure Nichts grünes Licht zu geben und Geld für gar nicht mal so unbekannte Darsteller auszugeben – und dann das Ganze auch wirklich zu filmen und herauszubringen. Gut, der Film war eine Direct-to-Video-Produktion, aber einholen will man die Produktionskosten doch trotzdem. Aber wie hatte man das vor? Nur mit dem Titel „The Babysitter“, der Verruchtes verspricht (wenn überhaupt)? Nur weil die Silverstone mitspielt? Wie, verdammt nochmal, wie?!

Wie oben bereits angerissen basiert „Innocent Babysitter“ auf einer Kurzgeschichte von Robert Coover. Und ja, ich finde sie sehr reizvoll, und es lohnt sich, an ihr herumzukauen. Das hängt aber vor allem mit dem ungewöhnlichen Aufbau und dem ständigen Wechsel zwischen Vorstellungs- und Wirklichkeitsperspektive zusammen. Kurzum: Die Geschichte hat insgesamt 108 fragmentarische Absätze. Diese Absätze haben durchweg einen auktorialen Erzähler, der scheinbar ungeordnet die Gedankenwelt verschiedener Figuren wiedergibt. Manchmal ist klar, in wessen Kopf er gerade unterwegs ist, manchmal bleibt es unklar. Obwohl dies bereits von Anfang an zu erschwerten Lesebedingungen führt, unterliegt die Geschichte zunächst offenbar einer gewissen Chronologie, die aber alsbald aufgegeben wird, sodass der Leser noch desillusionierter wird, zumal manche Ereignisse mehrfach aus anderen Perspektiven Erwähnung finden – und sich dabei gern mal komplett widersprechen -, aber jeweils mit anderen Ausgängen, wobei nie klar wird, welcher Textfetzen als real und welcher als eingebildet eingestuft werden kann. Tatsächlich liefert die Geschichte unendlich viele Lesarten: So könnte es sein, dass die Babysitterin alles, was passiert, nur geträumt hat. Oder nicht. Es könnte aber auch sein, dass sie den minderjährigen Jungen im Badezimmer verführt hat. Oder nicht. Oder es könnte sein, dass der Familienvater die Babysitterin und die Kinder in einem Anfall rasender Wut umgebracht hat. Oder nicht. Um jetzt nur mal drei Beispiele zu nennen. Der Film wiederum wählt einen (sehr lahmen) Schluss, der in der Kurzgeschichte nicht angeboten wird.

Der Reiz dahinter ist also dieses überganglose Wechseln von Traum und Wirklichkeit und die Möglichkeit für den Leser, dass jeder sich seine eigene Wahrheit zusammenreimen kann aus all diesen Fragmenten, die wie Puzzleteile zusammengesetzt werden sollen – und vermutlich selbst dann keinen Sinn machen. Es ist wie eines dieser Abenteuerspielbücher wie „Die Zitadelle des Zauberers“, in denen man beispielsweise die Möglichkeit hat die Tür links, rechts oder in der Mitte zu nehmen, wohinter dann jeweils andere Gefahren lauern können – nur dass es dort ein Ende gibt, das den Spieler entweder tot oder als Gewinner zurücklässt. Das bietet „The Babysitter“ nicht an. Oder sagen wir mal: zumindest nicht die Kurzgeschichte. Wer sich die Inhaltswiedergabe durchgelesen hat, wird festgestellt haben, dass jeglicher Reiz aus diesem Film getilgt wurde. Es ist immer völlig klar, was die Wirklichkeit ist und was Einbildung. Die stringente Geschichte lautet, um es ganz simpel auszudrücken (und viel mehr Inhalt gibt es ja auch wirklich nicht): Zwei junge Männer und ein Familienvater wollen eine Babysitterin. Am Ende flippt einer der jungen Männer völlig aus und wird während der Jagd auf sein Opfer vom Familienvater totgefahren. Damit auch noch der letzte Fitzel Irritationseffekt verschwindet, den die Vorlage hatte, deutet auch immer ein leichter Zoom den Wechsel von der Realitäts- in die Traumebene an. Wir wissen also immer, wessen Traum wir gerade sehen. Man könnte „Innocent Babysitter“ also so zusammenfassen: Eine Story, die bei Weitem nicht mal für einen halbstündigen Film reicht, wird durch Träume, die nicht mal den anspruchslosesten Erotik-Fan hinterm Ofen hervorlocken, über Gebühr ausgedehnt und erzählt am Ende – nichts. Gar nichts. Noch einmal: Wir konnte jemand meinen, für dieses pure Nichts grünes Licht zu geben?

Wenn wir es nun aber einfach mal so hinnehmen, dass einige Filme gar keine Geschichte erzählen wollen und uns lieber darauf fokussieren, dass es ja noch andere Wege gibt, um den Zuschauer in den Bann zu ziehen, so herrscht auch in der Hinsicht tote Hose. Wofür in drei Teufels Namen sollen wir uns hier interessieren? Für einen Familienvater, der sich in infantile Fantasien flüchtet, in denen er der Babysitterin zeigt, was für ein jugendlicher Typ er noch ist bzw. später dann, wie er sie zu vergewaltigen beabsichtigt? Für zwei Tunichtgute, die den lieben langen Abend nichts anderes tun, als heimlich die Babysitterin zu begaffen und dann mit unverständlichen Plänen ins Haus eindringen, um sie zu „beschützen“? Wo der eine ein Arschloch und der andere ein jämmerlicher Schlappschwanz ist? Für die nervigen Kinder, die immer nur rumschreien oder – im Falle von Jimmy – pubertätsbedingt ebenfalls einen Crush auf die Babysitterin entwickeln (inklusive Schlüssellochspannen)? Oder für die Babysitterin, die ja nicht mal lolita-like unterwegs ist, sondern bieder, brav und hochgezogen wie nur irgendwas? Die nichts unternimmt, um die Fantasien der Sabberheinis anzuregen? Am Ende könnte man vielleicht noch ansatzweise für Dolly so etwas wie Mitgefühl aufbringen, die von der Ehe mit ihrem Mann ausgelaugt ist und an der Situation zu knabbern hat, dass der lieber der Babysitterin nachsteigt, als sich für sie zu interessieren. Dann erinnern wir uns aber daran, dass sie über weite Strecken eine unausstehliche Kreische ist, die es Harry ganz offensichtlich auch nicht gerade leicht macht. Die Männer kommen also alle wie geile Böcke daher, die Frauen entweder langweilig oder nervtötend. Solchen Leuten folgt man doch gern über 90 Minuten Film.

Das einzige komische Element (allerdings unfreiwillig komisch), das mich hin und wieder schmunzeln machte, ist die Art und Weise, wie der Film ganz offen ohne jede Subtilität überdeutliche Symbole in die Geschichte prügelt, als wolle man auch den dümmsten Zuschauer mitnehmen, der nur zwei Minuten Aufmerksamkeitsspanne hat: Mark als Bösewicht, weil er Lederjacke trägt, raucht und später auch noch Bier trinkt; Jack, eigentlich ein lieber und guter Mensch (Brillenträger, „Der Fänger im Roggen“ lesend), der schließlich von Mark zum Biertrinken verführt wird (ergo nun auch vom Bösen infiziert wird). Harry trinkt bereits von der ersten Bildschirmsekunde an Whisky, was frühzeitig auf die brüchige Ehe hinweist. Herrlich plump auch das hereinbrechende Gewitter als Vorbote für die schlimmen Ereignisse, und vollends am Boden vor Lachen lag ich, als während des finalen Zweikampfs zwischen Jack und Mark der Kessel mit dem kochenden Wasser eingeblendet wurde. Gegen so viel offensichtliche Symbolik ist echt kein Kraut gewachsen.

Wie schon angedeutet weckt ein Titel wie „Innocent Babysitter“ Assoziationen an einen Erotikthriller mit der Hauptfigur als Femme fatale, die ihre Mitmenschen unter Einsatz ihrer körperlichen Reize ins Verderben stürzt. Aber wie bei jedem anderen Element liefert der Film auch in der Hinsicht gar nichts. Gut, gar nichts ist gelogen, denn immerhin Tuesday Knight darf zu Beginn völlig überflüssigerweise blank ziehen und soll offenbar das kompensieren, was der Film im Folgenden nicht leisten will. Das Objekt der Begierde verbringt zwar das letzte Drittel größtenteils nackt in der Badewanne und heizt damit die Gedanken der männlichen Mitstreiter an, aber mit Alicia Silverstone waren Nacktszenen ganz offenbar nicht zu machen, weshalb der Film immer nur andeutet, aber nie zeigt. Immer wenn es zum sexuellen Akt kommt, bricht die Fantasie ab. Das verhindert dann eben auch, dass der Zuschauer nachvollziehen kann, warum alle so verrückt nach der jungen Frau sind. Hätte man versucht, Erotik auf den Bildschirm zu bannen, anstatt sie immer prüde auszuklammern, wenn es mal angebracht wäre, hätte das das Interesse ja eventuell noch aufrechterhalten können. So bleiben die Fantasiesequenzen entsetzlich zahnlos und unnötig, weil sie die Handlung nie vorantreiben, wenn wir es nicht schon als Entwicklung abtun wollen, dass die Fantasien im weiteren Verlauf gewalttätiger werden.

Die Szene mit dem pubertierenden Jungen und der Babysitterin hätte wagemutiger werden können, wenn hier mehr als angedeutet worden wäre, dass ein Zwölfjähriger seine vermutlich ersten sexuellen Erfahrungen mit der Babysitterin erlebt. Stattdessen seift er ihr den Rücken ein! Oder macht Kreise mit der Seife über ihr Schulterblatt. Ihre Aufforderung, nach der Seife im Badewasser zu suchen, als sie ihm aus der Hand glitscht, ist da schon die heftigste Andeutung. Aber danach bricht es ja unmittelbar ab. An anderer Stelle fällt Harry im Traum über die Babysitterin her, und es soll offenbar assoziiert werden, dass er sie glatt vergewaltigt hätte, wenn er ihr nicht den Kopf blutig an die Badewasserkante geballert hätte – aber wie immer: Die Szene bricht unmittelbar danach ab. Kontroversität wird hier allenfalls behauptet, wenn sie denn überhaupt angestrebt wurde. Wenn nicht, bliebe allerdings auch weiterhin die Frage, für wen der Film denn gedreht wurde. Ihr merkt – das ist die Frage, die über dem gesamten Film schwebt wie ein Damoklesschwert.

Inszenatorisch passt sich Regisseur Guy Ferland dem Trauerspiel an. Die Idee, einen Zoom mit einer Traumsequenz zu kombinieren, wird frühzeitig so penetrant durchexerziert, dass es schnell nur noch nervt. Und das ist neben ein paar Farbspielereien (die Fantasien von Mark und Jack sind mitunter in Rot gehüllt) eigentlich auch schon der einzige Einfall, den er hatte (und der war vielleicht nicht mal auf Ferlands Mist, sondern auf den von Kameramann Rick Bota gewachsen). Ansonsten ist das biederes Handwerk, keine Szene verrät Ambitionen, die über Direct-to-Video hinausgehen würden. Dazu gehört auch, dass manche Szenen mit … nun ja … entsprechend passender Musik untermalt werden: Bei Harrys Träumen spielt das Saxophon eine große Rolle, weil der vermutlich ein paar Mal zu oft „Heißblütig – Kaltblütig“ geguckt hat, bei Jimmy beispielsweise ist es ein dezentes Klavierstück, das vielleicht die Unschuld des Jungen hervorheben soll. Im Finale wird dann zum Zweikampf zwischen Jack und Mark Rockmusik gespielt, die dann wohl so etwas wie abrupten Gefühlsausdruck darstellen soll (oder so). Es verwundert nicht, dass Ferland über das Fernsehen eigentlich nie hinausgekommen ist. Allerdings hat er immerhin bei 13 Episoden für „The Shield“ und mehreren Folgen von „The Walking Dead“ auf dem Regiestuhl Platz genommen.

Darstellerisch bekleckern sich alle Beteiligten nicht mit Ruhm, was man aber auch bedenkenlos dem mangelhaften Drehbuch zuschreiben kann, der keinerlei Tiefe bei den Figuren zulässt, sondern lediglich Oberfläche liefert. Alicia Silverstone in der Rolle der begehrten Babysitterin (in der Kurzgeschichte bleibt die Figur übrigens namenlos – noch nicht mal die Konsequenz hält das Drehbuch durch) war sicherlich an und für sich ein guter Griff. Sie bringt die nötige Attraktivität mit und spielte zuvor in „Das Biest“ ein frühreifes Früchtchen auf Abwegen, womit natürlich gewisse Erwartungen auch für „Innocent Babysitter“ geweckt wurden. Sie erfüllt diese allerdings zweifelsohne nicht: Ihre biedere Aufpasserin bleibt von vorn bis hinten völlig konturenlos, mal ganz davon abgesehen, dass sie überhaupt nichts zu tun bekommt, außer am Joghurtlöffel zu lecken und in den Fantasiesequenzen mal aufreizend zu gucken. Auch andere und bessere Mimen als sie wären an dieser Rolle gescheitert. Seinerzeit war sie wie gesagt eine gefragte Schauspielerin, die für Produzent Joel Schumacher auch später noch für das Quatsch-Spektakel „Batman & Robin“ als Batgirl vor der Kamera stand. Bald darauf konzentrierte sie sich eher auf Independent-Filme und nicht zuletzt auf PETA, für deren Kampagnen für Tierrechte und Veganismus sie sich auch bereitwillig nackt ablichten ließ. Das hätten wir hier auch gern gesehen, Mädchen!

Als zumindest tendenziell besten Darsteller in diesem Reigen würde ich J. T. Walsh nennen wollen. Es ist wirklich schade, dass er bereits 1998 mit nur 54 Jahren einem Herzinfarkt erlag, denn er mag vorrangig als Güteklasse-A-Arschloch besetzt worden sein, ein Vollblutschauspieler ist er aber immer gewesen – und meinerseits stets gern gesehen. In der starbesetzten Stephen-King-Verfilmung „In einer kleinen Stadt“ behauptete er sich tapfer als korrupter und durchgeknallter Handlanger des Teufels, während er in „Breakdown“ als Nemesis von Kurt Russell in Erinnerung blieb. Da kann man nur fassungslos mit dem Kopf schütteln, dass sich Walsh für die schlichte Rolle des Dirty Old Man Harry hergeben wollte. Er kommt nie als etwas anderes rüber als ein geiler alter Idiot, der sich einen auf die Babysitterin keult. Dabei gibt er sicherlich alles, aber zu welchem Preis?

Lee Garlington als Walshs Filmfrau Dolly hätte man ebenfalls eine tiefgründigere Rolle gewünscht. In Ansätzen steckt in ihr eine tragische Figur, nur darf sie es viel zu selten zeigen. Darum ist sie hier auch eher als dauerkeifende Mittvierzigerin unterwegs, die sich über die Eskapaden ihres Mannes beschwert und damit nicht nur ihm auf die Nerven geht. Man könnte sie kennen aus den ersten beiden Fortsetzungen des Hitchcock-Klassikers „Psycho“, „Dante’s Peak“ und 12 Folgen der Serie „Everwood“. Größere Ambitionen hat sie dabei offenbar nie besessen, und so gibt sie sich bis heute mit kleinen Rollen zufrieden.

Als Dumm-und-Dümmer-Pärchen unterwegs sind Jeremy London (Jack) und Nicky Katt (Mark). Ersterer hat sich u.a. in Kevin Smiths „Mallrats“ die Ehre gegeben, während letzterer schon für „Gremlins – Kleine Monster“ als namenloser Schuljunge unterwegs war und später durch seine Rolle als Harry Senate in 49 Folgen der hochangesehenen Schulserie „Boston Public“ in Deutschland bekannt wurde, wo er immer wieder mit seinen progressiven Ideen bei seinen Kollegen aneckte. Tatsächlich haben London und Katt hier eigentlich keine Punkte gemacht, die sie für weitere Filme qualifiziert hätten. Beide sind wandelnde Klischees, wobei sie wenigstens vom Aussehen her in ihre Rollen passen. Gerade Katt nimmt man den bösen Buben ab. Kann aber auch an seiner schwarzen Lederjacke liegen. Und daran, dass er raucht wie ein Schlot.

Damit hätte ich alle wesentlichen Darsteller auch schon abgeklappert. Nicht vergessen dürfen wir aber auch George Segal und Lois Chiles als Ehepaar Bill und Bernice. Diese wurden augenscheinlich als Gegenentwurf zu Harry und Dolly angelegt, weil bei ihnen Harmonie und Liebenswürdigkeit regieren und die Ehe auch gut läuft. Auch sie haben viel zu wenig zu tun, sodass man ihnen auch nicht gerade dazu gratulieren kann, ihre Unterschriften unter den Vertrag gesetzt zu haben. Segal jedenfalls stand wie gesagt schon für „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ Mitte der 60er vor der Kamera, wo er sich beeindruckend gegen das Starduo Elizabeth Taylor und Richard Burton schlug. Sehr populär ist auch heute noch der 70er-Jahre-Reißer „Achterbahn“, wo er gegen einen Rummelplatz-Psychopathen antreten muss. Er starb in diesem Jahr im Alter von 87 Jahren. Lois Chiles hingegen war nicht nur Bond-Girl, sondern ist vielen sicherlich auch bekannt als bitchiges Mordopfer in „Tod auf dem Nil“ (mit Peter Ustinov als Hercule Poirot).

Einen eigenen Absatz verdient Tuesday Knight, weil sie Tuesday Knight heißt. Tuesday. Knight.

Braucht es wirklich noch ein Fazit? Wo nichts ist, kann ja eigentlich nichts sein. (Schrieb ich und las noch einmal über die fast 22 Seiten, Schriftart Arial, Schriftgröße 11.) „Innocent Babysitter“ funktioniert nach dem Prinzip von so vielen meiner Klassenarbeiten, die ich in der Schulzeit geschrieben habe: Ich lese eine Frage, verstehe sie nicht richtig und schwafle einfach über mehrere Zeilen drauflos in der Hoffnung, dass ich irgendwo in diesem ellenlangen Textwust einen Satz schreibe, der stimmt und für den ich wenigstens einen Punkt (von fünf) vom Lehrer bekomme. Regisseur und Drehbuchautor Guy Ferland hat ganz offensichtlich die Vorlage seines Films nicht verstanden, will das jedoch nicht zugeben und dreht dann trotzdem ein paar Szenen, die er dann irgendwie miteinander verbindet nach dem Motto „Vielleicht habe ich ja doch was richtig gemacht“. Doch auch in diesem Fall ist das Ergebnis wie bei mir in der überwältigenden Mehrheit meiner Klausuren ernüchternd: nichts verstanden, null von fünf Punkten. Wirklich ein ganz exquisites Beispiel für Zelluloid-Verschwendung: 99 Prozent der Regisseure wollen wenigstens was erzählen. Ferland hingegen suchte sich eine schwer verfilmbare Kurzgeschichte heraus und machte daraus das große Nichts, aufgeblasen auf 90 qualvolle Minuten.

In dem Sinne: Danke für nichts!


BOMBEN-Skala: 7

BIER-Skala: 2


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