Inferno unter heisser Sonne


  • Deutscher Titel: Inferno unter heisser Sonne
  • Original-Titel: Al tropico del cancro
  • Alternative Titel: Death in Haiti Tropic of Cancer Peacock's Place
  • Regie: Eduardo Mulargia (als Edward G. Muller), Gian Paolo Lomi
  • Land: Italien
  • Jahr: 1972
  • Darsteller:

    Dr. Williams (Antonio de Teffé)
    Grace Wright (Anita Strindberg)
    Fred Wright (Gabriele Tinti)
    Philip (Umberto Raho)
    Garner (Stelio Candelli)
    Robin (Kathryn Witt)
    Peacock (Alfio Nicolosi)
    N.A. Gordon Felio
    N.A. Richard Osborne
    N.A. Bob Lemoine


Vorwort:

Abt. Filme, die die Welt nicht kennt

Der Doc, bekanntlich ein Sparschwein vor dem Herrn, wenn es um Neuanschaffungen zwecks Erweiterung seiner Filmsammlung geht, wühlte sich neulich in seiner Stammvideothek (entgegen landläufiger Ansicht nicht das „Videodrom“, das kann ich mir nämlich nicht leisten… wegen der Fahrtkosten) durch den Grabbelkorb „Cassetten ohne Hüllen 1 €“.

Normalerweise findet man in dieser Kiste Märchenfilme und Captain Planet-Folgen, aber dieses Mal waren da einige Schatzis zu finden – neben dem alten VPS-Tape von Mad Mission (das ich aber hab stehenlassen… schließlich kenn ich den Film zur Genüge und würd mir da allenfalls die DVD-Box anschaffen) und den selbstverständlich zwecks irgendwann-mal-ein-Review-draus-machen eingesackten Omega Doom (Albert Pyun! Albert Pyun!) und Thunder 3 (Larry Ludman! Larry Ludman!) lümmelten da zwei Cassetten rum, die mir so irgendwie gar nichts sagten, aber mein eingebauter Schund-Detektor schlug lautstark an – ein Film namens Inferno unter heisser Sonne, eine steinalte Bavaria-/Eurovideo-Cassette? Wenn da mal nicht irgendwelcher Italo-Schmu dahintersteckt…

Langer Rede kurzer Sinn – mein Instinkt, aus der Kombination deutscher Titel/deutscher Videoverleiher Rückschlüsse auf den Inhalt zu ziehen, scheint immer noch zu funktionieren, denn schon nach gut halbstündiger Internet-Recherche (anhand Darsteller- und Regisseurnamen, weil der im Vorspann angegebene „Originaltitel“ Peacock´s Place keiner Filmdatenbank dieser Welt geläufig ist) wusste ich endlich, um welchen Film es sich handelt – einen ultra-obskuren sort-of-Giallo, ultra-obskurer geht´s fast nicht (die IMDB hat keine 5 Votes, das einzige deutschsprachige Review, wenn man es so nennen will, geht auf´s Kerbholz von Christian Kessler, und der ist sicher noch um einiges durchgeknallter, was seinen Filmgeschmack angeht, als moi).

Regie führt hauptsächlich Edoardo Mulargia, auch, hüstel, bekannt als „Edward G. Muller“, der hier schon vor Uuuurzeiten seine Visitenkarte mit dem Ajita-Wilson-WIP-Klopper Escape from Hell abgegeben hat. Dort wie hier spielte Anthony Steffen eine tragende Rolle, und der Rest der hiesigen Besetzung wie der langjährige Laura-Gemser-Ehemann Gabriele Tinti und die gleichfalls in 70er-Italo-Krams gut gebuchte Schwedin Anita Strindberg versprechen jedenfalls, äh, gepflegte Unterhaltung…

So, und jetzt ohne weiteres Vertun zum Film, schließlich ist der Doc mal wieder halb tot (klar, wer lacht sich sonst Mitte Mai ´ne Bombenerkältung an…) und will früh ins Bettchen…

Inhalt:

Zu beschwingter easy-listening-Mucke der besten frühe-70er-Schule landet eine Ehepaar in Haiti – es handelt sich um Fred Wright (das ist Signore Tinti) und seine blonde Schnalle Grace. Die Wrights lassen sich in ihr Hotel karren, wo sie allerdings umgehend dem unbeabsichtigten Attentat eines unaufmerksamen einheimischen Lkw-Fahrers unterfallen, der sie mit Eiswürfeln bewirft (und zwar nicht von der Größe, wie man sie gemeinhin in seinen Whiskey tunkt, sondern in den Industriemaßen 60 x 60 x 60 cm). Fred nimmt diesen Affront gleich mal zum Anlass, den Unfallverursacher verbal auseinanderzunehmen und kann nur mit Mühe vom antrabenden Hotelmanagement besänftigt werden. Grace sieht´s lockerer und tauscht mit dem schwarzen Mann und Eiswerfer ein paar hingebungsvolle Schlafzimmerblicke aus (uh-oh).

Anderswo und des Nächtens schleicht ein bedrohlicher POV-Shot herum und zwar nicht irgendwo, sondern im Labor von Dr. Williams (Dr. Will Williams, übrigens, wenn ich der Synchro glauben darf). Williams´ telefon klingelt, der Dottore geht ran, der POV-Shot zieht sich zurück. Der Anrufer hat schlechte Kunde für Williams – er, wer immer es auch ist, hat sich ein gewisses Serum angeeignet und wird nun angeblich erpresst. Williams verlässt mittelschwer aufgebracht sein Labor und gibt so dem herumlungenden POV-Shot Gelegenheit, das Labor zu durchsuchen und ein-zwei Ampullen zu klauen. Molto misterioso.

Williams wandert durch den finsteren Vorgarten einer Villa, dringt in selbige ein und stolpert beinahe umgehend über eine Leiche, die, wie wir später erfahren, seinem (wohl nunmehr als „ehemaligen“ zu bezeichnenden) Assistenten Douglas gehört.

Ein neuer Tag, ein neues Glück, eine fette Qualle namens Peacock hängt am luxuriösen Pool seines Anwesens herum und lässt sich von seinem schwarzen Domestiken Adonis massieren, ehe er ins kühle Nass gleitet (gekühlt übrigens von den industriemäßigen 60 x 60 x 60 cm-Eiswürfeln… auch nicht schlecht… Harald Juhnke hätte sich da vermutlich angesichts dieser Eiswürfel den Pool mit Fusel füllen lassen) und auch Adonis auffordert, ins Wasser zu hüpfen. Adonis schält sich aus seinem Lendenschurz und tut, wie ihm gesagt. Mir deucht, dieser Peacock könnte vom anderen Ufer sein… Später hat Peacock eine geschäftliche Besprechung mit einem Amerikaner namens Garner. Garner giert nach einem von Williams entdeckten Serum und Peacock soll ihm dabei helfen, den renitenten Wissenschaftler zum Verkauf zu bewegen – Peacock ist gut Freund mit Williams, weil der vor kurzem seinem Kuschelpfau Cagliostro das Leben gerettet hatte, als der einen Skorpion verschluckt hatte (also der Pfau, nicht Williams). Peacock verspricht vollen Einsatz und Garner gibt ihm eine allgemeine Warnung auf den Weg, ja keine linken Dinger zu versuchen.

Am späten Abend schleicht POV um Peacocks Villa – der Pfauenfreund greift sich nervös eine Lampe und will nach dem Rechten sehen (warum schaltet er nicht einfach das Licht ein? Oder gab´s auf Haiti seinerzeit Stromsperren? Möchte ich nicht prinzipiell ausschließen), wird aber „nur“ von einem Vogel o.ä., der kreischend durch ein Glasfenster kracht, angegriffen.

Womit wir nahtlos zu einem Hahnenkampf schalten. Bevor mitlesende Tierschützer und PETA-Aktivisten (ich halte diese Gruppen nicht für völlig deckungsgleich, daher die Differenzierung) auf die Barrikaden gehen können (die werden aber noch genügend andere Anlässe dafür finden), stellen wir fest, dass sich Williams im Publikum befindet und sein Adlerauge auf einen für einen Schwarzen relativ, äh, blass (in der Bedeutung von „ungesund“) wirkenden Schwarzen wirft. Der fühlt sich berechtigterweise beobachtet und macht sich vom Acker, wird aber von Williams, im Rahmen eines Straßenfests gestellt und bekommt vom Doktor ohne weiteres Federlesen und ganz ohne Krankenschein die Fresse poliert. „Wo ist Scotch?“, fragt Williams (hm, wenn er die nächste Bar gesucht hat, hätte er das auch ohne Kinnhaken erledigen können, oder?). Nein, „wo ist Kotch?“ lautet die Frage korrekt (er hat aber auch ´ne undeutliche Aussprache) und das scheint der Aufs-Maul-Gehauene zwar zu wissen, aber nicht unbedingt breittreten zu wollen: „Er wird mich umbringen!“ Williams stellt klar, dass das Umbringen auch gern sofort und auf der Stelle durch ihn erledigt werden könne, worauf sein Opfer-in-spé doch lieber quasselt – Kotch wird morgen abend im Hotel Rancho auflaufen (der aufmerksame Zuschauer merkt auf – in diesem Hotel sind Fred und Grace abgestiegen) und will dort die Serumsformel vertickern.

Fred und Grace spielen währenddessen die Klischeetouristen und brausen im Cabrio durch Port-au-Prince. „So schön ist Haiti auch wieder nicht“, meckert Grace und macht dem haitianischen Tourismusministerium einen Strich durch die Rechnung und gibt zudem zu bedenken, dass sie sich trotz der ausgegebenen Urlaubsreise nach wie vor scheiden lassen wolle. Da hat Fred im Prinzip gar nix gegen, nur soll sie vorher eben noch Haiti anschauen und seinen alten Freund … Dr. Williams kennen lernen (die Wege so mancher Männer sind unergründlich… dem Besen, der die Scheidung eingereicht hat, auch noch ´nen Urlaub spendieren? So weit kommt´s noch): „Er lebt wie ein Urwalddoktor bei den Niggern“, drückt sich Fred sehr gewählt aus und vermittelt uns damit, dass er seinen Jahresbeitrag für den Gutmenschenclub sicher noch nicht entrichtet hat. Grace ist der rassistische Ausfall ihres Nochgatten wurst, sie hat ganz andere Sorgen: „Hoffentlich ist er nicht so langweilig wie du!“ Kann aber gut sein, grinst Fred, Williams sei nämlich ein Arbeitstier (um so mehr tät ich mich an Graces Stelle fragen, was sich Fred eigentlich von dem ganzen Betriebsausflug verspricht). Williams ist allerdings nicht daheim und die alte Einheimische, die von Fred zwecks Beauskunftung über Williams Verbleib befragt wird, lässt außer „weiß nicht weiß nicht“ auch nichts vom Stapelo. „Hätt ich mir ja denken können“, brummt Fred und kann sich vermutlich nur schwer ein weiteres hautfarbenmotiviertes Bonmot verkneifen.

Man fährt also wieder vom Hof. Nach ein paar Metern muss Fred wegen einer unmotiviert die Straße überquerenden Kinderherde eine Vollbremsung einlegen, sein Hintermann nimmt als Bremshilfe den Kofferraum Freds gemieteter Kalesche in Anspruch. Beim sichtlich mit allen Klammerbeuteln der Höflichkeit gepuderten Fred kommt ein solcher unaufmerksamer Verkehrsteilnehmer selbstverständlich an den richtigen – Fred geht dem (selbstredend farbigen) Auffahrer an die Wäsche und wundert sich, dass er im Nu von einem Rudel aufgeregter Einheimischer umringt wird, während die im Wagen zurückgebliebene Grace von einer alten Schrumpel mit den immer wieder gern gehörten Worten „war böses Voodoo, böses Voodoo!“ motiviert wird. Zum Glück für Fred taucht plötzlich Williams auf, womit der Unfall von sämtlichen Beteiligten in nullkommagarnix vergessen wird. Der Doktor ist über den Überraschungsbesuch seines alten Kumpels angemessen erfreut und wirft auch gleich mal das ein oder andere prüfende Auge auf Grace: „Die hast du gar nicht verdient!“ Fred lädt Williams zum Abendessen ein, was der gerne akzeptiert, als er hört, in welcher Bude seine Freunde abgestiegen sind.

Nachdem Fred und Grace sich verdünnisiert haben, wird Williams vom örtlichen Polizeiinspektor Marvine angequatscht, der ihm berichtet, dass man Douglas gefunden habe. Tot, blutleer, aber ohne eine einzige Wunde am Körper! (Das dürfte für Williams nichts neues darstellen, schließlich hat er Douglas ja selbst gefunden, dies aber wohlweißlich, aber warum auch immer, nicht der Polizei gemeldet). Von Williams zweitem Assistenten, dem erwähnten Kotch, fehlt nach wie vor jede Spur. Nachdenklich schreitet Williams von hinnen.

Am Abend, im Hotel Rancho, auf der Pool-Terrasse. Grad treffen sich Fred, Grace und Williams zwecks gemeinschaftlicher Nahrungsaufnahme, da kreischt Garner, ebenfalls in diesem Hotel residierend, dass ihn ein Viech gebissen hat. Nicht irgendein Viech, wie der hinzueilende Williams mit Kennerblick feststellt, sondern eine Vogelspinne, die nach dem geglückten Angriff das Weite zu finden hofft, aber von einem heldenmütigen Hotelangestellten gefangen werden kann. Williams, der seine Antidot-Sammlung offenbar immer mit sich herumträgt, jagt dem Arachniden eine Spritze in den Wanst, addiert dazu noch ein paar Tropfen seines geheimnisvollen Ampulleninhalts und injiziert die Brühe in den verblüfften Garner (hm – wozu braucht´s noch mehr Spinnengift?? Wenn er ein Gegenmittel in der Tasche hat, würd´s nicht reichen, Garner das zu spritzen?). Die Spinne hat damit ihre Schuldigkeit getan: „Zertritt sie!“ (Das zeigt man uns erfreulicherweise nicht. Bin zwar kein Fan der Achtbeiner, aber das muss ich wirklich nicht sehen). Hotelmanager Philipe beamt sich ins Geschehen und versichert Garner, dass er wahnsinniges Glück gehabt habe – Williams sei nämlich ausgewiesener Experte für Giftspinnen und Vogelspinnen gäbe es auf Haiti normalerweise eh nicht (wenn´s auf Haiti normalerweise keine Vogelspinnen gibt, wieso hat Williams dann ein Gegengift in der Jackentasche?). Schlußfolgerung: das war kein Unfall, das war ein Anschlag auf Garner, zwar nicht auf sein Leben, alldieweil Vogelspinnengift nicht tödlich wirkt, aber zumindest auf seine geistige Gesundheit. Garner lädt aus Dankbarkeit Williams nebst Entourage zum Mampfen ein und Williams lässt durchblicken, dass er Philipe nicht leiden kann.

Und so fahren Williams, Fred und Grace auf Garners Rechnung (und in Gesellschaft auch von Peacock) allerlei Delikatessen ein, dieweil eine weitere Partei ihre Aufwartung im Rancho macht – der amerikanische Geschäftsmann Mr. Prater nebst seinem „Sekretär“. Garner und Prater kennen sich und spielen sich gegenseitig die „wir-sind-nur-auf-Urlaub-hier“-Routine vor, die ihnen kleinere Geister als meiner nicht abkaufen würden. Williams, der offenbar mit einem kryptonischen Supergehör ausgestattet ist, belauscht (über zehn Meter und drei Tische, allesamt mit lebhafter Konversation hinweg), wie Praters Sekretär die Frage seines Chefs, ob er „den Kerl verschwinden hat lassen“ bejaht. Williams kombiniert richtigerweise, dass es sich bei dem verschwundenen Kerl nur um Kotch handeln kann – schnell ist ermittelt, wo Prater und sein Sekretär den bisherigen Abend verbracht haben (in der Hotelbar). Williams sucht die Bar auf (die menschenleer ist… nicht mal ein Barkeeper ist da. Wie glaubhaft ist das dann?) und findet dort… den geplätteten Kotch. In dessen Pfote findet sich ein komisch-buntes Something-or-other, das Williams vorsichtshalber mal einsteckt (nicht, dass am Ende noch die Polizei ein Beweisstück findet und den Mord aufklären könnte, gelle).

Nach dem lecker Abendessen sehen sich Fred, Grace und Williams eine Voodoo-Zeremonie mitten auf den Straßen der Hauptstadt an, in deren Verlauf ein höchst realer Ochse höchst real geopfert wird (der Film wird noch richtig was für Mondo-Freunde). Die ganze Chose ist ein Fruchtbarkeitsritual für die einheimischen Weibsstücke, die nach Genuss des warmen Ochsenbluts wohlwollend von Fruchtbarkeitsgöttin Ersole betrachtet werden und männliche Sprösslinge zur Welt bringen werden. Das schient ein sehr erstrebenswertes Zeil zu sein, jedenfalls entbrennt eine heiße Schlacht am kalten Ochsenbuffet, eine hysterische, halbnackte Orgie wild übereinandergetürmter Körper. Williams ist allerdings abgelenkt – denn unter den um die herumzuckenden Weiber tanzenden Männern befindet sich sein Informant. Aber nicht lange, denn er fällt plötzlich tot um. Williams lässt sich geistesgegenwärtig von Fred ein Messer reichen und ritzt des Toten Flosse – wie nicht zu erwarten, rinnt kein Blut, auch diese Leiche ist völllig lebenssaftsleer…

Williams kehrt in seine Hütte zurück, wo er allerdings von Prater und dessen schlagkräftigen Sekretär erwartet wird. Auch Prater möchte Williams´ Serum käuflich erwerben, aber auch die handfesten Argumente, die Prater bzw. sein Gehülfe ins Feld führen, können den standhaften Wissenschaftler nicht zum Verkauf bewegen (lustig: der Sekretär verdrischt Williams nach allen Regeln der Kunst, doch sein Boss mahnt ihn: „Tu ihm nicht weh. Er ist nicht in so guter Verfassung“. Kann man jemanden verprügeln, ohne ihm weh zu tun?) Williams lehnt entschieden ab und lässt sich auch durch ein 24-Stunden-Ultimatum nicht beeindrucken.

Am nächsten Tag versucht Peacock sein Glück in Garners Auftrag – er setzt nicht auf blanke Gewalt, sondern auf Süßholzraspelei und versucht Williams einzureden, dass seine Entdeckung bei Garner in allerbesten Händen wäre. Williams aber bleibt nach wie vor renitent: „Ich habe nichts entdeckt, das brauchbar wäre!“ Außerdem verweist er auf seinen toten Assistenten (Douglas) – der habe einen Selbstversuch mit dem Serum unternommen (daraus schließen wir – das Zeug ist nicht wirklich gesund). Peacock zuckt mit den fetten Schultern: „Ich hab mein Bestes getan!“ (Garner sollte ernsthaft überdenken, wen er für seine Verhandlungen einspannt. Da gibt´s aufdringliche und hartnäckigere Zigerattenschnorrer in Fußgängerzonen…).

„Der Mann ist verschlossen wie ein Keuschheitsgürtel“, verteidigt Peacock wenig später eher diskussionswürdig sein totales Versagen, „den schaffen wir nicht!“ (Äh. Mit anderthalb freundlichen Fragen hast du das ausgelotet, Qualle?). Garner stellt sich auf den Standpunkt, dass das Peacocks Problem wäre – dies und die Frage, was es mit dem blutleeren Körper Douglas´ auf sich habe (hm, genau genommen HAT Williams das doch erklärt…), außerdem müsste noch Kotch aufgetrieben werden (von dessen Ableben in der Hotelbar weiß also noch keiner was. Dort wird scheinbar selten geputzt).

Als Williams am nächsten Tag sein Haus verlässt, wird er beinahe überfahren. Natürlich ist das kein Unfall, sondern ein schändlicher Mordanschlag, dem sich der Doktor entzieht, indem er auf einen Minibus aufspringt. Der motorisierte Attentäter verfolgt ihn bis auf einen belebten Markt, wo Williams in der Menschenmenge untertauchen kann. Auf diesem Markt sind juxigerweise auch Fred und Grace unterwegs. Grace ist insgesamt recht verwirrt, was sich noch steigert, als Fred sich, nachdem er seine Holde an einem Stand mit anregenden Holzplastiken geparkt hat, unauffällig absetzt. Grace fühlt sich, umringt von allerlei schwarzen Gestalten, sichtlich unwohl und panikt, wird aber von Wiliams aufgegriffen. Sie bittet ihn, nach Fred zu suchen, was der nicht wirklich begeistert auch anpackt, so dass Grace von einer Voodoo-Mama mit ein paar „Ersole-liebt-dich-und-wird-in-dich-eindringen“-Sprüchen erfreut werden kann (nicht, dass das ernstlich was zur Handlung beitragen würde. Aber Voodoo ist immer gut, um ein paar Minuten Screentime totzuschlagen). Williams taucht ohne Fred wieder auf und empfiehlt Grace, sich ins Hotel zurückzuziehen. Die Blonde macht sich, ungeachtet der Tatsache, dass sie sich ja eigentlich scheiden lassen will, Sorgen um ihren Gemahl und möchte zur Polizei (eh, dein Macker ist seit ungefähr fünf Minuten abgängig. Manche Frauen sind wirklich alleine nicht lebensfähig). Williams lacht sich berechtigterweise halb tot und empfiehlt den Gang zum Fundbüro: „Treusorgender Ehemann vermisst!“ (Ich glaub, der nimmt dich nicht ernst, Baby…). Grace willigt ein, ins Hotel zurückzufahren, sofern Williams sie begleitet. Der hat aber noch einen beruflichen Termin. Anstatt sich also ein Taxi zu nehmen und zum Hotel zu gondeln, drängt sich Grace als Begleitung auf. Wohin die Reise geht? Zum Schlachthof… (spätestens JETZT sollte sich Grace als ordentliche Frau eine Mietdroschke anlachen).

Den Weg zum Schlachthof verkürzen wir mit ein paar alibihaften politischen Statements zur zeitgenössischen Papa-Doc-Duvalier-Diktatur. Am Schlachthof angekommen, macht sich Williams an die Arbeit, um im Dienste des Lebensmittelschutzes ein paar Fleischproben zu analysieren (was ist der Kerl eigentlich noch alles? Giftspinnenexperte, Serumspanscher, Lebensmittelkontrolleur…), so dass der Chef des Etablissements Grace anbietet, die Fabrik zu besichtigen, was die auch mit Freuden annimmt (auch wenn der Schlachthofdirektor andeutet, dass das eigentlich „nichts für Frauenaugen ist“). Die Tiersnuff-Fans dürfen sich also einige höchst reale maschinelle Rinderschlachtungen ansehen (damit hab ich allerdings weniger Probleme als mit dem typischen Tiersnuff in Kannibalenfilmen o.ä., denn die Szenen wurden ersichtlich in einem realen Schlachthof gedreht, wo mehr oder minder der normale Tagesablauf abgefilmt wurde und die Tiere daher nicht speziell für den Film getötet wurden). Grace hat auch bald Anlass zum Schreien – nicht, weil sie wegen der armen Muhkühe in Gewissensnöte kommt, nein, am Fleischerhaken hängt ein toter Mensch: Praters Sekretär!

Prater reagiert auf die Schlachtung seines Sekretärs im Gespräch mit Inspektor Marvine verständlicherweise eher ungehalten und droht mit sofortigem Aufbruch. „Wir werden ihre Abreise verschmerzen“, nimmt der Polyp dies eher gelassen, hat er doch mittlerweile von seinen New Yorker Kollegen erfahren, dass sowohl Prater als auch der verblichene Sekretär dort alles andere als unbeschriebene Blätter sind.

Im Hotel Rancho debattiert Philipe mit seiner Geschfüassistentin Robin über den auffälligen Body Count der letzten Tage – mittlerweile scheint man sogar endlich Kotch gefunden zu haben (der sollte bei typischen Tropentemperaturen mittlerweile ja auch schon etwas müffeln), dazu Douglas und Praters Sekretär, da sorgt sich Philipe ums Geschäft. „Sie werden den Mörder schon finden“, beruhigt Robin. „Glauben Sie? Wir werden sehen“, geheimnisvollt Philipe (hmmmmm, suspekt, suspekt). In seiner Suite packt Prater seine Koffer, wird aber leider nicht damit fertig, weil er vorher von einem behandschuhten POV-Shot stranguliert wird (wir begrüßen: den ersten On-Screen-Kill, wenn wir die Tiere nicht mitrechnen).

Wenn wir schon killmäßig zu Potte kommen, können wir ja auch gleich noch die Nudity-Karte spielen. Und darum schält sich Grace freundlicherweise zwecks Absolvierung einer Dusche aus ihren Gewändern (sie behält allerdings ein Bauchkettchen um. Irgendwie schnuffig), wird jedoch durch einen vorwitzigen Hotelpagen gestört, der ungefragt ins Zimmer tritt und Blumen abliefern will. Grace keift ihn an, weil er nicht angeklopft hat, der Page verteidigt sich, sehr wohl geklopft zu haben und muss trotzdem ohne Trinkgeld wieder gehen (dafür hatte er immerhin was zu kucken. Auch nicht schlecht). Grace schnüffelt an den Blumen, exotische Orchideen (oder sowas – bin ich Botaniker?), eine Karte sucht sie vergebens.

Dieweil, in Williams´ Labor. Dort wühlt jemand in des Doktors Aufzeichnungen und dieser Jemand ist niemand anderes als Fred! Williams schlägt den Eindringling nieder und wundert sich, dass es sich hierbei um seinen Buddy handelt. Fred schaltet um auf Plan B und unterbreitet Williams ein geschäftliches Angebot. Williams macht sich aber komischerweise deutlich mehr Gedanken darüber, warum Fred nicht bei seiner attraktiven Frau im Heiabettchen liegt, als warum er bei ihm das Labor durchsucht (der Mann hat auch irgendwo ein leichtes Problem in der Prioritätensetzung). „Lass doch mal meine Frau aus dem Spiel,“ bemüht sich Fred das Gespräch wieder in Richtung Serum, denn hinter dem ist natürlich auch er her, zu lenken. Williams sieht nicht ein, dass er, wo schon so viele verschiedene Parteien ihr Interesse an dem Stoff bekundet hätten, ausgerechnet mit Fred ins Geschäft kommen sollte und warnt seinen Kumpel – hier spielen die Großen, ein Kleinganove wie Fred ist da, Williams´ unmaßgeblicher Ansicht nach, deutlich überfordert. Fred sieht sich in seine Ehre verletzt und besteht darauf, das Serum haben zu wollen. Da klingelt das Telefon, Grace ist dran. Williams will wohl an Fred weiterreichen, aber der ist verschwunden und als er zurück am Hörer ist, ist auch Grace nicht mehr am Apparat. Die verabschiedet sich nämlich gerade in die beeindruckendste Szene des Films – eine drogenindizierte Traum-/Halluzinationssequenz.

Grace findet sich mental in einem schwarzen Kimono zunächst in weißen Korridoren wieder und sieht ganze Legionen von Vogelspinnen, ehe sie in einen roten Korridor gebeamt wird, in dem nackte (und muskel-vorteilhaft eingeölte) Schwarze in eindeutiger Manier nach ihr grabschen. Peacock taucht – in ein grünes Kleid gehüllt (!) auf, ein Rudel nackter schwarzer Kinder umringen Fred – oder Williams, so genau konnte ich das nicht erkennen, ehe sie sich dem schwarzen Kerl, mit dem sie zu Anfang des Films emotionale Blicke ausgetauscht hat, gegenübersieht. Selbstredend ist auch der nackt und befreit auch Grace von lästigem Textil – es folgen Kuss, Umarmung, körperliche Verschmelzung… verwirrt rennt Grace (im realen Leben) vor die Tür und in ein Auto, schreit und kommt in den starken Armen von Williams wieder zu sich. Der Doktor trägt sie zurück ins Hotelzimmer, entdeckt die Blumen, riecht daran und wirft, nachdem er erkannt hat, dass das Kraut offensichtlich stark halluzigene Wirkung entfaltet (also auch noch Experte für exotische Heilpflanzen, ein echtes Multigenie), das Grünzeug in hohem Bogen aus dem Fenster.

Anderswo halten Peacock und Garner Kriegsrat – Praters gewaltsames Ableben hat sich herumgesprochen und den dicken Pfauenfreund plagen schwere Bedenken, das nächste Opfer werden zu können (was er sehr blumig zum Ausdruck bringt). Daher will er sich aus der Chose ausklinken. Garner grummelt ihn an: „Manche Partner nehmen so etwas sehr übel!“

Dieweil versucht Fred, seine Holde für seine finsteren Pläne einzuspannen – sie soll Williams ablenken, damit Fred seinen schuftigen Schabernack treiben kann, aber Frauchen ziert sich. Peacock bekommt dieweil einen geheimnisvollen Anruf – der unbekannten Anrufer behauptet, im Besitz der Formel zu sein und verlangt für die Überlassung selbiger die schlappe Prämie von lächerlichen 30.000 US-Dollar (diese Gangster werden immer bescheidener… vermutlich kann man den Kerl auf einen Haarschnitt und ´ne Pediküre runterhandeln). Als Treffpunkt wird ein abgelegener Strand ausgemacht. Peacock macht sich, ungeachtet der Tatsache, dass er ja eigentlich grad eben seinem Auftraggeber erklärt hat, an weiteren Aktivitäten nicht mehr interessiert zu sein, sofort auf die Strümpfe. Die Gestalt (zwecks Suspense uns nicht gezeigt), die er am Treffpunkt trifft, kommt ihm a) bekannt und b) sehr unsympathisch vor, weswegen er die kurzen Beine in die Hand nimmt und erfolglos zu fliehen versucht. Der Killer harpuniert Peacock – der Dicke fällt (was angesichts seines weißen Anzugs sicherlich hochgradig ironisch o.ä. ist) in den Matsch und wird dort auch noch mit gezieltem Stiefeldruck gegen den Hals rein atemtechnisch beeinträchtigt. Abgang Peacock.

Fred, Grace und Williams leuchten sich an der Hotelbar ein paar Alkoholika ein. Williams erkundigt sich, wie´s mit den Abreiseplänen des Ehepaars aussieht (welche Abreisepläne?). „Wenn sie will, kann sie ja gehen“, rülpst Fred in sein Schnapsglas, aber Williams präzisiert, dass es ihm eigentlich um Fred geht (ha, warum hat er wohl nix dagegen, wenn Grace bleibt?). Fred nölt weiter, dass Williams ihm Garner als Geschäftspartner vorzieht (wie kommt er darauf?) und unterbreitet den Vorschlag, dass Willy doch mit Grace auf Sightseeing-Tour gehen soll, er werde sich dieweil um den geschäftlichen Rivalen kümmern. Aus eher unerfindlichen Gründen (ich spekuliere mal darauf, dass Williams sich Hoffnungen macht, mit Grace in der Koje zu landen) geht Williams auf diese Offerte ein (wann bekommt man schon mal vom besten Freund die Ehefrau angeboten?).

Garner ist inzwischen in einer alten Industrie-Mühle zugange und wühlt sich dort frustriert durch die Unterlagen des dortigen Büros. „Der Kerl hat mich doch herbestellt“, grummelt er genervt, aber er wird bald mehr (und andere) Gesellschaft haben, als ihm lieb ist. Plötzlich schaltet sich nämlich die Maschinerie der Mühle ein (und, being an industrial mill and stuff, ist das eher unsympathische Maschinerie). Nach einer Weile Gestalke durch die Fabrikhallen wird Garner unvermittelt mit einer Wolke Dampf beschossen – keine Ahnung, was für Zeug das genau ist, aber auf jeden Fall ist es unappetitlich und verwandelt Garners Visage in ein (make-up-technisch eher zweifelhaftes) Freddy-Krüger-Gedächtnis-Geschmoddere (jep, wir erreichen unsere offizielle „Gore“-Szene). Schmerzgepeinigt fällt Garner auf ein Förderband und wälzt sich auf diesem hin und her (mit ein wenig gutem Willen könnte er sich allerdings mühelos davon herunterrollen und seinem weiteren Schicksal entgehen bzw. es wenigstens seinem Killer schwerer machen), bis er in ein leeres Silo stürzt. Garner versucht, aus dem Silo herauszukrabbeln, aber sein Mörder kloppt ihm mit einer Eisenstange auf die frechen Finger und gegen die Denkerstirn. Das Opfer endlich zum Verweilen im Silo überredet, packt der Killer auch noch den Deckel aufs Silo, Garner kann da drin wohl verrotten (vielleicht hat das Silo aber auch noch ein aktives Mahlwerk. Aber das wäre dann eher was für den Kollegen Fulci).

Williams lotst Grace auf ein altes Kastell, wo er mit ihr leckeren Rum probieren will (okay, er will sie besoffen machen und ins Bett packen. Alles klar). Die Geschäfte im Kastell gehen aber schlecht, seit Williams sein Labor von dort verlegt hat, wie der dortige Caretaker ausführt (äh? Der Zusammenhang erschließt sich mir, zugegeben, auf Anhieb nicht ganz, es sei denn, Williams ist heftiger Alkoholiker). Außer Besitzer Philipe (jawoll, der, dem auch das Hotel Rancho gehört) lässt sich kaum jemand mehr hier blicken. Unter dem Vorwand, nach vergessenen Gegenständen aus seinem Besitz zu fahnden, erschleicht sich Williams die Genehmigung zu sinnlosem Herumstromern. Grace erkundigt sich, warum Williams nicht mehr hier arbeite. „Philipe lag mir nicht so“, kunftet der Dottore eher wenig hilfreich aus.

Aber Williams ist nicht nur aus reinem Jux & Dollerei zur alten Wirkungsstätte zurückgekehrt – im Gemäuer findet sich ein komisches Götzenbild, und dem fehlt ein Auge; und dieses fehlende Auge ist nichts anderes als der seltsame Gegenstand, den Williams bei Kotch gefunden hatte (ich würde jetzt ja „a-haaaa“ sagen, wenn ich auch nur die allerleiseste Idee hätte, was genau das beweist). Kaum hat Williams diese kriminalistische Glanzleistung vollbracht, wird er auch schon mit einem gefüllten Rumfass beworfen. Körperlicher Schaden wird nicht angerichtet, aber Williams kann sowohl den Caretaker als auch den gedungenen schwarzen Fassschubser zur Sau machen. Ein Attentat auf Leib und Leben ist selbstverständlich das geeignete Vorspiel für gepflegten ehebrechenden Geschlechtsverkehr und daher liegen Grace und Williams in der nächsten Szene postkoital in den Federn (immerhin zeigt uns Grace noch mal kurz ihre Assets), wobei sie allerdings von Fred heimlich beobachtet werden. Williams ist offenbar inzwischen schwer in Grace verliebt und bittet um Hinweis, ob sie sich vorstellen kann, bei ihm zu bleiben. Grace sind die Leute auf Haiti aber eindeutig zu seltsam (ob das daran liegt, dass sie sich im Mittelpunkt einer mörderischen Intrige befindet?). Fred späht aus, wo Williams seine extrem geheimen Notizen versteckt.

Grace bewundert einen ausgestopften Pfau (den hat Peacock als Belohnung für die Rettung des skorpionfressenden Cagliostro springen lassen), als Fred hereinstürzt, Grace eine saftige Ohrfeige verabreicht, Williams einen Schießprügel unter die Nase hält und sich dessen Notizen aneignet. „Es lohnt sich, mit einer Nutte verheiratet zu sein“, grinst er (wobei ich mich ernstlich frage, welchen Vorteil genau ihm Grace nun gebracht hat… beobachten, wo Williams seine Unterlagen ablegt und sie sich unter Waffengewalt aneignen, hätte er auch gekonnt, ohne seinem alten Kumpel vorab Entschädigung in Form sexueller Dienstleistungen seiner Frau angedeihen zu lassen), wofür ihn Grace einen Bastard schimpft. Williams warnt Fred ob der Gefährlichkeit des MacGuffin und überhaupt „kannst du damit sowieso nichts anfangen!“ (hä?). Fred hat dafür nur ein verächtliches Lachen übrig und bindet Grace den Bären auf, dass Williams die Formel meistbietend verschachern hätte wollen (und was genau bringt ihn auf diese Idee?).

Polizeiinspektor Marvine räkelt sich mit Hotelassistentin Robin in den Laken, als er telefonisch zur alten Mühle bestellt wird. Wenig später klingelt auch bei Fred das Telefon – eine geheimnisvolle Stimme (die wir, als gewiefte Zuschauer, ohne größere Umschweife als die von Marvine identifizieren; schließlich haben wir den keine fünf Sekunden vorher sprechen hören) erklärt dem verblüfften Fred, dass DIE Formel, die er klauen wollte, in den entwendeten Notizen überhaupt nicht enthalten sei (?), gegen einen Obolus von 30.000 Dollar könnte sich der unbekannte Anrufer aber davon trennen. Treffpunkt ist natürlich die alte Mühle. Dorthin fährt auch Williams mit einem mit nicht näher bekannten farbigen Begleiter. Mir dünkt, wir nähern uns dem Showdown.

Vor die Auflösung des Dramas hat der Regisseur aber noch ein bissl Voodoo-Krempel gesetzt, genauer gesagt, eine Voodoo-Hochzeit und die besteht u.a. auch daraus, dass das Brautpaar nackt auf den heißen Sand gefesselt und mit Wasser o.ä. überschüttet wird (und da wundert man sich, dass niemand mehr christlich-katholisch-kirchlich heiraten will; die Konkurrenz hat eindeutig das bessere Programm). Fred stellt Grace (die er, warum auch immer, mitgenommen hat) in der johlenden Zuschauermenge ab und trifft den geheimnisvollen unbekannten Anrufer, der natürlich, wir wussten es eh, natürlich Marvine ist.

Selbstverfreilich ist aber nichts so einfach, wie es scheint und der ganze Schmu nur ein raffiniert eingefädelter Lockvogel-Plan, den Williams ausgebrütet hat, um den wahren Killer aus der Reserve zu locken. Fred traut dem Braten bzw. dem Polizisten nicht über den Weg: „Wer sagt mir, dass das Serum das richtige ist?“ (Ah, zusammengerührt hat man den Schmu also auch schon? Bei Marvines Anruf ging´s nur um die Formel…). Marvine lädt Fred ein, das Serum doch einfach auszuprobieren (ob das eine gute Idee ist?). Fred unterzieht diesen Vorschlag einer mentalen Prüfung und befindet ihn für praktikabel. Zumal ein geeignetes Versuchskaninchen auch gerade vorbeiläuft – Grace, der´s bei der Voodoohochzeit offenbar zu langweilig wurde und die sich zu ihrer gesteigerten Verblüffung am falschen Ende einer Spritze wiederfindet (what a FIEND!).

Etwas unvermittelt (für gemeine Dummzuschauer wie Euren Doc) trifft Marvine plötzlich Williams und grinst zufrieden – alles läuft genau nach Plan. Der Killer wird sicher auftauchen, glaubt auch Williams, schließlich hat er entdeckt, dass sein Labor verwanzt war und das wird sicher auch auf Freds Hotelzimmer zutreffen, der Killer wird also von dem Treffen hier wissen. Marvine begehrt Auskunft darüber, was Williams´ geheimnisvolles Serum nun überhaupt anstellt (nett, dass wir das in den letzten fünf Minuten auch noch abhandeln) und der Doktor berichtet gern: sein Serum zerstört rote Blutkörperchen! „Und das ist was besonderes?“, gibt sich Marvine medizinisch eher unbeleckt und fragt sich, warum Menschen dafür töten (in der Tat frage ich mich allerdings auch, wer aus einer solchen wissenschaftlichen Entdeckung ernstlich Profit schlagen könnte. Scheint mir nicht gerade der Stoff zu sein, aus dem pharmazeutische Kassenknüller gestrickt werden. Außerdem mögen mir mitlesende Mediziner kurz auf die Sprünge helfen: Können Menschen wirklich völlig „blutleer“ sein, wenn nur die roten, nicht aber die weißen Blutkörperchen zerstört werden?). Bevor wir aber ins existentialistisch-philosophische abgleiten, verklickert Marvine zu unserer Beruhigung, dass er Fred nur ein Schlafmittel in die Patschhand gegeben hat (Grace pennt also nur den Schlaf der Ungerechten), und stolpert Fred ins Bild, dabei aber irgendwie einen eher erschossenen Eindruck machend. Ja, wir outen den wahren Killer und es handelt sich um – Trommelwirbel – Philipe (es überrascht uns nicht mehr wirklich; die Tatsache, dass das „Götzenauge“ von Kotch in Philipes Kastell gehörte, dort auf Williams das Attentat mit dem Rumfass verübt wurde und Williams explizit davon sprach, dass Freds Hotelzimmer verwanzt sein müsste, lässt, abgesehen von der Tatsache, dass alle anderen Verdächtigen eh längst tot sind, keinen anderen Schluss mehr zu). Philipe erklärt, dass er über Robin von dem Deal vor Ort unterrichtet worden sei, aber Marvine grinst zurück – dass es sich um eine Falle handelt, ist Philipe nicht aufgegangen und nun hat Marvine auch den Beweis, um Philipe zu verknacken. Philipe ballert Marvine eine Kugel in den Wanst (Memo an Polizeiinspektoren: die coolen Sprüche erst dann reißen, wenn man den Verdächtigen in Gewahrsam hat). Philipe flüchtet, Marvine röchelt Williams an, doch seine Pistole an sich zu nehmen und den Killer nicht entkommen zu lassen.

Der Killer stolpert auf der Flucht in die immer noch in vollen Zügen amtierende Hochzeitsgesellschaft. Williams´ namenloser einheimischer Begleiter stellt sich ihm in den Weg, wird aber unbürokratisch totgeschossen. Philipe requiriert das Fahrzeug des Brautpaars, hat aber nicht mit einem sich spontan formierenden Lynchmob, bestehend aus den Hochzeitsgästen, gerechnet. Die knüppeln beherzt auf das Auto ein und setzen es in Brand. Während Philipe lieber mitsamt der Kalesche abfackelt, anstatt zu versuchen, auszusteigen und sich mit seiner Wumme den Weg freizuschießen, feiern die Hochzeitsgäste den bratenden weißen Mann als Geschenk des Himmels, läuten die Kirchenglocken und sind allgemein in allerbester Partystimmung (?). Williams bleibt nichts anderes übrig, als irgendwie leer zu kucken (andererseits – er ist Anthony Steffen und so wahnsinnig viele Gesichtsausdrücke hat der halt auch nicht drauf…).

Zu allem Überfluss kriegt er noch nicht mal das Mädchen, denn die verwitwete Grace ist zum Resümee gekommen, dass „Haiti kein Land für mich ist“. Darum schwingt sie sich in den Flieger und düst zurück in die Heimat. Williams kuckt ihr leer nach (siehe letzten Absatz), wesentlich trauriger kuckt ihr allerdings der schwarze Jungkerl (vom Anfang und aus ihrer Traumsequenz) hinterher (???). Standbild und Aus.
Bewertung

Nach dem mittlerweile zweifachen Genuss von Inferno unter heisser Sonne bin ich nicht ganz sicher, ob man den Streifen überhaupt ins Giallo-Genre einstufen kann – andererseits ist gerade die Bezeichnung „Giallo“ kein feststehender Genrebegriff, die Grenzen des Sujets sind vielmehr fließend; von späten Edgar-Wallace-Verfilmungen bis hin zu den eher schmodderorientierten italienischen Serienkiller-Slasher-Werken passt ja so manches in die Schublade – hauptsache, es ist ein „murder mystery“ integraler Bestandteil. Wenn wir Inferno als Giallo betrachten wollen, können wir uns aber zumindest darauf festlegen, dass es sich um einen eher untypischen Giallo handelt, was man schon an ein paar oberflächlich zu bemerkenden Fakten festmachen kann – die Location „Haiti“, ein hoher Tageslicht-Anteil, eine Story, die sich nicht nur beim klassischen Krimi, sondern auch bei den Eurospy-Agentenfetzern bedient (Jagd auf die Formel), ein paar Mondo-artige semi-dokumentarische Elemente und, last, but not least, der Umstand, dass die Opfer des Killers ausschließlich männlichen Geschlechts sind (während der „typische“ Giallo ja normalerweise eher reihenweise hübsche Mädchen abmurkst).

Auch die Macher des Films sind keine Giallo-Spezialisten – Eduardo Mulargia verdiente sich seine (im Vergleich zu seinen Landsleuten eher spärlichen) Meriten hauptsächlich auf dem Gebiet des Italo-Western (z.B. Cjamango mit dem späteren Mondo Cannibale-„Star“ Ivan Rassimov) und beendete seine Filmkarriere mit dem bereits oben angesprochenen WIP-Heuler Escape from Hell und dem zeitgleich entstandenen Orinoco: Prison of Sex; sein Co-Regisseur Gian Paolo Lomi ist gar ein beinahe gänzlich unbeschriebenes Blatt.

Wie schon gesagt, vor allem die Story ist nicht gerade die typische Giallo-Geschichte – vielmehr müht sich der Film um ein Set-up, das einerseits ein klassisches Agentenfilmgimmick (das tödliche Serum, hinter dem allerhand Schufte unterschiedlicher Couleur her sind) bemüht, es aber andererseits auch als blosses Hitchcock´sches MacGuffin benutzt (was sogar soweit geht, dass die „Auflösung“, worum genau es sich bei dem Serum handelt, gerade mal dreißig Sekunden vor der Enthüllung des Killers, kurz abgehandelt wird; es ist also für die Handlung völlig irrelevant – was nun aber wieder doch „typisch Giallo“ ist – , würde aber meinen Freunden Hahn/Jensen sicher ausreichen, dem Film einen Eintrag in ihrem „Science fiction-Film-Lexikon“ zu widmen, täten sie ihn den kennen).

Traditionell italienisch-giallesk (äh, ist das ein Wort?) ist die Konstruktion der Story aber eh nicht wirklich der Rede bzw. das genaue Nachdenken wert… das beginnt schon mal bei der Grundprämisse: ein Serum, das rote Blutkörperchen zerstört. Okay, Dr. Williams weist mehrfach darauf hin, dass das Zeug streng genommen zu nichts zu gebrauchen ist – mir würde allenfalls eine Verwendung als biologische Waffe einfallen, aber die potentiellen Käufer scheinen allesamt der privatwirtschaftlichen Ecke zu entstammen (Garner arbeitet, wenn ich das richtig mitbekommen habe, sogar hochoffiziell für einen Chemiekonzern). Was wollen die eigentlich mit dem Stoff? Wenn´s nun Agenten böser Geheimdienste wären, die an der Waffentauglichkeit des Materials interessiert wären, würde ich das ja noch verstehen, aber den hiesigen Fraktionen scheint´s ausschließlich um die wirtschaftliche Ausbeutung der Entdeckung zu gehen. Aber wie zum Geier kann man mit diesem Serum ernstlich Geld verdienen? Scusi, das raff´ ich einfach nicht (insofern ist es nicht unvernünftig, dass der Film erst kurz vor Toresschluss mit der offiziellen Erklärung, was das Serum tut, rausrückt, obwohl man sich natürlich als nicht ganz hirnamputierter Zuschauer bereits vorher zusammenreimen konnte, was Sache ist). Ein etwas „lebensnäherer“ Aufhänger wäre mir da durchaus lieber gewesen, Sinn macht die hier gewählte Variante nicht (außer dem wohl kalkulierten „wuaaah, blutleere Leichen“-Effekt, der dann prompt vom Film weitestgehend ignoriert wird [wir sehen maximal zwei Opfer des Serums, und zumindest beim zweiten darf man sich auch noch sehr gepflegt fragen, wie der Kerl, Williams´ seltsamer Informant, der beim Voodoo-Fest tot umfällt, überhaupt mit dem Zeug in Berührung gekommen sein soll]).

Völlig unklar bleibt in dem Zusammenhang auch die Motivation des Schurken – was ein Hotel- und Rumdestillenbesitzer wie Philipe mit diesem Serum anstellen will, ist fraglich, seine Handlungsweisen zudem undurchschaubar (was verspricht er sich von dem Gift-Blumen-Anschlag auf Grace? Dass Fred seine Frau auf Williams bewußt ansetzt, ist zu dem Zeitpunkt noch überhaupt nicht erwähnt worden. Schuss ins Blaue? Oder ist das Frauen-unter-Drogen-setzen einfach nur ein Hobby von Philipe? Und wie Robin in das ganze Intrigenspiel passt, kann ich mir auch nicht zufriedenstellend erklären; Philipe behauptet, durch sie über Marvines Pläne informiert zu sein, Marvine aber stellt es wieder so da, als hätte er Philipe über Robin ausgehorcht. Und zur Sache tut weder das eine noch das andere was). Auch aus Williams, nominell ja sowas wie unser Held, werde ich nicht richtig schlau – wieso verschweigt er zunächst Marvine, dass er die Leichen von Douglas bzw. Kotch entdeckt hat, arbeitet im Showdown dann aber doch mit dem Cop zusammen? Aber gut, verwirrende Plots, die Normalsterbliche nicht durchschauen können und sollen, sind wir von italienischen Krimi-Mystery-Thrillern ja durchaus gewohnt.

Dazu passt dann auch der handlungstechnisch völlig irrelevante Einbau diversen okkulten Voodoo-Brimboriums, dem Mulargia und Lomi einen ganzen Subplot widmen – dass Grace durch die diversen Spinnereien von Voodoo-Mamas, die ihr irgendwelchen Schmu über die Fruchtbarkeitsgöttin Ersole erzählen, aus der Fassung gebracht wird, bringt den Plot selbstredend in keiner Sekunde weiter, sondern dient nur der Laufzeitstreckung (und dem noch zu würdigenden Einbau diverser ekliger Tiersnuff-Passagen), verleiht dem Film aber zumindest eine gewisse „andere“ Atmosphäre (ich hätte glatt vermutet, dass die Italiener durch den James-Bond-Film Live and Let Die auf die Kombination Agenten-MacGuffin/Voodoo-Kram gekommen wären, aber Inferno unter heisser Sonne ist in der Tat der ältere Film).

Wiederum recht typisch für einen Giallo ist der mangelnde Spannungsaufbau der Story – das Genre ist ja bekannt-berüchtigt dafür, dass es ihm weniger um den Täter selbst (und damit einergehend um einen schlüssigen dahingehenden Aufbau der Story und des Spannungsbogens) als um die Tat selbst geht; zu versuchen, den Mörder zu erraten oder, noch besser, aufgrund eingebauter Hinweise korrekt zu identifizieren, sollte man als Zuschauer in diesem Genre tunlichst eher nicht. Inferno macht da keine große Ausnahme, als er schon gar nicht versucht, irgendwelche brauchbaren Verdächtigen zu konstruieren – die rivalisierenden Schurkenparteien fallen als potentielle Verdächtige schon deshalb aus, weil Garner und Prater, wie aus den Dialogen klar wird, wissen, dass es eine dritte, mordende Partei gibt, ganz abgesehen davon, dass Prater mit seinem Bodyguard erst ankommt, als die Killerei schon in vollem Gange ist. Maximal kann man sich auf Fred kaprizieren, aber auch da stehen logistische Probleme seiner Beteiligung an den Mordtaten im Wege (abgesehen davon, dass auch er bestenfalls zeitgleich mit dem ersten Mord auf Haiti ankommt und als von Williams korrekt als Kleinganove ausgemacht überhaupt nicht wüsste, dass Prater und Garner seine auszuschaltenden Rivalen wären). Immerhin wird mit Philipe nicht ein uns völlig unbekannter Charakter zum Finale aus dem Ärmel geschüttelt (auch das ist den Italienern ja stets zuzutrauen), , sondern zumindest eine bereits (mit immerhin zwei Szenen, und in mindestens anderhalb davon lenkt er heftig Verdacht auf sich) eingeführte Figur, so dass die finale Enthüllung nicht völlig aus dem Nichts kommt (besonders schockierend und überraschend ist sie demzufolge aber auch nicht). Strukturell plagt den Film das Problem, dass sein Finale nicht der Höhepunkt des Films ist (zumal die „Bestrafung“ des Mörders nicht mal durch einen der nominellen Helden erfolgt, sondern durch einen an der eigentlichen Handlung unbeteiligten, sondern nur spontan echauffierten Lynchmob erfolgt. Aber sieht man zumindest nicht alle Tage).

Filmisch-handwerklich ist Inferno unter heisser Sonne größtenteils gefällig, aber wenig aufregend inszeniert. Der Streifen nutzt die exotische Kulisse Haitis nicht sonderlich gewinnbringend, abgesehen vom, wie auch Christian Kessler anmerkt, stellenweise doch ziemlich suspekten Einsatz einheimischer, sprich schwarzer, Komparserie. Unterstützt von der politisch ziemlich unkorrekten Synchro beschleicht den modernen Zuschauer doch ein Gefühl des unterschwelligen Rassismus (nicht, dass ich den Filmemachern da wirklich böse Absicht bzw. eine politische Agenda unterstellen möchte; die Jungs haben sich da vermutlich einfach nichts dabei gedacht), wobei sowohl weiße Überlegenheitsklischees als auch das des vermeintlich ewig auf die blonde weiße Frau lauernden schwarzen Mannes bedient werden (letzteres mehrfach und mit nicht wirklich subtiler Symbolik).

Zurück zur handwerklich-technischen Seite. Der Streifen ist kein absoluter Tempo-Reißer, aber auch keine Schlaftablette, einige POV-Einstellungen nehmen spätere Slasher-Optik vorweg, und zwei längere Sequenzen sind wirklich bemerkenswert und memorabel. Da hätten wir zum einen die Traum-/Halluzinationssequenz – die ist in ihrer Bildsprache, wie gerade eben angedeutet, zwar eher bedenklich, aber durchaus intensiv und wirkungsvoll (und mit einem gewissen Gefühl für Ästhetik) gefilmt; aus heutiger Rückschau nicht gerade geschmackssicher (Gründe einen Absatz weiter oben), aber einprägsam. Die zweite beeindruckende Sequenz liefern Set-up und Ausführung des Mordes an Garner, in der die Regisseure wirklich Nutzen aus der unheimlichen Location mit ihrer gewaltigen Maschinerie ziehen und auch endlich effekttechnisch etwas aus sich herausgehen (es ist in der Tat die einzig wirklich blutige Szene des Films, vom Tiersnuff abgesehen), auch wenn der Make-up-Effekt, wobei man selbstverfreilich auch hier den Zeitablauf berücksichtigen muss, nicht voll überzeugen kann, aber es ist zumindest gut sudelig. Die restlichen Morde, so nicht sowieso off-screen, sind dagegen, dem MacGuffin des Films angemessen, recht blutleer (einzig Peacock darf bei seiner Harpunierung noch etwas seines Lebenssafts vergießen).

Ich hab´s angekündigt, ich muss noch ein paar Worte zum Thema Tiersnuff verlieren. Dem stehe ich ja bekanntermaßen sehr feindselig gegenüber, weswegen mir die Faszination, die Kannibalenfilme auf gewisse Teile meiner Leserschaft (und meinen Co-Redakteur, hehe) ausüben, weitgehend verschlossen bleibt. Nun gibt es aber, das gestehe ich ein, Tiersnuff und Tiersnuff, will sagen, es macht einen leichten Unterschied aus, ob speziell für den Film Tiere getötet werden oder, wie es hier erfolgt, reale Tiertötungen mitgefilmt werden. Ich halte es auch im letzteren Fall nicht gerade für besonders erfreuliches Entertainment, aber es bereitet mir etwas weniger heftige Bauchschmerzen. Zudem ist´s nicht übermäßig explizit, was hier gezeigt wird. Was mich in diesem Fall fast mehr stört als der Tiersnuff an sich, ist die Art und Weise, wie er eingebaut wird, nämlich unnötig. Die Schlachthofszene, okay, über die können wir unter Umständen noch reden, weil´s als Set-up für die Entdeckung der Leiche des Prater-Bodyguards gebraucht wird (allerdings hätte man da nicht unbedingt zwei Minuten in repetetiven Rinderschlachtungen schwelgen müssen). Die Bullenopferung und das nachfolgende Voodoo-Ritual stoßen mir da schon übler auf, denn in dieser Sequenz (dito auch in der Voodoo-Hochzeit kurz vor´m Finale) begibt sich der Film auf das (will man es überhaupt so nennen) Niveau eines Mondos, der Riten und Gebräuche „primitiver“ Völker plakativ zur Schau stellt; gerade die erste große Voodoo-Szene, in der sich zahlreiche halbnackte Frauen auf das getötete Rind stürzen und sich wild-orgiastisch zuckend dessen Blut einzuverleiben versuchen, ist schon durchaus dazu angetan, ihre Protagonisten als stupide, tierartige Wilde darzustellen. Es ist dieses Suhlen in vermeintlicher moralisch-ehtischer Überlegenheit „der weißen Rasse“, das mich etliche (nicht alle) Mondo-Filme (mithin ebenjene, die sich auf die „exploitation“ der Sitten und Rituale von Naturvölkern spezialisiert haben, und das sind hauptsächlich Mondo Cane nebst Epigonen) ablehnen lässt (ganz abgesehen davon, dass diese Szenen auch eher unappetitlich sind). Immerhin, Mondo-Fans mögen sich angesichts dieser fast schon dokumentarisch anmutenden Voodoo-Schnipsel auf ihre Suchliste kritzeln…

Spaßig ist die musikalische Untermalung des routinierten Piero Umiliani, der zahlreiche Eurotrash-Agentenklopper der 60er beschallte und in den 70ern verstärkt Western- und Sleazefilme vertonte (u.a. Eva Nera von Joe D´Amato mit der unvermeidlichen Laura Gemser) und hier beschwingte easy-listening-Rhythmen nebst einem wirklich ohrwurmverdächtigen main theme bietet.

In der Hauptrolle des Dr. Wiliams freuen wir uns über Antonio de Teffè alias Anthony Steffen, Spezialist für Spaghettiwestern (u.a. mehrfacher Django-Darsteller), der sich eher selten im Horror- und Giallofach herumtrieb. Sein bekanntester Ausflug ins Horrorfach dürfte The Night Evelyn Came Out of the Grave (hierzulande jüngst von X-Rated als Die Grotte der vergessenen Leichen veröffentlicht, demnächst auch hier zu besprechen) sein. De Teffè arbeitete insgesamt fünfmal mit Mulargia zusammen, so z.B. auch in dessen beiden Frauenknast-Reißern Escape from Hell (Das Foltercamp der Liebeshexen) und Orinoco: Prison of Sex, in einer um Hardcore-Elemente angereicherten Version später als Savage Island wiederveröffentlicht). Zu den großen ausdrucksstarken Schauspielern gehört de Teffè fraglos nicht – er hat einen Gesichtsausdruck (grimmig-verschlossen) drauf, und den zieht er gnadenlos durch; das mag in Italowestern ganz praktisch sein, wenn man Django spielt, der positiven Identifikationsfigur eines Thrillers (um nicht „dem Helden“ zu sagen) ist´s eher abträglich.

Anita Strindberg ist, wie sich das für einen Film dieser Sorte gehört, hübsch anzuschauen und fährt auch zweimal (aber beide Male arg kurz) aus ihren Gewändern. Schauspielerisch ist auch sie keine große Leuchte, zumal ihr das Script nicht wirklich großartiges zubilligt (und ihr Charakter ist, ehrlich gesagt, ziemlich hohl; sie lässt sich von Fred nach allen Regeln der Kunst be- und ausnutzen, obwohl sie bereits in der ersten Szene verrät, dass sie sich von ihm scheiden lassen will. Wieso bleibt die Sumpfkuh überhaupt bei Fred, spätestens nachdem er mit ihrer unfreiwilligen Hilfe Williams vermeintlich die Formel geklaut hat? Frauen…). Strindberg ist eine wahre Giallo-/Horror-Spezialistin, die Genre-Freunde aus A Lizard in a Woman´s Skin (Schizoid), Der Schwanz des Skorpions (auch demnächst mal hier), The Child – Die Stadt wird zum Alptraum (von Aldo Lado) oder der Schwarzen Messe der Dämonen (L´Anticristo) kennen.

Zu Gabriele Tinti muss man sicher den wenigsten hier Mitlesenden, die nicht nur zufällig vorbeigesurft sind, sondern mit der Materie einigermaßen vertraut sind, etwas sagen. Der Ehemann von Laura Gemser und daher in zahllosen D´Amato-Filmen im Doppelpack mit seinem Eheweib anzutreffen, ist so ziemlich DER italienische Exploitation-/Sleaze-„Star“, was eben seinen zahlreichen Auftritten in der Black Emanuelle-Reihe geschuldet sein dürfte. Tinti profitiert von der, wie gesagt, politisch nicht gerade korrekten, dafür aber verhältnismäßig hochklassigen, da mit richtigen Sprechern besetzten deutschen Synchro, die ihn mit Tommi Pipers Stimme sprechen lässt (wer also schon immer hören wollte, wie Alf über „Nigger“ schimpft…).

Umberto Raho (auch in Grotte der vergessenen Leichen zu sehen und zuletzt in einer Mini-Nebenrolle im van-Damme-Vehikel Double Team geortet) als Philipe hat mangels Masse keine große Gelegenheit, Schauspielkunst zu zeigen. Recht amüsant ist Alfio Nicolosi als tuntiger Fettwanst Peacock (Co-Redakteur und Mitgucker Eduardo meinte, Nicolosi aus Addio Onkel Tom zu kennen, aber das konnten wir nicht verifizieren). Stelio Candelli (bekannt aus zahlreichen Spaghettiwestern und natürlich dem badmovies-de-sort-of-Favourite Nuda per Satana) mimt den US-Ganoven Garner recht hölzern. Kathryn Witt (in der kleinen Rolle der Robin) stellte 1987 dem Trash-Publikum mit der Hauptrolle im hier besprochenen Demon of Paradise von Cirio H. Santiago.

Erhältlich ist der Film m.W. Momentan nirgends, so don´t ask me (bestenfalls X-NK. Würde eigentlich ganz gut ins Hartboxenprogramm passen…), bis sich ein Label erbarmt, ist die alte Bavaria/EuroVideo-Cassette (in leichtem Letterbox) wohl die einzige Chance, den Film seiner Sammlung einzuverleiben.

Und würde sich das, eben das Einverleiben, letztlich lohnen? Tjaaaa… Gewissensfrage. Es handelt sich zweifellos um keinen besonders großen Wurf, was Spannung und/oder Sleaze und/oder Horrorgehalt angeht, aber für einen im weitesten Sinn dem Giallo-Genre zuzurechnenden Film ist Inferno unter heisser Sonne allein schon aufgrund seiner Unterschiede zum Rest-Genre nicht uninteressant. Die Verbindung von Eurospy-Elementen mit Mondo-artigen Voodoo-Szenen und Stalk´n´Slash-Sequenzen ist zumindest origineller als das meiste, was die italienischen Schundologen uns in den 70ern (und auch später) vorsetzten. So gesehen ein nicht ununterhaltsamer Genrebastard, der vor allem für wirkliche die-hard-Fans italienischen Horror-/Thrillerkinos verdammt interessant sein sollte – seine zumindest etwas, eh, suspekte (um nicht „latent rassistische“ zu sagen) Weltanschauung muss man allerdings tolerieren können (und andererseits – der Film ist über 30 Jahre alt. Keine Entschuldigung, aber zumindest ansatzweise eine Erklärung). Der Welt könnte aber schlimmeres widerfahren als ein DVD-Release (wenn schon reihenweise Mondos veröffentlicht werden, die IMHO aufgrund ihrer rein dokumentarischen Ansätze politisch „gefährlicher“ sind)

UPDATE: Kaum wartet man ein Jahrzehnt oder so, kommt ein kleiner vergessener Film wie dieser tatsächlich auf DVD raus. Camera Obscura hat sich des Werks angenommen und eine den im Netz veröffentlichten Screenshots nach wirkllich bildhübsche und hochqualitative Veröffentlichung herausgebracht. Dafür Daumen hoch!

(c) 2004 Dr. Acula


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