Igor and the Lunatics – Blutbad der Bestien


  • Deutscher Titel: Igor and the Lunatics - Blutbad der Bestien
  • Original-Titel: Igor and the Lunatics
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  • Regie: Thomas Doran, Brendan Faulkner, Billy Parolini
  • Land: USA
  • Jahr: 1985
  • Darsteller:

    esetzung:

    N.A. Christopher Chandley
    N.A. Buddy Durant
    N.A. Joseph Ecro
    N.A. T.J. Glenn
    N.A. Peter Iasillo jr.
    N.A. T.J. Michaels
    N.A. Joe Niola
    N.A. Mary Anne Schact


Vorwort:

Das heutige Review wird ein Experiment – weniger wegen des besprochenen Films an sich, sondern eher deswegen, weil das eigentliche Filmerlebnis schon schlappe vier Tage her ist und ich mich hauptsächlich frage, ob ich das Gekrakel, das ich in Ermangelung eines besseren Wortes „Notizen“ nenne, noch dechiffrieren kann (da komme ich mir irgendwie vor wie Champollion vor dem Stein von Rosetta… nur, dass Hieroglyphen ein System haben, mein Gekritzel nicht wirklich).

Den Film hatte man, genauer gesagt, der an dieser Stelle schon des öfteren erwähnte jetzt-doch-offiziell-Desty, seit geraumer Zeit angedroht. Desty ist einer der größten Troma-Fans, der mir bislang untergekommen ist – das allein sollte ja schon Anlaß für eine tiefere fundierte psychologische Untersuchung sein, aber wo der gute bzw. schlechte Geschmack halt hinfällt, pflegt kein Gras mehr zu wachsen… Mein Verhältnis zu Troma ist ein sehr ambivalentes – ich gebe zu, ich hab mit einigen Tromas einen ganz erbaulichen Kanten Spaß gehabt (nachzulesen z.B. in den Reviews zu Troma´s Warund dem von Troma lediglich vertriebenen Cannibal: The Musical oder Charles Kaufmans hysterisch komischem Blödelfilm Zurück zur Natur), andere Werke aus der Kaufman/Herz´schen Gülleschmiede sind aber nicht mal mehr im Suff zu ertragen (da denke ich bleistiftsweise an die unerträgliche Hirn- und Geduldsfolter Surf Nazis must die, die selbst auf dem Troma-Olymp ihresgleichen sucht).

Igor and the Lunatics, im Zuge der (bekanntlich aufgrund des One-World-Abgangs eingestellten) Troma-Collection mit einem wirklich edel-schönen neuen Coverartwork (von dem ich leider keinen Scan gefunden habe) in Deutschland ungeschnitten auf DVD veröffentlicht, sollte, so trommelte der Buschfunk, eher in die letztere Richtung tendieren. Na, wie freu ich mich da, vor allem, wenn einem nur ein altes deutsches „Rebell-Video“-Tape vorliegt, welches entgegen landläufiger (z.B. der OFDB-) Ansicht auch mit einigen Zensurschnitten glänzt.

Okay, keine weiteren Ausschweifungen mehr, wird eh schwer genug, aus sechs unleserlichen Notizbuchseiten ein Review zu destillieren (vielleicht schaff ich´s aber deswegen mal etwas kürzer…), los geht´s…

Inhalt:

Bekanntlich sind Troma-Filma allgemein preisgünstig-kostenbewußt produziert und es lässt sich kaum irgendwo billiger filmen als in einem leerstehenden Fabrik-/Lagerhausensemble (das weiß ja auch Albert Pyun). Durch ein solches rennt ein hysterisches Frauenzimmer (hört auf den Namen Sarah, ist aber egal, da keine wesentliche Figur im folgenden Possenspiel) und wird von drei derangiert aussehenden Bikerhippie-Rockergestalten verfolgt. Vorübergehend sucht Sarah Schutz im Laderaum eines Trucks, flüchtet dann weiter durch´s Gelände und wird, so´n Pech aber auch, erwischt. Die Bikerhippierocker sind – aus zu diesem Zeitpunkt eher unerfindlichen Gründen – ziemlich schlecht auf die Biene zu sprechen, reißen ihr die Bluse auf (womit wir dann schon mal den obligatorischen Troma-Nudity-Shot hätten) und binden sie auf Geheiß ihres Anführers, der irgendwie wie eine Mischung aus Weird Al in einem Parodievideo und Winnetou aussieht , bestialischerweise auf eine Industriekreissäge. Zur persönlichen Freude des Mädchens schaltet der Anführer die Säge auch ein. Das könnte schmerzhaft sein. Zumindest in der mir vorliegenden Schnittfassung (keine Ahnung, wie das im DVD-veröffentlichten „Director´s Cut“ aussieht) dürfen wir uns die entsprechenden blutigen Konsequenzen aber in unserer schmutzigen Fantasie selber ausmalen.

Wir schalten um in eine x-beliebige Wohnung, in der ein Typ nachdenklich in den Spiegel starrt und ein wenig mit seiner Knarre posiert. Als Flashback fiedeln wir, ist ja immerhin schon gut dreißig Sekunden her und Aufmerksamkeitsdefizite im Publikum darf man nie unterschätzen, noch mal die gerade abgelaufene Sägeszene ein. Nach Absolvierung des Flashbacks (von der Szene kann Tom, so heißt der Charakter, eigentlich nach interner Logik des Streifens nichts wissen), deckt er seine im Bett vor sich hin ratzende Schnalle liebevoll zu und verlässt das Areal.

Schnalle, von ihren Eltern auf den Namen Maryann getauft, erwacht wenig später und findet einen Brief des soeben Abgedampften, in dem dieser seine Motive (und uns als Zuschauer, der vielleicht auch langsam wissen möchte, worum´s überhaupt geht, andererseits, es ist ein Troma-Film, und Troma weiß, was sein Publikum erwartet, und sinnvolles Plotting ist das bestimmt nicht). Was er tun müsse, müsse er allein tun, sülzt Tom per voice-over-Narration, er müsse die beiden finden, die entkommen seien (Wer? Warum? Wieso?), bevor die sie (also Tom und Maryann) finden und killen könnten, rhabarberschwafel, am besten fängt Tom alt bei Adam und Eva an. Und jetzt alle zusammen, 3, 2, 1, Flashback-Movie…

Also, beamen wir uns zurück in die 60er Jahre, schönste Hippie-Flower-Power-Kommunarden-Zeit. Eine dieser Hippie-Flower-Power-Kommunen wird vom örtlichen Sektenguru und Aushilfsmessias Paul geleitet. Paule wird von seinen Untertanen bescheiden als Meister und Gott verehrt, hat seine Schäfchenherde in eine idyllische Landgegend verfrachtet, wo der Möchtegern-Charles-Manson seine göttlichen Dekrete wie das Verbot der Monogamie verkündet und sich ansonsten halt wie der übliche dikatorische Obermotz aufführt. Drogengebrauch ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Mitglieder dieser ehrenwerten Gesellschaft ist auch Tom, der sich dort, entgegen der strengen Weisung Pauls, libidotechnisch recht exklusiv auf eine gewisse Sharon festgelegt und selbiger auch einen Braten in den Ofen gezaubert hat. Wohl weil er die verknöcherten Strukturen der zivilisierten Gesellschaft nicht ganz abschütteln kann, wünscht sich Tom, zusammen mit Weib und noch ungeborenem Kind die traute Idylle zu verlassen, stößt aber bei der allzeit zugedröhnten Sharon (mei, wo doch das alles die Gesundheit des Babys gefährdet. Lesen die denn nie die Packungsbeilagen auf dem Stoff?) auf wenig Gegenliebe (bzw. Sharon ist so breit, zu und high, dass sie schlicht und ergreifend nicht mitkriegt, was Tom von ihr will). Also bleibt auch Tom und wenig später kommt ein Kindlein auf die Welt.

Pauls autokratischer Führungsstil führt zu Unruhe und Unwillen im Lager seiner Gläubiger, Verzeihung, Gläubigen (der Unterschied: Ich habe Gläubiger, aber keine Gläubigen. Ich wußte, ich mache was falsch), also befiehlt Paul den Rückzug in noch abgelegenere ländliche Gefilde (hindert auch keinen in späteren Einstellungen daran, in nullkommanix in der nächsten Stadt zu sein. Jetzt ist Amerika sooooooooo groß…), wo man sich auf die baldigst eintretende „neue Ära“ vorbereiten solle (singt mit: „This is the dawning of the age of Aquarius, age of Aquarius, aaaaaah, Aquariuuuuuuuus, Aquariuuuuuuus“. Und hiermit beenden wir die Musical-Einlage). Tom versucht Sharon noch mal zu verklickern, dass er sich gerne von hier verzupfen würde, aber die sonnenbadende (und natürlich extrem faaar out schwebende) Sharon wünscht ihm nur gute Reise und ob sie das mit dem „wir treffen uns morgen in der Stadt“ (hä? Ich dachte, er will abhauen und nich nur einfach mal in der Stadt um die Häuser ziehen) wirklich begriffen hat, wage ich trotz des gemurmelten „okay“ mal dezent zu bezweifeln.

Jetzt wird die Sache kompliziert – Sharon ist nicht nur Toms Freundin, sondern wird auch von Obermacker Paul mit Beschlag belegt, der aber nun wieder der Ansicht nachhängt, mit der Geburt des Sohnes, den natürlich auch Paul für seinen eigenen hält, sei ihre Monogamität beendet (aha, er wußte also nichts von Tom? Irgendwie scheint mir sein ganzes „freie Liebe“-Konzept nicht schlüssig durchdacht) und sie stünde nun allen besamungswilligen Kommunarden zur Verfügung – das scheint sich sogar soweit in den drogenzerfurchten Modder, den Sharon als ihr Hirn bezeichnet, durchzufräsen, dass sie sich wohl tatsächlich an Toms Angebot erinnert.

Jedenfalls wartet Tom am nächsten Tag in der nahen Stadt, aber sein Treffen mit Sharon wird von zwei Sekten-Spionen verpetzt. Paul lässt sich in die City kutschieren, haut Sharon eine runter und zerrt sie mit Gewalt in seinen VW-Bus. Tom meldet ein Veto an, worauf Pauls willfährige Sklaven ihn gerne mundtot machen würden, aber der Guru hat heute seinen extrem gönnerhaft-sozialen Tag und verkündet in göttlicher Weisheit, dass Tom ein Ungläubiger sei, man da nix machen könne und ihn halt seiner Wege ziehen lassen solle (für einen psychopathischen Sektenführer ist Paul schon mächtig inkonsequent. Wäre ich Tom, mein erster Weg würde mich zum nächstbesten Polizeirevier führen… ein paar Anklagepunkte fielen mir da sicherlich ein). Tom ist also frei, aber Frau und Kind befinden sich weiter in der Fuchtel von Paul, was unseren Helden aber ersichtlich null bis gar nicht weiter emotional berührt. Aus den Augen, aus dem Sinn…

Immerhin weiß Tom aber, dass andere sekteninterne Oppositionelle nicht mit der gleichen Milde und Barmherzigkeit behandelt wurden wie er selbst, was den Produzenten die erfreuliche Gelegenheit bietet, noch mal die komplette Eröffnungsszene um Sarah, nein, nicht nur in voller Länge noch mal abzuspielen, sondern sie dieses Mal sogar noch zu erweitern und auszubauen. Wenn das mal nicht ganz großes Kino ist…

Toms Voiceover unterrichtet uns darüber, dass zu Pauls Schlägern ein gewisser Igor zählt (wird ja auch langsam Zeit, dass wir zu unserem Titelcharakter kommen), eine blutgeile Bestie von Kerl, so durchgeknallt, dass Paul ihn angekettet hält… Und eben dieser Igor (okay, es dauerte eine Weile, bis ich´s begriffen hatte) ist´s, den wir auf einer grünen Wiese sitzen und nachdenklich auf Ketten stieren sehen (ich kapierte es deswegen nicht gleich, weil Igor etwas von „nein, nicht Sarah“ nölt und sich dann auf die Strümpfe machte. Zuerst dachte ich folglich, es handele sich um Sarahs Freund, der feststellt, dass man Igor auf sie losgelassen hat). Zurück in der ursprünglichen Sarah-trifft-die-Säge-Szene unterbreitet Paul der Fluchtwilligen ein paar allgemeine Drohungen und erinnert an eine gewisse Lisa (langsam brauch ich eine Flip-Chart für die Namen), die er wohl – aus ähnlichen Beweggründen – entleibt hat. Sarah heult rum, dass sie Paule mal geliebt und für den Messias gehalten habe. „Ich bin der Messias“, antwortet Paul trocken im Brustton der Überzeugung. „Du bist der Satan,“ widerwortet Sarah, was Paul nicht lustig findet, womit wir wieder bei der Säge angekommen wären. Igor stürmt noch durch Wiesen und Wälder, beobachtet schließlich, wie Sarah auf die Säge geschnallt wird und ist entsetzt: „Das ist doch keine saubere Arbeit! Ich könnte das viel schöner!“ Wir sehen, Igor ist ein Verfechter von guter solider Handarbeit.

Irgendwann später hat die örtliche Bullerei tatsächlich einen Haftbefehl gegen Paul ausgewürfelt nd der Sheriff bläst mit seinem tumb-debilen Sidekick Conway zum Sturm auf die Kommune. Ein Großaufgebot Gesetzeshüter macht sich ans Werk, stört Paul mitten in der schönsten Predigt und sorgt für allerlei hysterisches Rumgerenne und miserables Geschauspiele. Conway macht sich einen Spaß daraus, flüchtende Sektenmitglieder zu verdreschen, Sarah setzt sich mit ihrem Baby unauffällig ab und erreicht einen Schuppen. Conway verfolgt sie – Sarah will ihn niederschlagen (fat chance, sucker), wird aber überwältigt und abgeschleppt, während das arme kleine Kind hilflos zurückbleibt. Der Sheriff sülzt irgendwelchen Schwachsinn über „Hippie-Kommunisten“, Paul lässt sich widerstandslos festnehmen und gibt Jesus-Sprüche von sich (für die der Nazarener sich aber vermutlich selbst gekreuzigt hätte).

Aber keine Angst, das Baby wird nicht von Wölfen gefunden, großgezogen und gründet später antike Imperien, nein, ein Kerl, den wir bislang nicht kennen, rennt durch die Wälder, findet das Kind und nimmt sich seiner an. Alles sehr dramatisch, ergreifend und garantiert gefühlsecht. Darf ich an dieser Stelle um den Abspann bitten? Nein? Hab ich mir gedacht.

Flash Forward ins Jahr 1983 – also so stückers fuffzehn Jahre, über´n Daumen gepeilt. Toms Voiceover berichtet, dass er justament zur gleichen Zeit zurück nach Dawson City (also die Stätte des damaligen Unheils) kam, als Paul aus dem Knast entlassen wurde. Paul wird von Igor und seinem zweiten Chef-Henchman Felix abgeholt (die, so rein alterungstechnisch, wie auch alle anderen Charaktere, die 15 Jahre mit einer neuartigen Anti-Aging-Formel verbracht haben müssen, an der Avon und Ellen Betrix sicher gesteigertes Interesse anmelden würden). Paul ist im Knast zwar vom langhaarigen Bombenleger zum Anzug-und-Krawatte-tragenden Yuppie-Schnösel mutiert, was Igor und Felix schwer verblüfft (aber Igor stellt klar, dass das „Göttliche“ sich nicht an Äußerlichkeiten festmachen lässt), salbadert aber weiterhin pseudoreligiösen Nonsens.

Und auch die sonstigen Umgangsformen haben sich durch die korrektionäre Behandlung im Staatsgewahrsam nicht wesentlich verbesser, wie eine junge Anhalterin erfahren muss, die das besondere Glück hat, von Paul, Igor und Felix mitgenommen zu werden (das kommt davon, wenn man verdienstvolle Aufklärungsfilme wie Hitch-Hike to Hell nicht mit dem gebotenen Ernst betrachtet). Igor freut sich schon auf die anstehende Verhackstückung und packt sein gut sortiertes, äh, Sortiment an Skalpellen, Messern und sonstigen Schnippselgerätschaften aus – keine Frage, was an dieser Szene eventuell an Gore beinhaltet ist, ist nix für die zartbesaiteten Augen eines Rebell-Video-Begutachters. Was immer Igor mit dem armen Mädchen anstellt, es muss denkwürdig gewesen sein, denn der irre Igor freut sich über sein Werk ein Lich ins Knie: „Ich bin ein Genie!“

Enter Maryann, die wir ja auch noch irgendwie in das, was möglicherweise mal ein Plot werden könnte (obgleich ich das bezweifle) integrieren müssen. Also führt sie ihre Töle Gassi und latscht dabei in die Wälder und direktemang in die traurigen Rest der ehemaligen Kommune (also, „abgelegen“ war die wirklich nicht, wenn man da von der Stadt aus in einem launigen Zehn-Minuten-Spaziergang hineiern kann). Maryann inspiziert mittelmäßig interessiert die Gebäude, wird von Igor erschreckt und rennt hysterisch weg. Wow, das war mal wieder absolut mitreißend und packend inszeniert. Jedenfalls so mitreißend und packend, dass Maryann den Schock erst mal in der Dorfspelunke im Alk ersäufen muss und die unheimliche Begegnung der enervierend-kichernden Art (das ist nämlich Igors prinzipielle Art der Kommunikation) zur „Einbildung“ erklären kann. Vielleicht sollte man nach solchen Schockerlebnissen aber dennoch nicht gleich zum nächstbesten angebotenen Joint greifen, wie´s Maryann hier tut, dann träumt man auch nicht alb von grinsenden wahnsinnigen Leutezerlegern wie Igor, wie´s Maryann des Nächtens dann auch tut (aber ´ne ordentliche Vorstellungskraft hat die Maid. Die hat Igor vielleicht eine Zehntelsekunde lang gesehen, ihn aber in ihrem Traum nicht nur optisch, sondern auch charakterlich perfekt ausgearbeitet).

Was macht unser Held, den wir seit gefühlten drei Stunden nicht mehr gesehen haben? Er läuft an einer Parade Nutten vorbei, die sinnlos an einer Hauswand rumstehen und ehrlich gesagt nicht wirklich den Eindruck machen, als würden sie sich aktiv um Kundschaft bemühen. Tom ist mittlerweile ziemlich häßlich geworden (was wohl daran liegt, dass er, wie einige andere Ensemblemitglieder, zur jetzt ungefähr anstehenden Filmmitte durch einen anderen Darsteller als in der vorhergehenden 60er-Jahre-Sequenz gemimt wird. Künstlerische Absicht unterstelle ich da sicherheitshalber mal nicht), dito seriös, und erkennt mit seinem geprüften Holzauge unter den Bordsteinschwalben die Mama seines Lendensprosses, mithin also Sharon, und erhofft sich in einem spontan durchgeführten Interview sachdienliche Hinweise über das Wohlbefinden seines Filius (da hätte er mal fuffzehn Jahre vorher ´mit anfangen können, sach´ ich ma. Rabenvater). Sharon ist sichtlich nervös ob der intimen Fragen, bricht die Unterhaltung mit einem „schön, dass wir uns mal wieder gesehen haben, ich ruf dich mal an“ ab und sprintet vom Acker.

Was uns Zeit für ein bißchen Charakter-Background in Form eines TV-Einspiels lässt – Tom hat mittlerweile Karriere gemacht, ist wohl Politiker o.ä. und strebt ein höheres Amt an, doch seine politischen Feinde haben tatsächlich seine sektiererisch-kommunardische Vergangenheit ausgegraben und schmieren die jetzt aufs mediale Brot. Ob Toms halsstarrige Verleugnung, jemals Mitglied einer Sekte gewesen zu sein, uns den Knaben nun wirklich sympathischer macht, ist ´ne Frage für sich (als ob in einem Land, in dem Österreichische Chargen Gouverneur und debile Ex-Alkoholiker Präsident werden können, das ein Hindernis darstellen würde, pöööh).

In seinem Hotelzimmer (warum eigentlich Tom in Dawson City rumeiert, bleibt ungeklärt. Es sieht nicht so aus, als würde er dort Wahlkampf betreiben, aktiv nach seinem Sohn suchen oder überhaupt nur einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen) bekommt der Hero Post – eine Audiokassette von Sharon. Noch bevor Tom das Tape in seinen Walkman stopfen kann, verdirbt Paul die Überraschung, prügelt sich durch die offensichtlich aus Pappmaché o.ä. gefertigte Zimmertür und verkündet, dass die Cassette das sonare Zeugnis von Sharons soeben auf sein Geheiß durchgeführter Ermordung abgebe (Einschränkung: ich kann mein Geschreibsel nicht mehr ganz identifizieren und bin nicht sicher, ob´s wirklich Paul ist, der so brutal in Toms Privatsphäre eindringt. Meine nächsten Zeilen scheinen dem nämlich zu widersprechen. Vielleicht war´s auch nur Felix). Tom jedenfalls nimmt sich vor, Paul heimzuleuchten und ernsthafte Auskünfte über den Verbleib seines Sohnes zu verlangen.

Maryann findet dieweil in ihrer Heimstatt einen ungebetenen Gast vor – einen vielleicht zwanzigjährigen jungen Kerl, der ihre Wohnung ungefragt durchstromert, verletzt ist, aber ärztliche Hilfe verweigert, sondern nur einen gewissen „Hawk“ als Wundpfleger akzeptiert. Während wir uns entgegen des rein bildhaften Augenscheinsbeweises uns zusammenreimen, dass dieser zwanzigjährige Typ unzweifelhaft Toms Sohn ist (der maximal fünfzehn sein dürfte), erklärt sich Maryann dusseligerweise bereit, Hawk zu finden. Zum Glück ist Hawk zwar im Wald lebender Einsiedler, aber leicht zu finden (er hockt quasi unter dem ersten Stein, den Maryann metaphorisch umdreht), jedoch auch ein ziemlich schräger Charakter, der die angebotene Mitfahrgelegenheit in die Stadt dankend ablehnt und lieber in die Stadt joggt („jeder spinnt auf seine Weise“, fällt Maryann dazu ein und meint damit vermutlich Regisseure und Autoren dieses Films). Als er dann endlich in Maryanns Bleibe eintrifft (theoretisch könnte der Junge längst verblutet sein o.ä.), beweist sich Hawk nicht gerade als Mann der großen Worte, sondern trägt seinen Schützling einfach durch die Tür und ab in den Wald. Sehr, sehr, sehr seltsam und übrigens – doofer Film, der gefällt mir nicht (sorry, Desty, das musste jetzt sein).

Hawk diskutiert die Angelegenheit mit einem grobschlächtigen Kameraden beim Angeln o.ä. und stellt fest, dass „das Mädchen“ den Jungen „verrückt“ machen würde und er als treusorgender Adoptivvater solche sexuellen Verstrickungen ja schon lange befürchtet habe. Meinetwegen. Tut das irgendwas zur Sache? Und überhaupt, wenn Maryann „das Mädchen“ ist, woher kennt der Junge, der übrigens den ganzen Film über keinen Namen bekommen wird, die Schnepfe, was suchte er ursprünglich in ihrer Wohnung und woher hatte er die Verletzung? Ach, eigentlich ist mir das doch völlig egal. Doofer Film, der gefällt mir nicht.

Maryann hat eine Freundin namens Colette, die sich als Kunstmalerin versucht. Em, liebe Filmproduzenten, Ihr würdet die Illusion ein wenig glaubhafter gestalten, wenn das, was Colette da angeblich hochkünstlerisch auf die Leinwand dengelt, ansatzweise wie das Werk eines erwachsenen Menschen aussehen würde und nicht wie die weggeworfene Erststudie einer Krakelei von dreijährigen Vorkindergartenkiddies. „Vielleicht bin ich nicht zur Künstlerin geboren“, seufzt Colette in einem unerwarteten Anfall von gerechtfertigter Selbstkritik, meint aber nach dem Willen des Drehbuchs (es gab ein Drehbuch? Je länger der Film läuft, desto stärker werden meine diesbezüglichen Zweifel) weniger die grundsätzliche Begabung denn die aktuelle Inspiration, weswegen Maryann ihr empfiehlt, doch zu einem bestimmten Punkt in die Pampa zu gondeln und dort die freie Natur auf Leinwand zu bannen. Ausgesprochen unintelligent für Colette, dass Maryann sie treufürsorglich-freundinmäßig in unmittelbare Nähe des ehemaligen Sektenanwesens (wo, wie wir uns erinnern, sie selbst bereits eine unerfreuliche Begegnung hatte) dirigiert. Das freut Igor, der endlich wieder was zum Spielen hat. Colette wird erstochen und aschließend geköpft. Ein kleiner Junge, der das grausige Spektakel dummerweise mit eigenen Augen gesehen hat, wird vom sichtlich Zeugen nicht goutierenden Igor verfolgt und sollte vermutlich auch nicht mehr zu viel Denkarbeit darauf verwenden, was er sich zu Weihnachten wünscht.

Maryann stolpert aus unerfindlichen Gründen erst im Wald rum und dann in die örtliche Polizeideinststelle, wo sie dem Sheriff kreischend zu verstehen gibt, dass Colette abgeschlachtet wurde. Dienstbeflissenerweise hält der Uniformträger das für einen weniger gelungenen Scherz („die Nummer kenn ich noch vom letzten Halloween“) und scheucht die Hysterikerin wieder vor die Tür (kann man da Dienstaufsichtsbeschwerde einlegen?), wo sie gleich mal Tom vor die Kalesche läuft und von unserem Helden ohne gesteigerte Konsequenzen der schmerzhaften Art angefahren wird. So kann man auch Frauen aufreißen. Ach ja, für den Fall, dass ich´s zwei Absätze lang nicht erwähnt haben sollte: Doofer Film, der gefällt mir nicht.

Maryann sülzt Tom unbürokratisch heulend und completely bonkers die Ohren voll, wonach die ominösen Killer auch noch hinter einem Jungen her wären und Tom, als Politiker begreiflicherwiese schon allein aus beruflichen Gründen des gesunden Menschenverstands verlustig gegangen, kombiniert, dasss ein in dieser Gegend rumlaufender Junge (ungeachtet der Tatsache, dass der, um´s den hier geht, vielleicht acht oder neun Jahre alt ist, das also rein vom Zeitablauf gar nicht hinhauen kann) automatisch SEINER sein müsste (völlig unmöglich, dass in dieser Gegend auch andere Leute gelegentlich mal ficken und Kinder zeugen, gell?) und lässt sich zum Ort des schändlichen Verbrechens führen.

Dieweil eine häßliche Person namens Carol Queckenbach den immer noch recht arbeitsunwilligen Sheriff anruft und eine Vermißtenanzeige bezüglich ihres abgängigen Juniors abgibt, findet ein Tramp die schöne Bescherung in der Pampa, aber nicht nur diese, sondern auch ihren Urheber und zieht nach kurzem Kampf den kürzeren und reicht seinen Abschied ein. Die Cops, die sich nun zu ihrem Leidwesen aufgrund der ordnungsgemäßen Meldung von Madame Queckenbach tatsächlich in Bewegung setzen müssen (shit happens) düsen also ins Gewölle, finden einen improvisierten Altar und, nach kurzem sinnlosen Herumstrolchen in der Gegend auch noch eine blutige Leiche. Die angestrebte sofortige Rückkehr ins sichere Bullenquartier muss verschoben werden, weil ein fieser Schelm zwischenzeitlich unbemerkt ihren fahrbaren Untersatz demoliert hat (wenn man nicht mal mehr Geld hat, eine Schrottkarre zu zerkloppen, sollte man´s gleich ganz bleiben lassen – sprich: nicht mal dafür war Kohle im Budget). Der Polizist von Welt beschlagnahmt das nächstbeste vorbeikommende Passantenfahrzeug und gondelt damit zurück in die Stadt.

Tom und Maryann kehren in letzterer Wohnung zurück und werden dort von Hawk freundlich mit gezückter Armbrust empfangen. Aber eigentlich will Hawk unserem Heldenpärchen gar nix übles, nein, er ist vielmehr mit dem Sohnemann hierher gefüchtet, weil Paul versuchte, sich des Jungmanns zu bemächtigen und im Verlauf der Kampfhandlungen auch noch des Waidmanns Bude abgefackelt hat (klarer Fall – da tut sich mal was interessantes im Film und dann zeigt man´s uns nicht. Hättnwaunsjadenkenkönn). Tom ist sich aus völlig unerfindlichen Gründen, dass Paul sein Hauptquartier an bewährter alter Wirkungsstätte aufgeschlagen hat und schlägt vor, mit Hawk zusammen eine gepflegte Zwei-Mann-Rache-Invasion vorzunehmen. Sohn und Maryann sollen zurückbleiben und bekommen immerhin einen Schießprügel ausgehändigt, für den Fall, das die Bösmänner am Ende hier suchen sollten. Kaum sind die beiden Amateur-Rambos weg, springt schon Igor aus einem Nebenzimmer und geht auf Maryann los, doch sie kann ihn sich mit gezieltem Einsatz einer hässlichen Porzellanvase vom Leib halten, k.o. schlagen und vernünftigerweise sofortige Flucht proponieren.

Indes, in Paules Hideout. Irgendwo off-screen hat sich Tom eine blutende Wunde im Gesicht zugezogen (man muss nicht alles wissen), trifft auf Paul und muss sich von dem apokalyptisch-verschwurbeltes Gewäsch aufschwatzen lassen. Bottom line: Der jüngste Tag steht vor der Tür, und die Sache mit dem Richten der armen Seelen hat sich der gute Paul selbst zugedacht. Seinen vermeitnlichen Sohn hätte er auch gerne, warum, ist ja auch egal. Tom ist von dem hirnverbrannten Schmonzes, den Paul verzapft, offenbar so schwer beeindruckt, dass er sich ohne gesteigerte Schwierigkeiten von Felix (der isses wohl) überwältigen und von Paul gefangennehmen lässt. Wieso Maryann und der „Junge“ auf die Idee kommen, ausgerechnet in Pauls Hideout sicher zu sein, kann ich anhand meiner Notizen nicht nachvollziehen (schätze aber, das liegt weniger an den Notizen als am Film). Trifft sich aber günstig, denn so kann Maryann einen Schuß auf Paul anbringen, was wiederum Tom Gelegenheit bietet, sich zu befreien und mit Weib und Kind in die Wälder zu flüchten. Paul heult wegen der armseligen Schußwunde rum wie ein altes Waschweib auf Ecstasy, befiehlt aber dennoch die Verfolgung.

Die flüchtigen Drei erreichen das Nachbarshaus (ich sag ja, ECHT abgelegen, die Gegend) und begehren hilfe- und telefonsuchenderweise Einlass, müssen aber feststellen, dass Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe weniger weit verbreitet sind als es wünschenswert wäre, werden also recht unflätig abgebürstet und müssen sich damit begnügen, in irgendienem Schuppenverschlag oder Keller oder was-auch-immer Behelfsquartier für die Nacht aufzuschlagen. Offensichtlich gibt jetzt einer der drei Charaktere etwas ziemlich Blödes von sich, jedenfalls hab ich mir einen Dialog notiert, kann´s jedoch nicht mehr lesen und verzichte dankend auf nochmalige Sichtung der entsprechenden Stelle. So dolle wird´s nu auch nicht gewesen sein, was mich wieder einmal zu der Bemerkung veranlaßt: Doofer Film, der gefällt mir nicht.

Wenn man von einer Bande mordlustiger Irrer verfolgt wird, ist bekanntlich erste Bürgerpflicht, sich in kleinere Grüppchen aufzuteilen, ergo beschließt Tom, ein wenig im temporären Unterschlupf solo herumzuschlendern.

Was macht eigentlich Hawk? Nun, der hat scheinbar die Zeit genutzt, um sich mit einem Make-up-Koffer vor den Spiegel zu setzen und Kriegsbemalung aufzulegen. Außerdem lurkt er irgendwo in den Schatten rum und wartet wohl auf bessere Zeiten. Der „Junge“ macht sich auf, die Welt zu erkunden, Maryann dackelt hinterher und wird Igor angegriffen. Es gelingt ihr einmal mehr die Flucht. Während ich mich frage, wo überhaupt dieser ganze Teil der Handlung stattfindet, kommt es zur Begegnung Paul – vermeintlicher Sohn auf dem Dachboden, dieweil Igor erneut Maryann angreift, zwar angeschlagen, aber dadurch in seiner Mordlust nicht weiter eeinträchtigt. Endlich bequemt sich Hawk zum Eingreifen und jagt dem irren Killer einen Armbrustbolzen in die Rübe. Maryann befiehlt er barsch, sich gefälligst ein bissl zusammenzureißen (also ehrlich, ist doch nix passiert!).

Tom, der während dieser Kampfhandlungen so verdächtig abwesend war, dass ich mir schon fast wieder dachte, der könnte doch irgendwie noch gemeinsame Sache mit Paul machen, findet die Leiche seines Sohnes (hä? Ach Kinders. ZEIGT uns die wichtigen Sachen doch bitte. Sonst muss ich gleich wieder „doofer Film, der gefällt mir nicht“ schreiben und dann ist´s auch wieder nicht recht) und bekommt den obligatorischen mittleren melodramatischen Zusammenbruch. Paul konfrontiert dieweil Hawk und hat sich hierfür eine Mistgabel als Offensivbewaffnung ausgesucht. Nachdem er recht beiläufig Maryann mit dem Stiel der Forke k.o. gehauen hat, spießt er Hawk damit auf. Nun ist es an Tom, sich im Zweikampf mit Paule zu messen, hat aber ziemlich schlechte Karten – es trifft sich sehr günstig, dass Maryanne rechtzeitig wieder zu sich kommt, um sich Hawks Armbrust zu bemächtigen und Paul mit einem Bolzen zu spicken. Tom erweist sich als barmherziger Samariter sondershausen und prügelt aus dem eh schon auf dem letzten Loch röchelnden Ex-Guru noch die sprichwörtliche Kacke.

Wie üblich kommen die Cops, wenn alles vorbei ist. Der Sheriff tarnt seine Unfähigkeit mit vorgeschobenem Aktionismus und ärgert sich, dass er den fiesen Paul nicht persönlich ausradieren konnte (das mit dem Ausradieren ist halt schwierig, wenn man seinen Arsch nicht vom Schreibtischsessel hochbekommt), aber vielleicht bietet sich die Gelegenheit noch, denn Paul ist nicht hinüber, sondern nur extremst lebensbedrohlich verletzt und wird in eine Ambulanz geschoben. Tom und Maryann werden vom Sheriff der guten Form halber angeschnauzt als hätten sie sich gerade auf seinen Lieblingsdonut gesetzt, Maryann bekommt einen hysterischen Anfall, und damit wären wir wieder am Anfang, bei ihr im Zimmer, die Notiz von Tom lesend (war das jetzt ein Darmok?). Stellt sich, rein mal von der logischen Seite, die Frage, warum er IHR das so ausschweifend schriftlich dargelegt hat, wo sie doch praktisch die Hälfte der Ereignisse durchaus persönlich miterlebt hat (und wen er denn nun mit den „zwei, die entkommen sind“, meint, die er noch zu plätten beabsichtigt, ist mir auch nicht ganz klar. Felix? Paul, weil der noch nicht ganz hinüber war?).

Aber der Film ist damit noch nicht vorbei (die Handlung eigentlich schon, aber wir brauchen ja noch ein verblödetes Twist-Ende): eine Zeitungsschlagzeile informiert uns, dass ein gefürchteter Massenmörder (najaaaaaa….) entkommen sei (nämlich Paule), und die Einblendung eines verunfallten Krankenwagens, in dem man einige Dutzend Liter Ketchup verteilt hat, um den Eindruck eines Halloween-4–Gedächtnis-Massakers zu erwecken, schließt sich an. Igor (nicht totzukriegen, der Kerl) materialisiert sich in Maryanns Wohnung, beim panischen Herumrennen stolpert sie über eine Leiche (von wem auch immer, Tom, Sohn, mirdochegal), etc. pp. und in der letzten Szene, die zugegeben nicht ganz unwitzig ist, entdecken ein paar in einem japanischen Restaurant über den Fall diskutierende Spießbürger, dass ihr Koch eine mächtig verschlagene Visage und ein verdächtig irres Kichern spazierenträgt…

Doofer Film. Der gefiel mir nicht.

Es fällt mir, zumindest nach Ansicht dieser Schnittfassung, auch schwer, mir vorzustellen, es könnte irgendjemanden geben, der den letzten Satz nicht guten Gewissens unterschreiben würde. Igor and the Lunatics ist, und damit nehme ich mein Fazit mal wieder vorweg, ein öder Stinkstiefel, der sein (zumindest von mir als solches beurteiltes) Ziel, eine durchgeknallte Horror-Persiflage zu sein, mit Pauken und Trompeten verfehlt und das Kunststück fertig bringt, sowohl als Horrorfilm als auch als Komödie in allen Bereichen schmählich zu versagen.

Nun, das ist jetzt nicht so die ganz große Überraschung, alldieweil wir von Troma reden und deren Filme sind selten Perlen des geistreichen Humors (oder des packenden Horrors, wenn wir schon dabei sind), und wenn doch, dann liegt´s zumeist daran, dass Troma mit der eigentlichen Herstellung des jeweiligen Films nichts zu tun hatte, sondern nur als Vertrieb auftrat. Igor ist aber nach allen mir bekannten Quellen tatsächlich eine echte Troma-Produktion, wobei ich mir, ohne Kenntnis tatsächlicher Fakten, ungefähr folgenden Ablauf zusammenreime: Irgendwann Ende der 70er/Anfang der 80er drehten ein paar Nasen eine halbe Stunde dummes Zeug um Hippies, Drogensüchtige und einen brutalen Sägen-Mord, gingen damit Freunde ärgern und bei Produzenten hausieren, bis sie 1983 an Herz und Kaufman gerieten, die ihnen ein paar Tausend Dollar in die Hand drückten, um aus dem vorliegenden Kurzfilm einen Abendfüller zu stricken. Da aber nicht mehr alle ursprünglich beteiligten Darsteller zur Verfügung standen (was ich ihnen nicht verdenken kann), entschieden sich die Macher dagegen, die ursprüngliche Story auszubauen, sondern strickten die „neue“ Handlung in der relativen Gegenwart darum und hofften, das niemand lange genug zuschauen würde, um zu merken, was da eigentlich versucht wurde. (Wie gesagt, das alles ist blanke, auf keinerlei Informationen begründete Spekulation). Das Endresultat ist, wie könnte es anders sein, ein unverdaulicher Schwurbel ohne eine nachvollziehbare Handlung, ohne Witz, ohne vernünftige Akteure und (wieder mit Einschränkung auf die mir vorliegende Rebell-Fassung) ohne erwähnenswerte Effekte.

Ich denke, es verbietet sich bei einem solchen Exemplar von Film ernsthaft in Analyse und Kritik eines Drehbuchs einzusteigen. Schade ist allerdings, dass der Streifen durchaus eine potente Idee hat – eine satirisch-komödiantische, meinetwegen gern auch horribel angelegte Verarbeitung klassischer 60er-Hippie-Helter-Skelter-Manson-Family-Sektenguru-Klischees hätte, in fähigen Händen, durchaus was für sich, aber dazu müssten die Filmemacher sich halt mit der Materie ernstlich (nicht unbedingt ernsthaft, gelle) beschäftigen und nicht nur einfach filmen, was ihnen gerade einfiel (und danach sieht der Film nun mal in jeder Sekunde aus) – hinter Igor and the Lunatics steht keinerlei, nicht mal ein schlechtes oder verarschungswilliges Konzept. Als Folge bleibt die Handlung des Films (sofern man das, was sich abspielt, als Handlung bezeichnen will) uninteressant und undurchschaubar, weil Charaktere (so sie denn überhaupt durchgängig von den selben Akteuren verkörpert werden), aus dem Nichts kommen und auf gleiche Weise wieder verschwinden, es dem Streifen überhaupt an tragfähigen Hauptfiguren mangelt (jede nominelle Hauptfigur nimmt sich beträchtliche Auszeiten im Verlauf der Story, insofern schon wieder konsequent, dass Igor, eigentlich eine bessere Nebenfigur, zum Titel“helden“ stilisiert wurde. Vermutlich erkannten selbst die Filmemacher im Verlauf des Drehs, dass Igor ihr größes Pfund ist, mit dem sie wuchern könnten, und bauten diesen Part spontan etwas aus, siehe den Schlußgag). Und das, was man an Charakteren hat, ist langweilig, uninspiriert und nicht mal lustig. Vor allem Schurke Paul ist eine ziemliche Pappnase – was der eigentlich will, warum er so mordgierig ist und wie es ihm überhaupt gelungen ist, eine ihm ergebene Sekte um sich zu scharen, das wären durchaus klärungsbedürftige Fragen, für die sich der Streifen, als Troma-Film wenig verwunderlich, allerdings nicht die Bohne interessiert.

Nun gut, über all die Schwachmatigkeiten, die uns in Ermangelung eines besseren Scripts serviert werden, könnte man ja noch mit einigermaßen gutem Gewissen hinwegsehen, wenn´s denn wenigstens in Tradition der besseren Troma-Filme wie Toxic Avenger, Class of Nuke´em High (sicher kein Weitwurf, aber unterhaltsam) oder Troma´s War wenigstens witzig wäre. Igor and the Lunatics ist aber nicht witzig, sondern einfach nur öde und dröge – ich bin mir bis jetzt noch nicht wirklich sicher, ob der Streifen überhaupt lustig gemeint war (die Betitelung spricht eigentlich wieder dafür, denn für einen ernsthaften Horrorfilm taugt der Titel ja nicht wirklich). Das Potential für ein lustige Gags ist von Haus aus gering, und das, was der Streifen freiwillig oder nicht (das ist mir letzten Endes ja auch egal) an humoresken Eskapaden aufzuweisen hat, ist wirklich eher traurig. Außer dem nicht gänzlich unwitzigen Schlußgag (den ich für Euch als public service gespoilert habe, damit Ihr Euch die vorhergehenden 80 Minuten ersparen könnt) und ein-zwei halbwegs lustigen Szenen mit dem arbeitsunlustigen Sheriff und seinem prügelfreudigen Assistenten Conway gibt´s kaum was, was die Lachmuskeln in Bewegung setzt.

Als Ausgleich dafür ist der Film auch nicht wirklich erschreckend, wobei ersichtlich nicht im Vordergrund der Inszenierung stand, den Streifen auch nur ansatzweise spannend oder horribel im Sinne von gruselig zu gestalten, sondern es den Machern ganz offensichtlich auf ein paar in-your-face-Gore-Effekte ankam (die dann konsequent in der von mir begutachteten Fassung fehlen). Angesichts der galoppierenden Inkompetenz in allen anderen filmischen Disziplinen fehlt mir ein wenig der Glaube, dass diese FX einigermaßen erträglich ausgefallen sind, da lasse ich mich (eher ungern, weil ich den Film ja dann noch mal ansehen müsste) aber eines besseren belehren. Memorabel könnte die (auch ungefähr drei- oder viermal angespielte) Sägenszene sein, wenn sie von jemandem inszeniert worden wäre, der ungefähr weiß, was er tut. So, wie sie hier zelebriert wird, hinterlässt sie beim geneigten Zuschauer (zumindest dem, der schon mehr als zwei Horrorfilme gesehen hat) eher einen Eindruck a la „Ja? Und? War´s das?“. Womit wir dann nahtlos bei den handwerklich-technischen Aspekten des Streifens angekommen wären (ja, Ihr merkt sicher, ich fasse mich heute tatsächlich vergleichsweise kurz).

Abgesehen von seiner Langatmigkeit, die den Film erheblich länger als die knapp 80 Minuten Spielzeit wirken lässt, hat Igor and the Lunatics auch in filmisch-technischer Hinsicht nichts zu bieten. Extrem einfallslose Billigoptik, ohne Witz, ohne Esprit, ohne einen Funken Kreativität einfach so abgefilmt, wirklich nichts, was aus filmischer Sicht im Gedächtnis hängen bleibt. Dass die Regisseure (drei an der Zahl, wenn man der IMDB glauben darf) eine Szene nicht spannend und/oder witzig und/oder gehaltvoll inszenieren könnten, wenn ihr Leben davon abhängen würde, versteht sich angesichts der drei Worte „A Troma Presentation“ ja schon fast wieder von selbst.

Zur Qualität der Spezialeffekte kann ich nichts aussagen, da die mir vorliegende Videofassung ja keinen einzigen beinhaltet (okay, das war jetzt leicht übertrieben – die Kopf-ab-Szene ist nicht der Rede wert, dito ein-zwei wenig aufregende Blutszenen). ´Ne Splattergranate sieht jedenfalls anders aus.

Schauspielerische Leistungen sind nicht zu beobachten. Keiner der Akteure vollbringt sowas ähnliches wie eine echte Performance, man stellt fest, dass amerikanische Amateurchargen in etwa das gleiche Null-Niveau aufweisen wie einheimische Amateurchargen (und letztlich ist Igor and the Lunatics nichts weiteres als ein Amateurfilm, der durch Zufall eine Troma-Produktion wurde, dessen bin ich sicher, ähnlich wie Redneck Zombies, der aber zumindest dank seiner extremen Gore-Effekte für einschlägige Fans interessant ist, ansonsten aber auch ein absoluter Griff ins Klo ist und mir nicht mal ein Review wert ist). Alle Darsteller laufen mehr oder weniger unmotiviert durch den Film – ich hab mir nicht die Mühe gemacht, aufwendiger zu recherchieren, wer nun genau wen gespielt hat und was aus den „Schauspielern“ im weiteren „Karriereverlauf“ geworden ist – ich möchte einfach mal pauschal bestreiten, dass aus auch nur einem der hier vertretenen Mimen ein Profi-Schauspieler geworden ist. Und wenn doch, dann buche ich schon mal mein Ticket für die Oscar-Verleihung 2006, weil ich dann die Trophäe für die beste männliche Hauptrolle entgegennehmen werde (der passende Film wird mir schon noch einfallen). Der einzige Darsteller, der sichtlich Freude an seiner Rolle hatte und bei dem sich auch etwas davon auf den Zuschauer überträgt, ist derjenige, der mit echtem Spaß an der Sache den durchgeknallten Igor portraitiert. Da wünscht man sich, der Film würde seinem Titel alle Ehre machen und sich wirklich zentral um Igor drehen, dann wäre das Treiben vielleicht wenigstens ein bisschen lustig.

In der Troma-Collectors-Edition ist Igor and the Lunatics in Deutschland ungeschnitten auf DVD erschienen, hat ein, wie schon erwähnt, wirklich schönes schlichtes Cover (würde ich Cover sammeln, wäre das Ding ein heißer Kandidat für einen baldigen Erwerb – es handelt sich NICHT um das oben abgebildete reichlich einfallslose US-Cover), da könnte man glatt glauben, im Amaray steckt ein echter Film… zu Bild- und Tonqualität der DVD kann ich mangels Sichtung nichts aussagen, aber eins dürfte feststellen – die Qualität des Films an sich dürfte sich auch durch ein paar plakative Gore-Effekte (wenn´s die denn überhaupt gibt) nicht steigern. Igor and the Lunatics ist ein einfalls- und hirnloses Machwerk unterster Güte, das wirklich keine Sau auf Gottes Erdboden interessieren würde, täte nicht „Troma“ draufstehen. Kleines Positivum am Rande: Igor and the Lunatics ist nicht ganz so enervierend intellektbeleidigend wie der nun wirklich unerträgliche Schwachfug Surf Nazis Must Die, aber nur knapp. Der Film empfiehlt sich wirklich nur für die (bedauernswerten) Individuen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Troma komplett zu sammeln. Jeder, der von seinem Filmvergnügen auch nur den geringsten Fitzel Unterhaltungswert erwartet, sollte, selbst als beinharter Trashfan, einen großen Bogen um Igor und seine Wahnsinnsbande machen. Bäh. Doofer Film, der gefiel mir nicht…

(c) 2004 Dr. Acula

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BOMBEN-Skala: 8

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