I Sell the Dead


  • Deutscher Titel: I Sell the Dead
  • Original-Titel: I Sell the Dead
  •  
  • Regie: Glenn McQuaid
  • Land: USA
  • Jahr: 2008
  • Darsteller:

    Dominic Monaghan (Arthur Blake), Ron Perlman (Father Duffy), Larry Fessenden (Willie Grimes), Angus Scrimm (Dr. Vernon Quint), John Speredakos (Cornelius Murphy), Eileen Colgan (Maisey O’Connell), Brenda Cooney (Fanny Bryers), Daniel Manche (Young Arthur Blake)


Vorwort:

Wegen seiner Beteiligung an zahlreichen Grabräubereien – und überdies auch wegen Mordes – soll Arthur Blake seinem Freund und Kollegen Willie Grimes auf die Guillotine folgen. Kurz vor der Hinrichtung bekommt Arthur Besuch vom Priester Father Duffy, der stark daran interessiert ist, seinen Werdegang in der Welt der ghoulischen Aktivitäten für die Nachwelt aufzuzeichnen. Arthur macht aus seinem Herzen keine Mördergrube und packt aus… als kleiner Junge schon geht er bei Willie in die Lehre, um zum Lebensunterhalt seiner Familie beizutragen. Anfänglich wenig begeistert, erkennt Willie rasch den Nutzen einer Partnerschaft und zeigt Arthur alle Tricks und Kniffe, die ein Grabräuber nun mal kennen muss. Die Zeiten sind allerdings gar nicht so gut – Willie und Arthur werden vom Mad Scientist Dr. Quint erpresst, ihm ständig Leichen zu liefern, oder er verpfeift sie an die in solchen Dingen eher humorlose Polizei. Das führt dazu, dass unsere Grabräuber sich auch an Leichen halten müssen, die nicht im heiligen Geviert eines Friedhofs verbuddelt werden. An einer Wegkreuzung graben sie, auf einen Tipp hin, eine Frauenleiche aus – die hat allerdings ein Halsband als Knoblauchzehen um und einen Pflock in der Brust. Zu ihrem Leidwesen finden Willie und Arthur schnell heraus, dass es sich um einen leibhaftigen Vampir handelt. Mit Müh und Not gelingt es ihnen, die Untote zu überwältigen und neu zu pflöcken, aber das bringt sie auf eine Idee, wie sie sich Quint vom Halse schaffen können… Durch diesen Einsatz erringen unsere Freunde den Ruf als Experten für eher okkult orientierte Leichenwünsche, was sie in Konflikt mit dem „House of Murphy“, einer skrupellosen Organisation rivalisierender Leichendiebe bringt. Nach einer ausgesprochen unheimlichen Begegnung mit Cornelius Murphy beschließen Arthur und Willie, den Murphys zukünftig aus dem Weg zu gehen, aber wie so oft beginnt der richtige Ärger mit einem Weibsstück. Ihre neue Gehülfin Fanny, in die Arthur verschossen ist, überredet ihn (und in der Folge auch den arg grummelnden Willie), den Murphys bei einem Spezialauftrag zuvorzukommen – von einer kleinen Insel vor der Küste wären zwei Kisten zu bergen. Der Inhalt: leibhaftige Zombies…

Inhalt:

Larry Fessenden ist für FFF-Stammbesucher kein unbeschriebenes Blatt. Der Regisseur von „Wendigo“ wurde zuletzt vor zwei Jahren (denke ich) mit dem eisig-apokalyptischen Arktis-Chiller The Last Winter vorstellig. Bei „I Sell the Dead“ belässt es Fessenden bei einer Produzenten- und Hauptdarsteller-Rolle und überlässt den Regiestuhl seinem Spezialeffektmann Glenn McQuaid, der für sein Langfilmregiedebüt, auch das ein Trend des diesjährigen FFF, seinen Kurzfilm „The Resurrection Apprentice“ zu einer abendfüllenden Angelegenheit aufblies.

Die Geschichte basiert äußerst vage auf dem Fall der Leichendiebe (und Mörder) Burke und Hare, die im Schottland der 1820er ihr Unwesen trieben, Robert Louis Stevenson zu seiner Kurzgeschichte „The Body Snatchers“ inspirierten, die wiederum von Robert Wise 1945 mit Karloff und Lugosi in ihrem letzten nennenswerten Pairing verfilmt wurde – darüber hinaus gibt’s ein gutes halbes Dutzend anderer Filme (u.a. „The Flesh and the Fiend“, „Burke & Hare“ und ein anstehendes neues John-Landis-Projekt), die auf dem Kriminalfall, der auch unter dem Namen „West Port-Morde“ in die Geschichte einging, fußen. Mehr als das frühviktorianische Unterklassen-Setting und der Umstand, dass ein Grabräuberduo im Mittelpunkt steht, bleibt von der realen Geschichte freilich nicht übrig, McQuaid fabuliert hier munter drauf los und versucht sich an einer schwarzen Komödie mit einigen paranormalen Verwicklungen und Verstrickungen.

„I Sell the Dead“ muss ohne große dramaturgische Struktur auskommen – es ist, for better or worse, ein Episodenfilm, der notdürftig durch das framing device – Arthur erzählt Father Duffy von seinen Taten – zusammengehalten wird. Diese kleinen Geschichten sind mal mehr, mal weniger unterhaltsam und/oder lustig – speziell die Vignetten aus Arthurs Lehrjahren sind vergleichsweise dröge, in dieser Phase wartet man doch eher darauf, dass wir in die „Gegenwart“ umschalten und wir den zu Beginn der spritzigen Dialogen zwischen Duffy und Arthur beiwohnen dürfen. Etwa zur Halbzeit dreht sich das Verhältnis um – nun wird die Rahmenhandlung uninspirierter, weil McQuaid offensichtlich die guten Lines für Duffy ausgehen, dafür dreht die eigentliche „Handlung“ stärker auf, namentlich durch den Schwenk in übernatürliche Gefilde, wenn unsere Grabräuber sich plötzlich mit Untoten-Gezücht (und anderen, ähm, nicht-weltlichen Kadavern) auseinandersetzen müssen. Zu guter Letzt nimmt das Script noch einen unerwarteten Schlenker in Richtung des guten alten italienischen Zombie-Films, was ihm (bis auf einen elefantös starken Gag) nicht wirklich gut tut – das Problem bei diesem Herumlavieren zwischen allen möglichen Genre-Einflüssen ist zwangsläufig, dass „I Sell the Dead“ keinen eigenen Ton findet (und es lässt sich halt auch nicht jedes Horror-Motiv ohne weiteres in ein frühviktorianisches Setting implantieren, auch wenn die Idee möglicherweise mal auf Papier ganz nett ausgesehen hat).

„I Sell the Dead“ hat seine überaus lustigen Momente (der Kampf mit der Vampirin, die erste Begegnung mit Cornelius Murphy und die Umstände, die dazu führen, der Flashback, der den Charakter Cornelius‘ erklärt, und einige der Duffy/Arthur-Dialoge), aber auch Leerlauf, „so-what“-Passagen und ein nicht sonderlich großartiges Ende. Es ist, als ob sich McQuaid nie ganz einig wäre, ob er nun eine „einfache“ schwarze Komödie, eine Parodie auf das „Ghoul“-Subgenre, oder dann doch lieber eine all-around-spooky-supernatural-stuff-Komödie machen möchte – ein stärkerer Fokus auf einen zentralen Ton hätte sicherlich geholfen, so springt der Film, durch das Sketch-artige Format vergleichsweise holprig quer durch alle Genres, die irgendwie in Verbindung mit der Grabräuber-Story gebracht werden können, und wirkt uneinheitlich.

Man kann McQuaid nicht vorwerfen, dass er einen langweiligen Film gemacht hat – der Streifen spielt sich, was allerdingse eben auch durch die Entscheidung, anstatt eines flüssigen konventionellen Narratives die episodische Struktur zu wählen, recht flott, aber er legt auch nie den, na, sagen wir mal, dritten Gang ein. Die Vignetten sind kurz genug, um – auch wenn sie nicht besonders gelungen sind – nicht nerven zu können, dafür würde man sich ab und zu wünschen, eine Episode wäre etwas länger, würde ein Ereignis etwas ausführlicher zeigen, ein echter Spannungsbogen will sich nicht einstellen. Irgendwann ist Arthurs Erzählung beendet, und dann muss schnell ein Finale rangetackert werden, dann kommt der Abspann (und die „Überraschungen“, die der Film uns als Doppel-Twist im Showdown präsentiert, sind dann auch nicht so arg überraschend). Für das vermutlich nicht sonderlich hohe Budget ist das Design hübsch, schön heruntergekommener 19.-Jahrhundert-Look, aber McQuaid bemüht sich auch nach Möglichkeit, von der „Welt“, in der der Streifen spielt, nicht zu viel zeigen zu müssen (der Großteil des Film spielt dann doch in freier Natur, auf Friedhöfen oder Waldpfaden). Der Einfall, die Episoden durch graphic-novel-artige gezeichnete Panele ausklingen zu lassen, ist nett, aber auch nicht überwältigend gewinnbringend. Die Kameraarbeit von Richard Lopez („Wasteland“) ist okay – nicht bemerkenswert, aber routiniert genug, der Score von Jeff Grace („The Last Winter“) durchaus den Stimmungen des Films angemessen, aber nicht memorabel.

Wieder einmal im diesjährigen FFF-Programm sitzt der Splatterfreak nicht in der ersten Reihe – wenn „I Sell the Dead“ in seinem letzten Segment ein paar blutige Effekte auspackt, rechnen wir als Zuschauer schon gar nicht mehr damit, es wirkt dann aufgesetzt und nicht mehr „notwendig“, so, als wollte man unbedingt für einen knackigen Trailer noch ein paar FX auf Teufel komm raus einbauen, obwohl der Film sie gewiss nicht braucht, auch nicht, wenn Zombies, die aussehen, als wären sie direkt vom letzten Fulci-Set rübergewandert, auftauchen.

Ein Pluspunkt ist der gut aufgelegte Cast – „Lost“-TV-Star Dominic Monaghan hat den richtigen spitzbübischen Charme für die Rolle, serviert seine Lines mit einem Schuss Naivität und dem gewissen Augenzwinkern, und speziell natürlich seine Dialogszenen mit dem glänzend aufgelegten, aber in der zweiten Filmhälfte völlig verschwendeten Ron Perlman („The Last Winter“, „Hellboy“, „Outlander“) regeln in der ersten Hälfte alles weg – allerdings verschießt Schreiberlich McQuaid sein diesbezügliches Pulver halt sehr früh. Larry Fessenden selbst gibt einen passablen Willie Grimes ab – Monaghan spielt ihn natürlich an die Wand, aber er ist gut genug, um den Eindruck, sein Auftritt wäre nur ein vanity-Projekt eines Egomanen, nicht aufkommen zu lassen. „Tall Man“ Angus Scrimm aus der „Das Böse“-Reihe fügt seinem Resümée eine nicht sonderlich denkwürdige Altersrolle als böser Mad Scientist hinzu, John Speredakos („House of the Devil“, „Wendigo“) ist als Cornelius Murphy akzeptabel diabolisch, könnte aber etwas mehr aus sich herausgehen. Brenda Cooney („House of the Devil“, „Satan Hates You“) ist hübsch genug anzuschauen, ihre Rolle ist allerdings auch nicht übermäßig gehaltvoll.

Fazit: Ich habe bei „I Sell the Dead“ letztlich arg zwiespältige Gefühle. Ich habe einerseits das Gefühl, dass der Streifen sein – vor allen Dingen komisches – Potential nicht annähernd ausschöpft, aber so richtig verreißen mag ich ihn auch nicht. Er hat einige wirklich gute Szenen und kaum wirklich *schlechte*, aber eben viele Passagen, die über belangloses larifari nicht hinauskommen, aber von den motivierten Darstellern einigermaßen gerettet werden. Schieben wir es darauf, dass Glenn McQuaid ein Debütant ist und vielleicht zu viel wollte, anstatt sich auf die Stärken seines Szenarios und seines Casts zu verlassen. „I Sell the Dead“ tut nicht offensiv weh, aber letztlich tut er auch nicht genug dafür, um sich eine auch nur eine vorsichtige Empfehlung zu verdienen. Belassen wir es dabei – eine DVD-Ausleihe wird man sicherlich nicht offen bereuen, aber man kann auch gut ohne sie leben. Ein dickes Minus geht allerdings an die wirklich schauderhafte Projektionsqualität im Kino – ich hoffe, das war nur ein technisches Problem des Vorführers und nicht eine repräsentative Darbietung des Master-Materials.

2/5
(c) 2009 Dr. Acula


mm
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