Hunting Season


  • Deutscher Titel: Hunting Season
  • Original-Titel: Fair Game
  • Alternative Titel: Open Season 2
  • Regie: Mario Andreacchio
  • Land: Australien
  • Jahr: 1985
  • Darsteller:

    Jessica (Cassandra Delaney)
    Sony (Peter Ford)
    Ringo (David Sandford)
    Sparks (Garry Who)
    Frank (Don Barker)
    Moire (Carmel Young)
    Victor (Adrian Shirley)
    Derek (Wayne Anthony)


Vorwort:

Australien ist zweifellos berühmter für Känguruhs, Koalabären und den supercoolen Sport Australian Football (mein Traumjob war immer Torrichter bei dieser Sportart, man kriegt ´nen tollen Hut, hat einen coolen Move zu zeigen und schiebt sonst ´nen schönen Lenz). Die australische Filmindustrie bringt dagegen zwar alle heilige Zeiten mal ein Talent wie George Miller oder Phillip Noyce zum Vorschein, aber da die talentierten Regisseure meist quick nach Hollywood wechseln, hat sich so ´ne richtige australische Filmkultur… naja, die scheint´s doch nicht wirklich zu geben. Das liegt natürlich auch darin begründet, dass australische Filme nur selten über ein greifbares Budget verfügen (das hatten ja nicht mal Mad Max und Road Warrior) und so ist speziell Genre-Ware made in Australia meist ultrabillig und oft ultra-sucky. Es gibt nun aber bewährte Rezepte, die man auch mit wenig Geld unter Umständen vernünftig hinkriegen kann, und das gute alte Thema „Menschenjagd“ bietet sich gerade, wenn man eine Naturkulisse wie das Outback gratis vor der Haustüre hat, geradezu an. Was uns endlich zu Fair Game führt, einen Streifen, der ganz sicher seine Anleihen bei Deliverance oder auch The Most Dangerous Game nimmt. Keine allzu schlechte Ahnenreihe…

Inhalt:

Ein schicker Schachzug gleich vorneweg… zu den Credits präsentiert man uns die bad guys bzw. ihr Vehikel, einen gemein aussehenden Pick-up-Truck, der dank seiner roten Schweinwerfer und wahrhaft diabolischer Soundeffekte zu einem Monster stilisiert wird, hübsch. Der Wagen gehört Sony, Sparks und Ringo, ihres Zeichens Känguruh-Jäger, und dieser Profession gehen sie auch nach.

Hat zur Folge, dass wenig später Jessica, unsere Heldin, ein angeschossenes Kanguruh-Baby im Busch finden und mit nach Hause auf ihre Farm, ein „wildlife sanctuary“, sprich ein Naturschutzgebiet, in dem Jagen und Fallenstellen verboten ist, zwecks Aufpäppelung nehmen kann. Ein Einkaufstrip führt Jessica in die nächste kleine Stadt, und auf dem Weg dorthin wird sie von unseren Jägerfreunden heftigst belästigt. Sparks, der den Truck mit den Känguruh-Kadavern fährt, blockiert Jessica, und Sony und Ringo fahren ihrer Schrottschleuder (anders kann man das Gefährt, dass Jessica in Ermangelung eines anderen Ausdrucks vermutlich „Autö nennt, nicht bezeichnen) hinten drauf. Anstatt einfach mal rechts ran zu fahren und die Blödmänner Blödmänner sein zu lassen, lässt sich Jessica auf das Spielchen ein (sonst hätten wir auch keinen Film, gelle) und muss erleben, dass Ringo, offensichtlich Hobby-Stuntman, vom Pick-up ihr Auto entert und dann über diese Zwischenstation zum Truck überwechselt. Der Truck wirbelt einen Stein hoch, der Jessicas Windschutzscheibe zerschmettert und sie ins Gewölle abdriften lässt, wo sie GERADE NOCH So vor einem kleinen Abgrund zum Stehen kommt.

Jessica rapportiert den Zwischenfall beim Sheriff (oder wie immer das im australischen Outback auch heissen mag), der aber hält die Aktion eher für einen ziemlich gelungenen Spass und ohne Beweise wird er seinen dicken Hintern eh nicht in Bewegung setzen. Jessica erläutert, dass sie die Jungs auch für Wilderer hält, aber das interessiert den lokalen Gesetzeshüter nur sehr unwesentlich mehr.

Die Welt ist bekanntlich ein Dorf, und da zivilisationsmässige Ansiedlungen im Outback nicht auf Bäumen wachsen, landen auch unsere Böslinge in der Kleinstadt (es erstaunt mich nur, dass sich die die Parteien nicht kennen – man sollte meinen, bei einer eher überschaubaren Bevölkerung würde jeder jeden kennen) und ihr Chef, Sony, murmelt, als er Jessica im lokalen Lebensmittelladen trifft, sogar so was ähnliches wie eine nicht ernst gemeinte Entschuldigung, die auch auf das Argument „die Jungs wollten ein bisschen Spass haben“ hinausläuft. Recht lebensgefährliche Spässchen treiben die Herren. Nichtsdestotrotz kauft er Jessica eins ihrer selbstgemalten Bilder ab, auch wenn sich der Preis dadurch erhöht, dass Jessica die Reparaturrechnung ihrer Karre auf den reinen Bildpreis aufschlägt. Nebenher kann er unauffällig mithören, dass Jessica derzeit allein auf ihrer Farm ist, da ihr Loverboy/Ehemann/Keine-Ahnung Harry irgendwo anders rumgurkt. Die „Jungs“ sind weiter zum Scherzen aufgelegt. Ringo „lauert“ ihr mit seiner Polaroidkamera unter ihrem Auto auf und knipst ein nettes Upskirt-Foto, was Jessica nicht lustig findet und ihm eine Tüte Mehl über den Kopf schüttet. So macht man sich natürlich Freunde fürs Leben, denn vom Motto „der Klügere gibt nach“ hat Jessica auch noch nie was gehört.

Also fährt sie angesäuert nach Hause und haut sich erst mal nackig aufs Ohr. Das Kläffen ihres Köters lockt sie (notdürftig in ein Tuch gewickelt) nach draussen und an den kleinen Tümpel der Farm, ohne dass sie etwas bedeutsames feststellt. Dass der Wauwau eine aufgerauchte Camel-Packung findet, entgeht ihr natürlich. Nicht allerdings das liebevoll auf der Innenseite der Kühlschranktür drapierte Polaroid-Nacktfoto ihrer kleinen Nacktschlafeinlage. Schreck! Jessi schnappt sich ein Küchenmesser und überrascht einen heimtückisch in einem Zimmer lauernden Papagei. Diese unheimliche Begegnung veranlasst sie zur umgehenden Flucht per Auto zu den Nachbarn, die allerdings – outback-Verhältnisse – ein ganzes Stückchen weg wohnen. Und dort ist auch niemand zu Hause, ausser Sony und seinen Leuten, die angeblich Bekannte der Nachbarn sind. Bösartig, wie die Bösmänner nun mal sind, demütigen sie Jessica, indem sie das vorhin gekaufte Gemälde erschiessen. Grossmütig offerieren die Jungs auch Jessi einen Schuss und gezielt tötet sie – zu dessen bitter disgust – Ringos Polaroidkamera (ein Geschenk von Mami, so ´ne Frechheit). You see, Jessica lässt auch keine Gelegenheit aus, um sich die nachhaltige Aufmerksamkeit der Dreierbande zu sichern. Und interessanterweise fährt sie jetzt auch nicht zum nächstbesten Bullen, um eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch etc. zu stellen, sondern nach Hause, spürt aber unterwegs ein ungefähr ein Meter tiefes Schlagloch auf und zerschlägt sich damit den Unterboden ihrer Karre, womit sie den Rest des Weges per pedes zurückzulegen hat – ich frage mich allerdings, warum sie in die ENTGEGENGESETZTE Richtung zu laufen beginnt???

Unsere Jägersmänner folgen ihr und ballern fröhlich in der Gegend herum, Jessica flüchtet sich in einen Canyon und versteckt sich unter einem Felsvorsprung. Zwecks Suspenserzeugung natürlich in unmittelbarer Nähe der Stelle, wo Sony und seine leicht debilen (können sie anders sein?) Getreuen ein kurzes Päuschen zur Rekapitulation der Sach- und Rechtslage einlegen. And most certainly teilt Jessica ihr Versteck mit einer Schlange. Jessica kann die Schlange mit einem Ast k.o. schlagen und den Jungs wird´s irgendwann zu langweilig und treten unter Zelebrierung lustiger Gesellschaftsspiele wie Zielschiessen auf in die Luft geworfene Felsbrocken den vorläufigen Rückzug an. Irgendwo unterwegs ist Jessica ihres Wuffs verlustig gegangen.

Hund oder nicht Hund, Jessica heads home und begibt sich unter die Dusche, stellt danach aber verblüfft fest, dass es ihr Auto irgendwie auch zurückgeschafft hat – und es hat einen Passagier, nämlich ein gehäutetes Känguruh (lecker). Funktionieren tut die Karre aber nicht, nur übel riechen vermutlich. Das Telefon der Farm ist klarerweise tot und so versucht Jessi, sich erst mal über die Nacht zu retten. Das Wiehern ihres Kleppers, der auf den unwahrscheinlichen Pferde-Namen „Frankie“ hört, lotst sie allerdings erneut nach draussen, and a good thing, too, denn Sony und seine Kerle haben sich als neues Spiel „Quäl das Hottehü“ ausgedacht. Jessica stürzt sich zwischen Gaul und von Ringo geschwungenem Schweissbrenner, kann das schlimmste verhindern, und nach ein wenig weiterer Provokation durch die Fiesmannsfraktion mittels eines Baseballschlägers rettet sich Jessie durch einen beherzten Sprung in ihren Tümpel und kann sich dann in ihre traute Hütte zurückziehen, während die Baddies in Sichtweite ihr Nachtlager aufschlagen und zum fröhlichen Pennen schreiten. Jessie nutzt die Gelegenheit, um sich mit einer Axt zu bewaffnen, sich zwischen die schlafenden Kerle zu schleichen, ihnen Gewehre und Schweissbrenner zu entwenden und sich als praktische Metallbildhauerin zu betätigen. Am nächsten Morgen finden Sony und Kumpels ihre Gewehre in Einzelteilen und mit Stacheldraht umwickelt als abstrakte Skulptur wieder. Der Schurke von Welt lässt sich durch derlei Aktionen kaum imprägnieren und packt seine Reserve-Knarren aus dem Kofferraum – und darunter findet sich auch eine handliche Schrotflinte, sprich, die herzige Belagerung kann weitergehen. Jessica erweist sich weiterhin als nicht wirklich überintelligent – sie hastet zwar durch die diversen Stallungen, in denen ihr Getier haust und füttert selbiges, inklusive ihrem Zossen, aber auf die Idee, sich einfach auf ihren Klepper zu schwingen und in unbeobachtetem Moment in die Prärie zu reiten, kommt sie nicht. Na gut, täte sie auf die Idee kommen, würden wir auf die spektakulärste Sequenz des Streifens verzichten müssen. Die drei Belagerer entern nämlich das Farmareal und stellen ihr Opfer schlussendlich. Jessica wird von den Knaben überwältigt, geknebelt und dann an die Kühlerhaube ihres Pick-ups gefesselt! Nach einer gewissen Anpassung ihrer Klamotten (bis dahin ein schicker schwarzer Einteiler) – wenn man schon ´ne schicke Kühlerfigur auf dem Monster Truck haben will, dann sollte selbige schon grösstenteils nackt sein, gelle – unternehmen Sony und seine Freunde mit ihr eine lustige Spritztour durchs Gewölle (immerhin verzichten sie auf gewagtere Stunts wie das Durchbrechen von Zäunen…) und schmeissen die reichlich mitgenommene Jessie nach Abschluss des Ausflugs halb bewusstlos vor ihre Veranda (Ehre, wem Ehre gebührt: Mrs. Delaney scheint diese Aktion ohne Stuntdouble absolviert zu haben – oder zumindest mit einem überzeugend ähnlichen…).

Für die Jägerfraktion wäre das Thema damit eigentlich abgeschlossen, aber, wie die Frauen nun mal sind, nicht für Jessica (anstelle froh zu sein, die Kerle erst mal los zu sein und bei nächster Gelegenheit bei der Polizei petzen zu gehen… aber man kennt dat ja…) Zu Fuss folgt sie den Jägern und spürt bald den von Sparks gefahrenen Lastwagen auf. Sie versucht, den Truck zu entführen, wird aber von Sparks ertappt, entzieht sich ihm vorübergehend durch gezielten Tritt in die Weichteile und Anzünden seines Beins mit dem Schweissgerät, aber der Junge ist anhänglich, schwingt sich neben Jessica in die Führerkabine und kann über CB die Kumpels um Hilfe ersuchen. Ein kleineres Handgemenge am Steuer entbrennt, Jessica springt ab und Sparks stürzt mitsamt Truck einen gut und gerne drei Meter hohen „Abhang“ hinunter. Während Jessica nach Hause rennt und sich dort verbarrikadiert, befreien Sony und Ringo ihren Kumpel aus der misslichen Lage und schwören die obligatorische Rache (haste echt prima gemacht, Jessica!)

Die Rache stellt sich in der Form dar, dass die Waidmänner nicht nur die Stallungen und Scheunenverschläge der Farm plätten, sondern auch das Wohnhaus auf seine Drive-in-Tauglichkeit prüfen. Jessica befreit sich aus der Wreckage ihres ehemaligen Heims und wird von Sony & Co. ein wenig durchs Areal gejagt. Ringo erschiesst das plötzlich klingelnde Telefon, geht aber in einer scharfen Kurve kurz mal fliegen. Nun endgültig angesäuert plädieren Ringo und Sparks dafür, das nervende Frauenzimmer bei nächster Gelegenheit schlicht und ergreifend über den Jordan zu schicken. Selbiges hat sich in die Büsche geflüchtet und findet dort den Gaul Frankie, der sich irgendwann offscreen selbst gesattelt haben muss. Jessica schwingt sich auf die Mähre und galoppiert von hinnen, verfolgt von Ringo, der ein mitgeführtes Enduro-Bike ausfährt. Nach einem elendiglich antelegrafierten „spektakulären“ Stunt (Ringo überspringt mit dem Bike den kleinen Canyon, in dem sich Jessica aufhält) führt die Jagd mal zu einem ECHTEN Abgrund, in den Ringo gleich mal sein Bike pfeffert und sich mit Müh, Not und Fingernägeln an der Kante festkrallen kann. Jessica greift zu einem weiteren Ablenkungsmanöver, lässt ihr Pferd stehen und scheint scheinbar in einer Höhle zu verschwinden. Die Verfolger sind blöde genug, in voller Belegschaft hinterherzukrauchen und werden daher böse überrascht, als Jessica, natürlich mitnichten in, sondern vielmehr über der Höhle, einen Steinschlag auslöst und ihre Peiniger in der fledermausverseuchten Grotte einschliesst. Allerdings nicht wirklich permanent, denn die Steine liegen locker genug, um einfach abgetragen werden zu können, und eine Schiessscharte für Ringo, den Kunstschützen (mit dem Namen kein Wunder) ist auch offen und durch die schiesst er der abreitenden Jessica sprichwörtlich den Gaul unterm Hintern tot (wirklich ein bemerkenswerter Schuss, mindestens 200 m Entfernung auf ein sich bewegendes Ziel… Respekt-Schild hochklapp). Dummerweise, für Ringo, war´s die letzte Kugel und Jessica kann, nunmehr extrem angepisst und persönlich-menschlich ob des Verlusts ihres trauten Hottehüs getroffen, zu ihrer Farm zurückkehren und ihre Seelenverwandschaft zu MacGyver ausleben. Yep, der Film will uns allen Ernstes erzählen, dass die bislang nicht übertrieben durch technisches Verständnis aufgefallene Jessica in einer Nacht ein ganzes Sammelsurium an ausgefuchsten Fallensystemen nicht nur ausheckt, sondern auch installiert.

Als Sony am nächsten Morgen mit seinen Kumpanen zur endgültigen Annihilierung der Kontrahentin schreiten wird, wittert er zwar Ungemach, aber natürlich keine raffiniert ausgeknobelten Fallensysteme, die durch Fallstricke und ähnliche Schweinereien ausgelöst werden – so löst eine der Fallenkonstruktionen sogar ein planvolles Umstürzen der Windmühle aus, allerdings verfehlt die herabstürzende Anlage das Gefährt der Fieslinge knapp. Auch Jessicas zweites Trumpf-As, ein auf automatische Steuerung umgebauter Traktor mit Panzerung und rotierender Kreissägeblatt-Bewaffnung (!!! Da würde selbst Mr. T blass!), sticht nicht, wohl aber Falle Nummer 3, die sich den armen Ringo schnappt. Letzterer steht nämlich gerne auf einer Schützen-Plattform auf der Ladefläche des Pick-ups, was Jessie gnadenlos ausnutzt – ein quer über den Vorplatz des Wohnhauses gespannter Draht in richtiger Höhe fegt Ringo erst mal vom Wagen und da der Dummkopf auch nicht loslässt, wird er von Jessie unter Strom gesetzt! Ringo verträgt Hochspannung nicht wirklich gut (zumal er vom Strom – like me beispielsweise – angezogen wird) und verröchelt elektrokutierter Weise. Den Abgang seines Freundes nimmt Sparks nun aber wirklich persönlich – er scheucht Jessica in eine Scheune und versucht ihr dort mit einer Mistgabel den Garaus zu machen. Leider ist sein Enthusiasmus grösser als seine Präzision und seine Körperbeherrschung und so pfählt er sich schlussendlich selbst mit dem spitzen Ende eines Amboss (I admit – das hab ich auch noch nicht gesehen). Bleibt noch Sony, der aus der vermeintlich sicheren Deckung des Wagens jagt. Jessica schleudert ihm zwar irgendein Werkzeug bola-mässig an die Birne, was ihn aber weniger ernsthaft stört als vielmehr heftigst ärgert. Nun macht Wut bekanntlich blind, und ganz besonders scheint das für absolut offensichtliche Fallgruben zu gelten. In eine solche dirigiert Sony nämlich sein Gefährt, er findet sich eingeklemmt inmitten etwas vebogenen Metalls wieder und sitzt dort natürlich auf dem Präsentierteller für Jessicas finales Abschlussmanöver, einen gut geworfenen Molotov-Cocktail. Während Sony nach der zu erwartenden Explosion vor sich hin fackelt, darf natürlich auch das übliche Schock-Ende nicht fehlen, denn trotz der Tatsache, dass Sparks vorhin eine recht fatal aussehende Verletzung erlitten hat, kann er noch mal auf Jessica zukrauchen und sie erschrecken. Unsere killfeste Heroine will gerade mit einem handlich herumliegendem Brett dem letzten Gegner endgültig die Lebenslichter auspusten, aber das plötzliche und unmotivierte Wiederauftauchen ihres vor ungefähr einer Screenstunde verlorengegangenen Köters lässt sie sich eines besseren Besinnen und so kann Sparks ungestört vor sich hin verbluten, indes Frau und Hund ihr herziges Wiedersehen feiern. Ende.

Die Zusammenfassung ist für meine Verhältnisse schon fast bedenklich kurz ausgefallen, aber Fair Game ist nun einmal prämissenbedingt eher short on story, dafür reich an Action. Für diese Art von Film ist das kein Nachteil (wenngleich natürlich Interpretationsmöglichkeiten, wie sie z.B. Deliverance aufweist, verschlossen bleiben). Aber das wenige an Story, was übrigbleibt, und das ist mehr oder weniger eigentlich nur die Motivation der Charaktere, wird dennoch zum grössten Problem des Films. Was nämlich die meisten Filme des Sub-Genres „Menschenjagd“ überhaupt nur funktionieren lässt, ist die schiere Unausweichlichkeit – sprich die mangelnde Möglichkeit des „Opfers“, sich dem Ansinnen der oder des Jägers zu entziehen (schlag nach bei The Most Dangerous Game oder Surviving the Game). Das (mehrfach im obigen Text angesprochene) Problem von Fair Game ist, dass Jessica mehr als nur einmal die Möglichkeit hätte, sich den Nachstellungen der Jäger zu entziehen bzw. sich einfach auf den Standpunkt „der Klügere gibt nach“ zurückzuziehen – die Eskalation der Ereignisse hat sie sich grösstenteils durch ständige eigene Provokationen selbst zuzuschreiben. Darunter leidet ein wenig die Glaubwürdigkeit ihres Charakters – auch wenn kein Zweifel daran bleibt, wer nun „böse“ ist und gerechterweise für seine Verfehlungen mit dem Leben zu bezahlen hat, bleibt der schale Nachgeschmack, dass es für Jessica keineswegs eine zwangsläufige Entwicklung sein hätte müssen, ihre Peiniger schlussendlich zu töten.

Nun gut, ich mache mir vermutlich schon wieder viel zu viel Gedanken über einen Film, der bestimmt nicht mit ethisch-moralischen Bedenken oder Botschaften im Hinterkopf gedreht wurde, sondern einfach ein recht rasanter B-Actionfilm sein sollte. Wenn man also den gerade erwähnten Aspekt ausblendet, kann Fair Game durchaus überzeugen.

Grossartige spektakuläre Stuntszenen oder blutige Effekte braucht man nicht zu erwarten, auch wenn hin und wieder mal Anklänge an Mad Max durchschimmern, aber das Gebotene ist zumindest ordentlich, routiniert und professionell präsentiert. Singuläres Highlight des Films ist verständlicherweise – besonders aus der Sicht des Exploitationfans – die memorable Kühlerhauben-Sequenz, wenngleich man selbst diese Szene mit etwas gutem Willen noch aufregender hätte gestalten können, aber das, was im Endeffekt über die Mattscheibe flimmert, ist schon aller Ehren wert.

Der Showdown selbst ist ungefähr so realistisch wie ein Godzilla-Film – meine eh schon vielstrapazierte suspension of disbelief verlangte laut zeternd ob der sophisticated boobytrap-Konstruktionen Jessicas eine Auszeit, da gingen Autoren und Produzenten dann doch ein wenig die Pferde durch, aber immerhin ist es recht witzig und aktionsreich anzusehen. Inszenatorisch gibt sich Regisseur Andreacchio kaum eine Blösse, zwar sucht man nach irgendwelchen Aussergewöhnlichkeiten und pfiffigen Ideen vergebens, aber handwerklich ist das sauber durchgezogen. Peter-Jackson-Fans mögen sich auf ihren Notizzettel schreiben, dass Kameramann Andrew Lesnie hier streng genommen nicht andeutet, zu welch grandiosen Leistungen der jetzige Lord of the Rings-Director of Photography fähig ist.

Cassandra Delaney zeigt sich nicht nur als relativ brauchbare Action-Heroine, sondern gibt sich dafür, dass sie als seinerzeitiges Eheweib des mittlerweile verstorbenen Country-Barden John Denver ja eigentlich zu den rich and famous people gehört, erstaunlich freizügig. Obwohl auch nicht wirklich mit einer bedeutsamen schauspielerischen Vita ausgestattet, zieht sich Delaney auch relativ glaubhaft aus der Affäre und versucht eine nuancierte Performance abzuliefern.

Nuanciert ist sicher nicht das Wort, mit dem man Garry Who (das ist zumindest mal ein cooler Name) und David Sandford beschreiben würde, bzw. das, was sie hier schauspielerisch abliefern. Gegen ein gewisses Overacting bin ich ja durchaus resistent, aber wenn die Gestalten selbst in einem Looney-Tunes-Cartoon als unangenehm übertrieben auffallen würden, plagen mich dann doch leichte Bedenken. Solche Darbietungen sind dann doch eher in Mad Max und Co. aufgehoben, wo David Sandford übrigens gemeinsam mit Peter Ford auch mit von der Partie war. Peter Ford ist dann wieder das genaue Gegenstück zu seinen Kollegen, dafür, dass er der Chef der Schurkenfraktion ist, ist er erstaunlich uncharismatisch und farblos, und das betrifft sowohl seinen Charakter als auch die Portraitierung desselben durch den Schauspieler selbst. Da die Jungs auch keinerlei nachvollziehbare Motivation für ihr schändliches Treiben haben, mag es aber auch grössere darstellerischen Leuchten schwerfallen, brauchbares abzuliefern (prinzipiell ist es nicht verkehrt, die Schurken „unmotiviert“ handeln zu lassen, siehe den schon angesprochenen Deliverance, aber dann braucht es einfach ein ambitionierteres Script, um Suspense zu erzeugen).

Fair Game, in Deutschland von Virgin Video als Hunting Season veröffentlicht, ist kurz gesagt (und dieses Review ist für meine Verhältnisse ja schon spektakulär kurz) ein relativ schmerzloser Zwischendurchkucker. Der Film unterhält durch sein flottes Tempo und seine ein-zwei besonders reisserischen Elemente auf recht angenehm anspruchslose Art und ist der lebende Beweis, das selbst Australier B-Filme machen können, die nicht von Haus aus „sucken“. Seinen Enkeln muss man aber nicht unbedingt von dem Erlebnis erzählen.

Sammlerpreise würde ich für das Tape, ausser man ist absoluter Genrekomplettist, nicht zahlen, aber wenn einem die Cassette für wenig Geld irgendwo über den Weg läuft, kann man als Freund solcher Ware zuschlagen. It´s a decent viewing, nicht mehr, nicht weniger, also in knappstmöglicher Zusammenfassung: solider Durchschnitt.

(c) 2002 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 4

BIER-Skala: 6


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