Heilstätten


  • Deutscher Titel: Heilstätten
  • Original-Titel: Heilstätten
  •  
  • Regie: Michael David Pate
  • Land: Deutschland
  • Jahr: 2018
  • Darsteller:

    Nilam Farooq (Betty), Farina Flebbe (Vanessa), Sonja Gerhardt (Marnie), Maxine Kazis (Irina), Lisa-Marie Koroll (Emma), Emilio Sakraya (Charly), Tim Oliver Schultz (Theo), Davis Schulz (Chris), Timmi Trinks (Finn)


Vorwort:

Heilstätten ist ein altes, verlassenes Sanatorium in der Nähe von Berlin, in dem es spuken soll. Eines Nachts beschließen ein paar Vollidioten mit ADHS, äh.... ich meine YouTube-Stars, dort einzubrechen, in der Hoffnung, dass ihr Video von einer Nächtigung in dem Geisterhaus viral geht. Zu spät stellen sie fest, dass sie in dem Gemäuer nicht allein sind....

Inhalt:

Ich gratuliere. Die deutschen Horrorfilmemacher (sei es Daniele Grieco mit Filmen wie „UFO“, „Die Präsenz“, oder jetzt eben Michael David Pate) haben nach dem Wald- und Wiesenslashern anscheinend ein neues Steckenpferd gefunden: Den Found Footage Film mit all seinen Spielarten und Variationen. Denn etwas anderes ist „Heilstätten“ im Grunde seines Herzens nicht, auch wenn es hier nicht um hoffnungsfrohe Dokumentarfilmer, sondern um YouTuber-Karikaturen geht. Denn abgesehen von der Prämisse werden hier beat by beat alle Klischees bedient, wie wir sie seit „Blair Witch Project“ zur Genüge kennen. Menschen filmen noch Dinge, bei denen jedes vernunftbegabte Wesen die Kamera schon längst abgeschaltet hätte? Check! Alles schreit sich in Notsituationen gegenseitig an, statt an einem Strang zu ziehen? Check! (Und wenn ihr glaubt, Heather Donahue wäre nervig, dann solltet ihr diese Kackbratzen mal hören) Das geht dann so weit, dass es am Beginn des dritten Akts zu einer schlecht gefilmten Entschuldigungsarie kommt, nur hier lustigerweise von jemandem, der bei der Planung der Aktion so gar nicht involviert war, die Szene ist also nicht nur nervig, sondern absolut sinnlos.
(Ab hier wird es spoilerlastig) Die Leistungen der Schauspieler sind – dafür, dass das Material, das ihnen hier gegeben wird, einfach unterirdisch ist – ganz passabel. Zumindest spielen sie die nervigen YouTuber so gut, dass ich sie nach fünf Minuten alle tot sehen wollte. Sowas könnte ja ein wenig Spaß machen, wenn wenigstens die Morde interessant gemacht sind, oder der Killer irgend etwas Besonderes an sich hat. Leider herrscht hier absolute Fehlanzeige. Der Mörder ist ein Idiot, der sich bei seiner Motivation laufend selbst widerspricht (andere als „Fame-Bitches“ zu bezeichnen, während man selbst für Klicks mal eben vier Leute umbringt ist schon ein wenig widersprüchlich) und das in der letzten Szene hingeworfene übersinnliche Element macht schlicht gar keinen Sinn im Kontext der Geschichte. Warum braucht dieser Geist/Dämon/whatever die Hilfe von diesem Vollidioten und unterstützt ihn bei seinem Versuch, via Mord und Totschlag zum YouTube-Star zu werden? Wieso lässt man das letzte Opfer einfach so zu Fuß entkommen? Warum gibt es bis zu eben jener Schlussszene keinen einzigen Hinweis darauf, dass hier nun doch eine übernatürliche Präsenz im Spiel ist? Fragen über Fragen, Antworten gibt es keine. Die Montage , in der gezeigt wird, wie die beiden Partner in Crime das alles gemacht haben, hilft übrigens auch nicht weiter. Der Versuch der Erklärung ist ja aller Ehren wert, aber er hilft nicht viel, wenn man noch weiß, dass die zwei bei einer Handvoll Szenen eigentlich an drei Orten gleichzeitig hätten sein müssen. Ein ärgerliches Problem, das „Heilstätten“ sich mit einigen Genrefilmen teilt. Hier schießt sich der Film ausgerechnet dadurch ins Bein, dass er nicht nur aus dem Material im Geisterhaus besteht, denn so erwartet man sich dann Erklärungen, die Pate, der gemeinsam mit Ecki Ziedrich auch das Drehbuch schrieb, einfach nicht liefert. Es wäre besser gewesen, die ganze Chose in eine Art Rahmenhandlung einzubinden, wie zum Beispiel ein Suchtrupp, der die Vermissten aufspüren will und dabei in Heilstätten auf das Videomaterial stößt, oder etwas Ähnliches. Dadurch könnte man zumindest Erklärungs- oder Interpretationsansätze liefern. So bleibt dieser Film aber leider ein reichlich unbefriedigendes und überflüssiges Erlebnis.
Einen kleinen Pluspunkt möchte ich noch anmerken: Die Location wurde hervorragend ausgewählt und wurde von Pascal Schmit – abgesehen vom in diesen Filmen üblichen Gewackel mit der Handkamera – gekonnt in Szene gesetzt. Das tröstet einen aber maximal fünf Minuten lang über den schwachen Inhalt hinweg.

Abschließend sei folgendes gesagt: Der Found Footage Film ist schon seit Jahren tot. Dass man diesem Subgenre nun mehr als 20 Jahre später immer noch nichts Neues hinzufügen kann, ist wohl sowas wie die offiziell ausgestellte Todesurkunde.

(c) 2019 G


BOMBEN-Skala: 7

BIER-Skala: 1


mm
avatar
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: