Haytabo


  • Deutscher Titel: Haytabo
  • Original-Titel: Haytabo
  • Alternative Titel: Falscher Verdacht
  • Regie: Ulli Lommel
  • Land: BR Deutschland
  • Jahr: 1971
  • Darsteller:

    Eddie Constantine (Professor), Katrin Schaake (Frau des Professors), Rainer Langhans (Wissenschaftler), Hannes Fuchs (Außerirdischer), Rainer Werner Fassbinder (Bote), Uschi Obermaier (Frau des Wissenschaftlers), Ingrid Caven (Frau), Herbert J. Bamberger (Lehrer), Barbara Constantine, Tanja Constantine


Vorwort:

(Achtung, Bit-unüblich spoilere ich den Film dieses Mal schon in der Inhaltsangabe voll durch)

Ein Biologie-Professor, der schon nachgewiesen hat, dass Pflanzen Gefühle haben, forscht in Richtung Unsterblichkeit. Eines Tages werden ihm die Aufzeichnungen eines gewissen Professor Sütterlin, eines Forschers aus dem 19. Jahrhundert, zugespielt, der in Sachen Unsterblichkeits-Droge auf einem guten Weg war, nur leider brechen die Notizen ab, bevor Resultate auf den Tisch kommen. Der Professor – der mit fortschreitendem Alter immer größere Angst vor dem Tod hat – entscheidet sich, in Sütterlins bayerischer Heimat mit seinem jungen Eheweib weitere Nachforschungen anzustellen. Seine intensiven Bemühungen (er fragt einen Eingeborenen und begibt sich auf den Friedhof) führen nicht zum Erfolg, weswegen er resigniert aufgeben will. Hilfe kommt von unerwarteter Seite in Person des Außerirdischen (!) HF-13, dessen Vorgesetzte ihm befohlen haben, Kontakt zwischen unserem Prof und Sütterlin herzustellen. Zeitreisen sind für den E.T. ein Klacks; flugs beamt man sich ins 19. Jahrhundert, trifft ein paar sehr merkwürdige Gesellen und schließlich auch Sütterlin. Kaum hat der Professor dem sein Notizbuch in die Hand gedrückt (das der verblüfft studiert), verschwinden die Zeitreisenden wieder in die Gegenwart. Über den erneuten Fehlschlag lässt sich der Professor in einem Nachtclub in eine Schlägerei verwickeln und krankenhausreif prügeln, dieweil in der Vergangenheit Sütterlin ob des Besuchs aus der Zukunft verwirrt völlig neue Überlegungen anstellt. HF-13 stellt weisungsgemäß einen weiteren Kontakt her und jetzt verrät Sütterlin, dass er *gerade wegen* des Professors Zeitreise seine Experimente eingestellt habe und gelernt habe, dass wahre Unsterblichkeit das Bewusstsein der eigenen Existenz, des Seins an sich, und des bewussten Genießen des Augenblicks sei. Dies läutert auch den Professor und nimmt ihm die Angst.

Inhalt:

Irgendwie hab ich’s momentan mit dem Lommels Ulli. Gerade erst habe ich Dungeon Girl zum schlechtesten Film des Universums erklärt und trotzdem kucke ich mir *schon wieder* freiwillig einen Lommel an? Ja (aber wenigstens habe ich den nicht gekauft, sondern nur ausgeliehen), denn als ich neulich die Neuerscheinungsliste meiner Online-Videothek durchblätterte, die Inhaltsangabe durchlas und von Unsterblichkeitspillen, Außerirdischen und Zeitreisen lernte, war ich selbstverständlich verraten und verkauft. Zudem handelt es sich bei „Haytabo“ (dessen mysteriöser Titel uns von nichts und niemandem erklärt wird; nicht, dass der alternative und on-screen genannte Titel „Falscher Verdacht“ in irgendeiner Form aussagekräftiger wäre; ich kenne höchstens noch „Haithabu“ von den Wikingers her…) um Lommels Regiedebüt, entstanden in der Zeit, in der er noch ständiges Mitglied der Fassbinder-Entourage war. Nach Lommels Erinnerungen kostete „Haytabo“ gerade mal 20.000 DM und wurde unter eher abenteuerlichen Bedingungen realisiert – das Geld reichte nur für den Ankauf von etwa 150 Minuten Filmmaterial, was bedeutete, dass Lommel mehr oder weniger 1:1 drehen musste und sich keine zweiten Takes erlauben durfte, auch zwang es ihn zu langen Einstellungen, um möglichst viel aus den beschränkten Ressourcen herausholen zu können. Ein Drehbuch existierte nicht – nur die Grundidee um den Professor, das unvollständige Buch und die Zeitreise, die erst dafür sorgt, dass das Buch nie fertiggeschrieben wird, stand vorher fest und war der Hook, mit dem Lommel Constantine, der mit Fassbinder gerade „Warnung vor einer heiligen Nutte“ gedreht hatte, köderte; Constantine litt selbst unter Depressionen aufgrund Angst vor dem Tod und konnte sich mit der Hauptfigur identifizieren -, vielmehr wurde gefilmt, was den Beteiligten an jedem Morgen so einfiel, an Locations, die man als geeignet empfand (und sich irgendwie leisten konnte – ein paar Stunden Drehzeit in einer Bauernwirtschaft ergatterte Lommel durch das Versprechen, die ganze Crew würde dort auch essen).

Dass unter diesen Umständen nicht wirklich ein *sinnvoller* Film entstehen konnte, dürfte jedem klar sein (abgesehen vielleicht von Lommel selbst, der den Film offensichtlich noch sehr gerne mag. Aber sein erstes Baby liebt man wohl eh immer am innigsten) – und in der Tat offenbart „Haytabo“ praktisch alle Unarten, alle Schwächen, die man als Vorurteil auspackt, wenn das Gespräch auf „deutscher Autorenfilm der frühen 70er“ kommt. Die dünne Story wird mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln auf eben so abendfüllende Laufzeit gestreckt (ich habe nicht von ungefähr die komplette Handlung des Films in zwölf Zeilen erschöpfend zusammenfassen können), mit Ausnahme von Eddie Constantine befleißigt sich niemand einer meßbaren schauspielerischen Leistung, die Kameraeinstellungen sind statisch und gefühlt endlos (da dauert ein Zoom auf ein Fenster schon mal knapp zwei Minuten), die Dialoge (aber, heißa, es gibt welche… nach dem erschütternden „Dungeon Girl“-Erlebnis und der Erkenntnis, dass Lommel sich dort vielleicht auf seine Vergangenheit als Kunst- und Autorenfilmer rückbesinnen wollte, war ich auf das Schlimmste vorbereitet) sind von einer schmerzhaften Sinnlosigkeit und tragen in 90 % der Fälle nichts zur Handlung bei, sind irgendwelche künstlerisch klingenden Worthülsen (speziell, als Fassbinder in seiner Gastrolle völlig zusammenhanglos dahernuschelt: „Ich fühle die Einsamkeit wie Christus am Kreuz. Sie wird bluten“. WTF?) Und dennoch – ich brachte es nicht über mich, den Film, wie er es nach objektiver Einschätzung sicherlich mit Fug und Recht verdient hätte, zu hassen und ihn, wie „Dungeon Girl“ und Daniel der Zauberer zukünftig bei jeder passenden und nicht passenden Gelegenheit gegen seinen Regisseur zu verwenden (und sei’s als Schlagwerkzeug). Kann ich das nachvollziehbar begründen? Ich fürchte nicht, aber ich werde es zumindest versuchen.

Bei aller handwerklicher Unbeholfenheit (die von den jungen deutschen Filmern aus der 68er-Bewegung aber keinesfalls als Hindernis, sondern als Vorteil verstanden wurde – wie Lommel ausführt, war man damals stolz darauf, vier Minuten lange Einstellungen zu machen und nicht wie die doofen Amis alles durch Schnitte zu zerhäckseln) und allen nur durch massiven Drogenge- und -mißbrauch erklärbaren „Ideen“ ist hier spürbar, dass Lommel und seine Crew hier wirklich etwas *aussagen* wollten, eine Message hatten, ein künstlerisches Anliegen zum Ausdruck bringen wollten (dass sich diese Botschaft auf ein Woodstock-mäßiges „jeder soll das tun, was er mag, und das mit Freude und ohne Angst vor dem Morgen“ zusammenkürzen lässt, lässt sich nicht bestreiten, aber es *ist* eine Botschaft); man merkt, dass die meisten Beteiligten möglicherweise nicht gerade mit Talent in Tüten gesegnet waren, aber in ihrem bescheidenen Rahmen mit Enthusiasmus zur Sache gingen (Abstriche zu machen sind bei Frau Obermaier, die nicht wirklich so aussieht, als wüsste sie, wo sie gerade ist und was sie hier tut). Es wird auch deutlich, woher diese Botschaft kommt (und das mangels großartigem narrativen Dialog auch und vor allem durch die Bilder) – wenn Rainer Langhans (aus der Kommune 1) als Sütterlin nach Constantines Besuch durch sein Labor streift, fasziniert einfache Gegenstände betrachtet und äußert, dass er es „zum ersten Mal sehe“), muss man nicht – wie Langhans seinerzeit – Anhänger der transzendentalen Meditationsbewegung (der zeitweise auch die Beatles und die Beach Boys folgten) sein, um Einflüsse aus dem Zen-Buddhismus zu erkennen.

Aufgrund so mancher schräger Idee (so treffen der Professor und seine Frau auf einem Feld unvermittelt einen Typen, der sofort von sich zu erzählen beginnt und dann anfängt, ein imaginäres Orchester zu imitieren; ganz zu schweigen von dem Außerirdischen, der in einer Art „Computerzentrale“ vor sich hin sitzt und von einer verzerrten Computerstimme seine Befehle empfängt, Fassbinders bereits erwähntem Monolog oder einem völlig ohne Zusammenhang eingebauten Dialog zwischen Frau Professor und dem Außerirdischen, in dem sie über des Professors Pflanzen-Versuche berichtet), der ungeheuer langsamen Erzählweise (es wäre ohne weiteres möglich, den identischen Stoff in einen vielleicht zwanzigminütigen Kurzfilm zu packen, ohne eine Silbe Dialog, einen Szenensetup zu verlieren), der Kameraarbeit (die aber bei aller Statik, Slow-Zoomfreudigkeit und stellenweise Hakeligkeit die ein oder andere gefällige Aufnahme hervorbringt; immerhin kann Kameramann Stickelbrucks bis heute damit seine Miete bezahlen – sein „Highlight“ ist vermutlich „Maladolescenza“; heutzutage fotografiert er TV-Schmonzetten und -serien wie „Forsthaus Falkenau“. Hat man sich als subversiver 68er sicherlich auch nicht so gedacht) und der (noch zu würdigenden) entweder genialen oder wahnsinnigen Musikauswahl fällt es schwer, „Haytabo“ nicht als eine Art „Bastard“ Marke „Fassbinder-meets-Jodorowsky-meets-Franco“ zu sehen, und das ist bei aller berechtigten Kritik (z.B. des holprigen, oft sinnfreien Schnitts) eine Kombination, über die man nicht alle Tage stolpert. Zugegeben auch keine Kombination, die man alle Tage sehen möchte, aber der Gesamteindruck von mangelndem technischen und handwerklichen Können, fehlenden finanziellen Mitteln, (vermutlich) drogenbeeinflußten seltsamen Ideen und einem mittendrin seriös zu spielen versuchenden Eddie Constantine ist in seiner totalen Abwegigkeit schon wieder faszinierend.

An einigen Stellen wird „Haytabo“ zu einer echten Geduldsprobe – als nach 50 Minuten (und dem Ende der Zeitreise, die übrigens durch einen schlichten out-of-focus-„Effekt“ bewerkstelligt wird) Lommel und sein Kameramann ungelogen ungeschnittene dreieinhalb Minuten einen Sonnenuntergang (und sonst gar nichts) filmten, ging ich ehrlich eine Weile davon aus, dass das das Schlussbild sein soll. Jede Einstellung dauert länger, als sie sein müsste (aus oben geschilderten Gründen), vieles wirkt einfach nur nach filler (wenn wir als „Symbol“ für die Reise des Professors in die bayerische Provinz zwei Minuten Verkehr auf einer Autobahn aus statischer Position betrachten dürfen), die Szenen im außerirdischen „Raumschiff“ wirken wie in Zeitlupe gedreht und das Aufblähen eines simplen Zoomvorgangs auf eine Zeitspanne, in der Michael Bay ungefähr 36.835 Schnitte einbauen würde, machen den Streifen zu einer wahren Strafaufgabe für jeden ADS-geschädigten Mainstreamkucker – ich glaube, Tarkowski bedient sich dagegen eines rasanten Erzählstils… (und, keine Frage, Lommel lässt auch hier seine Darsteller lange Reden aus dem off schwingen, aber, ich muss das nach „Dungeon Girl“ wirklich herausstellen, er wusste mal, was *Dialoge* sind).

Erwähnung sollten die „Spezialeffekte“ finden, denn Lommel drückt sich nicht davor, dem Außerirdischen ein „Raumschiff“ zu spendieren – er behilft sich in bester Ed-Wood-Tradition damit, ein Blinklicht vor Sternenhimmel-Background an der Kamera vorbeizuziehen; dagegen waren Alexander Kluges politisch relevante SF-Epen wie „Willi Tobler und der Untergang der 6. Flotte“ wahre Materialschlachten.

Lommel versucht, Stimmung über die verwendete Musik zu erzeugen – ich weiß nicht, was ihn da teilweise geritten hat, aber es ist, wie schon gesagt, entweder beängstigend genial oder furchteinflößend verrückt. Als opening theme – über eine statische Einstellung der Silhouette von Eddie Constantine – wählt er das grandiose Intro von Deep Purples „April“ (das auch am Ende noch einmal eingespielt wird) und erzeugt eine völlig deplazierte, aber nicht minder beeindruckende Italo-Western-Atmosphäre. Später kommen – neben einigen klassischen Stücken – auch Elton John, die Everly Brothers und – für den Abspann – The Moody Blues zum Einsatz (hätte es damals schon Soundtrack-Alben gegeben, und dann für deutsche Autorenfilmer, das Ding wäre ein Renner geworden). Es ist, speziell was den Deep-Purple-Track angeht, in seiner schier unglaublichen Dreistheit schon wieder, äh, was ist das passende akustische Äquivalent zu „ikonographisch“?

Die Darsteller sind – bis auf Eddie – Amateure, und das merkt man. Aber zunächst zu Eddie Constantine selbst… der hatte in den 60ern ein geregeltes Auskommen als Hauptdarsteller billiger, dafür aber immens erfolgreicher Prügel-Detektiv- und Agentenfilme (zuvorderst mit der Lemmy-Caution-Reihe), ehe ihn Jean-Luc Godard für den anspruchsvollen Kunstfilm entdeckte; wobei Godard, meiner bescheidenen Einschätzung nach, im Gegensatz zu anderen Kunstregisseuren, die Constantine in der Folge beschäftigten, Eddie nicht seiner schauspielerischen Qualitäten wegen engagierte, sondern weil er ihn als ideale personifizierte Metapher für seinen Ansatz der Filmerei sah – Constantine verkörperte in Europa wie kein anderer Darsteller die primitive Brutalität des „einfach zuschlagens“, was für Godard offenbar ideal geeignet war, um *mit Constantines Image* die konventionelle Kinokultur zu zerschlagen, wie Eddie die Zähne eines Kontrahenten in einem seiner Prügelstreifen (nicht umsonst spielte Constantine in Godards „Alphaville“ seinen Lemmy-Caution-Charakter). Ich glaube, diese Metaebene im Casting war Godards meisten Epigonen nicht wirklich klar. In „Haytabo“ ist Constantine erkennbar der einzige *Schauspieler*, aber, und das muss man bei aller Sympathie für Eddie deutlich aussprechen, halt trotzdem noch lang kein *guter*. Constantine kämpft mit der Sprache, versucht, ernsthaft zu spielen, aber das liegt ihm nicht – immerhin bricht Lommel ironisch Eddies harter-Maxe-Image, indem er ihn von *einem* Schlag ausgeknockt ins Krankenhaus schickt; lustig ist’s aber schon, dass Eddie selbst in seinen eigenen vier Wänden den Hut nicht absetzt (nur im Labor…), der Caution-Trenchcoat bleibt aber außen vor. Der Rest… man sollte den Mantel des Schweigens ausbreiten, aber ich bin ja als Chronist verpflichtet. Katrin Schaake, Lommels damalige Ehefrau, die in Fassbinders Werken immer wieder kleine Rollen spielte, wirkt oft abwesend, als kehre ihr Geist immer nur dann zurück zum Körper, wenn sie tatsächlich etwas sagen muss. Als Ausgleich kann man aber wenigstens einen Blick auf ihre Brust erhaschen. Hannes Fuchs (auch in „Warnung vor einer heiligen Nutte“ und dem bizarren „Ich liebe dich, ich töte dich“ zu sehen) gibt den Außerirdischen ohne jeden Versuch der „Fremdartigkeit“, beim Kommunarden Rainer Langhans wird überdeutlich, warum er die Schauspielerei nicht ernstlich verfolgte, sondern sie lediglich als Mittel zum Zweck der Verbreitung seiner Meditations-Botschaft sah (wenn er sprechen muss, stiert er einfach frontal in die Kamera), und Uschi Obermaier („Rote Sonne“), wie gesagt, wirkt, als hätte sie keinen Schimmer, wer, was, wo und warum sie ist. Rainer Werner Fassbinder und seine damalige Ehefrau Ingrid Carven absolvieren kurze, mysteriöse Gastauftritte (Fassbinder in bewährtem Schlabber-Look). Übrigens verliefen die Dreharbeiten in etwas angespannter Atmosphäre, da es sowohl bei den damaligen Paaren Langhans/Obermaier (Langhans hoffte, die Dreharbeiten würden als eine Art Partnertherapie funktionieren) als auch Fassbinder/Carven (RWF war’s gar nicht recht, dass Lommel auch die Carven zur Mitwirkung überredet hatte) kriselte und Lommel selbst gerade frisch mit Schaake zusammengekommen war – ein einziges Spannungsfeld…

Bildqualität: Kinowelt legt „Haytabo“ im Rahmen seiner „Arthaus“-Reihe vor. Technisch braucht man bei einem ultrabilligen besseren Amateurfilm aus den frühen 70ern keine Meilensteine zu erwarten. Der 4:3-Vollbildtransfer ist brauchbar, gelegentlich rucklig (speziell in den Sequenzen in der „Zentrale“ der Außerirdischen), mit akzeptablen Schärfe- und Kontrastwerten, recht guter Kompression und nur wenigen Defekten und Verschmutzungen. Dafür ist gelegentliches Flimmern und leichtes Pumpen zu verzeichnen.

Tonqualität: Ausschließlich Mono-Ton in Dolby Digital 1.0, ein wenig matschig und im Dialogton etwas dumpf und manchmal zu leise.

Extras: Neben einer Trailershow und einer Lommel-Biografie in Textform findet sich ein neu produziertes, 21-minütiges Videointerview mit Ulli Lommel (garniert mit Filmausschnitten und Making-of-Schnipseln), in dem der Regisseur – ich wage es kaum zu schreiben – regelrecht sympathisch und genuin enthusiastisch rüberkommt (sicherheitshalber beschränkt sich das Interview aber auch auf „Haytabo“ und die Fassbinder-Connection und geht nicht auf seine späteren B- und Schrottfilmeskapaden ein). Sehenswert.

Fazit: „Haytabo“ macht es mir sehr schwer, ein brauchbares Schlusswort zu finden – auf der einen Seite taugt der Film natürlich wirklich nicht viel, seine schlichte Story hätte man bei aller Liebe für die Kunst flotter erzählen können und die handwerklichen Unzulänglichkeiten sind nur von Hardcore-Autorenfilm-Enthusiasten zu übersehen oder gar als positives Merkmal zu bewerten; völlig verquaste Dialoge und Anti-Schauspiel fast aller Darsteller tun ihr übriges – und doch, auch wenn die Mittel teilweise die gleichen (oder zumindest ähnliche) sind, wie Lommel sie heute in seinen Zero-Budget-Mistfilmen vom Schlage „Dungeon Girl“ oder „Zodiac Killer“ verwendet, schimmert hier noch eine völlig andere Attitüde durch – nicht die des frustrierten, sich unverstanden fühlenden „Künstlers“, sondern die eines hoffnungsfrohen, wenn in allen Belangen überforderten Amateurs, der’s nicht besser kann, aber zumindest eine Geschichte erzählen *will*. Das macht „Haytabo“ nicht zu einem Film, den man jede Woche in den Player schmeißen wird, aber zu einem, den ich nicht einfach so in Bausch und Bogen verdammen kann. Es ist ein ausgesprochen seltsamer, unrunder und offensichtlich von sich selbst verwirrter Film, aber einer, der zumindest glaubte, etwas zu sagen zu haben. Freunde des experimentiellen Autorenfilms und des generell Abseitigen können, auch und gerade wegen der kuriosen Besetzung (und des Soundtracks, ähem), mal reinschauen. Wem aber „schon“ Fassbinder zu sperrig, zu selbstverliebt, zu sehr „auteur“ ist, sollte „Haytabo“ meiden wie ein Greuther-Fürth-Fan die Hauptversammlung der FCN-Ultras. Bizarr.


mm
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Edda-Virginia Hiecke
Edda-Virginia Hiecke
12. April 2022 5:24

Der Film ist in all seinen Belangen verwirrend und übt doch eine gewisse, nicht zu leugnende Faszination aus. Wenistens 1x sollte man ihn sich gönnen, oder mal reinschauen bis es unerträglich wird. Ich habe nach 40 Minuten das Handtuch geschmissen.