Gunhed


  • Deutscher Titel: Gunhed
  • Original-Titel: Ganheddo
  • Alternative Titel: Robot War
  • Regie: Masato Harada (als Alan Smithee, internationale Fassung)
  • Land: Japan
  • Jahr: 1989
  • Darsteller:

    Masahiro Takashima (Brooklyn), Brenda Bakke (Sgt. Nim), James Brewster Thompson (Barabbas), Aya Enjôji (Bebe), Eugene Harada (Sieben), Kaori Mizushima (Elf), Yosuke Saitô (Boxer), Doll Ngyuen (Boomerang), Jay Kabira (Bombbay), Randy Reyes (Gunhed, voice, als Landy Leyes), Mickey Curtis (Bansho), Michael Yancy (Narrator)


Vorwort:

Du weißt, dein Film hat Probleme, wenn du mehrere Texttafeln Exposition brauchst, damit der geneigte Zuschauer überhaupt eine dumpfe Ahnung hat, worum’s in den kommenden 90 Minuten gehen wird, die aber letztendlich auch nicht helfen…

Okay, also according to the gospel ist die Welt mal wieder einigermaßen vor die Hunde gegangen, aber die Menschheit hat wenigstens ein neues Element entdeckt, Texmexium (was sich eher anhört wie etwas, was in einem Restaurant auf die Speisekarte gehört… stöhn), das irgendwie wichtig für den Betrieb der neuen Generation „Hyper-Nuklear-Reaktoren“ ist, mit denen unsereins seine wichtigsten Städte mit Energie versorgt.

Abgesehen davon haben wir dank beherztem Ignorieren der Fridays for Future aber die Rohstoffressourcen unseres Planeten ordnungsgemäß verschludert, was dazu geführt hat, dass die in der Vergangenheit verbauten Computerchips wertvoller sind als Gold (ebenso auch Plastik, aber das soll uns in diesem Film nicht weiter interessieren). Außerhalb des Gesetzes operierende Schatzsucherbanden können sich also mit dem Aufspüren alter Chips eine goldene Nase verdienen.

Womit wir halbwegs beim Thema wären. Auf einer Pazifikinsel mit dem kreativen Namen 8JO wurde im Jahr 2005 ein vollständig autarker Industriekomplex errichtet, überwacht und kontrolliert vom Superdupermegacomputer Kryon-5. In den Fabriken der Insel wurden sogenannte Bio-Droiden, Arbeitsroboter für alle Gelegenheiten, hergestellt. Ein paar Dutzend Aufpasser samt ihren Familien wurden auf 8JO angesiedelt, obwohl sie streng genommen völlig überflüssig waren. Nach 20 Jahren klaglosem Betrieb kam Kryon-5 dann doch auf den Trichter, dass er ohne die Organischen deutlich besser dran wäre und erklärte der Menschheit den Krieg. Die vereinigten Streitkräfte der Erde lieferten sich einen über ein Jahr dauernden Krieg (von dem wir ein paar Ausschnitte beobachten dürfen, bei denen dank des unübersichtlichen Schnitts nicht wirklich klar wird, wer da auf wen ballert, aber es gibt Modelltricks und Pyrotechnik, also wollen wir mal nicht mäkelig sein), bis die Menschen mit Hilfe ihrer Gunhed („Gun Unit Heavy Elimination Device“. Wenn das nicht mal ein Backronym ist) einen knappen Sieg davon tragen konnte. Das ist jetzt dreizehn Jahre her.

Und damit können wir dann auch tatsächlich in unsere eigentliche Story einsteigen. 8JO ist more or less das Ziel einer Schatzjäger-Truppe unter der Fuchtel des Veteranen-Scavenger-Zausels Bansho (Mickey Curtis, THE BIG WAVE, WHY DON’T YOU PLAY IN HELL?), deren Gimmick es offensichtlich ist, ihre jeweiligen Spitz- und Kampfnamen exklusiv mit dem Buchstaben „B“ beginnen zu lassen. Mit ihrem Spezialflugzeug „Mary Ann“ (sie war sein Schiff, er hielt ihr die Treue, was keiner begriff… sing-schwof) befinden sie sich im Landeanflug auf 8JO, aber als leichter Vorgeschmack auf die Konfusion, die des Films primäre Eigenschaft sein wird, ist die Insel einerseits das von Bansho durchaus bewusst ausgekuckte Ziel, andererseits aber staunen die anderen Teammitglieder Bauklötze, das hier eine Insel rumschwimmt und haben keine Ahnung, was da zu finden sein soll. Egal. Bansho ermahnt seinen Mechaniker Brooklyn (Masashiro Takashima, GODZILLA VS. DESTOROYAH, MADRA – DAS ACHTKÖPFIGE DRACHENMONSTER, HIDDEN FORTRESS), nicht mit seiner Wumme rumzuspielen. Wenn man das schon nicht darf, knabbert Brooklyn halt an seinen eckig geschnittenen Karotten, die er in einem Zigarettenetui aufbewahrt. Am Ende noch Veganer, der Kerl.

Die Mary Ann landet auf dem Dach des 400-stöckigen Towers, in dem Kryon-5 residierte, und die Scavenger suchen nach einem praktikablen Weg, ins Innere des Turms einzudringen, um den Computer auszuschlachten. Am Horizont kokelt ein abgestürzter Hubschrauber vor sich hin, was die Schatzjäger zur Kenntnis nehmen, aber zu keiner weiterer Veranlassung Grund bietet. Bansho schart einige seiner Getreuen für die eigentliche Exkursion um sich, neben Brooklyn den großen Schwarzen Barabbas (James Brewster Thompson, LEON), Kampfmieze Bebe (GTO: GREAT TEACHER ONIZUKA, RASEN, TV-Version) und den hypernervösen Bombbay (Jay Kabira). Computerexpertin Boomerang (Doll Nguyen) und ihr Bodyguard Boxer (Yosuke Saito, ULTRAMAN GINGA, DRAGON BLACK, GODZILLA VS. SPACEGODZILLA) sollen den Fortgang der Ereignisse vom Dach aus lenken und überwachen.

Aber wie das nun mal so ist – der Mensch lenkt und Gott denkt, oder so ähnlich. Boomerang findet Boxer plötzlich tot irgendwo auf dem Dach rumliegen, und was immer ihn abgemurkst hat, nun, das findet auch kein besonderes Wohlgefallen an asiatischen Babes mit doofen Codenamen und eliminiert auch Boomerang.

Der Rest der Blase hat inzwischen einen funktionierenden Fahrstuhl aufgetan (was ich prinzipiell suspekt finden würde, wäre ich in der Situation). Bascho ist dabei, seinen Kameraden motivierende Schwänke aus seiner Jugend auf die Nase zu binden, aber mitten im schönsten Erzählen tut sich unter ihm der Fahrstuhlboden auf und der Chef tritt die Reise zum Erdgeschoss per Express an. Schpla-dauz.

Das könnte man nun für einen bedauerlichen Unfall halten, wird von den verbliebenen drei Bs allerdings als bewusster Anschlag auf ihre ordnungsgemäße Diebestour betrachtet. Man stürmt mit gezogenen Wummen aus dem Fahrstuhl und sucht einen Feind, den man mit selbigen perforieren könnte. Gut, machen wir’s kurz – Barabbas findet sein Ende, indem er nach einem Sturz von einem Rohr oder sonstigen Eisenträger gepfählt wird, und Bombbay setzt sich hysterisch von der Truppe ab und wird ein Opfer des noch unbekannten Attentäters, der schon Boxer und Boomerang ausgeknipst hat. Bebe und Brooklyn hingegen stolpern über eine junge Frau mit nervösem Abzugsfinger an der Hand und einem dort nicht hingehörenden Stück Eisen in der Schulter. Bebe ist die Dame grundsätzlich unsympathisch, da es sich bei ihr um ein Uniformträgerin und damit Vertreterin der Gesetzesmacht handelt. Allerdings ist Sgt. Nim (Brenda Bakke, SCAVENGER – DER SPION MIT DER GLUT IM BLUT, WITCH BITCH – TOD AUS DEM JENSEITS, HOT SHOTS! PART DEUX) weit weg von Zuhaus und jeglicher Eventual-Jurisdiktion – sie ist ein „Texas Air Ranger“ (Sachen gibt’s. Vermutlich fühlt sie sich zuständig, weil Texmexium ja schon dem Namen nach texanischer Besitz sein muss). Brooklyn pflückt den metallischen Fremdkörper aus dem Mädel, das, wie nicht anders zu erwarten, mit dem vorhin beobachteten abgestürzten Helikopter auf der Insel gelandet ist. Ihr Spiel- und Rangerkamerad hat dabei bedauerlicherweise ins Gras gebissen.

Die Frage, was Nim nun eigentlich auf 8JO will, lässt sich in der Tat erschöpfend mit „Texmexium“ beantworten und da werden Brooklyn und Bebe nun schon einigermaßen hellhörig. Wenn sich hier Texmexium finden lässt, ist das glatt eine noch wertvollere Beute als ein paar ranzige alte Computerprozessoren, also malen sich unsere Schrottjäger mental schon einen Teil des potentiellen Verkaufserlös für das edle Gut in ihren kühnsten Träumen aus.

Nun, so richtig erklärt’s uns niemand, aber das Texmexium hat sich Kryon-5 unter den Nagel gerissen, weil der Herr Supercomputer nebenberuflich einen Hyper-Nuklearreaktor betreibt und das Zeuch (in Form eines hübschen sechseckigen Riegels von vielleicht 25 cm Länge) dafür benötigt. Da müsste man es also auch holen, und zum Glück wissen sowohl Nim als auch Brooklyn und Bebe, dass Kryon sein Hauptquartier im 390. Stock, im „Kryon-Dom“, aufgeschlagen hat. Dorthin pilgert das Trio also, und das Texmexium residiert dann auch im Zentrum eines Kühlwasserbeckens, das nur über drei schmale Stege zu erreichen ist. Dieweil weitgehend unbeachtet von unseren Helden ein Countdown von 48 Stunden herunterzählt, greift sich Bebe den Texmexium-Riegel (das Material ist augenscheinlich zumindest aus sich selbst heraus völlig ungefährlich und kann mit bloßen Patschhändchen angefasst werden). Nun ist Kryon, der selbstredend einigermaßen aktiv ist, nicht der megalomanische Supercomputer geworden, der er ist, weil er sich solches Frevelantentum ohne Konsequenzen gefallen lässt. Dafür hat der Compi seinen selbstpersönlichen Killer, den Bio-Droiden, der schon Boomerang, Boxer und Bombbay in die ewigen Jagdgründe befördert hat. Der Droide taucht direkt aus dem Kühlflüssigkeitsbecken auf und heiligescheißenocheins, sieht das Ding bescheuert aus. Hat man genug zwischen den Zeilen gelesen, ist die Behauptung des Films ja, Kryon-5 hätte Bio-Droiden in Massenproduktion hergestellt, ich will mal hoffen, dass die Serienfertigung ein etwas, eh, slickeres Design aufwies. Der Herr Droide jedenfalls sieht aus wie eine aus Elektroschrott gefertigte Lumpenpuppe, an der mich ganz besonders die „Facettenaugen“ faszinieren. Mein lieber Herr Gesangsverein, ist das Vieh hässlich. Aber effektiv, fraglos – der Droide kann Bebe ins Kühlwasserbecken zerren, und weil er im Gegensatz zu ihr keinen Sauerstoff braucht, kann er sie auch lang genug unten halten, bis sie ersäuft, nicht allerdings, bevor Bebe den Texmexium-Riegel heroisch Brooklyn in die Hand gedrückt hat. Brooklyn ist moralisch schwer erschüttert, aber Nim drängt nicht nur zur Aushändigung des Texmexiums, sondern auch zur spontanen Verdünnisierung, was nach kurzer Trauerphase dann auch Brooklyn für eine gar nicht mal so beschissene Idee hält.

Verfolgt vom Bio-Droiden geht die Flucht aber unbeabsichtigt in die falsche Richtung – statt aufs Dach, zur Mary Anne (er hielt ihr die Treue, was keiner begriff) stürzen Nim und Brooklyn in der Turmruine ein ganzes Rudel Stockwerke nach unten, wo sie erst mal ausgeschaltet rumliegen… bis sie von zwei Kids entdeckt werden – dem vielleicht zwölfjährigen Knirps Sieben (Eugene Harada, INOGAMI) und der siebzehnjährigen Elf (Kaori Mizushima, NURSE CALL, TOKYO EYES, DER TAG DAVOR). Elf ist stumm und kommuniziert nur mit einer frei improvisierten Zeichensprache. Nicht nur Brooklyn und Nim fragen sich, was die Kids hier treiben, doch das ist schnell beantwortet, handelt es sich um die Nachkommenschaft früherer hier angesiedelten Personals, die man offenbar bei der Evakuierung der Insel vergessen hat (okay, Sieben ist für meinen Geschmack zu jung für diese Backstory, der Krieg soll ja 13 Jahre her sein, aber wer wird denn kleinlich sein?). Und wenn man sich auch noch fragt, wovon diese Wonneproppen all die Jahre gelebt haben wenn nicht von schmackhaften Mikroprozessoren, dann hat der Film AUF DIESE EINE FRAGE tatsächlich eine Antwort, alldiweil wir ein bisschen später Sieben dabei sehen werden, wie er sein hauseigenes Gemüsefeld beackert. Es ist schön, dass der Film ein Sinn dafür hat, die wirklich wichtigen Fragen zu klären.

Well, sei’s drum, jedenfalls verständigen sich alle Beteiligten einigermaßen schnell darauf, auf der gleichen Seite zu stehen. Nim fällt der Countdown aus Kryons Kuppel ein und man kommt allgemein zu dem Ergebnis, dass man zwar nicht sicher wissen kann, was passieren wird, wenn der auf Null steht, aber man davon ausgehen muss, dass es nichts Gutes ist und idealerweise verhindert werden sollte. Was allerdings nun wiederum bedeutet, dass man irgendwie in den 390. Stock gelangen muss und augenblicklich findet sich die ganze Blase eher so Höhe Parterre. Es wird ca. 20 Stunden dauern, durch den halbzerstörten Turm wieder zum Kryon-Dom zu kommen. Aus irgendwelchen Gründen verständigt man sich auf einen zweigleisigen Approach – Elf und Nim werden an der Außenfassade des Turms hochkrabbeln, während Brooklyn und Sieben versuchen werden, im Turminneren aufwärts zu krauchen. Zumindest ein Stück weit lässt sich Siebens Truck (an den Brooklyn auf die Schnelle einen Beifahrersitz geschraubt hat, weil er sich strikt weigert, das Ding zu fahren) benutzen. Das Quartett trennt sich vereinbarungsgemäß.

Brooklyn entdeckt unter den herumliegenden Trümmern einen nicht minder kaputten Gunhed, dessen Bordcomputer aber noch funktioniert. Brooklyn stellt dem Gunhed die Gretchenfrage – wozu braucht Kryon-5 Texmexium, wenn das Element noch gar nicht entdeckt war, solange der Superrechner in Betrieb war (which is actually the first thing we hear about that). Gunhed spekuliert ins Blaue hinein, dass Kryon-5 die Entdeckung des Texmexiums vorhergesehen und sich quasi solang auf stand-by gestaltet hat, bis die Menschheit das Element tatsächlich entdeckt und in Benutzung hat (was dann impliziert, dass Kryon-5 zu diesem Zeitpunkt die von ihm kontrollierten Bio-Droiden damit beauftragte, gegen die Menschen vorzugehen und Texmexium zu klauen). No, I don’t think that makes sense either.

Kryons Bio-Droide greift Brooklyn und Sieben an, wird aber zurückgeschlagen, auch weil… der Droide Bebe absorbiert hat und die die Programmierung des Droiden nun „von innen“ bekämpft (was sich darin äußert, dass Bebe in ihrem vollen Kampfanzug im linken Facettenauge des Droiden sichtbar wird und herumkrakeelt). Brooklyn rapportiert über Funk panisch, dass der Droide den Gunhed zerstört habe (das halte ich nun wirklich für einen Goof in der Synchronarbeit – der Gunhed wird ja in der Folge noch eine gewichtige Rolle spielen, also gehe ich davon aus, dass der Truck gemeint ist).

Darum kann Nim sich allerdings jetzt auch nicht persönlich kümmern, denn sie hängt mit Elf bereits kletternderweise in der Fassade. Mehr als moralischen Support kann sie nicht bieten, aber auch den braucht’s - Brooklyn bringt ohne größere Probleme den Gunhed in einen fahr- und auch sonst dienstbereiten Zustand. Die Frage ist nur, was er davon hat, denn er selbst ist weiterhin in strikter Verweigerungshaltung hinsichtlich der Pilotierung irgendeines mobilen Untersatzes. Die Ursache hierfür ist natürlich eine posttraumatische Störung aus vergangenen Tagen; seine Erlebnisse im Krieg haben Brooklyn soweit runtergezogen, dass er eigentlich zu nichts mehr zu gebrauchen war, bis er von Bascho aufgelesen und als Mechaniker rekrutiert wurde, was ihn wieder halbwegs auf Spur brachte. Nim leistet ein wenig Peptalk, und spätestens als die Wandkletterin vom Droiden angegriffen und heimtückisch aus der Wand in ein ungeklärtes Schicksal gepflückt wird, muss Brooklyn seinen inneren Schweinehund überwinden und sich doch auf Gunheds Pilotensitz bugsieren. Sieben darf aus Gefährlichkeitsgründen nicht mit, aber wie wir naseweise Kinder speziell aus japanischen Filmen kennen, wird das den Kurzen an nichts hindern. Brooklyn und Gunhed stellen dieweil fest, Kryons Aktivierung nicht nur abhängig ist vom Texmexium, sondern auch von der Eingabe eines ominösen Passworts, das vor siebzehn Jahren (hint-hint) definiert wurde (wozu auch immer ein Computer in sich selbst ein Passwort eingeben müssen sollte).

Der Vorteil eines Gunhed ist, dass er sich, wie es sich für einen anständigen Mech gehört, in verschiedene Konfigurationen bringen lassen kann, und die „Tank“-Konfiguration erlaubt es dem Mech, schlicht und ergreifend, sich vertikal in den Aufzugsschacht zu klemmen und hochzufahren! Geht vermutlich auch ein bisschen schneller als draußen den Spiderman zu markieren, womit Elf, die von Nims Absturz erstaunlich unbeeindruckt geblieben ist, sich nach wie vor beschäftigt.

Brooklyn hat beim Aufstieg nicht nur das Problem, dass seine mentale Schramme nach wie vor sein Selbstbewusstsein beeinträchtigt und Gunhed ihn mit Kalenderblattpsychologie aufzubauen versucht (wobei ich mich schon frage, welcher Programmierer den Computer eines Kampfroboters mit Daten und Spielzügen antiker Baseball-Partien gefüttert hat… mit vermeintlich aussichtslosen Situationen, mit denen seine geliebten Brooklyn Dodgers konfrontiert waren, motiviert der Computer nämlich unseren nervenflatternden Helden), sondern auch, dass die Decke des Fahrstuhlschachts dem Mech entgegenzukommen droht, und, naja, ein paar Tonnen Beton und Stahl auf Kollisionskurs könnten sich als kontraproduktiv erweisen. Man könnte die Decke nun mit ein paar Raketen aus Gunheds reichhaltigem Waffenarsenal zu Staub pusten, doch ergibt sich da das Problem, das, wie vorausgesehen, Sieben sich außen am Gunhed angeflanscht hat und das genau an den Abschussvorrichtungen der Raketen. Das allerdings erweist sich als Glück im Unglück, denn so kann Sieben manuell den Raketenwerfer in den richtigen Winkel justieren. Und was die herabfallenden Trümmer angeht, mei, da muss er halt die Rübe einziehen.

Damit sind aber immer noch nicht alle Schwierigkeiten ausgeräumt, denn Gunhed teilt zu seinem Bedauern mit, dass er nicht genug Sprit für den Weg zu Kryon hat. Und ich hab gleich gesagt, es lohnt nicht, nur für nen Fünfer zu tanken. Brooklyn möge doch bitte einen kleinen Boxenstopp einplanen und ein paar Kanister Gunhed-Bölkstoff apportieren. Da sich Brooklyn dafür aus der Deckung des sicheren Panzers begeben und damit in die Schusslinie des immer noch herumkrauchenden Bio-Droiden geraten wird, gibt im Gunhed ein paar Spiegel mit, die er an strategischen Positionen an die Wände kleben soll –per Reflektionen kann Gunhed dann mit seiner Laserkanone um die Ecken schießen. Clever, clever. Dennoch erreicht Brooklyn mit ein paar Kanistern Sprit nur mit Müh und Not den rettenden Roboter wieder, und das ist doof, denn der Treibstoff wird so IMMER noch nicht bis zu Kryon-5 reichen. Mit ´nem 3-Liter-Auto wär das nicht passiert. Aber Gunhed ist erfreulicherweise so konstruiert, dass er auch aus jeder Art alkoholischer Verbindung Treibstoff gewinnen kann, und stehen da hinten nicht ein paar Fässer Whiskey (warum auch immer…) rum?

Noch ein bisschen überraschender ist die Tatsache, dass plötzlich und unerwartet (und ebenso unerklärt und unlogischerweise) Nim mit Sieben um die Ecke kommt. Die Frau Rangerin ist none worse for the wear, abgesehen davon, dass sie das Texmexium an den Droiden verloren hat (auch das ist pure Spekulation meinerseits, weil das Texzeug später im Kryon-Dom rumliegen wird). Es sind nur noch wenige Etagen bis zur Kuppel des Computers, und der nähert sich auch Elf, von der wir mittlerweile erkennen, dass sie nicht Herrin ihrer Sinne ist (wenn sie den Mund aufmacht, leuchtet’s daraus gar erschreckend).

Der finale Vorstoß zu Kryon-5 wird also vorbereitet. Unsere Helden wissen, dass sich ihnen nicht nur der Bio-Droide, sondern auch Kryon-5’s persönlicher Mega-Kampfroboter Aerobot in den Weg stellen wird. Der Plan ist also, dass Brooklyn mit Gunhed Aerobot beschäftigt, damit Nim und Sieben unauffällig vorbeischleichen und die Passworteingabe, was immer die auch sein soll, verhindern können. Und so liefern sich der Whiskey-betankte, aber leider deswegen nicht besoffen parlierende Gunhed und Aerobot ein Duel to the Mechanic Death. Gunhed verarbeitet Aerobot in einem harten Kampf zu Metallschrott, bezieht aber dabei selbst ausreichend Prügel, um nicht weiter verwendbar zu sein.

Indes, im Kryon-Kern, wird klar, was mit dem Passwort, das vor 17 Jahren usw., gemeint ist – natürlich ist Elf das personifizierte Passwort, und die Passworteingabe, nun, die hat etwas gelinde Sexuelles an sich. Sieht nämlich stark so aus, als müsste Elf zur Aktivierung den wieder im Zentrum des Kerns aufgestellten Texmexium-Riegel Fellatio angedeihen lassen! Deepthroat einmal anders, ne? Nim kann verhindern, dass Elf den Riegel bläst, aber da greift der Bio-Droide an! Der wird aber erneut dadurch gehandicapt, dass Bebe mit all ihrer mentalen Stärke von innen gegen den Droiden kämpft – die Bebe-Simulation in des Droiden Speicherbänken zupft eine Handgranate von ihrem Kampfgürtel und zieht den Sicherungsstift raus. Die virtuelle Explosion zerstört den Droiden auch ganz real. Ich fasse es nicht.

Kryon-5 gibt sich damit offiziell geschlagen und läutet die Selbstzerstörung ein. Was jetzt insofern blöd ist, als unsere Helden immer noch zehn Stockwerke unterhalb der rettenden Mary Ann (es gab so viele Schiffe, so schön und groß) dumm rumstehen und der 10-Sekunden-Countdown schwerlich genug Zeit lässt, die krummen Dackelbeine in die Hand zu nehmen und aufs Dach zu sprinten.

Doch da meldet sich Gunhed… mit seinen letzten Kräften kann der Kampf-Mech Kryon-5 lang genug kurzschließen, um Brooklyn & Co. die Flucht aufs Dach zu ermöglichen. Heroisches Opfer eines auf Mord + Totschlag programmierten Roboters, yay!

Die Helden fliegen also mit der Mary Ann (doch die Mary Ann, sie ließ ihn nicht los…) in den Sonnenuntergang, Elf hat ihre Sprache wieder gefunde, Nim und Brooklyn küssen sich, ohne dass wir vorher den Funken gegenseitigen romantischen Interesses verspürt hätten, und hinter ihnen vergeht 8JO in einer malerischen Nuklearexplosion…

Inhalt:

Shout-out an meinen treuen Stammleser und Haustroll peroy, der GUNHED eloquent mit folgendem Satz zusammenfasste: Der wäre so gut, wenn er GUT wäre.

Das ist in der Tat ein 1-Satz-Review, das man getrost so stehen lassen könnte – prinzipiell hat dieser Film alle Zutaten für einen spaßigen Live-Action-Anime-Cyber-Tech-Noir-dystopischen-SF-Klopper: ein taugliches Szenario, exzellentes Design, großartige Modelltricks und Matte Paintings, aber es fügt sich absolut nichts zusammen.

Z.B. der Plot. Sofern der geneigte Leser nach Lektüre der paar Seiten Inhaltsnacherzählung der Meinung sein sollte, dass die Geschichte vielleicht nothing special, aber auch im Genrekontext auch nicht außergewöhnlich konfus oder dümmlich ausfällt, dem sei versichert, dass man sich diesen Plot tutti kompletti selbst durch beherztes Zwischen-den-Zeilen-Lesen oder schlichtweg Spekulation oder Raten erarbeiten muss – der Film selbst reicht dafür nicht mal die mikrobenhafteste helfende Hand, sondern schmeiß zusammenhanglose Szenen aneinander, die auch und insbesondere durch die völlig sinnfreien Dialoge, die oft genug nicht mal im Kontext der Szene, in der sie gesprochen werden, die Dinge, sie sie vermeintlich erläutern sollen, erklären. Meistens wirkt es sowieso so, als würden Charaktere, die miteinander sprechen, nicht wirklich MITeinander, sondern aneinander vorbeireden, als wären sie jeweils blissfully unaware, dass da noch jemand anderes existiert, mit dem sie vorgeblich parlieren, sondern in ihrer eigenen Welt vor sich hin ramblen.

Man könnte nun, gerade ob der Herkunft des Films aus dem Reich Nippon, auf den Gedanken kommen, dass hier in der Umsetzung eines fünftausendseitigen Mangas, der zuvor in eine hundertteilige Anime-Serie adaptiert wurde, ehe man einen 90-Minuten-Live-Action-Film draus machte, zwangsläufig viel auf der Strecke geblieben wäre, doch damit liegt man völlig falsch, denn bei GUNHED handelt es sich um einen Original-Stoff… Und dessen Origin ist schon interessant genug und führt uns direkt zu unser aller Lieblingsechse Godzilla, nachdem GODZILLA 1984 gut genug gelaufen war, um für Toho die Wiederaufnahme der Reihe lukrativ erscheinen zu lassen. Da man bei Toho aber damals noch auf der Fahrbahn „wir müssen ja nicht unbedingt wieder die selben ollen Kamellen aufwärmen“ unterwegs war (eine Einstellung, von der sich das Studio im weiteren Verlauf der Heisei- und insbesondere der Millennium-Reihe rasch wieder Abstand nahm), aber selbst keine besonders guten Ideen zu haben schien, verfiel man auf den Gedanken, einen Wettbewerb für das beste Drehbuch für das nächste Godzilla-Sequel auszuschreiben. Den großen Preis gewann der Zahnarzt Shinichiro Kobayashi für die Grundidee, die Kazuki Omori in jahrelanger Arbeit zu GODZILLA VS. BIOLANTE ausarbeitete. Unter den fünf Finalisten fand sich auch der Entwurf des Amerikaners James Bannon, der Godzilla gegen einen Supercomputer antreten lassen wollte. Toho-Chef Tomoyuki Tanaka fand die Idee gut genug, um sie nicht wegzuwerfen, und beauftragte den hauseigenen Writing-Staff damit, die Story in einen Standalone-Film umzuwerkeln. Am Ende kam GUNHED, an dessen Produktion sich auch der Spielwarenkonzern Bandai beteiligte, sogar noch ein halbes Jahr vor GODZILLA VS. BIOLANTE in die Kinos. Wieviel von Bannons ursprünglicher Script-Idee noch im fertigen Produkt zu finden ist, lässt sich kaum feststellen (arg viel wird’s nicht sein), es reichte aber dafür, um ihm einen Autoren-Credit zu verschaffen.

Wär ich er, ich hätte dankend verzichtet, denn, wie schon gesagt, das Script ist mit „hot boiling mess“ eher unzureichend beschrieben. Nichts macht Sinn, nichts entwickelt sich schlüssig aus der Handlung, die wenigen Erklärungen, die der Film liefert, passen einfach nicht zu dem, was sich vor dem entzündeten Auge des Betrachters abspielt, und die meisten Ideen des Films sind in ihrer Umsetzung einfach nur entsetzlich dumm. Was eben schon beim Namen „Texmexium“ beginnt – das ist natürlich sowieso nur ein schnödes MacGuffin, von dem niemand genau weiß, wozu es überhaupt gut ist und wieso Kryon-5 es braucht, es setzt sich über die einfach mal eben in den Raum geworfenen „Hyper-Nuklear-Reaktoren“ fort und endet nicht bei den „Bio-Droiden“, wahlweise die hysterisch zusammengepfriemelte Schrott-Vogelscheuche oder eine von Kryon ferngesteuerte fünfte Kolonne, die auf Geheiß des Supercomputers Amok lief (was eine Dialogzeile Nims andeutet). Dämlich ist natürlich auch Nims Identität als „Texas Ranger“, mit speziell Sieben habe ich auch so meine logistische Not, und die Stilisierung von Elf zum personfizierten „Passwort“ könnte eine ganz patente Cyberpunk-Idee sein, wird aber so konfus und unbeholfen aufgebaut, dass man sie schlicht nicht ernst nehmen kann; das gilt auch für die „Verschmelzung“ des Droiden und Bebes, die nicht mal ansatzweise erklärt wird. Plötzlich steckt Bebe mitsamt ihrer Ausrüstung im Speicher des Droiden und kann dort gegen ihn agieren. Oookay. Charaktere im Wortsinne sind nicht vorhanden – es gibt handelnde Personen mit Namen, damit wir sie unterscheiden können, aber der einzige, der mit seinem posttraumatischen Stresssyndrom (das natürlich aber auch eins der leichtesten Outs für faule Drehbuchautoren ist) so etwas wie einen angedeuteten Hintergrund, ein paar Eigenschaften, mit auf den Weg bekommen hat, ist Brooklyn, und bei dem ist’s auch vergebliche Liebesmüh.

Der Spannung abträglich ist freilich auch, dass wir nie exakt erfahren, WAS Kryon-5 eigentlich vorhat. Er will sich irgendwie aktivieren und sein volles Potential ausschöpfen, ja, aber was ist die Konsequenz? Welche Folgen hat das für die Menschheit? Wird er den Krieg gegen die Menschen wieder aufnehmen oder hievt er sich „nur“ auf eine neue Existenzebene? Keiner weiß es, keiner ahnt es, und zusammenreimen kann man’s sich auch kaum.

Andererseits wäre das ja auch vergebene Liebesmüh, weil der Film schon nicht die geringste Mühe gibt, Szenen logisch zu verbinden oder aufeinander aufzubauen (das grandioseste Beispiel ist fraglos Nims Verschwinden und völlig unmotiviertes Wiederauftauchen zwanzig Minuten später). Stuff happens, and then more stuff happens.

Es ist, wie gesagt, schade, dass der Film so dabei versagt, eine Geschichte zu erzählen. Manch einer behauptet, die eigentliche Katastrophe wäre bei der Übersetzung vom Japanischen ins Englische passiert (es ist anzunehmen, dass die deutsche Synchro sich an der englischen orientiert), aber auch dafür kann Toho niemand anderem die Schuld geben, da die internationale Exportfassung (ergo das englische Dubbing) vom Studio selbst durchgeführt wurde. Irgendwas muss dabei in der Tat passiert sein, weil Regisseur Masato Harada seinen Namen von der Exportfassung zurückzog und sich schamhaft als Alan Smithee kreditieren lässt, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die ursprünglichen japanischen Dialoge den Film so entscheidend verbessern – die Schnittfassung ist nach allen mir vorliegenden Informationen identisch.

Dramaturgisch ist GUNHED ergo vollkommen für die Füße – ich würde Harada theoretisch keinen Vorwurf machen, weil auch ein Komitee aus Spielberg, Godard und Hitchcock aus dem Script keinen vernünftigen Film hätten basteln können, aber Harada wird auch für das Drehbuch kreditiert. Pech gehabt.

Was an GUNHED funktioniert, sind ausschließlich die optischen Momente, die visuellen Kniffe. Der düstere Look des Streifens passt; es mag vielleicht nicht der aller-attraktivste Look sein, aber GUNHED will ja eine desolate, vom Krieg zerstörte Ruinenwelt zeigen, und das bekommt er hin; die Sets sind glaubwürdig kaputt, und die Matte Paintings unterstützen die finstere, ungastliche Atmosphäre der Insel vorzüglich. Und geradezu großartig sind die Modelltricks von Mary Ann, Aerobot und Gunhed; das Roboter-Duell von Aerobot und Gunhed ist geradezu eine Blaupause dafür, wie man ohne CGI, ganz old-school mit praktischen Modell-Effekten ein überzeugendes, technisch faszinierendes Gefecht hinbekommt. Die „visual FX“ sind schlicht, aber effektiv, und selbst das Design des Bio-Droiden ist wenn sonst nichts, dann zumindest einzigartig und memorabel.

Ziemlich schräg ist die musikalische Untermalung, die oft und gern auf amerikanische Sportarena-Jingles zurückgreift. Da muss irgendeine Symbolik dahinterstecken, die sich mir als gaijin nicht ohne weiteres erschließt.

Die schauspielerischen Leistungen… naja… die Herrschaften haben nicht wirklich viel zu spielen, die tun mir also schon fast leid. Takashima und Bakke tun mit dem wenigen, was sie mitbekommen haben, das bestmögliche, Harada ist für einen japanischen Kinderdarsteller viertelwegs erträglich, Mizushima ist als Elf ziemlich schlimm. Mickey Curtis wäre als Bansho wohl ganz brauchbar, wenn er nicht nach fünf Minuten das Zeitliche segnen würde, und der Rest, der hat kaum Gelegenheit, sich irgendwie bedeutungsvoll in Szene zu setzen. Ganz lustig finde ich alter Kulturchauvinist, dass Randy Reyes, der die Stimme des Gunhed zum Besten gibt, in den Credits „Landy Leyes“ genannt wird. Ist an dem alten Sprachfehler-Vorurteil doch was dran?

GUNHED ist zur Zeit auf amazon prime zu betrachten. Der Film könnte sicherlich von einem HD-Remaster ordentlich profitieren, denn der Standard-Print (1.78:1) ist schon ziemlich soft, verwaschen, kontrast- und konturarm und wird den Effekten nicht wirklich gerecht.

Letztendlich: Ich würde GUNHED gern mögen, denn er tickt theoretisch wirklich so einige Boxen auf der „findet-der-Doc-cool“-Checkliste, und wer liebt schließlich keine Filme, in denen sich Kampfroboter gegenseitig die elektronischen Lebenslichter ausblasen? Aber am Ende macht GUNHED halt doch viel zu wenig richtig, versumpft in seinem irrlichternden Drehbuch-Chaos und der totalen Sinnlosigkeit des aufgebrachten Materialaufwands. Als FX-Showcase kann man durchaus seinen Gefallen am Film finden, aber ich zumindest möchte halt schon zumindest Ansätze einer nachvollziehbaren, sinnvollen Geschichte und Charakteren, an die man sich als Zuschauer anhängen kann, und auf diesen Gebieten ist GUNHED halt leider ein totaler Totalversager totalen Ausmaßes.

© 2019 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 7

BIER-Skala: 4


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