Goodbye Bruce Lee

 
  • Deutscher Titel: Goodbye Bruce Lee
  • Original-Titel: Goodbye Bruce Lee
  • Alternative Titel: Goodbye Bruce Lee - His Last Game of Death |
  • Regie: Lin Pin, Harold B. Swartz
  • Land: Hongkong
  • Jahr: 1975
  • Darsteller:

    Lee Shiao/Bruce Lee (Bruce Li als Lee Roy Lung)
    N.A. Ronald Brown
    N.A. „Big“ Jonny Floyd
    N.A. Mung Ping


Vorwort

Es ist ein Kreuz mit den angestellten Redakteuren 😉 – kaum hat man einen, schon bringt er den ganzen Reviewplan durcheinander. Durch das spontan fertig gestellte Papaya-Review von Eduardo war * mein * Review Nr. 399 – nĂ€mlich dieses hier – theoretisch ĂŒberflĂŒssig und ich hĂ€tte mich direkt ans Jubi-Review machen mĂŒssen sollen können dĂŒrfen. Weil ich aber einmal gemachte Notizen ungern verschwende (schließlich kann ich die Dinger spĂ€testens ĂŒbermorgen nicht mehr lesen und mĂŒsste mir den Film noch mal ansehen… und man hat ja Grenzen), greife ich zu einem Mittel, dass ich aus der kultigen Usenet-Star-Trek-Parodie VaxTrek klaue:

Today: Review 401

Tomorrow (oder wann auch immer): Review 400

(und wenn ich Pech habe, schummelt sich da sogar noch 402 dazwischen, und das, was eigentlich 401 werden sollte, wird wohl frĂŒhstens 403. Sag einer, das Leben eines Internet-Reviewers wĂ€re nicht kompliziert. Ich hĂ€tte doch Informatik studieren sollen…).

Okay, kommen wir also zu Review 399-cum-401. Wie dem Titel unschwer zu entnehmen ist, handelt es sich um das beliebte Spezialgebiet Bruceploitation und, um die in diesem Sujet eh schon chronische Verwirrung zu vertiefen, gibtÂŽs von diesem Film entweder umpfzig Versionen oder mindestens zwei andere Filme mit dem gleichen Titel.

Gesichert sind zumindest mal zwei Dinge – das erste ist, dass Bruce Lee es seinen Rip-off-KĂŒnstlern mit seinem Ableben wĂ€hrend der Dreharbeiten zu Game of Death leicht machte. Etliche Bruceploiter gaben sich als „Fertigstellung“ und/oder Fortsetzung und/oder Hommage (letzteres eher selten, weil das eine gewisse Grundehrlichkeit vorausgesetzt) zu dem erst 1978 (und auch nicht gerade prickelnd mit Colleen Camp und Dean Jagger) fertiggedrehten „echten“ Game of Death aus, so auch dieser welcher (siehe Untertitel „His Last Game of Death“). Zweitens, der hauptamtlich beschĂ€ftigte Bruce-Lee-Imitator ist heute mal wieder Kollege Bruce Li, wenn er sich auch unter dem Kampfnamen Lee Roy Lung kreditieren lĂ€sst (was selbstredend auch nicht der Name ist, auf den ihn seine liebe Mama hat taufen lassen). Der Rest, was Darsteller und Crew-Mitglieder angeht, ist so ziemlich Schweigen – die Co-Regisseure Lin Pin und Harold B. Swartz sind unbeschriebene BlĂ€tter und von allen gelisteten Crew-Mitgliedern (und das sind nicht wirklich viele) sagt dem geneigten Vielseher lediglich noch der Name Arpad Bondy, der fĂŒr die musikalische Untermalung zustĂ€ndig war, was – Bondy ist vielbeschĂ€ftiger Komponist, Editor, Autor, Produzent und gelegentlich sogar Regisseur hauptsĂ€chlich in Alemannia (so geht z.B. die Titelmusik der Krimiserie SOKO 5113 auf sein Konto. Wie verirrt sich ein solcher Name in ein solches Projekt? Das liegt an der deuschen Kohle von atlas-Film, die den Streifen produziert haben (ein jeder bekenne seine Schuld).

Gut, Bruceploiter leben nicht wirklich davon, dass man wissen muss, wer was warum macht. Sollte also dem Spaß keinen Abbruch tun, auch wenn die einschlĂ€gigen Filmverbrecher Lai/Tang einmal nichts mit dem VergnĂŒgen zu tun haben. Vorhang auf, Film ab (und das ist durchaus programmatisch)..


Inhalt

Der Vorspann allein ist das Eintrittsgeld wert, wĂŒrd ich fast behaupten – zwischen den spĂ€rlichen Credits werden nĂ€mlich allerhand Zeitungsartikel, Poster, Buchcover etc. zum Thema Bruce Lee, der echte, eingeblendet (u.a. auch BRAVO-Cover, deutschprachige Zeitungsartikel, kann man mit Standbild und Zoom vielleicht sogar noch lesen – nicht, dass ichÂŽs probiert hĂ€tte). Und dazu vollzieht sich der schaurig-schöne Titelsong des Streifens: „Goodbye Bruce Lee, King of Kung-fu“, eklig zuckersĂŒĂŸe 70er-Jahre-Discopampe von einem Typen namens „Candy“ (ganz harter Gangsta, bestimmt!), die so elefantös-monumental ist, dass ich keinerlei Aufwand und MĂŒhen gescheut habe, um extra fĂŒr Euch (in gruseliger SoundqualitĂ€t, was aber an meinem Equipment und nicht an der DVD liegt) einen winzig kleinen Ausschnitt zu fabrizieren (click here). Noch wĂ€hrend dieser Song vor sich hin heult, schalten wir um in eine Sporthalle, wo Lee Shiao (so heißt er zumindest laut dem DVD-Klappentext) uns (und seiner extrem gelangweilt zukuckenden Freundin, die ungefĂ€hr so enthusiastisch wirkt wie meine letzte, wenn ich vorschlug, einen bluthaltigen Horrorfilm anzusehen) zeigt, was fĂŒr ein toller Sportsmann er ist und sich nacheinander in den Teildisziplinen Pferdsprung, Reck, Boden, Barren und Trampolin (olympischer Sechskampf ist das aber nicht, und vor allem beim Trampolinspringen stellt sich der Sportskamerad Lee erquicklich dĂ€mlich an) als Superhecht outet. WĂ€re Goodbye Bruce Lee nicht ein Jahr Ă€lter, wĂŒrde ich behaupten, die nachfolgende Szene, in der Lee unter fachkundiger Anfeuerung („schneller“, „Endspurt!“) seiner Schnalle eine Treppe hochsprintet, sei aus Rocky geklaut. Das MĂ€del (das ĂŒbrigens keinerlei Namen trĂ€gt) ist nicht nur Motivationstrainerin, sondern auch Handtuchhalterin und reicht ihrem erschöpften Boyfriend den schweißtrocknenden Stofffetzen (mittlerweile sind ĂŒbrigens fast fĂŒnf Minuten rum und der Titelsong jodelt immer noch die Tonspur voll – möglich gemacht durch das beeindruckende Stilmittel des „noch-mal-von-vorn-anfangens“.

Lee geht zum Kung-fu-Workout ĂŒber und vollfĂŒhrt ein paar Standardfiguren, die keinem AchtjĂ€hrigen, der mal ein Dojo von innen gesehen hat, den blanken Neid auf die Stirn treiben wird. Plötzlich sehen sich Lee und seine Tussi von vier finsteren Gestalten umringt, die sich aus dem Nichts auf die GrĂŒnflĂ€che, die Lee sich fĂŒr seine Übungen ausgesucht hat, gebeamt haben (grad warÂŽs noch leer, schon sind sie da). „Hab keine Angst“, raunt Lee seinem MĂ€dchen zu. Schließlich ist er ja Kung-fu-Meister und daher trotz der numerischen Überlegenheit der Angreifer mĂŒhelos Herr der Lage dank superiorer Kampfkunst (und piepsiger Kampflaute. Die nervten mich schon beim echten Bruce).

Schnell sind die Schurken also windelweich geschlagen – Lee schickt sich an, einem flĂŒchtenden Angreifer nachzusetzen, wird aber von zwei anderen Gestalten unterbrochen. Nein, die hauen ihm nicht etwa aufs Maul oder ballern ihm Blei vor den Latz, sndern bitten schlichtweg verbal um Einstellung der Kampfhandlungen. Die Herren bitten Lee in ihr (etwas nippeslastig eingerichtetes) Office und stellen sich, hier beginnt der abgespacete Teil des Films, Filmproduzenten vor, und zwar genauer gesagt (zumindest will uns UNSER Film dies auf die Nase binden) die des letzten Werkes von Bruce Lee. Und denen ist ihr Hauptdarsteller durch vorzeitiges Ableben halt blöderweise abhandeng gekommen, was insofern fĂŒr die geldgierigen Produzzer unpraktisch ist, als dank Brucens Erfolg die Welt endlich eingesehen hat, was fĂŒr superdolle Filme in Hongkong gedreht werden. Es muss also ein Nachfolger her und aufgrund Lees verblĂŒffender Ähnlichkeit mit dem Verschiedenen (wer Bruce Li und Bruce Lee kennt, weiß, dass die sich ungefĂ€hr so Ă€hnlich sehen wie Jackie Chan und Bruce Lee. Sprich, Chinesen sehen zwar * irgendwie * fĂŒr uns alle gleich aus, aber halt dann doch nicht wirklich) – „sie sehen aus wie sein Bruder“, behauptet einer der Produzenten. Theoretisch könnten dann sogar Samo Hung und Chow Yun-Fat als Double durchgehen, schließlich sind die auch Chinesen und erfĂŒllen damit die einzige genetische Voraussetzung, um rein von den Grundbedingungen her Bruce-Lee-BrĂŒder zu sein. Von Zwllingen war schließlich nicht die Rede – habe man ihn eine Zeitlang beobachtet und nun diesen kleinen lockeren Demokampf arrangiert: „Sie sind genauso sportlich“, meint das Producerduo (das sollte Bruce Lee posthum von seinem Anwalt klĂ€ren lassen) und schlĂ€gt Lee offiziell vor, als Nachfolger ins gestrandete Filmprojekt einzusteigen. Anstatt dem Produzentenpack die Kauleisten zu polieren oder wenigstens zu den Bullen zu latschen, um das Gesindel zumindest wegen versuchter Körperverletzung und allgemeiner NervensĂ€gigkeit anzuzeigen, verspricht Lee tatsĂ€chlich, sich das ganze zu ĂŒberlegen.

Und die dumme Kuh von Freundin, die er hat, redet ihm sogar noch gut zu: „Schauspieler ist doch ein interessanter Job!“ Na, ich glaub, das MĂ€dchen trĂ€umt von einem Leben unter den oberen Zehntausend. Lee sagt also zu und pflanzt sich mitsamt seiner Schnepfe und einem der Producer in einen Studio-FilmvorfĂŒhrraum, denn, bevor Lee selbst ans fröhliche Drehen gehen kann, muss er sich zunĂ€chst mal ansehen, was der echte Bruce denn vor seinem Ableben auf Zelluloid hat bannen lassen (ergo: der Film impliziert, ein Großteil der nachfolgenden Footage wĂ€re „echt“ – und blöderweise bekrĂ€ftigen falsche EintrĂ€ge in IMDB und OFDB diesen Eindruck auch noch. Mir ist eines klar – der ECHTE Bruce Lee ist das nie und nimmer, ich bin nur unsicher, ob Bruce Li eine Doppelrolle spielt, also quasi sich selbst und den echten, oder ob das zwei verschiedenene Imitatoren sind. DafĂŒr kann ich ChinamĂ€nner nun doch nicht gut genug auseinander halten)…

Das bedeutet, wir können den bisherigen Schmu eigentlich komplett vergessen (denn es geht mitnichten um die Dreharbeiten), sondern fangen jetzt mit der eigentlichen Film-im-Film-Handlung an und nur die interessiert, der ganze Prolog dient eigentlich nur dazu, eine einzige spĂ€tere Szene vorzubereiten und ĂŒber Sinn und Unsinn dieser Aktin werde ich mich ganz sicher in der Analyse auslassen. Und wenn ichÂŽs nicht tue, dann erinnert mich bitte im Forum daran).

WĂ€hrend der Soundtrack die nicht minder packende Instrumentalversion von „Goodbye Bruce Lee“ einspielt (Future Doc: Dran gewöhnen. Der komplette Soundtrack besteht aus der gesungenen Variante, der instrumentalen Version und ein paar sekundenkurzen incidentals. Passt komplett auf eine Single), latscht Bruce Lee (der im Film auch so heißt, also brauch ich mir keinen Kopf drĂŒber zu machen, obÂŽs der echte ist oder ja) in schneeweißem Anzug mit seiner selbst fĂŒr toleranten westlichen Geschmack nicht unbedingt superattraktiv aussehenden Freunden durch die nĂ€chtlichen Straßen. Die beiden latschen jedoch nicht alleine – da gibt es noch einen hektische Blicke um sich werfenden Chinesen und einen dank seines gezwirbeltem Schnurrbarts recht debil aussehenden Kaukasier. Einer von den beiden verfolgt sichtlich den anderen, ohne, dass wir uns zunĂ€chst einen Reim drauf machen könnten, wer nun wen. Gibt ja auch sicher wichtigeres…

Ok, folgendes: der Kaukasier verfolgt den Chinesen und stellt ihn auch schlußendlich an einer Hauswand, um ein Messer zu ziehen. In Superzeitlupe, die Jess Franco nicht besser hingekriegt hĂ€tte (ich habe wirklich den starken Verdacht, dass die beiden Akteure auch nur so tun, als wĂ€rÂŽs ne slowmo) bekommt der Chinese das Messer in den Wanst und bricht in Zeitlupe röchelnd an der bewußten Wand zusammen. Bruce Lee, der den gemeinen Anschlag aus ca. 30 Meter Entfernung entsetzt beobachtet (um Zeugen hat sich der Killer also keine besonderen Gedanken gemacht), kommt zu spĂ€t, um den Bauchstich zu verhindern, aber nicht zu spĂ€t, um den Killer mit zwei halbseidenen Punches, mit denen man nicht mal einen durchschnittlichen Darius-Michalczewski-Gegner beendrucken könnte, in die Flucht zu schlagen.

Being helpful and stuff möchte Bruce fĂŒr den Röchelnden medizinische Hilfe organisieren (das könnte eigentlich ganz bequem seine Schnalle, die in ein paar Meter Entfernung rumstehen und blöde kucken mĂŒsste, erledigen), jedoch weiß der Niedergestochene, dass sein letztes StĂŒndlein geschlagen hat. Bruce möchte doch bitte so lieb sein, und den Ehebesen des Dahinscheidenden ĂŒber den bedauerlichen Zwischenfall ignorieren und… „die BĂŒcher—röchel-sterb!“ Bruce pickt die Tasche des Abgekratzten auf und macht sich auf, den letzten Wunsch zu erfĂŒllen (nicht, dass er unterwegs bei der Polizei vorbeischauen und den Mord melden wĂŒrde, woher denn…).

Also wackelt Bruce Lee direkt zur frischgebackenen Witwe – ob er deren Adresse aus dem Kaffeesatz gelesen, unbĂŒrokratisch des Toten Brieftasche auf Ausweispapiere etc. untersucht oder einach nur geraten hat, verrĂ€t uns keine Sau (gebraucht hat er von Tatort zu Witwenwohnung eine Stunde). Die Dame des Hauses reagiert verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig aufgerĂ€umt auf die Nachricht, offenbar hat sie mit sowas schon gerechnet, denn schließlich sei ihr MĂ€nne „Chemiker im Geheimauftrag“ gewesen. Und die Killer könnten jetzt ja auch hinter Bruce her sein, also möge der doch schleunigst verschwinden. Bruce erkundigt sich aber noch nach existierender Verwandschaft. Ja, richtig, da gibtÂŽs noch ÂŽnen Sohn, der Inschenjör studiert. Wenn Bruce so lieb wĂ€re, da doch gleich mal hinzugehen, ihm das vom Tod des Papas zu erzĂ€hlen und ihm noch das Paket FachbĂŒcher vorbeizubringen, das Mama schon geschnĂŒrt hat (Argh. Ein Wildfremder darf das also ĂŒbernehmen. „Übrigens, dein Alter ist hin. Aber da sind deine BĂŒcher, viel Spaß damit und lern schön!“ Ja, das klingt, Ă€h, logisch). Bruce Lee, Helferlein in allen Lebenslagen, sagt selbstverstĂ€ndlich zu (also, ich hĂ€tte ehrlich gesagt besseres zu tun, als einer ganzen Sippe nacheinander von der Ermordung ihres ErnĂ€hrers zu erzĂ€hlen. DafĂŒr werden die Cops bezahlt).

Die Instrumentalversion unseres beliebten Titelsongs erklingt, ich schĂ€tze, es passiert etwas wesentliches. TatsĂ€chlich – die trauernde Witwe reißt die von Bruce ĂŒberbrachte Tasche auf und freut sich ein Loch ins Knie. „Den Stoff haben wir schon mal!“ Ah, foul play ahead, und als die vermeintliche Leiche mit einem fröhlichen „Ich bin wiederauferstanden“ in die Wohnstube tritt und sich selbstzufrieden aufÂŽs Sofa fallen lĂ€sst, sehen wir klar. Das alles war ein Setup. Der Grund fĂŒr die komplizierte Methodik: was Bruce jetzt mit sich rumtrĂ€gt, ist mitneffen und -nichten studentische PflichtfachlektĂŒre, sondern ein Zasterpaket im Nennwert von schlappen 500.000 Steinen. Und deren EmpfĂ€nger ist natĂŒrlich auch nicht ein ominöser „Sohn“, sondern der Boss der Kriminellen. Und Bruce hat man sich als zuverlĂ€ssigen ahnungslosen Boten ausgekuckt, weil er a) vertrauenswĂŒrdig (ich denke, das sollte eher „vertrauensselig“ heißen) ist und b) ein guter Fighter, der sich das Packerl nicht von jedem Hinz, Kunz oder bezahltem SchlĂ€ger der ersichtlich zu hintergehenden Partner des Bosses abnehmen lĂ€sst. „Er wird ihnen heimleuchten“, wie sich die grinsende Pseudoleiche auszudrĂŒcken beliebt. Ein solch raffinierter Plan ist schon einen Asbach-Uralt, oder zumindes ein alkoholisches GetrĂ€nk nach Wahl wert, dessen Genuß den Filmemachern die Möglichkeit zu einem grandiosen Gut Gemachten Szenenwechsel (c) by Mel Brooks bietet („Leiche“ setzt Glas an, „Boss“ setzt Glas ab). Der Boss wartet auf den Boten.

Bruce ist auch unterwegs, wird aber verfolgt. Er entzieht sich seinen Schatten mittels des enorm heimtĂŒckischen, noch nie gesehenen und schlichtweg entgeisternd kreativen Tricks des „hinter-einer-Ecke-versteckens“, gefolgt von der „hinter-einer-1-m-hohen-Mauer-kauern“-Taktik. Genius @ Work. Doch der ganze konzertierte und konzentrierte intellektuelle Aufwand lĂ€uft ins leere, als Bruce von einem baumlangen, spindeldĂŒrren Schwarzen (demzufolge einem Basketballspieler und das, was dieser Film als Ersatz fĂŒr Kareem Abdul-Jabbar verpflichten konnte… ÂŽn Harlem Globetrotter ist da nicht) abgefangen wird . Dank seiner Reichweitenvorteile klaubt der Schwarze Bruce das Paket aus den HĂ€nden und vollfĂŒhrt damit ein paar wahnsinnig beeindruckende BasketballerkunststĂŒckchen (durch die Beine dribbeln, auf dem Finger kreiseln lassen, you know the stuff). Das kann natĂŒrlich nicht geschehen, ohne dass die Instrumentalversion des Titelsongs erklingt. Bruce sieht sich gewzungen, dem Sportskameraden ein wenig mores zu lehren, was aufgrund der Tatsache, dass der 2,20-Schlaks sich langsamer bewegt als ein phlegmatischer Sumoringer, kein gesteigertes Problem fĂŒr unseren King of Kung-fu darstellt.

Der Boss wundert sich indes, warum der Bote noch nicht geklingelt hat (wird das Geld kalt wie ÂŽne Pizza, wennÂŽs lĂ€nger als 30 Minuten unterwegs ist?), weswegen er bei „Leiche“ (da der Kerl auch keinen Namen hat, muss ich dabei bleiben) anruft. Leiche versichert dem Boss nochmals die absolute VertrauenswĂŒrdigkeit des Kuriers. Seine „Witwe“ ist skeptischer – was, wenn Bruce am Ende zu den Polypen gegangen ist? „Daran will ich gar nicht denken!“, entfĂ€hrt es der Pessimistin.

Keine Angst, so etwas gesunden Menschenverstand beweisendes zu tun liegt unserem Helden gĂ€nzlich fern. Statt dessen beschließt er, seinen Bruder zu konsultieren. Nachdem Bruce seinem BrĂŒderchen, der auf den Namen Han Lee hören wird (fast so gut wie Han Solo; und nach Logik der Film-im-Film-Produzenten mĂŒsste Han Lee ja ein Ebenbild von Bruce sein, schließlich „BrĂŒder“ und so…), eine Kurzfassung der bisherigen Ereignisse aufs Auge drĂŒckt (könnte ja auch sein, dass einer der Zuschauer ob der rasenden Spannung und der Nonstop-Action der letzten 15 Minuten – oder aufgrund der Dauerberieselung mit dem Titelsong – die Story vergessen hat), kommen die beiden Kerle auf den exzellenten Einfall, doch mal das Paket zu öffnen (nachdem selbst Bruce Lee mittlerweile kombiniert hat, dass aktuelle FachbĂŒcher der Ingenieurwissenschaften vielleicht an der durchschnittlichen deutschen Elite-Uni Anlaß bieten könnten, sich drum zu prĂŒgeln, aber nicht unbedingt in Hongkong bei Nacht). Uns ĂŒberraschtÂŽs ja nicht mehr – im Paket befinden sich jede Menge grĂŒne Scheine. „Und was machen wir jetzt?“, simultanfragen die Lee Brothers. Han wĂŒrde die Polizei empfehlen (welch exotischer Gedanke). Bruce wĂ€re willig, doch andere Leute brauchen Gewalt und klopfen energisch an die TĂŒr. Bruce hasselt Bruder samt Kohle durch die HintertĂŒr wohin-auch-immer, wĂ€hrend er selbst es mit den drei lĂ€cherlichen Witzfiguren aufnimmt, die draußen vor der VordertĂŒre (vor der Vorder… höhö, witzig, darĂŒber kann ich mich amĂŒsieren. Ich weiß, ich bin doof) warten. Ein paar Tritte, ein paar SchlĂ€ge, verscheucht sind die bösen Feinde (ich wiederhole mich: wieso engagieren Gangster eigentlich immer die letzten Luschen als berufsmĂ€ĂŸige SchlĂ€ger, dieÂŽs nicht mal in deutlicher zahlenmĂ€ĂŸiger Überlegenheit gebacken kriegen, einen einzelnen Gegner wenigstens böse niederzustieren, geschweige denn zu hauen. Und, wieso in Gottes Namen, gebt ihr den Kerlen nicht wenigstens ein paar Wummen mit. WĂŒrde viel Ärger ersparen, wenn man so einen nervenden Möchtegernkungfuakrobaten einfach umpustet).

Han Lee lĂ€uft bei seiner Freundin auf, „um meine Verfolger abzulenken“ (ah, diese Beziehung hat keine Zukunft. Ich mein, als seine Freundin wĂŒrdÂŽ ich mich herzlich bedanken!). Doof genug, ihr zu zeigen, was in dem geheimnisvollen Paket ist, ist er auch. Bei Girlfriend zeigen sich sofort die Dollarzeichen in den Augen und als er mit den Worten „Ich glaub nicht, dass sie mich hierher verfolgt haben (was sein Statement dreißig Sekunden vorher konterkariert)“ wieder gehen will, zieht sie die Hundeblick- und „Bleib doch ĂŒber Nacht da“-Masche, verstaut die Kohle in ihrem Kleiderschrank und zĂŒckt eine Schampusflasche, die man fĂŒr solche EventualitĂ€ten ja stets unterm Wohnzimmertisch stehen hat. Han, du bist ein Trottel.

Der böse Kong ist ob der Inkompetenz seiner HenchmĂ€nner geringfĂŒgig angepißt: „Man sollte euch in Streifen schneiden!“ (Rallyestreifen? Filmstreifen? Polizeistreifen? Ich weiß, ich bin albern). Einer seiner Unterlinge hat aber fĂŒr Villains-Right-Hand-VerhĂ€ltnisse einen unerwarteten Anfall von Intellenz und Initiative erlittten und sich bei den Cops umgehört, ob dort jemand a) einen Mord gemeldet und b) einen Batzen Zaster abgeliefert hat. Hat niemand. „Das hab ich mir gedacht“, knurrt Kong, „der will das Geld behalten“ (nichts liegt Bruce ferner), aber das einzige, was Bruce sich nach Kongs bescheidener Meinung anschaffen kann, ist ein Sarg. Er hetzt seine Armee auf Bruce, aber „lasst ihn nicht gleich ĂŒber die Klinge springen“ (dann braucht er doch aber auch keinen Sarg? Ach, diese Schurken wissen aber auch NIE, was sie wollen).

Bruce und sein eigenes Gspusi werden von zwei AnzugtrĂ€gern eines Cheng-Li-Konzerns angesprochen. Deren Chef wĂŒrde gern ein paar Worte mit Bruce sprechen. „GrĂŒĂŸen sie ihn von mir“, empfiehlt Bruce und lĂ€sst die AnzĂŒge stehen, weil er andere Sorgen hat. Han ist nĂ€mlich verschwunden. Im universellen Geist aller Görlfrends des Universums hat Bruces Weibi die grandiose Idee, Hans Freundin anzurufen, vielleicht ist der AbgĂ€ngige ja dort aufgelaufen. Bruce hĂ€lt das fĂŒr eine gute Idee (selber wĂ€r er da nie draufgekommen. Pflaume.) und gelobt, sie anzurufen (was er den ganzen Film ĂŒber nicht tun wird, sondern sich auch die nĂ€chsten gut fuffzich Minuten noch fragen wird, wo zum Geier sein BrĂŒderlein hin ist).

Kong ruft den ominösen Boss an, der ihn linken wollte. Der hört auf den flotten Namen „Alter Rabe“ und ist, ta-daa, nicht nur der Chef des Cheng-Li-Konzerns, sondern auch Brötchengeber von Bruces Freundin (die ĂŒbrigens Lu Ping heißt) – warum Lu Ping allerdings bei der soeben erfolgten Anlaberung von den Cheng-Li-Typen große Kulleraugen undÂŽn dummes Gesicht gemacht hat anstelle einer Bemerkung a la „Ach, das ist mein Chef“, erschließt sich mir weniger. Kong bietet dem Alten Raben unbĂŒrokratisch Hilfe bei der Wiederbeschaffung der Kohle an, die der Rabe, ungeachtet der Tatsache, dass er Kong ja bescheißen wollte, katzbuckelnd annimmt (wer ist hier der Boss, fragt man sich da doch).

Im Gegensatz zu Bruce oder Lu Ping ist Alter Rabe sich durchaus um die diversen beruflichen Verflechtungen im klaren und lĂ€dt daher seine Tippse Lu Ping freundlich-bestimmt-chefmĂ€ĂŸig ein, doch seiner ihr gleichaltrigen Tochter als Gesellschafterin zur VerfĂŒgung zu stellen. Lu Ping beißt auf ein vermeintliches Leben im Luxus an und sagt zu, gleich am nĂ€chsten Tag beim Raben einzuziehen.

Bruce macht sich immer noch Sorgen um Han, der nirgendwo aufzutreiben ist und keine Nachrichten hinterlassen hat (nicht, dass Bruce sich, siehe oben, zwischenzeitlich bei Hans Schickse erkundigt hĂ€tte). Ganz zerknirscht ist unser Hero, redet sich ein, das alles seine Schuld sei (tja) und ergeht sich in ĂŒblen Vorstellungen, seinem Bruder sei was zugestoßen. Lu Ping schlĂ€gt vor, eine Vermißtenanzeige bei der Bullerei aufzugeben (was ich prinzipiell fĂŒr einen sehr sachdienlichen Vorschlag halte. Ehrensache, dass Bruce darauf nicht eingeht). Da ruft plötzlich Kong an und verlangt die Herausgabe des Geldes, „sonst hauen wir ihnen die Visage in Fransen“ (blumige Ausdrucksweise hat der Kerl), und wenn das nicht riechen sollte, wird man erst Lu Ping und dann Bruce selbst umbringen. „Das ist doch nur eine Drohung“, stellt Bruce fest (nein! Ich bin sicher, Kong hat das ĂŒberhaupt gar nicht drohend gemeint) und bekundet, nicht erpreßbar zu sein.

Lu Ping, abgesehen von ihrem Blackout vorhin mit den Cheng-Li-Leuten sichtlich die intelligentere HĂ€lfte der Beziehung, erneuert ihren Vorschlag, sich den Bullen anzuvertrauen und empfiehlt Bruce, in ein Hotel zu ziehen. „Warum?“, blödfragt Bruce, der sich scheinbar noch nicht zusammengereimt hat, dass, wer seine Telefonnummer hat, auch seine Adresse kennen könnten. Vor den hergelaufenen SchlĂ€gern Kongs hat unsÂŽ Bruce doch keine Angst! Lu Ping erzĂ€hlt ihm, dass sie in die Villa ihres Chefs zieht. „Wer singt mir dann mein Schlafliedchen?“, möchte der harte KĂ€mpfer Bruce wissen und geht heim.

Wo er, wie nicht anders zu erwarten, schon von ein paar finsteren Vasallen Kongs erwartet wird. Vier, um genau zu sein. Mit bemĂŒhter Bruce-Lee-Gestik (das berĂŒhmte „mit der Hand ĂŒber die Nase fahren“) und leidlichem Kung-fu balgt unser Hero mit den Bösen, bis die vom Sirenengeheul einer zufĂ€llig irgendwo ein paar hundert Meter (genauer gesagt, so weit weg, dass wir sie nicht mal im Bild sehen) rumfahrenden Polizeistreife in die Flucht geschlagen werden. Dedicated, those guys.

Am nĂ€chsten Morgen wird Bruce erneut von den Cheng-Li-AnzĂŒgen besucht. „Wir halten nichts von Drohungen oder Erpressung“, informieren die Kerle unseren Helden, nein, sie hĂ€tten vielmehr ein Angebot, das Bruce unmöglich ablehnen könne. „Bringen wirÂŽs hinter uns“, seufzt Bruce-sein-Name-ist-RĂŒckgrat. Das tolle Angebot lautet „Wiederbeschaffung der verlorenen Penunze gegen 25.000 Dollar Belohnung“. Bruce hĂ€lt diesen Vorschlag fĂŒr inakzeptabel, wĂŒrde aber mitspielen, wenn der Cheng-Li-Konzern sich bei der Suche nach Han beteiligt (haltet mich fĂŒr total verblödet, aber nach derzeitiger Faktenlage ist das ein und das selbe), fĂŒr lau, nur, wenn Han ein HĂ€rchen gekrĂŒmmt sein sollte, gĂ€bÂŽs Dresche. Die AnzugtrĂ€ger halten das fĂŒr einen interessanten Vorschlag und versprechen, diesen an ihren Boss weiterzuleiten (vermutlich lachen die sich tot: „Dieser Idiot! Wir wĂŒrden ihm glatt Geld geben und er machtÂŽs umsonst, muwaaa-haa-hahaahaaa!“)

Han (wo WAR der Kerl eigentlich die ganze Zeit???) sucht die Bude seiner Freundin auf und stellt ĂŒberrascht fest, dass selbige einen erheblichen Mangel an 1. Klamotten, 2. verstecktem Zaster und 3. Freundin aufweist. Tja, Hannilein, das Girl hat dich verarscht (und besser verdient hast duÂŽs auch nicht, Depp. Und sowas will Bruce Lees Bruder sein… nicht, dass der Bruce Lee hier im Film ein helleres Köpfchen hĂ€tte).

Bruce konferiert mit dem Alten Raben live und in Person. Letzterer erklĂ€rt unserem Helden, auch fĂŒr diejenigen unter den Zuschauern, die * schon wieder * vergessen haben, was eigentlich Sache ist, noch mal die GrundzĂŒge der Handlung (also Rabe wollte eigentlich Kong verarschen, Kill und „Botengang“ reines Set-up, Bruce hat sich genau verhalten wie gewĂŒnscht etc.). Und jetzt fĂ€nde der Rabe es einen feinen Zug von Bruce, wenn der die Kohle rausrĂŒcken wĂŒrde. Bruce weist wahrheitsgemĂ€ĂŸ darauf hin, dass er keinen Schatten hat, wo der Zaster ist, was der Rabe selbstverfreilich keinen Meter weit glaubt. Gut, es hilft Bruces Sache auch nicht weiter, dass er zu Protokoll gibt, selbst WENN er wĂŒsste, wo das Geld ist, sich lieber einen Knoten in die Zunge machen wĂŒrde (der ist SO intelligent, der Bursch!) – das nĂ€mlich bietet dem Raben willkommene Gelegenheit, böse grinsend auf das bestehende ArbeitsverhĂ€ltnis zwischen ihm und Lu Ping und das dort inherente erpresserische Potential zu verweisen. Der Rabe lĂ€sst Bruce zwecks Denkpause allein. Das Publikum hört förmlich die Hirnmechanik quietschen, bis Bruce zu einem Entschluss kommt – er ruft (clevererweise vom Hausapparat des Raben aus) Lu Ping am Arbeitsplatz an und warnt sie vor der bösen Falle. Lu Ping, die sich sichtlich darĂŒber im klaren ist, dass ihr Loverboy zerebral eine Niete ist, hĂ€lt ihn erst mal fĂŒr besoffen. Bruce setzt ihr auseinander, dass ihr Chef ein Drogendealer ist (woher er das weiß? Der streitgegenstĂ€ndliche Geldbetrag könnte doch auch aus wirklich jeglicher anderen möglichen Geldquelle gespeist sein) – „dieser nette alte Herr?“ wundert sich Lu Ping. Ja, der nette alte Herr will das Geld. Wir kommen zur blöden Frage des Jahres: „Welches Geld?“, will Lu Ping wissen. Jetzt beißt auch Bruce fast schon in den Hörer. „DAS Geld!“ (Ich nehme alles zurĂŒck, was ich ĂŒber Lu Pings Intelligenz gesagt habe). Ehe die Sache weiter ausdiskutiert hat, wird die Verbindung fieserweise terminiert (ich wußte doch, dass es eine blöde Idee ist, vom Hausapparat des Raben aus zu teftelonieren). „Die RĂŒbe sollte ich ihnen runterreißen“, grumpft Bruce (der ist sichtlich in die Kong-School of Communication gegangen). Der Rabe ist aber wirklich ein freundlicher Vogel, denn er erhöht die Offerte auf satte 30.000 Dollar – was könnte sich Bruce nicht alles davon kaufen, ein Haus z.B. (die GrundstĂŒckspreise in HK scheinen niedriger zu sein als man ob der eher begrenzten StadtflĂ€che meinen möchte). „Ihr Geld stinkt“, nölt Bruce und muss sich dafĂŒr als kleinkarierter Spießer beschimpfen lassen. Bruce redet sich weiter um Lu Pings Kopf und Kragen: „Ihr Angebot zieht einem die Schuhe aus. Stecken sie sich ihr Geld in den Arsch!“ Und ĂŒberhaupt, die ganze Geschichte sei doch wirklich albern, das wĂŒrde doch nicht mal das Fernsehen dem Raben abkaufen (!?). Der Rabe tut so, als hĂ€tte Bruce ihm ins Gewissen geredet, wird unterwĂŒrfig und entschuldigt sich, um Lu Pings umgehende Freilassung anzuordnen. Bruce, der tatsĂ€chlich dĂ€mlich genug ist, das zu glauben, staunt Legosteine, als ihm eine Handvoll SchlĂ€gertypen entgegentritt, drei an der Zahl. Bruce hĂ€lt die Zeit fĂŒr einen strategischen RĂŒckzug gekommen (oder er ist anstĂ€ndiger Gast genug, um sich nicht im Wohnzimmer des Raben prĂŒgeln zu wollen, falls da was kaputt gehen sollte – der Film hat fĂŒr so aufwendige Stunts wie vielleicht den ein oder anderen zerdepperten Stuhl oder klirrende Vasen leider keine Peseten ĂŒbrig), doch draußen warten noch vier mehr, darunter der vermeintliche „Killer“ vom Anfang. Gerade der hat scheinbar die gĂ€ngigen „Three Stooges“-Shorts gesehen und möchte bei Bruce einen Augenpiekser landen. Hat er natĂŒrlich keine Chance nicht. Man prĂŒgelt sich ein Weilchen auf mĂ€ĂŸigem Niveau, ehe Bruce das Weite sucht und auch finden darf, da der Rabe die Losung ausgibt, ihn ziehen zu lassen: „Die Koreaner werden ihn schon fertig machen!“ (Wer zum Geier sind die Koreaner? Woher kommen die? Wer beauftragt die? Oder sind in Hongkong einfach immer ein paar Koreaner greifbar, die ahnungslose Passanten vermöbeln?).

Egal, da sind sie jedenfalls, die Koreaner, vier Mann hoch, im modischen Einheitsoutfit schwarze Hose, weißes Hemd and ready to kick some butt (unnötig zu erwĂ€hnen, dass der Soundtrack uns bereits wieder seit mehreren Minuten glaubhaft versichert, dass wirÂŽs mit dem „King of Kung-fu“ zu tun haben). Man kĂ€mpft auf einem Spielplatz und bezieht (wenn ich mir da Jackie Chans Methoden so ansehe, eher lahmarschig) ein bissl die SpielgerĂ€te in die fröhliche Klopperei ein. Please note, wie extrem relaxed bis gelangweilt sich diejenigen KĂ€mpfer, die gerade nicht mit Angriffsaktionen beschĂ€ftigt sind, sich im Hintergrund herumdrĂŒcken. Der Kampf scheint hart zu sein, ein Koreaner entledigt sich sogar seines Hemdes. Aber nach ein paar Minuten sind alle Koreaner k.o.

Kong und der Alte Rabe treffen sich. Letzterer wundert sich zwar ein wenig darĂŒber, dass Kong wegen der versuchten Beschißaktion so ĂŒberhaupt nicht nachtragend ist, alles vergeben und vergessen. Wenn das so ist, da verrĂ€t der Rabe Kong doch gleich, dass er Lu Ping als Geisel hat und Kong, der bereits großherzig seine besten KĂ€mpfer anbietet, gerne mitspielen mag, wenn er den will. Will er doch glatt und schlĂ€gt auch gleich das passende Etablissement fĂŒr den großen Showdown vor – den „Turm der sieben Sterne“! Das klingt doch schon aufregend (yawn). Stolz fĂŒhrt Kong gleich seinen Oberfighter vor, einen PelzmĂŒtzentrĂ€ger namens Kim (den wir gleich vergessen können, da er im anschließenden Showdown gar nicht erst vorkommt. Ich liebe es, wenn Filmemacher einen Plan haben).

Bruce kommt nach Hause und findet seine Wohnung verwĂŒstet vor (naja, die Bude des Docs sah nach manchem Forumstreffen schlimmer aus…). Bruce schmeißt sich in seinen berĂŒhmten gelben Trainingsanzug mit dem noch berĂŒhmteren schwarzen Streifen, zieht aber noch eine blaue Trainingsjacke drĂŒber. Es geht nun wirklich aufÂŽs Finale zu. Das Telefon klingelt und die BösmĂ€nner bestellen Bruce zum Rendezvous im Turm der sieben Sterne ein, das Geld möge er bitte mitbringen, sonst wird Lu Ping vom obersten Turmstockwerk aus das Fliegen lernen. Drei Stunden hat er Zeit. Das eigentlich wichtige an dieser Szene ist weniger die Verabredung zum Schlußkampf, sondern das wir jetzt an der Stelle sind, fĂŒr den wir den ganzen doofen Prolog um die Bruce-Lee-Nachfolge gebraucht haben, denn JETZT tauschen wir flugs den Hauptdarsteller aus (wobei ich, wie oben geschildert, auch angesichts allem, was ich im Netz gefunden habe, davon ausgehe, dass es sich bei beiden Gestalten um Bruce Li handelt), und die dafĂŒr verwendete Methode ist schon schlicht und ergreifend ingeniös… die Filmemacher verwenden nĂ€mlich immer schneller werdende Schnitte von einem der Bruce-Lee-Doubles zum anderen (dabei auch aus unterschiedlichen Kameraperspektiven), und am Ende der Schnittsequenz (ich wĂŒrde MTV-Schnitt schreiben, wenn der Film MTV nicht um Jahre prĂ€datieren wĂŒrde) ist mirakulöserweise aus unserem „echten“ Bruce Lee Lee Shiao geworden. Pure genius. Und so dezent.

Der Typ, der vorhin „Opfer“ des vorgetĂ€uschten Attentats wurde, spaziert mit der angeblichen Ehefrau und einer Aktentasche durch die Straßen – völlig unvermittelt werden beide auf offener Straße verhaftet (wiesoweshalbwarum? No idea).

„HeÂŽs the King of Kung-fu“, wiederholt der Soundtrack (erwĂ€hnte ich, dass mir das Lied seit ungefĂ€hr 30 Minuten mĂ€chtig auf den Fisch geht?), als Bruce entschlossen dem Turm der sieben Zwerge, Ă€h, Sterne, entgegenstiefelt. Im Erdgeschoß wartet Kong in Begleitung zweier grimmiger Martial-Artisten und stellt ein wenig sĂ€uerlich fest, dass Bruce mit ohne Kohle erschienen ist. Zwecks Motivation unseres Helden lĂ€sst er daher den Raben die gefesselte Lu Ping anschleppen. Bruce grummelt, erneuert seine Auskunft, nichts ĂŒber den Verbleib des Zasters zu wissen, und entblödet sich nicht, die Einschaltung der GesetzeshĂŒter anzudrohen. Kong erinnert unseren Hero an die Höhe des Turms und die mangelhafte Aerodynamik von Lu Ping, zwar verabscheue er Gewalt, aber wennÂŽs nicht anders geht, muss es halt sein. Muwa-ha-haa! Lu Ping winselt im Hintergrund (vor einem hĂŒbsch gemalten Landschaftshintergrund, ĂŒbrigens) vor sich hin. Der Alte Rabe unterbreitet einen sportlichen Vorschlag – entweder Bruce organisiert jetzt sofortamente und el zacko das Bargeld oder er kĂ€mpft sich durch alle sieben Stockwerke zur Turmspitze. Sollte ihm das gelingen, wollen die Bösen tatsĂ€chlich lieb und nett genug sein und Lu Ping freilassen (ich sag doch, mit den Jungs kann man reden). Sollte Bruce allerdings unterwegs mal ein KĂ€mpfchen verlieren, wird Lu Ping die Schwerkraft aus eigener Anschauung kennenlernen. SelbstverstĂ€ndlich entscheidet sich Bruce fĂŒr die kampfsportliche Herausforderung, auch wenn Lu Ping das nicht wirklich prickelnd findet (scheint kein Vertrauen ins Kung-fu ihres Loverboys zu haben, die GutÂŽste).

Also muss sich Bruce zunĂ€chst mit den beiden barbrĂŒstigen KampfkĂŒnstlern auseinandersetzen, wĂ€hrend Kong, Rabe, Bodyguards und Lu Ping schon mal in den nĂ€chsten Stock hochpilgern. Bruce macht mit den beiden Knaben kurzen Prozeß (hĂŒbsch find ich auch das nette Stilmittel der „Distorto-Vision“ – weichgezeichnetes, flimmerndes und fröhlich waberndes Bild, wenn einer der KĂ€mpen schwer was vor die Glocke bekommen hat und nicht mehr geradeaus sehen kann). In ersten Stock wartet ein Samurai sam dazugehörigen Schwert auf Bruce. Der Kampf beginnt eher verhalten, bis Bruce sich seine Trainingsjacke auszieht und versucht, sie als Waffe einzusetzen. Offenbar haben die Bösen wenig Vertrauen in die FĂ€higkeiten ihres KĂ€mpfers, denn die Prozession nimmt schon mal den Aufstieg zur nĂ€chsten Etage in Angriff. Irgendwoher gelingt es Bruce, aus dem Nichts einen Dolch zu fabrizieren (oder soll ich annehmen, dass er den dem Samurai aus der Rocktasche geklaut hat?). Seine FĂ€higkeit, gar lustig Kringel um den verwirrten Samurai teleportieren zu können (Bruce vor dem Samurai – zack – Bruce in Nullzeit hinter dem Samurai), gereicht unserem Helden zum Vorteil und mit seinen in Wiener-SĂ€ngerknaben-Tonlage vorgetragenen „du-du-du-DUUU“-Kampflauten raubt er dem Japaner den letzten Nerv (mir ĂŒbrigens auch). Da Samurais offenbar auch kein Konditionstraining betreiben, ist der Nippon-Export nach ungefĂ€hr drei Minuten Kampf platt wie ein MaikĂ€fer und fuchtelt nur noch irre mit seinem Zahnstocher durch die Luft. Bruce lĂ€sst den Kerl einfach stehen und erklimmt die nĂ€chste Etage (zĂ€hlt das wirklich als Sieg? Immerhin steht der Samurai noch, nicht mehr als Herr seiner Sinne, zugegeben, aber aus eigener Kraft auf eigenen zwei Beinen. Also bestenfalls Remis, oder warÂŽs ÂŽne Kampfrichterentscheidung?).

NĂ€chster Stock, nĂ€chstes GlĂŒck. Hier wartet ein Schwarzgurt-Judoka auf Bruce. Nachdem dessen Griffe aber kaum Wirkung zeigen, greift er sich einen Stock und prĂŒgelt damit auf Bruce ein. Uns Bruce ist aber SO HART, dass ein Schlag auf seine Schulter den Stock in zwei Teile splittern lĂ€sst, womit nun auch Bruce sich eines HolzprĂŒgels bemĂ€chtigen kann. Bruce schlĂ€gt dem Judoka brutal mit seinem Stöckchen aufÂŽs Bein, womit auch Runde 3 nach Punkten an Bruce Lee geht.

Jetzt bekommtÂŽs Bruce mit einem Tier zu tun. Nein, nicht mit einem Tier in Form von Hund, Katze, Maus, sibirischer Königstieger, sondern mit dem humanen Äquivalent eines durchschnittlichen Muppet-Show-Schlagzeugers, bekleidet nur mit einer kurzen Sporthose, Besitzer einer gut sortierten Brusthaarfarm, der eloquenten Ausdrucksweise eines Neandertalers („Grrgrooograaa“), Kaukasier (was sich spĂ€testens aus der Brusthaarfarm zwanglos ergeben sollte) und damit zweifellos Ringer. Freistil. Bruce ist dem Knaben sichtlich sogar gehirnmĂ€ĂŸig ĂŒberlegen und hat in diesem Kampf u.a. den Vorteil, in der Luft stehen bleiben zu können, um dem Gegner nach erfolgtem Übersprung noch einen Tritt in den RĂŒcken verpassen zu können (eine einzige flĂŒssige Bewegung – nicht). Der Ringer versuchts mit klassischen Ringkampftechniken wie Lock-up und Beinschere, rechnet aber nicht damit, dass Bruce unfair genug ist, ihm beispielsweise ins Bein zu beißen (iieh, wie eklig). SpĂ€testens durch den unerlaubten Zahneinsatz gewinnt Bruce die Oberhand – die Prozession der Böslinge zieht schon in den nĂ€chsten Stock und macht sich, zumindest soweit es Kong angeht, keine Sorgen, denn spĂ€tetens Ali, der nĂ€chste Fighter, wird das Kind schon schaukeln bzw. Bruce plĂ€tten.

Ali ist entgegen seines Namens nicht etwa Araber, sondern turbantragender Inder, als solcher natĂŒrlich ein Fakir/Guru/Yogi/whatever, was schon daran erkennbar ist, dass er mit geschlossenen Augen im Lotossitz meditiert (wieso muss ich jetzt an Streetfighter II denken?).

Dieweil hat Bruce endlich mit Animal ausgespielt (Distorto-Vision beim leicht angeschlagenen Ringer) und macht sicha uf in den nĂ€chsten Stock. Der Yogi hopst im Lotossitz quer durch den Raum (!), natĂŒrlich still in trance, ehe er „aufwacht“ und die traditionelle Waffe aller indischen YogibĂ€ren auspackt – ein Nunchako. Bruce hat das Problem, dass Ali seine SchlĂ€ge und Tritte wenig bis gar nix ausmachen. Endlich gelingt es unserem Helden, dem Inder die Nunchakos aus den PatschhĂ€nden zu klauen. Ein Schlag gegen den Kehlkopf des Gegners zeigt Wirkung. Ali versucht, Bruce zu erwĂŒrgen, aber unser tapferer Kung-fu-König knallt dem Yogi die Enden des Nunchakos in den Bauch, worauf der sofort bewußtlos, tot oder noch schlimmer zusammenbricht.

Im nĂ€chsten Stock wartet ein schwarzer Boxer (d.h. Betreiber des Faustkampfs, nicht etwa ein Köter) auf Bruce. Der ist unzweifelhaft, auch dank der tĂ€nzelnden Beinarbeit, die man uns ausfĂŒhrlichst vorfĂŒhrt, an Cassius Clay bzw. Muhammed Ali ausgerichtet (auch insofern, als der Kerl nicht wirklich … austrainiert aussieht). Jive talked der Knabe natĂŒrlich auch (und das sogar noch unsynchronisiert. Viel mehr als ein „come on baby“ hab ich nicht heraushorchen können). FĂŒr so einen Waschlappen braucht Bruce nicht mal die erbeuteten Nunchakos, die er achtlos wegpfeffert. Der Kampf ist wieder einmal ungleich, weil Bruce sich unsportlicherweise hochspeeden lĂ€sst (um die ĂŒberlegene Beinarbeit, hĂŒstel, des Gegners auszugleichen, nehm ich an). „B-duuh!“, jault Bruce seinen Kampfschrei und kann sich freuen, dass der Boxer zwar schnell mit den FĂŒĂŸen, aber ultralangsam mit den FĂ€usten ist (von welchem Provinzrummel weg die BösmĂ€nner den Typen engagiert haben, möchte ich gern wissen). Nach ein paar SchlĂ€gen ergreift der Boxer feige die Flucht (!).

Womit Bruce im obersten Stockwerk des Turms angekommen wĂ€re und wir nun zum Showdown des Showdown kommen können. Kong verteilt erst mal artig Komplimente an Bruce – schließlich war jeder der von ihm Besiegten ein Meister seiner jeweiligen Kampfkunst (darĂŒber könnte man mal wieder trefflich diskutieren. Der Boxer z.B. wĂ€re vermutlich selbst von Axel Schulz k.o. geschlagen worden). „Ihr Kung-fu ist gar nicht so ĂŒbel“, lobt Kong (what did he expect? Schließlich ist Bruce der „King of Kung-fu“… sing-summ). Nach ein wenig Smalltalk der vernachlĂ€ssigenswerten Sorte (vor allem deshalb vernachlĂ€ssigenswert, weil ich mein diesbezĂŒgliches Gekrakel nicht mehr identifizieren kann, keine Lust hab, noch mal den Film einzulegen und es wirklich nicht sooo wichtig gewesen sein kann) muss Bruce jetzt nur noch den siebten und letzten Gegner ausschalten. Und das ist (nö, nicht etwa der vorhin so prominent vorgestellte Kim) Kong himself, der sich mit einer Peitsche bewaffnet.

Kong und Bruce kĂ€mpfen in slowmo. Es gelingt Kong, Bruce die Peitsche um den Hals zu wickeln und zu Fall zu bringen, dabei scheint er sich aber selber irgendwie ein Aua einzufangen (keine Ahnung, wie), was ihn so verdrießt, dass er seine Bodyguards anweist, Lu Ping runterzuwerfen. Dies möchte Bruce natĂŒrlich verhindern, wird aber seinerseits von Kong aufgehalten. Lu Ping wird ĂŒber die BalkonbrĂŒstung gehalten (Kopf voran), kreischt um Hilfe und strampelt mit den Beinen (nu schmeißt sie halt runter! War doch ein Befehl!). Bruce prĂŒgelt Kong auf den Balkon, was den Alten Raben offenbar so beeindruckt, dass er befiehlt, Lu Ping wieder auf die FĂŒĂŸe zu stellen (wenigstens hat er nicht leichtsinnig „lasst sie los“ gesagt, hehe). „King of Kung-fu“ plĂ€rrtÂŽs vom Soundtrack, Bruce prĂŒgelt Kong wieder zurĂŒck ins Turminnere, mißbraucht den Gegner als Punching Ball und haut ihn schließlich k.o. Spiel, Satz und Sieg fĂŒr den Helden. „Oh Bruce“, haucht die gerettete Lu Ping (da der Alte Rabe sich wohl tatsĂ€chlich an sein Versprechen zu halten beabsichtigt. WasÂŽn Schurke…) und fĂ€llt ihrem Erlöser in die Arme (und der darf erst mal auswickeln, von wegen der Fesseln). Aus dem Nichts erscheint die Polizei in mittlerer BatallionsstĂ€rke, begleitet von Han Lee (wo kommt jetzt der wieder her? Was hat er die ganze Zeit getrieben? Woher wußte er, wo der Kampf stattfindet? Und wo ist eigentlich seine Freundin samt Geld?). Happy End allenthalben, Abspann, Schluß (also erwartet nicht etwa, dass der Prolog noch mal aufgegriffen wird. HĂ€tte jetzt eigentlich schon erwartet, dass wir auf die umjubelte Premiere des neuen Bruce-Lee-Films schneiden…).

Ich sag ja, wenn Bruce Lee nicht frĂŒh gestorben wĂ€re, man hĂ€tte ihn glatt umbringen mĂŒssen, damit uns die ganzen schönen Bruceploiter nicht entgangen wĂ€ren. Goodbye Bruce Lee ist gleichzeitig ein eher harmloser UND ein besonders frecher Vertreter des Genres. Harmlos deshalb, weil die eigentliche Filmstory relativ banal ist und nicht die elysischen Gestade hirnverbrannten Oberblödsinns wie z.B. der hier besprochenen Todesklaue des Tigers oder Bruce Lee in New Guinea erreicht. Besonders frech deshalb, weil der Film sich einerseits als „Hommage“ an den Meister ausgibt (das verdeutlicht schon der „scrapbook“-Vorspann), behauptet, Footage des echten Bruce Lee zu verwursten und zusĂ€tzlich auch noch zugibt, den vermeintlichen Star durch ein Double zu ersetzen. WĂ€re ungefĂ€hr so, als wĂŒrde man behaupten, einen unvollendeten John-Lennon-Song gefunden zu haben, den Song als große Weltsensation in die PlattenlĂ€den zu bringen und auf der CoverrĂŒckseite vermerken, dass die zweite Strophe und der Refrain von einem Lennon-Stimmdouble eingesungen wurden (ich bringe sicher noch den ein oder anderen windigen GeschĂ€ftemacher auf ÂŽne dumme Idee…)

Wenn man sich damit mal arrangiert hat, bekommt man jedoch einen ziemlich unterhaltsam-doofen Film zu sehen, der sicherlich mit den Highlights des Genres aufgrund seines selbstauferlegten down-to-earth-Approaches nicht mithalten kann, aber zumindest nicht wirklich langweilt. Klar, der Film hat Logikfehler ohne Ende, wie ich sie oben ausfĂŒhrlich aufgefĂŒhrt hat, und das Script ist mit einem Wort, nĂ€mlich besch…eiden, umfassend umschrieben, aber irgendwie macht das Ding Laune. Und seiÂŽs wegen seiner Blödheit – die beginnt schon beim furchtbar unsinnigen Prolog, der einzig und allein dazu da ist, dem Publikum vorzutĂ€uschen, bis zur „entscheidenden“ Szene wĂ€re der echte Bruce Lee am Werk, setzt sich ĂŒber die haarstrĂ€ubende Dummheit sĂ€mtlicher Charaktere fort und endet schlußendlich beim völlig bescheuerten Showdown, der zeigt, was passiert, wenn man die Grundidee des Game of Death-Finales einerseits planlos kopiert, andererseits dumme eigene Ideen (wie den Yogi) einbaut und dritterseits die „Kampfkunstmeister“ mit vollkommen talentbefreiten Volltrotteln besetzt. Von den gesammelten Fights im Showdown ist einer schlechter als der andere, allesamt sind sie nulpig choreographiert, was aber eben auch an den mangelhaften FĂ€higkeiten der beteiligten Gegnerschaft liegt – von denen kann keiner was, da hĂ€tte sich auch der einzig wahre echte Bruce Lee schwer getan, einen sehenswerten Kampf auf die Beine zu stellen. Zur Kampfchoreographie spĂ€ter noch ein paar Worte, zunĂ€chst noch ein bissl Drehbuchschelte – den ein oder anderen Lacher wert ist das unmotivierte Auftauchen des „basketballspielenden „Kareem Abdul-Jabbar-Ersatzes (ok, auch der echte Kareem bekleckert sich im echten Game of Death nicht unbedingt mit Ruhm, aber gegen den tumben Knaben aus DIESEM Film wirkt er mindestens wie Jet Li), aber auch die stellenweise hochnotpeinlichen Dialoge erfreuen, ebenso wie die schon angesprochenen zahlreichen Plotholes (Bruce fragt sich den ganzen Film ĂŒber, wo sein Bruder ist, schafftÂŽs aber nicht, den von Lu Ping vorgeschlagenen Anruf bei Hans Freundin zu tĂ€tigen; Han kommt und geht nach Belieben aus der Handlung;die Cops wissen, wo der Finalkampf stattfindet und Han ist auch noch dabei) – und nein, nach allem, was ich ermitteln konnte, ist die deutsche DVD nicht gekĂŒrzt, obwohl die Story sich stellenweise so abspielt, als hĂ€tte man einige als unnötig erachtete Handlungssequenzen rausgeschnippelt (natĂŒrlich gut möglich, dass schon der internationale Cut cut ist, Ă€h).

Die Inszenierung durch die Meister Lin Pin und Harold B. Swartz (muss man beide nicht kennen, zumal nur Lin Pin einen weiteren Credit hat, den ich ermitteln konnte, und das ist ein anderer Bruceploiter) ist bieder – bis auf die wirklich inspirierte Szene, mit der der „Austausch“ des Hauptdarstellers bewerkstelligt wird (die allerdings sollte man als filmhistorisch und -technisch interessierter Cineast schon mal gesehen haben, und seiÂŽs als abschreckendes Beispiel), bewegt sich alles auf einem handwerklich akzeptablen, aber furchtbar konventionellen Niveau. Die dramatischen (hĂŒstel) Szenen sind nur dank der mehr als einmal zum Schmunzeln anregenden Dialoge genießbar (liegt natĂŒrlich auch am mangelnden dahingehenden Talent der Darsteller). KamerafĂŒhrung und Schnitt sind ertrĂ€glich (ein paar HK-typische Zooms sind zu verzeichnen). Die Kampfszenen kranken an einer allgemein mauen Choreographie. Da ist dem Herrn Stuntkoordinator einfach nichts pfiffiges eingefallen, das ist grĂ¶ĂŸtenteils sehr biederes Schlagen und Treten auf mĂ€ĂŸigem Martial-Arts-Niveau. Die KĂ€mpfe werden relativ langsam gefĂŒhrt (wobei zugegebenermaßen auch der echte Bruce Lee kein solches hyperaktives EnergiebĂŒndel wie Jackie Chan war), sind sehr unspektakulĂ€r und beziehen nur sehr selten die spezifische Umgebung der Szene in die Choreographie ein (eigentlich nur ein einziges Mal, nĂ€mlich beim Kampf mit den Koreanern).

Auf dem messerscharfen Grat zwischen cheesy-catchy und es-geht-auf-die-NĂŒsse pendelt der Soundtrack, der, wie bereits dargestellt, eigentlich nur aus den zwei Varianten des Titelsongs und ein paar Incidentals besteht. Ich find den Titelsong ja sehr lustig, aber dass er im Verlauf des Films (in beiden Varianten zusammengenommen) mindestens zehnmal angespielt wird, ist ein bissl arg viel des Guten (dennoch wĂ€re ich fĂŒr ein qualitativ gutes MP3 sehr dankbar, hehe).

Es liegt zu einem gewissen Teil auch an Bruce Li, dass die Kampfszenen nicht ĂŒberragend sind. Obwohl Li trotz nicht besonders augenfĂ€lliger Ähnlichkeit zu Lee einer der populĂ€reren Imitatoren war und sich sogar durchaus ein eigenes Following aufbauen konnte (er spielte in einigen der besten Bruceploitern, allerdings auch in einigen der allerschlechtesten) und in spĂ€teren Filmen durchaus auch kampfkunsttechnisch zu beeindrucken wußte, ist er in diesem FrĂŒhwerk seiner Karriere als professionelles Bruce-Lee-Double eindeutig noch nicht auf der Höhe seines Könnens, und das sowohl hinsichtlich seiner Kung-fu-FĂ€higkeiten (besonders seine Tritte wirken nicht wirklich dynamisch-kraftvoll, und dass der Film ihm, wie erwĂ€hnt, nicht einen einzigen Kampf gegen einen gleichwertigen Gegner zubilligt, hilft natĂŒrlich auch nicht weiter), als auch was seine Bruce-Lee-Impersonitation angeht – er hat die Mimik und Gestik des berĂŒhmten Vorbilds hier schlicht noch nicht drauf, ein-zweimal versucht er, ein paar klassische Bruce-Lee-Gesten zu imitieren, macht das aber nicht wirklich ĂŒberzeugend (er sollte es allerdings noch lernen). Und seine Kampflaute sind noch erheblich peinlicher als die von Bruce Lee – und die vom echten Bruce sind schon nicht mein Fall (meine Li-Favoriten sind sein „du-du-du-duuuh“ und das spĂ€ter folgend „bi-duuh“, alles in Kastratentonlage).

Zu den restlichen Schauspielern gibtÂŽs nicht viel zu sagen, allein schon deshalb, weil ich keine Ahnung habe, wer wen spielt. Lu Ping ist selbst unter laxen Standards nicht wirklich als attraktiv einzuschĂ€tzen und nicht mit Talent in TĂŒten gesegnet, Kong mĂŒht sich zwar redlich, ein angemessener Bösmann zu sein, scheitert aber an den Gegebenheiten des Scripts, das gleiche gilt fĂŒr den Alten Raben. Zu den diversen eingesetzten KĂ€mpfern hab ich ja schon erwĂ€hnt, dass keiner von ihnen selbst einem alles andere als in Bestform agierenden Bruce Li das Wasser reichen kann, was den Showdown fĂŒr Martial-Arts-Fans relativ ungenießbar macht (das Gimmick unterschiedlicher Kampfstile wurde seit Gameo f Death x-mal eingesetzt, und meistens besser als hier. Die potentiell interessanten Fights wie gegen den Samurai oder den Judoka sind zu kurz, dafĂŒr wird z.B. der Kampf mit dem Ringer, der filmisch nun wirklich nichts hergibt, weil auch der betreffende Akteur keine wirklichen FĂ€higkeiten hat, endlos aufgeblasen).

Noch kurz zur DVD von Laser Paradise. Die verblĂŒfft schon mal durch den Bildtransfer – anstelle des von mir befĂŒrchteten Vollbildschmodders gibtÂŽs tatsĂ€chlich (und ich glaube, das ist ein „first“, zumindest, soweit es meine Laserparasitenscheiben angeht) einen im korrekten Aspect Ratio (ca. 2.35:1) Transfer, der sogar anamorph abgetastet wurde (allerdings gibtÂŽs auch im 16:9-Modus noch schwarze Balken). Scheinbar ist es LP hier gelungen, das Master der englischen DVD aufzutreiben. Die Bildquali selbst ist auch fĂŒr eine Veröffentlichung dieses Kalibers spektakulĂ€r – es gibt praktisch keinerlei Verschmutzungen oder sonstige Verschleißerscheinungen, auch keine Mastering/Authoring-Fehler, keine Filmrisse, kein gar nix, sondern statt dessen ausgezeichnete, krĂ€ftige Farben, gute Detail- und KantenschĂ€rfe und angenehmen Kontrast, nur die Kompression ist ein wenig schmalbrĂŒstig ausgefallen. Trotzdem – ein ultrabilliger Bruceploiter kann auf DVD kaum besser aussehen. „Interessant“ ist ĂŒbrigens, dass fĂŒr die deutsche DVD ein eigener Abspann entworfen wurde.

Der Ton ist okay (Dolby 2.0, ausschließlich deutsch), gelegentlich etwas brummig, aber fĂŒr den Zweck durchaus zufriedenstellend, den Titelsong kann man jedenfalls durchaus genießen…

Extras gibtÂŽs bis auf eine eastern-orientierte Trailershow keine.

Le Fazit: Goodbye Bruce Lee ist ein vergleichsweise „ernstzunehmender“ Bruceploiter, der sich das DeckmĂ€ntelchen einer Hommage umhĂ€ngt, sich zwar einer doofen, aber grundsĂ€tzlich seriösen Geschichte bedient, die durch den Prolog um die Rekrutierung des Bruce-Lee-Doubles an Insanity gewinnt. Technisch-handwerklich ist der Streifen kein Schlachtefest wie z.B. Die Pranke des Leoparden oder Die Todesklaue des Tigers, sondern bieder, aber solide inszeniert. Die Kampfszenen, also das eigentliche HerzstĂŒck des Films, sind vergleichsweise fad, weil die beteiligten KĂ€mpen nicht viel können. Trotz all seiner SchwĂ€chen kann ich den Film aber nicht verdammen – irgendwie, warum auch immer, ist der ganze Schmarrn recht unterhaltsam. Kein ultimativer Trash- und Partyheuler, aber Hardcore-Bruce-Lee-Imitatoren-Fans möchte ich den Film doch ans Herz legen und seiÂŽs wegen der fĂŒr einen Film dieses Kalibers (und dieser DVD-Preisklasse, ich hab ÂŽnen FĂŒnfer dafĂŒr hingelegt) exzellenten BildqualitĂ€t – vergleichbar gutaussehend dĂŒrfte es kaum eine Bruceploiter-VÖ geben. Insgesamt also mal eine neutrale Bewertung – wer sich beim Thema Bruceploitation angesprochen fĂŒhlt, wird sicher ein oder zwei Bier drauflegen können…

(c) 2003 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 6

BIER-Skala: 5


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