Frankie the Fly

 
  • Deutscher Titel: Frankie the Fly
  • Original-Titel: The Last Days of Frankie the Fly
  •  
  • Regie: Peter Markle
  • Land: USA
  • Jahr: 1996
  • Darsteller:

    Dennis Hopper (Frankie), Michael Madsen (Sal), Kiefer Sutherland (Joey), Daryl Hannah (Margaret)


Vorwort

Der alternde Kleinganove Frankie, genannt „Fly“ (warum? „Fliegen fressen Scheiße“), ist der Botenjunge und Fußabtreter des Möchtegernpaten Sal, ein Leben, mit dem Frankie sich abgefunden hat. Oder doch nicht? Eines Tages bietet sich ihm eine ungeahnte Möglichkeit – Joey, der bei Sal hochverschuldete Regisseur, der zwecks Abarbeitung des fälligen Kredits für den Gangster Pornofilme im Akkord mit der hübschen und ex-drogensüchtigenMargaret (auf die Frankie heimlich steht), bitet Frankie, für ihn eine Wette zu plazieren. Da es fatal wäre, wenn Sal davon etwas mitbekommen würde, bedingt sich Frankie als Bedingung aus, ein von ihm zu schreibendes Drehbuch mit Joeys Hilfe zu verfilmen. Joey ist einverstanden, aber Frankie verpaßt die Wette. Damit sein Lebenstraum nicht unverwirklich bleibt, leiht Frankie bei Sal die Kohle und gaukelt Joey vor, es wäre der Wettgewinn. Und schon können die Dreharbeiten starten. Natürlich bekommt Sal irgendwann mit, daß ohne sein Wissen mit seinem Equipment Schindluder getrieben wird, läßt Margaret Heroin, schickt die Zwangszugdröhnte auf den Strich und hat auch für Joey noch eine kleine Überraschung auf Lager. verabreichen. Jetzt ist Frankie sauer und schreibt sein Script „mordsmäßig“ um…


Inhalt

Ungewöhnliches aus dem Hause Nu Image. Statt weitgehend hirnloser Action kommt uns der legitime Cannon-Nachfolger unter den B-Filmstudios mit einer zynisch-sarkastischen Gangsterposse im Fahrwasser von „Schnappt Shorty“. Nicht unbedingt das, was man erwarten muß (vor allem, wenn die Freunde von Phoenician co-produzieren).

Nun halte ich persönlich schon „Schnappt Shorty“ für einen gnadenlos überschätzten und allenfalls bedingt unterhaltsamen Streifen, und eine B-Variante macht, trotz der exquisiten Besetzung, nicht zwingend mehr Spaß.
Wie schon das bekannte Vorbild krankt auch „Frankie the Fly“ an der Tatsache, daß die eigentliche Geschichte für einen Abendfüller nicht tragfähig ist und sich noch dazu nie einig ist, ob das Thema nun slapstickhaft, tragikomisch (was der beste und erfolgreichste Ansatz ist) oder gar ernsthaft-spannend umgesetzt werden soll. Im Gegensatz zu „Schnappt Shorty“ fehlt es dem als Vier-Personen-Stück angelegten Nu-Image-Vehikel allerdings auch an potentiell interesseerweckenden Nebenschauplätzen, d.h. nach einer vielversprechenden Auftaktviertelstunde versandet die Story im Leerlauf, schleppt sich mehr schlecht als recht und ausgesprochen zäh über einen langatmigen, nur gelegentlich durch die Kiefer-Sutherland-Auftritte aufgehelten Mittelteil, um im Finale wieder etwas an Fahrt zu gewinnen, aber auch nicht genügend Tempo aufnimmt, um den bis dahin noch bei der Stange gebliebenen Zuschauer zu fesseln. Das liegt auch an Peter Markles leider etwas langatmigem Regiestil und der nicht gerade opulenten (budgetbedingt) Optik des Streifens.

Ein weitere Problem des Scripts ist, das es aus seinen Charakteren zu wenig macht – obwohl die Story nun eindeutig dialoggetrieben ist (und ein paar nette Perlen sind da durchaus zu finden), bleiben die Charaktere seltsam leblos und unausgefüllt.

Bemerkenswert ist der angenehme Soundtrack, der sich aus relaxten Bar-Jazz-Klängen aus der Feder des früheren Cannon-Hauskomponisten George S. Clinton und einem gerüttelt Maß hübscher alter Rock’n’Roll-Hits von Chuck Berry und Co. (inklusive dem Original von „Hey Baby“, das die heutige Generation ja wohl nur noch von DJ Ötzi kennt) zusammensetzt.

Wie schon erwähnt hat Nu Image einen wirklich erlesenen Cast aufgetrieben. Alt- und Kultstar Dennis Hopper spielt sich nicht gerade die Seele aus dem Leib, aber es ist schön (und auch recht selten) Hopper in einer komödiantischen Darbietung zu sehen, auch wenn es keine absolute Klasseleistung ist. Die bietet dafür Kiefer Sutherland in einer herrlich überzogenen Klasseperformance – Kiefer läßt die Sau ordentlich raus und ist engagiert und spielfreudig wie ich ihn selten erlebt habe. Schade, dass seine Rolle als Joey relativ klein ist. Michael Madsen absolviert seinen „widerlicher Unsympath“-Part (ergo: das, was er quasi immer spielt) auf Automatik, da hat man Madsen schon deutlich besser aufgelegt gesehen. Daryl Hannah ist sexy wie selten und hat auch einige sehenswerte dramatische Szenen zu bieten. Das aus Cineastensicht reizvolle Aufeinandertreffen zweier künftiger „Kill Bill“-Stars mit Madsen und Hannah allerdings findet nicht statt, da die beiden keine einzige Szene teilen.

Leider ist der Streifen in der deutschen FSK-16-Fassung um gut neun Minuten gekürzt (was fehlt? Stimmungsvolle Einblicke in den Porno-Dreh? I don’t know).

Bildqualität: Hallo, was ist mit CTI los? Das ist ja beinahe ein First-Rate-Transfer! Gerade bei einer Veröffentlichung dieses Labels muß man ja schon herausstellen, wenn der 4:3-Vollbildtransfer durchaus besser aussieht als beim durchschnittlichen VCL-Release, das ist wirklich anständig gelöst. Zwar scheinen mir die Farben ein wenig blaß zu sein, dafür ist das Bild beinahe gestochen scharf und gerät selbst bei höheren Zoomfaktoren nicht aus dem Leim. Kontrastwerte stimmen ebenfalls, und Bildstörungen gibt’s nur zwei oder drei kurze Blitze. Das hat CTI hochanständig hingekriegt.

Tonqualität: Da kann ich leider keine ähnlichen Lobeshymnen schwingen. Der 2.0-Dolby-Mix ist recht schlecht ausgesteuert, Höhen klingen blechern, Bässe etwas knarzig und wenn die Dialoge etwas lauter werden, kratzt es doch recht gewaltig. Zudem gibt’s im Showdown arge Lautstärkeschwankungen im Dialogbereich. Der Soundtrack klingt dagegen allerdings gefällig aus den Boxen.

Extras: Kurz und knapp – nichts.

Fazit: „Frankie the Fly“ erweist sich letztlich als für Nu Image verhältnisse recht ambitioniertes, aber fehlgeschlagenes Experiment. Die für eine zünftige Gangsterkomödie zwar nicht uninteressante Ausgangssituation wird größtenteils verschenkt, die namhafte und talentierte Besetzung verschwendet. Einzig Kiefer Sutherland hat sichtlichen Spaß an seiner Rolle – seine Performance ist wirklich sehenswert. Ansonsten verbreitet „Frankie the Fly“ doch eher Langeweile. Technisch gesehen dürfte das die vom Bild beste CTI-Disc sein, die sich mir bislang vorgestellt hat, aber der schlampige Audiotransfer trübt das Gesamtbild dann doch wieder mächtig ein.

2/5
(c) 2006 Dr. Acula


mm
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