- Original-Titel: Faces of Death
- Regie: Daniel Goldhaber
- Land: USA
- Jahr: 2026
- Darsteller:
Barbie Ferreira (Margot Romero), Dacre Montgomery (Arthur Spevak), Josie Totah (Samantha Gravinsky), Aaron Holliday (Ryan), Jermaine Fowler (Josh), Charlie XCX (Gabby), Kurt Yue (Neal), Ash Maeda (Drew), Sam Malone (Ed)
Vorwort
Abt. Kindheitstrauma inklusive
Es gab damals in den 90ern so einige Filme, die bei uns auf dem Schulhof rumgingen. Die hin und her geliehen und kopiert wurden, über die man sich nur tuschelnd unterhielt, wenn „Unwissende“ in der Nähe standen. Das waren die üblichen Verdächtigen wie Tanz der Teufel, Zombie, Bloodnight und nicht zuletzt Gesichter des Todes aka Faces of Death. Letzterer war ein Mondofilm, der verschiedene Menschen beim Verlassen der irdischen Existenz abbildete. Fast gänzlich gefaked, was wird damals, jung und dumm, aber nicht wussten. Es war ein Titel, der nicht so leicht wieder aus dem Kopf getilgt wurde, zumal die ersten Videothekenbesuche noch weitere Teile einer ganzen Reihe (4 im Original, dazu noch zwei genuin vom deutschen Verleih Schier Films produzierte) zutage förderten. Der Name Faces of Death scheint auch im englischsprachigen Kulturkreis noch einen gewissen Wiedererkennungswert zu besitzen, weswegen sich ein Filmemacher darauf besann, um, mit Legendary Pictures (Watchmen, Godzilla, Dune) und dem Streamingdienst Shudder im Rücken, eine Bearbeitung des Themas gleichen Namens für gar nicht mal so geringen Mitteln wieder auf die Leinwand und den heimischen Fernseher zu bringen.
Inhalt
Margot Romero arbeit bei dem Videoportal „Kino“ als Content-Moderatorin, entscheidet also darüber, welche Inhalte dort zugänglich sind, welche einer Überprüfung bedurfen oder gar gleich abzulehnen sind. Der Job konfrontiert sie tagtäglich mit immer gewalttätigeren Inhalten, die um die Aufmerksamkeit der sensationsgeilen Zuschauerschaft buhlen. Dabei fallen ihr mit der Zeit die Videos eines bestimmten Nutzers ins Auge, der scheinbar von dem Mondofilm Gesichter des Todes besessen scheint und dessen Szenen wie die Hinrichtung auf einem elektrischen Stuhl nachzustellen scheint. Je mehr sie sich mit dem Thema beschäftigt, desto mehr keimt in ihr der Verdacht, dass diese Videos kein Fake sind, sondern Snuff-Filme. Bei ihrem Vorgesetzten stößt sie auf taube Ohren, zumal sie seit des tragischen Unfalltods ihrer kleineren Schwester – social-media related – nur noch mit einer guten Portion Amphetamine über den Tag kommt. Zusammen mit ihrem Mitbewohner Ryan gräbt sie immer tiefer in den Wirrungen des World Wide Web, nicht ahnend, dass der Killer inzwischen sie ins Visier genommen hat…
Besprechung:
Wenn man schon einen Titel wie Gesichter des Todes (oder im Original eben Faces of Death) ausgräbt, um einen modernen Film damit zu schmücken, ist es jetzt nicht die schlechteste Idee, sich der Thematik auf der Meta-Ebene anzunähern. Dies war sicherlich auch Daniel Goldhabers Gedanke dabei, anhand des Nachahmers und seines Erfolgs auf der Videoplattform zum einen die Faszination solch eines Mondofilms aufzuarbeiten – Gesichter des Todes gilt heutzutage ja tatsächlich als „Kultfilm“, auch wenn ich diesen Begriff hier ungerne anwende –, wie auch die Sensationsgeilheit des abgestumpften Internet-Publikums. Nur leider kratzt das Skript hier nur an der Oberfläche dieses Phänomens, dringt weder in die Psyche des Serienmörders ein, noch kann er eben die Abgestumpftheit eines Großteils der gewaltgeilen Internet-Community auch nur ansatzweise erklären.
Protagonistin Margot ist dabei selbst ein gebranntes Kind, hat ihre kleine Schwester durch einen Unfall verloren, während sie live ein Reel auf einem aktiven Bahngleis aufnahmen – sie wird von Zufallsbekanntschaften seither meist nur zynisch „Train Girl“ genannt. Für sie ist es damit besonders schlimm, als sie erkannt, dass es sich bei den Videos auf Kino, die sie zuerst als Fake-Snuff einstufte, nicht nur um eine einfache Hommage an Gesichter des Todes/Faces of Death handelt, sondern um authentisches Material, also dort draußen irgendwo ein Serienmörder rumläuft, der Menschen entführt und nach Art des Vorbilds seine Opfer regelrecht hinrichtet. Hingegen zum Film von Alan Schwartz ist hier nichts gestellt, sondern alles echt. Das ist dann tatsächlich auch der einzig interessante Punkt der Geschichte, auf den leider andererseits dann kaum weiter eingegangen wird. Die Suche nach und der finale Kampf gegen den Serienmörder soll dann für sie eine Katharsis darstellen, die bedauerlicherweise, aber kaum verwunderlich, ziemlich flach ausfällt.
Der detektivische Spürsinn von Margot beschränkt sich tatsächlich darauf, die entsprechenden Videos als eben aus Gesichter des Todes/Faces of Death zu identifizieren, als ihr Mitbewohner Ryan rein zufällig den Film beim Malen abspielt. Erst wird sie zufällig auf eine Reihe von verschwundenen Menschen aus den umliegenden Bundesstaaten aufmerksam, nur um darauf mit Ryan einen kruden Ausflug in Möchtegern-Hacking-Gefilde zu unternehmen, wobei sie den Killer Arthur auf sich aufmerksam machen, was schon unfreiwillig komisch anmutet. Ansonsten ergeht sich ihr Aktivismus darin, bei der Polizei vorstellig zu werden, wo sie nicht ernst genommen wird, oder von ihrem Vorgesetzten zu verlangen, dass der Account des Uploaders zumindest gesperrt wird, was den aber kaum interessiert; es sind eben die Zugriffszahlen die zählen, und die liefern die Videos schließlich. Das sind alles Klischees und Motive, die schon tausendmal durchgekaut wurden und in 2026 nur noch zum Gähnen animieren.
Aus dem Serienmörder Arthur werde ich sowieso nicht wirklich schlau. Er schleicht strumpfbemaskt durch die Nacht, um Menschen, die ihm ins Augen fallen, zu entführen, um sie dann in einen Käfig zu sperren und später vor der Kamera hinzurichten. Das hat im späteren Verlauf dann noch nicht einmal mehr etwas mit Gesichter des Todes/Faces of Death zu tun, die entsprechenden Szenen aus dem ersten Drittel des Films nur als Aufhänger, als Anhaltspunkt für Barbie, um ihre Ermittlungen aufzunehmen. Und was hat das überhaupt mit der Strumpfmaske auf sich? Wenn Arthur damit durch die Nacht stapft und jemand ihn sieht, wirkt das doch erst recht verdächtig. Er trägt sie sogar noch, wenn er seinen Opfern in seinem zum Studio umgebauten Keller entgegentritt. Soll ihnen das Angst einjagen? Das sind die US of A, da würde ich mir wahrscheinlich eher in die Hose pissen, wenn er unmaskiert wäre, weil ich dann sein Gesicht kenne, ergo er mich eh wahrscheinlich töten wird. Lange Zeit agiert Arthur zudem als Killer ohne Motiv, womit ich durchaus hätte leben können (solange das Skript sich wenigstens mit anderen Punkten auf seiner Agenda näher beschäftigen würde). Doch als sich die Lage zuspitzt, da muss er natürlich zum großen Monolog ausholen, und, tja, seine Motivation ist (jetzt spoiler ich mal; nicht dass das irgendwie auch nur von Belang wäre), wie sollte es anders sein, sein übersteigertes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Anerkennung durch die gewaltgeilen Video-Konsumenten im World Wide Web.
Das ist alles sehr vorhersehbar und daher kaum aufregend oder gar spannend. Genauso sind die blutigen Eskapaden, mit denen hier zu rechnen war, auch nicht gerade Üppig über die Laufzeit verteilt und an sich nichts weltbewegendes, zumal Goldhaber an den heftigsten Stellen verschämt wegblendet, höchstwahrscheinlich weil er sich eben nicht auf dieselbe Ebene wie die angeprangerten Gewaltvideos begeben will. Einzig interessant ist hier die Gegenüberstellung zweier originaler Szenen aus dem alten Gesichter des Todes/Faces of Death und der Nachstellung eben jener durch Arthur. Ansonsten ist es schon schade, dass hier versucht wird, mit nur lauwarmen Wasser zu kochen, denn wo Faces of Death 2026 erzählerisch und Kontextualisierung größtenteils versagt, so solide scheint Goldhaber die rein technische Seite seines Handwerks durchaus zu verstehen. Der Film sieht gut aus, die Kamera weiß er dynamisch einzusetzen, auch die ein oder andere Bildkomposition ist geschickt gewählt. Nur vom Drehbuchschreiben sollte er wohl eher die Finger lassen.
Bei den Darstellern gibt es jetzt auch nicht wirklich was zu bekritteln. Barbie Ferreira gibt sich redlich Mühe, ihre traumatisierte Heldin glaubhaft rüberzubringen, was nur daran scheitert, dass sie das Drehbuch zu einer nervigen und unsympathischen Person zeichnet, die tatsächlich ein wenig zur Hysterie neigt. Sie wurde durch eine Rolle in der populären Highschool – Drama-Serie Euphoria bekannt. Den psychopathischen Serienkiller Arthur Spevak gibt Dacre Montgomery durchaus mit dem Verve, den es für solch einen Charakter braucht, nur dass dieser sich als unterentwickelt und kitschig entpuppt. Er wurde mit Stranger Things bekannt, wo er eine weitaus dankbarere Psychopathenrolle verkörpern durfte. In einer kleinen Nebenrolle als Margots kiffende Kollegin ist die Sängerin Charli XCX zu sehen, von der ich persönlich noch nie etwas gehört habe. Ihre Präsenz ist überschaubar und sie hat nicht einmal einen Song zum Soundtrack beigesteuert.
Fassung:
Derzeit kann Faces of Death 2026 nur in den USA bei Shudder oder dem Amazon Prime Channel AMC+ gestreamt werden, ein VPN und ein Abo vorausgesetzt. Eine europäische Veröffentlichung steht noch aus.
Fazit:
Was soll man sagen? Faces of Death 2026 bedient sich in seinen besten Passagen gängigen Slasher-Motiven, serviert hier einige gelungene Einzelszenen, die einen aber auch nicht vom Hocker reißen wollen, weil das Ganze dann doch zu vorhersehbar um die Ecke kommt. Es fehlt der Ankerpunkt, der Barbie Ferrreira als Margot Romero eben nicht ist, und der Kontrapunkt, der dem Katz-und-Maus – Spiel etwas Würze verleihen könnte. Intellektuell wird hier sowieso nur ein sehr dünnes Süppchen gekocht, die medienkritischen Ansätze wirken wie Ballast, den man gerne zugunsten konventioneller Horror-Unterhaltung über Bord hätte werfen dürfen. So ist Faces of Death 2026 am Ende nichts Halbes und nichts Ganzes, eben einfach vertane Mühe und Zeit.
BOMBEN-Skala: 3
BIER-Skala: 3
Review verfasst am: 15.07.2026