Exzesse im Folterkeller 2 – Die Brutstätte des Bösen


  • Deutscher Titel: Exzesse im Folterkeller 2 - Die Brutstätte des Bösen
  • Original-Titel: The Halfway House
  •  
  • Regie: Kenneth J. Hall
  • Land: USA
  • Jahr: 2004
  • Darsteller:

    Mary Woronov (Schwester Cecilia), Janet Tracy Keijser (Larissa), Shawn Savage (Dick Sheen), Michael Giglio (Inspektor Hinds), Joseph Tatner (Father Fogerty), Stephanie Leighs (Cherry Pie Pulowski), Athena Demos (Angelena), Monica Shere (Eddie), Cleve Hall (Lutkus), Tomi X. (Sheila), Saye Yabandeh (Shelby), Ashley Rhea (Annie)


Vorwort:

Eines schönen Tages verabschiedet sich die schöne junge Annie Morgan zum Joggen und kommt nie wieder zurück…

Nach einigen Tagen macht sich ihre Schwester Larissa auf zur Polizei, um eine Vermisstenanzeige aufzugeben. Der zuständige Inspektor Hinds erweist sich als rechtes Arschloch, dem die Körbchengröße der Vermissten wichtiger zu sein scheint als der eigentliche Akt des Verschwindens, aber in seinem Assistenten Sergeant Dick Sheen findet Larissa einen Verbündeten. Dick weiß nämlich, dass in der Gegend, in der Annie verschwunden ist, schon drei Vermisstenfälle gab, allesamt junge hübsche Dinger, die im Maria-Magdalena-Heim für schwer erziehbare Töchter untergebracht waren. Larissas Anzeige ist für Dick Anlass genug, um dem Heim und seinem Hausdrachen Schwester Cecilia noch mal auf den Zahn zu fühlen. Cecilia hat Annie natürlich nie gesehen, aber Dick fällt auf, dass der ungeschlachte Hausmeister Lutkus Kopfhörer trägt, die frappierend denen ähneln, die Annie nach Larissas Beschreibung zum Zeitpunkt ihres Verschwindens trug.

Für Inspektor Hinds ist dieses Indiz keinen Schuß Pulver wert, Dick und Larissa sind sich aber einig, dass das Heim ein Geheimnis verbirgt. Und so lässt sich Larissa als gestraucheltes Mädchen von Dick zum Heim bringen und dort einweisen.

In der Anstalt geht’s zu wie in jeder filmisch gewürdigten Besserungsstätte. Schwester Cecilia führt ein hartes Regiment, am nominellen Institutsleiter Father Flaherty geht das Tagesgeschäft weitgehend vorbei, was auch nicht unbedingt schlecht ist, ist der brave Pater doch ein Perversling, der eine Gummipuppe in seinem Schrank verstaut hat (voll aufgeblasen), Spanking-Magazine studiert und bei Verfehlungen seiner Schützlinge gern persönlich das Paddel schwingt. Die Insassinnen sind nicht wesentlich besser – es herrscht das übliche Spiel um lesbische Zuwendungen, Queen-Bee-Positionen und tätliche Auseinandersetzungen im Duschraum. Larissa hat als „die Neue“ gleich alle Hände voll zu tun. Z.B. sich um „Cherry Pie“ kümmern, die Freundin von Angelina. Die wollten eigentlich gemeinsam stiften gehen, aber Cherry Pie verließ das Mütchen in letzter Sekunde.

Was jetzt aber auch wieder für sie keine Katastrophe ist, so endet sie zumindest NOCH nicht im Keller der Anstalt wie Angelina, die dort, wie die anderen vermissten Girls, an ein Monster verfüttert wird. Ya see, Schwester Cecilia wurde nämlich an früherer Wirkungsstätte Opfer einer Gang-Vergewaltigung, hegt seithem eine gepflegte männerhassende Klatsche und stolperte auf Kur in Massachussetts an der Arkham University über das Necronomicon…

Inhalt:

Was man so alles beim Stöbern bei Drogenmüller findet und mitnimmt, weil man sich so wirklich gar nix Konkretes drunter vorstellen kann… Apropos „vorstellen“, unser Corpus Delicti stellte sich mir als „Exzesse im Folterkeller 2“ vor und wiewohl ich noch im Laden diverse lebenswichtige Körperteile darauf verwettete, dass die Nummer nichts mit dem japanischen Schmonzes von 1979 zu tun hat, so interessierte mich die Mitwirkung von B-Trash-Queen Mary Woronov, hegte ich doch die Hoffnung, dass die langjährige Muse von Paul Bartel nicht in jedem semi-professionellen Horrorschlonzer mitwirkt. Vom Backcover versprochen wurde zudem „schräger Quatsch von Spaßvögel für Spaßvögel“, was man nun entweder als Empfehlung oder Warnung sehen kann, in beiden Fällen aber für badmovies.de-Würdigung qualifizieren sollte.

„The Halfway House“, wie sich der Streifen im Original nennt, ist ein Geisteskind von Kenneth J. Hall, einem durchaus interessanten Burschen, der als Autor UND Effektbastler für Fred Olen Ray begann (er schrob „Das Geheimnis des Grabmals am Nil“ und baute den Monstersuit für „Biohazard“), mit „Evil Spawn“ seinen eigenen Low-Budget-Trasher vorlegte, zwischendurch bei den Chiodo Brothers anheuerte, dann bei Full Moon vorstellig wurde, dort „Dr. Alien“ und die Story für „Puppet Master“ schrieb, „Linnea Quigley’s Horror-Workout“ inszenierte und noch ein paar kleinere Band-Produktionen mit Geschichten und Effekten versorgte.

Beinahe schon klar, dass ein Mann mit diesem Background nicht unbedingt straighten Horror aufs Zelluloid bannt, sondern die ganze Chose mit der gewissen ironischen Distanz eines Low-Budget-Filmers, der die ganze Filmerei nicht so tierisch ernst nimmt, in Angriff nimmt – und das ist dann durchaus wieder auf einer Linie mit den Bartel/Woronov-Kollabs der 70er und 80er, die sich auch wenig um filmische Konventionen scherten und sich nie für eine geschmacklose Zote zu schade waren.

In „The Halfway House“ treibt Hall also seinen Schabernack mit dem Lovecraft-Mythos und lässt uns, im Gegensatz zu seinen Protagonisten, von Anfang an wissen, wohin der Hase läuft, da schon die Teaser-Sequenz den ersten Auftritt des liebevoll mit praktischen Effekten zusammengebauten drolligen „Großen Alten“ (noch ohne das Kind bzw. den Gott beim Namen zu nennen) beinhaltet.
Nach dem monströsen Auftakt bedient der Film dann erst mal ne gute halbe Stunde lieb gewonnene „reform school“-Klischees, um sich dann in der zweiten Halbzeit so wirklich dem Horror zu widmen – dann wird dann auch die Kettensäge ausgepackt, damit’s ein paar (nicht viele, aber genug, um ein 18er-Rating zu verdienen) old-schoolige handgemachte Goreeffekte gibt, und wenn grad keine Gedärme extrahiert oder Körperanhängsel abgetrennt werden, findet sich immer eine passende (oder auch unpassende) Gelegenheit für 1 bis mehrere Darstellerinnen, aus den Gewändern zu fahren, was allerhand atraktive An- und Einblicke und semi-explizige lesbische Liebesspielereien ermöglicht.

Das klingt also nach dem essentiellen Low-Budget-Horrorquark, aber Hall und seinen Mitstreitern gelingt es tatsächlich, den Streifen nicht zu einer bloßen Splatter-und-Nudity-Nummernrevue zu machen, sondern wirklich einen einen launigen Spaß zu generieren, der auf drögen Witz-komm-raus-Humor verzichtet, sondern einfach eine irgendwie gemütliche Fun-Atmosphäre verbreitet, sein Sujet nicht sonderlich ernst nimmt, da und dort einen witzigen Spruch einfiedelt und ansonsten weiß, dass hier kein Klassiker mit Ewigkeitsanspruch produziert wird, sondern ein kurzweiliger Zeitverschwender, der keinen anderen Anspruch hat, als eine bierselige Männerrunde bei Laune zu halten.

So wird die ganze Nummer auch gespielt, allen voran von Mary Woronov, die sichtlich Spaß an ihrer Rolle (und dem Kniff, dass sie ihren Plan, einen Großen Alten zu befreien, als ultimativen radikalfeministischen Akt versteht… muss man auch erst mal drauf kommen) hat.

Der Rest des Ensembles bringt keine Kult-Vita mit wie Mary, ist aber gut gelaunt und engagiert bei der Sache. Michael Giglio (Inspektor Hinds) hat diverse Asylum- und andere Low-Budget-Trash-Einsätze auf dem Buckel (u.a. in „2010: Moby Dick“, „Supershark“, „MILF“ und „Titanic II“), „Father Fogerty“ Joseph Tatner war als Kinderdarsteller sowohl mal im „Brady Bunch“ als auch bei der „Partridge Family“ dabei, Ashley Rhea verdient ihre Brötchen normalerweise im Porn-Biz, Janet Tracy Keijser zierte „Witchcraft XII“ und Shawn Savage wurde überraschenderweise als Apostel im Bibelfilm „Apostel Peter und das letzte Abendmahl“ neben Robert Loggia gesichtet…

Was noch für Freude sorgt, ist der bewusst „cheesy“ Ansatz für den Großen Alten – der sieht sicher nicht so aus wie der olle Lovecraft das in seinen Fieberträumen, eh, erträumt hat, ist aber erfreulich handgemacht und weiß mit seinen schleimigen Tentakeln durchaus umzugehen.

Fazit: ein anspruchsloser, kurzweiliger Horrorspaß, der es überhaupt nicht gebraucht und/oder verdient hätte, sich an irgendwelchen japanischen Sexhorrormurks angehangen zu werden, sondern für 90 Minuten good friendly violent and sexy fun bietet. Manchmal muss es gar nicht mehr sein.

(c) 2017 Dr. Acula

  • Oookay, eine Tolstoi-Adaption wird das heute also nicht.

  • If you're lookin' for trouble, you're at the right place...

  • Oberpinguin Cecilia weiß von nichts.

  • Das ist kein Bibelstudium.

  • Das Outfit mag etwas überkandidelt sein, aber es ist besesr als der Habit...

  • Being unsuspicious. You're doing it... not so well.

  • Reasons this film was made...

  • Ach, das ist doch sicher nur harmloses "sorority hazing".

  • Ein Hirte und seine Schäfchenherde.

  • Gebt den Typen Dick Miller, der baut ne Skulptur draus.

  • Jetzt wird's schwierig mit dem Rosenkranz, Pfaffe.

  • Aber so ein Großer Alter läuft doch gar nicht mit Benzin...


BOMBEN-Skala: 7

BIER-Skala: 6


mm
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