Escape to Nowhere

 
  • Deutscher Titel: Escape to Nowhere
  • Original-Titel: Escape to Nowhere
  • Alternative Titel: House of the Damned | Spectre |
  • Regie: Scott P. Levy
  • Land: USA/Irland
  • Jahr: 1996
  • Darsteller:

    Will South (Greg Evigan)
    Maura South (Alexandra Paul)
    Aubrey South (Briana Evigan)
    Shea (Dick Donaghue)
    Father Seamus (Eamon Draper)
    Amy Wolfe (Mary Kate Ryan)
    Frau im Bett (Elizabeth Costello)
    Busfahrer (Celine Curtin)
    Colleen (Adife O´Grady)
    Putzfrau (Triona Ui Chondale)
    Marion (Marie Stafford)


Vorwort

Heute morgen kam Pucki, der Badmovie-Kater zu mir und beschwerte sich. Nicht, dass das was ungewöhnliches ist, der Kater beschwert sich die ganze Zeit, hauptsächlich über seinen von mir nicht getroffenen Geschmack, was Katzenfutter angeht und meine flegelhaften Verweigerungen, ihm zu jeder Tages- und Nachtzeit Futter zu servieren und von meinem Happa abzugeben, aber heute beschwerte er sich über die Filmauswahl der letzten Zeit. Ihm war zuwenig Horror geboten. Man hört ja auf seinen Kater (gelegentlich) und forstete daraufhin den To-Do-Stapel nach horriblem Material durch. „Ein Spukhausfilm gefällig?“ fragte ich Pucki. Der schnurrte zustimmend und schon wanderte ESCAPE TO NOWHERE in den Videorecorder. Traf sich eigentlich ganz günstig, denn mir selbst war auch schon seit ner ganzen Weile nach einem zünftigen Haunted-House-Spektakel. Zwar machte sich die Cassette erst einmal unbeliebt (Rental-Version), da ich mich durch nicht weniger als zehn Trailer kämpfen musste (ich dachte schon, ich hätte versehentlich eine VMP-Trailershow-Compilation erwischt, zumal auch der Trailer für ESCAPE TO NOWHERE das Treiben eröffnete…), aber dafür kann der Film vorläufig ja noch nix… wir sind ja, wie immer, völlig vorurteilsfrei…


Inhalt

Falls wir es vom Lesen des Covertextes noch nicht mitbekommen haben, sorgt der Streifen gleich mal für die Erinnerung daran, dass wir uns in Irland befinden – Felder, Weiden, gelegentliche Mini-Stonehenges, okay, we get the picture. Zwei Frauen fahren zu einem älteren Herrenhaus, eine hübsch, die andere – weniger. Die beiden haben hier einen Clean-up-Job zu verrichten, da das Haus neue Besitzer erwartet (so weit, so EVIL TOONS). Spinnweben empfangen die beiden, die junge hübsche Zartbesaitete zieht sich erst mal ins hoffentlich sauberere Obergeschoss zurück. Während die weniger hübsche Ältere versucht, die kunstvoll gestapelten Stühle und drapierten Bücher aufzuräumen, putzt die Junge oben Fenster. Scary Music und Jungmaid encountered – eine Ratte… die wird verscheucht. Aber der Nager kommt wieder und hat Verstärkung mitgebracht. Zunächst ne zweite Ratte, doch bei jedem Blick werden es mehr, bis eine ganze Rattenarmee die Maid angreift und auf ihr herumkraucht. Scream! Die Ältere eilt zur Hilfe und findet nur eine auf dem Boden herumzuckende Kollegin, von Ratten keine Spur. Die Jungmaid hat trotzdem genug und ergreift die Flucht. Doch das Auto will nicht anspringen und Mädel panicked, da ihr Blick auch noch auf eine grauselige Steinfigur eines Sensenmannes über dem Portal fällt. Die ältere Kollegin hört seltsame Stimmen und tritt schliesslich vor´s Haus, wo sie beobachtet, wie der Jüngeren offenbar der Kopf platzt (zumindest spladdert jede Menge Blut an die Autoscheibe), dann explodiert die ganze Karre. (BITTE???). Mit dem Rest des Films hat das ganze rein handlungstechnisch nicht das geringste zu tun, aber es ist nett…

Let´s move on with our plot. Die neuen Besitzer nehmen das Haus in Beschlag, es ist die Familie South aus Kalifornien, die den Bunker von irgendeiner irischen Erbtante von Ehefrau Maura vermacht bekommen hat. Die Familie besteht aus Vater Will, Mama Maura und Tochter Aubrey (ungefähr zehn Jahre). Tochter Aubrey findet eine alte Puppe und will sofort das entsprechende Zimmer in Beschlag nehmen. Zwischen Will und Maura kriselts, Maura beansprucht zu Will´s Widerwillen getrennte Schlafräume, denn offenbar war Will ein Fremdgänger. Okay, okay, it sets the mood. Beim Abendessen klopft es an der Tür. Es ist Pater Seamus, der örtliche Soutanenträger, und der drängt sich mächtig auf, das Haus segnen zu dürfen. Ausserdem sei er ein alter Bekannter der Erblasserin, die auf ihre alten Tage etwas wunderlich geworden sei und Dinge gehört und gesehen habe. Der Pfaffe darf segnen und zieht danach ab, nicht ohne auf Aubrey´s Frage, was es denn mit den berühmten irischen Kobolden auf sich habe, zu empfehlen, für selbige eine Schüssel Milch vor die Tür zu stellen.

Am Abend beginnt creepy stuff to happen. Maura findet im Schrank eine tote Ratte und Will hat Probleme mit seiner Videokamera, bei der die Farben und die Schärfe etwas verjustiert scheinen. Uuuuhh, I´m scaaaared stiff.

Next morning. Während Aubrey erfreut zur Kenntnis nimmt, dass die Kobold-Milch restlos ausgeschlabbert ist, trifft ein Handwerker ein, um einen neuen Wasserkessel zu installieren. Aubrey entdeckt, dass ihre Puppe mittels eines Aufziehbandes sprechen kann und Colleen heisst. More spooky stuff happens, indem eine Glühbirne unvermittelt platzt und ein Wäscheschrank wird verwüstet. Maura verdächtigt Aubrey, doch die streitet alles ab und fragt, ob es nicht vielleicht Colleen war. Nach Entfernung des alten Wasserkessels entdeckt Will ein Amulett in der Wand, das er, Ami und damit doof wie er ist, herausbricht. (Argh! Junge, Du bist in einem Horrorfilm!) It gets spookier. Maura badet (oooch… no nudity, Spielverderber!) und hört Stimmen und seltsame Geräusche, Will hat Probleme mit seinem Vorkriegs-PC (äääh… 1996 gab es schon Windows, da bin ich sicher. Der Herr schreibt auf Monochrom-Bildschirm, und sein Textprogramm sieht verdächtig nach COPY CON aus…), der seltsame wirre Zeichenfolgen herunternudelt (hm, vielleicht doch Windows early beta?) Jedenfalls sind sich die Eheleute einig, dass merkwürdige Dinge vorgehen und dismissen nach kurzer Diskussion den Gedanken, einen Wünschelrutengänger o.ä. einzuschalten. Doch da! Schreie aus Aubrey´s Zimmer! Die Eltern stürmen ins Zimmer und können gerade noch sehe, wie eine halbunsichtbare CGI-Kreatur durch die Wand into thin air verschwindet. (Ehre, wem Ehre gebührt: ich hab mich an dieser Stelle echt erschrocken, die Szene ist effektiv inszeniert).

Anstelle wie jeder vernünftige Zeitgenosse nun die Koffer zu packen und gen Alaska zu verziehen, suchen Maura und Will einen „psychic“ auf, namentlich einen Kerl namens Shea, einen ältlichen, leicht tuntigen Kerl mit einem extrem schlechten Geschmack für Herrenoberhemden und den wir POLTERGEIST-Experten sofort als Zelda Rubinstein für Arme identifizieren. Shea, leicht enttäuscht, dass sich 99 % seiner Fälle irgendwie un-übernatürlich erklären lassen, rückt mit seiner Assistentin Amy Wolfe und diversem technischen Mumpitz an. Unser Medium spürt auch prompt irgendeine schwache Präsenz, die sich ebenso natürlich am stärksten in Aubrey´s Zimmer manifestiert. Aubrey kommt währenddessen von der Schule nach Hause (klar, nach einer derart traumatischen Erfahrung wie einem Monster im Kinderzimmer geht man gerne in die Schule) und wird auf dem Weg vom Schulbus zum Haus von einem gleichaltrigen Mädchen, das vage der Colleen-Puppe ähnlich sieht, beobachtet. Meister Shea hat in Aubrey´s Zimmer eine Vision – ein Mädchen räkelt sich nackt in schwarz/weiss auf einem Bett und wird von einer abgetrennten Hand angegriffen und erwürgt. Gleichzeitig entdeckt Amy mittels Hi-Tech (ein Digitalthermometer) einen Cold Spot in dem Zimmer. Die Vision haut Shea ziemlich um. Dieweil kommt Aubrey nach Hause, stolpert über die Kobold-Milchschüssel. Die Milch verfärbt sich rötlich und springt Aubrey ins Gesicht. SCREAM! Allerspätestens jetzt wäre ich als verantwortungsvoller Familienvater mit Kind & Kegel mit ungefähr zweihundertdreissig Sachen auf der Autobahn nach Möglichstweitwegvonhier.

Aber wir haben ja für einen abendfüllenden Spielfilm bezahlt, also bleibt jedermann an Ort und Stelle. Shea entdeckt Haare von Nagetieren in der Blut-Milch-Schüssel, während Amy mit ihrem Laptop im Internet, genauergesagt in den standesamtlichen Unterlagen der Gegend recherchiert, ob sich irgendwelche Spuk-Gründe in dem Haus zugetragen haben. Und tatsächlich, im 19. Jahrhundert gab es mal Vorfahren von Maura, die hier hausten und deren männlicher Part starb, der weibliche Selbstmord verübte und über die Tocher – keine Sterbedaten vorhanden sind… und jetzt raten wir dreimal, wie die Tochter heisst – genau, Colleen. Aubrey ist auskunftsfreudig über ihre imaginary Freundin. Colleen ist einsam, im Haus, aber versteckt sich. „Sie ist unten, helft ihr!“ Zu Colleen führen will Aubrey Shea aber nicht. Will wirft das Amulett in die Runde und man einigt sich schliesslich, in den Keller zu abenteuern. (Die ganze Bande, inkl. Frau und Kind). Shea spürt hinter der Mauer, aus der das Amulett stammt, eine starke Präsenz und gibt den Willy Brandt. „Die Mauer muss weg.“ (Okay, er verwendet nicht exakt diese Worte, aber er SOLLTE :-)). Will bricht die Mauer auf, hinter der sich eine Art Zelle befindet und dort eine vermoderte Leiche – Colleen, lebendig eingemauert und natürlich bleiben uns einige Close-ups nicht erspart…

Pater Seamus ist rasch für eine improvisierte Beerdigung zur Hand, zur Feier des Tages lädt Maura sowohl Medium, Gehilfin als auch Pfaffe zum Abendessen ein. Praktischerweise und klischeeerfüllend tobt ein Gewitter. Erste Anzeichen drohenden Unheils… Maura´s latent schwelende Eifersucht regt sich, als sie bemerkt, dass sich Will und Amy freundschaftlich unterhalten. Beim Dinner eskaliert die Situation mal wieder… Aubrey, die sich noch in ihrem Zimmer aufhält, bekommt Besuch von einem unfreundlichen Geist, einer alten Frau, die drohende Handbewegungen macht. Maura´s Truthahn platzt und spritzt ihr Blut ins Gesicht. Und nun full Poltergeist activity, Gegenstände fliegen durch die Luft, Lichter flackern, ein Messer ritzt Amy am Arm. Die CGI-Kreatur gibt sich die Ehre. Shea wird von einem splitterenden Fenster verletzt, er rennt nach draussen und liefert sich ein Blickduell mit dem Stein-Sensenmann.

Will und Maura finden die Tür zu Aubrey´s Zimmer verschlossen, man bricht die Türe auf, das Zimmer ist verwüstet, das Kind ist weg. Will eilt nach draussen und findet den geköpften Shea, der Kopf liegt neben dem Stein-Sensenmann. Maura, Will und Amy wollen in den Keller stürmen, doch hinter der Kellertür findet sich nur ein CGI-Wirbel… Pater Seamus fragt nach dem Amulett, und auf die berechtigte Frage, woher Seamus von dem Amulett weiss, erhalten wir etwas Exposition. Seamus war natürlich schon einmal in dem Haus und hat einen Exorzismus durchgeführt, denn die bewussten Vorfahren aus dem 19. Jahrhundert waren der schwarzen Magie verfallen. Die Dorfbewohner hackten daraufhin dem Männeken die Hände ab, er starb an Wundbrand, seine Frau brachte sich um, bevor der passende Scheiterhaufen errichtet war. Und natürlich verfluchte der Magier sein Anwesen (warum seins? Wäre ein Fluch über die Dorfbewohner nicht irgendwie … effektiver?)

Nun gut, Seamus spekuliert, dass das dem Haus innewohnende Böse Aubrey als Austausch für die nun in Frieden ruhende Colleen fordert. Seinerzeit hatte er das Böse mit dem Amulett, das er mit einem Dolch in einer alten Abtei gefunden hatte, gebannt. Seamus vollführt einen kleinen Zauber, für den er Perlen, Onyx und Frauenblut braucht und gibt auf den Weg, dass das Böse sich von Misstrauen, Uneinigkeit und Angst „ernährt“. Dann sollen Maura und Will Aubrey mehr oder weniger zurück-„talken“ (kommt mir irgendwie bekannt vor…). Aubrey´s Stimme führt sie wieder in der wieder begehbaren Keller und hinter der wieder errichteten Wand, hinter der man Colleen fand, steckt Aubrey. Will bricht die Wand erneut ein, findet dort diverse aufgehängte Puppen und Aubrey, noch lebendig, aber mit einem Strick um den Hals. Rettung…

Seamus verabschiedet sich in dem Glauben, den Kampf gegen das Böse gewonnen zu haben, Maura und Will wollen nun doch tatsächlich schleunigst verschwinden. Will verabschiedet Amy und umarmt sie zum Abschied (der Eifersuchtsmotor Mauras läuft auf Hochtouren). Die Familie zieht zwecks Übernachtung in ein Hotel und da macht sich bemerkbar, dass immer noch nicht alles in bester Butter ist, denn Maura macht Will Vorwürfe und zieht sich zurück.

Pater Seamus trägt die Erlebnisse in sein Tagebuch ein und stellt fest, dass das Böse die Macht der Liebe nicht brechen kann (GÄHN).

In der Nacht wacht Maura auf, stellt fest, dass Will nicht neben ihr liegt und hört Sexgeräusche. Sie geht ihnen nach und findet in einem Nebenraum Will und Amy mitten im schönsten Liebesspiel (ja, nudity!). Gerade als Will bemerkt, dass er beobachtet wird, wacht Amy schweissgebadet aus einem Alptraum auf… jechtz.

Der nächste Morgen… zurück im Haus, um die Siebensachen zu packen. Will belädt die Familienkutsche Marke Mercedes, Maura sieht von drinnen aus zu und sieht, wie Amy sich heranpirscht, Will an die Wäsche geht und ehe man sichs versieht, steigt die Nummer auf der Motorhaube. Wutentbrannt rast Maura nach oben, findet Will allein und macht den sich keiner Schuld bewussten treuen Ehemann zur Schnecke, natürlich war auch diese Nummer nur eine Vision. Allerdings ist sie nun mittlerweile endgültig besessen, wirft Will diverse Gemeinheiten an den Kopf, stürmt ins Haus, die Tür schliesst sich von selbst und Will steht draussen. Unverrichter Dinge muss er abziehen.

Maura hat diverse Flashbacks aus dem bisherigen Filmgeschehen und schaltet in den Total-Durchgeknallt-Modus (äusserliches Kennzeichen: zerzauste Haare und ein bisschen Augenmakeup). Aubrey fragt sich zurecht was los ist, wird aber von Maura angeschrien, geschlagen und eingesperrt.
Will ersucht sich Hilfe von Pater Seamus, doch der kniet tot vor seinem Altar. Lediglich sein Tagebuch ist aufgeschlagen und die detaillierte Illustration des erwähnten Dolches, der die Seelen der Besessenen befreit, hilft Will auf die Sprünge. Er greift sich den Dolch und fährt zurück, was nötig ist, denn Maura ist nun im Jack-Nicholson-in-SHINING-Modus, hat sich mit einer Axt bewaffnet und schon mal probehalber die Colleen-Puppe geköpft.

Aubrey hat eine Erscheinung von Colleen mit klaffender Halswunde. Schon ist Maura da, doch bevor sie Aubrey Böses kann, ist Will zur Stelle. Zwar kann Maura den Ehegatten ein wenig durch telekinetisches Verrammeln der Türen aufhalten, doch sie kann sich immer nur auf Aubrey ODER Will konzentrieren, also gelingt Will letztendlich der Einbruch und er kann Maura in einen Kampf verwickeln. Er hat sie rasch in passender Position, um ihr den Dolch in die Brust zu jagen, doch Aubrey´s erschreckter Aufschrei lenkt ihn lang genug ab, damit Maura sich befreien kann. Telekinetisch jagt sie Will eine Schere ins Bein, es kommt zu weiterem Handgemenge, schliesslich gewinnt Will wieder die Oberhand und lässt sich diesmal nicht davon abhalten, Maura zu erdolchen.

Als er den Dolch wieder aus Maura herauszieht, kommen wir in den Genuss eines miserablen Special-FX, denn „das Böse“ verlässt Mauras Körper. Maura kommt quicklebending und als sie selbst wieder zu sich, und keine Minute zu spät, denn das Haus zeigt Auflösungserscheinungen. Durch ein Fenster entkommt die Familie, im Haus gibt es diverse Feuer und Explosionen.

Audrey findet die intakte Colleen-Puppe, greift sie sich, wird aber selbst von etwas gegriffen – SHRIEK – es war nur eine Vision. Im Haus explodiert noch mehr, wir kommen in den Genuss von äusserst zweifelhaften Modelshots des brennenden Hauses, ehe sich das ganze Haus in dem schon mal erlebten CGI-Wirbel auflöst und verschwindet. Auch unsere Helden machen den Abgang, doch irgendwo im Unterholz heult und kichert die halbunsichtbare CGI-Kreatur…

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Filme man in einer einzigen Low-Budget-Produktion „zitieren“ kann. Obwohl ich mit Sicherheit nicht behaupten kann, Komplettist zu sein, was das Haunted-House-Subgenre angeht, fallen mir doch auf Anhieb mindestens sechs Filme ein, die hier ge-ripped-off werden: AMITYVILLE (nebst Sequels), POLTERGEIST (na logisch), THE HAUNTING (das Original, mit dem Cold Spot), HELL HOUSE (Leiche im Keller), THE SHINING und DAS HAUS DES BÖSEN (so hiess der, glaub ich, in dem sich das Spukhaus gen Ende auch in seine Bestandteile auflöst). Genre-Kenner werden sicherlich noch mehr aufzählen können.

Aber guess what, wir befinden uns schliesslich in einer Roger-Corman-Produktion, und noch dazu in einer aus den Tagen des Ober-Low-Budget-Produzenten, in der Qualitätsware eher selten seine Produktionsstätten verliess.

HOUSE OF THE DAMNED (US-Titel) bzw. ESCAPE TO NOWHERE (Titel überall anders) verdankt seine Entstehung vermutlich der Tatsache, dass die irische Regierung ein Gesetz zur Förderung der heimischen Filmindustrie verabschiedete und Corman wohl die Möglichkeit witterte, mit seinem üblichen Budget einen Film zu fabrizieren, der tatsächlich etwas mehr kosten konnte (oder natürlich das Budget blieb gleich, aber Corman steuerte weniger dazu bei… fast wahrscheinlicher, wie wir den alten Cent-Fuchser Corman kennen). Grundbedingung dafür war natürlich, dass der Streifen on location in Irland gedreht werden musste, was aber nicht entscheidend zur Qualität des Streifens beiträgt. Die Locations werden nicht unbedingt kreativ genutzt, es ist letztendlich belanglos, ob der Film in Irland, New England oder im Oberammergau gedreht wurde, der Look des Streifens ist einfach nichtssagend.

Die Story, wir haben es erwähnt, trieft nicht unbedingt vor Originalität, sondern zitiert brav alles, was das Subgenre so hergibt. Immerhin, das ganze ist ansehnlich umgesetzt und Regisseur Scott Levy (aus der Corman-Kaderschmiede, seine besseren Filme sind UNKNOWN ORIGIN und das TV-Remake von PIRANHAS, ziemlich daneben sein soll die Parodie MEN IN WHITE) kann die abgedroschene Story immerhin interessant genug gestalten, um den Zuschauer bei Laune zu halten und – ich muss es zugeben – einmal hat mich Levy sogar richtig erschrecken können. D.h. unterhaltsam und spannend (sofern man noch nie einen Spukhausfilm gesehen hat) ist das ganze immerhin – für zwei Drittel des Films. Der Schlussakt, als man sich dem SHINING-Territorium nähert, ist schlicht zu vorhersehbar und damit etwas langweilig.

On the plus side – HOUSE OF THE DAMNED ist kein Horrorfilm ohne Horror, wie wir ihn vor allem in diesem Subgenre häufiger antreffen. Levy schreckt nicht davor zurück, Schockeffekte zu setzen und auch ein wenig Gore zu liefern (die ungeschnittene 93-min-Fassung dürfte vermutlich etwas mehr liefern, wobei es ja nur ein „echtes“ Opfer gibt) und letzteres kommt ziemlich unvermutet (trotzdem war es nicht die Szene, die mich erschrecken konnte, die verrate ich nicht). Corman-typisch gibt es etwas nudity, allerdings nur was weibliche Nebenrollen angeht, da, wo´s mich interessiert hätte (bei Alexandra Paul) bleibt die Bluse leider zu.

Womit wir bei den Darstellern werden. Greg Evigan (bekannt und vermutlich weniger beliebt aus William Shatner´s TEKWAR) ist hier ähnlich farblos wie in der SF-TV-Serie und versprüht ungefähr soviel Charisma wie ein Staubwedel. Seine Film- und Real-Life-Tochter Briana (letzteres nehme ich zumindest an) ist nicht so annoying, wie manche meiner Reviewer-Kollegen es sehen (und dabei bin ich auf diesem Thema normalerweise recht leicht zu reizen), ich fand das Gör eigentlich ganz nett.

Das bringt uns zu Alexandra Paul – dem breiten Publikum vermutlich aus BAYWATCH bekannt, und mit einer grösseren Filmkarriere bislang nicht gesegnet. Levy hatte sie schon in PIRANHAS unter den Fittichen (daher kam sie mir auch so verflucht bekannt vor), zu sehen war sie z.B. in kleiner Rolle auch in SPY HARD. Paul sieht wirklich GUT aus (nettes Fahrgestell, hehe), aber mit der Schauspielerei hapert´s dann doch ein wenig. In den ersten beiden Dritteln, wo sie noch relativ zurückgenommen agieren kann, fällt das noch nicht so auf, aber die gemeingefährliche Psychopathin aus dem Showdown kann man ihr trotz Evil-Frisur und -Make-up nicht so ganz abnehmen. Aber als Scream Queen hätte sie durchaus Potential.

Von den Nebenrollen nervt der fürchterlich übertreibende Dick Donaghue als Shea, Amy Wolfe ist adäquat, obgleich sie eigentlich nichts zu tun hat, Eamon Draper gefällt als Pater Seamus ganz gut.

Alsooo, was haben wir im Endeffekt vor uns? Einen Film, der sich letztendlich im Mittelmass suhlt. Für Roger-Corman-Produktionen aus den 90er Jahren ist das natürlich schon fast das Äquivalent einer Best-Picture-Oscar-Nominierung, aber vom Unterhaltungswert kommt der Streifen trotzdem nicht an ungefähr zeitgleiche Produktionen wie BLACK SCORPION ran.

Ein klischeebeladenes Drehbuch, recht effektiv inszeniert, wäre zu ertragen, die darstellerischen Leistungen halten sich allerdings in Grenzen und die Spezialeffekte erreichen gelegentlich die Grenze zur Peinlichkeit. Trotzdem – setzt man die Anspruchsmesslatte nicht all zu hoch, kann HOUSE OF THE DAMNED für einen recht kurzweiligen, annehmbaren Gruselabend sorgen, vor allem, wenn man nicht alle genannten „Vorbilder“ in- und auswendig kennt. Andererseits: Genre-Experten könnten mit dem Streifen nette „Wer-erkennt-die-meisten-Szenen?“-Spiele spielen und sich dabei gepflegt einen ansaufen. Auch ´ne Möglichkeit …

(c) 2003 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 6

BIER-Skala: 5


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