Es war einmal…

 
  • Deutscher Titel: Es war einmal...
  • Original-Titel: Es war einmal...
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  • Regie: René Rausch
  • Land: Deutschland
  • Jahr: 2003
  • Darsteller:

    Gruselpeter (Steffen A. Röhrs)
    Kathi (Beate Franke)
    Nils (Lars Kelich)
    Sandra (Jana Wrobel)
    Daniel (Timo Wussow)
    Lena (Jana Bösche)
    Melanie (Svenja Müller)
    Hannah (Katrin Wierstorf)


Vorwort

Werf ich doch mal wieder meine gute alte Gebetsmühle an. MIt dem, was der geneigte Konsumentenkreis wohl auf den ersten Blick mit dem Thema „deutscher Amateurfilm“ verbindet, hab ich wenig am Hut. Die, äh, Ergüsse von Kollegen wie Andreas Schnaas, Teubert, Rose etc, hmpf, mit denen kann ich nicht viel anfangen. Das, was an „Independent-Filmen“ aus dem Genre-Bereich gemeinhin Popularität erreicht, ist normalerweise genau das, wovor uns unsere Psychologen immer gewarnt haben – selbstzweckhafte Splatterorgien, die mit mal mehr, mal weniger gut gelungenen Goresudeleien kaschieren, dass von ihren Machern keinerlei inhaltliche Weiterentwicklung zu erwarten ist (und trotzdem von Millionen-Dollar-Budgets und großen Filmen träumen. Träume sind Schäume).

Aber zum Glück besteht die deutsche Indieszene ja nicht nur aus Schnaas, Bethmann, Ittenbach und Konsorten. Die etwas ambitionierteren Amateure und Halbprofis haben halt nur das Problem, dass ihnen nicht im vergleichbaren Umfang eine mediale Basis geboten wird, ihre Produkte vorzustellen, da die einschlägigen Fanzines und Websites ja gern das Vorurteil vom blutgeilen tumben Horrorgucker bestätigen (nicht alle, aber doch so einige).

Das Wissen um eben dieses Faktum verleitet mich dazu, doch hin und wieder einem deutschen Indie-Film eine Chance zu geben. Da kann man manchmal gehörig auf die Schnauze fallen (wie bei Jan Reiffs hochgelobten und um so peinlicher ausfallenden Requiem der Teufel, der mir selbst für´n Full-Scale-Vernichtungsreview zu blöde war), mit Teutokill 2 mal was ausgraben, das sein Nullbudget durch einen gehörigen selbstironischen Approach ausgleicht, oder mit der Kurzfilmkompilation Freax gute Ansätze, die von präpubertärem Fäkalhumor genullt werden, entdecken.

Langer Rede kurzer Sinn – ich seh mir bekanntlich alles mindestens einmal an (und werde irgendwann mal auch Schnaas und Bethmann verdientermaßen würdigen) und als mir angeboten wurde, ein Reziexemplar von Es war einmal… abzustauben… tja, Ihr kennt Freibiergsicht Doc, wenn was nix kostet, nimmt der alles. Schauen wir uns doch mal an, womit uns die Freunde von Transcendental Pictures beeindrucken wollen.


Inhalt

Es war einmal, so fangen alle Märchen aaaan… (sing). Ich hatte eigentlich eine vollkommen andere Einleitungszeile geplant, aber, verdammt, da hat man mal einen Film, auf den die alte, soeben zitierte Schlagerzeile passt, dann muss ich die wohl auch bringen.

Im Medium Film fängt ein Märchen aber oft und gern nicht mit dem Anfang an, sondern mit dem Ende – wir steigen in unser munteres Spiel in einer Arztpraxis ein, wo zwei Sprechstundenhilfen die verletzte Kati, singuläre Überlebende des zu erwartenden Bodycounts (sprachliche Konstruktionen muss man hier aufstellen), leicht lädiert und schwer unter Schock in ein Wartezimmer schleifen. Zu dem Arzt geh ich übrigens nicht, denn ein Herz für Notfälle hat der betreffende Halbgott in Weiß jedenfalls nicht – so´ne frisch eingelieferte Halbtote kann ja auch mal´n Stündchen warten oder zwei. Trifft sich aber insofern günstig, als Kati uns ihre Geschichte und damit den Film erzählen kann. Als bekennender glühender Verehrer der „Wir-erzählen-unsere-Story-als-einzigen-großen-Flashback“-Schule versetzt mich das nicht gerade in Ekstase, aber wenn John Carpenter damit durchkommt, kann ich ja wohl ambitionierten Amateuren keinen Strick draus drehen. Okay, auf die Frage der MTA, was den eigentlich passiert sei, beginnt Kati (von der wir selbstverständlich noch nicht wissen, dass sie Kati heißt. Da war Future Doc etwas vorgreifig) leise „Hänsel und Gretel verirrten sich im Wald“ vor sich hin zu singen (und ich bin ehrlich positiv überrascht von den subtilen music cues dazu. Zur akustischen Untermalung werde ich ganz weit unten sicher noch das ein oder andere Wort verlieren). Also flashen wir back in time…

„Why does these things always start with four beautiful co-eds going in the basement?“ Das fragt sich in Freddie Olen Rays stets charmanten Trashklopper Evil Toons eine der dortigen Charaktere. Genauso gut, bzw. eher noch berechtigter hätte sie aber fragen können: „Why does these things always start with a couple of teens going to drive somewhere?“. Okay, klar, wenn man seinen Schwung Charaktere an einen abgelegenen Ort schaffen will, um sie dann gemütlich und in Ruhe abzumurksen, brauchen die natürlich irgendeinen Grund, um sich vom heimatlichen Fernsehsofa wegzubewegen, aber ehrlich gesagt, ich wär mal ganz dankbar für ein anderes plot device. Es ist nun wirklich nicht mehr neu.

Genug gemosert, beschäftigen wir uns lieber mit unserem heutigen Satz Opfer. Da hätten wir Nils und seine Freundin Sandra, Daniel und seine Schnalle Lena sowie Kati, solo unterwegs (und deswegen auch ohne den Prolog in der Arztpraxis als auserkorenes final girl identifizierbar. Die Grundregeln des Slasherfilms sind was praktisches). Nils ist als Besitzer der Kalesche sowas wie der ungewählte Anführer der Gruppe, die aufbricht, um… hm, wohin eigentlich? Es tut ja nicht wirklich was zur Sache, aber warum und wohin unsere designierten Leichen wollen, verrät uns keiner. Man ist wohl mit Bekannten verabredet, aber Einzelheiten gibt´s nicht. Mystery! :-).

Anderswo machen sich die Studentinnen Melanie und Hannah von der Unität auf den Heimweg. Die beiden sind wohl WG-Partnerinnen. Hannah steht ein wenig unter Termindruck, denn sie muss am nächsten Tag eine Arbeit abgeben. Das Thema fetzt sie allerdings nicht gerade pausenlos vom Hocker, es geht um die Relevanz klassischer Märchen in der Literatur (oder die Relevanz von Märchen in der klassischen Literatur… ich sollte irgendwann mal lernen, deutliche Notizen zu schreiben), was, wenn wir Hannah dahingehend vertrauen können, ein ausgesprochen langweiliges und demotivierendes Thema ist (wenn ich meine persönlichen Erfahrungen mit mir bekannten StudentInnen ins Kalkül ziehe, möchte ich mal sagen, dass noch jeder Student jedes ihm aufgegebene Thema als langweilig empfunden hat. Da bin ich doch wieder froh, dass ich nicht studiert bin, ich mache mir meine Langeweile noch selbst, höhö). „Märchen sind doch doof“, fasst sie ihre wissenschaftlichen Bemühungen energisch zusammen (uh-oh, ob das, angesichts des Titels, und des von mir sträflich unerwähnten, aber hübsch gestaltenten Vorspanns mit seinen verschiedenen Märchenmotiven, so eine prima Idee war?) und macht vorzeitig Feierabend.

Feierabend machen (oder zumindest am Abend feiern) würden sicher auch gern unsere motorisierten Freunde rund um Kati. Daraus wird nur nichts, da Pilot und Navigator Nils sich gehörend verfranzt hat. Das sind dann wieder die Momente im Leben, in denen man drüber nachdenkt, warum man kein GPS-Navigationsgerät im Auto hat oder vor der Tour wenigstens kurz mal den Routenplaner am heimischen PC angeworfen hat. Es wird ein Boxenstopp an einer Tankstelle eingelegt, den Kati zu einer Zigarettenpause nutzt (tsk… big budget movie! Wer kann sich heute noch leisten, blauen Dunst in die Luft zu pusten?) und dabei meaningful ein ihr um den Hals hängendes Medaillon reibt (kommt aber kein Djinni raus). Daniel bringt den Text des Hänsel-und-Gretel-Liedes auf den neuen Stand automobiler Technik, aber seine Sangeskünste kommen bei Lena nicht an (hm, ist das ein subtiler Seitenhieb auf Daniel K.?). Daniel kennt seine Freundin offenbar gut genug, um einen radikalen Themenwechsel anzubringen und sie für ihr schönes Haar zu komplimentieren (schönes Haar ist dir gegeeeeben, lass es leeeeben…). Die Taktik erfüllt ihren Zweck.

Kurzer Zwischenschnitt auf ein ominöses dunkles Haus™, stilecht mit Totenschädel und alten Büchern dekoriert und von einer noch ominöseren dunklen und hinkenden Gestalt, von der wir erst mal nur die Laufgräten sehen, bewohnt. Angesichts seiner langen, schwarzen Fingernägel kann´s entweder nur ein Penner vom Bahnhof Zoo, der seit zehn Jahren keine Dusche mehr gesehen hat, oder unser offizieller Filmschurke sein. Ich tippe mal auf letztere Variante…

Rein navigationstechnisch hilft der Pitstop aber auch nicht weiter – ein paar Stunden später ist vom Reiseziel immer noch weit und breit nichts zu sehen, Nils offiziell verirrt und alle halbwegs mit den Nerven fertig. Wohl in vorübergehender geistiger Umnachtung hat Nils die Karre in einen auf keiner Karte eingezeichneten (uh-oh) Waldweg gesteuert. Nils´ Beteuerungen, ganz genau zu wissen, wo man ist und wo man hin muss, wird von seinen Passagieren kein Glauben geschenkt. Den letzten erkennbaren Hort menschlicher Zivilisation, die Tanke, anzusteuern, traut sich Meister Nils auch nicht mehr zu, so dass man sich nach ein wenig gegenseitiger Ankekserei, mangels besserer Ideen dazu entschließt, die Nacht im Auto zu verbringen. Hilferufen über Handy funkt auch nicht, da Sandra, einzige Besitzerin eines Mobiltelefons (scheinbar zumindest), kein Netz findet. Na denn gut´ Nacht…

Ein neuer Tag, ein neues Glück. Was mit der Fünferbesatzung des VW Golf III, den Nils sein Eigen nennt, wohl bald passieren wird, das kann ich mir in gewissen Bahnen denken. Stellt sich die Frage, was haben Melanie und Hannah mit der Story zu tun? Dem gehen wir auf den Grund. Melanie taumelt schlaftrunken in die Küche und findet dort zu ihrer Überraschung einen gedeckten Frühstückstisch vor – Hannah ist wohl für ihren Küchendienst nicht berühmt… Allerdings weiß Hannah von nichts, bevor sie das aber Melanie verdeutlichen kann, hat die ihr längst einen der saftigen Äpfel in die Hand gedrückt. Beide Girls machen den Blend-a-med-Test und klappen dekorativ wie die Schnappmesser zusammen. Da hat wohl jemand Schneewitchens böse Stiefmutter gespielt…

Auch unsere Freunde, die im wahrsten Sinne des Wortes im Wald stehen, erwachen langsam aus ihrem Schönheitsschlaf und erleben dabei ein böses welches. Von einem Weg ist weit und breit nix zu sehen, vielmehr parkt der Golf mitten in der Pampa im hohen Gras. Das ist rätselhaft, das ist beunruhigend und das bösartige Kichern, das durch den Wald schallt, trägt auch nicht gerade dazu bei, die Stimmung anzuregen. Nils ist sich jedenfalls sicher, sein schönes Auto nicht hier geparkt zu haben. Nun, gegen das Herumstehen in finsteren Wäldern lässt sich bei entsprechender Motorisierung durchaus was tun, schließlich wurden Autos zum Rumfahren und nicht zum Rumstehen erfunden. Wenn sie denn anspringen würden. Was das Produkt hoher Wolfsburger Automobilbaukunst selbstverständlich nicht tut. Nils sieht sich genötigt, einen Blick unter die Motorhaube zu werfen und stellt nach gründlicher, abgezählt fünfsekündiger Untersuchung der dort vergrabenen Technik die Kfz-meisterliche Diagnose, dass der Motor völlig in Ordnung ist. Der Mann schlägt jeden teuren Diagnosecomputer (klonen und an Autohäuser verteilen, ich kenn einige, die sowas brauchen könnten!).

Guter Rat ist teuer, zumal Sandras Handy immer noch kein Netz findet. Da fällt Daniel ein handgemaltes, nichtsdestoweniger mit einem richtungsweisenden Pfeil versehenes Schild an einem nahen Baum – ein Pfad! Pfade haben die Angewohnheit, irgendwohin zu führen, also wird in Ermangelung besserer Ideen beschlossen, selbigem zu folgen. Nils mag zwar sein armes Auto nicht gern so ungeschützt in der Prärie stehen lassen, wird aber überstimmt.

Der ominöse Kerl im dunklen Haus skribbelt zufrieden in sein Tagebuch und befleißigt sich dabei einer eher blumig-altmodischen Diktion: „Die Kinder nähern sich dem verwunschenen Haus, dem letzten seiner Art.“ ´n bisken depri ist der Typ, der übrigens Zylinder und Frack trägt und mich irgendwie äußerst unangenehm an Daniel Küblkötz in Daniel der Zauberer erinnert (tut mir leid, lieber Steffen A. Roehrs, ist nichts persönliches!), denn er fügt noch ein selbstmitleidendes „ich bin so allein“ hinzu.

Die Fünferbande hiked gemütlich, aber in schlechter Stimmung, durch den Wald. Sandras Nokia ist mittlerweile ganz tot und lässt sich nicht mal mehr einschalten (doof, kann man nicht mal mehr Snakes spielen…). Davon, dass die sich immer noch in regelmäßigen Abständen anfindenden Wegweiser mit netten Totenschädelmotiven verziert sind, lässt man sich nicht ins Bockshorn jagen. Ominous Zylinder-Guy ist´s zufrieden: „Schild um Schildlein, sie kommen näher. Sieben brauch ich, sieben hol ich!“ Ein Böser, wer schlemisches dabei denkt.

Als aufmerksame Zuschauer und/oder Leser habt Ihr sicherlich schon die kleine mathematische Schwachstelle im teuflischen Plan des Küblimitators bemerkt: 5 ungleich 7. Aber dafür hat er vorgesorgt – einen Typen hat er gefesselt und geknebelt in einem Nebenzimmer rumliegen. Hans heißt der und wahrscheinlich windet er sich so in seinen Fesseln, weil er sich alle Nase lang poetische Sprüche wie „Du bist hier gefangen bei Ottern und Schlangen“ anhören muss. Da kann man ja durchdrehen.

Während unsere VW-Besatzung weiter durch die Gegend wandert und Lena ein wenig rumzickt, kommt Melanie wieder zu sich – im Keller des verwunschenen Hauses. Wir überlegen noch, wie sie da wohl hingekommen sein mag, aber sie selbst hat andere Sorgen, nämlich unseren buckligen Zylinderfreund, der das Mittagessen serviert. Unidentifizierbare Unappetitlichkeiten garniert mit Wassermelone. „Du sollst fett werden und wenn du fett bist, werde ich dich essen“, motiviert der Schurke seine Gefangene. Heitere Aussichten. Melanie setzt sich spontan auf Diät und kickt den Teller weg, sobald Zylinderkopf ihr den Rücken zudreht. Das ruft die in einer Kammer nebenan vor sich hin vegitierende Hannah auf den Plan, die im Gegensatz zu Melanie nicht gefesselt, aber durch die abgesperrte Tür an ihrer Mobilität gehindert ist. Hannah versucht die begreiflicherweise leicht panische Mel zu bruhigen, stöbert in dem alten Plunder, mit dem sie die Zelle teilt, nach Brauchbarem und findet ein Stück Draht, das sich als Dietrich einsetzen lassen könnte.

Zylindermann wendet sich wieder seinem lieben Freund Hans zu – ein Kerzenleuchter sorgt für romantische intime Atmosphäre, die Schere für unangenehmes Zwicken in Hänsels Magengegend. Wir kommen zur ersten offiziellen Splattereinlage. Der fracktragende Psychopath schnippelt Hans´ Bauch auf und räumt gut blutig die störenden Gedärme und Organe aus (braucht er Platz für seine Wackersteinsammlung?)…

Die Wandergruppe indes erreicht das Ende des Weges – zumindest das Ende der offiziellen Ausschilderung. Da man aber trotzdem noch mitten im Grünen steht, ist die Stimmung nicht gerade prickelnd und sogar Nils, der furchtlose Führer, muss zugeben (sicherheitshalber aber nur Daniel gegenüber), Angst zu haben. Die Stunde ist vorgerückt, alle sind erschöpft, man wird wohl unter freiem Himmel nächtigen müssen (dass die Mädels da nicht gleich wegen etwaig vorstellig werdendem Getier in Panik geraten?). Nils und Daniel setzen sich ab, um einen geeigneten Lagerplatz zu suchen und finden zwei Büsche weiter – das verwunschene Haus. Der Creep ist begeistert. Unsere Freunde weniger, aber sie machen sich die Rechnung auf, dass ein Ruine mit Dach rein übernachtungstechnisch eine Wiese im Wald schlägt (aber da drin gibt´s sicher Spinnen… wääh!).

Aufmerksamer Gastgeber, der er ist, kümmert sich unser Schurke aber erst mal wieder um Melanie und Hannah. Dass Melanie ihr vermutlich kalorienreiches Mal verschmäht hat, findet er nicht gut: „Dumme Gans!“ (welch böse Worte). Hannah lässt das Fummeln am Schloß sein (da wird wahrscheinlich eh nix draus. Frauen, Technik, usw.) und durchsucht ihr Gefängnis lieber nach kernwaffentauglichem Material. Es findet sich immerin ein Metallrohr (Memo an Filmschurken: in den Gefängnissen der Opfer nichts rumliegen lassen, mit dem die einen k.o. Schlagen können). Uns Schurke feiert darum auch ein eher niederschmetterndes Erlebnis, den beiden Girls gelingt der Ausbruch. „Niemand entkommt mir“, flucht der Ersatzküblböck.

Nils & Co. betreten dieweil das Haus und finden es leer und verlassen vor. Hannah, die mit Melanie durch die labyrinthischen Kellerfluchten irrt, kömmt es etwas spanisch vor, dass ihr Peiniger sie nicht verfolgt (ok, es ist seltsam, aber im Moment wär´s mir an deiner Stelle herzlich wurst, Mädel).

Ich erwähnte es bereits, unser herumcreepender Zylinderträger ist ein sehr zuvorkommender Gastgeber. „Tischlein deck dich“, wispert er aus sicherem Versteck und schon präsentiert sich den verblüfften Neuankömmlingen ein (allerdings nur mit vier Gedecken, eh, gedeckter, Kopfrechnen scheint des Märchen-Mans Stärke nicht zu sein) Brotzeittisch mit Obstteller. Kati kann nicht an sich halten und greift sich einen besonders saftig aussehenden Apfel. Mampf! War wohl mit Gratis-Fleischbeilage, denn schon nach dem ersten Biss kommt das große Husten und Würgen über Kati, alas, es bleibt momentan noch ohne Folgen. Bösartiges Kichern erschallt und auf einmal ist Lena verschwunden (indes Hannah und Melanie bemerken, im Kreis gelaufen zu sein. Scheint ein echt weitläufiges Anwesen zu sein)! Und nicht nur das, denn wie von Geisterhand ist auf einmal die Ausgangstür zugenagelt, wie Kati entsetzt feststellt (allerdings würde ich schon behaupten, dass man mit ein bissl sinnlos-roher Gewalt da was dran ändern könnte). Sandra versucht Kati zu beruhigen, man werde Lena schon finden (leichte Themaverfehlung, denn Kati hat sich weniger über Lena denn über die verrammelte Tür aufgeregt).

Lena selbst findet sich zu ihrer Überraschung im ersten Stock und in einem bis auf einen Stuhl völlig leeren Zimmer wieder. Der Zylindercreep, der sich mit weltlichen Dingen wie der Benutzung von Türen etc. sichtlich nicht abgeben muss, beamt sich zu ihr, fesselt sie geschwind an einen Stuhl und äußert den bescheidenen Wunsch, ihren wertvollsten Besitz übernehmen zu wollen. Wir erinnern uns – Lena ist mächtig stolz auf ihre Haarpracht. Unser Märchenonkel erinnert sich an seine Lehr- und Wanderjahre bei den Indianern und schreitet zum Skalpieren (Splattereinlage Nr. 2).

Auf der Suche nach Lena stolpern Nils und Freunde nicht über deren sterbliche Überreste, sondern nur auf Melanie und Hannah. Schnell haben die Letztgenannten die „Neuen“ über das wesentliche ins Bild gesetzt. „Er hält uns hier gefangen!“ „Wer?“, ist natürlich eine berechtigte Frage und das ausgerechnet Kati die Antwort weiß („Der Mann“. Hm. Ist vielleicht ´n bisschen allgemein), wundert ihre Freunde schon. „Ich sehe ihn in meinen Gedanken“, erläutert Kati nicht unbedingt zur vollständigen Befriedigung. Melanie und Hannah wissen aber mehr (bätsch): „Er nennt sich der Gruselpeter!“ (Okay, über den etwas albernen Namen kann ich hinwegsehen, aber WOHER wissen Melanie und Hannah das?). Nils ist der Name relativ egal, er will nur möglichst zeitig abhauen (was ich für eine nachvollziehbare Einstellung halte). Hannah und Daniel werden durch eine sich auf geheimnisvolle Weise selbst schließende Türe vom Rest der Gruppe gerettet (war schön, euch kennengelernt zu haben…).

Der Gruselpeter selbst zählt dieweil sprichwörtlich seine Leichen im Keller. „Eins und zwei, mit euch ist´s vorbei, drei und vier sind auch bald hier, sieben brauch ich, sieben hol ich…“.

Hannah findet sich in ein ziemlich geschmackloses rosa Kleidchen gewandet in einem Raum wieder, in dem nur ein Bett steht. Der Gruselpeter erscheint und macht ihr klar, dass sie die Hauptrolle in seinem spontanen Dornröschen-Remake übernehmen soll und sticht sie mit einer Nadel. Hannah klappt nicht nur sofort tot, sondern auch sofort verwest zusammen. Effektiven Kram hat der Kerl schon, das muss man ihm lassen.

Daniel latscht alleine und verlassen durch das Haus, trifft auf den Gruselpeter und nimmt sicherheitshalber die Beine in die Hand. Ortskenntnis und paranormale Fähigkeiten erweisen sich schnellen Haxen allein als überlegen. Der arme Daniel wird in einen Frosch verwandelt (!). „Ah du bist´s, alter Wasserpanscher“, dichtet der Gruselpeter und zermatscht (Tierfreunde entspannt zurücklehnen, nur ein splattriges Geräusch, aber nix zu sehen) das Amphibium mit der aus der Märchenwelt bekannten und beliebten goldenen Kugel. Splot!

Nils könnte prinzipiell recht begeistert sein, ist er doch jetzt allein unter Frauen, aber, wir Männer wissen´s ja alle, es kann einem angenehmeres widerfahren, als sich mit drei Tussis rumschlagen zu müssen. Kati nutzt ihren nicht wirklich erklärten telepathischen Link zum Gruselpeter, um ums dessen Motivation nahezubringen – die Menschen haben die Bedeutung der Märchen vergessen und, ähnlich wie in Freddy vs. Jason (ha, jetzt hau ich aber die Parallelen raus), wenn niemand an die Märchen glaubt, ist das ziemlich schlecht für die Märchenfiguren. Der Gruselpeter, so resümmiert Kati, ist alles, was von der Märchenwelt noch übriggeblieben ist (tragisch). Melanie fällt mit schreckgeweiteten Augen der lässige „Märchen-sind-doof“-Ausspruch ihrer Kommilitonin ein. Tja, ich hab gleich gesagt, das wird noch böse Folgen haben…

Die Nacht bricht ein, unsere vier verbliebenen jungen Leute sind am Rande der Panik. „Wir kommen hier nie raus“, ist sich Melanie sicher. „DOCH!“, brüllt Nils und kommt zur spontanen Selbsterkenntnis, das er an allem schuld ist, weil er sich verfahren hat (er hat ja nicht ganz unrecht, aber für Melanie und Hannah kann er nun nichts). In einem spontanen Anfall von Heldenmäßigkeit gelobt er, mit „allen“ rauszukommen, allerdings muss er dafür die Verschwundenen erst mal finden. Zur Not jedoch ist er willig, die ganze Hütte abzufackeln. Kati und Nils entscheiden sich dazu, im ersten Stock mal nach dem Rechten zu sehen, Sandra bleibt bei der gerade zusammenbruchswilligen Melanie am Fuß der Treppe sitzen (lebt wohl, ihr wart gute Kameraden).

Der Gruselpeter treibt ein wenig Schabernack mit Nils, Kati und dem Lichtschalter, verzieht sich aber dann lieber, um die einfacheren Opfer (ergo: Mel und Sandy) zu holen. Das erlaubt Nils und Kati, des Gruselpeters Arbeitszimmer zu finden. Ohne Rücksichtnahme auf Privatsphäre wird in den persönlichen Sachen des Märchen-Man rumgeschnüffelt. Kati findet heraus, dass Peter jetzt momentan ein Märchen schreibt – mit ihnen als Hauptfiguren: „Wir sind in seiner Geschichte!“ (traces of I, Madman und Wes Craven´s New Nightmare start showing up in my mind). Melanie und Sandra werden gleichzeitig (das darf Kati quasi „live“ mitlesen) von Digitaleffekten angegriffen. Die glühenden Leuchtpunkte killen auf nicht näher bezeichnete Weise (off-screen) die beiden Mädchen (aber ein bissl Blutgespritze muss schon sein, hehe). „Er hat sie“, murmelt Kati, ist sich aber auch sicher, wo die ganzen fehlenden Personen zu finden sind, nämlich im Keller (wenn die eh schon alle hinüber sind, halte ich es eigentlich nicht für übermäßig notwendig, da speziell hinzulatschen und sich mit eigenen Augen ´von zu überzeugen. Stiften gehen fänd ich besser). Nils schlottern die Knie und fleht Kati an, nicht in den Keller zu gehen, aber die lässt sich nicht aufhalten. Nach kurzer Denkpause beschließt Nils, ihr zu folgen. Zu spät allerdings, denn in den katakombenartigen Gängen des Kellers findet er nicht Kati, sondern – den Gruselpeter und seine Pistole aus dem Jahr 1724. „Der sechste ist ein dummer Wolf“, grinst Peter und ballert Nils eine Ladung Schrot/Blei/was-immer-man-1724-in-seine-Wumme-gepackt hat vor den Latz. R.I.P.

Kati hat sich indes bis in die Leichenhalle des mörderischen Märchenonkels durchgearbeitet, dekoriert mit den üblichen umpfzighundert Kerzen (ich sagte ja bereits, romantisches Kerlchen). Gruselpeter macht seine persönliche Aufwartung und erklärt nochmals etwas ausführlicher seine tieferen Beweggründe – er konnt´s halt nicht verwinden, dass er und seine Kollegen dem Vergessen anheim gefallen sind und will daher ein neues Märchen, eins, das der Welt im Gedächtnis bleiben wird (mir deucht, er überschätzt sich ein klein wenig. Bei all dem realen Terror in der Welt hat er mit seiner mageren Durststrecke von sieben Leichen wohl kaum eine Chance, etwas länger in den Schlagzeilen und im kollektiven Bewußtsein zu bleiben). Kati hat den Durchblick: „Wir sind in DEINER Welt, seit wir im Auto aufgewacht sind!“ „Jenseitig seid ihr längst“, stimmt der Peter zu, „der sechste ist auch schon da!“ Moment mal, der sechste? Kati wirft mal kurz ihren virtuellen Taschenrechner an und zählt durch – fünf Leichen im Keller, Daniel, Nils – das macht sieben. „Du kannst mir nichts tun“, triumphiert sie nach erfolgreicher Lösung der komplexen Gleichung, „du hast Daniel, den Frosch, vergessen!“ (Es stand in seinem Buche, daher weiß sie´s. Kein Plothole!). Der Gruselpeter kann´s nicht fassen, dass er im Kopfrechnen so versagt hat – während er voll und ganz damit beschäftigt ist, seine Opferliste noch mal mental durchzugehen (wenn man in der Märchenschule bei Mathe auch immer gefehlt hat. Horrorfilm mit Moral: be cool, stay in school!), macht Kati den Abflug und springt beherzt durch die mittlerweile nicht mehr vernagelte Tür in die pechschwarze Dunkelheit. Der Gruselpeter, der offenbar sein verwunschenes Haus nicht verlassen kann, kann ihr nur verärgert hinterhergrummeln.

Kati kommt, mit blutender Kopfwunde, aber ansonsten okay, mitten im Wald wieder zu sich. Von Haus oder Auto ist weit und breit nichts zu sehen… womit wir wieder in die Gegenwart und in die Arztpraxis zurückschalten.

Die wilde Story kauft die Sprechstundenhilfe der armen Kati natürlich nicht ab, das versteht sogar unsere Heroin. „Wie heißt du eigentlich?“, will die Arzthelferin wissen. Anstelle eine klar artikulierte Antwort auszusprechen, beginnt Kati plötzlich wieder zu Husten und würgen (und ein paar Zwischenschnitte klären uns auf, dass Kati nicht etwa auf einmal zu doof zum Atmen geworden ist oder sich verschluckt hat, sondern mit Spätfolgen des herzhaften Biss in den bewußten Apfel zu kämpfen hat) und verscheidet schließlich erstickend. Wer zuletzt lacht, ist halt manchmal doch der Böse…

Es gibt sie also doch – deutsche Amateurfilmer, die im Horrorgenre tätig sind und doch, erfreulicherweise, der Überzeugung nachhängen, dass dutzende Liter Kunstblut und Goregeschmoddere nicht alles sind, was einen einfallsreichen Horrorfilm ausmacht. Dies vorangeschickt, muss natürlich auch gesagt werden, dass Es war einmal… nicht perfekt ist – aber warum sollten wir von ambitionierten Hobbyfilmern erwarten, was Hollywood mit Mega-Millionen-Budgets und hochbezahlten Spezialisten nicht hinbekommt?

Es war einmal… ist eine angenehme Überraschung, denn letztlich macht der Film erheblich mehr richtig, als er falsch macht. Das fängt schon mal beim Drehbuch an – gut, letztlich ist es nicht bahnbrechend innovativ, da das Grundgerüst „Gruppe junger Leute wird von psychopathischem Killer nach dem 10-kleine-Negerlein-Prinzip dezimiert“ nicht wirklich neu ist, aber es gewinnt durch die originelle Figur des „Gruselpeters“. Mal abgesehen von seinem doch recht albernen Namen handelt es sich bei der Figur doch um einen etwas anderen Killer, nicht nur durch seine durchaus dämonische Präsenz (das Grauen potenziert sich bei mir durch die geweckten Kübi-Remineszenzen), sondern schon durch die Grundidee, den klassischen Slasher-Killer durch Märchenmotive morden zu lassen. Ich frage mich ja sowieso schon lange, warum nicht längst viel mehr Filmemacher auf die Idee gekommen sind, den an klassischen Horrormotiven sicher nicht armen deutschen Märchenschatz zu plündern (außer dem Sigourney-Weaver-Schneewittchen fällt mir da momentan nämlich nichts ein). Der Gruselpeter mordet nach Motiven aus „Hänsel und Gretel“, „Dornröschen“, „Der Froschkönig“, „Rotkäppchen“ und „Schneewittchen“, lediglich den Kill an Melanie und Sandra kann ich nicht eindeutig zuordnen (war das „Schneeweißchen und Rosenrot“? Tut mir leid, ist doch schon ein paar Tage her, dass ich die Märchen gelesen habe…).

Das Script hat allerdings auch ein paar Schwachpunkte – es dauert ein Weilchen, bis die Geschichte ins Rollen kommt (was wohl auch den Filmemachern bewußt war, weswegen wir am Auftakt die Parallelhandlung um Melanie und Hannah einerseits und die anderen Jugendlichen andererseits serviert bekommen), die Flashback-Erzählweise liegt mir bekanntlich eh immer ein wenig schwer im Magen, da es der Spannung abträglich ist und nicht immer ergibt alles Sinn (andererseits – wir sind in der Märchenwelt…): Wie kommen Melanie und Hannah ins verwunschene Haus? Was hat es mit der „telepathischen“ Verbindung von Kati und dem Gruselpeter auf sich (das muss was mit ihrem Medaillon zu tun haben) und wieso kann der Gruselpeter nicht mal bis sieben zählen? Eine weitere Schwäche ist, wobei das ein ganz grundsätzliches Problem des ganzen Horror-Genres ans ich ist, dass die Charaktere austauschbar sind. Der Gruselpeter selbst und mit Einschränkungen Nils (der seine Unsicherheit durch übertrieben selbstbewußtes Auftreten zu kaschieren sucht) sind gut gezeichnet, die anderen Figuren fahren da schon deutlich schlechter und werden, vor allem, was wirkliche Nebenfiguren wie Sandra und Lena angeht, zu bloßen Stichwortgebern und Opferlämmern reduziert. Aber was soll´s, das machen schließlich die professionellen Horrorfilme seit Halloween selig auch nicht anders. Die Dialoge werden größtenteils knapp gehalten, auf „character moments“ wird größtenteils verzichtet, aber ein Sonderlob ist an die Dialoge des „Gruselpeters“ zu richten, die sind stellenweise wirklich pfiffig und sprachlich schön gedrechselt.

Fast wichtiger als das Script sind bei einer nicht professionellen Produktion aber die technischen Meriten und DA punktet Es war einmal… im Vergleich zu vielen anderen Amateurfilmen aus deutschen (und anderen) Landen richtig. Der Streifen hat einen sehr routiniert wirkenden Look und gibt sich in dieser Beziehung wirklich spielfilmartig. Wenn man kritteln möchte, dann an der Kameraführung, die, was in diesem Bereich scheinbar eine Geburtskrankheit ist, doch recht statisch ist. An der Wahl der Kamerapositionen und den Einstellungen selbst gibt´s wenig auszusetzen, aber innerhalb der Shots selbst ist recht wenig Bewegung, die Kamera bleibt starr, es gibt kaum Schwenks, geschweige denn natürlich (was aber auch irgendwo logisch ist – eine Amateurproduktion kann schließlich kaum Dollys im Wald verlegen und sich ´ne Steadicam leisten) Bewegung der Kamera selbst. Dafür sind, wie gesagt, die Kamerapositionen gut gewählt, die Überblend- und Schnittechnik genügen allemal höheren Ansprüchen. Besonders gelungen sind diverse Schattenspielereien, die schon fast an expressionistische Klassiker wie Murnaus Nosferatu denken lassen und die ich zumindest in dieser Qualität in einem Amateurstreifen noch nicht gesehen habe. Kompliment – man kann sich schlechtere (und einfacher umzusetzendere) Vorbilder aussuchen!

Das Tempo des Films ist eher gemächlich, was ich in diesem Fall aber eher positiv sehen möchte – zumal der Streifen sich schon dadurch sympathisch macht, dass er nicht auf Teufel-komm-raus versucht, abendfüllend zu werden, sondern es bei einer 60-minütigen Laufzeit belässt -, denn auch wenn der eigentliche body count einsetzt, verkommt der Streifen nicht zu einer bloßen Nummernrevue, sondern bemüht sich um eine angenehme Gruselatmosphäre, unterstützt durch einige digitale Hexereien, die dem Film, sobald die Protagonisten das „Märchenland“ betreten, Hintergründe leicht verfremden und durch eine größere Körnigkeit des Filmmaterials eine surreale Wirkung erzielen.

Ganz ohne Splatter- und Goreeffekte kommt Es war einmal… nicht aus und ironischerweise gefallen mir die noch am wenigsten. Sie sind technisch für die vermuteten monetären Möglichkeiten der Beteiligten durchaus gut gelungen, kommen mir aber unnötig vor. Der Streifen würde m.E. ohne diese blutigen Szenen besser in seiner Wirkung als „gruseliges Märchen“ funktionieren. Es kommt mir beinahe so vor, als hätten die Filmemacher, um sich einem splatterfreudigen Publikum nicht ganz ohne Geschmoddere stellen zu müssen, diese Szenen eher aufgesetzt als schlüssig eingebaut. Aber das muss vermutlich so sein, wenn man bei dem Rezepientenkreis, der sich Amateur-Horrorfilme ansieht, landen will. Wie gesagt, technisch sind die FX alles andere als übel (lediglich Hannahs verweste Leiche will mich nicht völlig überzeugen), aber sie stören die Atmosphäre des Streifens eher als sie ihm nützen.

Ein absolutes Kompliment muss ich der ausgezeichneten Filmmusik aussprechen. Eigenkomponierte Scores im Amateurbereich sind etwas, dem ich seit der mancherorts hochgelobten Musik zu Requiem der Teufel (meiner Nemesis im Amateurfilmbereich) skeptisch gegenüberstehe, aber die Musik von Steffen A. Röhrs ist schlichtweg ausgezeichnet, angefangen von den subtilen kleinen Cues bis hin zu wirklich nach großem Kino klingenden Themes. Ich kenne jede Menge „professionelle“ Horrorfilme, die sich amateurhaftigerer musikalischer Untermalung bedienen. I admit, I´m impressed.

Gewohnheitsmäßig Abstriche machen muss man im Amateurbereich natürlich bei den schauspielerischen Leistungen, aber auch hier gibt´s positive Überraschungen zu vermelden und die erste heißt gleich noch mal Steffen A. Röhrs, der den Gruselpeter gibt und ihm, auch dank eines gelungenen Kostüms und schlichtem, aber effektivem Make-up, eine wirklich bemerkenswerte Screenpräsenz verleiht. Im Amateurbereich sicher eine der besseren Darbietungen, die sich mir bislang vorgestellt haben. Auch drehbuchbedingt haben es die weiteren Darsteller schwer, wobei ich Lars Kelich als Nils noch herausheben würde, der seine Sache auch ziemlich gut macht. Beate Franke als Kati hält ebenfalls einen gewissen Level, die Nebendarsteller haben schlicht zu wenig schauspielerische Anforderungen zu erfüllen, um sich großartig beweisen zu können oder zu müssen.

Es war einmal… ist auf DVD für einen fairen Zehner (Kontakt-Link unten) direkt bei den Machern zu bestellen. Dafür erhält der geneigte Kunde eine gut gefüllte DVD, die neben dem im Widescreen-Format (dürfte so 1.66:1 sein? Correct me, if I´m wrong) präsentierten Film in guter Bildqualität (ein weiteres stetiges Manko bei Amateurfilmen ist der Dialogton, der in der Lautstärke stark schwankt und manchmal an der Unverständlichkeitsgrenze knabbert) ein etwa 17-minütiges launiges Making-of, 15 Minuten Outtakes, den experimentiellen Kurzfilm „Der Schachspieler“ (drei Minuten bedeutungsschwangere Symbolik) sowie neben dem Trailer auf Es war einmal… noch solche auf zwei andere Werke aus der Transcendental-Werkstatt enthält. Das ist ordentlich value für´s money.

Also – Fazit: Es war einmal… ist ein durchaus sehenswerter Amateurfilm, der eine nicht neue Grundidee durch ein originelles Killer-Konzept hübsch variiert und vor allen Dingen aus technisch-handwerklicher Sicht voll zu überzeugen weiß. René Rausch und seine Crew haben hier einen soliden Genrebeitrag abgeliefert, der einmal mehr beweist, dass die deutsche Szene mehr als nur selbstzweckhafte Schmoddereien abzuliefern im Stande ist, wenn sie denn will, sondern auch mal einen leicht surreal angehauchten, atmosphärischen Gruselfilm. Es war einmal… macht jedenfalls neugierig auf die weitere Entwicklung der Filmemacher. Hier schlummert Talent, daraus könnt´ was werden. Der Doc gibt jedenfalls seinen Segen und sagt: Daumen hoch – anstelle Richtig Viel Geld TM für Schmu der Herren Schnaas & Co. auszugeben, sollte man lieber talentierte Newcomer unterstützen!

UPDATE 2009:
Kaum wartet man ein paar Jahre, schon gibt’s einen offiziellen DVD-Release. AT Medien, die auch schon Auf bösem Boden unter’s Volk gebracht haben, bringen „Es war einmal“ unter dem Titel „Es war einmal – Der Gruselpeter“ in die Läden. Die Retail-DVD beinhaltet einen Audiokommentar, das Making-of, den Trailer sowie die Outtakes. Auch wenn seit dem ursprünglichen Review ein paar Lenze ins Land gegangen sind – ich empfehle nach wie vor (und wundere mich über die FSK-12-Freigabe! Staun…).

(c) 2005 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 5

BIER-Skala: 7


mm
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