Eanie Meanie

 
  • Original-Titel: Eanie Meanie
  •  
  • Regie: Shawn Simmons
  • Land: USA
  • Jahr: 2025
  • Darsteller:

    Samara Weaving (Edie), Karl Glusman (John), Andy Garcia (Nico), Steve Zahn (Dad Meaney), Jermaine Fowler (The Chaperone), Marshawn Lynch (Perm), Randall Park (Leo), Mike O’Malley (George), Kyanna Simone (Baby Girl), Chelsey Crisp (Ma Meaney), Elle Graham (Yound Meaney)


Vorwort

Abt. Mal was Neues, ein Streaming-Bit

Normalerweise lassen mich Streamingstarts so ziemlich kalt. Die Zeiten sind auch schon lange vorbei, als ich noch Abos bei allen großen Anbietern (Prime, Netflix, Disney) auf einmal hatte, dazu noch Pay-TV. Heute selektiere ich da ganz genau und hole mir ein Abo, wenn es sich für mich für dann einen Monat lohnt, sprich mindestens zwei Serienstaffeln und vielleicht noch ein paar Filme zu schauen sind. Nur der Prime-Service des großen, bösen A besteht als Dauer-Abo weiter, da man hier tatsächlich am besten Stöbern und dank der Schnupperangebote auch den ein oder anderen Zusatzchannel ausprobieren kann. Das hier ist mal was ganz Spontanes, denn mir fiel ein wirklich mies gezeichnetes Poster auf, als ich heute die Disney+ App, die ich derzeit noch gebucht habe, geöffnete habe – Retro-Vibes dank Neonfarben? Check! Poster-Art wahrscheinlich ein AI-Motiv, das wie mies handgezeichnet aussieht? Check! Unbestimmte Grindhouse-Vibes? Check! Ein R-Rating gibt es als Sahnehäubchen oben drauf! Es geht augenscheinlich um Autos, Überfälle und schmierige Typen, die Hauptrolle spielt eine tuffe junge Fluchtwagenfahrerin in Nöten. Also warum nicht? Ich hab Zeit, da kann man sowas ja mal mitnehmen…


Inhalt

Die junge Edie Meaney hat ihr Leben mit Studium und Job in einer Bank im Griff, doch das ändert sich schlagartig, als sie erfährt, dass sie schwanger ist. Der Vater ist eindeutig John, ihre Jugendliebe, die sie eigentlich hinter sich gelassen zu haben glaubte, zusammen mit einem unsteten, kriminellen Leben als Fluchtwagenfahrerin. Als sie ihn aufsucht, um ihn vielleicht oder vielleicht auch nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen, muss Edie feststellen, dass sich in Johns Leben rein gar nichts geändert hat. Zwei Handlanger von Gangsterboss Nico foltern den unbekleideten Schmalspurganoven, um den Aufenthaltsort eines gewissen Leo von ihm zu erfahren. Sie boxt ihn raus und ergreift mit ihm die Flucht, was sie wieder weiter in die Scheiße reißt, als ihr lieb ist. Es kommt, wie es kommen muss – Leo stirbt und John steht in der Schuld von Nico, der von seiner goldenen Gans Leo über die nächsten Jahre noch Einnahmen in Höhe von drei Millionen Dollar erwartet hat, die er jetzt bitte sofort von John haben möchte, soweit dieser an einer Fortsetzung seines Lebens interessiert ist. Doch Nico, der ihr einst den Spitznamen Eenie Meanie gab, hat auch einen scheinbar einfachen Ausweg zu bieten. Wenn Edie sich bei einem riskanten Coup in einem Casino als Fluchtwagenfahrerin einbringt, wäre John vom Haken…

Besprechung:

Die Story eines einst kriminellen Charakters, der nun ein sauberes Leben führt, aber sich gezwungen sieht, einen letzten Job zu erledigen, ist jetzt nicht gerade neu. Eigentlich wurde sie schon tausende Male durchexerziert. Keine Ahnung, was Autor und Regisseur Shawn Simmons geritten hat, sein Debüt EENIE MEANIE auf einer derart ausgelutschten Prämisse zu satteln. Und anstatt diese nun konsequent und straight forward durchzuziehen, verzettelt er sich schon von Beginn an in irgendwelchen Szenen, die entweder komplett unglaubwürdig und teils auf fast schon cartooneske Weise die Story vorantreiben sollen oder weit über Gebühr gestreckt werden. Die Geschichte holpert sich durch eine Verkettung von Umständen, die weniger geschickt arrangiert sind, sondern einfach aneinander geklatscht werden. Hier mal zwei Beispiele, nur aus den ersten 20 Minuten des Films:
– Edie und ihre BFF Baby Girl gehen einen trinken, wobei sie von Stilts angebaggert werden. Als Edie und John ein Auto brauchen, um zu ihrem Heist zu düsen, erinnert sich Edie an Stilts Karre, die ihr gefallen hat und sucht ihn auf. Da der in Scheidung lebt und mit dem Unterhalt in Rückstand ist, bedrängt ihn seine Ex, das geliebte Vehikel zu verkaufen.
– Edie arbeitet in der Bank, als zwei Gangster reinstürmen, um sie zu überfallen. Edie bleibt cool, die Gangster werden überwältigt, das Personal wird routinemäßig ins Krankenhaus gebracht. Hier erfährt Edie dann, dass sie schwanger ist, weswegen sie John aufsucht und das ganze Drama seinen Lauf nimmt.
Es sind fast immer solche Holzhammer-Elemente, mit denen Simmons versucht, EENIE MEANIE voranzutreiben. Das ist dann aber weder cool noch clever, sondern größtenteils sehr gewollt und oftmals genug ziemlich cringy. Zumindest das zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte.

Mit fortschreitender Dauer ist auch kaum mehr zu erkennen, worauf Simmons mit dem ganzen Bohei überhaupt hinauswill. Dass er nach dem durchaus turbulenten Einstieg im Vorfeld des Casino-Heists das Tempo rausnimmt, ist verständlich. Das zieht dann aber gleichzeitig einen tonalen Bruch mit sich. Von comicesker Gewalt und unflätiger Gossensprache ist nun nicht viel übrig geblieben. Alle geben sich plötzlich als Profis und sind auch nicht müde, dass immer wieder zu betonen. Dieser Part von EENIE MEANIE zieht sich dann auch wie ein Kaugummi, denn der Plan ist nicht nur ausgesprochen dämlich, sondern hätte auch locker in fünf knackigen Minuten besprochen sein können. Doch die Beteiligten reden lieber um die Sache herum, damit das Skript später noch ein paar unwichtige Details wie Kaninchen aus dem Hut zaubern kann. Nicht ein wirklicher Aha-Moment kommt dabei rum, zumal der Heist selbst, im Vergleich mit der unendlich langen Vorlaufzeit, viel zu schnell und nebensächlich abgehandelt wird. Dennoch nimmt das ganze Geschehen ab hier wieder Fahrt auf, bekämpft aktiv die bis dahin gepflegte Langeweile, was schon mal willkommen ist. Das Finale hält dann noch einen Twist bereit, der wie aus dem Hut gezaubert wirkt; ein Grund, weswegen der Impact der folgenden, eigentlich hoch emotional gemeinten Szene, ausbleibt. Der andere Grund ist schlicht und einfach, dass zwischen Edie und John, bzw. Samara Weaving und Karl Glusman einfach mal null Chemie besteht.

Samara Weaving hat die sowieso sehr undankbare Aufgabe, die ganze Plotte als Edie aka EENIE MEANIE samt und sonders alleine schultern zu müssen. Ihr gegenüber gibt sich Karl Glusman eher als Hampelmann, eine Verbindung zwischen den beiden kommt, wie gesagt, niemals zustande, bzw. wirkt einfach nur behauptet. Dafür schlägt sich Weaving allerdings recht wacker, auch wenn man ihr den Frust darüber zwischenzeitlich anmerkt. Dass sie durchaus in der Lage ist, noch mehr Power auf die Leinwand zu bringen, hat sie ja schon in etwa READY OR NOT (2019) bewiesen. Es ist natürlich nicht schwer rauszulesen, dass John in den Augen von Edie mehr von einem entlaufenen Kind, auf das sie aufpassen muss, hat, als wirklich als praktikabler Vater ihres gemeinsamen Kindes infrage zu kommen, aber das Skript schlägt daraus kein Kapital. Außer in einer kleinen Szene zum Ende hin, die für sich alleine stehend gelungen war. Das macht den Brei aber auch nicht fett, zumal es auch ein Symptom im Scheitern von EENIE MEANIE ist, denn eigentlich besteht die Geschichte aus einzelnen Szenen oder aneinandergeklatschten Szenenblöcken, die dann in vielen Fällen auch eben noch nicht einmal für sich alleine funktionieren. Neben den Mann und Vater des Kindes in spe als verirrtes Kleinkind an den Hacken klebend, ist Edie auch noch mit zwei Vaterfiguren gesegnet, die beide einen nicht unbeträchtlichen Teil dazu beigetragen haben, ihre Kindheit mit der Flucht vor der Polizei bei nervenaufreibenden Verfolgungsjagden zu versauen. Nebenher steckt hier auch wieder ein schöner Zwiespalt, auf den nicht weiter eingegangen wird – auf der einen Seite liebt Edie scheinbar die Geschwindigkeit und den Nervenkitzel, auf der anderen hat sie das Leben als Kriminelle gehasst. Alleine damit hätte man schon einen beträchtlichen Teil der Geschichte lohnenswert füllen können. Doch zurück zu ihren Vaterfiguren. Da wäre zum einen ihr leiblicher Vater, der sie zu ihrer ersten Verfolgungsjagd verleitete. Das endete in einer Katastrophe, er sitzt nun im Rollstuhl. Steve Zahn schafft es tatsächlich, sich hier beachtlich gut aus der Affäre zu ziehen, da seine beiden Szenen (eine als Rückblende, die andere als Besuch in der Gegenwart) seiner Figur und auch der von Edie etwas mehr Tiefe verleihen. Dann gibt es noch Nico, Edies früheren Boss, der ihr die kriminelle Karriere ermöglichte und einen Soft Spot für sie hegt. Andy Garcia läuft bei so etwas sowieso auf Automatik, das ist auch okay so. Solche Rollen leben eh mehr von der Präsenz. Der Rest des Casts, so leid es tut, das zu sagen, muss einfach nur anwesend sein, was wirklich schade ist. Denn diese Darsteller übernehmen die Figuren, mit denen Edie und John den größten Teil des Films über interagieren. Doch da kommt eben auch nicht viel bei rum.

Ein weiteres, großes Problem von EENIE MEANIE ist die Tatsache, dass er eben nie mehr als ein Streamingfilm, ein Lückenfüller sein sollte. Das merkt man leider an allen Ecken und Enden. Der Film ist aufwändig genug, um in Sachen Besetzung, Settings, Kostümen und Action-Choreographie problemlos mit größeren Filmen mitzuhalten, doch fehlt es ihm eindeutig an Scope. Also an dem, was man bräuchte, um auf der großen Leinwand zu bestehen. Wir sehen von den Locations und der Action nie mehr, als es für die Funktionalität einer Szene nötig wäre. Wir bekommen keinen Eindruck von der Stadt, in der EENIE MEANIE anfangs spielt (ich hab sogar vergessen, welche das war), keine Vorstellung von der Größe des Casinos, welches ausgeraubt wird. Auch das Pokerspiel, dessen Preisgeld die Crew schließlich anstelle des Gewinners einsackt, findet nur am Rande statt; wir könnten glatt vergessen, dass es überhaupt ein Turnier gibt. Dadurch erscheint vieles einfach beliebig, eher wie Kulisse als echter Handlungsort, die Figuren mehr als Platzhalter, schließlich der Film mehr als kurzzeitiges Event denn mitreißender Geschichte. Shawn Simmons hat vorher ausschließlich als Autor und Produzent von TV- und Streamingserien gearbeitet, zuletzt an der Miniserie THE CONTINENTAL, einem (mMn eher mäßigem) Spin-off zur Filmreihe um JOHN WICK. Es verwundert also nicht, dass sein Regie-Debüt für Hulu (hierzulande Disney+) in der Erzählung einen merklich episodenhaften Charakter an den Tag legt. Das ist eigentlich nichts zu Schlimmes, da Filmgeschichten i.A. als Drei-Akter angelegt sind. Nur versteht es Simmons eben nicht, diese Episoden oder Akte vernünftig zu struktieren, aufeinander aufzubauen und, viel wichtiger noch, wirklich mit Leben zu füllen. Übrig bleibt ein Film, der nicht weiß, ob er lieber ernstes Charakter-Drama, grimmige Action-Comedy oder cooles Heist-Movie sein will und deshalb keines dieser Elemente überzeugend auf den Bildschirm bringt.

Fassung:

EENIE MEANIE ist am 22. August 2025 auf Disney+ erschienen, ist dort in Full HD oder 4K, im O-Ton oder auch Deutsch synchronisiert, abrufbar.

Fazit:

Im Endeffekt scheint EENIE MEANIE sicherlich nur für Hardcore-Fans von Samara Weaving interessant, die sich noch am Besten aus der Affäre zieht. Ansonsten sehe ich hier nicht mehr als 100 Minuten Zeitverschwendung, die woanders besser investiert wären. Irgendwie erinnerte mich das alles an eine kastrierte, schlechte Elmore-Leonard-Verfilmung, die hier nun als fader Streamingstart statt DVD-Premiere versandet. Allerdings wäre das schon fast zu viel des Lobes (was keines ist).


BOMBEN-Skala: 6

BIER-Skala: 4


mm
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