Dragon – Die Drachentöter

 
  • Deutscher Titel: Dragon - Die Drachentöter
  • Original-Titel: Dragon
  •  
  • Regie: Leigh Scott
  • Land: USA
  • Jahr: 2006
  • Darsteller:

    Amelia Jackson-Gray (Prinzessin Alora Vanir), Matthew Wolf (Sir Cador Bain), Jon-Paul Gates (Lord Atemir), Jeff Denton (Gareth Morholt), Rachel Haines (Naga), Jason DeParis (Sogomo), Jessica Bork (Damara), Eliza Swenson (Freyja)


Vorwort

Wie’s halt so immer zugeht in Fantasy-Landen: Böse Dunkelelfen vernichten, im Bestreben die ganze herkömmliche Menschheit auszurotten, ein Königreich nach dem anderen. Prinzessin Alora, Königstochter des aktuell von den Finsterlingen aufs Korn genommenen Reichs Sir Esplaine (was sich in Deutsch ungefähr so spricht, wie’s geschrieben steht und daher recht lächerlich klingt), begibt sich daher auf diplomatische Mission, um den Nachbarkönig Blackthorn (wer so heißt, ist nur selten ein erfreulicher Zeitgenosse) dazu zu überreden, seine zahlreichen Legionen in den Dienst der gerechten Sache zu stellen (wobei… Blackthorn, Dunkelelfen… ich schätze, der Knabe weiß, auf welcher Seite sein Brötchen gebuttert ist).
Die Mission ist so wichtig wie geheim, dass man ihr weder eine Eskorte noch auch nur einen Zahnstocher als Bewaffnung mitgegeben hat. Reiner Zufall also, dass ihr, als sie einer Handvoll marodierender Elfen in die Hände fällt, die zwei letzten Überlebenden einer aufgeriebenen Esplaine-Legion, der lispelnde Lord Atemir und sein Kampfgefährte Cador, zur Seite springen. Gut, gegen den feuerspeienden Drachen hätten sie vermutlich auch nix ausgerichtet, aber der mag der Prinzessin (geheimnisvoll, geheimnisvoll) eh nicht grillen. Alura rekrutiert die Soldaten für ihre Zwecke, die momentan darin bestehen, den gefährlichen Wald von Side (eine Dönerbude nach der anderen, aufdringliche Verkäufer am Strand und hunderte deutscher Touristen mit turmhoch gefüllten Tellern am All-you-can-eat-Buffet?) zu durchqueren. Jener Wald ist nicht nur Heimstatt des Feuerdrachen, sondern auch Hideout der „Nekromantin“ Freyja, vor der sich Atemir & Co. auch schon in die Ritterbux machen. Zum Glück stolpert das Medium-Terzett über ein weiteres Trio Infernal – Gareth Morholt und seine fröhliche Bande staatlich anerkannter Drachentöter. Wenn das mal kein gutes Omen ist?

Und Freyja, in deren Dunstkreis (und in den ihrer grünen Bogenschützin Damara) die, röchel, Gefährten bald eindringen, ist gar nicht mal so böse – im Gegentum, sie drängt sich unbürokratisch als Führerin auf, damit unser halbes Dutzend halber Helden den Drachen auch findet, denn nur, wenn man den platt macht, besteht überhaupt eine realistische Chance, Blackthorn noch in diesem Leben gegenübertreten zu können. Während Cador sich in die Prinzessin verknallt, Gareth mit Atemir über die Position des offiziellen Alpha-Männchens kabbelt und als Schaumschläger und Aufschneider enttarnt wird, und Freyja dramatische Visionen durchleidet (und der Prinzessin verklickert, dass sie ihren Vater recht, ähm, persönlich kennt), tut sich eigentlich nichts gravierendes, bis die Truppe auf ein paar Dunkelelfen und den Feuerdrachen stößt.


Inhalt

Ja, ich weiß. Asylum-Festspiele momentan. Verklagt mich. Ich kann ja nix dafür, dass der Output der Mockbuster-Schmiede die Grabbeltische dieser Welt überflutet. „Dragon“ ist mal wieder ein Werk aus der, nennen wir’s mal „Phase 1“ des Asylum-Schaffens, d.h. als dort noch Leigh Scott in Lohn und Brot stand, man sich beim besten Willen keinen abgehalfterten Ex-Serienstar o.ä. als Zugpferd einkaufen konnte und man generell noch der „don’t give a shit“-Attitüde verhaftet war (wie wir ja erst kürzlich bei 2012 Supernova festgestellt haben, geben sich die Asylum-Macher mittlerweile ansatzweise Mühe, ihre Produkte halbwegs nach „Film“ aussehen zu lassen).

„Dragon“ hängt sich mockbustertechnisch natürlich an „Eragon“ (ich bewundere die subtile Grazie, mit der Asylum das „D“ wieder an die Stelle des „E“ geschoben hat. Da darf man sich wirklich fragen, wer heftiger mit dem Klammerbeutel gepudert wurde – Christopher Paolini mit seiner Superidee, ein Buch über Drachen „Eragon“ zu nennen, oder unsere ehrlichen rip-off-Artists von Asylum, die diese Frechheit so unbefangen als das enttarnen, was sie ist, nämlich Ausdruck tiefster Einfallslosigkeit).

Nun hatte Asylum anno 2006 nicht mal im kühnsten Alptraum die Mittel, um wenigstens in der B-Liga der B-Liga (also den Konsorten, die die monster-of-the-week-Heuler für den SciFiChannel runterholzen) mitzuschwimmen, ein „echter“ Mockbuster, d.h. eine spezialeffektintensive Fantasy-Abenteuer-Plotte mit viel Drachen-CGI stand völlig außer Frage. Aber gab’s da nicht ein paar Jahre vorher eine superdupererfolgreiche Fantasytrilogie, der manch mißgünstiger Meckerkopp nachsagte, da würden eh nur Leute von A nach B latschen? Könnte man sich nicht *daran* orientieren? Gesagt, getan, und so wurde aus der versprochenen Drachen-Action ein „Herr der Ringe“-, genauer gesagt, „Gefährten“-Abklatsch, der das Kunststück fertigbringt, sogar NOCH unaufwendiger zu sein als die Softsex-Parodie Lord of the G-Strings – und das will was heißen, hat die doch schon sprichwörtlich nichts gekostet…

Aber was könnte schließlich billiger sein, als ein paar namenlose Nasenbären in die Wälder von Wisconsin zu verfrachten und sie dort sinnlos rumlaufen zu lassen? Richtig, nichts. Und „nichts“ ist dann so ziemlich auch genau das, was „Dragon“ uns in lieu of actual content jeglicher Art vorsetzt. Klartext: „Dragon“ spielt „Herr der Ringe“ ohne Action, ohne Abenteuer, ohne Fantasy, ohne Effekte und ohne Talent. Wenn sich noch mal jemand beschwert, die Jackson-Trilogie wäre langweilig, setze ich ihm diesen Film vor.

In „Dragon“ passiert schlicht und ergreifend nada – eine Gesellschaft doofer pansenköpfiger Hirnis stolpert durch einen der langweiligsten Wälder der botanischen Geschichte und scheint bestrebt zu sein, nicht nur den Drachen, sondern auch den leichtsinnigen Zuschauer, der sich debilerweise in irgendeiner Form anregende Unterhaltung erhofft hat, nach allen Regeln der Kunst zu Tode zu quatschen. „Dragon“ besteht zu 95% aus hirnlosen Dialogen der schwachmatigsten Sorte, leider nicht mal unfreiwillig komisch, sondern einfach nur einschläfernd-langweilig. Die aufgeworfene Hintergrundmythologie ist für den eigentlichen Film komplett bedeutungslos (da der Film letztlich sich nur mit dem Drachen beschäftigt und das ganze Dunkelelfen-Gedöns völlig unnötig bleibt – es kursiert allerdings das Gerücht, Asylum hätte sich mit dem Gedanken an eine „Dragon“-Trilogie getragen. Es gibt einen Gott!) – die hier aufgeworfene Episode wäre Peter Jackson selbst im superdupermega-extended-director’s-schlagmichtot-Cut bestenfalls zehn Minuten wert gewesen, Leigh Scott quetscht sie auf schier endlose 80 Minuten aus. Es wird geredet, gelabert, gequasselt, geredet, mehr gequatscht, debattiert, gestritten, diskutiert, gelabert und, erwähnte ich es, gequasselt – und so gefühlt alle drei Stunden (also in Wirklichkeit so ungefähr alle 20 Minuten) gibt’s, als Belohnung für’s tapfere Durchhalten, eine vielleicht zweiminütige Actionszene, in denen die Herren Darsteller und Stuntment nach Herzenslust dilettieren und beweisen, dass die erwähnte Misty-Mundae-Softcore-Verarschung packendere Schwertkampfszenen bietet als ein ernst gemeintes Blockbuster-rip-off.

Optisch ist das ganze Spiel dann auch ungefähr so interessant wie ein eigenfüßig durchgeführter Waldspaziergang im Mischforst des geringsten Misstrauens. Um ein wenig Scope vorzugaukeln, schneidet Scott alle fünf Minuten mal als „establishing shots“ großartige Landschaftspanoramen, die man vermutlich im Archiv von National Geographic ausgeliehen hat, ein, die selbstverständlich nichts mit der Landschaft zu tun haben, durch die die traurigen Helden gerade rumlatschen
(Oh, Ihr wolltet noch was zur Handlung wissen? Okay. Gareth seilt sich irgendwann mal angesäuert ab, macht dann den Han Solo und kehrt zum Showdown zurück, die Prinzessin schlägt Cador zum Krüppel, äh, Ritter, damit eine etwaige Beziehung nicht GANZ unstandesgemäß ist, Atemir wird vom Drachen gegrillt, die Prinzessin erledigt den Drachen, der sozusagen ihr Bruder ist, weil Freyja ihn erschaffen hat, aber auch ihre Mutter ist. Und wenn der Drache möp ist, ist auch Freyja möp. Mit dem Tod des Drachen wechseln aus unerfindlichen Gründen auch sämtliche Dunkelelfen auf die Seite des Guten, und dann ist schluss. Zufrieden? Ja, das war ein Imperial Deluxe Spoiler. Tut mir nicht leid.)
Es gibt im ganzen Film kein einziges Set, keine Bauten, alles spielt in freier Natur. Die Kostüme sind langweilig und billig (und der einzige Quell trüben Amüsemangs, da die Prinzessin, die ersichtlich nicht mit Gepäck reist, zweimal ihr Outfit wechselt). Die Actionszenen sind miserabelst choreographiert, aber noch nahezu göttlich gegen die vielleicht neunzig Sekunden CGI-Animation, die man dem Drachen gegönnt hat (der selbstverständlich nicht annähernd so aussieht wie die Charaktere im Film ihn beschreiben – das hat dann schon Plan 9-Qualitäten) und die fünf Sekunden CGI-Magie, die Freyja betreiben darf. Die CGI selbst ist halbwegs erträglich animiert, das Drachen-Design einnert jedoch frappierend an Knetgummi-„Dinos“ aus der Vorschulgruppe… Ach, und in einem Film wie DIESEM hiflt’s auch nicht mehr, wenn die spärlichen Actionszenen mit HD-Kameras geschossen werden.

Dazu gesellt sich ein über die komplette Laufzeit düdelnder Score der nervtötendsten Art (fabriziert von Co-Star Eliza Swenson), der mich wieder einmal wehmütig zu den Stricknadeln stieren ließ – Trommelfelldurchstoß erschien mir deutlich sympathischer…

Schauspielern kann in diesem Streifen keine alte Sau – aber wen wundert’s, sind’s doch überwiegend irgendwelche Asylum-Stammnasen. Amelia Jackson-Gray amtierte in Snakes on a Train, „Zombie Hunters“ und „Journey to the Center of the Earth“ und blamiert sich hier mit einer selten ausdruckslosen Performance, schlägt aber Jon-Paul Gates („Decadent Evil II“, „Dark Side of Heaven“ um Längen. Der kuckt nämlich nicht mal annähernd nach seinem Part (großer Krieger) aus (höchstens nach World-of-Warcraft-Level-79-Krieger), kann dazu auch noch nicht mal für’n verschimmeltes Stück Trockenbrot spielen und wurde, add insult to injury, noch mit einem peinlichen Lishpeln shynchronshiert.
Matt Wolf („Transmorphers 2“, aber immerhin besserer Statist in „Fluch der Karibik 3“, ansonsten hauptsächlich voice actor) würde ich auch nicht empfehlen, die Karriere des B-Movie-Actionhelden einzuschlagen (da braucht man nämlich Präsenz und Personality).
Über Rachel Haines, Jason DeParis („Supercroc“) und Jessica Bork („Transmorphers“, „Invasion of the Pod People“) breite ich den Mantel der Barmherzigkeit.
Eliza Swenson (Dracula’s Curse, „Transmorphers“) ist als Schauspielerin ungefähr genauso (wenig) talentiert wie als Komponistin, so dass es ausgerechnet an Jeff Denton (King of the Lost World, Exorcism: Die Besessenheit der Gail Bowers, „Pirates of Treasure Island“) hängen bleibt, als einziger Darsteller so etwas wie tatsächliche Schauspielerei zu betreiben – es hilft ihm, dass sein Charakter als einziger eine gewisse eigene Personlichkeit hat und auch die wenigen gelungeneren Sprüche aufzusagen hat.

Bildqualität: Die DVD von Movie Power – mit schönem Cover-Artwork, das freilich nichts mit dem Film zu tun hat (wie auch die Menüanimationen) – kommt in anamorphem 1.85:1-Widescreen. Nothing to write home about, aber auch nix, worüber man sich aus technischen Gesichtspunkten ärgern müsste. Solider Durchschnittstransfer. Dass man die Farbe Grün (ersatzweise blau bei den zahlreichen „nachtgefilterten“ Szenen) nach Genuss dieses Films nicht mehr sehen mag, liegt ja nicht an der Scheibe…

Tonqualität: Deutscher und englischer Ton (Dolby 5.1 bzw. 2.0). Ich hab mir zur Abhärtung mal die deutsche Fassung angetan – die Sprecher sind nun nicht gerade die größten Leuchten ihrer Zunft, bis auf den Sprecher des Atemir ist das aber noch grade so erträglich. Den Soundtrack-Ton hätte man von mir aus gerne deutlich runterregeln können…

Extras: Das Asylum-übliche: Making-of-Featurettchen, Blooper Reel, eine deleted scene und der Trailer.

Fazit: Von allen schnarchigen Schnarchern, die Asylum mir bislang vorgesetzt hat, ist „Dragon“ der verschnarchteste… Ich bin bekanntlich immer gerne bereit, auch und gerade bei Asylum auch die positiven Merkmale herauszuarbeiten (heck, meine Reviews zu „Exorcism“, „King of the Lost World“ und „2012 Supernova“ dürften für die Schmiede das Äquivalent zu einer Oscar-Nominierung sein), aber bei „Dragon“ fällt mir echt nix ein, was ich loben könnte. Das ist eine 85-minütige Orgie in sinnbefreiter Langeweile für Leute, denen ein trocknender Farbeimer echt zu aufregend ist. Einzig zu empfehlen als zuverlässiges Anästhetetikum vor schwerwiegenden Operationen bei Medikamentenunverträglichkeit und todsicheres Schlafmittel. Jungejunge, das ist sowas von gar nix…

1/5
(c) 2010 Dr. Acula


mm
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