Django – Ein Silberdollar für einen Toten


  • Deutscher Titel: Django - Ein Silberdollar für einen Toten
  • Original-Titel: L'ira di dio
  • Alternative Titel: Wrath of God Lonesome - Der Zorn Gottes Der Einsame
  • Regie: Alberto Cardone (als Albert Cardiff)
  • Land: Italien/Spanien
  • Jahr: 1968
  • Darsteller:

    Brett Halsey (Mike Barnett, als Montgomery Ford), Fernando Sancho (Burd), Wayde Preston (Logan), Dana Ghia (Lena Harris), Howard Ross (Jessy), Franco Fantasia (Mark), Angel del Pozo (David), Paolo Todisco (Bob)


Vorwort:

Revolverheld Mike Barrett hat genug vom ewigen Leute-Totschießen und will sesshaft werden. Gut, es dürfte nicht komplett seine eigene Entscheidung sein, seine Freundin Jane drängt offenbar auf den Wechsel in ein anständiges Leben. Obdem beabsichtigt Mike, seinem Kumpel David ein fruchtbares Stück Land abzukaufen, um dort fürderhin mit Jane zu leben. 10.000 Dollar ist ihm die Sache wert. Just als Mike und David den Deal förmlich per Vertragsunterzeichnung festzurren wollen, muss Mike feststellen, das böse Menschen sein trautes Heim überfallen haben. Jane ist bereits amtlich erschossen, und den guten Mike prügeln die sieben fiesen Gestalten halb tot und jagen ihm noch 'ne Kugel in die Schulter. Dass sie die 10.000 Mäuse klauen, ist natürlich Ehrensache.

Freundlich, wie die Ganoven sind, lassen sie sieben Dollarmünzen zurück. Schließlich braucht eine ordentliche Blutrache, wie sie sich nun zweifellos vollziehen wird, auch ein schickes Motiv. Mike steigt darauf auch ein – jeden der sieben Mördersburschen will er killen und an Ort und Stelle eine der Silbermünzen zurücklassen. Und so zieht Mike alleine los, um seine finstere Vendetta durchzuführen. Was sich unter Umständen schwierig gestalten könnte, weil Mike keinen blanken Schimmer hat, wer die Mordknilche denn sind und wo sie ihre jeweiligen Prachtkörper parken, aber da kommt ihm seine eigene weise Voraussicht zu Hilfe. Mike hat seine Knete nämlich ausschließlich in schicken, druckfrischen 50-Dollar-Scheinen angespart und die sind, weil inflationsbereinigt ungefähr pro Stück mehr Zaster, als der gemeine Westmann im ganzen Leben auf einem Haufen sieht, ungeheuer selten und fallen demzufolge, wenn ausgegeben, richtig auf.

Schon im ersten Saloon stößt er auf Logan, einen der Killer, der ihn natürlich nicht erkennt (memo: sobald man sich ein bisschen rasiert hat und ein schwarzes Jöppchen umgehängt hat, ist man im Westen offenbar ein neuer Mensch). Mike verfolgt ihn und wird, weil Logan sich um einen verletzten Kumpanen des damaligen Raubzugs kümmert, gleich die ersten zwei Münzen los.

Auch in der nächsten Stadt kommt Mike schnell auf die Spur eines Schurken, der mit 50-Dollar-Noten bezahlt. Mike verfolgt den Galgenvogel in die Wüste, wo es zum brutalen Zweikampf kommt. Mike bestreitet den Fight siegreich, doch wird er von einem weiteren Fiesling aus den Reihen der Sieben überrascht, der sich mit dem Gedanken trägt, seinen Anteil am Raubzug durch Umlegen der Kollegen aufzustocken und so prinzipiell nicht viel dagegen hat, dass Mike ihm schon ein bisschen Arbeit abgenommen hat. Aber auch dieser Gangster macht den strategischen Fehler, Mike nicht aus grundsätzlichen Erwägungen abzumurksen und bezahlt dafür teuer.

Damit sind noch drei Schufte zu erledigen, und die werden etwas komplizierter in der Handhabung. Für Jesse z.B. muss Mike sich einen ultra-überkomplizierten Plan einfallen und sich vom Sheriff einknasteln lassen. Und schließlich gibt es noch die Frage zu klären, wer den unglorreichen Sieben eigentlich den Floh ins Ohr gesetzt hat, dass es bei Mike was zu holen gibt...

Inhalt:

Der Italowestern ist ein Genre, dem ich mich über die Jahre vorsichtig und mit aller höchstwahrscheinlich unangebrachten Skepsis genähert habe. Ich bin nun mal jemand, der mit Phantastik filmsozialisiert wurde, wie schon oft erwähnt, prägten mich Reihen wie die Jack-Arnold-Reihe in den Dritten, die SF-Reihe der ARD und, mit Abstrichen, die Reihe „Der phantastische Film“ im ZDF. Western waren nie so mein Ding. Man kam als Heranwachsender in Zeiten, in denen bestenfalls eine Glotze in der Wohnung stand und der Hausherr argwöhnisch Programmzeitschrift und Bedienfeld des Fernsehapparats (mit etwas Glück hatte der vielleicht sogar schon eine Fernbedienung) bewachte, sicher nicht drum rum, auch mal andere Sachen kucken zu müssen, aber, wie gesagt, die Pferdeoper war nicht so mein Ding (am ehesten noch „Western von Gestern“).
Aber Zeiten ändern sich, und ich erkannte auch, dass der Italo-Western als zynisches, nihilistisches Subgenre nicht viel mit Opas Cowboy- und Indianer-Spielereien zu tun hatte, dafür aber vielleicht um so mehr mit der von mir geschätzten Phantastik (wozu sicher auch beitrug, dass die meisten Italo-Regisseure quer durch die Genres ackerten, und mit dem gleichen Eifer Gialli, Western oder Agentenfetzer herunterkurbelten. Logisch, dass sich da früher oder später Muster bilden). Aber genug der belanglosen Biographie – ich wollte eigentlich nur darauf hinaus, dass ich mit dem Spaghettiwestern meinen Frieden gemacht habe und mittlerweile recht gerne hinsehe, wenn sich ungewaschene und unrasierte Revolverhelden brutal die Lebenslichter ausblasen. Und der Umstand, dass ich dem Genre lang genug den Rücken zugekehrt habe, bringt mir jetzt den Vorteil, dass ich noch viele, viele ungesehene Filme vor mir habe, und hoffentlich auch die ein oder andere Perle…
Heute haben wir’s mit einem wohl weniger perligen Stoff zu tun. „Django – Ein Silberdollar für einen Toten“ hieß früher mal „Lonesome – Der Zorn Gottes“ (einen Titel, den man eigentlich nur berechtigterweise verwenden sollte, wenn Klaus Kinski mitspielt), aber da der gemeine Filmvertriebler ja annimmt, ein potentieller Käufer erkenne einen Italowestern nur oder ausschließlich, wenn entweder „Django“ oder „Sartana“ drauf steht, hat er sich die Umtitelung verdient (wobei der Untertitel zumindest stimmig ist).
Als Regisseur verantwortlich zeichnet „Albert Cardiff“, also Albert Cardone, der der Welt bereits den originalen „Sartana“ bescherte (den haben wir ja auch vor einer Weile hier besprochen), an „Gern hab ich die Frau’n gekillt“ beteiligt war und ansonsten hauptsächlich als Second-Unit-Director amtierte, so u.a. bei „Ben Hur“, „Barbarella“ und einigen Don-Camillo-Filmen. Im Gegensatz zu manch seiner Kollegen war Signore Cardone kein Arbeitstier, mehr als neun eigene Filme leierte er sich im Lauf seiner Karriere nicht aus dem Kreuz (Amateur, sowas schafft Takashi Miike in einer Woche oder zwei). Das Drehbuch verfasste Cardone gemeinsam mit Italo Gasperini (der seinerseits als Schauspieler ins Rampenlicht trat, und nur zwei weitere Autoren-Credits in seiner Vita stehen hat, darunter den späten Genrevertreter „Scalps – Sie kämpft wie ein Mann“), dem Veteranen Ugo Guerra („Piratenkapitän Mary“, „Einer gegen Sieben“, „Der Dämon und die Jungfrau“) und dem Spanier José Luis Martinez Molla („Lucky M. füllt alle Särge“, „Agent 077 – Heißes Pflaster Tanger“, „Nackt über Leichen“)
„Ein Silberdollar für einen Toten“ unternimmt keinen energischen Versuch, sich von seinen zahllosen Genrerivalen inhaltlich deutlich abzusetzen. Unser Held ist wieder einmal eine gebrochene Gestalt, dem fiese Schufte alles genommen haben – seine Frau, sein Geld, seine Zukunftsperspektive (wobei schon ein wenig drollig ist, dass Mike zwar behauptet, vom Dahinscheiden Janes schwer gezeichnet zu sein, er aber deutlich dramatischer auf den Verlust seiner Penunze reagiert) – weswegen er nun ohne Furcht vor etwaigen Konsequenzen zum mörderischen Racheengel werden kann; ein Persönlichkeitswechsel, der auch dadurch verdeutlicht wird, dass er anstelle „üblicher“ Cowboyklamotten seinen Rachefeldzug ganz in Schwarz gekleidet (mit einem modischen Zorro-Cape) bestreitet (da macht dann fast sogar wieder die „Django“-Umtitelung Sinn). Seine Gegner bleiben größtenteils Chiffren, austauschbare fleischliche Revolververlängerungen ohne eigene Persönlichkeit, die darob auch unreflektiert umgenietet werden können. Erst Mikes letztes Opfer (den „big boss“ nicht mitgerechnet), Burd, bekommt so etwas wie einen Charakter, dafür dann wenigstens einen ganz besonders schmierigen, den vermutlich selbst Mutter Theresa freudestrahlend filettiert hätte. Nicht der Rede wert ist der große „Reveal“ des geheimnisvollen Hintermanns, da es für diese Position genau einen möglichen Verdächtigen gibt, der es dann, große Überraschung, auch ist. Unter einem „Twist“ stelle ich mir dann doch etwas anderes vor…
Der Italo-Western ist gemeinhin ja eine sehr männliche Welt, der’s mit dem krampfhaften Hineinschreiben von Frauenrollen nicht so hat. Das macht sich auch hier bemerkbar – im Film erscheinen exakt zwei Frauen, und eine davon ist Jane und schon tot, als wir sie (bzw. ihre schmucken Beine, die auch das einzige sind, was von ihr betrachten dürfen – nein, sie bekommt nicht mal ein Gesicht) kennenlernen, die andere eine Saloonschlam-, äh, -sängerin, die mit Mike anbandelt und zur Strafe dafür von Burd misshandelt wird (Ehrensache, dass Mike nach pflichtschuldiger Rettung auf die gehauchte Frage „Kommst du zurück?“ nur ein knappes und unzweifelhaft als „nein“ gemeintes „Vielleicht“ in seinen Fünftagebart grummelt.) Zu behaupten, Frauen würden in diesem Film als Fußabtreter benutzt, wäre eine unangemessene Herabwürdigung von Fußabtretern.
Insgesamt ist der Ton des Films wie üblich zynisch und von Hoffnungslosigkeit geprägt (denn das Mike seine Rache irgendwelche Befriedigung bringen wird, ist selbstverständlich illusorisch). Zum Lachen gibt’s außer zwei etwas unpassend wirkenden Comedy-Sequenzen mit einem hysterischen Gemischtwarenverkäufer und einem zahnlosen Mümmelgreis, der Mike ein Gimmick für einen späteren Kampf verschafft, sowie dem unglaublich hirnrissigen Plan, mit dem Mike Jessy zur Strecke bringt, nichts (aber diesen Plan muss man mal in seiner ganzen Pracht gesehen haben. Ihn nachzuerzählen ist schier unmöglich. Die Zutaten sind das Totschießen eines Unbeteiligten, eine Gefängniszelle, ein abwesender Sheriff, ein greisenhafter Deputy mit Alkoholproblem, eine Flasche Whiskey und ein Zellenschlüssel).
Die Gewaltdarstellungen sind im Genrevergleich relativ zurückhaltend. Der Score von Michele Lacaranza (gerne mal Trompetensolist bei Morricone-Scores) ist treibend, aber durchaus repetetiv, die Kameraführung von Mario Pacheco („Sechs Pistolen jagen Professor Z“) manchmal überraschend experimentierfreudig (Mikes Kampf in der Wüste wird z.B. überwiegend aus Kran-Perspektive gezeigt). Manchmal würde man sich wünschen, Cardone wäre nicht so verliebt in ausschweifende Passagen reitender Cowboys ohne Plotrelevanz – ich glaube, ne gute Viertelstunde geht allein durch musikbeschallte Ritte durch karge Landschaften drauf. Was auch auf die Dauer ein klein wenig befremdet, sind die inflationären Einstellungen direkt in die Kamera prügelnder Kampfhähne, gar so, als hätten wir's hier mit einem 3D-Effekt zu tun (vielleicht tarnt das aber auch nur die mangelnde Kompetenz der Stuntleute, denn die schlagen, wenn konventionell gefilmt, durchaus beachtliche Luftlöcher).
Darstellerisch verschleißt sich nicht die allererste Genreriege. Brett Halsey, der sich hier seines Pseudonyms Montgomery Ford bedient, ist einer der zahllosen Hollywood-B-Leading-Men aus den 50ern, der’s nach Ende des Studiosystems in Europa probierte und sich in Italien durch alle erdenklichen Genres arbeitete („Mit Faust und Degen“, „Agentenfalle Lissabon“, „Der Dicke ist nicht zu bremsen“), und nachdem der Italo-See auszutrocknen begann, sich US-TV-Arbeiten zuwandte („Fantasy Island“, „Mike Hammer“). Ende der 80er kehrte er noch einmal nach Italien zurück und zierte die Fulci-Spätwerke „When Alice Broke the Mirror“ und „Demonia“, ehe er von Coppola für den dritten „Paten“ verpflichtet wurde. Als Mike ist er angemessen zerknittert, bringt auch eine Tüte Charisma mit, und gibt in seinem schwarzer-Rächer-Kostüm eine ordentlich ikonische Gestalt ab.
Fernando Sancho („Die Rückkehr der reitenden Leichen“, „X312 – Flug zur Hölle“) gibt einen brauchbar widerlichen Burd ab, Wayde Preston, ein weiterer Yankee auf der Suche nach leicht verdienten Lire, schaut kurz als Killer Logan vorbei, Dana Ghia („Queimeda – Insel des Schreckens“, „Sieben Tote in den Augen der Katze“) ist der sprechende Satz Möpse. In Nebenrollen finden sich vielbeschäftigte character player wie Howard Ross („Werewolf Woman“), Franco Fantasia („Der schwarze Korsar“) und Angel del Pozo („Horror Express“), letzterer ausgesprochen blass als David.
Die Blu-Ray von White Pearl Classics bringt den Film in ordentlichem Widescreen (1.85:1). Der Print verfügt über lebendige Farben und brauchbaren Kontrast, bringt aber ein paar Verschmutzungen und Defekte mit (das dürfte heutzutage für manche Puristen schon wieder ein Positivum sein, zeigt es doch, dass das Master nicht totgefiltert wurde). Als Extras gibt’s eine Trailershow, und immerhin wird italienischer O-Ton mitgeliefert.
Die ganze Nummer ist jetzt auch im Genrekontext sicher kein totaler Weitwurf, hat aber ihre unterhaltsamen Momente (manch einen halt aus den falschen Gründen) und hält den Zuschauer durchaus bei der Stange. Ein etwas memorableres Finale (und ein, sagen wir mal, charismatischerer Endboss) wären wünschenswert gewesen, aber man kann seine Zeit auch deutlich langweiliger totschlagen…

© 2018 Dr. Acula

  • Männer und ihre Pferde. Das sind wahr Freundschaften.

  • Jane kaput. Mehr sehen wir von der Dame nicht.

  • Zum Glück ist nicht der komplette Film in Vogelperspektive gedreht. Müsste man sonst Kotztüten mitliefern...

  • Ein Freund, ein guter Freund.

  • Die Pulle kostet entweder 5 Cent oder 30 Dollar. Keiner dieser Beträge scheint mir ansatzweise angemessen zu sein.

  • Django zahlt beim Hufschmied nicht.

  • Desert Fighters.

  • Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps, auch im Knast.

  • Von ihr sieht man ein bisschen mehr. Besser behandelt wird sie auch nicht.


BOMBEN-Skala: 6

BIER-Skala: 5


mm

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