Die Todeskarawane der Shaolin


  • Deutscher Titel: Die Todeskarawane der Shaolin
  • Original-Titel: Du hang da biao ke
  • Alternative Titel: Das Todesduell Magnificent Cavalry
  • Regie: Wang Scott (=Li Su?)
  • Land: Taiwan
  • Jahr: 1972
  • Darsteller:

    N.A. Jimmy Wang Yu
    N.A. Ming Chen Ya
    N.A. Pu Fung


Vorwort:

Und schon wieder ein X-Rated-Review. Langsam sollte Genosse Bertucci mir Provision zahlen. Oder mir wenigstens Rezi-Exemplare schicken. Ich bin bestechlich. Egal – trotzdem war unser heutiger Film nicht so besonders weit oben auf meiner „haben-will“-Liste, aber der Doc ist zu seinem Leidwesen nicht nur bestechlich, sondern auch belaberbar. Dieser Eigenschaft verdanke ich jetzt nicht nur eine weitere schicke Hartbox, sondern z.B. auch die Tatsache, mir morgen Collateral im Kino anzusehen und mir schon vorab ziemlich sicher zu sein, dass mir der Film nicht gefällt (Collateral mein ich jetzt).

Witzigerweise ist für beide Belaberungsaktionen Forumsmod razor zuständig – vielleicht sollte ich mal seine Kompetenzen beschneiden, damit er mich nicht dauernd auf so dumme Ideen bringt, die mich meine nicht vorhandenen Ersparnisse kosten. Naja, noch hindert mich nichts daran, die DVD zum doppelten Preis an ihn weiterzuverkaufen…

Womit wir dann doch mal langsam aber sicher zum Film kämen. Es handelt sich, wie beim Titel Die Todeskarawane der Shaolin (und ich verwette bereits jetzt meine Joseph-Lai-Sammlung darauf, dass das einzige, was ich mit ziemlicher Sicherheit in diesem Film nicht sehen werde, auch nur ein Shaolin-Mönch aus der Ferne sein wird) nicht anders zu erwarten, um einen eher traditionellen Eastern aus der Zeit von-, tja, das wenn man so genau wüßte. Irgendwann zwischen 1972 und 1976, wenn man den widersprüchlichen Angaben der wenigen Quellen zu diesem Streifen glaubt. Hauptdarsteller ist einmal mehr der legendäre „One-Armed Boxer“ Jimmy Wang Yu (hier allerdings mit einem kompletten Satz oberer Extremitäten), zu dessen umtriebiger Karriere ich mich erst kürzlich im Review zu Master of the Flying Guillotine ausgelassen habe und daher der Einfachheit halber bitte, ggf. dort nachzulesen. Man muss sich ja nicht ständig wiederholen, und ich tu´s ja eh schon oft genug… Zum Rest des Ensembles kann ich absolut nichts aussagen, genauso wenig zum Regisseur (angegeben wird ein gewisser Wang Scott, den aber ausser der OFDB, und die hat die Angabe vermutlich vom alten deutschen Kessler-Brothers-Videotape, kein Mensch auf dieser Welt zu kennen scheint). Deswegen sind die Stabangaben heute mal besonders spärlich, aber man muss ja nicht immer alles wissen, und normalerweise sollte es einem zünftigen Filmvergnügen ja auch nicht wirklich Abbruch tun, wenn man den zweiten Beleuchterassistenten nicht beim Vornamen nennen kann. Na, dann wollen wir mal schauen, mit welch´ schurkigem Kroppzeuch (denn das Jimmy Wang Yu in einer Produktion aus den frühen 70ern irgendwas anderes außer den edlen Helden spielen könnte, mag ich nicht annehmen) es uns Jimmy heute aufzunehmen hat.

Inhalt:

Ein Disclaimer vorab – die Eingeweihten werden es ahnen: wir haben es hier mit einem Eastern zu tun, in dem nicht wirklich die Elite der dortigen Schauspielerzunft mitspielt und angesichts praktisch nicht vorhandener Cast-Angaben fällt´s mir wieder mal sehr schwer, diverse Charaktere (vor allem die weiblichen) zu unterscheiden – ich war froh, dass ich Jimmy Wang Yu auf Anhieb erkannt habe, also sind manche Anreden vermutlich nicht wirklich präzise…

Okay, Wang Yu spielt sich in der DF praktisch selbst, was zumindest seine Identifikation erleichtert, aber, wie gesagt, den Kerl hätte ich nun noch selber erkannt. Er steht in unwirtlicher Landschaft (das Ding spielt irgendwo in der finstersten chinesischen Tundrasteppe) vor ein paar Bäumen rum, die sicher nur gewiefte Botaniker als „Trauerweiden“ identifizieren und erzählt uns die tragische Backstory des Streifens. Sieben Brüder pflanzten dereinst sieben Bäume (die bewußten Trauerweiden) als Symbol des Zusammenhalts ihres Clans, der Wan-Familie, was schlimme Finger nicht daran hinderte, eben an jenem schicksalsträchtigen Orte ein mittelschweres Gemetzel abzuhalten, zehn Jahre ist´s her und uns verdeutlicht wird´s durch einen Flashback:

Eine Handelskarawane unter Fuchtel des Wan-Freunds Meister Lo zieht durch die Lande. Lo schickt Wang Yu per Pferd voraus, um bei den Wans anzuklopfen und anzukündigen, dass Los 27 Mann starke Truppe gerne in deren „Inn“ übernachten möchte und „auf Befehle“ wartet (hä? Wieso Befehle? Die Wans sind doch nicht die Scheffs der Lo-Karawane?). Das wird offensichtlich seitens der Filmemacher als so dramatisch erachtet, dass wir jetzt erst mal den Vorspann abspulen (in schröcklicher Bildqualität, aber dazu äußere ich mich ganz unten ausführlich).

Dieweil planen finstere Banditen unter der Führung eines gewissen Chu einen Überfall auf die Karawane, sind allerdings ob der Erfolgsaussichten skeptisch, da die Wans Lo sicher hilfreich zur Seite springen würden. Keine Sorge, verklickert ein ominöser nur von hinten zu sehender Hutträger zwielichtiger Mentalität, die Wans sind beschäftigt, die bringen nämlich gerade ihr verstorbenes Sippenoberhaupt unter die Erde und hätten demzufolge andere Sorgen.

Und so konfrontieren Chus Männer die Karawane. Chu fordert einen angeblich noch ausstehenden Revanchekampf mit Lo ein und der ist durchaus willig, selbigen zu gewähren (man kennt das ja, eine ordentliche Kampfherausforderung darf kein Chinese ablehnen), sofern Chu aufs Grab seiner verstorbenen Großmutter schwört, Los Männer in Ruhe zu lassen. Auch das, meint Chu, allerdings möchten die dann doch bitte im Gegenzug die Wagen mit den kostbaren Juwelen stehen lassen. „A-haa!“, entfährt es Lo, bei dem der Yuan fällt, was die Stunde geschlagen hat, doch leider zu spät, schon geht das fröhliche Hinmetzeln los – da das Ding offenbar so umme Jahrhundertwende (19./20., für Detailfanatiker) spielt, wird neben herkömmlichem Schwertkampf auch mit Pistolen um sich geschossen und besonders Lo ist ein Meister des beidhändigen Feuerns der wenig vertrauenserweckenden Schießprügel (erinnert mich vom Bewegungsablauf * fast * an das „Gunkata“ aus Equilibrium). Obwohl die Händler sich tapfer wehren, sind sie zahlenmäßig arg unterlegen und werden nach Strich und Faden und recht blutig-explizit, aber auch nicht so gorig-splattermäßig, wie man es vielleicht vermutet hätte, abgeschlachtet. Als letzten erwischt es Meister Lo, der von Chu systematisch in Stücke geschossen wird, mit eisernem Überlebenswillen zwar versucht, auch Chu zu plätten, aber zu guter Letzt doch klein beigeben muss (hm, „kleinbei geben“, „klein bei geben“? Deutsch Spraak schwer Spraak), tot umfällt und malerisch in einen günstig gelegenen Fluß bluten kann.

Als Wang Yu zurückkommt (warum eigentlich? Lo hatte ihm aufgetragen, bei den Wans zu warten. Hat´s ihm zu lang gedauert?), findert er nur noch das leichenübersäte Schlachtfeld, trauert heftig um seinen dahingeschiedenen Meister und schwört Vergeltung, das übliche halt. Wenn sich Hongkong-Filme anno 2004 keinen neuen Geschichten ausdenken, warum sollte es eine von 19nochundsiebzig?

Zurück in die Gegenwart – mittlerweile ist Wang Yu selbst Vorsteher einer Handelskarawane, der auch der einzige Überlebende des damaligen Massakers angehört. Wang grübelt vor sich hin, dass er in den ganzen langen Jahren den Verantwortlichen für das Metzeln noch nicht gefunden hat, dies aber irgendwann mal tun und Rache üben wird, aber auch von seinem Gewissen geplagt wird, seine Männer nicht in seine persönliche Fehde hineinziehen zu wollen. Diese aber stehen loyal zu ihrem Boss und unterhalten uns (mehrere Minuten lang und äußerst langweilig) monologtechnisch über diverse Heldentaten ihres Meisters, dass er sich für sie mit Autoritäten angelegt habe etc. blablablalaberlabersülz. Jaja, ich hab´s begriffen, der Wang issn Guter.

Plötzlich lässt Wang die Karawane stoppen – ein Pfosten mit einer Botschaft steht im Weg. Urheber der Message ist Chu, und die Botschaft selbst ist die bewährte „bis-hier-und-nicht-weiter-sonst-überfallen-wir-dich“-Warnung. Wangs Männer lassen sich davon nicht beeindrucken und geloben ihrem Meister ewige Treue usw., also wird die Warnung lediglich zur Kenntnis genommen, aber auch nicht mehr. Trotzdem herrscht wenig später im Gasthaus, dass die Truppe anläuft (ist das „Wans Inn“? I suppose so), bedrükcte Stimmung. Wang grübelt mit einigen seiner Leute und dem Wirt, wie Chu damals, vor 10 Jahren, wissen konnte, dass die Wans mit der Beerdigung ihres Oberhaupts beschäftigt und daher für Hilfsmaßnahmen unabkömmlich sein könnten (hm, jetzt weiß er doch, dass Chu verantwortlich war? Wirft nicht gerade das beste Licht auf seine zehnjährige Ermittlungsarbeit, wenn er ihn in der ganzen Zeit nicht gefunden hat). Der Wirt weiß Bescheid: Chu hat einen Informanten auf einem schwarz-weißen Pferd, einen Wan-Insider, der sich just hier des öfteren mit Chu getroffen habe (ich glaube, das sieht geschrieben nicht halb so blöd aus, wie es sich anhört). Daraus schließt Wang messerscahrf, dass Chu einen Angriff auf die Wan-Brüder plant (hä?), gelobt aber, dass der fiese Bandit vorher ihn killen müsse.

Die Schlußfolgerungen werden immer abenteuerlicher – auch die Wans wissen, so sagt der Wirt, dass Chu GENAU HEUTE einen Angriff plant (woher?) und haben deswegen eine Parade in ihrer Stadt (die ihnen wirklich * gehört *) angesetzt – einen Schönheitswettbewerb für künstlerisch gestaltete Sänften (!!). Wang trifft die Erleuchtung – genau DA wird Chu angreifen (eh, Keule, das ist, ich sag´s ja ungern, scheinbar der Plan der Wan-Brüder!), also muss er da auch hin und das schlimmste verhindern.

Der geheimnisvolle Informant, wenig verwunderlich der ominöse Hutträger von vor 10 Jahren (den gleichen Hut hat er immer noch) wünscht sich dieweil von Chus Leuten, dass diese den amtierenden Wan-Clanchef Chi Pau (Schreibweisen ohne Gewähr) umlegen und stellt hierfür eine Abschußprämie von 5.000 Dollar (DOLLAR??) in Aussicht.

In der Wan-Stadt herrscht Volksfeststimmung wg. der Parade und die diversen Wan-Brüder nebst ihren schmucken Frauen und/oder Schwestern nehmen ihre Plätze auf der VIP-Tribüne ein (die Wans machen es dem geplagten Rezensenten auch nicht einfacher, dass sie sich gegenseitig nicht mit Namen, sondern mit Nummern ansprechen: „der dritte Bruder hat gesagt und die fünfte Schwester tat dieses oder jenes“… da soll noch einer durchblicken). Die Frauen gehen sofort zum üblichen Klatsch & Tratsch über. Chi Pau und Wang Yu gesellen sich dazu. Wang warnt Chi Pau, das Chu angreifen werde und ihn, Chi Pau, töten wolle (das erstere ist Allgemeinwissen und woher er zweiteres weiß, darüber will ich gar nicht spekulieren). Chi Pau weist Wang darauf hin, dass alles in Butter sei, schließlich sei die ganze Angelegenheit ja eine Falle für Chu. Wang wiederum verweist auf den Verräter in den eigenen Reihen, aber Chi Pau winkt ab: „Es ist eine gute Falle!“ (Fragt sich nur für wen). Chus Leute schliechen sich dieweil schon eher unproblematisch in die Stadt (wie wär´s mit Wachtposten?) und legen ein gemütliches Feuerchen, das zunächst unbemerkt bleibt (?), dieweil Wang weiter Kassandra spielt. Endlich bemerkt ein aufmerksames Kerlchen das ausgebrochene Großfeuer – Panik bricht aus und die fiesen Chu-Schergen erweisen sich als ganz linke Finger, in dem sie fröhlich in die wild durcheinanderstiebende Menschenmenge ballern (echt nicht nett). Chi Pau mahnt seine Untertanen zwar, nicht in Panik zu verfallen (wüßte nicht, wann es einen besseren Anlaß für Panik gäbe) und Wang hasselt Frauen und Kinder in die Häuser. An den Ställen, die Chu (was auch Allgemeinbildung darzustellen scheint) zuerst angreift, bricht allgemeines Massenschwertgekämpfe aus. Chu stellt Wang, verteilt die üblichen Kampfkunstkomplimente und wünscht sich einen Zweikampf. Siehe oben – einer ordentlichen Herausforderung kann sich kein China-Held entziehen, Chu stellt lediglich die Bedingung eines fairen Kampfes mano-a-mano. Bevor es dazu kommt, wittert Chu aber eine günstige Gelegenheit, Chi Pau zu entleiben und schießt den Sippenchef heimtückisch und zu Wangs bitterem Entsetzen in den Rücken. Chi Pau stirbt dramatisch (und schrecklich übertrieben, wie es in solchen Plotten halt liebe Gewohnheit ist), Wang ist stinksauer und macht sich daran, Chus Armee im Alleingang aufzuarbeiten (bzw. sein Stuntman, denn wie im Master of the Flying Guillotine-Review schon angemerkt – Wang ist kein ausgebildeter Martial Artist).

Der geheimnisvolle Verräter zahlt dieweil die gemeinen Attentäter aus – zwar entlohnt er die Kerle nicht, wie vereinbart, in cash, sondern mit „Gold“ (das allerdings bestenfalls nach „Stein“ aussieht), die Killer sind´s aber zufrieden. Der Verräter wünscht sich die Eliminierung weiterer Wan-Brüder und die von Wang Yu, was gegen ein Kopfgeld von 5.000 Dollar pro Nase gern in Aussicht gestellt wird. Dieser schändliche Handel wird allerdings von einem von Wangs Männern belauscht, wovon er jedoch nicht viel hat, da er vom Verräter erschossen wird, bevor er´s weitererzählen kann. Mehr generic swordfighting, more Wang-butt-kicking, und eine der diversen Wan-Töchter/Frauen/Schwestern/Putzhilfen findet ihren Vater/Bruder/Mann/Schwippschwager mütterlicherseits hingemetzelt irgendwo rumliegen. Wang findet auch, und zwar seinen niedergeschossenen Angestellten, der ihm mit dem dying breath den ausgesprochen wertvollen Hinweis gibt, den Verrtäer zwar gesehen, aber nicht erkannt zu haben. Toll. Den Atem hättest du dir sparen können, Kumpel. Wang katapultiert sich mit einem Frust-Salto vom Acker.

Im Hause Wan herrscht das große Wehklagen, dieweil Wang (mit den Wans und Wangs ist das echt unübersichtlich) irgendwo anders, an einem Tempel oder was auch immer, on a killing spree ist und diverse Chu-Schergen verhackstückt. Fällt ihm recht leicht, weil die ziemlich easy zu beeindrucken sind. So krabbelt Wang eine Leiter hoch und kippt, kaum oben, selbige um, während seine Verfolger an ihr hochkraxeln. Den vollkommen flabbergastedten Gesichtsausdrücken der Chus entnehmen wir, dass sie solch eine revolutionäre Taktik noch nie im Leben gesehen bzw. auch nur ansatzweise für möglich gehalten haben… Der letzte der Chu-Henchmen wird von Wang mit zwei Messern in die Brust erledigt – am besten an der Szene gefiel mir noch die sehr italowestern-mäßige musikalische Untermalung…

Im Wohnzimmer der Wans wird noch immer das Ableben diverser Würdenträger aus den eigenen Reihen beklagt (soviel zu „Falle“, wa, Leute?) und die Filmemacher verblüffen mich mit einer überraschenden rapid-cut-close-up-Sequenz, die ich einem Schinken dieser Schule überhaupt nicht zugetraut hätte (wird aber auch die einzige Szene bleiben, die mich in irgendeiner Weise * filmisch * beeindruckt). Wang reitet mit einigen blutigen Taschen ein (sieht verdächtig so aus, als würde er darin die Köppe seiner niedergestreckten Gegner mit sich rumtragen, bleibt aber unaufgeklärt), schwört einmal mehr bittere Blutrache und weist den testamentarisch ernannten neuen Chef des Clans, Chi Yae, auf den Umstand des niederträchtigen Verräters hin.

Mitten in die schönste Trauer- und Racheschwur-Orgie platzt die Meldung, ein paar Boten von Chu würden gerne Wang sprechen. Die Botschafter überbringen eine freundliche Einladung zum Duell, schließlich kann Chu nicht ungesühnt lassen, dass Wang sieben seiner Leute umgebracht hat (andersrum ist´s ersichtlich in Ordnung). Wang möge sich doch bitte morgen früh am chinesischen Äquivalent der alten Eiche einfinden. Wang akzeptiert, obwohl seine Leute ihn warnen, dass das ja wohl nur eine Falle sein könne. Wang verblüfft uns: „Chu hat mich zu einem Duell herausgefordert und ich respektiere das!“ (Schön, dass man auch einen feigen Meuchelmörder immer noch respektieren kann, wenn er gewisse Formalien einhält). Allerdings erhofft unser Held sich wertvolle Informationen – vielleicht wird Chu, der Wangs bescheidener Meinung nach nur als Werkzeug eines unbekannten Strippenziehers fungiert, im Duellverlauf versehentlich den Namen des Verräters ausspucken (schön und gut, trotzdem muss Wang das Duell gewinnen und nach allem, was wir bisher über ihn wissen, gehen wir doch davon aus, dass Chu nicht gerade der Gewinner der FIFA-Fair-Play-Trophäe ist).

Der Verräter selbst wittert Ungemach ob des offenbar von ihm nicht eingeplanten Duells und beauftragt den örtlichen Dorfdeppen, Müller und Hasenzahnträger Tai Pan, das Duell zu beobachten und seinen Ausgang zu berichten.

Einer der zahlreichen Wan-Brüder, seines Zeichens ein gewisser Chi Qu, grübelt suspekt in der Nacht vor sich hin und wird dabei von seinem Eheweib gestört. Die würde gerne wissen, wer der böse Verräter ist. „Öh, äh, ich habe Nachforschungen anstellen lassen“, stammelt der Ertappte. Na, da lenkt aber jemand chronisch Verdacht auf sich…

Duell im Morgengrauen, naja, okay, die Sonne scheint schon etwas länger und der herzige Italowestern-Score fiedelt sogar lustige „cotoclop“-Pferdehuftrappelgeräusche auf die Soundspur. Chu wartet geduldig auf seinen Gegner und zieht seinen metaphorischen Hut, dass der tatsächlich auftaucht. Die Bewunderung ist überflüssig, meint Wang, Chu müsse ihm nur sein armseliges Leben überlassen. Dagegen hat Chu begreiflicherweise Einwände und ballert mal probehalber in Wangs Richtung, was den nur grimmiger macht. „Ich respektiere dich“, gibt Chu zum besten (dieses gegenseitige Respektieren kann einem aber auch auf den Nerv gehen), „aber ich hasse dich noch mehr!“ (Das ist doch wenigstens ein Wort). Also, auf in den Kampf! Der soll wohl mit Messern geführt werden, und davon hat Wang immer eins in seinem speziell hierfür konstruierten Stiefel (schick, mit Außentaschen für ein ganzes Sortiment an Brotmessern). Auf matschigem Geläuf wird nun endlich zum Kampfe geschritten, der relativ ausgeglichen verläuft (im Boxen würde man sagen, Wang ist der aktivere, aber Chu der effektivere Kämpe). Chu gelingt es, Wang ein Messer in den Wanst zu jagen, das beeindruckt den Helden aber nur unwesentlich, vielmehr setzt er den finalen Vernichtungsstich an und spickt Chu mit einem seiner Brieföffner. Und da´s ja einen ungeschriebenen Ehrenkodex für solche Fälle gibt, muss Chu, im fairen Kampfe tödlich verwundet, nun natürlich noch den Namen des Verräters preisgeben, was der auch gerne tut: „Wan Chen Chuan!“ Sprachs und verreckte. Das würde uns jetzt sicherlich schockieren, wenn wir irgendeine Ahnung hätten, wer zum Geier denn Wan Chen Chuan schon wieder ist…

Der angesprochene Verräter hockt gerade bei seinem Komplizen im Wohnzimmer und schmiedet finstere Ränkespiele (und trägt ´ne schicke Sonnenbrille. Gab´s das Modell anno 189undtobak wirklich schon?). Und wer könnte der Komplize schon sein als… gähn… Chi Qu. Das Motiv der beiden Bösmänner – schlichter Sozialneid. Sie konnten´s nicht verkraften, dass ihr Vater Chi Pau als Nachfolger eingesetzt hatte und schon gar nicht, dass der wiederum die Flitzpfiepfe Chi Yae wesentlich qualifizierteren Sippenvorstehern, e.g. Chi Qu, vorgezogen hat. Und nun stört auch noch dieser Prolet Wang Yu. Zum Glück hat Chi Qu eine ganz töfte Idee, wie man beide Klappen mit einer Fliege schlagen kann (oder umgekehrt) – Chi Yae killen und die Tat Wang Yu in die Schuhe schieben (klingt nach einem sorgfältig durchkonstruierten Plan. Und WIE genau will der Herr das anstellen?). Bei konspirativen Sitzungen verräterischer Natur sollte man aber als Konspirator eine gewisse Vorsicht walten lassen – z.B. drauf aufpassen, dass die dem Clan gegenüber loyale Ehefrau nicht eine Papierwand weiter steht und mithört. Nun, manche Fehler kann man korrigieren, denn Chi Qus trauter Besen ist blöde genug, nachdem sie genug gehört hat, die beiden Verschwörer zur Rede zu stellen und denen auch noch auf die Nase zu binden, das soeben Gehörte Chi Yae rapportieren zu wollen. Verständlicherweise stehen die Bösen diesem Vorhaben wenig aufgeschlossen gegenüber und der bedauernswerte Chi Qu muss sein eigenes Eheweib abstechenderweise killen. „Mörder“, röchelt sie sachlich zutreffend und verscheidet. „Und nun?“, dummfragt Chen Chuan. Simpel, Chi Yae killen, denn, so versichert uns Chi Qu, der seinem Frauchen nicht wirklich ernsthaft nachtrauert (keine glückliche Ehe, denke ich): „Ich will endlich Boss werden!“ (Einen Bruce Springsteen, es gibt nur einen Bruce Springsteen…).

Und so werden erst mal Wangs Männer zusammengetrieben, festgenommen und eingesperrt (hä? Wieso? Auf welcher Grundlage? Und überhaupt?). Die Wans halten Familienrat unter dem Vorsitz von Chi Yae, doch der wird kurzerhand von draußen durchs Fenster niedergeschossen. Was macht Wang währenddessen eigentlich? Er beobachtet, wie Chen Chuan unseren Freund mit den vorstehenden Schneidezähnen, Tai Pan, über den Ausgang des Duells interviewt (das spielt sichtlich alles noch am gleichen Tag). Pretty pissed geht Wang dem Verräter an die Wäsche und verlangt den Namen des Komplizen! (Welchen Komplizen? Woher weiß Wang nun schon wieder, dass Chen Chuan das ganze Kompott nicht auf eigene Rechnung plant?). Bevor Chen Chuan aber verfängliches ausplaudern kann, wird er per blutigem Kopfschuß aus dem Hinterhalt erledigt.

Vorhang auf zur vermutlich peinlichsten Sterbeszene seit der olle Darkwing Duck in einem seiner Zeitreiseabenteuer einen zur Theatralik neigenden Drachen plätten sollte. Chi Yae liegt auf seinem Krankenbett, blutet wie ein Schwein, ohne dass ihm irgendjemand verstärkt ärztliche Hilfe angedeihen lassen würde, brüllt wie am Spieß, jammert, röchelt, zuckt, das ganze Programm halt. Seine Frau/Schwester/whatever steht zu Tränen gerührt daneben, als Wang eitnrifft und verkündet, das Pferd des Verräters gefunden zu haben, aber nicht dessen Besitzer (hä? Weiß der Kerl, wovon er redet? Ich tu´s nicht). Chi Yae kann dazu nicht viel mehr als Geröchel, Gejammer, Geheule und Geblute anbieten (verdammte Hacke, stirb wie ein Mann, du Penner. Langsam versteh ich, wieso Chi Qu Boss von dem Haufen werden will. Mit DEM am Ruder herrscht wenigstens ein bisschen Disziplin und Würde), sondern geht den verblüfften Wang um aktive Sterbehilfe an (stell dich nicht so an, Chi Yae, lang kann´s eh nicht mehr dauern). Pathos trieft literweise aus den Lautsprechern, so heult und nölt Chi Yae den armen Wang an, bis der sich das nicht mehr anhören will und Chi Yae wunschgemäß durch Schußwaffengebrauch exekutiert (wenn man mich fragt, weniger, weil er Yae einen Gefallen tun will, sondern weil ihn dessen Gejammere tierisch auf den Zeiger geht. Meinen Segen hat er).

„Ahaaa!“, triumphiert der hereinstürmende Chi Qu, kaltblütiger Mord! Vor Zeugen (die mit Sicherheit, wenn sie denn gefragt werden würden, aussagen könnten, dass Chi Yae Wang solange angebettelt hat, bis der nicht mehr an sich halten konnte)! Nun, die Zeugen schreiten nicht ein (auch nicht Chi Yaes Schnalle), als Wang an Ort und Stelle festgenommen wird (Wang leistet auch keinen Widerstand und keine Widerworte. Verstehen muss man das alles sicher nicht). Im Knast wird Wang auch gleich mal gefoltert. Obwohl, nennt man das noch Folter, wenn einem armen gefesselten Gefangenen die Augen ausgestochen werden (mein Kompliment an den Folterknecht: mit zwei Messern gleichzeitig so wuchtig und gleichzeitig gefühlvoll zuzustoßen, dass dem bedauernswerten Yang nicht gleich noch das Gehirn mit filettiert wird, muss man schon können. Dass ich das Zielen an sich auf die doch relativ kleinen Äuglein bewundere, ist ja klar)? (Ich weiß nicht, ob´s „nur“ ein auch durch Restauration nicht mehr wiederbringbarer Zensurschnitt war oder die „Trickkünstler“ sich nicht anders zu helfen wußten, als die Aufnahme aus zwei Szenen zusammenzuschnippeln. Vermute eher letzteres. Und ja, es ist doch ein bissl blutig).

Tai Pan, unser Bugs-Bunny-Verschnitt, schnürt indes sein Bündel und möchte stiften gehen, wird aber dabei von Chi Yaes Schnalle (ich bleib jetzt einfach mal dabei, denn einen Namen wird die bis zum Ende nicht mehr kriegen) ertappt. Tai Pan ist ganz froh, mal sein Herzelein ausschütten zu können, denn natürlich weiß er, dass Wang unschuldig ist (eh, naja, also, streng genommen wissen das ungefähr fuffzehn Leute, die alle an Yaes Sterbebett rumstanden). Man hat ihn zu einer Falschaussage gezwungen (hä? Wann? Wieso?), jetzt aber sei sein Gewissen belastet und er wolle deswegen abhauen. Chi Yaes Schnalle überredet ihn statt dessen, „mit mir gemeinsam Wang Yus Wunden zu heilen“ (?), damit könne er ja auch sein Gewissen beruhigen (something tells me, dass Tai Pan den Abspann nicht mehr erleben wird).

Wang sitzt blind in seiner Gefängniszelle rum und wird von irgendeiner der Schwesterfrauen versorgt. Die „fünfte Schwester“ hätte sogar einen Deal ausgehandelt – wenn Wang verspricht, umgehend abzuhauen und nie-nie-nie wiederzukommen, könnten er und seine Männer abziehen. Wang, dessen Sorge um seine Männer ihm sichtlich mit seinem Augenlicht abhanden gekommen ist, lehnt stoisch ab: „Ich will wissen, wer der Verräter ist!“ (Äh. Ich will nicht meckern, aber ist das nicht klar wie Kloßbrühe? Das sieht doch ein Blinder, hähä). Die Schwester zieht achselzuckend ab, geht nach Hause, wird von Chi Qus finsteren Gesellen dort eingeschlossen und die Hütte in Brand gesteckt (verstehen muss man das mal wieder nicht. Was motiviert die fiesen Burschen jetzt dazu?). Einmal Chinesin auf Sparflamme geröstet bitte.

Chi Qu versammelt den „Volksrat“ zwecks Urteilsfindung über den Mörder Wang Yu. Qu, der recht unbürokratisch den vakanten Posten des Vorsitzenden übernommen hat (gibt´s keine anderen Brüder mehr, die ihm den Platz streitig machen können?). Spannungsgeladene Situation – wird irgendjemand für Wang Yu das Wort ergreifen? Nö, Fehlanzeige, auch von den Frauenzimmern spricht keines auf. Also kann Chi Qu nach eigenem Gusto verfahren. Und angesichts der vielfältigen Verdienste des Gefangenen um den Wan-Clan wäre er eigentlich gewillt, so sülzt er, den Kerl gehen zu lassen, aber nicht die Meinung seiner Ratskollegen eingeholt zu haben. Und doch, einer der Ratsgesellen verlangt unverfronerweise nach Beweisen für Wangs Schuld! Also wird Tai Pan hervorgezerrt und unter Chi Qus stechendem Blick knickt der Hase ein und brabbelt, dass er Wang mit Chu habe debattieren sehen (was eigentlich keinem etwas neues sagen sollte, schließlich hat die Duell-Einladung ja die halbe Stadt mitbekommen).

„Also ist unzweifelhaft bewiesen, dass Wang Yu Chi Yae und Chi Pau umgebracht hat“, beschließt Chi Qu sein beweisführungstechnisch eher, naja, mediokres Plädoyer (wo ist Matlock, wenn man ihn braucht?) und jeder, der für Wang spreche, sei automatisch sein Komplize (ein solches Rechtsverständnis erleichtert doch die Urteilsfindung ungemein). Da diese Argumentationskette schwerlich angreifbar ist, regt sich gegen das umgehend verkündete Todesurteil kein Einspruch.

Und schon kann zur Hinrichtung geschritten werden („Blind Man Walking“, hähä). Zukucken dürfen dabei auch Wangs treue Angestellte (in gefesseltem Zustand, was sie nicht davon abhält, dummes Zeug wie „du schaffst das schon“, „du wirst es machen“, „mach et, Otze“ und ähnliches Zeug zu schwurbeln. Wieso muss ich mich jetzt an Gesichter des Todes erinnern? Highlight sind sicherlich die stadionmäßigen „Master Wang“-Sprechchöre, die die Jungs anstimmen). Wang akzeptiert seine gerechte Strafe, bittet sich nur aus, ein paar Worte an die versammelte Festgemeinde richten zu dürfen, was großmütig gewährt wird (schön blöd von Chi Qu, kann sich doch an seinen Barthaaren abzählen, WAS Wang jetzt erzählen wird).

Wang rezitiert also kurz noch mal das Massaker an Los Karawane von vor 10 Jahren, schlägt den Bogen zum Verräter, der seine eigenen Leute und seine eigene Frau (gosh!) getötet habe und schließt mnit einem dramatischen „ER SITZT MIR GEGENÜBER!“ Chi Qu platzt der Kragen, was natürlich genau der geniale Plan war, den Wang verfolgte: „A-HAA! Er verrät sich!“ Basses Erstaunen unter den Anwesenden – jetzt springt auch noch Tai Pan auf die Bühne, widerruft seine Aussage und gibt Wang in allen Punken Recht. Gerechterweise legt Chi Qu den redseligen Hasen vor ungefähr sechshundertachtundvierzig Zeugen und beschließt, da offensichtlich an eine reguläre Hinrichtung nicht mehr zu denken ist, die Sache persönlich in die Hand zu nehmen – er stürzt sich mit einem Messer auf den blinden Wang. Schlußkampfzeit! Und Ehrensache – nicht, dass irgendeiner der mit dummen Gesichtern rumstehenden sonstigen Würdenträger und Wan-Clan-Mitglieder auf Wangs Seite eingreifen würde, nö, das muss der jetzt schon selber regeln (ich hab immer geahnt, das alte China war kein Rechtsstaat). Zunächst mal hält Wang trotz seiner Behinderung recht gut mit, aber auf die Dauer setzt sich die störungsfreie Optik Chi Qus durch – Wang muss einige Messerstiche einstecken und verseucht krampfhaft, aus einer Hauswand einen Nagel zu puhlen (oder ist es ein vorher dort vergrabenes Messer?), um mit selbigem Chi Qu zu plätten. Der allerdings ist gut drauf und hackt wie ein Berserker auf Wang ein. Das zieht sich ein paar Minuten lang nach immer gleichem Schema hin: Wang puhlt an dem Nagel, bekommt Chi Qu ein paar Stiche in den Rücken, rollt weg, arbeitet sich zurück zum Nagel usw. usf. Immerhin – ich hab selten erlebt, dass der Held in einem Film so nach allen Regeln der Kunst verhackstückt wird wie hier, aber zaach ist er, das muss man ihm lassen. Irgendwie (unglücklicherweise gerade während einer Totalen des Kampfplatzes, und dann noch am rechten Bildrand, was mich spekulieren lässt, dass wir´s nicht mit korrektem Aspect Ratio zu tun haben), gelingt den Herrschaften ein Doppeltreffer, erst sackt Wang zusammen und Chi Qu scheint triumphierend vom Acker wackeln zu können, bis dem Bösmann auffällt, dass er selbst tödlich verwundet wurde und er zusammenbricht.

Wang hat´s wider Erwarten überlebt und reitet einsam und allein in die Wüste hinaus. Ende.

Gell, jetzt seid Ihr verblüfft… eine so ultrakurze Inhaltsangabe hat´s vom Doc schon lang nicht mehr gegeben – und dann noch bei einem chinesischen Film, die ob ihrer zigtausend Charaktere und Subplots den Doc normalerweise in die Verzweiflung treiben? Niemand hat das mehr verblüfft als mich selbst: „Hab ich WIRKLICH nur vier Seiten Notizen gemacht? ICH? Der mit diesem Umfang Notizen sonst höchstens eine Mystic Knights-Episode zu Papier bringt?“ Jau. So ist es. Man merkt´s – so richtig viel passieren in Punkto Story tut in Die Todeskarawane der Shaolin (als hätte ich´s gewußt: von Shaolin ist im ganzen Film nie die Rede, aber das war uns ja vorher klar) nicht…

Mag der Film auch rar und demzufolge automatisch kultig sein – wenn ich ehrlich bin, und das bin ich an dieser Stelle bekanntlich immer, er taugt nicht viel. Ganz besonders, wenn man ihn in zeitlich engem Zusammenhang zu einem Meilenstein des Genres wie Master of the Flying Guillotine vor die Pupillen bekommt (und mit entsprechenden Vorschußlorbeeren in den einschlägigen Foren). Es gibt herzlich wenig, was den Film (von einigen Ausnahmen, auf die ich gleich noch näher eingehen werde) vom Dutzend-Eastern von der Stange unterscheidet, weder was Aufwand, Story, darstellerische Klasse, Kampfchoreographie noch Bluthaltigkeit angeht.

In alter Gewohnheit zunächst zur Story – ich hab´s im Text schon mal angedeutet, letztlich lässt sich fast jedes ernsthafte Kampfspektakel made in HK/China/Taiwan auf das gute alte Thema „Loyalität“ zurückführen. Auch hier ist es wieder einmal ein Held, der sich aus Gründen der Verbundenheit zu seinem alten Meister Lo und der Freundschaft zum Wan-Clan in die ganze Schlächterei hineinziehen lässt. Soweit, so tausendmal dagewesen (gut, heutzutage wirkt die Story natürlich noch altbackener, als wir sie seit 30 Jahren pausenlos um die Ohren geschlagen bekommen. Wäre wirklich mal nett, wenn sie in Hongkong noch mal ein zweites Drehbuch zum Verfilmen fänden). Der Versuch, die Plotte durch finstere Ränkeschmiede und Intrigen in den Rang einer Shakespeare-Tragödie zu erheben, scheitern, weil die Charaktere dafür einerseits zu platt sind (was Chi Qu wirklich antreibt, wird gerade mal in EINER Szene kurz angesprochen… und Macbeth wäre sicherlich nicht beeindruckt von dem, was er abzieht) und andererseits halt einfach keine Unterscheidungskraft haben. Da die wenigsten Figuren überhaupt nur ansatzweise einen Background haben, entfaltet die Story keinerlei tragische Wucht, keine emotionale Wirkung. Das sind halt einfach irgendwelche Pappnasen, die sich aus nichtigen Gründen gegenseitig umbringen. So what? Von den gängigen anderen HK-Kloppern aus der selben zeitlichen Ecke unterscheidet sich die Todeskarawane allenfalls durch seine völlig humorfreie Düsternis und sein sehr konsequent-depressives Finale (zwar „gewinnt“ der Held am Ende, aber sein Leben und seine Existenz sind zerstört, und so richtige Dankbarkeit schlägt ihm, zumindest nachdem, was wir beurteilen können, auch nicht entgegen).

Vergessen wir also die Story, kommen wir zu den eher filmischen Aspekten. Ein mörderisch hohes Budget kann auch dieser Film nicht gehabt haben – es gibt eine einzige etwas aufwendiger wirkende Szene, das ist die nächtliche Parade in „Wan-City“ mit ihren farbenprächtigen Sänften, Drachentänzen etc. (auch wenn die Statisten für meinen Begriff einen etwas begeisterteren Eindruck machen könnten), der Rest des Films, ich wiederhole mich, liegt ausstattungstechnisch auf dem Level eines beliebigen „Knochenbrecher/Shaolin/Blablafuzz“-Eastern der 70er Jahre. Auch die Regie von „Wang Scott“ (wenn der wirklich so heißt, will ich Erna-Karl von Schniedelfritz heißen) ist nothing special – eher unterdurchschnittlich-behäbig, möchte ich sogar meinen. Bis auf die eine kurze Stelle, die ich oben angemerkt habe, in der ein paar schnelle Close-up-Wechsel vortäuschen, in der Szene würde irgendwas dynamisches passieren, wirkt die Inszenierung altbacken und ist eher ein Musterbeispiel für einen lieblos nach 08/15-Schema heruntergekurbelten Stangenware-Eastern als ein herausragendes Genre-Werk, wie´s der sicher auch nicht viel aufwendiger inszenierte Master of the Flying Guillotine war. Gerade das „meat“ eines Martial-Arts-Films, die Kampfszenen, wirken oft eher teilnahmslos in Szene gesetzt – viel zu oft setzt der Regisseur auf breite Totalen anstelle das eigentliche Kampfgeschehen formatfüllend ins Bild zu rücken (passend dazu: dass die eigentliche „Auflösung“ des Films auch eher „nebenbei“ am Bildrand geschieht). Dadurch kommt in den Kampfszenen keine echte Rasanz auf, zumal mir die Mischung aus klassischem Swordsplay und (etwas hirnlos wirkender) Pistolenballerei (zumeist auch innerhalb der selben Kampfszenen) nicht behagt (reinrassige Kung-fu-Kämpfe kommen übrigens kaum bis gar nicht vor. Zumindest mit Messern bewaffnet sind die jeweiligen Kontrahenten immer). Das macht insgesamt einen eher uneinheitlichen Eindruck, als hätten die Produzenten/der Regisseur nicht gewußt, ob sie jetzt ein klassisches Swordsplay-Spektakel drehen wollten oder sich doch den eher „dreckigeren“ Einflüssen der Spaghettiwestern beugen wollten (dass der HK-Film der 70er Jahre dem Italowestern ebenso viel schuldet wie die Italowestern ihrerseits japanischen Samuraifilmen der 50er, dürfte ja als allgemein bekannt vorausgesetzt werden können). Auf den ersten Blick mag das recht angenehm sein, wenn die Kampfszenen kein „überkandideltese Rumgehopse“ mit Kranich- und Tigerkrallen-Posen sind, sondern mehr dreckig geführte Prügeleien, die man teilweise nicht mal mehr „durchchoreographiert“ nennen kann, aber es ist einfach, auch dank der nicht gerade innovativen Inszenierung, nicht wirklich prickelnd anzusehen.

Was der Film mit dem anderen hier besprochenen Wang-Yu-Reißer gemein hat, ist sein selbst für HK-Verhältnisse ziemlich heftiger Sadismus. Gut, keine Szene kommt an die Wirkung der „heißer Fußboden“-Szene in Master of Flying Guillotine heran (die ja auch deswegen so harsch wirkt, weil in der Szene der Gute der Sadist ist), aber Wangs Blendung und vor allem der wirklich zynische Schlußkampf, in dem Wang in der zweiten Kampfhälfte selbst gar keine aktiven Aktionen mehr zeigen kann, sondern nur noch von Chi Qu tranchiert wird, sind schon ziemlich krass. Der Schlußkampf ist denn auch die einzige Szene des Films, die mich jetzt nicht gerade vor Begeisterung pausenlos von der Couch gefetzt, aber doch zumindest in ihrer konsequent-durchtriebenen Fiesheit beeindruckt hat. Große Filmkunst sieht anders aus, das ist klar, aber hier deutet sich zumindest mal an, dass die Filmemacher wenigstens etwas anders machen wollten als die hunderttausend Konkurrenzprodukte vor und nach diesem Film.

Was den Blutgehalt angeht – naja, also ein Splattereastern ist´s nu grade nicht (was man ja vielleicht erwarten könnte, wenn der Kram von X-Rated veröffentlicht wird). Der Streifen ist sicher nicht gerade zahm, aber auch nicht übermäßig explizit – einige Einschüsse sind relativ derbe (der Kopfschuß gegen Chen Chuan z.B.), die Schwertkämpfe aber eher von der unblutigeren Sorte und der Schlußfight ist zwar ziemlich intense (aus den oben geschilderten Gründen), aber auch kein Splatterfest, trotz ausgestochener Augen (Wang Yu erspart den FX-Künstlern übrigens Arbeit, indem er nach der „Blendung“ einfach die Augen zukneift). Auch in der Hinsicht also eher viel Lärm um nichts.

Für Unterhaltungswert sorgt allerdings die musikalische Untermalung, nicht nur durch einen ohrenerschütternden Titelsong, sondern auch die zahlreichen italowesternmäßigen Themes (und bei so manchem bin ich mir nicht sicher, ob das nicht wirklich einfach geklaute Italo-Scores sind, so prägnant wie mir die Musikeinspielungen Prärie, Pferde, rauchende Colts und Cowboys vors geistige Auge projizieren).

Unter den gegebenen Umständen erwarten wir natürlich auch keine hohe Schauspielkunst. Jimmy Wang Yu, den ich schon im Flying Guillotine-Review für einen besseren Schauspieler denn Martial Artist gehalten habe, bestätigt die These erneut, wobei er in der hiesigen Rolle auch keine besondere Gelegenheit hat, schauspielerische Ausdruckskraft anzubringen, da der Charakter hier doch deutlich eindimensionaler ist als der eher ambivalente „One-Armed Boxer“, den man ja nicht gerade als klassischen Helden-Archetyp hernehmen kann. Hier ist Wang Yu wesentlich stärker der stoische edle Held, der durch nichts von seinem Ziel abgebracht werden kann und dessen Motive (zumindest nach chinesischen Werten) nicht in Frage zu stellen sind. Viel mehr als finster zu blicken, gelegentlich zu trauern und (in der Szene, in der er Chi Yae den Gnadenschuß verpasst) ein wenig zu chargieren, hat Wang Yu hier nicht zu tun. Seine Kampfszenen sind, wie erwartet, entweder so gehalten, dass er auch mit seinen eingeschränkten Kampfkunstfähigkeiten einigermaßen gut aussieht oder gleich so gefilmt, dass unauffällig ein Stunt Double eingesetzt werden kann (in den „breiteren“ Szenen sieht man Wang gerne mal nur von hinten). Die restlichen Akteure, mir durch die Bank namentlich nicht bekannt, könnten auch im x-beliebigen Wühltisch- oder RTL-II-Nachtschleifeeastern agieren. Da sind keine Highlights zu vermelden, aber auch keine besonders enervierenden Schwachmatigkeiten, wenn man von den hemmungslos übertriebenen Sterbeszenen absieht, aber die sind ja im Kontext eher Stilmittel als Ausdruck minderer Schauspielqualität.

Zur DVD von X-Rated. Und jetzt werde ich doch ein paar deutliche Worte verlieren. Es mag ja sein, dass der Streifen von der letzten existierenden 35-mm-Kope abgetastet und painstakingly restauriert wurde, was aber nichts daran ändert, dass der Film TROTZDEM, eh, scheiße aussieht. Für einen Print dieser Sorte würden die Freunde von Madison oder Pest (mit Recht) geteert, gefedert und aus der Stadt gejagt. Der Print (non-anamorphes 1.85:1-Letterbox, ob das das ursprüngliche Ratio war, bin ich nicht wirklich sicher) hat so ziemlich alles, was einem die Freude am Filmschauen verleiden kann – mal mehr, mal minder heftiges Bildflimmern, Farbschwankungen, dass die Schwarte kracht, Nachzieher bei fast jeder Bewegung, Verschmutzungen, Laufstreifen, Artefakte, die es manchmal wirken lassen, als würden die Akteure inmitten eines Funkenregens agieren, Filmrisse, das ganze Programm. Da frage ich mich dann doch: ist das die Veröffentlichung wert? (Ja, X-Rated entschuldigt sich auf dem Cover für die teilweise schlechte Qualität. Teilweise?) Wenn´s nun wirklich ein Klassiker vor dem Herrn gewesen wäre, für den man seinen Schöpfer auf Knien danken muss, dass man ihn sehen durfte, hätte ich ja noch Verständnis, den zumindest in einer so-gut-wie-möglich restaurierten Fassung auf Disc zu packen, aber … tut mir leid, Todeskarawane ist ein so … durchschnittlicher Klopper, der, dafür wird mich Bertucci hassen, aufm Karstadtgrabbeltisch für 2,99 besser aufgehoben wäre als auf der Börse für 15 Tacken (zumal in DEM Zustand). Nö, das ist wirklich einer der übelsten Transfers, die ich jemals sehen musste, dagegen wirken die Lai-Releases von Best ja wie Criterions…

Der Ton ist ähnlich wenig berauschend. Obwohl, rauschen tut er ganz schön, der Ton (es gibt übrigens nur eine deutsche Sprachfassung sowie englische Untertitel, für den internationalen Markt). Man kann´s verstehen, auch wenn die Qualität der Synchro eher schauderhaft ist (und es sich fast so anhört, als wäre Wang Yus Part später noch mal neu synchronisiert worden, jedenfalls klingt dessen Dialog deutlich klarer als die Zeilen des supporting casts). Aber auch der O-Ton scheint nicht wirklich prickelnd gewesen zu sein, denn die Geräuscheffekte haben manchmal einen tierischen „Studio“-Hall. Auch das hört sich mehr nach Wühltischrelease als High-End-VÖ an.

Wieder mal nahezu komplett knicken kann man die sogenannten „Extras“. Unter „Bonusszene“ verbirgt sich eine gute Minute an wohl eher aus den ersten Filmminuten stammenden undefinierbaren Filmschnippseln, für die man im Zuge der Restauration wohl den richtigen Platz im Film nicht mehr fand (und die in einem übel gecroppten Bildformat vorliegen). Unter „alter deutscher Videovorspann“ verbirgt sich die Unverschämtheit schlechthin – eine zwölfsekündige Einblendung des deutschen Titels auf schwarzem Hintergrund (oh Herr, schmeiß usw.). Unter „Videocover“ kann man sich das alte Kessler-Brother-Cover noch mal ein paar Sekunden lang ansehen. Einzig interessant ist die Sektion „Filmrestauration“, die anhand einiger Einzelbilder verdeutlicht, in welch üblem Zustand das Master war und was man noch aus dem Material herausgeholt hat (dafür Anerkenntiskärtchen, aber s.o. – ob´s nötig war…). Den Rest der „25 Minuten Bonusmaterial“ machen Trailer auf die sonstigen Veröffentlichungen der X-Rated-Easternreihe aus.

Fazit: Die Todeskarawane der Shaolin ist, so leid´s mir tut, ein mäßig unterhaltsamer Durchschnittseastern, der auch durch Wang Yus Präsenz nicht entscheidend aufgewertet wird und dessen singuläres Highlight der fiese Schlußkampf darstellt. Ich gebe aber offen und ehrlich zu, dass ich mit 1-Mark-Tapes von „Ocean“ oder „Wondervision“ mehr Spaß hatte – vor allem, wenn ich Anschaffungskosten und Unterhaltungswert in Relation setze. Angesichts des trotz (und ich zweifle nicht am Aufwand) Restauration fürchterlichen Zustand des Prints gebe ich Eastern-Fans den guten Rat – spart Eure Kohle für die deutsche VÖ von Master of the Flying Guillotine und überlasst diese Scheibe der von mir so geliebten „ich-kaufe-jede-Hartbox-ganz-egal-was-drin-ist“-Klientel, die hat vermutlich mehr Freude dran als ihr. Objektiv WERT ist diese Disc sicher nicht mehr als ´nen Fünfer.

(c) 2004 Dr. Acula

  • Epische Martial-Arts-Schlachten ungeahnter Dimensionen... ja, ich übertreibe schamlos...

  • Epische Martial-Arts-Schlachten ungeahnter Dimensionen... ja, ich übertreibe schamlos...

  • Exemplarisch für den Zustand des Prints...

  • Dynamische Shoot-outs! Yeah!

  • Und Kampfkunstakrobatik vom Feinsten... (Gähn).

  • Stiefel, die den Tod bedeuten

  • Sein Name ist Blues, Chen Chuan Blues!

  • Noch jammervoller und melodramatischer abkratzen als Chi Yae kann man nicht. Unmöglich.

  • Showdown! Und ja, aus dieser ungeheuer mitreißenden Perspektive sehen wir einen Großteil desselben...


BOMBEN-Skala: 6

BIER-Skala: 4


mm
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