Die sieben glorreichen Gladiatoren


  • Deutscher Titel: Die sieben glorreichen Gladiatoren
  • Original-Titel: I sette magnifici gladiatori
  • Alternative Titel: The Seven Magnificent Gladiators
  • Regie: Bruno Mattei, Claudio Fragasso
  • Land: Italien
  • Jahr: 1983
  • Darsteller:

    Lou Ferrigno (Han), Sybil Danning (Julia), Brad Harris (Scipio), Dan Vadis (Nicorete), Carla Ferrigno (Pandora), Barbara Pesante (Anakora), Yehuda Efroni (Kaiser), Mandy Rice-Davies (Lucilla), Robert Mura (Vendrix), Emilio Messina (Goliath), Giovanni Cianfriglia (Festo), Sal Borghese (Glafiro)


Vorwort:

Klysium (oder so), ein Kaff irgendwo an den Ausläufern des römischen Reiches. Die Bevölkerung, bzw. das, was noch davon übrig ist, wird von Nicotinette, äh, sorry, Lanzarote, nee, auch flasch, Nicerote, einem Evil-Inc.-Warlord mit ganz besonders schwülem Outfit, geknechtet. Nicerote hat erst die männliche Bevölkerung hingemetztelt und schaut nun in regelmäßigen Abständen vorbei, um sich vom verbliebenen Weibs-, Kinds- und Greisenvolk die Nudel polieren zu lassen etc. Begünstigt wird dies sein Böstun dadurch, dass seine Mutter Alkaseltzer, eh, nö, Anaconda, ach, auch nicht, Anakora eine Zauberin ist, die mit den Göttern usw. im Bund steht und deswegen halbgöttliche Eigenschaften wie Unkaputtbarkeit auf den Junior übertragen hat. Dass Anakora und Nicerote sich gegenseitig nicht ausstehen können, hilft nun erst mal auch keinem weiter.

Nachdem Bös-Nicky mal wieder ganz besonders schuftig war und ein paar Teenagejungen als abschreckendes Beispiel hat hinrichten lassen, hat Anakora das Näschen voll. Die drückt ihrer Vertrauten Pandora ein magisches Schwert in die Hand, das Jupiter selbst einst für Achilles in Vulkanglut hat schmieden lassen (jaja, Griechen, Römer, alles die gleiche Soße). Dieses Schwert kann Nicerote tatsächlich killen, man muss nur den passenden Auserwählten finden. Anakora schlägt vor, in Rom beim Imperator anzufangen und sich dann runterzuarbeiten.

Pandora und drei Freundinnen machen sich auf den Weg..

Uns Zuschauern fällt als erstes auf - der Imperator ist eher nicht der Auserwählte, denn der ist ein Volltrottel. Aber ein Volltrottel mit Geschmack an Wagenrennen. Han, der Barbar tritt u.a. gegen den bisherigen Favoriten Scipio an. Das Rennen endet unentschieden und geht deshalb in eine Verlängerung, die Han für sich entscheidet. Der Kaiser ist begeistert - wenn Han jetzt noch bitteschön Scipio umbringt, kann er dessen Platz als erster imperialer Wagenlenker übernehmen. Han pfeift drauf, klemmt sich Scipio unter den Arm und verduftet. Han und Scipio werden allerdings verhaftet, nachdem sie Pandora und die ihren vor ein paar zudringlichen Leprakranken gerettet haben und bereits mündlich in die Kill-Nico-Aktion eingewilligt haben.

Okay, ich muss etwas beschleunigen. Der Imperator erweist sich erwartungsgemäß als dezidiert un-auserwählt und bekommt zu spüren, was das Schwert von unerlaubtem Angrabbeln hält. Han IST der Auserwählte, mischt die kaiserlichen Wachen auf und rekrutiert ein paar Mitkämpfer - Scipio macht ebenso mit wie dessen Matratze Julia (Sybil!), Scipios Ex-Gladiatorenkumpel Festo und Glafiro sowie eher ungefragt der junge, abenteuerlustige Schnösel Vendrix. Auf dem Weg nach Klysium wird noch der bärenstarke Goliath, Beschützer der Witwen und Waisen, aufgegabelt.

Die Bevölkerung von Klysium bekommt einen Crash-Kurs in Kriegsführung, und das tut not, denn Nicotina, eh, Nicerote, wird das Beplündern von Händlern und Bauernhöfen zu langweilig, er will mal wieder Klysium überfallen. Dank Han und seinen Leuten bekommen Nicerote und seine Schläger ordentlich eine aufs Haupt geschlagen, jedoch nicht terminal. Will sagen, trotz der Siegesfeier mit Wein, Weib und Gesang ist Nicerote nicht besiegt. Er bringt seine Mutter um, lanciert ein Ablenkungsmanöver und bringt Pandora und die Klysidtioten dazu, Han und seine Freunde achtkantig rauszuschmeißen.

Jetzt fühlen sich die Gladiatoren in ihrer Ehre gekränkt. Die Klysianier werden jetzt von Nicerote für immer befreit, ob sie nun wollen oder nicht!

Inhalt:

Es musste ja so kommen! Als die allmächtige Cannon Group (gepriesen sei ihr Name) der günstigeren Produktionsverhältnisse wegen nach Europa, genauer nach Italien expandierte, um dort ein paar preiswerte Fantasy-Klopper mit Lou Ferrigno zu produzieren, kreuzten sich zwangsläufig die Wege von Golan und Globus mit denen der zwei Ober-Italo-Nixblicker Claudio Fragasso und Bruno Mattei, und die hatten natürlich nichts besseres zu tun, als für Cannon in den Drehpausen des ersten "Hercules"-Films mit erheblich geringerem Aufwand noch ein zweites Fantasy-Gladiatoren-Abenteuer zu basteln - enter "Die sieben glorreichen Gladiatoren", selbstredend ein unkreditiertes Derivat der "Glorreichen Sieben", ergo der "Sieben Samurai" - ein praktisch unzerstörbares Vorbild, das Fragasso und Mattei auch von der Aufgabe entband, sich eine eigene Geschichte so ganz und von Anfang an ausdenken zu müssen.

Fragasso und Mattei pflegten dabei, wie man hört, eine Art Coen-Brüder-Arbeitsteilung. Sie schrieben und inszenierten den Film gemeinsam, ließen sich aber getrennt für Drehbuch (Fragasso tarnt sich unzureichend als ein Franzose namens "Claude Fragass") und Regie (Mattei ohne Pseudonym) kreditieren. Und, lo and behold, raus kam ein angesichts seiner Macher überraschend geradliniger, altmodischer Gladiatoren-Schinken, der seine Fantasy-Elemente auf ein beinahe unmerkliches Mindestmaß zusammenstutzt und im Rahmen seiner bescheidenen finanziellen und, eh, kreativen Möglichkeiten einen harmlosen, familientauglichen Abenteuerspaß abgibt, der in seiner Machart mindestens 20 Jahre zu spät dran ist, aber fraglos zu den Karrierehighlights sowohl Fragassos als auch Matteis zu zählen ist.

Das Grundkonstrukt der Story ist, wie gesagt, bewährt und kaum umzubringen (ich find's übrigens sehr süß, dass Sybil Danning nur drei Jahre nach "Sador - Herrscher im Weltall" schon wieder in einem "Glorreichen Sieben"-Klon landete). Natürlich knarzt und knackt es da und dort bedenklich im Storygebälk (weder erklärt uns jemand, wie das genau mit Anakoras und Nicerotes göttlichen Kräften auf sich hat, und ebenfalls völlig ungeklärt bleibt, wie Nicerote innerhalb der drei Minuten, die Han und seine Freunde brauchen, um seinen Ablenkungstrupp aus der Stadt zu jagen, die komplette Bevölkerung umdreht), der Schnitt gibt manchmal Rätsel auf (wieso bringt Pandora einen Mitgefangenen um, ehe sie zum Tempel schreitet, um Han das Schwert für den Showdown zu bringen?), aber im Großen und Ganzen ist das "wie und warum" halbwegs nachvollziehbar.

Natürlich leidet der Streifen unter dem extrem niedrigen Budget, das keine Massenszenen hergibt (das Wagenrennen z.B. findet vor vielleicht zwanzig Zuschauern ab, dafür aber wenigstens bei Nacht ohne Flutlicht, damit man möglichst wenig sieht) und auch dafür sorgt, dass z.B. der Imperator von Rom nicht aussieht wieder Chef eines Weltreichs, sondern der Dorftrottel von Hintertupfing. Immerhin, dass Klysium eine Ruinenstadt ist (ob die tatsächlich in Herculaneum oder Pompeji drehen durften? Es sieht fast so aus), ist dadurch "gedeckt", dass Nicerote die Stadt wohl schon ein paar Mal hat schleifen lassen, aber für "Rom" gibt's z.B. genau eine Außenaufnahme des Caesarenpalasts, und das ist wohl irgendeine stehende Kulisse in Cinecittá.

Mattei liefert sicher eine seiner besten Regieleistungen ab, was aber trotzdem genug Käse beinhaltet - das Wagenrennen z.B. ist a) armselig und b) gleichzeitig konfus inszeniert. Man stelle sich meine Überraschung vor, als nach ein paar Minuten nach dem Zufallsprinzip zusammengeschnittenen "Rennszenen" Han und Scipio plötzlich stehenbleiben und "unentschieden" proklamieren... Dafür "beeindruckt" die Nonchalance, mit der Mattei im Finale seinen Heldentrupp (wie sich das dem Vorbild entsprechend gehört) dezimiert, ohne dabei die geringste dramatische Wirkung zu erzielen, weil wir als Zuschauer teilweise gar nicht wirklich mitkriegen, dass da einer von unseren Helden grad gemeuchelt wurde, so schnell schneidet Mattei wieder weg zu einer anderen Kampfszene.

Den größten Lacher verbucht aber unfreiwillig Ferrigno, als er den starken Goliath erspäht und als potentielle Ergänzung für sein Team betrachtet. Der liebevolle Blick, den Han Golitah zuwirft, ist mit "Homoerotik" nicht mal annähernd beschrieben. Da hat jemand seinen soulmate gefunden und geht geistig alles durch, was er mit ihm anstellen will...

Der Cast ist für das, was der Film sein will, durchaus nett zusammengestellt. Lou Ferrigno, der vom Hercules-Set auch seinen Gürtel mit dem fetten "H" mitgebracht hat, ist als Muskelmann mit Herz immer am rechten Fleck, Brad Harris, der sich noch durch die Original-Sandalen-Filme gekämpft hat, beweist, dass er auch mit 50 noch reglemäßig die Muckibude aufsucht (tut er ja auch heute noch, wenn man aktuelle Bilder sieht), zu Sybil Danning als Kampfamazone muss man eh nichts sagen, und mit Giovanni Ciangriglia (der frühere "Ken Wood" aus zahlreichen Western oder den "Superargo"-Filmen), dem unvermeidlichen Sal Borghese, Emilio Messina und Dan Vadis (früher mal selbst Herkules gewesen), steht ausreichend Genre-Expertise zur Verfügung. Dan Vadis, der leider wenige Jahre später im Alter von nur 49 Jahren verstarb, spielte übrigens auch neben Clint Eastwood in den beiden "San Fernando"-Filmen. Die weibliche Hauptrolle der Pandora geht an Ferrignos real-life-Ehefrau Carla (Lou ist eindeutig der bessere Schauspieler des Paares).

Man könnte sich wünschen, die Actionszenen wären etwas voluminöser, spektakulärer und, ja, auch härter, aber der Film richtet sich nun doch an ein jugendliches Publikum und kommt daher ohne Sex und explizite Gewalt aus. Dennoch - wenn man am peplum in seiner altmodischen 60er-Jahre-Prägung seinen Spaß hat, bekommt man mit "Die sieben glorreichen Gladiatoren" einen ordentlichen, für Italo-80er-Verhältnisse recht passabel gewerkelten "throwback" in die guten alten Zeiten, als es noch reichte, ein paar Muskelpaketen Miniröcke anzuziehen und ihnen Schwerter in die Hand zu drücken, ohne dass gleich Special FX ausgepackt werden müssen (die Italiener unter den finanziellen Bedingungen eh nicht hinbekommen, siehe Cozzis "Hercules"-Filme). It's old fashioned fun the whole family can enjoy!

(c) 2017 Dr. Acula

  • Warlord Nicotinette und sein Unterführer. Mit den Outfits muss man ja böse werden.

  • Kaiser Doofbirne I. bei der Arbeit. Der Donald Trump unter den römischen Caesaren.

  • Mehr Muskeln als eine Wrestilngshow. Lou und Brad, das Steroid-Duo...

  • Ich glaube ja, Brad Harris hat nicht oft Minderwertigkeitskomplexe, aber er ist halt grad mal die Hälfte von Lou Ferrigno...

  • BEI DER MACHT VON GRAYSKULL! Warum hat eigentlich nie jemand an Lou Ferrigno als He-Man gedacht? Haare kann man färben...

  • Lou verteilt Dresche. Immer gern gesehen.

  • Sybil Danning. Dass das einer ihrer higher-profile-gigs ist, ist schon irgendwie deprimierend.

  • Bei Ferrigno ist ein Schwert eigentlich Overkill.

  • Auch modisch ist Lou klarer Punktsieger gegen die dunkle Seite der Macht.

Preis: Derzeit nicht verfügbar

BOMBEN-Skala: 7

BIER-Skala: 7


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