Die kleine Hexe


  • Deutscher Titel: Die kleine Hexe
  • Original-Titel: Little Miss Magic
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  • Regie: Fred Olen Ray
  • Land: USA
  • Jahr: 1998
  • Darsteller:

    Vanessa Greyshock (Deirdre), Russ Tamblyn (Brendan Moran), Ted Monte (Richard), Michelle Bauer (Kristin), Steve Scionti (Greg), Tommy Kirk (Mr. Kenner), Vicki Skinner (Mrs. Kenner), Arthur Roberts (Mr. Vaughn), Richard Gabai (Jack), Peter Spellos (Vespecci, als G. Gordon Bear), Robert Donavan (Mr. Dorn), Alex Grant


Vorwort:

Für Nachwuchs-Hexe Deirdre (Vanessa Greyshock-ex-Koman, THE BONEYARD COLLECTION) wird’s ernst – die Abschlussprüfung steht an. Wenn Deirdre die ihr gestellte Aufgabe bewältigt, steht ihrer Ernennung zur Meisterhexe mit allen Privilegien und Drum und Dran nichts mehr im Wege. Das jedenfalls verkündet ihr ihr Meister (Richard Connell, doing his best Cameron-Mitchell-impression), einer von der Sorte „floating head in space“. Zwei andere Junghexen, Tanya und Wendy, stehen ebenfalls zur Prüfung an, aber das ist offensichtlich kein kompetetiver Wettbewerb, es kann nicht nur eine gewinnen. Glaub ich jedenfalls.

Nun, die Aufgabe, die Deirdre lösen muss, ist, sowie’s aussieht, ziemlich knifflig. Sie soll das Leben von Richard Pierson (Ted Monte, ATTACK OF THE 60-FOOT CENTERFOLD, DESTINATION: IMPACT, RAPTOR) in Ordnung bringen. Also wird selbiges, also sein Leben, wohl ein ziemlicher Scheißdreck sein, auch wenn’s auf den ersten Blick nicht unbedingt so aussieht. Richard ist ein Mittelklasse-Manager in der Firma von Mr. Vaughn (Arthur Roberts, DER VAMPIR AUS DEM ALL, DIE RÜCKKEHR DER NINJA), und ist Kandidat für die Beförderung zum Direktor für Europa-Angelegenheiten (was genau Vaughns Firma so herstellt, vertreibt oder kaputt macht, bleibt ein Geheimnis des Films). Grundsätzlich ist Vaughn ein Anhänger des Senioritätsprinzips, und da Richard die längste Amtszeit in der Firma hinter sich gebracht hat, ist er eigentlich von Haus aus im Vorteil, speziell gegenüber seinem besten Kumpel Greg (Steve Scionti, MEGALODON, MAXIMUM SECURITY – STRENG GEHEIM). Diese verhältnismäßig guten Aussichten sind seinem herrischen Eheweib Kristin (Michelle Bauer, also hat der Bursche keinen Grund zur Beschwerde, DINOSAUR ISLAND, HOLLYWOOD CHAINSAW HOOKERS, CAFÉ FLESH) nicht gut genug, also hat sie gegen den erklärten Willen ihres Gatten, dafür aber mit der Überzeugungskraft eines texanischen Zuchtbullen ein Dinner-Date mit Vaughn organisiert, wo Richard zur Erlangung der Bevölkerung ordentlich arschkriechen soll (wir sehen, es ist ein absoluter Kinderfilm).

Kristin dominiert sowieso sämtliche Aspekte von Richards Leben (keine Frage, nicht mal seine Klamotten darf er sich selbst aussuchen), Widerworte sind zwecklos. Deirdre, per magischem Kristallkugel-TV zugeschaltet, vergeht schon beim bloßen Anblick des geknechteten Beta-Männchens in tiefstem Mitgefühl. Dem armen Mann muss geholfen werden! Deirdre bedingt sich allerdings aus, ihren Kuschelgeist mitnehmen zu dürfen. Dem Meister soll’s recht sein.

Und so klingelt‘s, mitten im schönsten „mach-hinne-du-Depp-dein-Chef-wartet-schon“-Prozedere im Hause Pierson, wo Kristin ungeduldig mit den Hufen scharrt, an der Haustür. Davor steht ein gut gelaunter Bärtiger, der sich als Brendon Moran (Russ Tamblyn, WEST SIDE STORY, BIS DAS BLUT GEFRIERT, TWIN PEAKS) vorstellt und frohe, naja, nicht so frohe Kunde überbringt. Richards entfernter Cousin Adam, der so entfernt ist, dass Dicky sein Lebtag lang noch nichts von ihm gehört hat, hat samt seiner Angetrauten den Löffel geworfen und eine verwaiste Tochter zurückgelassen. Und in Ermangelung irgendwelcher anderer brauchbarer Verwandter würde Moran das entzückende Girl, selbstverständlich niemand anderes als Deirdre, jetzt gerne bei Richard verklappen. Zu Kristins grimassierendem Entsetzen scheint Richard diesem Gedanken überraschend aufgeschlossen gegenüberzustehen, aber das böse Weib kommt bei der Vorstellung, nicht nur ihren Mann, sondern auch noch eine Teenager-Göre herumkommandieren zu müssen, die Galle hoch – sie lehnt rundweg ab, Deirdre aufzunehmen. Moran macht ein langes Gesicht – dann wird Deirdre wohl, wenn sie Glück hat, in eine Pflegefamilie, oder schlimmstenfalls in ein Waisenhaus kommen. Das aber muss Moran erst organisieren, also… wenn die Piersons sich breitschlagen lassen würden, das Mädel wenigstens übers Wochenende zu beherbergen? Kristin entgleisen zwar auch hinsichtlich eines Kurzaufenthalts die Gesichtszüge, aber Richards gutes Herz setzt sich ausnahmsweise mal durch. Deirdre wird eingelassen und Moran, selbstverständlich ein magischer Komplize aus der Hexenwelt, löst sich in einem mittelprächtigen Spezialeffekt auf.

Während Deirdre auf Richards Geheiß das Haus erkundet, macht Kristin ihren Gatten zur Schnecke. Selbst wenn sie sich irgendwie damit anfreunden könnte, dass das Mädchen ein paar Tage hier logiert, steht das Dinner mit Vaughn vor der Tür, also kann unmöglich jemand auf das Mädel aufpassen (wir wissen ja: in den USA kann ein vierzehnjähriges Mädchen unmöglich drei Stunden alleine gelassen werden, ohne drogensüchtig zu werden und sich von acht Negerburschen schwängern zu lassen. Meine Güte, wie haben WIR nur unsere Kindheit überlebt?). Kein Problem, meint Richard, dann wird eben schnell ein Notfall-Babysitter angeheuert und die entsprechende Agentur schickt auch in Minutenschnelle eine passende Babysitterin vorbei (nun gut, es IST ein Fantasyfilm…). Die Betreffende ist Jenny (Kimberly A. Ray, FUGITIVE MIND, MASSEUSE 2, und Fred Olen Rays eigene Angetraute. Der Retromedia-Kunde kennt sie auch als Firmenmaskottchen „Miss Kim“). Dies geklärt, können Richard und Kristin sich zum Dinner verzupfen.

Weniger formal geht’s zu bei Greg, der sich gerade in seiner Badewanne suhlt und klarstellt, dass er der offizielle Bösewicht des Films sein wird. Sein aktueller Telefongesprächspartner ist nämlich der Mafiaboss Mr. Vespecci (Peter Spellos in seiner G. Gordon Bear-Persona, ATTACK OF THE 60-FOOT CENTERFOLD, DEMOLITON HIGH, CYBERZONE). Greg schuldet Vespecci einen nicht unbeträchtlichen Geldbetrag, und wie wir alle wissen, haben’s die Mafiosi nicht so mit der Verlängerung von Zahlungszielen. Greg mangelt’s aber an ausreichender Penunze, weswegen er aber bereits einen Alternativplan formuliert hat – wenn er und nicht Richard Direktor für die Europa-Angelegenheiten der Firma wird, kann er Vespecci ausgesprochen nützlich sein, was die Erweiterung der mafiösen Möglichkeiten für Schmuggel und Geldwäsche angeht (ich wiederhole: das ist ein Kinderfilm). Vespecci ist nicht hundertprozentig von Gregs Vorhaben überzeugt und ist sich auch nicht wirklich sicher, ob das ausreicht, um seine Schulden zu tilgen, aber für den Moment wird er davon absehen, Greg abmurksen zu lassen.

Richard ist allerdings in dieser Gegend nicht der einzige geplagte Ehemann. Auf der anderen Straßenseite wohnen die Kenners, und der gemütliche Opi Mr. Kenner (Tommy Kirk, MARS NEEDS WOMEN, DER FLIEGENDE PAUKER, DSCHUNGEL DER 1000 GEFAHREN) hat mit seinem angeheirateten Besen (Vicki Skinner, FUGITIVE RAGE, HEAD OF THE FAMILY) auch sein Kreuz zu tragen. Mrs. Kenner ist nämlich eine echte Seelenverwandte von ALF-Nachbarin Mrs. Ochmanek und die örtliche 1-Frau-Neighborhood-Watch. Und dass gegenüber bei den Piersons Licht brennt, obwohl das Ehepaar außer Haus ist, kommt ihr ausgesprochen suspekt vor. Einen halben Hausfriedensbruch später ist Mrs. Kenner ob der Auskunft der plötzlich aus dem Nichts aufgetauchten Nichte und der dazugehörigen Babysitterin nicht völlig befriedigt und steigt deswegen auch noch auf eine günstig herumstehende Leiter, um in das Deirdre zugeteilte Zimmer zu spähen. Was insofern schlecht ist, als die sich gerade mit ihrem Hausgeist unterhält, damit der aufbricht, um Kristin zu foppen (und in eine etwas sozialverträglichere Attitüde zu schubsen), was mit Special FX verbunden ist. Das haut die stärkste neugierige Nachbarin von der Stiege. Ihr könnt davon ausgehen, dass Mrs. Kenners Versuche, Foulspiel im Hause Pierson zu beweisen, noch einen äußerst hilariösen Subplot bilden werden. Hurra.

Während sich im feinen Restaurant (das so fein nicht aussieht, aber man muss halt nehmen, was der Requisiteur an Restaurant-Einrichtung auftreibt, ne) Vaughn sehr darüber wundert, dass Kristin den Gatten kaum zu Wort kommen lässt, sorgt Deirdre für die Verbreitung moralisch fragwürdiger Botschaften. Jenny hat nämlich keinen Freund, was sie so nicht zugibt, aber die Juniorhexe natürlich zwischen den Zeilen lesen kann, steht aber auf den örtlichen Football-Quarterback. Eine kleine magische Geste, und schon ruft der Ballwerfer an (wäre ich Jenny, würde ich mich natürlich schon wundern, woher der jetzt die Nummer der Familie, bei der ich äußerst kurzfristig babysitte, kennt), gesteht seine Liebe und lädt sie zum Schulball ein. Ladies, Gentleman, ich wiederhole: wertvolle Botschaften für kindliche Gemüter – andere Leute in Beziehungen reinmanipulieren ist VOLL OKAY! Thumbs up!

Kristin fällt, Ehre, wem keine gebührt, tatsächlich auf, dass Vaughn ein wenig irritiert über die Aufgaben- und Entscheidungsverteilung der Eheleute Pierson ist und verzieht sich aufs Damenklo, um das hübsche Näschen zu pudern, damit die Herren der Schöpfung mal Tacheles reden können. Vaughn spricht Richard direkt auf das Problem des dominanten Frauchens an („sie ist dominant, aber keine Domina“, juxt Richard. Kinderfilm, meine lieben Leser, Kinderfilm!) – kann ich ihm nicht verdenken, denn wer sich für eine Position in Stellung bringt, die es verlangt, geschäftliche Entscheidungen zu treffen, aber im Privatleben nicht mal die Farbe seiner Unterbuxen selbst bestimmen darf, muss schon mal hinterfragt werden. Richard gesteht, dass Kristin nicht immer so herrschsüchtig war – wäre dem so gewesen, hätte er sie nicht geheiratet. Was genau und wann mit ihr passiert ist, was ihre Persönlichkeit so ins Bitchige verändert hat, weiß allerdings auch er nicht (und wir werden es auch nie erfahren). Immerhin – Vaughn ist vielleicht ob Richards Ehrlichkeit beeindruckt genug, um ihm die Beförderung förmlich anzudienen – unter einer Bedingung! Am Montag steht ein Treffen mit wichtigen europäischen Investoren an, und wenn Dick das zu allgemeiner Zufriedenheit deichselt, steht der Promotion nichts weiter im Wege. Yay!

Dieweil hat Deirdre ihren Geist freigelassen, damit der Kristin poppt, äh, foppt (so familienunfreundlich sind wir ja dann auch nicht). Es ist mir nicht gänzlich klar, wie Deirdre Kristin einen positiveren Outlook auf das Leben per se und einen weniger dominanteren Eheführungsstil einimpfen will, indem der Geist (der als halb-transparentes Skelett schon ein bisschen scary ist) ihr auf dem Damenklo eine feinen Restaurants das Höschen ab-erschreckt, aber das ist augenscheinlich der Plan. Kristin ist angemessen hysterisiert, was man ihr nicht völlig verübeln kann, kommt kreischend aus dem Waschraum und stürzt auf den Tisch eines pikierten Pärchens. Richard schaltet schnell, klemmt sich seine Holde unter den Arm und verdünnisiert sich, einen Chef zurücklassen, der vermutlich überlegt, dass Richard vielleicht nicht übel ist, seine Alte aber nicht mit einem vollen Kartendeck Poker spielt und man sich das mit der Beförderung womöglich noch mal überlegen sollte…

Aber nein. Alles ist in bester Ordnung, und auch Kristin findet auch schnell in ihr manipulativ-dominantes Selbst zurück. Ganz große Nummer also, Deirdre, das hat’s voll gebracht. Kristin findet auf die Schnelle einen neuen Weg, um Richard tierisch auf den Zeiger zu gehen, indem sie in Windeseile eine Cocktailparty für den nächsten Abend organisiert, um mit der Beförderung ordentlich anzugeben. Tricky Dicky ist erstens angepisst, weil sein treues Weib ihn mal wieder nicht gefragt hat und zweitens natürlich auch, weil die Beförderung ja noch nicht in Sack + Tüten ist. Hilft aber nix, zumal die Party der nächste Schritt im idiotensicheren Evil Plan von Greg und Kristin ist. Während Kristin also Horsd’oeuvres serviert, der eingeladene Mr. Vaughn wie bestellt und nicht abgeholt mit seinem Schlammpagnerglas doof rumsteht und man den guten Richard darauf aufmerksam machen muss, dass es unter Umständen eine patente Idee wäre, den Boss zu bespaßen, smalltalked Greg, ganz der supportive Freund, der sich für Richards Lebens- und Arbeitsglück mindestens ein Bein abfreut, mit Jack Russell (!, Richard Gabai, DINOSAUR ISLAND, RAPID ASSAULT, THE CURSE OF THE KOMODO), einem Firmenunterling dritter Klasse. Richard hat diese Beförderung ja auch wirklich verdient, so lang, wie er für die Firma schon die Knochen hinhält, und, naja, das bisschen Gemauschele bei den Spesenabrechnungen… das ist doch jetzt auch nicht sooo schlimm, oder? Da wird Jack natürlich hellhörig und unter dem Siegel der Verschwiegenheit plaudert Greg die ganzen schmutzigen Details aus…

Während am nächsten Tag (Sonntag) Richard auf Kristins Geheiß mit Vaughn Golf spielen muss (since we’re being all relatable here ist Richard natürlich auch ein ausgezeichneter Golfist), versucht Mrs. Kenner weiterhin den mysteriösen Vorgängen im Nachbarhaus auf den Grund zu gehen. Sie hat auch was zu kucken, denn Deirdre wird von ihren Konkurrentinnen, die eigentlich keine sind, Tanya und Wendy besucht. Die Hexenkolleginnen erscheinen natürlich auf magische Weise und das auch noch illegal, denn eigentlich ist es den Prüflingen nicht erlaubt, untereinander Erfahrungen auszutauschen. Naja, vermutlich müssen sich die drei Hexen da keine großen Gedanken machen, denn mehr als ein paar belanglose Allgemeinplätze wie „ist schon schwierig, wa“ gibt die Unterhaltung nicht her. Es war also eine offiziell ziemlich sinnlose Szene, aber irgendwie muss man ja auf abendfüllende Laufzeit kommen. Mrs. Kenner beißt bei ihrem Göttergatten hinsichtlich ihrer wilden Spukgeschichten weiterhin auf soliden Granit.

Später gibt’s dann noch etwas familiäres Bonding zwischen Richard und Deirdre (und das ist jetzt auch nicht unbedingt sonderlich „comfortable“, denn, wir erinnern uns, Deirdre ist ja mitnichten Nichte, ergo ein Fremdkörper, der bei Richard unangebrachte familiäre Gefühle hinmanipuliert. Die Botschaft dieses Films ist, ich wiederhole mich vermutlich, zweifelhaft), ein wenig Gezicke von Kristin, die nach wie vor die Sekunden zählt, bis Deirdre wieder aus dem Haus ist, und nicht wirklich großartig magische oder wenigstens lustige Momente.

Blenden wir also gleich um zum Montag, wo sich mehrere Dinge gleichzeitig ereignen. Richard empfängt den hohen Besuch von jenseits des Großen Wassers, einen Mr. Dorn (Robert Donavan, ALIEN ARSENAL, MÖRDERBIKE, TRANCERS 6) nebst einer Kollegin (Alex Grant, SHADOW WARRIORS, BOYS KLUB), wobei sich die Gespräche ganz viel versprechend anlassen, weil Richard gut vorbereitet ist; indes versucht Deirdre einen Schutzzauber zu wirken, um ihren Schützling vor garstig Ungemach zu bewahren, wird aber von Mrs. Kenner unterbrochen, die sich mittlerweile eine Videokamera organisiert hat, um schlagkräftige Beweise für die übernatürlichen Übernatürlichkeiten ein für alle Mal festzuhalten, aber ob des Anblicks mäßiger visueller Effekte erneut von der Leiter fällt – es reicht aber, um die Vervollständigung des Zaubers zu verhindern. Und Jack Russell entert mit einer Akte in der Hand das Büro von Mr. Vaughn und weist diesen auf die Unregelmäßigkeiten in Richards Spesenabrechnungen hin…

Es kommt, wie’s kommen muss. Vaughn unterbricht die Verhandlungen und feuert Richard on the spot. Dessen Unschuldbeteuerungen verhallen ungehört, der arme Mann wird umgehend von einem Wachmann aus dem Gebäude geleitet. Seinen persönlichen Krempel kann er später mal abholen. Deirdre hat also, ganz objektiv gesehen, völlig versagt, aber das Schicksal, bzw. Brendan Moran, der am Abend vorbeischaut, eigentlich, wie Kristin stark hofft, um den nervigen Quälgeist abzuholen, räumt ihr eine Fristverlängerung ein. Moran behauptet nämlich, dass die Arrangements zur Unterbringung Deirdres bei einer Pflegefamilie noch nicht abgeschlossen sind, es macht Richard doch sicher nichts aus, Deirdre noch zwei Tage Kost + Logis zu gewähren. Richard ist zwar ordnungsgemäss deprimiert ob des Jobverlusts, aber dagegen hat er nichts. Kristin schon deutlich mehr, aber einmal im Leben behält Richard die Hosen an und setzt sich durch. Indes muss Mrs. Kenner zu ihrem Leidwesen (und zum Amüsemang ihres Ehemanns) feststellen, dass man Magie nicht filmen kann – ihr vermeintlich schlagender Beweis für niederträchtige Sauereien im Nachbarhaus erweist sich als Schuss in den Ofen. Kristin sucht Greg auf, der in einer Bar seinen großen Sieg feiert, um ihren Anteil anzufordern. Das ist vielleicht etwas früh, denn woher will Greg jetzt schon die entsprechende Kohle haben. Greg schlägt eine umfassendere Partnerschaft vor – die sich, wenn’s nach ihm geht, gerne auch auf den zwischenmenschlichen Bereich erstrecken kann, aber da zieht Kristin die rote Linie in den Sand. Angrabbeln oder Abknutschen ist nicht. Und auch im geschäftlichen Bereich tritt Kristin ordentlich auf die Bremse, als Greg ihr vermittelt, dass er beabsichtigt, Richtig Viel Asche ™ durch illegale Aktivitäten wie Geldwäsche etc. machen zu wollen. Ihren eigenen Angetrauten bescheißen, da geht Kristin locker mit (ich wiederhole mich, warum-auch-immer), aber amtliche Kapitalverbrechen, da spielt sie entrüstet nicht mit. Juckt Greg jetzt auch nicht weiter, bleibt halt mehr Zaster für ihn.

Ein neuer Tag, ein neues Glück. Dieweil Richard außer Haus geht, um irgendwo vor sich hin zu sumpfen, bereitet sich Greg mehr oder weniger seelisch darauf vor, die am Vortag unterbrochenen Geschäftsverhandlungen mit Mr. Dorn aufzugreifen. Im Gegensatz zu Richard ist Greg allerdings auch beruflich ein Hallodri und nutzt seine neue Position verstärkt dazu, seine Sekretärin rumzukommandieren als sich auf den Termin vorzubereiten. Deirdre rekrutiert die zufällig vorbeikommende Jenny – wird ja langsam auch Zeit, dass die Hexe irgendetwas tut, um ihre Abschlussprüfung vielleicht doch noch zu bestehen. Wozu sie genau Jenny braucht, ist fraglich – alles, was die Babysitterin tun wird, könnte Deirdre streng genommen auch alleine machen. Deirdre vermutet, dass Greg die Beweise für sein Schlimmfingertun, mithin also die echten, ungefälschten Spesenabrechnungen in seinem Büro versteckt (das wäre zwar ziemlich dämlich, ist aber, wie sich zur Überraschung von Niemandem herausstellen wird, völlig korrekt). Um dort zu suchen, muss man Greg natürlich erst mal aus dem Büro subtrahieren und das bewerkstelligt Deirdre mit der einzigen magischen Aktion, die in der ganzen Geschichte eine echte handlungsrelevante Rolle spielt – und selbst die könnte man durch einen fingierten Telefonanruf ersetzen. Sie bringt ihn nämlich hochgradig zauberhaft dazu, sich seinen frisch apportierten Kaffee genüsslich über die Hose zu gießen. War offenbar kalter Kaffee, denn ansonsten, schätze ich mal, sollte Greg, nachdem er aus der kurzen Zaubertrance entlassen ist, akutere Probleme haben als nur die feuchten Flecken auf dem Beinkleid, zu deren Eliminierung er sich auf die Bedürfnisanstalt der Etage begibt. Jenny entert daraufhin das Büro und beginnt eine couragierte Suche nach den entlastenden Unterlagen, und weil Greg, wie gesagt, dämlich ist, hat er die entsprechende Akte in seiner Schreibtischschublade. Jenny greift sich Original und Fälschung – zwar ist Greg schon auf dem Rückweg, aber es reicht, sich hinter der Tür zu verstecken und sich unauffällig zu verzwiebeln, als Greg entsetzt die geöffnete Schreibtischschublade bemerkt und zu seiner Ehrenrettung erstaunlich schnell 2 + 2 zusammenzählt.

Er kann allerdings keine direkten Gegenmaßnahmen einleiten, da seine Sekräterinnenschickse bereits Dorn nebst Anhang in sein Büro geleitet. Greg ist absolut nicht in der Lage, jetzt irgendwelche seriösen Verhandlungen zu führen und macht sich erfolgreich zum Horst. Indes stürmt Jenny in Vaughns Büro (sowas wie Chefsekretärinnen, die ungebetene und –geladene Besucher notfalls handgreiflich daran hindern, den großen Boss zu belästigen, gibt’s hier nicht) und knallt dem verdutzten Obermacker die Akten mit dem dienstlichen Befehl zur sofortigen Lektüre und Righting der angerichteten Wrongs auf den Schreibtisch. Gut, dass das alles so einfach geht.

Und so wiederholt sich die Geschichte – noch während Greg in den Verhandlungen mit Dorn vor sich hin stammelt, betritt Vaughn das Areal, um den fiesen Verräter zu feuern. Da aber „Spesenabrechnungen fälschen, um einem Kollegen eins reinzuwürgen“ ersichtlich schlimmer ist als „Spesenabrechnungen fälschen“, hat Vaughn diesmal keinen Wachmann dabei, sondern einen echten Police Detective (Maestro Fred himself), der Greg an Ort und Stelle die hanseatische Acht anlegt und ihn von hinnen schleppt (ist wohl ein ruhiger Tag in L.A., wenn Vaughn innerhalb von zwei Minuten einen echten Bullen herbeirufen konnte, der sich für einen ausgesprochen langweiligen Fall von firmeninternem Schindluder interessiert). Nun müsste man nur noch Richard die frohe Kunde von seiner Wiedereinstellung in Amt und Würden des Europa-Direktors überbringen, doch der, erinnern wir uns, hat sich zum trübtümpligen Rumsumpfen verabschiedet. „Dann weiß ich, wo er ist“, geistesblitzt Vaughn und überrascht alle, insbesondere mich, damit, Richard in einer Kneipe, die kein Mensch zuvor jemals erwähnt geschweige denn gesehen hat, aufzutreiben.

Wir gehen also mächtig aufs Happy End zu, aber eine Baustelle wäre da ja noch zu richtigen, sprich Kristin. Dass die bei illegalen Aktivitäten nicht mitspielen will und durchaus nicht unerfreut reagiert, als man ihr berichtet, dass Richard wieder eingestellt ist, ändert ja noch nicht grundlegend ihre Bitch-Persönlichkeit. Doch auch dafür hat Deirdre nun doch ein magisches Rezept. Sie zaubert direkt vor Kristins Laufstelze eine Bananenschale (hi-fuckin‘-hi), auf der sie prompt ausgleitet und – nicht zum ersten Mal mit lustigen Vögelpieps-Cartoon-Geräuschen – lang hinschlägt. Schwere Schläge auf den Hinterkopf sind manchmal genau das, was der Onkel Doktor verschrieben hat. Als Kristin wieder zu sich kommt, hat sie nicht nur ein paar Millionen Gehirnzellen weniger, sondern auch einen mittleren Gedächtnisschwund – an Deirdre kann sie sich nicht erinnern, und an so ein entzückendes Kind würde sie sich erinnern, ganz bestimmt! – und einen Personality Change. Gone is the bitch, here is the perfectly good and obedient housewife… aah, the positive messages we’re spreading here…

Gut, damit wäre Richards Zukunft beruflich und ehetechnisch gesichert. Und schon kommt Brendon Moran, um Deirdre abzuholen. Tränenreicher Abschied, aber Moran beglückwünscht die Hexe immerhin zur bestandenen Abschlussprüfung. Aber… naja… auf einmal legt Deirdre da keinen großen Wert mehr drauf. Moran kombiniert richtig – sie will bei Richard bleiben, denn in den bescheidenen 214 Jahren ihres Lebens (!) hat sie noch nie eine solche emotionale Bindung verspürt. Der Meister gewährt den frommen Wunsch, auch wenn Deirdre dafür ihren magischen Kräften ade sagen muss. Und so ist unser Happy End, dass Richard nicht nur ein gehirngewaschenes Stepford Wife hat, sondern auch eine mit ihm nicht verwandte Pseudo-Nichte, die sich unter falschen Voraussetzungen in seine Familie eingeschlichen hat. Ist das nicht HAPPY? HAPPY!!!

Inhalt:

Auf den ersten Blick ist es schon recht komisch – praktisch alle modernen Low-Budget-„New Poverty Row“-Helden, die sich ihren Ruf mit Horror und/oder Sex erarbeitet haben, schufen sich ein zweites Standbein auf dem Gebiet des Kinder-/Familienfilms. Ob das nun Charles Band (dessen PREHYSTERIA!-Reihe, quasi JURASSIC PARK für Kids, zu den kommerziell einträglichsten Unterfangen zählt, die der gute Mann jemals auf die Beine stellte), David DeCoteau (der allein mit seinen Weihnachtsfilmen ganze Fernsehsender allein bespielen kann), sogar Jim Wynorski (der mit LITTLE MISS MILLIONAIRE eine gewisse Jennifer Love Hewitt einem größeren Publikum vorstellte), und natürlich auch Fred Olen Ray, sie alle nutzen die Möglichkeit, die der Familienfilm bietet, um damit sicheres Geld zu machen, womit sie dann ihre ihnen sicher näher am Herzen liegenden Genre-Produktionen finanzieren können. Und wenn man drüber nachdenkt, macht das natürlich schon Sinn, denn so ein Kinder-Familien-Film lässt sich günstig und schnell herstellen, findet garantierte Abnehmer, sei’s mit Fernsehsendern, die „wholesome family entertainment“ brauchen, um damit ihre Sendeplätze zu füllen, sei’s auf dem Videosektor, wo a) Kinder gemeinhin weniger diskriminierend sind, was nicht so spezielle Spezialeffekte oder weniger namhafte Darsteller angeht und b) Eltern, die die Erziehung der Fischkiste überlassen, immer auf der Suche nach anständiger, züchtiger Unterhaltung, vor der man jüngere Familienmitglieder oder auch Freunde setzen kann, ohne Angst haben zu müssen, die lieben Kleinen würden sittlich oder moralisch verdorben. Und natürlich kann man als Filmemacher Cast und Crew, mit denen man gern und regelmäßig zusammenarbeitet, mit zahlenden Jobs versorgen. Und da wir, also wenigstens ich, Leute wie Richard Gabai, Russ Tamblyn oder (lechz) Michelle Bauer (yumyum) ja auch immer wieder gern sehen, haben wir auch als Fans was davon…

Dann also LITTLE MISS MAGIC – Fred hatte sich die Familienfilmhörner schon 1995 mit INVISIBLE MOM abgestoßen, 1998 aber stürzte er sich mit vollem Elan auf das Gebiet – INVISIBLE DAD, MOM, CAN I KEEP HER, DEAR SANTA, INVISIBLE MOM 2, BILLY FRANKENSTEIN, eine ganze Fuhre familientauglicher Unterhaltung kam aus seiner Werkstatt, und nachdem er sich mit Nicholas Medina schon ein Pseudonym für seine Sexfilme zugelegt hatte und seine stock-footage-unterstützten Actionfilme für Wynorski als Ed Raymond filmte, deuchte ihm wohl schicklich, für dieses neue Schaffensgebiet auch wieder ein dezidiertes Pseudonym zu verwenden – Peter Stewart, ein Künstlername, den er aber nur für drei Filme benutzte (mittlerweile filmt Fred fast nur noch unter eigenem Namen, lediglich für seine more risqué T&A-Revuen darf noch Nicholas Medina ran). Das Drehbuch für LITTLE MISS MAGIC durfte Sean O’Bannon verfassen, ein Ray-Stammschreiberling, der u.a. auch TÖDLICHES INFERNO, RAPID ASSAULT, INVISIBLE MOM II oder FINAL EXAMINATION zu Papier brachte.

Man könnte meinen, es wäre nun nicht sooo schwer, einen einfachen, kleinen, gutmütigen Familienfilm mit Fantasyeinschlag zu schreiben, aber O’Bannons Script ist… doof. Man kann’s nicht anders ausdrücken. Es ist schon mal einigermaßen schwer, die Grundsituation als so unerträglich für Protagonist Richard zu sehen – erfolgreich im Job, verheiratet mit Michelle Bauer, und dabei eine Riesennulpe. Ich würd mal sagen, wenn ich als trübe Flachzange wie Richard mit Michellchen verheiratet wäre, dürfte die mich dominieren, wie sie lustig ist, sofern ich ab und zu mit ihr in die Kiste steigen darf. Da bin ich sehr kompromissbereit (allerdings bin ich auch keine trübe Flachzange, newa). Dass sein Leben ein derart grausames Joch ist, das nur durch Magie gerettet werden kann… naja… okay, da ist natürlich der böse böse Plan von Greg und Kristin. Aber der macht natürlich zumindest aus Kristins Sicht keinerlei Sinn. Klar, aus Gregs Perspektive ist’s natürlich schon sinnvoll, Richards Beförderung zu hintergehen, um sich selbst auf den lukrativen Posten zu setzen (erst recht mit den Mafia-Schulden im Hinterkopf), aber wieso muss man Richard erst auf den Posten befördern, nur um ihn dann wieder runterzuschubsen? Greg könnte doch die fingierten Spesenabrechnungen genauso gut schon vor den Verhandlungen mit den Europäern dem Chef zuschanzen, um dann als „next in line“ die Beförderung abzugreifen und die Verhandlungen von Anfang an führen (was, denke ich, auch gegenüber den europäischen Vertragspartnern seriöser rüberkäme als wenn während der Verhandlungen der Verhandlungsführer per Wachmann rauseskortiert wird. Das würde mich als Verhandlungspartner nämlich schon gelinde irritieren). Aber okay, das ist ja noch Kokolores gegen Kristin. Warum, zum Geier, sie sich an diesem Plan beteiligt und was sie sich davon verspricht, ist mir völlig schleierhaft. Wieso manipuliert sie ihren Mann nach allen Regeln der Kunst in die Beförderung, nur um sie ihm dann wieder wegzunehmen? Was, bitte schön, hat Greg ihr dafür versprochen? Es geht um Geld, ja, aber… Greg kann ja maximal nur die Kohle aus der Beförderung rausholen, die auch Richard bekommen hätte, und von der würde sie ja vollständig (und nicht nur anteilig wie bei Greg) profitieren… Wie ich’s dreh und wende, mir fällt kein vernünftiger und auch kein unvernünftiger Grund ein, warum Kristin mit Greg gemeinsame Sache machen sollte (erst recht, da die beiden ja auch keine Affäre haben oder sich sonst irgendwie sonderlich verbunden fühlen. Gut, Greg würde sicher gern mit Kristin, was, her being Michelle Bauer, ja absolut mein Verständnis findet, aber Kristin stellt ja klar, dass sie an Greg persönlich null interessiert ist). Mir ist schon klar, dass man im Bereich Kinder-/Familienfilm Plots eher simpel hält, und man klar zu identifizierende Bösewichter braucht, aber ein bisschen elementare Logik wäre schon schön…

Zumal der ganze Plot auch recht wenig Ansatzpunkte hergibt, um den gewünschten Fantasyaspekt einzubauen. Was *kann* Deirdre denn, eh, realistischerweise mit ihren magischen Kräften anstellen, um den Plot zu beeinflussen? Alles, was wirklich plotrelevant ist, kann genauso gut, wenn nicht einfacher, auch ohne Magie umgesetzt werden (im Endeffekt ist es ja sowieso nur das Reinschleichen in Gregs Büro und das Suchen + Finden der Belege für dessen Schuftigkeit – Greg auf magische Weise dazu zu bringen, seinen Kaffee zu verschütten, erscheint mir als deutlich umständlicher als, wie oben schon gesagt, ein fingierter Anruf o.ä). Was Deirdre mit ihren magischen Kräften tatsächlich tut, ist für die Sache nutzlos – ihre Versuche, Kristin in einen guten Menschen zu erschrecken, sind völlig vergebens - Kristin macht sich zwar ob der Geistererscheinungen ordentlich in den Schlüppi, aber ihre Persönlichkeit ändert das kein Jota (warum auch? Ich vermute, dass O’Bannon auf den Scrooge-Effekt abzielt, aber das funktionierte beim ollen Ebenezer ja auch nur, weil man ihn nicht einfach ins Bockshorn gejagt hat, sondern ihm einen klaren und eindeutigen Kontext für den Spuk geliefert hat, der ihn dann läuterte. Dass einfach nur BUH! machen nicht reicht, sollte eine Hexe, die ja ganz augenscheinlich schon ordentlich Erfahrungen mit der Hexerei gemacht hat, durchaus kapieren) -, und den Schutzzauber bekommt sie ja nicht fertig, weil sie durch Mrs. Kenner gestört wird (wobei natürlich schon die Frage gestellt werden kann, wieso sie den Zauber nicht einfach noch mal wirkt). Das magische Herbeizaubern der Bananenschale, die Kristin dann in ein vermutlich unterwürfiges Hausfrauchen verwandelt, mag ich nicht wirklich pro Deirdre zählen, denn das ist ein amtlicher Fall von mutwilliger Körperverletzung…

Die einzige Person, der Deirdre mit ihrer Magie wirklich hilft, ist Jenny, und auch da ist’s moralisch eindeutig zweideutig… neben dem Arrangieren eines Dates mit dem Football-Star (alte Regel: Jungs und Männer dürfen jederzeit in Beziehungen, die sie eigentlich nicht wollen, manipuliert werden, umgekehrt wäre das mindestens einen #aufschrei wert; andererseits… damit, dass Kristin am Ende in die Spur gebracht wird, gleicht Fred sein Karma zwischen Männer- und Frauenfeindlichkeit wieder aus)“hilft“ sie Jenny noch beim Lernen für eine Schulprüfung, indem sie ihr das notwendige Wissen per Zauberei in den Schädel pflanzt. Auch das sicher eine wertvolle Botschaft für den Nachwuchs – Schummeln ist immer gut, würdig und recht, wenn man ein nette Person ist.

Wir haben’s sicher festgestellt – LITTLE MISS MAGIC ist für eine Familien-Fantasy-Komödie weder besonders lustig, fantastisch noch „familienfreundlich“ (ein Domina-Witz? Really?) Die „Familie ist toll“-Botschaft rumpelt und quietscht schon ziemlich vernehmlich, wenn man sich vor Augen führt, dass Deirdre sich eigentlich recht parasitär in Richards und Kristins Leben drängt (es ist nicht so, als ob die Piersons da wirklich vor eine Wahl gestellt würden, und, ich wiederhole mich, Deirdre IST NICHT WIRKLICH Richards Nichte, sondern eine Hexe, mutmaßlich mit einer eigenen Familie – da auch Hexen vermutlich nicht aus der hohlen Hand heraus entstehen); die Gags sind nicht wirklich großartig funny (die einzigen wirklich guten Jokes hat Mr. Kenner, wenn er über seine neugierige Alte herzieht), und der fantastische Aspekt, die Magie und die damit idealerweise verbundenen Visual FX, bleibt ziemlich mau. Der „beste“ Effekt ist Deirdres Geist (der aber nun auch nicht wirklich viel zur Sache tut), und der ist für einen an Kinder gerichteten Film schon wieder fast zu gruslig, ansonsten gibt’s ein paar halbseidene Digitaleffekte für die eingesetzte Magie, und die sehen halt ungefähr so aus, wie halbseidene Digitaleffekte in einem Low-Budget-Filmchen von 1998 so aussehen.

Die Kameraarbeit von Howard Wexler (David DeCoteaus Stamm-DOP, wobei Gary Graver wohl auch ein paar Szenen fotografiert hat) ist unspektakulär, aber brauchbar, der Score von Chuck Cirino typisches 90er-Billighobel-Synthigedüdel.

Auf Darstellerseite ist Ted Monte ein recht trauriges Beispiel für einen Hauptdarsteller – gut, natürlich ist es in gewisser Weise auch beabsichtigt, dass seine Figur eine ziemliche Trantüte ist, der sich von allem und jedem auf der Nase herumtanzen lässt, aber Monte ist beim besten Willen nicht mehr als ein Körper, der dafür sorgt, dass seine Klamotten irgendwie rumlaufen können (schon in ATTACK OF THE 60-FOOT-CENTERFOLD war er ein äußerst trüb funzelnder romantic lead). Comic timing hat er nicht, aber er hat auch nix speziell Lustiges zu spielen. Michelle Bauer HAT comic timing, das hat sie immer wieder unter Beweis gestellt, aber auch sie hat nicht wirklich witziges Material zur Verfügung. Immerhin – sie hat kein Problem damit, sich zur Witzfigur zu machen und mit lustigen Soundeffekten gegen Wände zu laufen oder auf Tische zu fallen. Kudos. Vanessa Koman als Deirdre… well, Stammleser wissen, dass ich grundsätzlich mein Problem mit Kinderdarstellern habe, wobei Koman ja immerhin 14 war, also fast schon ein richtiger Mensch. Trotzdem, sie ist ziemlich furchtbar. Man muss sicher schon ordentlich suchen, bis man eine Teenie-Darstellerin findet, die mit weniger Ausstrahlung und Screenpräsenz gesegnet ist als Koman, da hatte Wynorski mit Jennifer Love Hewitt schon deutlich mehr Glück.

Man erfreut sich daher am besten an den Gastauftritten von Ray-Helden und –Regulars. Russ Tamblyn hat zwar nur drei Szenen als Brendan Moran, aber in denne ist er ganz sein charmantes Schlangenöl-Salesman-Selbst, Tommy Kirk hat, wie schon angedeutet, als Mr. Kenner die besten Gags, Richard Gabai und Peter Spellos sind Ray-Spezis, die man auch in weniger substantiellen Parts immer wieder gern sieht. Kim Ray ist zwar vollkommen untalentiert, aber ich bin einigermaßen zuversichtlich, dass Ray sie nicht ihrer schauspielerischen Fähigkeiten wegen vor den Standesbeamten gezerrt hat. Steve Scionti ist ein angemessen schmierlappiger Greg und Arthur Roberts ist passabel als Mr. Vaughn (wobei ich fast wetten möchte, dass Fred gehofft hatte, für den Part auch einen etwas namhafteren Akteur verpflichten zu können, es ist so eine typische „insert-name-actor-here“-Rolle).

LITTLE MISS MAGIC streamt auf amazon prime. Der 4:3-Print ist erträglich, aber nicht sonderlich dolle, die Farben sind recht blass. Die deutsche Synchro ist ziemlich gut und erstaunlich prominent besetzt.

Langer Rede kurzer Sinn – LITTLE MISS MAGIC ist nicht der Film, den ich meinem hypothetischen Nachwuchs vorsetzen würde, damit der sich amüsiert. Weder als Familienfilm noch als Fantasyfilm noch als Komödie funktioniert der Streifen wirklich. Er ist für sein geringes Budget so ordentlich gemacht wie man es erwarten kann, aber er hat keine echten Höhepunkte und plätschert ohne große humoristische Glanzleistungen vor sich hin. Das ideale Publikum für diesen Film ist fraglos eines, das aus Fred-Olen-Ray- und/oder Michelle-Bauer-Fans besteht – dann kommt man zumindest mit einer Parade seiner Stammkräfte und einer engagierten Bauer-Performance (wenn auch einer bekleideten) auf seine Kosten…

©2020 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 6

BIER-Skala: 4


mm
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