Die Erbin von Camelot

 
  • Deutscher Titel: Die Erbin von Camelot
  • Original-Titel: Die Erbin von Camelot
  •  
  • Regie: Phil Fox (Gesamtleitung)
  • Land: Deutschland
  • Jahr: 2006
  • Darsteller:

    Abt. Dipl.-Rev. (GER) [wtf? wrxl brrrmbl??? – der Lektor]

    Wie wär´s zur Abwechslung mal wieder mit einem Review, das nur unfair werden kann? Wie? Immer druff? Dachte ich´s mir doch.

    Unser heutiger Film, der sich gegen die Rezension nicht wehren kann, ist deswegen eigentlich unqualifiziert für hiesige Seiten, weil unkommerziell, ein Kursprojekt einer Musikschule (wenn ich das richtig erinnere) und für Normalsterbliche wie den gemeinen Durchschnittsleser schlichtweg nicht erhältlich. Da mich aber einer der unmittelbar am stolzen Werk Beteiligten dringlich um eine anscheinend gebotene Verhackstückung ersuchte, breche ich mal die selbstaufgestellten Regeln und bespreche wunschgemäß.

    Die Vorgeschichte ist schnell erzählt (hauptsächlich deswegen, damit das Vorwort nicht länger wird als das Review, denn viel mehr als fünfzehn Minuten gibt das Magnum Opus nicht her): die Musikschule Rendsburg bot einen Kurs „Filmemachen für Anfänger“ (o.ä.) unter der Leitung eines, hust-hust, renommierten amerikanischen Regisseurs an, einige Menschen waren vertrauensselig genug, für die Mitwirkung an diesem Kurs den ein oder anderen € hinzulegen und nach ein paar Wochen harter Arbeit kam dann Die Erbin von Camelot dabei raus. Was, so zumindest meine Insider-Quelle, wohl einmal mehr belegt, dass man solche Angebote tunlichst prüfen sollte, bevor man drauf reinfällt.

    Aber okay – wir sind ja unvoreingenommen wie immer (hehe), geben jedem Schwachsinn eine Chance und drücken daher auf PLAY. Wie schmerzhaft können die 15 Minuten schon sein?


Vorwort

Hm, vielleicht doch schmerzhafter, als man glaubt, denn wenn jemand glaubt, für seinen Viertelstünder zwecks besseren Verständnisses der sich nachfolgend abspielenden Plotte einen länglichen opening-text-crawl zelebrieren zu müssen, hat vielleicht nicht ganz realisiert, was ein Kurzfilm kann und was nicht – und in letztere Schublade fällt zweifellos das Thema „epische Fantasygeschichte“.

Nichtsdestotrotz steht uns solches bevor… okay, also ab in die tiefste angelsächsische Vergangenheit. Morgana, die böse Hexe, und ihr nicht minder verachtenswerter Sohn Mordred, fochten ein kleines Sträußchen mit dem Tafelrundenvorsteher Artus aus. Weil letzterer aber vom Magier Merlin unterstützt wurde und noch dazu mit dem Zauberschwert Excalibur eine nicht zu verachtende Offensivwaffe sein Eigen nennen konnte, sah sich Morgana dazu veranlasst, ihrem Junior einen äquivalent bösen Kartoffelschäler zu stricken – kreativ, wie Frauen nun mal sind, taufte sie den Zahnstocher auf den Namen „Incalibur“ (öh, äh, also, wie sag ich´s… der Part scheint mir dann doch eher eine eher freie Bearbeitung der Artussaga zu sein. Incalibur? Nie gehört…). Die diversen Calibur-Schwinger brachten sich der guten Ordnung halber gegenseitig um, wonach, dem allgemeinen Regelbuch für mythologische Sagenausgänge, die Guten offiziell gewonnen hätten (zumindest der Doppelkill entstammt der klassischen Legende [Artus starb allerdings nicht, sondern verschwand auf Avalon… – der Lektor]). Morgana, typisch Weib, ist ´ne extrem schlechte Verliererin und entwirft einen neuen Plan zur Erringung der Weltherrschaft. Der ist ganz simpel: einfach so stückers fuffzehnhundert Jahre in die Zukunft reisen, einen Nachfahren Mordreds ausfindig machen (der auf den diabolisch-furchteinflößenden Namen „Thorsten“ hört. I´m scared already [Immer noch besser als Klaus-Rüdiger oder Jochen Bärbel… – der Lektor]), damit der die entsprechende Artus-Nachfahrin Alice platt macht und damit der Boden für eine wunderbare Schreckensherrschaft des Bösen an und für sich bereitet wäre (hm, da fällt uns natürlich der obligatorische Flaw einer Zeitreisegeschichte auf: wenn sie schon kreuz und quer durch die Zeiten reisen kann, warum nicht einfach ein paar Tage zurück zum Duell Artus-Mordred und verhindern, dass der Junior gemeuchelt wird? Und wieso muss sie gerade ins 21. Jahrhundert, um DIESE beiden Nachfahren zu finden? Gab´s die Jahrhunderte zuvor keine passenden? [Zu 1: Hast du 12 Monkeys nicht gesehen? Zu 2: Vielleicht waren alle anderen Artus-Juniore Kerle und sie dachte sich, mit Frauen leichteres Spiel zu haben… – der Lektor]).

Von dieser ganzen Backstory dürfen wir selbstverfreilich nix sehen, sondern sie nur lesen, wozu ein schauerliches Knarren von der Tonspur knarzt (ich dachte zuerst, die VCD wäre im Eimer, aber das ist, warum auch immer, wohl so beabsichtigt). Dann kommt der Vorspann und dem entnehmen wir, dass der verantwortliche Spielleiter ein gewisser Phil Fox ist, seines Zeichens nicht nur Regisseur, sondern Diplom-Regisseur (USA). Müsste man den kennen? (Der einzige Phil Fox, der in der IMDb mit einem Director-Credit ausgestattet ist, spielte in Cabin Fever den „Evil Deputy“. An meine ominöse Quelle – isser das?). Und dann noch Diplom-Regisseur. USA sogar. Meine Fresse. Ich liege ergriffen unter meinem Wohnzimmertisch (sag mal, wie verzweifelt muss man sein, um sich in einem besseren VHS-Film SO selbstdarzustellen?).

Danach gibt sich der Film weiter alle Mühe, sich nach Möglichkeit zu killen. Weitere wesentliche Informationen werden uns nämlich textmäßig über eine Scrollleiste am unteren Bildrand vermittelt (und jeder, der mal versehentlich bei N-TV oder N24 reingezappt hat, weiß, dass es quasi unmöglich ist, sich gleichzeitig auf einen unten durchlaufenden Text und das Bild obendrüber zu konzentrieren. Hat schon seine Gründe, warum normale Untertitel statisch eingeblendet werden). Na gut, ich versuch´s trotzdem. Laut dem Scrolltext wüten Morgana und Mordred (äh, sorry, aber ich dachte, der wäre tot? Von Artus gekillt? Hallo?) durch die britische Prärie und scheuchen mit ihren finsteren Vasallen ein paar peasants durchs Gehölz (schön, dass der Film also offensichtlich mit Ereignissen einsteigt, die VOR dem Opening Crawl passieren. Und der Kerl hat ein Diplom? Höchstens von der Lloyd-Kaufman-Hochschule). Die Bauern und Bäuerinnen fliehen in ein Kastell. The scene is officially pointless, weil Morgana nix besseres zu tun hat, als im nächsten Moment das Zeitportal (einen dieser Plasma-Effekte, die einen vor 15 Jahren aus den Schuhen gehauen hätten, die aber heute jedes Shareware-Videobearbeitungsprogramm serienmäßig drauf hat) zu öffnen und sich ins 21. Jahrhundert zu beamen (Mordred darf nicht mit, weil sich wohl inzwischen jemand daran erinnert hat, dass der Knabe eigentlich längst abgekratzt ist)…

Also ab in unsere Gegenwart. Bekanntlich manifestieren sich Nachfahren von bekannten mythologischen Figuren in norddeutschen Kleinstädten… Alice latscht gerade mit ihrem Boyfriend durch eine Einkaufspassage und streitet (in bewährt grottigem Amateurfilmton). So, wie sich die Sachlage darstellt, ist er der unmaßgeblichen Ansicht, dass sie nicht jedem hergelaufenen Kerl auf den Arsch stieren soll, sie dagegen glaubt, dass ´n bisschen Kucken noch keinem geschadet hat (wenn ein Mann das machen würde, also anderen Frauen als der eigenen auf die Anatomie zu glotzen, puh, dann wäre aber Polen offen). Die Standpunkte sind diametral entgegengesetzt und da keine Partei kompromissbereit ist, erklärt der (wohl als unsympathischer Macho gedachte) Boyfriend die Beziehung an Ort und Stelle für beendet [Ich mag ihn. – der Lektor]. Da kuckt se doof, die Artusine.

Der zukünftige böse Weltherrscher ist, ha-welch-lustige-ironische-Brechung, ein brilletragender Vollnerd, der in seinem Studentenwohnheim für Vertreter seiner Spezies völlig untypische Aktivitäten entfaltet – er lernt und hackt dabei gleichzeitig auf eine mechanische Schreibmaschine aus dem Jahr 1743 (noch´n bisschen älter und auf dem Ding hätte schon Mordred seine Instruktionen persönlich getippt). Konzentrationsabträglich ist allerdings die laute Mucke aus der Kemenate gegenüber, bewohnt vom lokalen Pseudoheadbanger-Dormitory-Flurterroristen, der Thorstens schüchtern geäußerte Bitte nach geringfügiger Lautstärkereduktion zu seinem größten Bedauern abschlägig bescheiden muss. Tja, das Leben… eins der härtesten.

Die Erfahrung macht auch gerade Alice, die ihren Lebensunterhalt in einem Spielzeugladen (hoho, hohe inside-joke-Kunst… sie stapelt gerade Playmobil-König-Artus-Sets ins Regal) verdient. Oder eher nicht, denn einer Kundin, die sich sachdienliche Einkaufsratschläge erhofft, eröffnet sie mehr oder weniger direkt, dass sie derartige Ansinnen doch bitte einer Parkuhr erzählen möge, jedenfalls nichts sie damit belästigen soll. Hier ist halt nicht der Kunde König, sondern der Angestellte. Zumindest Nachfahrin eines Königs. Davon weiß Alice allerdings noch nix, und selbst wenn, es würde ihr wohl wenig helfen. Ihre Chefin jedenfalls hat den Vorfall bemerkt und stellt die kratzbürstige Untergebene zur Rede. War wohl nicht der erste Aussetzer dieser Art, weswegen die Chefin eine mündliche Abmahnung mit Kündigungsandrohung ausspricht (hm, ich hab wohl doch zuviel Zeit meines Lebens mit Arbeitsrecht verbracht). Alice mault ob dieser bodenlosen Ungerechtigkeit blöde nach und wird daher mit Fug, Recht und sofortiger Wirkung gefeuert. Moment, jetzt nur mal, damit ich das richtig verstehe. Alice soll die mir sympathische Heldin und Thorsten der zu verdammende Schuft sein? Bisher bin ich geneigt, Thorsten anzufeuern…

Alice, der an diesem Tag nun so viel Unrecht widerfahren ist, wird daher von ihrer WG-Genossin erst mal zu einem Drink oder siebzehn eingeladen, dieweil sich bei Thorsten unerwarteter Besuch materialisiert – Morgana, seine Ur-Ur-Ur-usw.-Oma, die aber die komplizierten Verwandtschaftsverhältnisse außer Acht lässt und Thorsten lieber weismacht, er sei „der Auserwählte“, um die Welt in ein Zeitalter der Finsternis zu geleiten. Thorsten guckt dämlich: „Ich will aber nicht, ich bin doch Pazifist!“ Gut, das bin ich auch, aber wenn das Angebot plausibel ist, bin ich bereit, meine Grundsätze zu überdenken… Thorsten braucht allerdings noch mehr Überredung. Morgana berichtet von Incalibur und der anstehenden Aufgabe, die Nachfahrin von Artus zu keulen. „Ich kann das doch nicht,“ greint Thorsten, der gerade heftig daran arbeitet, die mühevoll gesammelten Sympathiepunkte wieder wg. Weinerlichkeit wegzuwerfen.

Alice & Co. kehren von der Sauftour zurück und finden in ihrer Wohnstube einen dort unrechtmäßig auf dem Sofa parkenden Kapuzenheinz. Alice, durch Alkoholisierung wohl von jeglicher Hemmschwelle befreit, zückt ein Messer und deutet an, dieses auch benutzen zu wollen. Kapuzenheinz, selbstverdingens niemand anderes als der große Merlin himself, hext ihr den Spicker mit einer magischen Handbewegung aus der Flosse. Alices Freundin rät nun doch dazu, die Grünuniformierten zu rufen. Merlin faselt von einer „Bestimmung“, und Alice gibt ihm eingeschränkt Recht – ihre Bestimmung sei es, führt sie aus, die Bullen zu rufen und den Spinner, der nachts in anderer Leute Wohnungen einbricht, hops nehmen zu lassen. Merlin beweist seine Omnipotenz dadurch, per billigem Schnitt-Effekt in der Wohnung herumzuteleportieren und ist echt angefressen: „Niemand hat Merlin bisher einen Spinner genannt! (Insert your own „da-wird´s-aber-echt-Zeit-Joke“ right here). „Wow, der Merlin!“, haucht die offenkundig etwas belesenere Freundin unserer Heroine ergriffen und schmilzt beinahe zu einer Pfütze bewundernden Ektoplasmas zusammen (man verzeihe mir, wenn ich Metaphern benutze, die so klingen, als könnte der Film halbwegs interessant sein), sofort und auf der Stelle von der Wahrheit der Namensbehauptung und der Aufrichtigkeit ihres Verkünders überzeugt. Merlin erklärt geduldig, dass Alice ihn nun dringend nach Avalon begleiten müsse, öffnet ein entsprechendes Dimensionsportal und zerrt die staunende Tussi mit sich. „Ich will mit“, kreischt die Freundin (dieses Jahr noch nicht in Urlaub gewesen? [zu viel Bradley gelesen und jetzt der Meinung, da hätten Frauen die Hosen an? – Macholektor]). Wider besseres Wissen lässt der Magus sich erweichen.

Morgana wendet andere Methoden auf – sie rhabarbert einfach einige böse-dämonische Zaubersprüche und ratzfatz transformiert der Geek, der vermutlich noch nicht mal ´ne Hausstaubmilbe einatmen würde, in eine Kampfmaschine des Todes. Ja, gut, er sieht noch genauso aus wie vorher, aber dafür hat er jetzt den lächerlichsten aller jemals von mir gehörten „Muwa-ha-haa“-Schurkenlacher drauf. Ist doch auch was. Seine neu errungenen Evil-Inc.-Fähigkeiten nutzt er, weil ein bissl nachtragend ist er dann doch, dazu, seinen nervenden Korridornachbarn gar bösartig zu schubsen. Wowinger, wenn der Knabe nicht der personifizierte Gottseibeiuns ist…

Wenig später joggen beide Parteien (das Böse hat´s wie üblich besser, die haben Zossen unterm Hintern) durch die Wälder von Avalon. Das Blöde an magischen Schwertern nämlich ist, nicht, dass uns der FILM das erklären würde, dass nicht jeder Hinz & Kunz sie mit sich rumtragen kann, nein, da muss man schon der sprichwörtliche Auserwählte ´für sein, und deswegen müssen sowohl Thorsten als auch Alice erst mal ihre Brotmesser suchen und finden. Morgana motiviert ihren Schützling – wenn Incalibur in seinen Pfoten ist, stehen frohsinnigen 1000 Jahren Finsternis nichts mehr im Wege. Für die gute alte „Schwert-im-Stein“-Nummer hat´s aber (budgettechnisch, vermute ich) nicht gereicht (und wir vergessen auch mal, dass nach der Artus-Sage Excalibur auf Artus´ Wunsch in einem See versenkt wurde) – beide Zauberteile stecken friedlich im Waldboden, jeweils flankiert von zwei Gartenpartyfackeln aus´m OBI für 2,99/Dutzend. Die zukünftigen Kontrahenten eignen sich die jeweiligen Schwerter an und Thorsten demonstriert schwertrüttelnderweise nochmals seinen gefürchteten „Wäääh“-Kampfschrei.

Ohne weitere Umstände laufen die Gruppen sich über den Weg, es kann somit zum höhepunktenden Duell geschritten werden. Jouhou, finest swordplay choreography! Ich weiß, unfair, man soll über Leute, die wahrscheinlich noch nie im Leben etwas größeres als ein Tranchiermesser in der Hand gehabt haben, nicht richten, aber… es hat vielleicht auch seine Gründe, warum man solche Scherze Profis überlassen sollte (oder zumindest ein Weilchen üben). Während Thorsten wenigstens viertelwegs so aussieht, als wüsste er ungefähr, wie man mit so einem Langschwert umgeht, ist Alicens Schwertführkunst mit dem Wort „jämmerlich“ umfassend umschrieben – es ist ersichtlich nur dem Willen der Autorenschar und des Regisseurs geschuldet, dass Thorsten nicht innerhalb weniger Sekunden Alice in handliche Einzelteile filettiert (oh, Artus, deine Urenkelin ist eine echte Enttäuschung).

Im Kampfverlauf musste ich dann doch einmal heftig lachen – zwecks gesteigerter dramatischer Wirkung wird nämlich eine Szene (Thorsten drängt Alice gegen einen Baum und es gelingt ihr gerade so, den Kopf einzuziehen, bevor er ihr mit Incalibur einen tiefen Scheitel zieht) in Zeitlupe serviert. Allerdings ist Jess-Franco-Zeitlupe. D.h. nicht etwa technische Mittel sorgen für den beabsichtigten Verlangsamungseffekt, sondern die Darsteller TUN einfach so, als wäre es Zeitlupe. Immer wieder hochgradig erheiternd…

Egal. Das Drehbuch will es so, völlig unrealistischerweise kriegt Alice Oberwasser und schafft es, Thorsten gar prutal auf den Poden zu chleudern und ihn ganz sanft mit der Klinge (ihres seltsamerweise kettensägenartig gezackten) Schwerts die Wange zu tätscheln (und das rechtfertigt einen der zwei optischen Einfälle dieses Films – Farbverfremdung. Der andere ist ein Experiment in Sachen gekippter Kamera in der gleichen Kampfszene). „Hab ich jetzt gewonnen?“, strahlt sie Merlin an (nicht mal nach Judo-Regeln, Baby). Hat sie auch nicht, denn Thorsten rappelt sich auf, durchbohrt Alice fieserweise von hinten (wie gemein. Und Ihr glaubt nicht im Ernst, dass wir da einen „Effekt“ zu sehen bekämen) und versetzt der Zusammenklappenden durch die bewährte Technik des „ganz-knapp-Danebenstechens-damit´s-fast-so-aussieht-als-würde-man-wirklich-treffen“ den Todesstoss. Sieg für die Bösewichter (ich bin halbwegs versöhnt!)! „Das Böse siegt immer“, klaut Thorsten E.A.V.-Kalauer und kann sich einen seiner immer noch nicht unpeinlicher wirkenden „wu-ha-haas“ nicht verkneifen. Merlin und Alicens Freundin sind schwer schockiert.

Der Erzähler offenbar auch, denn der labert nun pseudophilosophischen Mumpitz über die „Orientierungslosigkeit“ der „modernen Gesellschaft“, die irgendwie-oder-so an dem ganzen Schlamassel Schuld sei (höchstens daran, dass jeder hergelaufene Ami hier so tun kann, als könnte er Leuten was über´s Filmemachen beibringen), und die Wiederherstellung von Recht und Ordnung noch in weiter Ferne liege… Fortsetzung folgt! Das fasse ich als Drohung auf…

Ok, ich will mich bemühen, sachlich zu bleiben – ich weiß nicht, wie das Kursprofil aussah, ob die Beteiligten Vorkenntnisse mitbringen sollten, inwieweit die Drehbuchidee gemeinsam entwickelt wurde etc. Aber da geht´s schon mal los – wenn ich als Ziel der Übung habe, einen knapp viertelstündigen Kurzfilm zu drehen, sollte ich als Kurs- und Spielleiter den Enthusiasmus meiner Schützlinge schon insofern bremsen, als ich klar stelle: epische Fantasy in fuffzehn Minuten und für quasi null Öre – das geht nicht. Wenn ich am Ende eines Kurses ein vorzeigbares Resultat haben will, müssen „Wollen“ und „Können“ (auch wie in „leisten können“) Kompromisse schließen – d.h. als Story sollte ich mir etwas aussuchen, was ich in 15 Minuten auch komplett und umfassend erzählen kann und nicht eine Geschichte, bei der ich schon mal zwei Minuten mit einem Textcrawl für die Hintergründe verbrauche und dann noch mit einem „Fortsetzung folgt“ aussteigen muss, weil´s für mehr nicht reicht.

Die Storyidee an sich ist recht nett – klar, gewinnt keine Originalitätspreise und laboriert wie alle Zeitreisegeschichten an dem ein oder anderen Plothole, wäre aber ganz tauglich, wenn sie nicht künstlich auf das Kurzfilmformat eingedampft hätte werden müssen. Dadurch muss nämlich alles, was an einer solchen Plotte grundsätzlich reizvoll ist, mehr oder weniger komplett unter den Tisch fallen – Morgana und Merlin haben keine Anpassungsschwierigkeiten an das 21. Jahrhundert, umgekehrt auch nicht Alice und Thorsten mit dem Frühmittelalter, ein-zwei Taschenspielertricks seitens der jeweiligen Magier, und ihre Zielpersonen sind von der Sache überzeugt… all das, was an filmenswert-unterhaltsamem Potential in der Geschichte vorhanden ist, kann aus schlichten Zeitgründen nicht umgesetzt werden. Die Dialoge sind mäßig bis unfreiwillig lachkrampferregend („Wow, der Merlin!“ – lediglich Merlins entrüstetes „Niemand hat Merlin einen Spinner genannt“ hat mich mal MIT dem Film und nicht über ihn lachen lassen. Wenn´s denn lustig gemeint war…).

Ein großes und auch schon oben in der Inhaltszusammenfassung erwähntes Problem ist, dass die nominelle Heldin, eben Alice, im Endeffekt wesentlich unsympathischer rüberkommt als der „Böse“. Alice ist eine arrogante Mistzicke (tschuldigung) und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es scriptseitig durchaus so gewollt ist, dass sie im Laufe ihres Abenteuers sozusagen ihre Lektion in Demut erhält und zu einem positiven Charakter wird, aber auch dafür hätte der Film dann etwas mehr Zeit gebraucht. Im fertigen Film ist Alice eben die blöde Kuh, die aus unerfindlichen Gründen im Auftrag des Guten unterwegs ist, in Nullkommanix von den Mächen des Bösen planiert wird und wir als Zuschauer finden das voll und ganz in Ordnung so. Ich fürchte, DAS war nicht die Intention. Dagegen ist Thorsten, der „unterdrückte“ Nerd, der erstmals in seinem Leben die Chance hat, es seinen „Peinigern“ zu zeigen (auch wenn der Gipfel der Peinigung darin besteht, dass sein Zimmernachbar sich weigert, die Lautstärke runterzudrehen. Und das noch nicht mal auf gewalttätige Weise), schon richtig gut geschrieben…

Filmisch-technisch bewegt sich das Werk auf dem schon fast bedenklichen Niveau einer * wirklichen * Amateurprduktion Marke „wir schnappen uns ´nen Camcorder und filmen mal drauf los“. Dagegen sehen sogar Schnaas-Machwerke wie Richtiges Kino TM aus. Von irgendwelcher beabsichtigter Bildkomposition kann nicht die Rede sein, die Kameraeinstellungen sind einfallslos (bis auf die eine gekippte Einstellung), der Schnitt eher rumpelig, die Farbverfremdung im Showdownkampf ist affig, und „Tempo“ verschafft sich der Streifen nur durch das Hin- und Herwechseln zwischen den beiden „Plotlines“ Merlin/Alice und Morgana/Thorsten. Die Choreographie des Schwertkampfes zwischen Alice und Thorsten fällt in etwa so aus, wie man es erwarten kann, wenn die Kombattanten (vermutlich) zum ersten Mal in ihrem Leben so´n Teil in der Hand haben. Für die „Zeitlupenszene“ verdient sich Phil Fox die Goldene Jess-Franco-Medaille aus wiederverwertetem Weißblech. Wer Menschen, die etwas über das Filmemachen lernen wollen, ernsthaft beibringen will, es wäre ein probates Mittel, Zeitlupenszenen unaufwendig durch laaangsaaameeeer spiiiiieeeeleeeen zu simulieren, sollte sein Diplom schleunigst wieder an den Absender zurückschicken. Selbstredend weist der Film keinerlei vernünftige Dramaturgie auf (wobei das bei Kurzfilmen ja wesentlich einfacher ist als bei Abendfüllern), sondern hangelt sich nur mühselig zu seiner Pointe.

Einen Ed-Wood-Anerkenntnispunkt bekommen die improvisierten Mittelalter-Statisten-Kostüme in der opening scene auf (Merlins Lammhaarrheumadeckenkapuzenmantel dagegen… najaaaa, den hat man sich wohl bei einem wohlmeinenden Kapuzinerkloster ausgeliehen [oder bei örtlichen Liverollenspielern. – der Lektor]), die musikalische Untermalung ist bis auf das dissonnante Geknarze zwischen Textcrawl und Vorspann akzeptabel.

Die Schauspieler erwähne ich aus Gewissensgründen nicht namentlich, stelle aber zumindest fest, dass Regisseur Fox von „Schauspielerführung“ auch keine Ahnung hat. Sonst würde er nämlich Thorsten dazu raten, seine lächerliche Madman-Lache nicht überzustrapazieren und Alice empfehlen, ihren Charakter etwas more likeable anzulegen (das könnte man schaffen, ohne gänzlich auf den „Zicken“-Typus verzichten zu müssen). Merlin versteckt sich unter seinem Umhang, Morgana bemüht sich wenigstens, so etwas wie eine larger-than-life-Performance hinzulegen.

Der Film ist, wie gesagt, nicht offiziell erhältlich und das, liebe Freunde, ist auch gut so, denn in seiner vorliegenden Form ist „Die Erbin von Camelot“ nur das Testament eines offensichtlich unfähigen Filmemachers, der von den Grundbegriffen der Materie, zumindest nach dem, was ich in DIESEM Film sehe, weniger Ahnung hat als die allermeisten Amateurfilmer der Unterklasse. Die weiteren Beteiligten spreche ich von der Schuld frei, sie richteten sich ja, in der irrigen Annahme, ihre Anweisungen von jemandem entgegenzunehmen, der sich mit der Filmemacherei auskennt, lernwillig nach dem, was Fox ihnen vorgab, aber summa summarum ist der Streifen selbst oder gerade für das Resultat eines kostenpflichtigen Filmworkshops ein Debakel. Hoffentlich klagen die Kursteilnehmer ihre Gebühren wieder ein…

(c) 2007 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 9

BIER-Skala: 3


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