Devil’s Playground


  • Deutscher Titel: Devil's Playground
  • Original-Titel: Devil's Playground
  •  
  • Regie: Mark McQueen
  • Land: Großbritannien
  • Jahr: 2010
  • Darsteller:

    Danny Dyer (Joe), Craig Fairbrass (Cole), Sean Pertwee (Rob), MyAnna Buring (Angela), Lisa McAllister (Kate), Craig Conway (Steve), Jaime Murray (Lavinia), Shane Taylor (Geoffrey), Del Henney (Dr. Brooke), Colin Salmon (Peter White)


Vorwort:

Die Zombie-Apokalypse mal wieder… schuld ist dieses Mal ein britischer Pharmakonzern, der an 30.000 freiwilligen Probanden mit einem neuen leistungssteigernden (sprich: Doping-)Präparat herumexperimentiert hat. Das wäre an und für sich nur für die Anti-Doping-Agenturen der Welt von besonderem Interesse, blöderweise haben sich inzwischen von den 30.000 Versuchskaninchen 29.999 in praktisch unkontrollierbare, superstarke und -schnelle sowie selbstredend auch hyperaggressive, um sich beißende und infektiönse Pseudo-Zombies verwandelt. Nur von einer einzigen Kandidatin snd keinerlei Risiken und Nebenwirkungen überliefert – was auch daran liegen kann, dass der allmächtige Konzern trotz seiner schwerbewaffneten und mit allen Wassern gewaschenen Sicherheitsbrigade, verkörpert durch deren Chef Cole, nicht wirklich eine Ahnung hat, wo Angela, so heißt die Gute, sich rumtreibt. Angela hat sich nämlich total zurückgezogen, um in aller Ruhe damit fertig zu werden, dass ihr Boyfriend Joe, seines Zeichens Cop, bei einer Verhaftung einen jugendlichen Crack-Junkie totgeballert und dafür, um der öffentlichen Meinung genüge zu tun, langfristig hinter schwedische Gardinen einfahren soll. Ihre Freunde empfehlen ihr, die Beziehung zu Joe zu terminieren, der selbst, von seinem Bruder Steve kautionstechnisch vorläufig auf freien Fuß gebracht, hat eher gegenteilige Pläne. Aufgrund widriger Umstände, die primär daraus resultieren, dass London inzwischen der titelgebende „Spielplatz des Teufels“ geworden ist, treffen sich die diversen Parteien (also Joe und Steve, Angela und ihre beste Freundin Kate, Cole sowie ein amerikanisches Touristenpärchen) in Steves etwas abgelegener Autowerkstatt. Nachdem sich schnell herausstellt, dass Verbarrikadierung und Hoffen auf ein erfolgreiches Aussitzen der ganzen Chose keine wirkliche Option darstellt, bieten sich zwei Alternativen an: ein alter Kollege Joes hat a) einen Hubschrauberschein und b) auch einen dazu passenden Helikopter, mit dem man gen zombiefreie Zone luftquirlen könnte, andererseits ist Angela als einzige Immune gegen die Droge und ihre Infektion die singuläre Hoffnung auf ein Heilmittel, und an dem wäre Cole nicht nur aus philanthropischen, sondern auch aus zutiefst egoistischen Gründen interessiert, ist er doch selbst vom wilden Affen gebissen und hält sich nur durch die drei letzten Dosen eines zumindest temporär wirkenden Antidots aufrecht. Während sich Joe und Cole um die Alphamännchen-Position kabbeln, säen die Yankee-Touris Zwietracht, die haben sich nämlich längst ausgerechnet, dass der Hubschrauber nicht für alle Platz bietet und sie im Zweifelsfall als „Fremde“ die Angeschissenen sind…

Inhalt:

Der Low-Budget-Zombieklopper ist einfach nicht totzukriegen (klar, geht ja um Untote, höhö) – klar, dass auch im ’10er-Jahrgang des FFF ein paar blutrünstige Gesichtsentgleiste rumturnen müssen, zumindest aber, und das ist ja inzwischen schon fast wieder ein Anerkenntniskärtchen wert (wenn auch nur ein kleines) auf absolut unironische Weise. Der Debütfilm von Mark McQueen (dessen bisherige Vita sich darin erschöpft, für’s Briten-TV beim „Top Gear“-Autodokuableger „Fifth Gear“ Regie geführt und das 2nd unit des letztjährigen Festivalkrachers The Tournament dirigiert zu haben) ist zwar streng genommen kein „echter“ Zombiefilm, sondern eher ein „Infizierten“-Horror im Fahrwasser von Danny Boyles „28 Days Later“, aber, wir hatten das ja hier schon mal informell vereinbart, auf badmovies.de machen wir da keinen Unterschied – wenn etwas so aussieht wie ein Zombie, grunzt wie ein Zombie und um sich beißt wie ein Zombie, ist es, verdammtnochmal, ein Zombie.

Wenn man sich McQueens bisherigen Lebenslauf so ansieht, ist es nicht sonderlich überraschend, dass „Devil’s Playground“ (geschrieben von Bart Ruspoli, der hier sein erstes verfilmtes Langfilmscript feiern darf und normalerweise vor der Kamera tätig ist, so z.B. in „Band of Brothers“ und der ebenfalls mindestens untoten Briten-Soap „EastEnders“) eher einen aktionsgeladenen Ansatz verfolgt und seine Zombies keine müden Schlurfer, sondern wahre Hochleistungssportler ist – das „Gimmick“ des Films ist, dass jeder Infizierte automatisch zu einem versierten Parkour-Traceur wird – wem also schon die rennenden Zombies aus dem „Dawn of the Dead“-Remake nicht puristisch genug sind, sollte sich „Devil’s Playground“ also sicherheitshalber komplett schenken oder sich auf Schreikrämpfe ob der superben Körperbeherrschung und exzellenten Akrobatik, die die hiesigen Untoten aufweisen, einstellen.

Abgesehen davon bietet der Film dem Genre-Fan jedoch wenig Neuigkeiten, sondern spielt die üblichen Szenarien halbwegs professionell und auf dem gewissen Mindestlevel unterhaltsam, aber auch fürchterlich uninspiriert herunter – wir haben die klassische Belagerungs-Sequenz, das Gekeife und Gezicke unter den Eingeschlossenen, das Durchkämpfen zum vermeintlichen Fluchtmobil und die obligatorische Enttäuschung (huch, hab ich gespoilert?) usw. Hin und wieder deutet sich die ein oder andere nicht ganz abgegriffene Idee an: der Zeitdruck, unter dem Cole aufgrund seiner Infektion steht, ist ein ganz probates Mittel, um die Story in Bewegung zu halten, wird aber in der zweiten Filmhälfte weitgehend vergessen; die Tatsache, dass Angela aufgrund ihrer Immunität als potentieller Impfstoff-Spender fungiert, und die darausfolgenden Auseinandersetzungen zwischen Joe (der sie einfach nur in Sicherheit wissen will) und Cole (der darauf setzt, dass er sie zur freiwilligen Kooperation überreden kann, sich aber ganz ersichtlich die Option, Gewalt einzusetzen, offen hält) hätte Potential, wird aber überwiegend darauf reduziert, dass Joe und Cole ein paar Mal heftig aneinandergeraten (was aber über eine „normale“ leadership-Streitfrage genauso funktioniert hätte; die moralische Frage – hat Angela angesichts ihrer „wissenschaftlichen“ Bedeutung überhaupt das „Recht“, sich der Untersuchung zu verweigern? – wird nicht mal angerissen); dem Mittelteil, der ansonsten drohen würde, etwas dröge zu werden, verleiht der Intrigantenstadl, den die Amerikaner veranstalten (sie versuchen über Kate Stimmung gegen Angela zu machen, unter der Argumentation, dass diese ja infiziert sei und man nicht wissen könne, ob die Seuche bei ihr doch noch ausbricht), dringend notwendigen Schwung – trotzdem aber will sich keine rechte Stimmung einstellen. Liegt einerseits daran, dass die Charaktere trotz aller Bemühung um gewisse Ambivalenz größtenteils platt sind (bzw. Ruspoli nicht das richtige Gleichgewicht zwischen Haupt- und Nebenfiguren findet. Eigentlich möchte man meinen, dass besonders Angela eine zentrale Figur ist, dafür weiß er aber erstaunlich wenig mit ihr anzufangen), zum anderen, weil sich das gewünschte apokalyptische Flair nur sehr selten einstellt und „Devil’s Playground“ sich viel zu sehr als eine Billig-Version von eben „28 Days Later“ und Konsorten spielt.

Die Auftaktphase ist ziemlich unterhaltsam geraten – da sind wir zunächst mal in den Geheimlabors des Pharmakonzerns, erhalten die notwendige Exposition im Zuge einer natürlich ziemlich klischeehaften, aber recht gewitzt umgesetzten „Versuchskaninchen-zombifiziert-vor-den-Augen-des-Oberhonchos“, etablieren Cole als badass (und killen beiläufig den verantwortlichen sort-of-mad scientist). Da schadet auch das geringe Budget nicht viel – ein paar weißgekachelte Räume, Reagenzgläser, Unterschungstische und Laborkittel kosten nicht viel und bringen die gewünschte Stimmung gut rüber, doch sobald „Devil’s Playground“ daran geht, seine ausgerufene Apokalypse zu zeigen (und, immerhin, Ehre, wem sie gebührt, er *bemüht* sich tatsächlich, sie zu zeigen), versenkt sich die ganze Operation – das London in den Klauen des Untergangs sieht ungefähr so chaotisch aus wie eine aufgeräumte City am autofreien Sonntag, da gibt’s kein Chaos, keine brennenden Autowracks o.ä., das ist alles sehr britisch-reserviert (aber die Briten sind vermutlich auch das einzige Volk, das selbst angesichts einer Horde parkour- und amoklaufender Untoter in ordentlicher Schlange auf den Bus warten würde); eine Produktion wie diese hat eben nicht die Möglichkeiten, ganze Straßenzüge abzusperren UND dann auch noch entsprechend zu dekorieren, da muss man dann eben als Zuschauer geistige Arbeit leisten und sich den ganzen Wahnwitz der Situation rein mental ausmalen. Ganz besonders peinlich wird’s, wenn McQueen, um das ganze „Ausmaß“ (hihi) der Zerstörungen (huahua) zu zeigen, auf handelsübliche London-aerials ein paar halbseidene Explosionen und Feuer – aufkopiert, das hat dann schon beinahe Amateurfilm-„Format“ und zerstört natürlich vor allem jegliche Illusion einer in sich stimmigen Filmwelt. McQueen wäre deutlich besser damit gefahren, auf diese „großen apokalyptischen“ Elemente zu verzichten – solange er verhältnismäßig intim, d.h. nah bei seinen Schauspielern, in abgeschlossenen Locations, bleibt, fällt das Sparbudget des Streifens nicht sonderlich auf, der Film funktioniert also halbwegs (in den üblichen, ausgetrampelten Pfaden der Genre-Konvention, versteht sich), sobald er aber *SCOPE* zeigen will, reißt die billige Machart (natürlich ist das Ding auch shot-on-video und sieht dementsprechend aus) „Devil’s Playground“ ins Verderben.

Dazu gesellt sich die ein oder andere dramaturgische Fehlentscheidung – um zu übertünchen, dass sich in seiner Hauptplotlinie phasenweise nicht viel tut, außer dass die diversen Gruppierungen sich ankeksen, schaltet McQueen immer wieder in einen Parallelplot, in dem sich Angelas Bruder (wenn ich mich recht erinnere), seines Zeichens ebenfalls Cop, und der potentielle Hubschrauberpilot erst im Polizeirevier der Zombies erwehren müssen und dann mit einem Schlauchboot die Themse entlang paddeln, um, der letztlich nicht wirklich etwas zur Sache tut; es sind uninteressante Charaktere mit uninteressanten (Nicht-)Abenteuern, und ’ne echte griffige Pointe hat dieser Subplot auch nicht, er ist also reine Zeittotschlägerei (okay, es fällt eine Rolle für den Drehbuchschreiber ab…); hätte der Regisseur diese Passagen ersatzlos gestrichen, und dafür die ein oder andere Actionszene mehr einzubauen (denn die kann er immerhin, die sind ziemlich flott, wenn auch die Parkour-Elemente deutlich übertrieben werden), wäre „Devil’s Playground“ zumindest ein zwar anspruchsloser, aber zumindest flotter Zombiereißer (und eine action-orientierte Inszenierung schadet Untoten ja nicht per se, das „Dawn of the Dead“-Remake zeigte ja, dass es geht, das Genre stärker in Richtung Action zu verschieben), so aber fällt einfach auf, dass Film und Buch keine echte Substanz haben, sondern sich notdürftig von Plotpoint zu Plotpoint hangeln.

Wer nun darauf hofft, dass „Devil’s Playground“ sich wenigstens in Sachen Splatter und Gore keine Beschränkungen auferlegen würde, wird auch enttäuscht – ja, der Body Count ist durchaus beträchtlich, und ja, das Kunstblut spritzt, aber es ist recht zahmer Splatter, nichts, was meines Erachtens einer FSK-16-Freigabe im Weg stünde und nichts, was man nicht schon tausendmal gesehen hat (inklusive der „Zombifizierung“ mit den sich schwarz verfärbenden Venen); handwerklich ist das ganz okay, aber wenig aufregend (was auch eine passende Umschreibung für den ganzen Film ist). Die Zombie-make-ups reihen sich da ebenfalls ein, das ist ganz nett, aber auch nicht mehr, und unterscheidet sich kaum von den zwölfadrölfzigtausendionen anderen Zombie-Filmen, mit denen wir in den letzten Jahren überschüttet wurden.

Jetzt könnten’s noch die Darsteller rausreißen – Danny Dyer (gerade erst in Dead Man Running vorstellig geworden, außerdem bekannt und beliebt aus „Doghouse“ oder „Severance“) scheint irgendwie mit angezogender Handbremse zu agieren; wir wissen, was er zu leisten imstande ist, aber hier kommt wenig von seiner likeability (gut, er spielt einen zumindest ambivalenten Charakter, aber trotzdem), von seiner Screenpräsenz, von seiner Ausstrahlung rüber. Der routinierte Sean Pertwee („Event Horizon“, „Equilibrium“, „Doomsday“, Mutant Chronicles) fällt in einer kleinen Rolle kaum auf, Craig Fairbrass (Far Cry, „Cliffhanger“, „White Noise 2“) hingegen beweist, dass die glaubwürdigen „tough guys“ im Vereinten Königreich wohl doch auf den Bäumen wachsen – Fairbrass ist zweifellos das Highlight des Films. Neil-Marshall-Regular Craig Conway („The Descent“, „Doomsday“, auch in „The Tournament“ und „Hogfather“ zu sehen) macht sich ganz okay als Joes Bruder Steve, die schnucklige Schwedin MyAnna Buring („The Descent 2“, „Doomsday“ – ist ja die reinste Betriebsversammlung, „Lesbian Vampire Killers“) beschränkt sich leider hauptsächlich darauf, irgendwo dekorativ rumzusitzen oder -stehen, ohne dabei ihre Reize offenzulegen, Lisa McAllister („Pumpkinhead: Ashes To Ashes“) überzeugt mich gar nicht, Jaime Murray („Dexter“, „Warehouse 13“) bringt ihre Intrigantinnen-Figur zumindest ziemlich gut auf den Punkt. Colin Salmon („Bank Job“, Blood: The Last Vampire, „Punisher: War Zone“, „Shank“) absolviert auf amüsante Art eine Art Gastauftritt als Konzern-Manager.

Fazit: Einerseits ist ein völlig ambitionsloser B-Film wie „Devil’s Playground“ der richtige Absacker für den Mitternachtsslot eines langen Festival-Tages, aber „Devil’s Playground“ ist mir eine Spur *zu* ambitionslos. Es ist ein zweifellos mit gewisser Professionalität gewerkelter Streifen, der einen ganz soliden, wenn auch nicht in allen Positionen völlig motiviert wirkenden Cast aufweist, aber sich viel zu sehr darauf verlässt, dass seine Parkour-Zombies allein als Alleinstellungsmerkmal ausreichen, und mit dem Willen, eine ganze Apokalypse zu postulieren, eindeutig mehr abbeißt, als er schlucken kann – dafür hat er dann einfach zu wenig Asche. Summa summarum – kann man sich aus der Videothek ausleihen, wenn der ganze gute Kram schon weg ist, aber das ist’s dann auch schon. Für’s FFF ist das aber einfach zu wenig sizzle, zu wenig steak.

2/5
(c) 2010 Dr. Acula


mm
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