Der Todesrächer von Soho


  • Deutscher Titel: Der Todesrächer von Soho
  • Original-Titel: Der Todesrächer von Soho
  • Alternative Titel: The Corpse Packs His Bags
  • Regie: Jess Franco
  • Land: Spanien/BR Deutschland
  • Jahr: 1972
  • Darsteller:

    Charles Barton (Horst Tappert)
    Ruppert Redford (Fred Williams)
    Celia (Barbara Rütting)
    Helen Bennett (Elisa Montés)
    Andy Pickwick (Luis Morris)
    Dr. Bladmore (Siegfried Schürenberg)
    Lizi (Mara Laso)
    Linda (Eva Garden)
    McDowell (Rainer Basedow)
    Ferencz (Wolfgang Kieling)


Vorwort:

Erst einmal ein Dankeschön an manhunter, der mit seiner Review-Freude während der Abwesenheit des Docs meinen Ehrgeiz geweckt hat, selbst auch mal wieder aktiv zu werden – übrigens auch schon zum zehnten Mal auf badmovies.de. Gratuliert mir oder auch nicht!

Nachdem mir das Schreiben der letzten Kritik zu dem auf diese Seiten weitestgehend mit knallharter Abneigung entgegengebrachten Thriller „If I Die Before I Wake“ aufgrund der bierernsten Thematik recht schwer fiel und ich dafür mehrere Wochen benötigte, dachte ich mir: Das nächste Mal versuchst du’s halt mit einem Film, über den man sich nach Herzenslust… äh… lustig machen kann und dessen Inhalt und Analyse etwas einfacher zu Papier gebracht werden können – und wer bietet sich da besser an als Vielfilmer Jess Franco? Der nette Herr beglückte mich bereits im Sommer 2004 mit seinem fulminanten Agentenfilm-Trash „Der Teufel kam aus Akasava“, der sich zweifelsohne unterhaltsam ansehen ließ und – ich schäme mich fast, das zu sagen – irgendwie Lust auf mehr machte. „Der Todesrächer von Soho“, der heute zu besprechende Murks, fällt ebenfalls in Francos produktive (manche würden sagen, in seine beste) Phase Anfang der 70er. Den hätte ich schon vor einem Jahr „goutieren“ können (eine Woche nach „Der Teufel kam aus Akasava), aber mein Verstand machte mir da einen Strich durch die Rechnung und ich bevorzugte den zeitgleich auf einem Dritten Programm laufenden „Living in Oblivion“. Nun, aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben und so kam ich nicht umhin, als das ZDF es kürzlich wagte, „Der Todesrächer von Soho“ abermals auszustrahlen, meinen Videorekorder zu programmieren – und nicht nur das, ich schaute ihn mir dann tatsächlich auch noch an. Ob ihr nun wollt oder nicht, hier ist der Inhalt. (Ich merke schon jetzt: Ich habe mir viel zu viele Notizen gemacht.)

Inhalt:

Des Nachts vor Bishop’s Hotel. Ein blinder Leierkastenspieler, der offensichtlich gar nicht selber Musik leiert (aus dem einfachen Grund, weil die Melodie von der Tonspur kommt). In Bishop’s Hotel. Ein alter Zausel steht kurz vor der Abreise und erbittet von der Rezeptions-Tante jemanden, der ihm die Koffer packt. Danach geht er sofort zurück in sein Zimmer – und was muss er da sehen? Seinen bereits gepackten Koffer. Das versetzt ihn sogleich in mittelschwere Panik. Derweil bittet die Rezeptions-Tante – AAAARGH!!! – Daniel Küblböck (kein Scherz, der sieht wirklich so aus), ein Taxi herbeizuholen. Gesagt, getan – der alte Zausel stürzt auch schon runter und will auf der Stelle aufbrechen, bezahlt eifrig die Rechnung und will schon das Taxi besteigen, als einige Meter weiter um die Ecke ein Messerwerfer lauert, der auch gleich seinem Namen alle Ehre macht – er wirft ein Messer. Das bahnt sich seinen Weg – zack! – schnurstracks ins Herz des alten Sacks. Messer drin – Zausel tot! (Und schon nach gut zwei Minuten türmen sich die ersten drei Anmerkungen auf: 1. Während uns die Szene suggeriert, es wäre finstere Nacht, zeigt die erste unmögliche francoeske Kameraeinstellung unmittelbar vor dem Schneidewerkzeugwurf des – ich nenn‘ ihn mal so, ist er ja schließlich – Killers eine Abenddämmerung. 2. Beim Eintritt in den Rücken des Zausels macht das Messer ein gar lustiges Sprungfeder-Geräusch, ganz so, als würde es elastisch sein und in Holz noch etwas hin- und herpendeln. 3. Dieses Sprungfeder-Geräusch ist schon VOR dem Eintritt in den Körper hörbar.) Neben dem Leierkastenmann taucht eine Brillenschlange auf, beruflich wohl Fotograf. Jedenfalls knipst sie erst mal ein saftiges Leichenfoto – und etabliert sich nebenbei nicht nur als geschwollen daherredende Labertasche, sondern – zum Entsetzen des Zuschauers – auf Anhieb als Comic Relief der nächsten 75 Minuten. Und noch bevor sich der über Londoner Impressionen laufende Vorspann (Hauptrolle: Horst Tappert, schon in „Der Teufel kam aus Akasava“ passiv) mit – cool – blutigroten Credits vor unseren Augen abspielt, haben meine Gehirnzellen erste schwere Verluste hinnehmen müssen…

(Um einen Fakt vorwegzunehmen: Die kommenden Minuten sollen in London spielen. Allein: Wir stehen vor einem größeren Problem: In Francos London gilt nämlich das Rechtsfahrgebot und die Straßen sind typisch spanisch… Ich… kann’s… nicht… kontrol… lieren… Kopf-fällt-auf-Tischplatte)

Danach finden wir uns in einem Polizeibüro wieder, bestehend aus zwei (in Zahlen: 2) Beamten an zwei Tischen vor einer weißen Wand auf ungefähr 30 m². Einer ist mit Schreibmaschinentippen beschäftigt, der andere hält zwei Telefone in den Händen und telefoniert im Stehen vor sich hin. Das Besondere an diesem Büro ist, dass es nicht in einer x-beliebigen 500-Leute-Kuhdorf-Gemeinde steht, sondern – ich höre aus weiter Ferne Future Doc trapsen, der sollte sich doch nicht einmischen, grummel – schon bald als Büro von Scotland Yard (!) vorgestellt wird. Uff! In eben jenes Büro trampelt wutentbrannt der Chef des Ladens (Professor Forrester aus „Der Teufel kam aus Akasava“) und schimpft, dass die sich häufenden Mordfälle gefälligst schnell aufzuklären sind.

Irgendwo in irgendeiner typisch 70er-Jahre-like ausgestatteten Wohnung. Ein Aushilfs-Sherlock-Holmes (Fred Williams, ebenfalls aus „Der Teufel kam aus Akasava“ – Recycling rules!) betritt sie und wird dort liebevoll von einer Frau begrüßt, die sich als dessen Freundin Lola herausstellt und ankündigt, ihm zuliebe ihre künstlerische Karriere als Malerin an den Nagel hängen zu wollen. Das will aber ihr Macker (übrigens ein gewisser Redford – nein, nicht Robert! International Movie Data Base kreditiert ihn als „Ruppert Redford“) nur ungern. Bevor sich die Charaktere ernsthaft weiterentwickeln können, klingelt das Telefon und Redford wird zu irgendwas gerufen. Er will schon aufbrechen, als es plötzlich an der Tür läutet. Es ist kein Geringerer als der gute Derrick-Horst, der mit einem Gewehr bewaffnet, den Lauf genau auf die öffnende Lola gerichtet, mit todernster Miene hereinstürmt. Er beabsichtigt aber nicht etwa, hier Rambazamba zu veranstalten und eine der Hauptfiguren (ich nehme nämlich stark an, dass Redford, der Kleidung nach zu urteilen, wohl oder übel für Scotland Yard arbeitet und einer der zentralen Protagonisten sein wird) schon nach fünf Minuten über den Haufen zu ballern, nein, er möchte Herrn Redford nur zeigen, um welch ein besonderes Gewehr es sich hierbei handelt. Demzufolge wurde es in Afrika hergestellt und verfügt es über eine große Durchschlagskraft. (Dabei wird das Gewehr von den Akteuren strategisch günstig gehalten, damit der Zuschauer ja nicht erkennt, dass wir es mit einem handelsüblichen zu tun haben.) Wird für den weiteren Verlauf aber keine Rolle spielen, sondern soll bloß etablieren, dass Horst hier ein weltberühmter Kriminalautor namens Charles Barton ist, der der Polizei gern mit Rat und Tat zur Seite steht. Redford stellt seiner Liebsten auch gleich seinen Freund vor. Lola ist ganz verzückt, einen solch großen Prominenten in der Wohnung zu haben und holt gleich einige seiner Werke aus dem Bücherregal, u.a. auch solch bedeutende Weltliteratur mit Titeln wie „Erdrosselt mit dem Strumpf“. Barton ist so viel Bewunderung peinlich und so mag er auch nicht bestätigen, dass einer seiner Romane eine Auflage von drei Millionen hat. Inmitten der schönsten Diskussion platzt Redford mit der eben ihm am Telefon mitgeteilten Auskunft raus: Der Messermörder hat wieder zugeschlagen! (Angst!)

Nachts. Wieder vor dem Hotel aus der Eingangssequenz, wieder der Leierkastenmann, wieder die gleiche Leier-Melodie – und im Inneren, argh, sitzt wieder Küblböck rum. Um den geht´s aber nicht, sondern um einen gewissen Doktor namens Bladmore (Siegfried Schürenberg – auch aus „Der Teufel kam aus Akasava“, damals FBI-Chef – in einigen Quellen seltsamerweise als „Blackmoor“ aufgelistet, im deutschen Sprachraum heißt er aber, wenn ich mich nicht während des Films ungefähr 2578 Mal verhört habe, Bladmore), der von Redford befragt wird und nach eigenen Angaben zufällig vor Ort war, als der Mord geschah, und sich danach umgehend – anderen Menschen zu helfen, ist schließlich sein Arztjob – um das Opfer kümmerte. Aus der Entfernung habe er zuerst geglaubt, der Tote wäre von einem Herzanfall dahingerafft worden. „Ja, einem sogenannten MESSERinfarkt!“, platzt da plötzlich der zum Gespräch hinzukommende Fotograf aus dem Prolog, die uns bereits vertraute Nervensäge, hinein. Wie erwartet labert der wieder allerlei gedrechseltes Zeugs daher, aus dem hervorgeht, er heiße Pickwick und käme aus Schottland (! Argh! Die Schmerzen! Du bist dem Aussehen nach sicherlich alles, aber KEIN Schotte!). Zur großen Freude Redfords erkennt er in Pickwick einen alten Freund wieder. Sein Gegenüber ist auch erfreut: „Ach, wie wunderbar sind doch des Schicksals Fügungen.“ (Eine Kostprobe, wie sich der Kerl auszudrücken pflegt. So geht das die ganze Zeit über. Schluchz!) Redford beendet das Verhör mit Bladmore aufgrund des unerwarteten Besuchs vorerst, bleibt aber skeptisch ob der von ihm getätigten Aussagen und erfährt zudem von einem Bullen, dass der schwarze Koffer des Opfers gestohlen worden sei. (Wird noch wichtig. Merken!) Draußen leiert immer noch der immer noch blinde Leierkastenmann.

Ein neuer Tag. Ein bärtiger Mensch mit fragwürdigem Frisur-Geschmack (jaja, die Siebziger!) benimmt sich seltsam und dringt gewaltsam in ein prunkvoll erscheinendes Anwesen ein (er macht eine Scheibe kaputt) und sucht irgendwas. Was? Was weiß ich?! Nach einigem Herumgestöbere steht plötzlich jemand hinter Bart, und zwar Barton, höchst unerfreut und mit einer Knarre in der Pranke, direkt am Nacken angesetzt. Der Eigentümer ist verständlicherweise arg verärgert und fragt ihn, was er denn hier zu suchen habe. Wahrheitsgemäß kunftet er aus, des Schriftstellers Pass gesucht zu haben, um sich davon zu überzeugen, dass der gute Barton nicht der ist, der er vorgibt zu sein. Immerhin habe er zehn Jahre mit einem Charles Barton in einer Knastzelle gesessen, der Derrick nun aber überhaupt nicht ähnlich sehen würde. Darum hätte er vorgehabt (wenn er nicht dummerweise von ihm ertappt worden wäre), den unechten Barton mit dem Pass um etwas Geld zu erpressen, ansonsten: Scotland Yard wäre bestimmt sehr an dem Fall interessiert. (Oha! Horst spielt falsch!) Zum rechten Zeitpunkt quietschen vor der Haustür die Reifen eines Polizeiwagens (von der Tonspur), weshalb „Barton“ nicht mehr zum Erschießen kommt. Vielmehr gibt er Bart die Gelegenheit, unversehrt und ohne geklauten Pass das Haus zu verlassen.

„Barton“ tut so, als sei nix geschehen und rückt sich vor dem Spiegel seine Krawatte zurecht, als Redford mit Pickwick im Schlepptau das Haus betritt. (Zeit für einen der zahlreichen schmerzhaften Kalauerdialoge des Films, die selbst einem Rudi Carrell peinlich wären. Redford: „Darf ich dir Picknick vorstellen?“ – Barton: „Na, dann einen guten Appetit!“ – Pickwick (leicht empört): „,Pickwick´, mit einem ‚W´!“ – Redford: „Sag´ ich doch!“) Der Grund des Besuchs: Pickwick hat Fotoaufnahmen bezüglich des letzten Mordes gemacht, die er gern in „Bartons“ Fotolabor entwickeln würde. (Hä? Hat nicht Scotland Yard auch eine Abteilung für so etwas? Muss man da erst einen Autoren hinzuziehen? Na ja, Scotland Yard schien ja Anfang der 70er nach den filmischen Eindrücken hier bestenfalls im Aufbau gewesen zu sein.) Das stört „Barton“ nicht, gern doch, sagt er. Pickwick geht schon mal vor, während Redford und sein Freund noch was zu besprechen haben.

Franco beweist in der folgenden Szene einmal mehr seinen Sinn für coole Kameraeinstellungen: Der Dialog unserer beiden Racker spielt sich nämlich vor zwei sich gegenüberstehenden Spiegeln ab, die sich gegenseitig spiegeln. Alles klar? Ist schwer zu beschreiben, aber todschick, das Ganze. Redford fasst für uns zusammen: Dies sei nun schon der dritte Mord in zwei Monaten, immer am Wochenende, immer werden vorher Koffer gepackt, immer ist ein Dolch die Mordwaffe, immer trifft er ins Herz, immer wird er aus großer Entfernung abgeworfen – kurzum: Der Mörder mordet immer nach dem gleichen Schema. „Barton“ übt hier schon mal den Derrick: „Warum packt er die Koffer seiner Opfer? Er gibt den betreffenden Personen doch bewusst einen Hinweis, dass sie ermordet werden. Aber was will er damit erreichen? Vielleicht will er Panik auslösen. Aber warum muss er dann unbedingt die Koffer packen? Aber warum die Tat ankündigen? Wenn der Mord begangen ist, stehen diese Koffer da und es ist nichts außer dieser Tatsache festzustellen…“ (Hmm… *kopfkratz* Halten wir fest: Wirklich schlauer hat uns das nun auch nicht gemacht. Aber immerhin ein Anfang. Oder doch nicht?) Obwohl der Dialog vielleicht bestenfalls drei Minuten in Anspruch nimmt, kommt Pickwick schon völlig begeistert vom Fotoentwickeln zurück und verkündet freudig: Der Fall ist gelöst! Jaja, wenn das nur so einfach wäre…

Der Mörder war der – TAXIFAHRER! Meint zumindest unser Amateurdetektiv. Wie auch immer er darauf kommt. Vielleicht wollte er auch nur was sagen. In der Dunkelkammer besieht man sich (wir nicht) in grellem Rotlicht (ich vermute fast, Franco fand die Farbgebung ebenfalls ungemein stylisch) die Abzüge mit einer Lupe. Leider ist dort außer einem schwarzen Handschuh nichts Näheres erkennbar. (Ach so! Pickwick hat also nicht nur die Leiche abgelichtet, nein, auch noch GANZ ZUFÄLLIG den Mord. Einfach mal auf Verdacht auf den Auslöser gedrückt und ´nen Mord geknipst. Oder wie? Oder was?) Redford erinnert sich daran, dass Arzt Bladmore die Leiche näher in Augenschein genommen hat. Könnte es daher sein, dass…?

Im nächsten Moment klopft Redford auch schon an der Tür des Doktors. Eine Frau mit hässlich-großer Brille öffnet. „Was wollen Sie?“ – „Ich möchte Sie heiraten!“ – „Ich hab´ heute meinen Quarktag und an meinem Quarktag heirate ich nie.“ (Himmelherrgott, Hilfe!) Die Dame will nach diesen sechzehntelherzigen Flirtversuchen die Tür gleich wieder schließen, doch der Knabe kriegt seinen Fuß dazwischen und zeigt artig seine Marke. Frau gibt sich kleinlaut: „Tut mir leid, ich konnte ja nicht ahnen, dass es Polizisten gibt, die so witzig sind.“ (Och, ich find´ Toto und Harry bei ihren Streifzügen eigentlich recht lustig – okay, zugegeben: Sehr viel lustiger!) Sie gibt sich als Sekretärin zu erkennen und führt Redford sogleich in das Arbeitszimmer des Herrn Doktor.

In einem Sechs-Augen-Gespräch zwischen Bulle, Arzt und Sekretärin offeriert Redford unzweideutig seinen Verdacht: „Haben Sie einen schwarzen Koffer gesehen? Ich glaube nämlich, Sie besitzen einen. – Und was ist mit Handschuhen? Haben Sie welche? Darf ich die mal sehen? Sind sie zufällig schwarz?“ Bladmore negiert die erste Frage, bei der letzten ist er unangenehm erstaunt, dass er so viel über seine Handschuhe weiß. Tatsächlich: Er hat welche und seine Flossenwärmer sind dazu noch schwarz und haben schön bösmannmäßig abgeschnittene Finger. Mysteriös, mysteriös! Und unterm Bett entdeckt Redford dann sogar einen schwarzen Koffer, doch anstatt des erhofften Inhalts findet er bloß ´nen Fotoapparat. (Es wäre wirklich mal interessant zu erfahren, was er denn dort drin zu finden hoffte.) Danach verabschiedet er sich hastig und geht.

Dank eines ganz tollen Schnitts (ihr wisst – Franco und Schnitt, die werden bestimmt keine Freunde mehr!) sind wir plötzlich draußen im Flur und die Sekretärin kommt Redford hinterhergelaufen. „Sind Sie etwa enttäuscht?“ – „Nein, warum?“ – „Na ja, Sie haben doch wohl eben festgestellt, dass in diesem Haus weder Einbrecher noch Mörder sind.“ (?) „1:0 für Sie [??], aber bereiten Sie sich auf meinen Gegenangriff vor. Ich sagte schon, ich bin nicht enttäuscht. [Sekretärin zuckt zusammen – hää???] Ich bin mir noch nicht im Klaren darüber, ob Sie nicht doch lügen und nicht doch einen schwarzen Koffer hier versteckt haben [grins]. Unentschieden, 1:1!“ (????) – Ich betone: Hääääää????? Wenn das ein Schlagabtausch sein sollte, dann war´s der schlappste seit Menschengedenken.

Anderswo. Dr. Bladmore macht Hausbesuche, einer seiner Patienten (Ferencz heißt der) ruft. In einer „Vertigo“-Kirchturm-Gedächtnisszene dritter Klasse steigt er eine Wendeltreppe hinauf. Oben angekommen, findet er einen bettlägerigen Sack vor (Wolfgang Kieling! Mensch, hab´ ihn mit seinem Vollbart gar nicht erkannt), der sich inständig über Docs Besuch freut und gleich eine Spritze verlangt. Aber Bladmore tut, was jeder Hausarzt gern tut: Er holt sein Stethoskop aus dem Arztköfferchen. Das will der aber nicht, er will nur eine Spritze – ein Freund hätte ihm gesagt, wenn er mal eine Spritze bräuchte, solle er nur Bladmore Bescheid sagen, der könnte da aushelfen. Die Worte lassen den guten Onkel Doktor hellhörig werden – und als dann Ferencz auch noch gesteht, Angst vor dem Messermörder zu haben, weil er der Nächste sein wird und aus dem Grund abhauen muss, das ohne die Spritze jedoch nicht kann, kann der Arzt gar nicht mehr „Nein“ sagen und verpasst ihm die erhoffte Substanz.

Irgendwo im Gebäude schleicht auch schon der geheimnisvolle Messerwerfer rum (nehme ich an) und packt einen Koffer.

Unser Patient fühlt sich nach der Spritze sofort wieder besser und springt auf, kaum dass Bladmore aus dem Raum ist. Zu seinem gesteigerten Entsetzen muss er im Nebenzimmer allerdings den gepackten Koffer entdecken. Schreck! Nix wie weg! Hals über Kopf schnappt er sich seine Jacke und flieht aus dem Haus, nicht ohne vorher zu bemerken, von einer seltsamen Gestalt in Schwarz verfolgt zu werden. Sein Weg führt ihn durch eine Allee und den berühmten Londoner Nebel. (Da das Geld für eine Trockeneismaschine offenbar nicht reichte, verhalf sich Franco mit einem genialen Schachzug: Er beschmutzte das Objektiv. Die Illusion… äh… ist perfekt.) Und hör´ ich da richtig? Im Hintergrund uhut ein Uhu – bei Tag. Hinter sich erblickt das potentielle neue Opfer einen Wagen, der mit ungefähr 10 km/h durch die Straße düst. Schlimm. Ferencz erhöht von gemächlichem Trab- auf Galopptempo und versteckt sich hinter einem Baum. Tatsächlich: Der Verfolger scheint vorerst abgeschüttelt. Trotzdem: Panisch läuft Ferencz einem LKW vor die Kühlerhaube, mit der Bitte auf den Lippen, der Fahrer möge ihn zum Hafen fahren, doch wie in solchen Situationen üblich ignoriert der Knacker die tödliche Gefahr und setzt seine Reise fort. Just taucht auch wieder die Kalesche des Killers auf und setzt die mörderische Schrittgeschwindigkeit fort. (Wenn ich der Killer wäre, würde ich etwas auf die Tube drücken und ihn vielleicht mal über den Haufen fahren. Warum muss er die Distanz so groß halten, um zum Messerwurf anzusetzen? Und vor allem: Warum wirft er nicht längst?) Schnellstens geht´s auf einen menschenleeren Rummelplatz. Der Killer ist inzwischen ausgestiegen und gönnt sich aufgrund des wirklich wahnsinnigen Schritt-Tempos, das er zu Fuß vorlegt, einige Auszeiten, in der Gewissheit, getreu den strengen Slasher-Richtlinien sein Opfer sowieso irgendwann einzuholen. So geschieht´s auch – wieder aus einer beträchtlichen Entfernung schleudert er sein Messerchen direktemang ins Menschenherz, akustisch unterstützt von den nett-cartoonhaften BOING-Geräuschen beim Einschlag. Damit ist die Szene zu Ende und ich muss zugeben: Sie hat irgendwas, keine Spannung zwar (obgleich die musikalische Untermalung ausnahms- und phasenweise passt), aber irgendwas hat sie.

Scotland Yard (und auch wieder Geselle Pickwick) besucht den Tatort und verhört eine Portierfrau (eine echte Mimin, die Schauspielerin), die ausgesprochen mürrisch und flapsig Auskunft gibt. Sie erzählt, sie habe nur den Arzt noch runterkommen gesehen, sonst niemanden. Redfords Hörmuscheln gehen auf: „Welcher Arzt?“ – „Darf mich eigentlich jeder was fragen?“ – Polizist: „Er schon, er ist Inspektor und mein Chef.“ – „Oh, und ich dachte schon, er wär´ Reporter, die kann ich nämlich gar nicht leiden.“ Pickwick (neugierig): „Warum?“ – „Ich hab´ mal ´ne Annonce in der Zeitung aufgegeben: Mrs. Gernie – das bin ich – sucht einen Laufburschen! Und wissen Sie, was sie geschrieben haben? Mrs. Gernie sucht einen Saufburschen!“ (Aaah!!! Da war er wieder, der stechende Schmerz in meiner Hirngegend!) Unsere Zuhörer finden´s jedenfalls alle irre lustig, was nicht unbedingt für das Humorempfinden der Briten spricht.

Doch genug: Wie sah denn der Arzt aus, wird die Schreckschraube gefragt. Pickwick will ihr auf die Sprünge helfen und zeigt ein Foto: „Sah er so aus?“ Die Dame ist empört über diese Sauerei, denn der Gute hat ihr versehentlich das falsche Foto zur Schau gestellt – nämlich das einer nackten Frau. „Oh, Pardon!“ Redford und sein Assi lachen. (Ist zu viel verständnisloses Kopfschütteln über zu viel Blödheit eigentlich schädlich? Hoffentlich nicht.) Pickwick findet allerdings zur allgemeinen Freude noch das richtige Bild, und das, was wir schon seit Minuten gewusst haben, bestätigt sich: Ja, es war Dr. Bladmore, den sie das Zimmer verlassen sah.

In irgendeinem Lokal. Redford sitzt mit Bladmores Sekretärin (ich hab´ ihren Namen irgendwie nicht mitgekommen – ist er schon gefallen?) an einem Tisch und albert mit ihr herum, um festzustellen: „Sie sind bezaubernd!“ (Ich will hier ja nicht großartig den Chauvi raushängen lassen, aber eine wirkliche Schönheit ist Elisa Montès nun wirklich nicht. Mit der guten Soledad hätte ich mich eher anfreunden können – Frau Miranda hätte sich bestimmt mittlerweile auch schon mindestens zweimal ausgezogen oder sich wenigstens in einem erotischen Outfit präsentiert -, doch die lag ja leider schon seit einigen Monaten unter der Erde.) Die Sekretärin glaubt allerdings trotz aller Schmeicheleien von Seiten des Inspektors weniger an ein privates Abendessen als vielmehr an eine getarnte Ausfragung. Da läge sie aber so was von daneben, so Redford, er wollte eigentlich bloß „Barton“ treffen und mit ihm den neuerlichen Vorfall diskutieren. (Bliebe nur die Frage, was sie hier soll.) Bei der Gelegenheit erwähnt er schon mal, dass man der Sekretärin Chef bei den letzten beiden Opfern gesehen habe, was schon ungewöhnlich und verdächtig sei. Seine Gesprächspartnerin glaubt jedoch eher an einen harmlosen Zufall.

Mit etwas Verspätung betritt Derrick… äh… „Barton“ das Lokal, zeigt beim Angrinsen eines der Angestellten uns kurz seine gelben Zähne in Großaufnahme, als er entgeistert Redford und die Frau dort sitzen sieht und kurzerhand wieder abhaut. (Seltsam.)

Irgendwo leiert der blinde Leierkastenmensch an einer Wand seine Melodie und informiert den Großen Unbekannten™, der stimmlich, auch wenn er flüstert, verdächtig nach Horst Tappert klingt, bitte in die Flamingo-Bar zu gehen.

Was darf in einem Franco der frühen 70er natürlich nicht fehlen? Wer auf eine gute Handlung getippt hat, liegt leider daneben. Nein, natürlich eine „spektakuläre“ Nackttanzszene einer Frau. Die junge Dame, mit einem Hauch von Nichts gekleidet, räkelt sich in besagter Flamingo-Bar auf der Bühne und führt einen höchst merkwürdigen Tanzstil vor (u.a. treibt sie es mit einem Vorhang – pffffz!). Übrigens (ich höre gleich Ausstöße des Entsetzens) die einzige Frau in diesem Film, die etwas nackte Haut präsentieren darf – für die Leser unter euch, die´s interessiert. „Barton“ treibt sich dort auch herum und schaut interessiert zu. Von einer Tante mit schwarzen Haaren (Barbara Rütting) bekommt er sogar auf seinen Wunsch hin eines der dort anwesenden Mädchen zugeteilt, nämlich die eben getanzt habende Dame. In einem mit Vorhängen abgeschirmten Zimmer, einem Separée, fallen sie, die sich Milly schimpft, und Hosse gleich übereinander her, diskutieren anschließend in drei Sätzen ihre Beziehungsprobleme, als plötzlich ein greller Schrei erschallt.

So was macht neugierig, da sind wir dabei, denken sich unsere Turteltäubchen und sehen dabei zu, wie Schwarzhaar und ein Glatzkopf, den ich auch aus „Der Teufel kam aus Akasava“ kenne, derb mit einer Tänzerin umgehen. Das kann Gutmensch „Barton“ nicht auf sich sitzen lassen und er klagt die beiden Grobiane an, das Kind doch zu einem Arzt zu bringen, weil sie kein Rauschgift mehr zu sich nehmen soll. „Wollen Sie sie verrecken lassen?“, fragt er wütend. (Erst mal: Hä??? Woher willst du nach einem Zehntelsekundenblick wissen, dass sie krank ist oder Rauschgift eingeworfen hat? Eigentlich sah es für einen Außenstehenden – und „Barton“ und ich sind ja Außenstehende – so aus, als wolle man das arme Ding killen.) Das gehe ihn einen feuchten Kehricht an, entgegnet Glatze und verpasst ihm sicherheitshalber, damit er und Milly auch abhauen, einen Punch. „Barton“ torkelt mit der Frau an seiner Seite in ein Nebenzimmer zurück und sollte eigentlich nettes Nasenbluten haben, der Geräuschkulisse des Schlages nach zu urteilen, doch davon ist im nächsten Moment nichts mehr zu sehen. Jedenfalls duldet er so etwas nicht, denn Drogen sind die Hölle: „So enden wir alle mal“, pessimistiert er gegenüber Milly, „jeden Tag brauchen wir ´ne stärkere Dosis, bis unser Gehirn aussetzt und wir selbst am hellichten Tag furchtbare Alpträume haben! Und dann kommt der Augenblick, wo wir irgendwo winselnd in der Gosse verrecken!“ (Ist das Francos filmischer Beitrag zur „Keine Macht den Drogen“-Kampagne, oder was?)

Im nächsten Moment läuft Olga, die angeblich Rauschgiftsüchtige, schreiend durch die Flamingo-Bar (spätestens hier macht es den Eindruck [was heißt „Eindruck?“ Sicher war´s genau so], als wären Bar, Tanzbühne und Nebenzimmer drei separate räumliche Einrichtungen, topographisch ist das hier alles sehr, sehr seltsam). Jetzt reicht´s endgültig, denkt sich wohl der Schriftsteller und hechtet hinterher, kann aber nichts Relevantes erblicken, stattdessen hört er abermals einen grellen Schrei und ein lieblicher Olga-Dummy fliegt aus dem Fenster (wahrscheinlich ist das dieselbe Puppe, die schon Howard Vernon in „Der Teufel kam aus Akasava“ verkörperte). „Barton“ kommt zu spät und wird wegen seiner schlimmen Neugierde von Glatze und der weiblichen Schwarzhaartante, die allen Ernstes behauptet, das Mädchen sei freiwillig gesprungen, obwohl sie weder dabei war noch etwas gesehen haben kann (andererseits ist Schwarzhaar, das sieht ja ein Blinder mit einem Auge (hihi), einer der nominellen Schurken, und die sind ja gern mal übersinnlich begabt), zum Boss gebracht.

Er wird durch einen dunklen Geheimgang gezerrt und von einer (um die… äh… „Spannung“ zu halten) im Finsteren sitzenden Dame in Empfang genommen. Celia (so heißt Schwarzhaar – die bekommt wenigstens einen Namen) erzählt der geheimnisvollen Unbekannten, dass „Barton“ zuletzt öfter in der Flamingo-Bar gewesen wäre und es glatt so aussähe, als wolle er dort nur herumschnüffeln. Glubschauge verteidigt sich allerdings: Er habe lediglich schauen wollen, warum Olga so geschrieen hat. Die Frau nimmt ihm das sogar ab, nichtsdestotrotz habe er sich gefälligst nicht in ihre Angelegenheiten einzumischen und nicht zu behaupten, dass es hier eine gewisse Droge, nämlich Meskadrin (keinen Schimmer, wie das geschrieben wird), zu erwerben gäbe. Tja, Pech gehabt, hätte er´s mal gelassen, jetzt sollen sich Celia und Glatze noch ein bisschen mit ihm unterhalten – und ich glaube, wir wissen alle, was unter UNTERHALTEN zu verstehen ist. (Nein, kein Sex!)

Beim Abführen wird „Barton“ aber frech, schlägt den unaufmerksamen Glatzkopf nieder (aber jetzt echt, ey! Wie gekonntes Napping schaut das nun grad nicht aus.) und versucht durch die Katakomben zu flüchten, aber schon bald muss er sich die Unmöglichkeit seines Plans eingestehen. Die schnell zu sich gekommene blöde Glatze übt mit nach vorne ausgestreckten Händen den Zombie-Walk, will dem Flüchtling allerdings nicht wirklich die Gedärme rausrupfen, sondern packt ihn an den Schultern, währenddessen Celia den Schnüffler mit fünf Faustschlägen in die Bauchgegend unschädlich macht. (Tapperts Mim- und übertriebene Gestik machen diesen an sich fürchterbaren Vorgang zu purem Slapstick der Extraklasse!)

Pickwick geht nichts Böses ahnend seines Weges, der ihn REIN ZUFÄLLIG rauchend auch an der Flamingo-Bar vorbeiführt – und grad als er an dem Hintereingang vorbeigetrabt ist, öffnet sich REIN ZUFÄLLIG die Tür und Celia sowie Glatze mit Derrick über der Schulter kommen rausgestiefelt, um zu ihrem Klein-LKW zu gehen und loszubrausen. (Hättet ihr ihn nicht sofort erschießen können, ihr Blödmänner und Blödfrauen? Stellt euch vor, die Straße, durch die ihr „Barton“ tragt, wäre nicht so menschenleer wie heute Nacht! Wäre weitaus einfacher gewesen und ihr hättet nicht das Plappermaul in euren Hacken.) Denn das Plappermaul spielt in der Tat Held und nimmt per Taxi MEHRERE NÄCHTE UND TAGE die wahnsinnig kribblige Verfolgung auf. (Alle verstanden? Hihi…) So geht das ein paar Minuten durch leere Gassen, Celia und Glatze scheint der Verfolger gar nicht aufzufallen – Deppen, blinde Deppen -, bis das Duo mit seiner Karre aufgrund der dilettantischen Schnittarbeit mir nichts dir nichts an einem Hafen steht und auch schon rückwärts an den Rand heranfährt. Der Taxifahrer tritt auf Pickwicks Befehl „Stoppen Sie!“ auf die Bremse, so dass die Reifen quietschen. (Reaktionen von Celia und Glatze auf dieses doch recht laut hörbare Geräusch? Nüschts! Erwähnte ich, dass sie Deppen sind? Taube Deppen?) Aus nächster Nähe kann der Fotograf nach Herzenslust knipsen, wie die Trottel „Barton“ in die „Themse“ plumpsen lassen (Zeuge und Täter scheinen während dieses Vorfalls in zwei verschiedenen Zeitzonen zu sein, denn am Hafen ist der Himmel hell, hinter Pickwick stockfinster. Oder sind wir hier am Ende in einem Science-fiction-Film? Ich meine, bei Franco geht alles… – Mir ist, als hätte ich den Spruch aus einem anderen Doc-Review geklaut. Kann das sein?). Kaum sind die pösen Purschen aus dem Blickfeld verschwunden, versucht sich Pickwick als Retter in der Not. Er springt des Nachts schwuchtelig und mit einem „Petri Heil“ ab und landet tagsüber im feuchten Nass, um sich dann daran zu erinnern, nicht schwimmen zu können. Tolle Wurst.

Celia und Glatze erfüllen in der Zwischenzeit den zweiten Teil ihrer Aufgabe (wann auch immer sie die gestellt bekommen haben): Sie bringen irgendwo in einem Stall (oder Scheune?) endlich mal unbeobachtet die unfreiwillige Zeugin Milly zum Schweigen und bei der Gelegenheit um, d.h. Glatze erwürgt sie. (Und ich schäme mich nicht zu sagen, dass der gute Jess mit dieser Szene im Zusammenspiel mit Kameraführung und Musik einen völlig unerwarteten Qualitäts-Ausreißer nach oben abliefert. Alle Achtung, das hier war wirklich nicht ganz schlecht.)

Am nächsten Tag (oder eben Nacht, man weiß bei Franco ja nie, jedenfalls weist der Himmel eine hellblau-bewölkte Färbung auf) ist Pickwick außer mehrerer Niesanfälle unversehrt aus dem Wasser gefischt (schade), von einem „Barton“ keine Spur.

Irgendwo in einem Gang (nähere räumliche Auskünfte kann ich euch leider immer nicht geben – denn es wird nie auch nur ein Wort darüber verloren). Jess gibt seinen zweiminütigen Gastauftritt – als Messerwerfer. Nein, nicht der Messerwerfer, ein anderer, und zudem ein berühmter. Der Knabe wird von Redford und seinem Cheffe befragt (okay, wenn dieser Gang – ohne Stühle – jetzt auch noch das Verhörzimmer von Scotland Yard sein soll, muss ich mich, ob ich will oder nicht, wieder von einem großen Teil meiner Gehirnzellen verabschieden). Auf die Frage, wie der Killer fortwährend so genau ins Herz treffen kann, antwortet Franco: Er muss von Beruf Messerwerfer sein. (Ach nee, du scherzt doch… darauf wäre ich im Traum nicht gekommen! Na ja, der SY-Oberchef war sich nicht sicher) Die Mordwerkzeuge sind übrigens besondere Dolche (richtig – sie machen BOING) aus dem asiatischen Raum, womöglich der Türkei, hierzulande werden solche Dinger nicht hergestellt. Das reicht den Beamten als Auskunft. Doch bevor sie den Raum verlassen, hält Franco sie noch kurz auf: Er möchte den Killer persönlich kennenlernen, wenn sie ihn gefangen haben, denn „er mag zwar ein Mörder sein, aber zugleich ist er auch ein genialer Kollege.“ Na dann. Superspruch. Bei der Sachlagenbesprechung müssen Redford und sein Boss zugeben, weiterhin im Dunkeln zu tappen. Es scheint kein Zusammenhang zwischen den Toten zu geben, kurzum: Inspektor Redford braucht frische Luft zum Überlegen, immerhin ist ihm, „als hätte [er] ´ne Imkerei im Schädel.“

Die frische Luft findet er in Form einer verrauchten Bar, in die die Sekretärin völlig hektisch hineinplatzt. Sie teilt dem Inspektor mit (woher sie wohl weiß, wo sich der Kerl aufhält? War es die berühmte weibliche Intuition oder einfach Drehbuchschlamperei?), den von Redford gesuchten schwarzen Koffer beim Onkel Doktor gefunden und näher untersucht zu haben – und da drin hat sie neben einigen Kleidungsstücken auch Ampullen und Spritzen gefunden, wie auch MESKADRIN, die stärkste aus Opium hergestellte Droge! Nun verstehe Frau (ich habe noch immer keinen Namen… schwer, diese Umschreibungen) auch die ganzen Zusammenhänge zwischen Meskadrin und Bennett. Auf Nachfrage, wer denn Bennett sei, erklärt sie ihrem Gegenüber, das wäre ihr Mann gewesen. Er habe beim FBI ge- und einen Fall bearbeitet, bei dem es um eben jene Droge ging. Irgendwie kam dabei der Verdacht auf, er würde mit den Schuften paktieren, weswegen er bald darauf im Gefängnis landete. Dort unternahm er einen Fluchtversuch, bei dem er vor vier Jahren ums Leben kam. Einen Tag später rief ein Unbekannter bei ihr an, der nicht wusste, dass Bennett zu dem Zeitpunkt nicht mehr unter den Lebenden weilte, und befahl ihm, sofort nach London zu fliegen – zu einem gewissen Dr. Bladmore. Da aber ein Toter schlecht auf Reisen gehen kann, beschloss Bennetts Gattin kurzerhand, sie selbst vorzunehmen und beim Doc eine Stellung zu bekommen. Nachdem ihr das gelungen war, suchte sie ein Jahr nach Hinweisen, die mit dem Tod ihres Mannes zu tun haben könnten, fand aber keine – doch durch die neuerlichen Todesfälle sind die alten Wunden wieder aufgebrochen. (Schätzchen, wenn du Bladmore so lange in Verdacht hattest, er könne in finstere Machenschaften verstrickt sein – warum hast du ihn denn ständig in Schutz genommen, dich der Polizei gegenüber [bis eben] aber so ablehnend gezeigt, hä? Außerdem spricht es für eine lange ausgesprochen schlampige Suche, wenn du erst nach vier geschlagenen Jahren Anhaltspunkte, die gegen den Arzt sprechen, findest. Und dass du überhaupt vier lange Jahre lang, obwohl als Sekretärin arbeitstechnisch gesehen die engste Vertraute, nichts mitbekommen haben willst, lassen keinen anderen Schluss zu: Du doof!) Der gute Redford, augenscheinlich in die Hohlbirne verliebt, kann sie dazu bringen, die eben getätigte Aussage bei Scotland Yard nochmals zu wiederholen.

Zu zweit angekommen (sprich: im wohlbekannten Scotland-Yard-Büro) setzt Redford die Sekretärin kurz dort ab und bricht mit dem Schreibmaschinenschreiberling und dem Telefonisten sofort zu Bladmores Praxis auf. (Ähm… ich bin mit der englischen Kultur nicht vertraut, aber braucht man nicht auch in diesem Land so etwas wie Durchsuchungsbefehle?)

Just ist der Zielort erreicht und debiler Schwachfug, den Franco wohl als Comedy bezeichnen würde, zwischen dem Inspektor und einem seiner Unterlinge spielt sich ab, über den ich – zumindest weitestgehend – gnädigerweise den Mantel des Schweigens lege (glaubt mir: es ist besser so). Da der Doc laut schriftlicher Nachricht an der Tür aushäusig ist, müssen sich unsere Freunde gewaltsam Zutritt verschaffen. Zwei halbherzige Tür-Einrenn-Versuche von Redford scheitern kläglich (kein Wunder: Das, was Knabe Williams da treibt, reicht ja noch nicht mal aus, um einen Hundewelpen umzuschubsen.). Doch sein Assi hat noch ein As im Ärmel und fummelt das Schloss mit einem Bleistift (!) auf. Wie auch immer, es funktioniert, allein: Alle Mühe war vergebens, Bladmore pflegt in der Tat seine Abwesenheit. Also, auf zu seiner Wohnung.

Nach einem doofen Schnitt sind wir innerhalb von einer Sekunde auch schon da – die schmerzhaften Humorversuche des Skripts wollen nach wie vor auch erst überlebt sein -, diesmal klappt´s rätselhafterweise auch mit der Rammbockmethode. Leider finden sie in der Wohnung wieder keinen Bladmore, dafür jede Menge Verwüstung plus eine Prise Blut an Fernseher und auf Boden.

Einen weiteren doofen Schnitt später ist Redford bei sich zu Hause, gemeinsam mit Freundin Lola und der Frau ohne Namen. Übers Telefon kommen keine positiven Nachrichten: Von dem Herrn Doktor fehlt jede Spur. Danach klingelt´s an der Tür – und herein spaziert Pickwick mit der Nachricht: „Der Fall ist gelöst! Der Mörder ist der LKW-Fahrer!“ (Soll das so ´ne Art Running Gag werden, oder wie? Wenn ja: Er ist NICHT witzig.) Er zeigt seine gemachten Fotos in die Runde und per Lupe kann man gar erkennen, wer da ins Wasser geworfen wurde, nämlich niemanden anderes als – tatää – „Charles Barton“. Aber das wussten wir ja schon… (Davon abgesehen halte ich es doch für ausgesprochen fraglich, wenn nicht unmöglich, dass Pickwick aus seinem Blickwinkel ein dermaßen detailliertes Foto schießen konnte.) Der Amateurdetektiv erzählt auch gleich ganz stolz von seinem Rettungsversuch: „Nachdem die Wogen ihn verschlungen, bin ich ins Nass ihm nachgesprungen und fand ihn leider nicht.“ (Argh! Ich hasse diesen Typen!) Das erfordert eine sofortige Maßnahme. Der Herr Inspektor ruft bei „Barton“ an (ein lustiger Anschlussfehler: eben standen Pickwick und die beiden Tussis noch, im nächsten Moment sitzen sie auf einem Sofa) wird von dessen dank seiner ruhigen Stimme reichlich psychopathisch klingenden Butler abgewimmelt, kann jedoch von ihm die nicht irrelevante Information herauspressen, dass sich „Barton“ bester Gesundheit erfreue. (Da haben Celia und Glatze vorhin ja ganze Arbeit geleistet. Stümper!) Redford zwingt diese Aussage zu sofortigem Aufbruch, Lola als vernachlässigte Braut ruft ihm sauer hinterher.

Bei Scotland Yard ist nach wie vor nicht der Teufel los – erst als Redford das Büro betritt, kommt Stimmung in die Bude. Sein Assi (der mit den zwei Telefonen in den Händen) soll die Verbindung mit dem FBI herstellen wegen der Bennett-Sache und ein zweiter (huch, das Büro ist doch eine kleine Ecke größer, so 5 m², als ich ursprünglich annahm) bei Interpol in der Türkei anfragen, ob man ihnen wohl freundlichst mitteilen könnte, wer die Killer-Wurfmesser angefertigt oder wer den Auftrag erteilt hat. (Toll, dass die Transuse von Scotland-Yard-Chef nicht schon längst die von Franco erhaltenen Aussagen weitergegeben hat und erst Stunden später der überarbeitete Inspektor die Drecksarbeit machen muss. Eine echt phantastische Arbeitseinstellung haben die da auf der Insel, ehrlich!) Damit ist die Arbeit hier getan, Redford macht abermals die Fliege, als das lästige Anhängsel Pickwick in der Tür steht und ihm erzählt, dass Lola ihn verlassen, dafür sich HELEN (Danke, danke, danke! Endlich habe ich den Namen der Sekretärin wahrgenommen!) bei ihm einquartiert hat. Juhu, sagt der Inspektor und geht…

… um sich wenig später daran zu machen, bei „Barton“ über das Fenster einzubrechen. (Uff! Nach diesem Film habe ich keinerlei Vertrauen mehr zu Scotland Yard. Die machen hier wirklich alles, und sei es illegal, was ihnen grad in den Sinn kommt. Warum klingelt er nicht einfach? Warum sich so Zutritt verschaffen?) Er guckt und guckt (was auch immer er sucht) und findet schließlich die tote Milly (ihr wisst noch – die Tänzerin?), neben ihr ein Zettel mit der Botschaft: „Letzte Warnung“. Von „Barton“ fehlt jede Spur. Bei der Entdeckung wird er vom Butler überrascht. Macht aber nix, weiß auch Redford und ulkt rum: „Sie sollten lieber die Polizei rufen.“ (Muaharharhar!)

Was tut eigentlich Prinzessin Celia? Die ist zu Hause und macht sich grad fein, als es an ihrer Tür klingelt. Freundlich, wie sie ist, öffnet sie und herein springt quietschfidel Horst Tappert. Damit hätte Celia nun überhaupt nicht gerechnet, die Wiedersehensfreude hält sich arg in Grenzen, vor allem, da der Krimiautor richtig gewalttätig wird und die Dame aufs Bett prügelt, bevor sie ihren Revolver aus einer Schublade zücken konnte. Den reißt sich stattdessen der Eindringling unter den Nagel („Barton“ selbst scheint komischerweise gar keinen Schießprügel oder wenigstens ein Messer bei sich gehabt zu haben, was für einen klugen Einbrecher beim Betreten einer Wohnung doch eigentlich Grundvoraussetzung sein müsste – na ja, jetzt hat er einen). Hektisch schaut er um sich und fasst einen teuflischen Plan. Wir kommen zu einer Szene aus dem Raritätenkabinett, denn unser aller Horst offenbart uns völlig überraschend seinen Bondage-Faible (ob das die ZDF-Verantwortlichen wussten, als sie wenige Monate später Tappert über Jahrzehnte für die Rolle des Sympathieträgers Stephan Derrick verpflichteten? – Oh, ich bin so lustig heute, ich mach´ mich nass!).

Er grabbelt sich ein Paar Nylonstrümpfe aus der Schmutzwäsche und bindet Celias Unterarme damit an die Bettpfosten links und rechts von ihr fest. Danach schnappt er sich ein Parfüm (oder Kleiner Feigling?) und beträufelt sein rebellierendes Opfer mit dem flüssigen Inhalt, um ihr letztlich ein brennendes Feuerzeug an den Körper zu halten. Uuaaah, hier tun sich menschliche Abgründe auf! „Barton“, der Folterknecht! Schwer zu verarbeiten. Genüsslich lebt er die Hilflosigkeit seines Opfers aus, hat nicht etwa vor, merkwürdigen Sexualpraktiken nachzugehen, sondern stellt ihr die alles entscheidende Frage: „Woher hast du das Meskadrin?“ Wenn die Antwort nicht innerhalb der Zeit gegeben werde, in der das Streichholz abgebrannt ist, passiert was. Doch sie weiß nix. Zwei Sekunden noch! (Boah, spannend, das.) Gleich… gleich passiert es… gleich haben wir eine flambierte Celia… Puh, doch nicht: Sie rückt raus mit der Sprache: Zwar wisse sie nicht, wer den Auftrag gäbe, aber immerhin ist sie auskunftsfreudig genug, um dem Folterhorstl den Zeitpunkt der nächsten Lieferung durchzugeben: Morgen um vier Uhr morgens kommt die Droge mit dem Tortenmann per LKW. Das reicht „Barton“, um sich umgehend aus dem Staub zu machen, Celia kann sich schwer keuchend aus ihrem bedauernswerten Zustand befreien.

Wir wechseln innerhalb von einer Sekunde den Schauplatz und den Tag. Während draußen der blinde Leierkastenmann nachts an einem Haus herumirrt und sich einen ableiert, schauen Celia und ihr treuer Gefährte, der Glatzensack, interessiert aus dem Fenster und warten auf irgendwas. (Und nein, ich habe nichts ausgelassen, das ist halt der übliche konfuse, inflationär in diese Kritik eingebrachte Franco-Schnitt.)

Worauf sie warten? Augenscheinlich auf den LKW, der hier die Torten (und das Meskadrin) abliefern soll. Der Fahrer der Kutsche (könnte der Einbrecher gewesen sein, der ziemlich zu Beginn sich einfach Zutritt zu „Bartons“ Wohnung verschaffte – ich will das aber nicht großartig nachprüfen) wird bei seinem Transport plötzlich vom Schriftsteller mit dem Foltertick mit einer Knarre bedroht. (Nein, und ich frage mich gerade nicht, warum keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. Ich meine, Celia wurde von einem gemeingefährlichen „Barton“ gefesselt und der bewegt sich noch auf freiem Fuß. Da könnte man doch glatt auf die Idee kommen, bei der wichtigen Fuhre vorsichtshalber eine Art Bodyguard für den Fahrer oder ähnliches einzusetzen. Nun ist zu spät. – Jawoll, ein wahrhaft durchdachter Plot ist das.) Tappert packt minutenlang seinen seltsamsten Gesichtsausdruck aus (eine Mischung aus „Boah, bläst mir der Fahrtwind ins Gesicht“ und „Gnnnnrrrrr! Ich krieg´ die Kackwurst nicht raus!“) und befiehlt dem Fahrer, zur Flamingo-Bar zu cruisen. (Äh… hat er eigentlich nicht genau das vor?) Dann schnappt „Barton“ sich ein Geschenkpaket, mit dem Inhalt einer Bombe, die ursprünglich für jemand anderen bestimmt war, bei Ankunft an der Bar aber hochkant dort aus dem Fenster fliegt. Eine Schmalspurexplosion schließt sich an (echt – ich habe spektakulärere Tischfeuerwerke erlebt!) In diesem schönen Stück reicht´s neben ´ner Menge Rauch aus, um den mindestens im zweiten Stock stehenden Glatzfettsack leicht zu verletzen, d.h. er hat etwas Ketchup aufm Schädel. Hast du fein gemacht, „Barton“, Anschlag fast gelungen.

Zurück im Wagen. Mehrere Stunden sind vergangen, die Sonne sch… halt, doch nicht! Ist immer noch Nacht, wenn ich nach der Aussicht aus dem Inneren des Wagens gehe. Entschuldigt. „Barton“ bedroht nach wie vor vor sich hin und will wissen, für wen der Fahrer arbeitet. Der weiß fast so wenig wie Celia vor kurzer Zeit, nämlich wenig, aber immerhin ein wenig mehr: Der Auftraggeber ist ein Lord! In einer aufmerksamschwachen Sekunde und nach einem herzhaft-debilen Grinser Tapperts gelingt es dem Mann am Lenkrad, seinen Alptraum in ein Handgemenge zu verwickeln. Das bessere Ende verbucht der Autor für sich, kann er doch bei ungefähr Tempo 80 aus dem LKW springen und mit beiden Füßen auf dem Asphalt landen, ohne hinzufallen (! In welchem Paralleluniversum spielt dieser Film???), während der Fahrer weniger Glück hat und einen Abhang runterstürzt. (Die Szene ist einfach nur noch als jämmerlich montiert zu bezeichnen. Man muss sie schon selbst sehen, Worte geben sie nur unzureichend wieder: Der „Stunt“ ist lächerlich [und eigentlich gar kein Stunt] und der Absturz des LKW eine Archivaufnahme.) Nach einem weiteren blitzartigen Wechsel von Nacht zu Abenddämmerung glotzt „Barton“ „betroffen“ und erblickt einen von der Filmcrew handgefertigten Wegweiser: „8 Meilen Cronsdale Castle“. Könnte da am Ende der Lord wohnen?

Uns Helen ahnt von den bahnbrechenden Abenteuern des Kriminalschriftstellers nichts und telefoniert vielmehr aus Redfords Wohnung mit „Barton“, möchte sich wegen Bennett mit ihm in der Kirche treffen. (Warum jetzt ausgerechnet mit dem? Könnte mir hier mal einer erklären, wer warum was gerade/gerade nicht tut? – Okay, okay, okay, ich sag´ ja gar nichts mehr…)

Schwupps, sind wir in der Kirche. Pickwick wandert auch mal wieder durch die Gegend und an der Kirche vorbei, wo er sich äußerst ungeschickt (sagen wir: viel ungeschickter geht´s nicht!) vor Helen versteckt. (Diesmal steht er übrigens nicht REIN ZUFÄLLIG am richtigen Ort, sondern hat die Frau von Redfords Anwesen an verfolgt – warum auch immer.) Er stellt sich ans Portal des Gotteshauses, sobald die Verfolgte hineinspaziert ist. Und was muss die Sekretärin da völlig erstaunt feststellen? Bennett ist – „BARTON“… will sagen… „Barton“ ist Bennett! (Und den hast du eben am Telefon nicht identifizieren können? Deinen eigenen Mann? Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Du doof! Richtig doof!) Bennett meint, hier könne man nicht sprechen und verlässt mit ihr nach Sekunden gleich wieder die Kirche, Pickwick mit Abstand hinterher. (Wohin sie gehen? Keiner sagt es uns.)

Bei Scotland Yard läutet indes das Telefon. Warum? Gut, das wird uns verraten. Pickwick ist am Apparat und erklärt Redford seine soeben gemachten Beobachtungen. Deshalb sieht der sich genötigt, wie von der Tarantel gestochen aufzuspringen (der Kerl sitzt auch nie!) und sich zum Ort des Geschehens aufzumachen.

Weiter im Text. Redford beobachtet, und zwar die allein aufm Fußweg stehende Helen. Und nicht nur das: Er lädt sie auch sofort in seinen Wagen ein. Die ist jetzt aber gar nicht begeistert und tut das sehr ungern, nur um wenig später unter dem Druck, den der Inspektor auf sie ausübt (na ja… Druck… etwas übertrieben – er fragt sie halt, was sie von „Barton“ wolle), zusammenzubrechen und loszuflennen, „Barton“ sei Bennett und somit in Wirklichkeit ihr Mann, der ganze Schmafusi eben. Den Pass habe er von einem Sträfling erhalten, sie solle Redford nie wieder treffen, sie traue ihm zu, dass er sie andernfalls umbringen würde, er könne in eine furchtbare Sache verwickelt sein, blablabla. Nebenbei bewundern wir die grandiose Ausleuchttechnik Francos – während Redford deutlich erkennbar ist, während er die Fragen stellt, sitzt Helen komplett im Schatten des Autos. – Doch setzen wir fort: Bennett muss irgendwie (wie? Keiner sagt es uns. Franco ebenfalls nicht.) herausgefunden haben, dass Scotland Yard beim FBI seinen Namen angefordert hat. Daraus zieht Redford die Schlussfolgerung: Ihr Gatte möchte nicht, dass die Sache noch mal aufgerollt wird. Damit wäre das Gespräch beendet, abschließend wird er allerdings noch kurz persönlich, als sie den Wagen verlässt: „Lieben Sie ihn noch?“ Sie schüttelt den Kopf: „Nein.“ Schön. Ist sie frei für ihn. (Und warum lässt du deinen Schwarm jetzt unbeaufsichtigt gehen, Herr Inspektor?)

Wir schwenken um zu oben angesprochenem Schloss: „Cronsdale Castle“. Dort sitzt niemand Geringeres als Dr. Bladmore (keine große Überraschung, wenn man den Inhalt bisher mitverfolgt hat, findet ihr nicht auch?) an einem Klavier und spielt engagiert darauf bzw. Siggi Schürenberg tut so, als würde er spielen. (Das könnte man beinah glauben, wenn er sich etwas mehr anstrengen und von der Tonspur nicht auch noch ein ganzes Orchester erklingen würde.) Unterbrochen wird er von seiner Nichte, der er sogleich sein ganzes Leid klagt: Ach, er fühle sich inzwischen zu alt für das Geschäft. Nur die Musik helfe ihm über vieles hinweg. Die Nichte hingegen scheint das eher peripher zu tangieren, sie berichtet lieber von der hochgegangenen Bombe. Bladmore ist froh, dass niemand schwerwiegend verletzt ist, steht auf, geht zum Schreibtisch und kriegt ´nen Schreck (na ja): Dort liegt ein Papierstück, das da eben noch nicht lag. Gold wert Schürenbergs „empörte“ Reaktion: „Wer hat das da hingelegt?“ Da der Butler sich in der Zwischenzeit verzupft hat, sieht der Doktor das als günstigen Zeitpunkt, draufgängerisch zu werden und seiner Nichte – das ist ja wohl nicht zu fassen – erst mal einen heftigen Kuss auf den Mund zu drücken – und die erwidert auch noch. Die sind ´n Liebespaar, unerhört. Inzest! (Glaubt ja nicht, dass das für unsren Plot noch ´ne bedeutende Rolle spielen würde…)

Der Wisch aufm Tisch entpuppt sich, als sie sich mal dazu bequemen, den Inhalt zu lesen – oh Graus –, als Drohbrief, aus dem hervorgeht, dass unser Doc und Schlossbesitzer der Nächste sein wird. Dem bleibt nur noch die entsetzte Frage, jetzt schreiend vorgetragen: „Wer hat das gebracht?“ Der herbeigerufene Butler weeß es ooch nicht. Diese Drohung bringt Bladmore nun einigermaßen aus der Fassung und er hält seinen bereits zuvor geäußerten Entschluss aufrecht: Er wird sich aus dem Geschäft zurückziehen, vorher allerdings soll die Schlampe Helen, die bestimmt mit der Polizei arbeitet, entführt werden.

Das altbekannte Duo Glatze und Celia darf das übernehmen. Nachts dringen sie bei Redford ein und klauen die Alte. (Ich find´ das großartig, einfach großartig: Könnte mir mal jemand erklären, woher, zum Teufel, ihr jetzt wieder wisst, dass Helen bei Redford untergeschlüpft ist? Habt ihr einen Spürhund auf sie angesetzt? Wenn ja, wäre es schön, wenn das Skript das mit einem Federstrich erwähnen würde. Und Redford, an dich auch ein paar ernste Worte: Wo steckst du? Was triffst du für Sicherheitsmaßnahmen? Helen ist in Gefahr, du Dummbatz, solange die böse Bande noch auf freiem Fuß ist. Wo ist ein Wachposten? Ein Bodyguard? Leute, langsam wird mir das zu blöd hier) Na gut, ich nehm´s zum Teil zurück. In der Tat wacht im Inneren des Hauses jemand und beobachtet das ungewöhnliche Treiben interessiert, aber dieser Jemand ist – Pickwick! Es besteht wenig Hoffnung auf Rettung, Helenchen!

Aber der Tapfere versucht es trotzdem und schafft es, sich unbemerkt an den weißen Klein-LKW anzuhängen. Den Trotteln am Steuer und aufm Beifahrersitz fällt das abermals nicht auf. Sie brausen und brausen (hey – es gibt sogar ein bisschen Action jetzt), bis sich Pickwick nicht mehr festhalten kann und abstürzt. Bis auf seinen Fotoapparat ist (leider) nix kaputtgegangen und er kann körperlich unversehrt seines Weges gehen. (Was auch immer das für einer sein mag – erwähnenswert noch, dass das wieder eine der komischen Nächte ist, die so aussehen, als wäre Tag.)

Bei Scotland Yard herrscht unterdessen rege Betriebsamkeit – im Verhältnis zu dem, was wir in den vergangenen Minuten dort schon erlebt haben. So mokiert sich der Chef darüber, weil Redford nirgends erreichbar ist. Bevor man vermuten könnte, ihm selbst wäre etwas zugestoßen, kommt er gut gelaunt wie eh und je ins Büro spaziert. (Würde mich echt interessieren, was du in der Zwischenzeit gemacht und vor allem, WO du dich rumgetrieben hast, Birne! Vögel im Park gefüttert? In Baumstämme oder Parkbänke „Redford liebt Helen“ eingeritzt?) Und ob ihr´s glaubt oder nicht: Seine Assistenten waren inzwischen nicht untätig und haben tatsächlich so was wie Ermittlungsarbeit betrieben: Jedenfalls teilt einer von ihnen dem Inspektor mit, in der Türkei hätte jemand den Auftrag gegeben, zwölf Messer für einen gewissen Ponko (?) anzufertigen, der sich hier in London aufhalten soll. Außerdem bestätigte das FBI: Bei einem Fluchtversuch aus dem Gefängnis sei damals ein gewisser Charles Barton in seinem Auto wegen eines Unfalls verbrannt und konnte nie identifiziert werden. Redford zählt 4589 und 999542 zusammen und kombiniert: Dann hat Bennett damals die Gunst der Stunde genutzt und Bartons Identität angenommen. (So weit waren wir schon seit gut zehn Minuten.)

Zurück in Cronsdale Castle. Dort teilt Linda (das ist die Nichte) ihrem Onkel Bladmore stolz mit, dass man den „Goldfisch“ gefangen habe. Nach dem erwünschten Besuch ist dem allerdings momentan nicht zumute, er will lieber ins Labor – Linda soll sich um die gute Helen kümmern.

Ehe es hier weitergeht, möchte ich Herrn Franco an dieser Stelle einen knappen Brief übermitteln (bitte geduldet euch!):

Lieber Jess,

ICH hätte das Labor nicht gezeigt!

Mit freundlichen Grüßen,

ein Idiot, der sich bis hierhin nahezu 13 Seiten zu einem bis dato knapp über einer Stunde laufenden Franco-Heuler ausgelassen hat

Okay, Brief im Briefkasten. Das Laboratorium entpuppt sich als eine laue Nummer, das Dr. Gradys Wunderstube in „Killer Eye“ ernsthafte Konkurrenz macht: In einer Art Kellerverlies, in dem ich freiwillig keine zwei Minuten arbeiten würde, stehen allerlei Reagenzgläser aus dem Chemiebaukasten (dass sich Franco das leisten konnte…), gefüllt mit mysteriös blubbernder roter Ahoi-Brause, hochtechnologische Gerätschaften aus dem Physikraumfundus einer seit Anfang 1900 geschlossenen Schule, auf denen funkensprühende Wunderkerzen deponiert sind – und dann auch noch Celia, die mit der Flüssigkeit rumpanscht. In dieses… äh… „Labor“ tritt Bladmore, der der bestimmt höchstqualifizierten Naturwissenschaftlerin mitteilt, den Flamingo-Club aufgeben und sich in Rio niederlassen zu wollen, wo man die Drogenwirkung auch gleich um 100% erhöhen könne. Er würde gerne alle aus diesem Team, also auch Celia, mitnehmen wollen. (Das Meskadrin stellt sich übrigens in seinem Endprodukt als eine Reihe knallroter winziger Lollis ohne Stiel heraus, die ich als Kind immer bei meinem Stammfriseur als Abschiedsgeschenk abgestaubt habe.)

In irgendeinem Raum kommt die gute entführte Helen zu sich und wird dort gleich von Linda bedroht („Du weißt zuviel und wirst dafür sterben!“) und gefoltert (die schockierende Offenbarung – sie ist die Frau, die schon damals Celia und Glatze beauftragt hatte, sich um Bennett, ehemals „Barton“ zu „kümmern“ – hat mich nicht vom Hocker gerissen). Als Folterinstrument dient der superbösen Frau eine angezündete Zigarette, die sie ihrem Opfer derb in die rechte Wange bohrt. (Tut bestimmt weh! Zumindest hypothetisch. Täte aber mehr wirken, wenn es nicht so aussähe, als stieße sie nur in Luft.) Außerdem droht sie ihr, ihr die Haut in Streifen vom Gesicht zu reißen, wenn sie nicht erzählt, wie viel sie dem Inspektor verraten hat. (Voll der Psychofreak, die Linda!)

Irgendwo draußen leiert sich der blinde Leierkastenmensch (ja, den gibt´s auch noch!) einen ab – und er kriegt wieder Besuch von dem Großen Unbekannten, der immer noch verdächtig nach Horst Tappert klingt. Aus dem Gespräch geht hervor: Heute Nacht soll´s losgehen, Leier werde ein reicher Mann werden, wenn er tut, was er tun soll. (Uuh, unheimlich.)

Bei Scotland Yard in einer ruhigen Minute. (Bruahahaha!) Dort wird Redford, der zufällig mal da ist, von Pickwick angerufen. Der teilt ihm mit, in Kensington zu weilen, wo er in einem Bordell (oder, wie sich der Affe auszudrücken pflegt: „in einem Etablissement nicht ganz von Adel“ – meine Fresse, begegne du mir mal auf der Straße!) von einer Hure gehegt und gepflegt wird. Außerdem sei, und das ist für Redford wider Erwarten wichtiger, Helen entführt worden. Jetzt klinken „Heldensymptome“ bei dem Inspektor ein (spät, aber wenigstens überhaupt, bisher bestanden seine „heldenmäßigen“ Tätigkeiten aus sinnlosem Durch-die-Gegend-rennen, doch wenig Kombinationsgabe. Columbo hätte den Täter schon nach zwanzig Minuten überführt.) und er macht sich sofort auf den Weg zu Pickwick, der sich in der Zwischenzeit überlegen soll, wohin man mit Helen verschwunden sein könnte. Der Chef stellt sich ihm in den Weg und erinnert ihn an das (von mir bis hierher nicht aufgeführte) gestern abgegebene Versprechen, bei Nichtbaldlösung des Falls in die Themse springen zu wollen, aber Redford ist sich sicher: Das Ganze wird noch heute aufgeklärt.

Derweil hat Bladmore nichts Besseres zu tun, als dilettantisch wie eh und je vorzutäuschen, Klavier zu spielen. In ihrem Zimmer sitzt seine Nichte und irgendwo durch die Gemäuer schleicht ein POV-Shot, unschwer als Killer identifizierbar. Der macht sich gleich frisch, fromm, fröhlich, frei ans Werk und beginnt, Linda munter zu erwürgen. (Das Besondere an diesem Mord: Er wird komplett aus der First-Person-Perspektive gefilmt. Und was ist mit mir los? Ich weise erneut auf das durchause Gelingen der Szene hin. Hmm… werde ich krank?) Anschließend packt er die Koffer. (Inkonsequent is´ er ja schon. Bei seinen anderen Opfern hat er die Prozedur immer VORHER durchgeführt.)

Draußen vor dem prächtigen Cronsdale-Anwesen taumelt Bennett rum und verschafft sich heimlich und ausgesprochen leicht Zugang. (ZU leicht – unter einem gut bewachten Schloss verstehe ich etwas anderes. Für Bodyguard-Schauspieler reichte offenbar die Kohle nicht.) Bladmore hat inzwischen das Malheur, sprich: den Koffer, im Flur entdeckt und gerät daraufhin in blanke Panik, ruft nach seinem Linda-Schätzchen, bekommt aber – verständlich! – keine Antwort. Franco bedient sich des ältesten Spannungskniffs: Er lässt alle möglichen Türen quietschen und langsam zufallen. (Hilfe! Hab´ ich grad Stimmen gehört? Das ist aber wirklich absolut nervenkitzelnd!) Der Lord läuft wie Falschgeld durch die Gänge und wird schon bald von Herrn Messerwerfer seines Lebens beraubt. (BOING!) Die große Enthüllung naht – wer ist der Unhold, wer ist der Mensch, der so hinterfotzig ist und wehrlose Leute umbringt? Noch nehme ich alle Wetten an… Na? Na? Es ist… Trommelwirbel… Trommelwirbel… – DER LEIERKASTENMANN! Und er ist nicht mehr blind! Oder war es nie… Und ich lass´ gleich die nächste Katze aus dem Sack, weil´s hier nie explizit angesprochen wird: Wer ist der Geheimnisvolle Unbekannte, mit dem der Killer zweimal sprach, der Auftraggeber, der mit der Stimme von Horst Tappert? – Wer mag das wohl sein? – HORST TAPPERT! Wahnsinn. Eindrucksvoll. Überraschend. Schlichtweg umwerfend. (Ganz ehrlich: Wer hat´s bis zu diesem Zeitpunkt NICHT gewusst? Ab in die Ecke, mindestens zweitausend Liegestützen und danach schämen!)

Ist der aufmerksame Zuschauer aufgrund dieser… ähm… „verblüffenden“ Enthüllung die nächsten Sekunden noch etwas benommen vom Kopf-auf-die-Tischplatte-knallen, so hat er gegenüber den Zuschauern, die sich sofort wieder beruhigt haben, einen gewichtigen Vorteil: Er muss seinen Schädel nicht sofort wieder auf den Tisch hämmern. Denn plötzlich fährt bei Cronsdale Castle ein Wagen vor. Inhalt: Redford und Pickwick! (Aaaaaaaaaaaaah!!! Woher? Woher? Woher? Woher wisst ihr, dass…? Rabäääääh! Es tut so weh!) Sie steigen aus und schlagen wie Berserker gegen das Eingangsportal. (Als wenn euch da jemand aufmachen würde…) Wenigstens wird ihnen schnell die Sinnlosigkeit ihres Tuns klar und sie steigen hintenrum über die Mauer. Dann heißt es die Treppen hinab – und wen erblicken sie dort? Den Leierkastenmann! Sofort tritt der die Flucht an (die Musik passt an dieser Stelle ausgezeichnet – ich mein´s ernst! Diesmal wirklich ernst!), doch Redford kann ihn schnell einholen und in einen slapstickhaften Zweikampf verwickeln, bei dem erst der Killer, dann der Inspektor die Oberhand gewinnt. Nachdem er etwas gewürgt wurde, kann der Leierkastenmann seinen Gegner abwerfen. Zu spät: Im rechten Augenblick kann Redford sich die beim Kampf verlorene Wumme krallen und zwei Kugeln in den Kopf des Bösewichts ballern. Bumm, bumm – tot.

Von den neuerlichen Zwischenfällen nichts mitbekommend tapert Bennett durch das Zimmer, in dem Helen gefesselt liegt. Er befreit sie und will grad mit ihr aufbrechen, als Celia und Glatze ihnen in die Quere kommen. Stört aber nicht großartig, der Schriftsteller ist schneller als die Glatze und schießt ihn tot, während er seine Frau kurz absetzt und die Verfolgung mit der davonlaufenden Celia aufnimmt. Der Weg führt sie durch einen Tunnel und nach wenigen Sekunden ist es schon soweit: Auch Celia darf dank Rückenschuss durch Bennett die Radieschen von unten bewundern. Und weil Horst grad richtig in Fahrt ist, stürmt er auch noch das Labor, ballert dort sinnlos in Richtung eines unbekannten, aber gewiss fiesen Fieslings, trifft ihn nach vielen Fehlschüssen sogar. Mit dem Spruch „Jetzt werde ich diese Drogen zerstören, wie sie die Menschen zerstört haben“ (soll das dein Motiv sein?) müssen schließlich auch noch die ach so liebevoll hergestellten Pillen und die böse rote Flüssigkeit dran glauben.

Tja, jetzt hat er zwar ordentlich den Bodycount nach oben getrieben, doch was nützt das, wenn er bei dem Verlassen des zerstörten Laboratoriums von Redford gestellt wird? Eben. Nichts. Der Inspektor kann natürlich nicht dulden, dass, auch wenn die Verbrecher es verdient haben, hier Menschen getötet werden – ist ja sein Job – und darum versucht er, Bennett zur Aufgabe zu zwingen. Das Spiel ist aus. Wir waren mal Freunde. Ich will nicht töten. Die üblichen Floskeln halt, bei denen so mancher Schuft schon weich geworden ist. So aber nicht der Schriftsteller: „Kommen Sie nicht näher, ich werd´ gnadenlos schießen. Weg! Weg!“ (Irgendwie finde ich Tapperts Gesichtszuckungen bei seinen „Weg! Weg!“-Rufen niedlich. Ist das Absicht?) Aber Redford denkt nicht daran, die Pistole wegzulegen, vielmehr redet er weiter auf sein Gegenüber ein und liefert uns nebenbei sogar noch – völlig unerwartet – ein einigermaßen plausibles Motiv für Bennetts Greueltaten: „Sie haben sich an den Menschen gerächt, die durch Meskadrin Ihr Leben zerstört haben.“ (Na ja, mit Hängen und Würgen akzeptiere ich dies als Rachegrund – wobei: Sind ein paar läppische Jahre Gefängnis gleich ein ganzes zerstörtes Leben?) Bennett ist trotz aller Versuche von Seiten Redfords fest entschlossen: „Nein, ihr bekommt mich nicht, eher werde ich euch umbringen.“ Sofort schickt er eine Kugel auf die Reise, so auch Redford (allerdings stimmen die Schussgeräusche von der Tonspur gar nicht mit den Bildern überein), mit dem Unterschied, dass letzterer sich rechtzeitig bückt, ersterer nicht. Folge: Schriftsteller stirbt, Inspektor lebt. (Und ich find´s noch mal niedlich, wie sich Tappert vor seinem Abkratzen, während er an der Wand runterrutscht, mit seinen Armen und Händen in eine Art

Fötusstellung zusammenkugelt.)

Der Rest der Scotland-Yard-Bagage hat inzwischen auch das Schloss erreicht und beabsichtigt, mit Gewalt die Vordertür aufzuschießen, aber Pickwick, der ein bisschen auf Helen aufgepasst hat, öffnet freundlich die Tür („Ah, Sergeant, kommen Sie herein!“). Redford kommt seinen Unterlingen entgegen und schließt die weinende Frau seiner Träume gleich in die Arme. Puh, alles gut gegangen.

Lust auf einen Schlussgag? Ich auch nicht. Trotzdem. Gerade als der Inspektor mit der Sekretärin an die frische Luft geht, findet Pickwick ein nettes Messerchen auf dem Boden und wirft es einfach mal spaßeshalber, ohne triftigen Grund in die Richtung unseres neuen Traumpärchens (!). Die Spitze verfehlt jedoch haarscharf die Körper und landet stattdessen in der Schlosswand. Ein Assi schüttelt ob so viel Dreistigkeit den Kopf, auch Redford kann´s nicht fassen. Pickwick versteht die Welt nicht mehr: „Was habt ihr denn bloß? Pickwick bürgt für Präzision, fast wie der Messermörder.“ Redford: „Ja… Gott sei Dank nur fast!“ ENDE (und ich gehe davon aus, dass sie diese Nervensäge später wegen versuchten Mordes sowohl an Helen und Redford als auch am Zuschauer ins Kittchen stecken, schon bin ich zufrieden).
Bewertung

Soso, das war also „Der Todesrächer von Soho“ (Soho? Wann fiel eigentlich das Wort „Soho“?). Nicht ganz unverständlicherweise könnte der geneigte Leser ob meiner ausführlichen Zusammenfassung davon ausgehen, ich hätte ein ganz besonders stupides Stück Filmgeschichte erwischt. Da muss ich aber, fair wie ich bin, von vornherein klarstellen: Dem ist nicht so. In der Tat spielt dieses Franco-Produkt – zumindest habe ich es so empfunden – nicht in der Liga eines akasavischen Teufels. Gewiss nicht. Natürlich – der Film ist bei weitem nicht logisch, wo kämen wir denn da hin, wenn Herr Franco logische Filme drehte? Auch „Der Todesrächer von Soho“ enthält eine ganze Menge Löcher – mehr als ein Schweizer Käse –, doch er lässt wenigstens nicht so viele Handlungsstränge ins Leere laufen wie etwa der sich in der Analyse zum Vergleich anbietende „Der Teufel kam aus Akasava“, der ja eine verrückte Wendung nach der anderen erlebte, immer wieder neue Figuren in den Plot einführte, um sie wenige Minuten später fallen zu lassen bzw. bevorzugt zu erschießen – und, was noch viel wichtiger und nicht selbstverständlich ist: Der Film besitzt wirklich einige gar nicht mal so schlecht funktionierende Szenen.

Inhaltlich liegt trotzdem vieles im Argen, denn wieder mal hat sich Franco zu viel vorgenommen: Er beschränkt sich nicht auf einen wesentlichen Plotpunkt, z.B. die Mordserie, sondern baut zusätzlich viel zu viele Nebenkriegsschauplätze ein. Dass diese ganzen Ideen, die ihm da durch den Kopf schwirrten, nicht zu einem befriedigenden Ganzen zusammengefügt werden konnten, ist zwangsläufig und aus der obigen Inhaltsangabe sicherlich mehr als deutlich geworden. Franco (und Art Brend) überfrachten das Skript, so dass der Zuschauer irgendwann inmitten dieses Kuddelmuddels den Überblick verlieren kann: Denn die Handlung dreht sich neben dem messerwerfenden Psychopathen, der als Marotte anderer Leute Koffer packt, bevor die ihr Ableben feiern, auch noch um einen zwielichtigen Schriftsteller, der eine falsche Identität angenommen hat und aus irgendwelchen Gründen auf Drogenjagd geht, diese Drogen wiederum stehen in irgendeinem Zusammenhang mit einer Klubbesitzerin (ich nehme zumindest an, dass Celia eine solche ist) und einem Glatzkopf, die von einer unbekannten Frau beschäftigt werden. Zudem irrt ein weiterer dubioser Vogel von Arzt durch die Gegend, eine Sekretärin, die erst mysteriös tut, dann von ihrem offensichtlich verstorbenen Mann faselt und Hilfe sucht. Parallel dazu „ermittelt“ Redford vor sich hin, stellt ein nerviger und als Comic Relief gedachter Fotograf Nachforschungen an und ist immer zufällig da, wo er grad zu sein hat, gern unterbrochen von so mancher Mordsequenz. Das ist zugegeben mächtig viel für nur 75 Minuten, findet ihr nicht auch? Eben – eklatante Löcher in der Logik sind die Folge und lassen sich nicht übersehen, wobei ich jedoch darauf hinweisen muss, daß sich wenigstens die Plotpunkte Mordserie und Mann mit falscher Identität letztendlich in einen Zusammenhang bringen lassen, nicht separat nebeneinander herlaufen, wie man zunächst annehmen könnte. Immerhin: Das ist doch was und nicht unbedingt Franco-typisch (der hat in seine Filme ja gern mal drei überhaupt nicht miteinander zu tun habende Handlungsstränge eingebaut). Zu den nichtsdestotrotz zahlreich vorhandenen inhaltlichen Ungereimtheiten habe ich oben schon genug Punkte angesprochen, denke ich. Ein erneutes Aufzählen erübrigt sich daher.

Durch die vielen Nebenhandlungen fällt es natürlich auch schwer, einen echten Spannungsbogen aufzubauen. „Der Todesrächer von Soho“ bewegt sich in der Hinsicht von Anfang bis Ende eigentlich ununterbrochen nahe dem Nullpunkt, mit leicht nach oben versetzten Ausreißern in den Mordszenen. Ferencz´ Tod ist visuell (trotz der Gleichung Londoner Nebel = verdreckte Linse) recht ordentlich geworden, wenn auch nicht wirklich spannend, aber ich sagte es bereits: Diese Minuten haben irgendetwas an sich (zur Not Surrealismus), das ausreicht, um auch über den Abspann hinaus in meiner Erinnerung zu bleiben. Auf jeden Fall kann man sagen, dass die Musik passt und die Vielzahl der Kameraeinstellungen der Szene das undefinierbare gewisse Etwas geben. Gleiches gilt für den Moment, in dem Milly von Glatze erwürgt wird und im Besonderen für die Ermordung Lindas aus der POV-Perspektive. Wenn man nicht vorher wüsste, dass man sich einen Film von Jess Franco anschaut, würden besagte Sequenzen bestimmt stärker wirken als sie es mit diesem Vorwissen tun.

Aber wollen wir jetzt mal nicht übertreiben und lassen wir die Kirche im Dorf: Diese drei Szenen sind auch schon die einzigen funktionierenden Dinge. Wie gesagt: Aufregend ist hier nichts, Spannungsbogen nicht existent. Man braucht sich nicht zu wundern, immerhin springt die Handlung von einem Ort zum anderen, von einer Figur zur nächsten, womit wir vor ein großes Problem gestellt werden: Wir haben keinen Hauptdarsteller. Nominell soll das Horst Tappert sein, doch den verlieren wir ständig minutenlang aus den Augen. Als Sympathieträger kommt er ohnehin nicht in Frage, da Tappert von vornherein vom Drehbuch einen unklaren, undurchschaubaren Charakter verpasst bekommen hat, so können seine „Abenteuer“ wenig mitreißen. Auf der Heldenseite steht Fred Williams´ Inspektor Redford, der wohl einen witzigen, einen coolen und einen cleveren Eindruck auf den Zuschauer machen soll – aber: Er ist weder witzig, er ist weder cool (die von seiner Figur ausgehenden Humorversuche sind geradezu erbärmlich) noch ist er clever. Gerade im letzteren Punkt erweist er sich als Sherlock Holmes für ganz Arme. Er darf zwar zum Schluss seine Heldentaten zelebrieren und Serienkiller sowie dessen Auftraggeber ausschalten, bis dahin hat er aber überhaupt nichts geleistet, was irgendwie mit Polizeiarbeit zu tun haben könnte. Vielmehr läuft er viel und sinnlos durch die Gegend, kommt und geht zu Scotland Yard (wozu seinen Chef informieren?), wann es ihm passt und lässt eine in Lebensgefahr schwebende Dame unbeaufsichtigt, so dass sie problemlos gekidnappt werden kann. Und die Frage, WIE ZUM GEIER er überhaupt herausgefunden hat, wo sich die komplette Bösmannfraktion aufhält, bleibt sowieso eines der größten, uns geschickt vorenthaltenen Geheimnisse der Drehbuchautoren. Mit Kombinationsgabe hatte das wohl weniger zu tun, eher mit reiner Willkür.

Mann, ich gehe hier viel zu ernsthaft an die Analyse: Das ist doch ein Franco-Film! Ich bin aber auch blöd…

Der Showdown jedenfalls ist absolut enttäuschend, ein kompletter Schuss in den Ofen für anspruchsvolle und auch nicht ganz so anspruchsvolle Gemüter und Thriller-Freunde. Das bisschen Rumgeballere, das Bennett veranstaltet, reißt ja nun wohl niemanden wegen akuten Nervenkitzels vom Hocker, zumal einem die Figuren herzlich egal sind. (Na ja, so egal nun auch nicht: Pickwick hätte meinetwegen bei der Schießorgie – und sei´s versehentlich – draufgehen können.) Merke: Schießereien und ein sich anschließender steigender Bodycount bedeuten nicht gleichzeitig Spannung. Auf die Inszenierung kommt es an, und in der Hinsicht ist das hier sehr einfallslos. Das weiß allerdings augenscheinlich nicht nur Franco nicht, sondern eine Menge anderer Regisseure.

Ganz für sich allein dämlich sind natürlich die Dialoge – und davon gibt es hier nicht wenige, aus dem einfachen Grund, weil erstaunlich wenig Action vorkommt für einen… äh… Thriller, sondern oft und gern geschwafelt wird, bis der Arzt kommt und/oder mal wieder ein Mord vonstatten gehen muss, der uns daran erinnert, dass es hauptsächlich um die Suche nach dem Killer mit den Messern geht. Zugegeben: Es gibt diesbezüglich weitaus Schlimmeres, aber aufgrund der Dialoglast fällt´s eben auch besonders auf. Hervorzuheben natürlich die Gespräche zwischen Redford und Helen, in denen wohl hin und wieder auch die Funken sprühen sollen, die aber nun mal überhaupt nicht witzig sind, und Pickwicks herzhaft-nervtötenden Sprüche, die man normalerweise eher in Poesiealben findet, nicht aber in… äh… seriösen… äh… Thrillern.

Was mir auch noch ins Auge stach, ohne Franco etwas unterstellen zu wollen, der ist sich dessen bestimmt gar nicht bewusst gewesen: In „Der Todesrächer von Soho“ sind durch die Bank ALLE, ausnahmslos, weiblichen Protagonisten entweder als böse und/oder verrückt (Celia, Linda) dargestellt (und erleben folglich das Filmende nicht) oder sie sind schlichtweg zu schwach (und dämlich) und müssen von den starken Männern befreit und gerettet werden (Helen). Das nur mal so nebenbei.

Damit wären also schon einige Schwächen aufgedeckt, aber längst nicht alle: Ich muss noch ganz dringend auf den abermals verheerenden technischen Mängeln rumreiten. „Der Teufel kam aus Akasava“ war hinsichtlich der Schnittarbeit schon furchtbar unbeholfen, aber hier ist das Ganze noch eine Ecke schärfer: Tag- und Nachtwechsel en masse während der Verfolgungsjagden, pausenlos holprig aneinandermontierte Einstellungen (besonders in der Szene, in der Bennett den Tortenfahrer bedroht plus anschließender Sturz in den Abgrund) und Szenenübergänge, die die Augen bluten lassen und nicht selten für einen debilen Grinser gut sind.

Stichwort: Grinser. Jetzt komme ich endlich auf den Unterhaltungswert aus Trash-Sicht zu sprechen. Objektiv, wie ich es bis hierhin gewesen bin, ist „Der Todesrächer von Soho“ ein schwacher und blöder Thriller aus den frühen 70ern, den man am besten schnell wieder vergisst (so 2-3 Ofdb-Punkte wären angebracht). Weil wir es aber nun mal mit einem Franco zu tun haben, hält selbstverständlich auch dieser Film aufgrund seiner unfreiwilligen Komik einiges an Grinsern oder Lachern (ich bin mehr der Grinser :-)) parat. Horst Tapperts seltsamen Gesichtsausdrücke fallen mir da ein, seine Folterszene, Siggi Schürenbergs stümperhafte Versuche, Klavierspielen zu simulieren, das Superduper-High-Tech-Labor, der für Unverständnis sorgende „Schlagabtausch“ zwischen Helen und Redford bei ihrer ersten Begegnung usw. Also – es ist eine ganze Menge geboten, die diesem Werk das Prädikat „stellenweise unterhaltsam“ verleihen. Leider aber nur stellenweise, denn, wie ich oben schon erwähnte, ist das Tempo des Films im Gegensatz zu – langweile ich euch mit den Vergleichen? Egal – „Der Teufel kam aus Akasava“ ziemlich bedächtig und weil die Drehbuchautoren nicht von einem Ed Wood unterstützt wurden, fehlen dialogtechnisch auch die ganz großen Schmankerl. Sicher – einige Sprüche sind Schmunzler wert, doch insgesamt ist das eher dürftig. Leerlauf gibt es doch hin und wieder etwas, demzufolge auch manchmal Langeweile – na ja, Langeweile nicht wirklich – sagen wir: francoeske Langeweile. Nicht selten wünscht man sich ein bißchen mehr Action und noch mehr Schwachsinn. Kriegen wir nicht geliefert. Schade.

Schauspielerisch will ich mal gar nicht so meckern: Horst Tappert, der spätere Fernseh-Kommissar Derrick, beweist, dass er mehr kann als bloß mysteriös in die Kamera zu glotzen, nein, er kann sogar grinsen und lachen und auch mal etwas grimmiger gucken, auch wenn seine Gesichtsausdrücke immer noch etwas eingefroren und allgemein merkwürdig wirken. (Jess Franco sagte übrigens über ihn, als Anekdote am Rande: „Horst Tappert war wunderbar, ein guter Schauspieler. Aber er hatte diese schreckliche Perücke und weigerte sich standhaft, diese abzunehmen.“) Fred Williams macht das Beste aus seiner Rolle, wird allerdings auch nicht sehr gefordert. Dafür scheint er einigermaßen Spaß während des Drehs gehabt zu haben als Inspektor. Barbara Rütting („Der Zinker“, „Neues vom Hexer“, letzter Auftritt bisher: eine Rosamunde-Pilcher-Verfilmung 2000) als Celia geht, obwohl sie sich nicht grad durch ausgiebiges, vielseitiges Mienenspiel auffällt – die muss nur böse gucken und verstrahlt allgemein eine dunkle Aura -, als Schurkin ebenso durch. Wolfgang Kieling (schon als Kind als Darsteller aktiv, kommt auf über 100 Filme, u.a. in dem tollen deutschen Fahrstuhl-Thriller „Abwärts“ zu sehen) schaut mal kurz für fünf Minuten vorbei (und hat sich klugerweise einen Vollbart stehen lassen, damit er seine Gesichtsmuskeln nicht unnötig verausgaben muss), um sich kurz erstechen zu lassen, während Fossil Siegfried Schürenberg seine Rolle, wie wir ihn aus etlichen Edgar-Wallace-Filmen kennen, sehr professionell angeht. Dahingegen bleibt Elisa Montes (bis 1995 sporadische Auftritte, früher vorwiegend in Western) als Love Interest des Inspektors blass, leidet aber auch unter ihrem schlecht geschriebenen Charakter – das trifft allerdings auf fast alle zu, einzig Tappert und Schürenberg heben sich etwas ab -, der von ihr ausschließlich verlangt, entführt zu werden und sich retten zu lassen – und Luis Morris (wahrlich ein schottischer Name!) spielt seine als Comic Relief angelegte Rolle als neugieriger Fotograf Pickwick nervig genug, um in dem Zuschauer den Wunsch aufkommen zu lassen, ihn schon nach wenigen Sekunden an die nächste Hauswand zu klatschen. Wenn das Absicht sein sollte, was ich bezweifle, dann hat er seine Aufgabe voll und ganz erfüllt.

Die musikalische Untermalung von Rolf Kühn (Franco soll sogar auch mitgemischt haben) funktioniert erstaunlicherweise manchmal, wird aber auch gern völlig unpassend in Dialogszenen eingefiedelt. Manfred Hübler und Siegfried Schwab haben in „Der Teufel kam aus Akasava“ eine geringere Trefferquote erzielt. Allerdings geht deren Soundtrack mehr ins Ohr als der von Kühn.

Was bliebe noch zu sagen? Na, das schlussendliche Fazit z.B. „Der Todesrächer von Soho“ ist also ein typischer früher Franco: Eine konfuse Handlung und ein stümperhafter Schnitt sind die Hauptkennzeichen dieses Films, die Spannung nicht aufkommen lassen wollen (und wenn, dann geschieht das höchstens ansatzweise in den Mordsequenzen), aber immerhin optisch an der einen oder anderen Stelle was hermacht, die Grenze des Surrealismus streift, und darüber hinaus mit der üblichen Franco-Dosis unfreiwilliger Komik aufwarten kann. Leider aber nicht über die volle Distanz, sondern nur ausschnittsweise (im Gegensatz zu – ich weiß, ich lasse den Titel übermäßig häufig in diese Analyse einfließen – „Der Teufel kam aus Akasava“ mit seinen augenausrupfwürdigen, hirnschädigenden Wendungen). Deshalb auch nur etwa 6,51 bis 6,79 Bomben (ich runde auf) und neutrale fünf Bier. Einmaliges Anschauen kann durchaus erheiternd sein, allerdings auch nur für Trash-Freunde. (Im direkten Vergleich würde ich aber seinen anderen, kurz vorher gedrehten Film, dessen Titel ich nicht noch mal schreiben will, jederzeit vorziehen.) Anspruchsvollere Gemüter hingegen dürften an der unbeholfenen Inszenierung und dem nicht vorhandenen Nervenkitzel verzweifeln. Wenn man diesen Film allerdings mit Francos neuesten Werken vergleicht (u.a. mit dem vom Doc besprochenen Angriff auf den gesunden Menschenverstand, „Killer Barbys vs. Dracula“), sofern man diese überlebt hat, fällt doch eklatant auf, dass der Regisseur 30-35 Jahre vorher handwerklich wenigstens ansatzweise noch etwas drauf hatte – und sich wohl auch noch richtig Mühe gab.

(c) 2008 Stefan Meckel


BOMBEN-Skala: 6

BIER-Skala: 5


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