Der Schrecken vom Amazonas


  • Deutscher Titel: Der Schrecken vom Amazonas
  • Original-Titel: The Creature from the Black Lagoon
  •  
  • Regie: Jack Arnold
  • Land: USA
  • Jahr: 1953
  • Darsteller:

    Richard Carlson (Dr. David Reed), Julie Adams (Kay), Richard Denning (Dr. Mark Williams), Antonio Moreno (Dr. Carl Maia), Whit Bissell (Dr. Thompson), Nestor Pavia (Lucas), Ricou Browning / Ben Chapman (Die Kreatur)


Vorwort:

Der Geologe Dr. Carl Maia macht im tiefsten Urwald des Amazonas-Gebiets eine erstaunliche Entdeckung – eine gut erhaltene, fossilisierte Klauenhand. Die von ihm zurate gezogenen US-Marinebiologisten David, Kay und Mark (letzterer der stark wirtschaftlich denkende Chef) vermuten, dass es sich bei dem ehemaligen Besitzer der Klaue um ein unbekanntes amphibisches Wesen handelt, eine wissenschaftliche Sensation, der man natürlich auf den Grund gehen will. Man entscheidet sich zu einer spontanen gemeinsamen Expedition, um den Rest des Fossils zu finden.

Mittlerweile hat aber eine geheimnisvolle Kreatur, deren Klauenarm, das einzige, was wir bisher von ihr sehen dürfen, verdächtige Ähnlichkeit mit dem fossilen Fundstück hat, Maias Camp verwüstet und seine beiden eingeborenen Helfer getötet. Die eintreffenden Wissenschaftler schieben die Todesfälle auf das lokale Tierleben und beginnen unbeeindruckt mit ihren Ausgrabungen, jedoch ohne Erfolg. David entwickelt die Idee, dass der nahe Flusslauf die fraglichen Gesteinsschichte weggespült haben könnte und tatsächlich kennt Lucas, der hemdsärmelige Kapitän des wurmstichigen Kutters, mit dem die Expedition unterwegs ist, eine Lagune, in die der Flussarm mündet. Dass sie von zahlreichen dunklen folkloristischen Legenden umwittert ist, stört die Wissenschaftler natürlich nicht…

Die „schwarze Lagune“ entpuppt sich in der Tat als unberührtes Paradies – ein erster Tauchgang fördert Gesteinsproben zutage; während die Männer die geborgenen Felsbrocken analysieren, entscheidet sich Kay für eine Schwimmeinlage im einteiligen weißen Badeanzug; sehr zur Freude der Kreatur, der sich nicht oft solcherlei erfreulicher Anblick bietet und die verständlicherweise eine Affektion auf Kay entwickelt. Noch aber bleibt’s bei harmlosen Kitzelspäßchen… Kay gelangt unversehrt zurück an Bord, doch die Kreatur ist ihr gefolgt und verfängt sich in den prophylaktisch ausgehängten Fischernetzen des Kutters – mit ungeheuerer Körperkraft gelingt es ihr, sich zu befreien, doch sind die Wissenschaftler nun überzeugt, es mit einem lebenden Exemplar des gesuchten Fossils zu tun zu haben. Bei einem zweiten Tauchgang treffen David und Mark auf die Kreatur; Mark verletzt es mit einer Harpune, was ihre Laune nicht hebt.

Zwischen David und Mark erhöht sich der Spannungspegel – David will die Kreatur in lebendem Zustand studieren und wenn man sie nicht fangen kann, dann halt ein paar Bilder machen, Mark hegt die Befürchtung, dass man ihnen ohne greifbaren physischen Beweis die Entdeckung nicht glaubt und will das Urtier tot oder lebendig. Nachdem das Monster einen von Lucas Matrosen tötet, verfällt man auf den Plan, es mit einem natürlichen Gift zu betäuben. Im zweiten Versuch funktioniert der Plan halbwegs – die Kreatur wird zumindest aus der Reserve gelockt, es gelingt Mark und David, ihr Versteck, eine Grotte, ausfindig zu machen. Doch es gelingt dem Monster, Kay zu erschrecken und Lucas‘ zweiten und letzten Matrosen umzubringen, ehe es gefangen werden kann.

Mark wäre nun schwer dafür, mit der Beute das Weite zu suchen, aber David besteht darauf, zunächst noch weitere Forschungsarbeiten in der Grotte anzustellen und setzt sich mit dieser Ansicht durch. Einer Unachtsamkeit des Expeditionsmitglieds Thompson ist es geschuldet, dass das Monster allerdings aus seinem Wasser-Käfig ausbrechen kann. Thompson gelingt es zwar, die Kreatur mit einer Laterne anzukokeln, handelt sich aber schwere Verletzungen ein. Nun ist es an David, gegen Marks entschiedenen Widerstand zum sofortigen Aufbruch zu blasen, aber das Monster lässt sie nicht – es hat den einzigen Ausgang der Lagune blockiert. Beim Versuch, die Baumstämme zu beseitigen, beisst Mark von Monsterhand ins Seegras; beim zweiten Anlauf der Blockadebeseitigung, der durch die bereits bekannte Betäubungsdroge unterstützt wird, kann die Kreatur heimlich an Bord klettern und Kay in seine Grotte entführen…

Inhalt:

Von allen 18 Filmen, die Universal in der Legacy-Box vertreibt, dürfte der letzte, „Der Schrecken vom Amazonas“, speziell im deutschsprachigen Raum der bekannteste sein (im Sinne von „den haben die Leute tatsächlich *gesehen*). Das liegt natürlich zum einen daran, dass es der mit Abstand jüngste Film in der Box ist (der einzige aus den 50ern), aber natürlich vor allem daran, dass er, zusammen mit seinem Sequel „Die Rückkehr des Ungeheuers“, „Tarantula“, „Gefahr aus dem Weltall“, „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C.“ und „Der Schrecken schleicht durch die Nacht“) seit spätestens Anfang der 80er Jahre in schöner Regelmäßigkeit innerhalb einer Jack-Arnold-Reihe die dritten Programme des deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehens heimsuchte und so manchem jugendlichen Filmfan (der die spät ausgestrahlten Filme von rechts wegen eigentlich nicht hätte sehen dürfte) den ersten Kontakt mit dem phantastischen Film vermittelte. Es kann mir keiner, der in den 80ern aufgewachsen ist, erzählen, er wäre nicht von dieser Reihe klassischer (und allesamt, vielleicht mit leichter Ausnahme des durch die Nacht schleichenden Schreckens, hochklassigen) SF-/Horrorfilmen geprägt worden… Für Schreiber dieser Zeilen trifft dies jedenfalls zu (in Verbindung mit der ARD-SF-Reihe und der ZDF-Reihe „Der phantastische Film“).

Wie mittlerweile gewohnt, ein paar kurze historische Hintergründe zum Film – im Gegensatz zu den meisten anderen „klassischen“ Universal-Horror-Monstren hat das „Ungeheuer der schwarzen Lagune“ keinen weithin bekannten literarischen oder mythischen Hintergrund. Produzent William Alland entwickelte die Idee, nachdem er bei einem Dinner bei Orson Welles (zu dessen Mercury-Theatre-Gruppe Alland gehörte) vom mexikanischen Kameramann Figueroa (der einige John-Huston-Filme fotografierte) die Legende eines am Amazonas lebenden Fischmenschen aufgetischt bekam (selbstredend als wahre Geschichte, die Figueroa jederzeit anhand ihm vorliegender Originalfotos beweisen könne). Als er einige Jahre später Produzent bei Universal war, erinnerte er sich an die Geschichte und reichte ein kurzes Treatment an die Chefetage, das sofort umgesetzt wurde. Nach einigen Drehbuchfassungen, die endgültige Fassung besorgten zum überwiegenden Teil Arthur Ross und zu einem geringeren Anteil der profilierungssüchtige Harry Essex (der auch Ray Bradburys Drehbuchentwurf zu „Gefahr aus dem Weltall“ leicht überarbeitete und gern behauptete, er hätte den Film komplett geschrieben, was er bei der „schwarzen Lagune“ wiederholte), wurde entschieden Jack Arnold, der eben gerade „Gefahr aus dem Weltall“ erfolgreich verfilmt hatte, als Regisseur anzuheuern und den Streifen, angesichts des grassierenden Booms und des „Gefahr“-Erfolgs, im 3-D-Verfahren zu drehen (scheinbar existieren aber keine dreidimensionalen Prints mehr). Im Vergleich zu den meisten anderen Universal-Horror-Filmen verlief die Produktionsgeschichte des Streifens recht ereignislos – für den meisten Ärger sorgte die Tatsache, dass der aufgrund seiner Reputation, was „marine“ Aufnahmen anging, angeheuerte Second-Unit-Regisseur für die Unterwasserszenen, James Havens, sich weigerte, unter Wasser zu arbeiten (je nachdem, wen man fragt, lautete der Grund „Angst“ oder „keine Ausbildung hierfür“) und, in der Promotion-Phase, die Divenhaftigkeit von Universals Make-up-Department-Chef Bud Westmore, der panische Angst hatte, irgendjemand seiner Untergebenen könnte in der Öffentlichkeit für seine Arbeit kreditiert werden (obwohl Westmore wirklich keinerlei Arbeit an den Effekten leistete). Der Streifen kostete gut 450.000 Dollar (war damit zweifellos noch „B“, wenn auch teures „B“), erntete gemischte Kritiken, wurde aber ein überwältigender Erfolg für das Studio (Universal hatte so großes Vertrauen in die Zugkraft des Films, dass ein Sequel bereits vor der offizielen Premiere des Films in Arbeit war), sein Monster eroberte sich in Windeseile einen Platz in Amerikas „pop culture“ (u.a. bestätigt durch eine wohlmeinende Referenz in Billy Wilders „Das verflixte 7. Jahr“, in dem Marilyn Monroe einen Monolog über die Kreatur hält).

Dabei ist „Der Schrecken vom Amazonas“, wenn man mal ohne nostalgische Verklärung genau hinkuckt, und ganz speziell, wenn man die Plotline seines Sequels einrechnet, nichts anderes als „King Kong im Wasser“ – ein Faktum, dass Produzent und Ideenhaber Alland auch freimütig zugab (die „schwarze Lagune“-Filme verteilen den King-Kong-Plot auf zwei Filme – im „Schrecken“ wird der erste Teil auf Kongs Insel nachgespielt, in der „Rückkehr“ der Part in der „Zivilisation“) -, und damit, konsequent fort- bzw. zurückgedacht, eigentlich „nur“ eine weitere Variante des altbewährten „beauty and the beast“-Themas, das wir allein im Universal-Kanon mehr oder weniger deutlich in „Frankenstein“, „Die Mumie“, „Das Phantom der Oper“, und to some extent sogar in „Dracula“ und „Der Wolfsmensch“ finden. Richtig originell war das also schon 1954, als der Streifen in die Kinos kam, nicht mehr – wieso also hat auch „Gill Man“, wie ihn seine Fans nennen, auch nach über fünf Dekaden seinen Platz in der Ahnenhalle der großen Horrorfiguren?

Nun, das liegt daran, dass „Der Schrecken vom Amazonas“ einfach ein verdammt gut gemachter Film ist und die Feder der Verantwortlichkeit hierfür dürfen sich eigentlich alle Beteiligten an ihre jeweiligen Hüte stecken. Von Vorteil war zweifellos, dass Haupt-Autor Arthur Ross und Regisseur Arnold sich darüber einig waren, dass der „Gill Man“ ein „sympathisches“ Monster sein sollte – es sollte nicht von Grund auf „böse“ sein, sondern durch die Aktionen der Menschen, die ungefragt in seinen Lebensraum eindringen, und natürlich durch die Zuneigung zu Kay, zu seinen Gewaltakten getrieben werden (dazu passt allerdings nicht ganz, dass Gill Man Maias einheimische Helfer tötet, bevor die Expedition überhaupt eintrifft. An dieser Stelle kann ich vielleicht auch die beiden anderen Stellen anführen, die mich ein wenig stören: zum einen wäre da der Prolog, der die Entstehung der Erde und Grundlagen der Evolution darstellt, was für den Film an sich wenig zur Sache tut, aber dafür möglicherweise Kreationisten in Dauerschleife zwangsverabreicht werden sollte, zum anderen, ebenfalls ziemlich am Anfang des Films, eine vergleichsweise lange Rede Davids, in der er die Bedeutung der Evolutionsforschung für Gegenwart und Zukunft der Menschheit darlegt; auch das sicher gut gemeint, aber nicht wirklich *wichtig* für den Plot).

Im Vergleich zu zahlreichen anderen Genre-Zeitgenossen bemüht sich der „Schrecken“ also um eine wissenschaftsfreundliche Sichtweise der Dinge. Viele andere SF-B-Pictures pflegten das Klischee des „mad scientist“ oder, wie z.B. „Das Ding aus einer anderen Welt“ oder „Auf U-17 ist die Hölle los“ liessen ihre Wissenschaftler als naive Tölpel darstellen, die durch ihren leichtfertigen Umgang mit dem „Fremdartigen“ erst für die eigentlichen Probleme sorgten und von anständig-aufrecht-strammen Militärs auf Kurs gebracht werden mussten. Zwar hat auch der „Schrecken“ mit Mark Williams seinen „bösen“ Wissenschaftler, doch ist der weniger der Tradition obiger Klischees verhaftet denn vielmehr eine vielfältig kopierte Blaupause für den speziell im Bereich des Tierhorrors, in den der „Schrecken“ ja auch fällt, des „evil capitalist“, dessen stetiges Gewinnstreben üble Folgen hat (auch wenn sich dieser Charakter durchaus auf „King Kong“ zurückführen lässt); doch David Reed, der Wissenschaftler-„Held“ ist ein positiver, intelligenter Charakter, wie er im Genrefilm der frühen 50er nicht oft zu finden ist. Etwas ambivalent ist der Umgang mit der einzigen Frauenrolle – Kay ist natürlich existentiell wichtig für den Plot: das Ungeheuer ist an ihr interessiert, zwischen David und Mark gibt es eine gewisse Rivalität, die aber, wohltuend „neu“, nicht romantisch geprägt ist, sondern daraus resultiert, dass Mark als Arbeitgeber des (unverheirateten, was damals auch ein wenig „risky“ war) Liebespaars fürchtet, dass die amouröse Beziehung seiner Untergebenen auf die Arbeitsleistung und -einstellung abfärbt. Kay ist also auch eine „arbeitende“ Frau, durchaus also auch selbstbewusst und eigenständig, muss aber dennoch „beschützt“ werden (so z.B. vor dem Anblick der toten Indio-Helfer) und ist im Finale eine reinrassige „damsel in distress“; Kay ist sozusagen ein noch etwas unausgegorenes Mittelding zwischen klassischen B-Film-Frauenrollen und einem moderneren, „gleichberechtigten“ Approach. Die weiteren menschlichen Charaktere sind Beiwerk – Kapitän Lucas wird als Exposition Guy gebraucht, Dr. Thompson wird benötigt, damit das Ungeheuer auch eine vergleichsweise (im Gegensatz zu den Einheimischen) Figur angreifen kann (von ihm kann man, wenn man will, eine direkte Linie zu „Anaconda“ und Eric Stoltz‘ Charakter ziehen), die Einheimischen sind cannon fodder. Das wird durch die nuancierte Charakterisierung der Kreatur locker ausgeglichen, die viel stärker als die meisten Bedrohungen des 50er-Monsterfilms eine tragische Figur ist, da es ja einerseits nur seinen Lebensraum verteidigt und andererseits einer unerfüllbaren Interspezies-„Liebe“ aufgesessen ist (das liegt durchaus auch auf einer Linie mit Jack Arnolds Agenda, der ja bereits im deutsch irreführend betitelten „Gefahr aus dem Weltall“, nicht zuletzt auch dank der Story des Humanisten unter den SF-Autoren Ray Bradbury, keine Invasions-Plotte mit mordgierigen bösen Aliens, sondern notgelandete Außerirdische portraiterte, die nur so schnell wie möglich wieder von der Erde verschwinden wollten. Arnold gehörte dem politisch linken Spektrum an, bemühte sich aber, auch im Eigeninteresse in der McCarthy-Ära, seine sozialen und sozialkritischen Botschaften subtil zu verpacken. Im „Schrecken“ z.B. kann man ökologische Tendenzen feststellen, die ihrer Zeit sicher zwei Jahrzehnte voraus waren).

Jack Arnold, so erinnern sich die Schauspieler, war ein technisch orientierter Regisseur – Schauspielerführung war nicht sein Ding, er liess die Akteure „ihr Ding“ machen und kümmerte sich primär um die handwerklichen Belange, z.B. die konsequente Umsetzung seiner eigenen Storyboards. Es überrascht daher nicht, dass der Streifen technisch kaum Schwächen aufweist, abgesehen von einigen deutlich sichtbaren Rückprojektionsaufnahmen. Obwohl der Film parallel von zwei Crews an verschiedenen Drehorten gedreht wurde (ein Team unter Arnolds Leitung mit allen „Stars“ machte auf dem Universal-Backlot die „Überwasseraufnahmen“, während unter der „Regie“ von Havens Stuntdoubles die insgesamt achtzehn Minuten Unterwasseraufnahmen abdrehten), hat er ein einheitliches „look & feel“, die teilweise innerhalb einer einzigen Szene mehrfach wechselnden Drehorte (am prominentesten natürlich in der berühmten „Schwimmszene“, von der niemand vermuten würde, dass ihre Bestandteile von zwei Teams, die 4000 km voneinander entfernt arbeiteten, erstellt und erst in der post production zusammengesetzt wurden) fallen nie auf. Dank der verwendeten 3-D-Technik (wobei der Film übrigens der erste „Unterwasser-3-D-Film“ war, wofür Universal eine spezielle unterwassertaugliche bewegliche 3-D-Kamera entwickeln liess) gibt es, typisch für diese Art Film, sehr viele Szenen, in denen sich „etwas“ (sei es die Kreatur, ein menschlicher Taucher, ein Gegenstand) frontal auf die Kamera zubewegt, dennoch bleibt der Film auch in herkömmlicher zweidimensionaler Projektion absolut ansehnlich. Die Unterwasseraufnahmen an sich sind ausgezeichnet, auch wenn sie vielleicht etwas „overdone“ wirken mögen (und der ein oder andere Shot dürfte einen gewissen Steven Spielberg angeregt haben… Tidbit am Rande: Universal trug sich 1982 mit dem Gedanken einer Big-Budget-3-D-Neuverfilmung unter der Regie von Jack Arnold, letztendlich entschied man sich aber unseligerweise für „Jaws 3-D“…).

Die musikalische Untermalung ist ein „patchwork“-Job – Universal beauftragte drei Komponisten mit der Erstellung von Originalmusik, darunter „Pink Panther“- und „Peter Gunn“-Komponist Henry Mancini und ergänzte den Score mit „library music“ aus den eigenen Archiven. u.a. aus „wasser“-basierten Filmen, Western und natürlich auch Horrorfilmen wie „Der Wolfsmensch“. Wider Erwarten klingt der Score trotz dieser Puzzelei sehr rund.

In Sachen Effekten ist an erster Stelle selbstredend der Monstersuit zu nennen. Nachdem ursprünglich ein „menschlicheres“, eleganteres Design vorgesehen war, aber den Universal-Executives nicht „scary“ genug war, bastelte das Make-up-Department den am Ende verwendete, agressiveren Monster-Kopf mit seinen beweglichen, aufpumpbaren Kiemen. Das horrororientierte Design untergräbt zwar ein wenig die eigentlich humanistische Aussage des Films, aber es ist verständlich – in erster Linie wollte Universal einen Monsterfilm und keine philanthropische Feldstudie. Die Ausführung des Designs ist exzellent, hochgradig memorabel und ebenso folgerichtig vielfältig imitiert. Härten im Sinne eines „modernen“ Horrorfilms a la blood’n’gore sind natürlich nicht zu erwarten, auch wenn das Monster einige seiner Mordtaten on-screen vollführen darf.

Die beiden leading men sind routinierte Genre-Veteranen. Richard Carlson hatte bereits in „Gefahr aus dem Weltall“ die Hauptrolle gespielt und sein Widerpart Richard Denning hatte ebenfalls in zahlreichen SF-B-Movies wie „Angriffsziel Erde“ Hauptrollen gespielt. Carlson hat als „guter“ Wissenschaftler sicher den besseren Part, Dennings Charakter ist manchmal etwas zu „nasty“, insgesamt ergänzen sich die beiden Routiniers allerdings hervorragend. Julie Adams, ein Universal-Starlet, das von den Executives, gegen Adams‘ innere Überzeugung, zum „Schrecken“-Set delegiert wurde, etablierte sich mit ihrem einzigen SF-/Horror-Auftritt als Genre-Ikone, denn ihr Anblick im Badeanzug dürfte Millionen von Teenagern verschiedenster Generationen angenehme Träume beschert haben. Schauspielerisch kann sich nach ansprechendem Auftakt, leider durch die Rollen bedingt, keine großen Akzente mehr setzen, erweist sich aber als kapable Scream Queen. Whit Bissell (Dr. Thompson) war in den 50ern ein gefragter character player, speziell im SF-B-Bereich und ist in vielen Produktionen dieser Ära zu entdecken. Nestor Pavia (Kapitän Lucas) kennen besonders Trashfreunde aus dem Z-Heuler „They Saved Hitler’s Brain“.

Die Kreatur wird „über Wasser“ vom Stuntman Ben Chapman verkörpert, „unter Wasser“ von Ricou Browning, einer Zufallsentdeckung von Jack Arnold, der eigentlich nur als ortskundiger Scout für das Drehgebiet in Florida angeheuert wurde, den Regisseur aber durch seinen Schwimmstil überzeugte. In der Tat kann man Brownings Performance als Kreatur schon fast als poetisch bezeichnen; es ist zu einem gehörigen Anteil sein Verdienst, dass die Kreatur den gewünschten Sympathie-Effekt erzielt. Browning verkörperte die „Unterwasser-Kreatur“ auch in den beiden Sequels, entwickelte die Fernsehserie „Flipper“ und inszenierte die Unterwasser-Actionszenen im James-Bond-Film „Feuerball“ (und wenn man an die Harpunen-Shoot-outs aus „Feuerball“ denkt, kann man auf die Idee kommen, gewisse Szenen aus „Der Schrecken von Amazonas“ hätten Browning inspiriert).

Bildqualität: Wie üblich lässt Universal bei einer Monster-Legacy-Präsentation wenig anbrennen. Der (zweidimensionale) 4:3-Vollbildtransfer ist größtenteils sehr gut, kann vor allem in den Disziplinen Schärfe und Kontrast durchaus überzeugen, Verunreinigungen und Defekte sind allerdings in geringer Anzahl zu verzeichnen, wobei diese „Patzer“ allerdings verschmerzbar sind. Die Kompression arbeitet unauffällig.

Tonqualität: Universal legt englischen und deutschen Ton in Dolby Digital 2.0 vor. Der englische Ton, von mir aus bekannten Prinzipsgründen bevorzugt, hat ein vernehmliches, aber nicht wirklich störendes Grundrauschen, die Sprachqualität ist nicht ganz optimal, auch die Dialoge sind leicht verrauscht. Aber auch hier gilt: die kleinen Makel beeinträchtigen den Filmgenuss nur unwesentlich. Untertitel gibt’s natürlich in vielfältiger Auswahl.

Extras: Wie alle vier Filme aus der „Classic Monster Collection“ (also die Box-in-der-Box, die nicht den großen Horrorarchetypeng gewidment ist, sondern den Einzeltiteln) kommt auch „Der Schrecken von Amazonas“ mit Trailer, ausführlicher Fotogalerie mit vielen Artwork-, Publicity- und behind-the-scenes-Fotos, einer ausführlichen Dokumentation, der natürlich zupass kommt, dass noch relativ viele direkt am Film beteiligte Personen wie die Kreatur-Darsteller Chapman und Browning oder Julie Adams am Leben sind, und Anekdoten aus erster Hand berichten können. Auch auf die beiden Fortsetzungen wird ausführlich eingegangen. Ebenfalls Legacy-Standard: der informative, wenn gleich etwas hektisch gesprochene filmhistorische Audiokommentar.

Fazit: „Der Schrecken vom Amazonas“ thront berechtigt Lichtjahre über seinen zeitgenössischen Monstermovie-Rivalen (inklusive der eigenen Sequels, speziell dem inhaltlich auch gut gemeinten, aber formal schwächelnden dritten Teil). Sein Monster ist keine eindimensionale „raaah-ich-bin-ein-böses-Monster“-Bedrohung, sondern eine emotional anrührende, tragische Figur in der Tradition der ganz großen Horrorfiguren (Frankenstein, das Phantom der Oper etc.) – die Darstellung der Kreatur ist das große Plus des Films, der aber auch in seinen anderen Belangen überzeugt: unter Jack Arnolds kompetenter Regie agieren routinierte Darsteller in einem nicht spektakulär furiosen, aber in angenehmen Erzähltempo erzählten intelligenten Gruselabenteuer. B-movies don’t come any better.

4,5/5/
(c) 2006 Dr. Acula


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