Der Mann von Planet X

Das Plakat von Der Mann von Planet X zeigt einen Außerirdischen vor seinem Raumschiff, der sich einer auf dem Boden kauernden Frau nähert  
  • Deutscher Titel: Der Mann von Planet X
  • Original-Titel: The Man from Planet X
  •  
  • Regie: Edgar G. Ulmer
  • Land: USA
  • Jahr: 1951
  • Darsteller:

    Robert Clarke (John Lawrence), Margaret Field (Enid Elliot), Raymond Bond (Professor Elliot), William Schallert (Dr. Mears), Roy Engel (Tommy), Charles Davis (Georgie), Gilbert Fallman (Dr. Robert Blane), David Ormont (Inspector Porter)


Vorwort

Ach ja, die 50er-Jahre: Historisch gesehen vielleicht ein nicht allzu positives Jahrzehnt, der eiserne Vorhang hat sich über Europa gelegt, Deutschland ist geteilt, die Angst vor einem Atomkrieg und dem Kommunismus (in Form von DIE DÄMONISCHEN oder DER BLOB auch schön verfilmt) grassiert, vor allem in den USA, die sich geradezu vor einer „roten Unterwanderung“ fürchteten.

Im Kino lief es nun aber wieder deutlich besser, denn nach dem schrecklichen Kriegsjahrzehnt sehnten sich die Leute wieder nach unterhaltsamer Zerstreuung und dies zunehmend in den Lichtspielhäusern und aufkommenden Drive-In Kinos. Zusammen mit dem technischen Fortschritt und den nicht zu erahnenden potenzialen des Atoms ergoss sich in den Folgejahren eine Masse an Science-Fiction Filmen über die Leinwände und präsentierte den Zuschauern allerlei Ungetüme, die alsbald immer absurder wurden. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt (sah bei den Spezialeffekten mitunter etwas anders aus) und so erschienen Riesenkrallen, Maulwurfsmenschen, Riesenspinnen, Giganten, steinerne Monster, Alligator-Menschen und überhaupt Aliens in vielen Formen und Farben. Einige davon wurden zu bis heute bekannten Kultklassikern, etwa Jack Arnolds TARANTULA, DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT oder der „schlechteste Film aller Zeiten“ PLAN 9 FROM OUTER SPACE – etliche B- und Trashfilme wurden produziert, die Nachfrage war groß und das Publikum dürstete es geradezu nach derartigem Material.

Einige erhielten aufgrund ihrer Obskurität einen festen Platz auf den Listen der Fans, andere gerieten eher in der Versenkung, zu Unrecht! So auch Edgar G. Ulmers THE MAN FROM PLANET X, der jüngst in Deutschland seine um satte 71 Jahre verspätete Premiere vom Label Ostalgica in der Classic Chiller Collection feiern durfte (diesmal mal nicht in der Galerie des Grauens). Das Plakat des Films aus dem Jahre 1951 (also zu Anfang der SciFi-Dekade) verspricht mit seinem schön gezeichneten Motiv schon mal spektakulären Alien-Thrill in ganz typischer Manier (natürlich bedroht das garstige Geschöpf eine hilflose Frau), doch kann er dieses Versprechen auch halten? Auch das Plakat von ANGRIFF DER RIESENKRALLE präsentierte ein Monster epischen Ausmaßes, was herauskam, wird der Kenner wissen.


Inhalt

Das eiskalte Meer brandet mit großen Wellen an die felsige Küste des schottischen Hochlands – nicht fern von einer alten Burg, in der ein Reporter schlimm am Klagen ist: Er sei der einzige Überlebende, der dem Mann von Planet X begegnet sei, es gehe (wer hätte es gedacht) um nichts geringeres als die gesamte Menschheit: Im Rückblick beginnt die Geschichte nun in einer Sternwarte, in der unser Reporter John Lawrence (Robert Clarke, hatte diverse Auftritte in 50 er Jahre B-Movies) von mysteriösen Sichtungen unbekannter Flugobjekte erfährt, die sich in letzter Zeit konzentriert hätten. Doch nicht nur das: Gar ein ganzer Planet ist auf dem Flug zu Mutter Erde (Hat Toho hier während der Produktion GORATH – UFOS ZERSTÖREN DIE ERDE abgeguckt?). Professor Eliott, ein Freund von Lawrence, wartet derweil in seiner Sternwarte auf der schottischen Insel Burray hoch im Norden, denn dort soll der Planet in einigen Tagen der Erde am nächsten sein. Lawrence macht sich natürlich auf den Weg und wird dort von Eliotts reizender Tochter Enid (Margaret Field, ihre Tätigkeiten beschränkten sich eher auf TV-Nebenrollen) begrüßt, die er bereits aus seiner Kindheit kannte. Auf der Fahrt wird kitschig rumgeblödelt (bahnt sich etwa eine Romanze an?).

Angekommen im Gemäuer gibt es eine kurze Begrüßung und der zwielichtige Doktor Mears (William Schallert, ein enorm vielbeschäftigter Schauspieler, der in fast 100 Filmen mitwirkte, unter anderem auch in FORMICULA) eingeführt (etwa ein Mad-Scienctist?!), auf den Lawrence nicht wirklich gut zu sprechen ist, da Mears anscheinend schon wegen einer nicht genannten Handlung (sie wird auch nie nochmal erwähnt) bereits im Gefängnis saß. Da er aber auch ein ehemaliger Schüler von Eliott war, hat dieser ihn anscheinend wieder gerne aufgenommen.

Derweil kommt der Stern stetig näher und wird im Fernrohr demnach immer gigantischer und Lawrence und Enid machen eine spontane Wanderung durch das Moor (schön nebelig) und sehen in der Ferne Lichtblitzen: Nachdem auf dieses allerdings kein Donnern folgt, geht Lawrence von „statischer Energie“ (?) aus und sie begeben sich zur Quelle der Blitze, wo sie eine kleine Rakete finden, die Lawrence gleich mitnimmt. Im heimeligen Labor entdeckt Eliott, dass das Metall um ein vielfaches leichter als normales sei, kommt es etwa aus dem Weltall? Mears zeigt daraufhin bereits die ersten Zeichen von Größenwahn (er ist ein Mad-Scientist!) und faselt von großer Macht, die man bekäme, wenn man das Material vervielfältigen würde.

Da es schon spät und kein Zimmer frei ist, mietet Lawrence eines in der Herberge im Dorf. Enid fährt ihn, auf dem Rückweg bleibt der Wagen allerdings stehen und sie läuft logischerweise querfeldein ins Moor, wo sie auf eine weitere Rakete trifft (diesmal ein größeres (Spielzeug)Modell). Natürlich wird diese erstmal beäugt, und als am Fenster das putzige Alien auftaucht, wird schreiend weggelaufen – Mears versteckt sich derweil im Dunklen, als Enid zurückkehrt (hat er etwa etwas Schlimmes vor?): Enid schildert ihrem Vater die Begegnung mit „der grässlichen Kreatur, die durch Druck zersetzt wurde“ (diese Bezeichnung hat das Alien nun wirklich nicht verdient), dieser behauptet zwar, es sei nichts als bloße Phantasie, macht sich aber gleich selbst auf dem Weg zur Rakete, gefolgt von seiner Tochter. Eliott ist gescheit und identifiziert das Raumschiff schnell als eine „Schöpfung von Wissenschaft“ (wer hätte es ahnen können?). Am Raumschiff rumort es jedoch und Eliott wird von einem Lichtstrahl getroffen, der ihn hypnotisiert und ihn nach Hause wanken lässt. Am nächsten Tag ist er jedoch wieder genesen und der wieder anwesende Lawrence kombiniert gescheit, dass das nächtliche Ereignis mit Planet X zu tun haben könnte, der in 60 Stunden am nächsten sein wird.

Nochmals wird sich zum Raumschiff aufgemacht, und diesmal hat der Insasse seinen ersten großen Einsatz. Es erscheint mit gezogener Waffe, hat aber Probleme mit seiner Atemluft und fällt daraufhin um. Der kluge Lawrence ist so nett, das Ventil wieder zu öffnen, woraufhin sich das Alien dankbar zeigt und die Hand zum Gruße reichen will. Ein Kommunikationsversuch seitens Lawrence scheitert erfolglos (er signalisiert ihm Hunger, wieso auch immer) und sie wollen zurückkehren. An der Burg angekommen kann Enid ihren Schreianfall unterdrücken, als sie realisiert, dass das Alien ihnen gefolgt ist – Schwupps landet es in einer Zelle, wo Mears versucht, mithilfe von Geometrie Kontakt aufzunehmen. Der Größenwahnsinn steigt einen Punkt weiter und Mears träumt davon „die Welt in seiner Tasche zu haben“, wenn er Kontakt aufnehmen kann.

Eliott erkrankt spontan und legt sich ins Bett, Lawrence geht das Auto von Enid reparieren, sodass Mears seinen bösen Masterplan beginnen kann: Nach einem erfolgreichen Kontaktversucht greift er das arme Alien (immer noch stumm) an und ringt es zu Boden (ein unfairer Kampf, das Alien hat seine Laserwumme verloren). Als Enid nach ihm ruft, lügt er bei Eliott und behauptet, weiterhin nicht mit dem Geschöpf kommunizieren zu können.
So kommt es, wie es kommen muss: Enid geht in die Zelle und ein Schrei ertönt. Als ihr Fehlen auffällt, begibt sich Lawrence wieder mit Mears zum Raumschiff, wo letzterer auf Beobachtungsposten bleiben soll. Lawrence kehrt in die Burg zurück, wo ein Dorfbewohner und der Sheriff von weiteren Vermisstenfällen berichten. Das Landei macht natürlich Gespenster und den Professor dafür verantwortlich (bald kommt der Mopp mit Fackeln und Mistgabeln).
Am Schiff ist auch Mears verschwunden, sein Fernglas liegt verloren herum. Im Polizeirevier des kleinen Dörfchens finden sich derweil die Handvoll Bewohner zusammen, von denen einer angeblich den Professor gesehen hat, wie er mit Mears in den Nebel gegangen sein soll, wo eine garstige Kreatur lauerte. Und nun tut sich auch etwas am Raumschiff: Die versklavten Bewohner schaufeln herum, das Alien verbarrikadiert sich, sodass man im Dorf Hilfe sucht. Da die Leitung tot ist, kontaktiert man ein nahes Schiff und bittet um Hilfe, während weitere Leute verschwinden.

Letztlich trifft Scotland-Yard ein und nachdem die Geschichte erzählt (und natürlich sofort für bare Münze genommen wurde), wird ein Militäreinsatz erwogen (sind wir hier in den USA oder in Schottland?). Nicht aber mit Lawrence, der einen letzten „friedlichen“ Versuch wagt. Er schleicht sich heran und kann Eliott und die anderen Bewohner zur Flucht bewegen (die extraterrestrische Hypnose erweist sich als schwächlich) und Mears erklärt, dass das Alien eine Invasion plant: Sein Heimatplanet sei vereist und um eine neue Heimat zu finden, habe sein Volk den Planeten durch „Degravitation“ in ein Raumschiff verwandelt.
Nachdem auch Mears abhaut, kommt es zum finalen Fight, den Lawrence solide für sich entscheidet, in dem er dem Alien wieder die Luftzufuhr kappt (was für unfaire Methoden). Nachdem er aus der Schussbahn ist, wird das Raumschiff vom Militär bombardiert und Mears läuft seinerseits in die Schussbahn und stirbt einen unnötigen, aber gleichermaßen verdienten Tot. Das Alien versucht zu flüchten, doch nachdem sein Raumschiff explodiert dreht auch der Planet X daraufhin ab, während die beteiligten mit großen Augen in den Himmel starren.

Und so kann der Zuschauer schließlich sein Happy End á la 50 er Jahre genießen: Enid liegt dem Retter der Menschheit, Lawrence, in den Armen, der beschließt, zurück nach Amerika zu fliegen. Enid und Eliott wollen alsbald nachkommen: Wie wunderbar!

    Besprechung:

DER MANN VON PLANET X dürfte sich als überraschende Perle des 50er-Jahre B-Movies erweisen, kommt er doch eigentlich ganz klischeehaft daher, wie man es von so einem Film eben erwarten würde: Das Plakat und die Story dürften im Jahre 1951 noch wesentlich frischer gewesen sein als etwa 10 Jahre später, wo sie in Ähnlicher Weise etliche Male auf die Leinwand gezaubert wurde. Regisseur Edgar g. Ulmer, der übrigens österreichischer Herkunft war und als Szenenbildner mit Meistern wie Fritz Lang und Murnau zusammenarbeitete, hat in den 50 er Jahren nicht nur weitere B-Movies gedreht wie etwa DIE TOTENGRUFT DES DR. JEKYLL (1957) mit John Agar, sondern zuvor bereits echten Universal-Horror mit Lugosi und Karloff in DIE SCHWARZE KATZE (1934), und diese Atmosphäre verbindet er hier mit der herrlich verspielten Naivität der 50 er Jahre. Obwohl die Settings durch das kleine Budget von knapp 40 Tausend Dollar sehr beschränkt waren, zieht er das ganze durchaus Atmosphärisch auf. Das nebelige, dunkle Moor hat Charme und wird zudem mit einigen niedlichen Modellbauten verfeinert, in dessen Mitte dann die putzige Rakete steht und blinkt. Zudem ist das Alien, der Mann von Planet X, voll gelungen. Gut, es sieht nicht wirklich furchteinflößend aus, dafür aber herrlich retro-charmant und mit einer Laserkanone, Helm und Antenne auch schön kitschig, wie man sich das vorstellt. Es zeugt von Kreativität, wo später viele Filme billig kostümierte Menschen als Bewohner von fremden Welten präsentierten (denkt man nur an KILLERS FROM SPACE aus dem Jahre 1953, hierzulande leider auch noch nicht erschienen).

Dem Drehbuch kann man sicherlich wieder utopische Naivität vorwerfen, wie bei vielen Filmen dieser Art vermengt es pseudowissenschaftliche Dialoge mit herrlicher Leichtgläubigkeit, wenn das Auftauchen des Aliens ganz schnell einfach so akzeptiert wird. Hier wirkt das Ganze aber doch etwas geerdeter und ehrlicher, wo später viele B-Produktionen die ganze Nummer nur wieder und wieder abspulten.

Gleichzeitig hat der Film aber auch durchaus intelligente Ansätze, gerade zu jener Zeit, etwa die Idee des Erstkontakts durch Mathematik, und kann somit durchaus mit DER TAG AN DEM DIE ERDE STILL STAND (1951) verglichen werden, auch wenn dieser Aspekt hier natürlich nicht so ausgeprägt ist. Der letzte Satz fasst das ganze sehr gut zusammen: Es wird danach gefragt, was geschehen wäre, wenn Mears das Alien nicht angegriffen hätte: Die größte Katastrophe oder der größte Segen? Die Schauspieler tragen all das natürlich mit großer Ernsthaftigkeit vor. Die deutsche Erstsynchronisation von Ostalgica ist hier aber eher zweckmäßig und kann kaum den alten Charme erwecken, die Stimmen sind wenig lebendig. Wenn man der englischen Sprache mächtig ist, sollte man zum Original greifen. Nicht ohne Grund benennt Bill Warren das Werk in der großen Enzyklopädie der 50 er Jahre Sci-Fi Filme Keep watching the Skies! als einen der unterhaltsameren Filme der Dekade.

    Fazit:

Das Ganze mag aus heutiger Sicht teilweise sicherlich unfreiwillig komisch und seltsam sein, aber trotzdem transportiert der Film eine seltsame Mischung aus nebeliger Atmosphäre, typischem 50 er Jahre Sci-Fi und ungewöhnlich intelligenten Ansätzen. Umso schöner ist es, DER MANN VON PLANET X nun auch endlich in Deutschland genießen zu dürfen. Zuvor gab es nur eine DVD aus den USA.


BOMBEN-Skala: 5

BIER-Skala: 7


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