Der Fluss der Mörderkrokodile


  • Deutscher Titel: Der Fluss der Mörderkrokodile
  • Original-Titel: Il fuime del grande caimani
  • Alternative Titel: Die heilige Bestie der Kuma The Great Alligator Alligator
  • Regie: Sergio Martino
  • Land: Italien
  • Jahr: 1979
  • Darsteller:

    Barbara Bach (Alice Brandt), Claudio Cassinelli (Daniel Nessel), Mel Ferrer (Joshua), Romano Puppo (Peter), Fabrizio Castagnoli (Minous Mutter), Bobby Rhodes (Vorarbeiter), Richard Johnson (Jameson)


Vorwort:

Irgendwo in Südostasien soll im tiefsten Dschungel ein exklusives Resort-Hotel eröffnen (großartige Idee, schon immer gewesen). Der praktisch nebenan lebende primitive Stamm der Kuma soll zur Touristenbespaßung dienen, aber natürlich hat Mr. Joshua, der weise Großinvestor, natürlich nur das Wohl der Eingeborenen im Sinn.

Für eine ordentliche PR-Kampagne lässt Joshua das Fashionmodel Gina und den Fotografen Daniel einfliegen. Daniel ist augenscheinlich nebenberuflich freischaffender Öko-Aktivist, hält jedenfalls von dem ganzen Projekt und dem schlechten Einfluss auf die Kuma gar nix. Dafür aber schmeißt er sich an Joshuas Assistentin Allie ran. Trotz Daniels Grundskepsis und einiger falscher Alarme landet wenig später die erste Ladung Touristen. Die ahnen natürlich nicht, dass der große Alligator-Gott der Kuma, Kroona, erwacht ist und die Störung seines Lebensraumes ausgesprochen kritisch beäugt. Gina und ihr eingeborener Bespringer sind die ersten Opfer. Daniel und Allie versuchen, das Verschwinden des Models aufzuklären und geraten dabei auf Kollisionskurs mit den Kuma, die begreiflicherweise eher auf der Seite ihres rachedurstigen Gottes sind – an den glaubt mittlerweile sogar der alte Missionar Jameson, der seitdem in panischer Angst in einer Höhle lebt.

Kroona nutzt einen organisierten Floßausflug für seinen Generalangriff, und wer den überlebt, auf den wartet noch ganz anderes Grauen.

Inhalt:

Ich habe mich an dieser Stelle bereits als Fan von Sergio Martino geoutet – er ist für mich der Mr. Zuverlässig der Italo-Recken, aber auch er ist nicht von einem totalen misfire gefeit. Und das „gelang“ ihm mit „The Great Alligator“, hierzulande auch als „Fluss der Mörderkrokodile“ oder „Heilige Bestie der Kuma“ bekannt.

Die Italiener beackerten das Post-„Jaws“-Tierhorrorgenre ja recht gern und oft und bevorzugt mit Krokos bzw. Alligatoren, aber Martinos Beitrag ist leider ein Beispiel für „gut gemeint, aber nicht gut gemacht“. Die Story, natürlich in erster Linie ein ziemlich direktes Rip-off von „Jaws“, erlaubt sich zumindest ein paar Verweise in Richtung Zivilisationskritik, die nicht ganz so nonsensisch-plakativ enden wie bei „Cannibal Holocaust“, leidet aber an etlichen Logiklücken (schon allein die totale Abgeschiedenheit und Unerreichbarkeit des Resorts wäre im „echten Leben“ ein k.o.-Kriterium, denn ohne vernünftige Infrastruktur, und da gehört z.B. auch die Erreichbarkeit dazu, geht halt nix), einigen „false starts“ (false scares sind ja gut, aber man sollte nicht mit several-in-a-row anfangen, sondern uns irgendwann auch mal vermittlen, dass es eine *echte* Bedrohung gibt) und einem demzufolge ziemlich überhasteten Schlussakt, in dem quasi der gesamte „Horror“ untergebracht werden muss.

Martino erlaubt sich ein leichtes Crossover zum auch von ihm angetesteten Kannibalenfilm – und einen durchaus willkommenen Ausbruch von der klassischen Tierhorrorformel -, indem er im Schlussakt auch die Kuma eingreifen lässt und sie mit Speeren und Pfeilen die arglosen Hotelgäste massakrieren lässt. Das sorgt zumindest für einige effektive Szenen des Horrors, denn die Spezialeffekte selbst sind… auch für Italo-Verhältnisse unzumutbar. Nicht nur, dass „The Great Alligator“ sich so wenig auf die Gore-Kacke zu hauen traut, dass er selbst in Teutonien nie was anderes als ne FSK-12-Freigabe hatte, auch technisch sind die Kroko- bzw. Gator-Effekte hochgradig peinlich und werden selbst von Fabrizio de Angelis‘ „Killer Crocodile“ (und das sah schon aus wie ein paar zusammengeschraubte Autoreifen) übertroffen. Garniert mit einigen der lächerlichsten Model Shots der Weltgeschichte ist die Diskrepanz zwischen „Wollen“ und „Können“ hier beinahe schon auf Ed-Wood-Niveau.

Der Cast müht sich – Claudio Cassinelli ging hier noch als „jugendlicher Liebhaber“ durch, Barbara Bach verdient sich nur deshalb Minuspunkte, weil ihr keine Gelegenheit einfällt, mal amtlich aus den Klamotten zu fahren, Mel Ferrer spielt sowas wie den miesen Kapitalisten Joshua im Schlaf und Richard Johnsons Cameo als durchgeknallter Missionar ist spaßig. Freunde des größten aller Italo-Horrors, children acting, kommen mit Silvia Collatina („Das Haus an der Friedhofsmauer“, „Murder Rock“) ganz auf ihre, stöhn, Kosten.

Wer sich unbedingt mit dem Film befassen will, sollte eigentlich klug genug sein, nur die letzten 30 Minuten mit dem großen Kroko- und Kuma-Massaker anzufassen. Der Rest ist Langeweile.

2/5
(c) 2017 Dr. Acula


mm
Subscribe
Benachrichtige mich zu:
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments