Defender – Der Schutzengel


  • Deutscher Titel: Defender - Der Schutzengel
  • Original-Titel: Guardian
  •  
  • Regie: John Terlesky
  • Land: USA
  • Jahr: 2000
  • Darsteller:

    Mario van Peebles (John Kross), James Remar (Detective Carpenter), Karen Lombard (Ketherine Kross), Ice-T (Max), Daniel Hugh-Kelly (Agent Taylor), Stacy Oversier (Selene), Michael Chinyamurindi (Dr. Jacob Netanyel), Steve Zad (David Lichtmann), Phyllis Lyons (Susanna Lichtmann)


Vorwort:

1991 im Irak – der US-Archäologe Lichtmann entdeckt ein mysteriöses Grab, just in der gleichen Nacht, in der seine Frau einen Sohn zur Welt bringt und US-Marines das Archäologencamp (aus nicht völlig ersichtlichen Gründen) angreifen wollen. Im Zuge undurchsichtiger Vorfälle wird Lichtmann getötet und sein brandneuer Sohn entführt, US-Marine Kross kann’s nicht verhindern, sondern kommt vielmehr mit merkwürdigen eingeritzten Symbolen in seiner Brust im Krankenhaus wieder zu sich. 12 Jahre später ist Kross Polizist, hat eine nach einem unmotivierten Überfall im Koma liegende Ehefrau im Spital und alle Hände voll zu tun, weil eine neue Superdroge namens „Chaos“ die Straßen unsicher macht – übertriebener Gebrauch der Droge macht die Konsumenten zu blutrünstigen Amokläufern. Was Kross nicht ahnt – all das ist das Werk des seinerzeit im Irak freigesetzten antiken Dämons Telal, dem es nach nichts geringerem als der Auslöschung der Menschheit dürstet. Sein einziger potentieller Widersacher ist David Lichtmann, der Junge, der in eben jener Nacht zur Welt kam. Und Kross ist, ob er will oder nicht, sein auserwählter Beschützer…

Inhalt:

Wuärgh. Gut, als aufgeklärter Filmkonsument könnte man gewarnt sein, wenn einem ein Film mit Mario van Peebles untergeschoben wird – seit „Highlander III“ ist der Knabe ja auch zu nichts mehr zu gebrauchen (obwohl er zuvor mit „New Jack City“ oder „Posse“ durchaus erwähnenswertes geleistet hat). Aber selbst ein chronisch unterfinanzierter Grützefilm mit dem erlesenen Cast van Peebles/Remar/Ice-T (letzterer schaut allerdings nur für einen zwar wie immer amüsanten, aber leider zu kurzen Gastauftritt vorbei) kann ja durchaus einen gewissen Unterhaltungswert haben. Kann, muss aber nicht. „Defender“ ist leider ein weiterer Beleg für die letztgenannte These.

Was Regisseur John Terlesky („Chain of Command“) und seine Co-Autoren (Jeff Yagher, Bruder von FX-Legende Kevin Yagher, und SFX-Make-up-Artist Gary J. Tunnicliffe [Regie bei „Within the Rock“]) ausgeheckt haben, ist wohl eine der zusammengestoppeltsten kreativen Offenbarungserklärungen der jüngeren Filmgeschichte. Ich halte es für gut möglich, dass in „Defender“ nicht eine einzige, originale, neue, selbsterfundene Idee vorkommt (von „guten Ideen“ will ich gar nicht reden, ich nehm‘ ja auch schlechte, Hauptsache, ich hab sie nicht schon trölfzigtausendmal gesehen…).

Nun gut, dass die Story vom „Auserwählten“, der irgendein mystisches, potentiell weltrettendes Balg beschützen muss, nicht gerade die allerneueste Idee ist, wissen wir spätestens seit Eddie Murphys „Goldenem Kind“ – weil das offensichtlich selbst den Autoren und Produzenten aufging, wird das ganze garniert mit Elementen aus „Fallen“ (ein fröhlich körperspringender Dämon; klarer Fall, dass dies für unglaublich aufregende Plottwists sorgt. Wenn uns zu Filmbeginn Kross‘ Partner damit vorgestellt wird, dass er grade mit dem Rauchen aufgehört hat, können wir uns an unseren elf Fingern abzählen, dass Kross die Übernahme seines Kumpels durch den Dämon daran feststellen wird, dass der in aller Seelenruhe an einem Glimmmstengel zieht. Und ja, eine penetrante Anti-Raucher-Message wird kostenlos mitgeliefert. Rauchen ist ein Laster der Dämonen!), „Matrix“ (alle Helden tragen grundsätzlich lange schwarze Ledermäntel und natürlich Sonnenbrillen – und sie können, zumindest Selene, die mysteriöse okkulte Helferin des Guten, auch mal Wände hochlaufen und Wire-Fu betreiben – letzteres der extrem armseligen Sorte), abgeschmeckt mit einer Prise „The Prophecy/God’s Army“. Damit wäre zur Story eigentlich alles gesagt. Naja, eigentlich nicht, denn eine muntere Zitate-Mischpoke kann ja IMMER noch lustig sein – wenn man sie denn auf unterhaltsame Weise umsetzen würde, woran „Defender“ aber in jeder Diszplin kläglich scheitert.

Die Story ist konfus strukturiert – der eigentliche Plot kommt irgendwann mal zur Filmmitte in die Strümpfe, bis dahin darf man eine mit der eigentlichen Geschichte nur am Rande verwandte Krimigeschichte (die Droge „Chaos“ ist das Mittel, mit dem Telal die Menschheit zu knechten gedenkt) verfolgen – es wird da einfach zu viel Zeit verschwendet, mit der Folge, dass die Auflösung des richtigen Plots gedrängt (und fürchterlich vorhersehbar) erfolgt. Diverse Subplots machen wenig bis keinen Sinn (inwieweit das Attentat auf Kross‘ Frau mit der Story zu tun hat, bleibt zumindest, äh, diskussionswürdig, auch wird nie klar, wer Selene eigentlich ist und wie Natenyel, der auf David Lichtmann mit Selene gemeinsam aufpasst, überhaupt an den Kurzen rangekommen ist). Ziemlich hirnlos, die Plotte (die sich schon durch die symbolische Namensgebung der Charaktere ins Knie schießt: Kross, Carpenter, Lichtmann… get it??).

Auch in den filmisch-handwerklich-technischen Aspekten kann der Streifen nicht überzeugen – die Action beschränkt sich größtenteils auf recht bieder abgefilmtes Geballer (übrigens auch ziemlich blutleer), ein paar halbseidene Autoverfolgungen und einen Zweikampf (die einzige wirklich ein wenig Interesse hervorrufende Szene ist die mit Ice-T, in der mal ein bisschen Tempo aufkommt); trick- bzw. FX-technisch erweist sich der Film als konsequente Null-Lösung. „Defender“ wartet weder mit Gore oder Splatter auf, bietet keine Masken, (bis auf ein völlig laues Morphing und zwei-drei Explosionen) keine CGI- oder sonstigen visuellen Effekte und ist, trotz aller Bemühung um ein wenig angemessene Düsternis, einfach langweilig anzusehen. Die 92 Minuten Laufzeit ziehen sich, trotz einiger bemühter Actioneinlagen, ziemlich. Die Musik von Joseph Stanley Williams müht sich redlich, immer zum deplaziertesten Zeitpunkt aufzutrumpfen (d.h. Actionszenen werden schon mal komplett ohne Score durchgezogen, während uninteressante Dialogszenen mit „großen Themes“ zugekleistert werden).

Kein Wunder, dass auch die Schauspieler nicht unbedingt ihr Herzblut vergießen – Mario van Peebles beschränkt sich auf eine recht automatisierte Vorstellung (und ist mir als „sympathischer Held“ eh immer ein wenig fehlbesetzt), James Remar („The Quest“) ist zumindest insofern das darstellerische Highlight, als er ein wenig Humor in die ansonsten unwitzige Plotte injiziert. Der routinierte Daniel Hugh-Kelly („Cujo“, „The Good Son“) kann seiner Rolle als zwielichtiger FBI-Agent auch keine besonderen Facetten ab. Stacy Oversier sorgt als Selene zumindest für ein paar optische Highlights. Steve Zad gehört zu den, ähm, weniger begeisternden Kinderdarstellern. Ice-Ts Auftritt als ziemlich durchgeknallter Dealer ist lustig, aber, wie gesagt, viel zu kurz.

Bildqualität: Columbia TriStar möchte uns den Streifen in Zusammenarbeit mit Helkon ans Herz legen und erfreut uns demzufolge mit einer ziemlich lumpigen DVD-Präsentation. Der lieblose Vollbildtransfer reißt keinerlei Bäume aus und erreicht in allen Einzeldisziplinen bestenfalls Durchschnittswerte, verdient sich aber ausdrücklich Minusnoten durch einige heftige Verschmutzungen durch Artefakte und Bilddefekte in der zweiten Filmhälfte, die bei einem doch relativ neuen Film wirklich nicht sein müssten. Kann man guten Gewissens nicht wirklich loben.

Tonqualität: Deutsche und englische Tonspur im Dolby 5.1-Format finden sich auf der Scheibe. Ich hatte bei der Filmbetrachtung irgendwie keine Lust, mich auf englische Sprache zu konzentrieren und hörte mich deshalb ausnahmsweise durch die Synchro-Spur. Irgendwie konsequent adäquat sowohl zu Film als auch DVD-Präsentation ist die Synchro sehr lieblos und steril ausgefallen. Die Tonspur selbst ist wenigstens rauschfrei, die Sprachqualität gut, mit dem Mix von Score und (besonders den drucklosen) Soundeffekten hat man sich nicht wirklich Mühe gegeben.

Extras: Als Zusatzmaterial findet sich der Trailer sowie knappe Biographien (jeweils eine Texttafel) für van Peebles, Remar und Terlesky.

Fazit: „Defender“ ist ein weiterer Vertreter des leidenschaftslos hingerotzten Billig-DTV-Schotters, der in den hinteren Reihen der Videothek des Vertrauens vor sich hin schimmelt. Absolut nichts an diesem Streifen ist bemerkenswert, außer vielleicht seine eben erstaunlich konsequente Belanglosigkeit. Der Film macht keinen Spaß, er entwickelt nie Rasanz, Dynamik oder Spannung und kann diesen Mangel auch nicht durch blutige Effekte oder visuelle Glanzpunkte kompensieren – gelangweilt bis uninspiriert wirkende Schauspieler tun ihr übriges dazu; andererseits entfaltet der Film auch wieder nicht diese persönlich beleidigende Schlechtigkeit, um sich davon wirklich genervt zu fühlen. Der Streifen ist einfach blah, man hat praktisch den schon vergessen, wenn der Nachspann läuft. Geeignet für die Nachtschleifen der einschlägigen Güllefilmsender, aber wirklich nichts, was man auf Gedeih und Verderb in der eigenen Sammlung stehen haben muss – zumal die DVD auch keine Bäume ausreißt.

2/5
(c) 2004 Dr. Acula


mm
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