Deadly Heroes


  • Deutscher Titel: Deadly Heroes
  • Original-Titel: Deadly Heroes
  •  
  • Regie: Menahem Golan
  • Land: USA
  • Jahr: 1993
  • Darsteller:

    Michael Paré (Brad Cartowski), Claudette Mink (Marcy Cartowski), Jan-Michael Vincent (Cody Grant), BIlly Drago (Jose Maria Carlos), Juliano Mer-Khamis (Antonio Valdez, als Juliano Mer), Alon Aboutboul (Patrick), Galit Giat (Alya), John Phillips (Steven Burns), Dean Bloch (Paul Cartowski), Gabi Amrani (Gabi Barudi)


Vorwort:

Irgendwo in einer wurmstichigen Hütte in Griechenland hat eine garstige Terrorzelle ihr Hauptquartier aufgeschlagen. Die bösen Burschen (und das böse Mädchen) halten sich sogar einen eigenen Mad Scientist, der für sie eine gemeine Waffe entwickelt hat – Spielzeugpistolen, die auch so aussehen wie bunte Plastikwasserpistolen, die tödliche Plastikmunition verschießen und von keinem Metalldetektor der Welt erkannt werden. Was haben die wohl vor?

Brad Cartowski freut sich indes auf einen netten Familienurlaub mit Weib Marcy und Sohn Paul. Es ist der erste gemeinsame Urlaub, da Brad aufgrund seiner Beschäftigung als Navy SEAL bislang eher nicht langfristig planen konnte. Über Athen soll’s nun irgendwohin in die Sonne gehen. Unglückseligerweise ist Söhnchen Paul von der aufmerksamen Sorte und bemerkt die verdächtige Spielzeugpistole unter Terrorist Antonio Valdez‘ lässig aufgeknöpftem Jackett. Olle Petze, die er ist, bindet er das unverzüglich seinem Vater ans Bein und der hat natürlich auch nichts Besseres zu tun als einen herumstehenden Flughafencop zu alarmieren. Angesichts anrückender Staatsmacht ist es verständlich, dass die Terroristen ein wenig die Nerven verlieren und an Ort und Stelle im Terminal ein Blutbad veranstalten. Zudem hasseln sie die wartenden Passagiere in einen schnell gekaperten Flughafenbus, und weil sie ganz besonders unnette Leute sind, packen sie auch Mary Cartowski ein. Brad nimmt die Verfolgung auf und kann einen der Terroristen erlegen, fängt sich dann aber selbst eine Kugel ein und kann nur hilflos zusehen, wie die Terroristen ihre Geiseln in ein Flugzeug scheuchen.

Man stellt Forderungen – nichts Geringeres als die Freilassung des gefürchteten Superterroristen Carlos wünschen sich die Terroristen. Ob der angedrohten Exekution von Geiseln fällt den Amerikanern, die Carlos kurz zu vor geschnappt haben, nichts anderes ein, als den Forderungen nachzukommen (so viel zu „wir verhandeln nicht mit Terroristen“, wa?) und als ganz besondere Demütigung muss niemand anderes als Captain Cody Grant, der CIA-Operative, der Carlos dingfest gemacht hat, die Übergabe durchführen. So befriedigt, lassen die Terroristen Frauen und Kinder frei und düsen mit dem gehighjackten Flieger nach Nordafrika, wo auch der Rest der Geiseln freigelassen wird (Terroristen, die zu ihrem Wort stehen! Sind mir fast sympathischer als die Amis…), komischerweise aber exklusive Marcy Cartowski…

Cody Grant besucht Brad im Krankenhaus. Praktischerweise sind die Herrschaften alte SEAL-Kameraden und so rennt Brad mit seinem Wunsch, notfalls auf eigene Faust eine search-and-rescue-Operation zugunsten seines Weibes durchzuführen, durchaus offene Türen ein. Carlos und seine Entourage werden weiterhin in Nordafrika (offensichtlich in einem Libyen-Derivat) vermutet, wo sie Schutz und Gastfreundschaft des örtlichen Präsidenten genießen. Cody und der wundergeheilte Brad (fairerweise muss man sagen, dass uns niemand sagt, wieviel Zeit zwischen Terroranschlag und Befreiungsaktion verging) reisen also ebendahin, mit dem wohligen Gefühl, dass der Kommandant der amerikanischen Mittelmeerflotte ebenfalls ein alter Ex-SEAL aus gemeinsamen Zeiten ist und, wenn’s brenzlig wird, sicher mit ein paar Tausend Mann oder einer taktischen Atombombe aushelfen wird.

Unsere Helden haben kaum ins Hotel eingecheckt, als Brad Valdez erspäht, der in einer schwarzen Limousine von hinnen braust. Brad nimmt in einem Taxi extreeeem unauffällig die Verfolgung auf, was Valdez nicht verborgen bleibt. Der Bösewicht funkt seinen Kumpan Patrick herbei, auf das der die Verfolger verfolge und nach Möglichkeit ausschalte. In einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd gelingt es dem Taxidriver Berudi Patrick abzuschütteln und Valdez an einem Privathafen für hochrangige Regierungsfreunde aufzuspüren, von wo aus der Übeltuer gen einer Insel aufbricht, die, wie Berudi weiß, dem Präsidenten persönlich gehört. Bevor Brad aus diesen Erkenntnissen gewinnbringende Schlussfolgerungen ziehen kann, werden er und Berudi von Valdez‘ Goons überwältigt und auf das Boot des Finsterlings geschafft, wo der arme Taxifahrer (ich wusste es in dem Moment als er vorgestellt wurde) mirnix-dirnix exekutiert wird, wohingegen Brad auf der Insel nicht nur die Bekanntschaft Carlos‘, sondern auch die seines hauseigenen Folterkellers machen wird.

Vor Ort ist auch Marcy – der Grund ist verhältnismäßig profan. Carlos hat sich bis über beide Terroristenohren in das SEAL-Eheweib verschossen und wünscht sie zu ehelichen und weil Marcy bislang bockig ist, gedenkt er sie solange festzuhalten, bis sie’s sich anders überlegt hat. Und ein langsam gefolterter Brad könnte aus Carlos‘ Sicht in der Hinsicht durchaus ein incentive sein.

Währenddessen rätselt Cody, wo sein Freund denn abgeblieben ist und kommt mit Hilfe eines anderen Taxifahrers (der über Berudis Schicksal gut informiert ist, aber gegen harte US-Dollar nichts einzuwenden hat) zu den gleichen Erkenntnissen wie Brad. Da eine Ein-Mann-Rettungsaktion offensichtlich nichts bringt, reist er aus und wendet sich dem erwähnten alten SEAL-Freund, Vizeadmiral Burns, zu, aber der will erst mal ohne offizielle Erlaubnis genau gar nichts tun.

Brad muss also sehen, wie er alleine zurecht kommt…

Inhalt:

Den Experten muss ich es ja nicht erst erzählen – nur weil ihr Cannon-Imperium im finanziellen Chaos unterging, bedeutete das lange nicht das Ende der Karrieren von Menahem Golan und Yoram Globus. Zwar trennten sich die alten Freunde und Partner im Streit, aber das hatte nur zur Folge, dass statt einem „Nachfolge-Cannon“ gleich zwei neue Firmen um die Loyalität der Cannon-Fanschar rangelten. Yoram Globus gründete Globus Pictures (bekannt und „beliebt“ für Sachen wie „American Samurai“, „Tobe Hooper’s Living Nightmare“ oder „Prison Heat“), Golan konterte mit der deutlich ambitionierter aufgestellten 21st Century Film Corporation, überließ das Tagesgeschäft aber überwiegend seinem britischen B-Tycoon-Kollegen Harry Alan Towers, der mehr oder weniger sehenswerte Klopper wie das Robert-Englund-„Phantom der Oper“, die sehr frei Poe-Adaption „Riptide“ (nach der „Maskerade des roten Todes“) oder das „10 Little Indians“-Derivat „Death on Safari“ produzierte. Golan erinnerte sich an seine Roots als einer von Israels Kommerzfilm-Pionieren und entschied sich dafür, wieder verstärkt selbst Regie zu führen (für Cannon hatte er bei ein paar Prestigeprojekten wie „Hanna’s War“ oder „Mack the Knife“ das Kommando geführt, aber auch „Over the Top“ verbrochen…).

1993 schien es ihm also an der Zeit zu sein, die gloriosen „Delta Force“-Zeiten wieder aufleben zu lassen – auch wenn statt Chuck Norris nun nur noch Michael Paré und Jan-Michael Vincent zur Verfügung standen. Aber auch mit denen kann man ja einen zünftigen Randalefilm in die Kamera hauen. In Deutschland ist „Deadly Heroes“ aus mir eher unerfindlichen Gründen bis heute indiziert (weswegen es auch keine vernünftige oder auch unvernünftige Heimkinoveröffentlichung gibt), aber wer ein Interesse am Film hegt, kann sich für wenig Geld aus dem United Kingkong die Briten-DVD von Delta besorgen. Und das hat Euer lieber Doc im Dienste der Chronistenpflicht dann auch getan.

Golans Story wurde von unserem alten Freund Damian Lee in ein Drehbuch verwandelt. Den Genossen Lee, der seine Karriere dereinst als Pornofilmer begann, kennen wir ja nur zu gut von Gassenhauern wie dem legendären „Abraxas – Guardian of the Universe“, dem schrägen „National Lampoon’s Last Restort“, „Food of the Gods 2“ oder der Stock-Footage-Orgie „Agent Red“. Zum Glück ist der gemeine Delta-Force-/Marine-/Navy-SEAL-Klopper keine intellektuelle Herausforderung, das bekommt notfalls auch ein Schreiberling von Lees Güte hin.

Der Top-Terrorist Carlos war in den 80ern und 90ern ja immer ein gern gebuchter Real-Life-Schurke, den man ohne Weiteres in ein Filmscript integrieren konnte (zumal der echte Carlos, nachdem er von den palästinenisch-arabischen Gruppen, für die er bis in die späten 70er gearbeitet hatte, in der Folge keine klare Ideologie verfolgte und mit so unterschiedlichen Interessen verfolgenden Organisationen wie der Stasi, der CIA und der rumänischen Securitate zusammenarbeitete). Auch in „Deadly Heroes“ findet sicher keine Auseinandersetzung mit Carlos‘ Motiven und seiner Ideologie statt – dass er mit einem mutmaßlich antiisraelischen arabischen Regime verknüpft ist, ist klar (wie auch der echte Carlos zeitweise die Protektion Ghaddafis genoss), aber klare politische Aussagen werden ihm nicht in den Mund gelegt, seine Hauptmotivation im Film ist eine rein persönliche, nämlich seine Hormonwallungen im Hinblick auf Marcy. Ist zumindest mal was anderes…

Die Heldenfiguren sind nothing special – Brad ist der Familienmensch, der Himmel und Hölle in Bewegung setzen würde, um Weib und/oder Kind zu retten, Cody der loyale Freund, der um der Freundschaft willen auch bereit ist, Regeln zu beugen oder gar zu brechen. Das sind bewährte Stereotypen, die zumeist ihren Zweck erfüllen und das auch hier tun.

Wie schon gesagt, einen kleinen Originalitätspreis gibt’s dafür, dass hier nicht die Welt gerettet werden, ein Anschlag verhindert oder ein Krieg gewonnen werden muss, sondern der „Preis“ nur die sichere Heimkehr einer einzelnen Frau ist, hinter deren Entführung auch keine politische Agenda steht, sondern eben nur der Fakt, dass die Liebe manchmal seltsame Wege geht…

Mit 105 Minuten nimmt sich „Deadly Heroes“ für einen B-Randalefilm eine ordentliche Strecke vor und letztlich ist das dann auch ein Problem – eine Straffung auf das handelsübliche 90-Minuten-Format hätte dem Film gut getan. So hätte ich z.B. als erstes den Prolog gestrichen, in dem die Terroristen ihre neuen Waffen erhalten. Erstens ist der zauselige Mad Scientist eine Cartoon-Figur, die überhaupt nicht zum ansonsten todernsten Restfilm passt, und zweitens verdirbt es natürlich die Überraschung (Merke: nicht immer ist Hitchcocks suspense-Rezept des Wissensvorsprung des Zuschauers wirklich das ideale Stilmittel). Auch sonst sind Szenen immer wieder einen Tick zu lang, verlieren sich in bedeutungslosem Geplänkel, anstatt kurz und präzise einen Punkt zu machen. Golan ist halt nicht unbedingt ein Action-Spezialist, auch wenn er einen Schwung Actionfilme inszeniert hat, und verpasst daher einige Male den idealen Punkt für einen Schnitt. Stichwort Schnitt – der ist leider sowieso nicht besonders gut und manchmal gelinde konfus (obwohl nicht weniger als drei Cutter kreditiert sind). Ein herausragendes Beispiel ist die Taxi-Verfolgung, für deren wirren Schnitt Golan immerhin die Ausrede hat, dass die tutti kompletti aus der früheren 21st-Century-Produktion „Desert Force“ (in der ebenfalls Paré die Hauptrolle spielte und von Gabi Amrani herumkutschiert wurde) ausgeborgt wurde.

Ein Nonstop-Action-Rollercoaster ist „Deadly Heroes“ dann auch nicht. Der Shoot-out auf dem Flughafen ist solide, die Verfolgungsjagd mit dem Taxi, beschränkt man sich in der Bewertung auf das stunt driving an sich, auch, danach gibt’s aber einen längeren Action-Durchhänger bis zu Brads Flucht von der Insel und den anschließenden Frontalangriff der SEALs gegen die Terroristen (zwischendurch wird Brad langwierig gefoltert, was den taffen Ami natürlich nicht soweit behindert, um nicht bei erstbester Gelegenheit seinen Bewacher eigenfüßig zu erwürgen). In der Schlussphase wird der Bodycount ordentlich nach oben geschraubt, Gestaltung und Volumen der Action entsprechen in etwa dem, was man bei einem frühen Nu-Image-Film erwarten konnte, sprich: es ist in Ordnung, aber nicht übermäßig spektakulär.

Den unauffälligen Score steuert Lawrence Schragge („Firebird 2015 A.D.“, „Eis – Wenn die Welt erfriert“) bei. Der Gewaltlevel ist für einen 90er-Action-Film nicht außergewöhnlich, weswegen mich die Indizierung in Deutschland schon etwas wundert – besonders abgefeimte Gewalt wird hier nicht unbedingt dargeboten.

Der Cast ist zumindest in den Leads ordentlich. Michael Paré („Straßen in Flammen“, „Das Philadelphia Experiment“ ) ist hier noch nicht weit genug von seiner „Glanzzeit“ entfernt, um sich seinen Abstieg in B-Gefilde anmerken zu lassen, und Jan-Michael Vincent („Airwolf“) hat sicherheitshalber nicht so viel zu tun, als dass Drogen- und Alkprobleme sich gravierend bemerkbar machen könnten (und im Finale bekommt er auch ein paar Actionszenen). Der jüngst verstorbene Billy Drago („Delta Force 2“, „The Hills Have Eyes“, „Charmed“ „”Masters of Horror: Imprint“) ist als exaltierter Schurke eine sichere Bank und ihn mal liebeskrank zu sehen, ist eine nette Abwechslung. Claudette Mink („Spiel mit der Anst“, „Paycheck“) als Marcy ist nicht gerade eine Entdeckung, aber absolut adäquat. Aus Dragos Terroristen-Brigade ragen Alon Aboutboul („Rambo III“, „The Dark Knight Rises“) und vor allem Galit Giat (leider praktisch ausschließlich im israelischen Fernsehen tätig) heraus.

Die Delta-DVD ist eine typische Ramschkistenveröffentlichung. Der 4:3-Transfer ist recht schrappelig und vermutlich von einem VHS-Master gezogen. Zu Beginn ist’s arg pixelig, aber zum Ende hin fängt sich das Bild. Die Tonqualität ist so la la, als Extra gibt’s immerhin den Trailer.

„Deadly Heroes“ ist ein nicht herausragendes, aber ganz routiniert gewerkelter Actionfilm, der fünfzehn Minuten kürzer und besser geschnitten sicher packender wäre, aber als „Cannon light“ allemal durchgeht. Michael Paré- und Billy Drago-Fans werden jedenfalls gut bedient.

© 2019 Dr. Acula

  • Terroristen im Cockpit. Nicht ratlos.

  • Papa hat ein Aua.

  • "Soll ich dir meinen Hubschrauber zeigen?"

  • Ein Meister der Tarnung, praktisch ein Ninja - unser Huckleberry Hawke.

  • Ein Terrorist und Gentleman.

  • Etwas mehr Fröhlichkeit bitte, Herr Paré.

  • Andererseits... hast nicht viel Grund dazu, Keule.

  • "Letzte Woche saß ich noch Glenn Ford gegenüber. Und jetzt dir!"

  • Männer in Toip-Form.

  • Modischer Speedo.

  • Kimme, Korn + Schuss. Bei Jan-Michael Vincent bliebt's wohl zu oft beim Korn.

  • Stets entspannt - der Schurke.

  • Bisschen besser als Asylums Schalttafel-of-Doom, but not much.


BOMBEN-Skala: 6

BIER-Skala: 6


mm
avatar
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: