Das Rote Phantom schlägt zu


  • Deutscher Titel: Das Rote Phantom schlägt zu
  • Original-Titel: Superargo contro Diabolikus
  • Alternative Titel: Superargo vs. Diabolicus Superargo against Diabolicus
  • Regie: Nick Nostro
  • Land: Italien/Spanien
  • Jahr: 1966
  • Darsteller:

    Giovanni Cianfriglia (Superargo), Gerard Tichy (Diabolikus), Loredana Nusciak (Diabolikus Freundin), Monica Randall (Lidia), Francisco Castillo Escalona (Col. Alex Kenton), Emilio Messina (Diabolikus Assistent), Valentino Macchi, Geoffrey Copleston


Vorwort:

Unser Held und Maskenträger Superargo ist durch Messer und Kugeln unverwundbar und selbst ein saftiger Stromschlag kann ihm nichts anhaben. Mit diesen unfairen Vorteilen ausgestattet hat sich Superargo (zu schlecht Deutsch „das rote Phantom“) zu einer Karriere als Profi-Catcher entschieden und regiert den Sport als ungeschlagener Weltmeister. Als er im Kampf versehentlich seinen Gegner und Freund „Tiger“ umbringt, plagt den Herren Superstarken Superwrestler das Gewissen. Sein alter Freund Kaminski überredet ihn dazu, seine Fähigkeiten fortan in den Dienst der Gerechtigkeit zu stellen und als Geheimagent (äh, ja, sehr geheim, so’n Typ im roten Strampelanzug mit schwarzer Gesichtsmaske) zu fungieren. Einen Job hätte er da auch schon…

In der Nähe einer bislang unbedeutenden Karibikinsel häufen sich nämlich gar boshafte Piratenüberfälle auf die christliche Schifffahrt. Superargo soll der Sache, ausgestattet mit ein paar Gadgets, für die Q sicher nicht seinen Buchstaben hergegeben hätte, auf den Grund gehen. Aber kaum aus der Tür des Geheimdienstchefs raus wird ein Mordanschlag auf ihn verübt. Sicherheitshalber, weil er mit gutem Grund vermutet, das eine verräterische Fiesmorchel im Geheimdienst sitzt, tut Superargo so, als wäre der Anschlag erfolgreich gewesen.

In Wahrheit natürlich höchst lebendig schnorchelt Superargo (der die Luft auch sieben Minuten lang anhalten kann, was bei Tauchgängen ein nicht zu unterschätzendes Plus ist) in das unterinselische Hauptquartier des Schurken, eines gewissen Diabolicus, der mit diesem Namen wohl eher nicht Vorsitzender des lokalen Philanthropen-Klubs sein dürfte. Diabolicus hält den Maskenmann ob seines Kenntnisstandes über den erfolgreichen Mordanschlag für einen lächerlichen Agentenimitator und legt ihn, nachdem er ihm seinen genialen Plan verklickert hat (Diabolicus klaut alles Uran der Welt, um es in Gold zu verwandeln, so eine globale Inflation auszulösen und dadurch auf irgendeine Art und Weise der Chef von allem zu werden), auf Eis. Da Superargo aber der echte ist, macht ihm natürlich auch die Tiefkühltour nichts aus. Es gelingt ihm die Flucht.

Jetzt muss Diabolicus andere Seiten aufziehen. Er entführt Superargos Freundin. Also muss der Herr Superagent ncoh mal das HQ des Feindes infiltrieren und sein Girl retten, bevor die Amis die ganze Insel mit Bomben und Granaten platt machen…

Inhalt:

Wo wir schon bei italienischen Superhelden waren… Wir sind ja eigentlich alle gewohnt, dass die Italiener bei ihren comic-book-movies, egal, ob sie nun wirklich auf fumetti basierten oder frei fabuliert waren, durchaus das „comic“ im Sinne von „komisch“ im Blickpunkt hatten (wenn wir jetzt mal von denen absehen, die Kriminelle als Hauptfiguren hatten, wie „Danger: Diabolik“ oder „Kriminal“). Normalerweise konnte man sich drauf verlassen, dass sich jemand, der einen bunten Strampelanzug anzog, um Heldentaten zu vollbringen, das auf die ein oder andere Weise lustig erledigen würde. Nick Nostro hatte da wohl was dagegen.

Der third-tier-Regisseur aus der 60er-Italo-Riege Nick Nostro, dessen wohl international bekanntesten Werke seine beiden „Ten Gladiators“-Filme sein dürften, setzte sich wohl in den Kopf, einen Superhelden-Film todernst zu gestalten und orientierte sich an zwei Vorbildern – wohl einerseits den „Santo“-Filmen aus Mexiko, die ja allesamt, auch wenn man das heute kaum mehr glauben mag, mal ernst gemeint waren, und aus denen das ganze Konzept des maskierten Wrestlers, der Aufgaben übernimmt, die für normale Polizei zu schwierig sind, übernommen wird, und andererseits dem handelsüblichen Eurospy-Film von der Stange, der für den gesamten, ähm, Plot Pate stand (im Endeffekt ist Diabolicus‘ dämlicher Plan das umgekehrte Vorhaben von Goldfinger. Apropos dämlicher Plan – wäre ich Superschurke von Welt, ich hätte andere Pläne mit einem Berg geklauten Uran).

Superargo killt seine Feinde am laufenden Band – im Finale mäht er Diabolicus‘ Schergen im Dutzend mit dem Maschinengewehr nieder, er wird auch nicht von einer Comedy-Synchro ins Lächerliche gezogen, nein, hier herrscht blutiger Ernst, auch wenn Held und Schurke in dümmlichen Kostümen rumlaufen und blöde Namen haben (immerhin, sie haben welche, weder Supies noch Teufelchens Freundin verdienen es, mit Namen angesprochen zu werden). Es rühmt Nostro, dass er versucht, den Superheldenfilm etwas, ehm, erwachsener anzulegen als praktisch alle seiner Zeitgenossen, andererseits… es hat auch seine Gründe, warum James Bond nie einen Superheldenanzug überzog. Es beißt sich, zumal Superargo auch nie wirklich „menschliche“ Qualitäten entwickelt (im Gegenteil – Nostro unternimmt alle Klimmzüge, um Superargo nie ohne seine Maske zu zeigen, obwohl er im Filmverlauf auch mal demaskiert wird. Welches „Geheimnis“ versucht Nostro hier zu wahren?). Die „Santo“- bzw. Luchadore-Filme an und für sich gehen heute als Spaß durch, weil es kein noch so ernstes Problem gab, das nicht durch ein Wrestling-Match gelöst werden konnte, Superargo hat diese Ausrede nicht. Er mag nominell auf der Seite des Guten stehen, doch wie ihn der Film schildert, ist er nichts anderes als ein ziemlich mordgeiler Psychopath.

Immerhin, das sorgt für einiges an Action und (ungraphisch) gestapelte Leichenberge, und auch der betriebene Aufwand ist vertretbar. Diabolicus hat ein Schurken-Lair, für das sich kein typischer Eurospy-Villain schämen würde, es gibt Action zu Lande, zu (und unter) Wasser und in der Luft. Was mir fehlt, ist zum einen eben einfach die gewisse Leichtigkeit des „nicht-ernst-gemeinten“, zum anderen ein paar mehr knackige Babes in knappen Kostümen. Die gehören zum Genre für mich irgendwie dazu.

Ken Wood, nicht der Gründer der Elektronikmarke, sondern ein waschechter Italiener, der von seiner Mamma auf den Namen Giovanni Cianfraglia getauft wurde, fehlt leider auch ein wenig die physische Präsenz (erst recht, wenn er von Diabolicus‘ Gehülfin als „Muskelriese“ bezeichnet wird, der Specimen diese Bezeichnung aber nicht wirklich hergibt). Cianfraglia spielte die Rolle auch im Sequel „L’invincible Superman“, aber trotz dieser und einiger Auftritte in Spaghettiwestern konnte er sich als leading man nicht durchsetzen, blieb aber als Stuntman und Nebendarsteller (auch in einigen Bud-Spencer-Vehikeln) gut im Geschäft. Gérard Tichy, der quasi direkt von „Doktor Schiwago“ zum „Superargo“-Dreh kam, spielt mir den Erzschurken etwas zu sehr zurückgenommen als normalen Typen – da fehlt mir die „Megalomania“, das larger-than-life-Verhalten. Auch seine Assistentin Loredana Nusciak kam von einem etwas wichtigeren Film zu diesem – sie hatte die weibliche Hauptrolle in „Django“. „Superargo“ bietet ihr nicht viele Möglichkeiten, ebenso wenig wie der Spanierin Monica Randall („Stoßgebet für drei Kanonen“) als Supies Freundin.

Zusammenfaselnd – „Superargo versus Diabolicus“ ist nicht unbedingt die Spaßgranate für den bierseligen Schundfilmabend, sondern eher interessant als filmhistorische Kuriosität in dem Versuch, Superhelden- und Eurospyfilm einigermaßen stimmig zu verbinden. Das reicht für eine Ansicht aus Neugier, aber vom Funfaktor her sind die Kollegen „Drei Supermänner“, „Argoman“ oder „Flashman“ vorzuziehen.

2,5/5
(c) 2017 Dr. Acula


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