Das komabrutale Duell


  • Deutscher Titel: Das komabrutale Duell
  • Original-Titel: Das komabrutale Duell
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  • Regie: Heiko Fipper
  • Land: Deutschland
  • Jahr: 1999
  • Darsteller:

    Heiko Fipper (Heiko Eisentempler), Stefan Höft (Stefan Bandera), Stephan Fipper (Stephan), Mike Hoffmann (Mike), Andreio Fiore (Achtlingsmafia) u. a.


Vorwort:

Vorsicht, das hier vorliegende Review legt nicht nur erschütterndes Zeugnis darüber ab, wozu minderbemittelte Filmemacher fähig sind, wenn sie in den Besitz einer Kamera kommen, sondern befaßt sich auch mit einem der wenigen Filme, die so böse sind, daß sie nach §131 in Deutschland verboten wurden, weil sie der Menschheit grausames seelisches Leid zufügen können und schlimmstenfalls Amokläufer aus ihr machen. Wer also noch keine 18 Jahre alt ist, darf auf gar keinen Fall weiterlesen. Nicht mal ein bißchen. Dies sei übrigens auch allen anderen Lesern dringend ans Herz gelegt, wenn sie auch nur einen Funken Verstand haben…

Immer noch da? Schade. Dann muß ich ja wohl.

„Das komabrutale Duell“ gehört in die eher unerfreuliche Kategorie der deutschen Amateur-Splatterfilme, an der sich neben dem ja zumindest für seine handwerklich guten Effekte in gewissen Kreisen gelobte Olaf Ittenbach auch so sympathische Gesellen wie Jochen Taubert und Andreas Schnaas versucht haben und immer noch versuchen, die erwiesenermaßen ja aber nun wirklich gar nichts können. Womit wir bei Regisseur Heiko Fipper wären, der außer diesem Werk noch einige andere (Kurz-)Filme in seiner Vita stehen hat, die vermutlich nur er und seine Mitstreiter kennen (und trotzdem in der Onlinefilmdatenbank aufgeführt sind – vielleicht sollte ich meine in der Kindheit zu Dutzenden abgedrehten Home-Videos da auch mal einstellen).

Darüber hinaus gibt es nur einen weiteren Film, der dem Anschein nach wenigstens mehr als einer Handvoll Leute ein Begriff ist, und das ist „Ostermontag“, den man auch unter den Alternativtiteln „Das komabrutale Snuff-Massaker“, „Snuff Holocaust“ und „I Spit On Your Fucking Grave Bitch!“ (sic!) kennen kann, aber nicht kennen sollte. Der Inhalt dieser Gurke sagt eigentlich schon alles, was man wissen muß: Ein Psychopath (Heiko Fipper selbst) liebt seine Stiefschwester. Die kann ihn aber nicht leiden und schickt angeblich ihre Zwillingsschwester zu einem Date mit ihm. Er tötet diese, muß dann aber feststellen, daß er versehentlich seine geliebte Stiefschwester erwischt hat. Nach mehreren Jahren Klapse bricht er aus und will grausamste Rache an der Zwillingsschwester üben (obwohl er selbst zu doof war). Der ohnehin wirren Story wird dann noch eine Texttafel vorangestellt, die besagt, hierbei handle es sich um aus dem Polizeiarchiv gestohlenes Snuff-Material, was natürlich keine Sekunde zu glauben ist und das volle Programm Frauenfeindlichkeit in Form sexueller Demütigungen, von Genitalverstümmelungen und diversen anderen Abartigkeiten auch nicht besser macht. Und weil das Leben ungerecht ist, gibt es auch diesen Film käuflich zu erwerben (unter anderem mit einem fast 45-minütigen Mitschnitt einer Real-Life-Party von Fipper als Bonusmaterial – halt das, was jeden Zuschauer brennend interessiert).

Das hindert mich aber nicht daran, mir nun „Das komabrutale Duell“ vorzuknöpfen, zugleich auch der letzte Fipper-Langfilm, der offenbar 2002 seine Karriere als Regisseur beendete. Zum Glück, ist man geneigt zu sagen, denn, so viel sei verraten, alle Befürchtungen, die einem aufgrund der „Ostermontag“-Vorgeschichte und natürlich auch unumgänglichen Vorurteile bei einer Amateurproduktion kommen können, werden sich bestätigen. Und mit alle meine ich: ALLE. Und noch mehr.

Aber was will man auch von einem Film halten, der „Das komabrutale Duell“ heißt? Mit der Komposition „Koma“ und „brutal“ liegt eine Wortneuschöpfung vor, die immerhin so skurril ist, daß sie vermutlich exklusiv mit diesem Film in Verbindung gebracht werden dürfte. Google bestätigt mich dabei. Und daß der Titelerfinder wußte, daß in dem Substantiv „Duell“ das Wort „zwei“ steckt und damit ein Zweikampf assoziiert wird, darf man nach Ansicht dieses Films ebenfalls ins Reich der Fabeln verweisen.

Inhalt:

Zur Einstimmung knallt man uns, den armen Zuschauern, eine schwerlich C64-Niveau erreichende Totenkopf-Grafik des ganz unbescheiden „HF Pictures“ genannten Labels um die Ohren. (HF = Heiko Fipper, vorsichtshalber für die Langsamen. Oder am Ende vielleicht doch „Holy Fuck“?)

Einblendung: 1984. An einer Hauswand lehnen acht mächtig coole Typen mit Schnauzbart und Sonnenbrille. Sie sehen alle gleich aus, was einen Grund hat, den wir gleich erfahren. Es handelt sich nämlich um die sogenannte Achtlingsmafia. Sie wird von ein und demselben Schauspieler verkörpert, der im Bild entsprechend verachtfacht wird, was – wenn ich denn mal loben will – technisch ACHTbar (höhö) gelöst wurde.

Diese duften Kerle stehen hier nicht nur aus Jux und Dollerei rum, sondern treffen einen anderen Typen namens Stefan Bandera, der sich, weil er nicht minder cool erscheinen will als seine Gegenüber, für das Meeting auch erstmal seine Geile-Macker-Sonnenbrille aufsetzt.

Mit Andy eröffnet einer der Achtlinge (vermutlich der Anführer) das Gespräch und hält zur Begrüßung einen Monolog, der die sich anschließende Geschichte in einen gewissen Kontext setzen soll. Dann woll’n wir mal: Banderas Papa wurde von einem gewissen John Eisentempler (yeah!) mit einem Lkw an einer Mauer zerquetscht (was der große Künstler Fipper mit stilvollen Foto-Rückblenden visualisiert – nicht vom Unfall selbst, sondern von der Absicherung der Unfallstelle o.ä.). Weil Eisentempler besoffen war, wird er aber nur eine Bewährungsstrafe kriegen. Das geht natürlich nicht und deshalb schlägt Andy Bandera vor, seiner Achtlingsmafia beizutreten. Die Vorteile? Er befände sich damit in einer Folterorganisation, die für ausreichend Geld dazu bereit ist, ihre Opfer über Jahre hinweg zu quälen (unter anderem mit stumpfen Kettensägen). Genau das sollen nun auch Eisentempler und seine ganze Familie erleiden und samt und sonders ausgelöscht werden, und zwar sofort (so viel zu „über Jahre quälen“) – bis auf den jüngsten Sohn, der als Austauschschüler in den Staaten ist. Auf den werden sie dann warten. Inwiefern Bandera ein Interesse daran haben sollte, daß der jüngste Sohn, der mit der Sache vermutlich nichts zu tun hat, möglichst lange verschont bleibt, während dessen Vater als Unfallverursacher vergleichsweise schnell davonkommt, erschließt sich mir nicht, aber nun ja – wetten, daß Bandera den löchrigen Plan trotzdem dufte findet?

Während des Monologs filmt der Kameramann Andy aus der Froschperspektive, weil der so noch cooler rüberkommt. Der pißt Eiswürfel, ohne Frage.

Ab in den Vorspann, der über Fotos von zerteilten Menschen und Gedärmen läuft. Wir wollen ja den Zuschauer, der geschlagene zwei Minuten auf Blut und Gekröse gewartet hat, nicht zu lange enttäuschen. Überhaupt kann ich für jene Leute bereits Entwarnung geben: Von nun an wird bis zum Ende keine Minute mehr vergehen, in der nicht mindestens eine klaffende Wunde in die Kamera gehalten wird, nicht selten begleitet von einer zusätzlichen Blutfontäne, die durchs Bild spritzt.

Wir hören eine hallende (hallend, weil der Regisseur weiß, sowas kommt immer gut und wirkungsvoll) und heulende Stimme, die sich fragt, warum alle sterben mußten: Eltern, Schwestern und sogar Freunde. Es sei doch alles nur ein ungewollter Unfall gewesen. Offensichtlich waren Bandera und die Achtlingsmafia in der Zwischenzeit fleißig und haben im eisentemplerschen Familien- und Freundeskreis rumgemurkst, was das Zeug hält. Der Erzähler dieser unserer Geschichte ist, ohne daß man uns das explizit sagt, vermutlich der verbliebene Eisentempler aus den Staaten. Er gibt uns weitere Exposition: Neben ihm sind nur noch seine Halbbrüder Mike und Stephan sowie seine Freundin am Leben. Damit hätten wir einen Stefan und einen Stephan im Figurenensemble. Die Erklärung ist einfach: Die Darsteller behalten einfach ihre realen Vornamen, anstatt sich an erfundene Rollennamen gewöhnen zu müssen. Ja, man darf es Faulheit des Drehbuchautoren – übrigens Fipper selbst – nennen.)

Eisentemplers Stimme erzählt weiter von der Achtlingsmafia, von der sich einer auf seine Seite geschlagen hätte. Jene Böslingsbande hätte einen neuen Chef, genau genommen einen irren Amokläufer, der der Einfachheit alle abknallen würde (nun, ich dachte zwar, man würde eh alle exekutieren, aber vielleicht schließt „alle“ auch Leute außerhalb des Familien- und Freundeszirkels mit ein).

Natürlich wäre es langweilig, minutenlang der Off-Stimme zu lauschen, ohne daß sich auf dem Bildschirm etwas tun würde. Deshalb werden Eisentemplers mündliche Behauptungen auch mit einem reichlich wirren Bilderpuzzle unterfüttert, in dem irgendwelche Menschen irgendwelche anderen Menschen zersägen, Arme abtrennen, von hinten mit einem Pfeil durchbohren, mit Kopfschüssen durchlöchern usw. Ist das ein Krieg zwischen Eisentempler, seinen Freunden und Angehörigen auf der einen Seite und der fiesen Foltertruppe auf der anderen Seite? Das würde zur Erzählung von Eisentempler passen. Wo sind dann aber die Achtlinge? Die kann ich nirgends ausmachen. Dafür weist die Szene nämlich zu wenig Schnurrbärte auf. Da werden die ersten Minuten schon so bequem mit Exposition zugelabert, und ich verstehe trotzdem nur Bahnhof. Kurzum: Wer sind diese Menschen?

Einer dieser Menschen erweist sich als besonders hinterhältig: Erst ballert er einem Typen eine Kugel in den Kopf und schickt noch gleich eine hinterher, als der Getroffene eh schon hilflos am Boden liegt. Soll der Attentäter der besagte irre Amokläufer sein? Oder Bandera? Oder ist Bandera der irre Amokläufer? Jedenfalls schmoddert das und die ganzen anderen blutigen Schweinereien ganz wunderbar. Erzähler Eisentempler verrät, daß sich am Ende des Gemetzels der irre Chef selbst den Schädel weggeblasen hätte. Warum? Das weiß er vermutlich nicht mal selbst. Warum sollte ich das dann wissen?

Puh, ich habe schon einfachere Starts in Filme gehabt…

Die Einblendung „10 Jahre später“ besagt, daß zehn Jahre vergangen sind. (Ich war mal so frei, das schlußzufolgern.) Zoom auf ein Straßenschild „Glindersweg“ – und ein Schild „Krankenhaus Bethesda“. Auch das noch: Die beiden Schilder in Kombination ergeben, dass der Film in einem Bezirk namens Bergedorf in der Hansestadt Hamburg spielt – in einem Bezirk, den ich von Kindesbeinen an nur zu gut kenne, weil er nur wenige Zugminuten von meinem Heimatort entfernt ist.

Erzähler Eisentempler ist auch nach zehn Jahren noch da und erzählt: Er hat den grausamen Anschlag überlebt. Aha! Endlich mal ein klares Wort! Dann könnte er also der Typ sein, der sich eben der beiden Kopfschüsse erwehren mußte, zumindest aber einer derjenigen, die so brutal bearbeitet wurden. Er berichtet weiter, daß sieben Jahre Koma und drei Jahre Rehabilitation hinter ihm lägen. Mit dem heutigen Tage aber startet er in ein neues Leben. Damit hätte es sich bei unserem Erzähler auch schon (oder endlich – je nach Sichtweise) auserzählt und der Zuschauer wäre ab sofort auf sich allein gestellt. Da ich bisher trotz Erzähler schon Schwierigkeiten hatte, Wort und Bild in Einklang zu bringen, glaube ich, daß das kein großer Verlust ist.

Das neue Leben von Eisentempler sieht so aus, daß ihm bei seiner Entlassung in einem Wald ein blonder Typ mit einer Pistole auflauert. Ich vermute, das Drehteam hat sich für den Dreh dieser Szene ins Bergedorfer Gehölz zurückgezogen, einem rund zwei Quadratkilometer großen Wald, in dem es nach Herzenslust ohne Drehgenehmigung filmen konnte, solange keine unbeteiligten Passanten durchs Bild liefen. Der blonde Typ will Eisentempler, wie man es anhand des Schießprügels vermuten konnte, ans Leder. Wie man ebenfalls vermuten kann, gefällt dem das nicht. Er versucht ihn von der Schändlichkeit seines Tuns abzubringen. „Verstehst du das, 50 Prozent meines Gehirns sind beschädigt?“ Also, ich kann sagen: Ich verstehe das. Bei mir nämlich auch. Dafür reichten fünf Minuten „Das komabrutale Duell“. „Das war’s doch vorher schon“, erwidert der Angreifer frech, aber vermutlich richtigerweise. Aber Eisentempler ist ja nicht ganz dumm (naja, irgendwie schon) und wehrt den Angriff zunächst extrem männlich mit Pfefferspray ab. Damit ist es nicht getan, und der blonde Typ und Eisentempler schlagen sich in die jeweiligen Fressen.

Und das dauert.

Ich weiß nicht, ob eine künstlerische Ambition des Kameramanns dahinter steckt, daß er mitten im Kampfgetümmel mit weichen Überblendungen arbeitet. Ich vermute eher, damit soll kaschiert werden, daß sich die Darsteller nicht wirklich wehtun (wollen). So muß man keine handfesten Schläge zeigen. Andererseits wären solche Überblendungen dann auch bei den Tritten nötig, die Eisentempler kurz darauf gegen den Kopf des am Boden liegenden blonden Typen tätigt, denn da, wo er hintritt, ist zwar viel Luft, aber bestimmt nicht der Kopf seines Gegenspielers. Dementsprechend erbärmlich sieht die Choreographie aus. Nach dem Willen des Films sorgen die zahlreichen Lufttritte dennoch für eine blutige Visage des blonden Typen, was der wiederum nicht auf sich sitzen lassen kann und Eisentempler bei der nächstbesten Gelegenheit mit seiner mitgebrachten Knarre die Kniescheiben kaputtschießt. Gestatten, unser heimlicher Hauptdarsteller, die Blutfontäne, betritt das Geschehen. Obwohl: Blutfontäne? Sollte eine Blutfontäne nicht irgendwie, nun ja, rot sein? Ist das … braune Bratensoße? Oder Durchfall? Leute, ernsthaft?

Der K(r)ampf ist wider Erwarten mit den zerschossenen Knien noch nicht beendet. Ich sagte doch, der dauert. Eisentemplers Energie beeindruckt mich nach zehn Jahren Krankenhausaufenthalt ehrlich, denn er steckt das locker weg und kann sogar wieder aufstehen, um sich mit dem blonden Typen an und auf einem häßlichen hellblauen BMW (Baujahr 1975, würde ich schätzen) zu prügeln. Wahrhaft intensive Action mit ebensolchen Stunts. Wow. Einfach nur wow. Weitere Blutfontänen spritzen, als Eisentempler dem blonden Typen (vermutlich mit dessen eigener Waffe) zwei Kugeln in den Oberkörper ballert. Zeitlupe kann der Kameramann übrigens auch. Mittlerweile wähnen wir uns wirklich in einem John-Woo-Actionfilm. Der blonde Typ ist ähnlich tough wie sein Herausforderer und schüttelt die Schüsse in seinen Oberkörper ab wie lästige Fliegen. Er verlagert das komabrutale Duell – gähn – auf den Boden. Ja, hört das denn nie auf?

Jetzt vielleicht. Dem blonden Typen gelingt es, eine Kettensäge aus dem Kofferraum des Wagens zu holen und damit Eisentempler zu bearbeiten. Dessen Zappeln soll kompensieren, daß die Kettensäge überhaupt nicht eingeschaltet ist. Movie Magic, ihr versteht? Fast so magic wie Eisentemplers Überlebenswille, der nunmehr klaffende Wunden in Oberkörper und Hals immer noch wie ein Mann trägt und tapfer weiterkämpft. Und kämpft. Und kämpft. Schläge, Tritte, Blut, Blut, Blut.

Irgendwann sieht der blonde Typ dennoch wie der sichere Gewinner aus und stapft überschwenglich davon – so überschwenglich, daß er seine Kettensäge einfach bei seinem Opfer liegen läßt. Dummheit muß einfach bestraft werden, so auch hier: Der vermeintlich zerstörte Eisentempler rafft sich noch einmal auf, schnappt sich unbemerkt die Säge und rammt sie dem blonden Typen quer durch den Körper. Naja, oder streichelt und kitzelt ihn zumindest damit. Die braune Suppe suppt unaufhörlich, und Eisentempler sinkt erschöpft zu Boden. Fünf Minuten Kampf können seeehr laaang werden, vor allem wenn ich die Wahl habe, entweder einem Vollidioten, dessen Vater alkoholisiert Menschen totfährt, oder einem Vollidioten, der offensichtlich von einem Auftragskiller angeheuert wurde, um andere Menschen zu töten, die Daumen zu drücken. Ach, wäre doch alles bloß schon zu Ende… Wir sind aber erst um Minute 10 herum. Von wie vielen Minuten? Entsetzt schaue ich auf die Zeitanzeige. 86 Minuten. 86? Hilfe!

Gut, die letzte Szene habe ich kapiert. Zwei Typen kloppen sich zu Brei. Das ist nichts, womit man die Laufzeit strecken muß, aber man kann durchaus. Es ist ein freies Land. Auf der anderen Seite muß man natürlich auch sagen: Ein freies Land erlaubt es auch, Zuschauer, die nichts Böses getan haben und doch eigentlich nur unterhalten werden wollen, in Verzweiflung und pure Raserei zu treiben. Fipper hat sich mit seiner nächsten Szene genau für diese Variante entschieden.

Eine Kamerafahrt führt uns in einen ollen muffigen Keller mit spärlicher Beleuchtung, weil atmosphärisch und so. Dort steht ein Typ im Weißkittel und mit sowas wie einem Mundschutz, um der Corona-Pandemie Einhalt zu gebieten … äh, nein, natürlich nicht … um mit einem Pseudo-Defibrillator rumzufuchteln, um irgendeinen Typen auf einer Bahre wiederzubeleben. Ich nenne sie Weißkittel-Typ und Bahren-Typ. Hätte womöglich größere Erfolgsaussichten, wenn Weißkittel-Typ den Defibrillator auf der Haut und nicht auf dem auf dem Bahren-Typen liegenden Laken ansetzen würde.

An der Wand lehnt sitzend ein weiterer komplett in ein Laken eingewickelter Typ. Ich nenne ihn An-der-Wand-lehn-Typ. Der bewegt sich sogar noch. Dies ist nicht im Sinne von Weißkittel-Typ, der ihm aus Dankbarkeit eine Harke in den Kopf donnert. Pseudo-Blut (immerhin etwas röter als so manch anderes Blut in diesem Film) sickert durchs Laken. Bahren-Typ tut es An-der-Wand-lehn-Typ gleich und bewegt sich ebenfalls, was Weißkittel-Typ irgendwie auch nicht so dolle findet und ihm darum mit einem Hammer den Kopf zertrümmert (ebenfalls unter einem Laken). Braune Soße.

Es ist ja nicht so, als hätte ich euch nicht gewarnt: Keine Ahnung, was der Film von mir will.

Weißkittel-Typ zieht das Laken von Bahren-Typ weg und zum Vorschein kommt ein Kürbis mit ausgeschnittenem Gesicht, der unzweifelhaft einen menschlichen Kopf darstellen soll. Einen richtigen Darsteller wollte man aus verständlichen Gründen nicht nehmen, weil Weißkittel-Typ nun nämlich zur rostigen Handsäge greift und Bahren-Typ damit den Kopf abtrennt. Als das erledigt ist, kommt im Hintergrund ein dritter „Patient“ angekrochen. Ich nenne ihn Kriech-Typ. Weißkittel-Typ greift zum Ballermann und ballert damit ein schönes großes Loch in Kriech-Typs Kopf. Die Kamera hält auf das einem weggeblasenen Kopf nicht mal ansatzweise ähnliche Ergebnis, um auch dem letzten Zuschauer stolz zu zeigen, daß man kein Geld für irgendwas hat. Außer für Bratensoße. VIEL Bratensoße.

Überfordert? Ich auch.

Nach einer Schwarzblende verlagert sich das Geschehen vom Keller … in denselben Keller. Ich glaube, der Kameramann wollte nur mal zeigen, daß er auch weiß, daß es an der Kamera so eine schöne Schwarzblendefunktion gibt (hatte meine Kamera auch). Großaufnahme von Gummihandschuhen, die mittels Nagel und Bohrmaschine an einem Holzbalken befestigt werden. Und sie bluten. Ach Moment, die Gummihandschuhe sind keine Gummihandschuhe, sondern … Hände?! Das sollen Hände sein? Fipper, du elender Effekt-Fuchs – andere können von dir lernen. Zudem werden die Füße des bedauernswerten Opfers in den Boden gehämmert. Vollbracht wird diese grausige Tat von Weißkittel-Typ. Sein Opfer ist irgendein nur mit einer weißen Unterhose bekleideter Typ, der viel schreit und wimmert. Wenn nicht mittlerweile 100 Prozent der Darsteller wahlweise mit Blut im Gesicht oder mit Mundschutz herumlaufen bzw. -hängen würden, könnte ich vielleicht auch erkennen, ob das nun Eisentempler ist, was ich vermute, der aber eben eigentlich wie der Sieger aussah, oder irgendein Typ, den wir noch nie zuvor gesehen haben. Ich nenne ihn vorsichtshalber Unterhosen-Typ.

Wie dem auch sei: Sein Martyrium ist noch nicht beendet. Nachdem Weißkittel-Typ einem weiteren blutverschmierten Typen mit halb offenem Brustkorb auf einer Bahre das Blut abtupft (ist das vielleicht immer noch Bahren-Typ von vor der Schwarzblende?), kratzt er Unterhosen-Typ mit einer Harke nacheinander an Brustkorb, Beinen und schließlich noch Hals rum – um kurz darauf die dadurch entstandenen Wunden gleich wieder zuzunähen, mit einer Gitarrensaite, dem Geräusch nach zu urteilen. Daß wir über die Effekte lieber den Mantel des Schweigens legen, versteht sich ja wohl von selbst.

Als wäre das nicht genug, schlägt Weißkittel-Typ Unterhosen-Typ dutzendfach in die Fresse UND elektroschockt ihn auch noch mit dem Pseudo-Defibrillator. Was für ein Teufel! (Ein früher Vorläufer von „Martyrs“, ohne jeden Zweifel.) „Was wollen Sie von mir?“, winselt das angenagelte Opfer, und es hat recht. Was, verdammt nochmal, willst du von mir, Film? Inzwischen sind 20 Minuten vergangen, und ich habe nicht die geringste Ahnung.

Weißkittel-Typ hat erstmal genug von Unterhosen-Typ und mehr Bock auf Bahren-Typ (wie gesagt: entweder der von vor der Schwarzblende oder ein neuer). Dem wiederum näht er an seinem offenen Brustkorb herum. Dabei spritzt wieder ganz viel Blut. Wunderschön. Und wieder her mit dem Pseudo-Defibrillator, immerhin wurde der an Bahren-Typ von vorhin (oder halt dem neuen) ja schon fünf Minuten nicht mehr getestet. Es sind ganz tolle Sachen, die wir hier sehen.

Um das Ganze weiter zu verwirren, dackelt von irgendwo ein blutig derangierter Typ mit einer – im wahrsten Sinne des Wortes – Hackfresse im Kellergewölbe an (der bereits zuvor ein paar Mal in sekundenkurzen Einstellungen eingeführt wurde – und vielleicht sowas wie ein Zombie ist? Ich nenne ihn Hackfressen-Typ), packt Weißkittel-Typ und zerteilt dessen Kopf oder irgendwas, was ein Kopf sein soll, mit einer Kreissäge (was hier so alles rumliegt) in der Mitte. Ah, ich meine zu verstehen: Hackfressen-Typ ist metaphorisch zu sehen und steht stellvertretend für die Zuschauer, die sich bei Betrachtung des Films in einen mordlüsternen Lynchmob verwandelt haben, der nur noch Blut sehen will. „Das komabrutale Duell“ ist tiefschürfender, als er nach außen hin den Anschein macht.

Der Typ in der Unterhose rupft aufgrund dieser unerwarteten Wende der wirren Ereignisse panisch Hände und Füße aus den Nägeln, schnappt sich eine Knarre und ballert damit Hackfressen-Typ in den Kopf. Blut sickert unaufhörlich aus der Matschbirne.

Ich habe die Formel:

Hackfressen-Typ = Zuschauer bei Betrachtung des Films
Kopfschuß = hirntot
Zuschauer + hirntot = Hirntoter Zuschauer bei Betrachtung des Films.

Meine Metaphern-Theorie paßt.

Mehr noch: Ich wage zu raten, daß das hier so eine Art Folterkammer besagter Folterorganisation rund um die Achtlinge ist, die ja ihre Opfer über Jahre hinweg quälen, damit die möglichst lange was von ihren Wunden haben. Andererseits: Wer sind die gefolterten Typen? Ich dachte, Eisentemplers Verwandte wären alle tot. Und was haben hier Zombies zu suchen? Mein Gehirn begeht Harakiri.

Wahrscheinlich aus dem einzigen Grund, um mich nun wirklich bis aufs Blut zu reizen, folgt eine Einblendung: „4 Monate später“. Hatten ja lange keinen Zeitsprung mehr. Können wir jetzt mal langsam anfangen, wenigstens ansatzweise etwas in Ganz zu bringen, was nach einem richtigen Plot müffelt? Fipper, wie wär’s?

Irgendjemand hockt am Grab seines Vaters und schwört ihm blutige Rache. Hm, toter Vater? Dann könnte das Bandera sein. Dann war der irre Amokläufer, von dem Eisentempler vorhin faselte, also eher nicht Bandera, denn dann wäre er ja tot. Und Bandera ist auch nicht der blonde Typ, mit dem Eisentempler nach seinem Krankenhausaufenthalt minutenlang rang. Oder doch? Wer will es mir übelnehmen, wenn ich den nicht erkennen würde, selbst wenn er es wäre, nach dieser ewig langen Kellerszene, in der … irgendwas passierte?

In der Nähe teilt jemand an zwei andere Typen Axt, Hammer und diverse andere Werkzeuge aus. „Ich will das Schwein tot sehen!“, brüllt der eine. Hm, ist das Eisentempler? Ist ja nicht so, daß ich ihn nicht schon ohne blutverschmiertes Gesicht gesehen hätte, aber seht es mir nach: Das sind hier alles solche Nullgesichter, daß ich sie in der nächsten Szene schon wieder vergessen habe. Außerdem bluten alle ja andauernd. Die anderen beiden könnten dann … vielleicht seine Halbbrüder Mike und Stephan sein, von denen er vorhin faselte? Ich stelle diesen Satz schüchtern in den Raum.

Nichts ahnend geht Bandera seines Weges, als Eisentempler und die anderen beiden ihn erspähen („Guck doch mal da! Hallo?! Guck mal!“) und zum Angriff blasen – erst in Form einer handelsüblichen Prügelei, kurz darauf aber auch mit Hammer und Axt. Das Kampfgetümmel ist dabei sogar für die drei Angreifer so unübersichtlich, daß einer von ihnen dem eigenen Mann den Hammer mit Anlauf in die Brust donnert. „Mike!“, plärrt einer von ihnen entsetzt, was meine Vermutung, daß das hier Mike und Stephan sind, sehr wahrscheinlich macht. Es geht weiter mit in unterschiedlichen Farben sprudelnden Blutfontänen und generellem Schmodderdurchfall, weil hier ja jeder Piekser mindestens fünf Liter Blutverlust verursacht. Am Ende läuft Bandera im Gefühl des sicheren Sieges lachend weg, obwohl sich seine Gegner noch schwer verletzt am Boden winden und es ein Leichtes wäre, sie jetzt zu Mus zu verarbeiten. Hier sind irgendwie alle gleich dämlich.

Der Kameramann hat eine neue Funktion entdeckt: Hui, Kreisüberblende. Die deutet einen Schauplatzwechsel vom Wald, richtig, in den Wald an. Hat jemand behauptet, man müsse Überblenden sinnvoll einsetzen? „Ich habe sie alle erledigt! Sie sind alle tot!“, jubiliert der völlig verblödete Bandera am Grab seines Vaters. Zu früh gefreut: Nicht nur Eisentempler, sondern auch Mike und Stephan sind resistent gegen tödliche Verletzungen und knallen ihre Nemesis von hinten ab. Oder auch nicht. Bandera hat ebenfalls keine Ambition, aus dem Leben zu scheiden und greift seine Waffe, mit der er einem in die Brust (Blutfontäne) schießt (ich meine, es ist Mike – wie gesagt: Nullgesicht) und einem anderen (ich meine, es ist Stephan – nicht weniger Nullgesicht als die anderen) bzw. dessen mehr als offensichtlichem Dummy etwa drei Viertel des Kopfes wegschießt. Bandera flieht, als die Munition aufgebraucht ist. Mike schwört finstere Rache: „Den hol’n wa uns! Den hol’n wa uns!“

Verwundert es jemanden, daß bei der Anzahl von tödlichen Hieb- und Schußwunden, die bei den sogenannten Figuren keine bleibenden Schäden hinterlassen haben, auch der nur noch in Teilen vorhandene Stephan noch nicht den unwiederbringlichen Gang in die Scheiße-Hölle antritt? Mich nämlich auch nicht. Gestützt von seinen beiden Begleitern wird Stephan zu einer alten Bruchbude von Haus gebracht – vermutlich das nächstgelegene verfallene Gebäude, in dem die Filmemacher sich aufhalten konnten, ohne Ärger mit den Behörden zu bekommen. Um sich vor Tricks zu drücken, hat man dem Stephan-Darsteller einfach ein Tuch um den Kopf gewickelt, so daß die Illusion, ihm fehle fast die ganze Birne, nahezu perfekt ist. Eisentempler prüft, ob die Luft rein ist. Sie ist rein, so daß man Häuptling Zerschossener Schädel im Inneren auf eine Bahre legen kann. Es würde mich schwer wundern, wenn hier nicht auch die hirnzersetzende Episode „Weißkittel-Typs schauerlichen Experimente“ von eben gedreht worden wäre.

Tja, aber was nun tun mit dem quasi toten Typen? Eisentempler als großer Denker der Truppe stellt fest: „Der braucht ein neues Hirn.“ „Aber woher?“, fragt Mike. Von euch Dummbeuteln bestimmt nicht. Deppen. „Laß uns auf die Straße geh’n. Wir knallen einfach einen Typen ab, hacken den Schädel runter und setzen ihm das Hirn ein“, schlägt Menschenfreund Eisentempler vor. Der „Schauspieler“, der Mike porträtiert (Mike Hoffmann), spielt erschreckenderweise noch schlechter als alle anderen Mitwirkenden zusammen und ergeht sich in fassungslos machendem Overacting, fletscht die Zähne und preßt seine Sätze raus, als würde er unter akuter Atemnot leiden: „Ach, das dauert zu lang! Nimm die Hälfte von meinem!“ Aber du weißt schon, daß die Hälfte von nichts nichts ist? „Ist das dein Ernst?“, fragt Eisentempler. Mein Reden seit inzwischen rund 30 Minuten. Ist das dein Ernst, Film? Es ist Mike todernst. Eisentempler arrangiert sich schnell mit dem Gedanken und erklärt seine bevorzugte behutsame Vorgehensweise: „Ich werde dir den Schädel absägen und in zwei Teile hacken, damit ich an das Hirn rankomme.“ Da aber jede Sekunde zählt, drängelt Mike: „Ach was, das geht doch viel schneller, Mensch!“ Er kniet sich vor Eisentempler hin und fleht fast: „Reiß runter, Mensch!“ Es ist eigentlich nicht zu glauben, was der Film jetzt macht, aber da der ganze Film nicht zu glauben ist, ist es irgendwie doch wieder zu glauben. Eisentempler nimmt Mike in den Schwitzkasten und reißt ihm – wie ein Korken: plopp! – mit roher Gewalt den Kopf ab!

Leute, ich möchte nur noch heulen…

Eisentempler halbiert den Schädel und saut dabei verständlicherweise gehörig rum. Tatsächlich offenbart sich dabei zu meiner Überraschung etwas, was man mit gutem Willen als sowas wie ein Gehirn bezeichnen könnte, das aber vorher bei dem Typen wahrscheinlich nur nutzlos im Kopf wobbelte. Während Eisentempler die Hälfte der Hirnmasse in den weggeschossenen Kopf von Stephan transferiert, wankt im Hintergrund Mikes kopfloser Körper blind umher. Wahrscheinlich dachte Fipper, man könne bei der Gelegenheit auch gleich noch „Re-Animator“ schänden. Man kann es sich denken: Dieser Trick wird bewerkstelligt, indem sich der Darsteller einfach ein T-Shirt über den Kopf zieht – voilà, kopfloser Körper, der umher wankt! Der Rumpf hat sich dadurch zwar spontan erst einmal um Hals- und Kopflänge verlängert, aber das sieht man ja überhaupt nicht. Das Blut schießt aus dem offenen Hals und schmoddert Eisentempler voll. Der quittiert das mit einem Kopfschütteln, ehe Mikes Rumpf bzw. der eines Dummys auf den Boden fällt und endlich stillhält. Schließlich beendet Eisentempler die OP mit Hilfe einer Heißklebepistole, mit der er unter großem Matschen die einzelnen Kopfteile sowohl von Stephan als auch vom opferbereiten Mike wieder zusammenklebt. Gleiches gelingt ihm mit Mikes Kopf, den er mit demselben Hilfsmittel wieder am Hals befestigt, wenn bei ihm auch etwas unorthodox einfach auf dem dreckigen Boden, weil ja die Bahre mit Stephan belegt ist. Das gibt doch Blutvergiftung!

(Ich zähle grad übrigens nicht jeden der drei Milliarden einfachen Filmfehler auf, auch was das ständige Wechseln der Menge des Blutes an den Klamotten der Beteiligten angeht, sonst sitzen wir noch in drei Jahren hier. Außerdem verstehen sich solche Nachlässigkeiten bei so viel Inkompetenz ja von selbst.)

Kennzeichen nicht nur dieser Szene ist übrigens eine arg verbesserungswürdige Tonmischung. Gerade hier aber bewegen sich die Dialoge an der Grenze der Unverständlichkeit, weil Fipper es für notwendig erachtet, sie mit viel zu lauter (vermutlich Public Domain)-Hintergrundmusik zuzupflastern. Fipper und sein Team hätten sich da mehr Mühe geben können, aber explizit nicht müssen, denn je weniger ich von dem Gesabbel verstehe, desto besser. Insofern alles prima.

Mike ist schnell wieder fit, aber Stephan tut sich zunächst noch etwas schwer, auf die Beine zu kommen (sein Brustkorb ist von einem der Spielzeugwummenschüssen von vorhin auch noch offen, aber man verspricht, das nachher mit dem Tacker wieder zusammenzutackern – alles kann Klebe dann eben doch nicht). Nach der ersten Benommenheit wird die Probe aufs Exempel gemacht, ob er fit genug ist. „Bist du bereit, ihn zu töten?“, wird er gefragt. „Auf der Stelle!“, antwortet er entschlossen. Ja, er ist wieder ganz der Alte.

Raus aus dem Haus. „Wir müssen das Schwein finden!“, grunzt einer der Typen. Zu dem Zweck nimmt Eisentempler lieber eine Säge mit. Kann man immer brauchen. Tatsächlich müssen sie sich bei der Suche nach ihrem Feind nicht mal bemühen: Bandera lauert ihnen allein bereits hinter dem Haus auf, sinnvollerweise nur mit einem Brotmesser bewaffnet, wofür er den Bauch durchschossen (braune Blutfontäne), eine Hand abgeschnitten (mit seinem eigenen Brotmesser – das ist Ironie) und auch noch den linken Arm (mit Eisentemplers Säge, macht die sich gleich bezahlt) abgesägt bekommt. Anstatt Bandera nun auch noch den Kopf und sämtliche Gliedmaßen abzutrennen, zieht der Beklopptentrupp triumphierend von dannen. Ich weiß nicht, wie viel Dummheit ich noch vertragen kann.

Schwarzblende vom wimmernd liegen gelassenen Bandera … zu Bandera, der mit seinem riesigen schnurlosen Telefon von Walkie-Talkie-Ausmaßen (1999, Leute!) eine Nummer wählt.

Sein bestellter Retter ist nicht etwa ein Arzt, sondern ein Typ mit Sonnenbrille, Schnauzbart und Zigarette in der Fresse, also einer dieser einfach nur coolen Kerle von der Achtlingsmafia (falls ihr die vergessen habt). Einer von der schnellen Sorte scheint der aber nicht zu sein: Es ist nämlich bereits Nacht. Außerdem kommt er seelenruhig angeschlendert, als ginge es um eine Shoppingtour mit seiner Freundin, deckt Bandera mit einer Decke ab, packt den abgetrennten Arm in seine Jackentasche und zerrt den entweder Toten (wohl eher nicht) oder Bewusstlosen (schon eher) eigenhändig davon.

Eisentempler, Stephan und Mike haben sich nach ihrem Angriff auf ihren Widersacher wieder ins karge Haus mit eingebautem Operationssaal zurückgezogen, wo Eisentempler auffallend ungeschickt so tut, als würde er Stephan seinen Brustkorb zutackern. Dafür hat man nach der halben Zerstückelung von Bandera nun schließlich die nötige Muße. Mike mahnt die beiden, man benötige dringend Blut, um nicht zu sterben. Es erleichtert mich ja irgendwie, daß die dann anscheinend doch sterben können. Das passende Opfer dafür könnte ihnen schneller als erwartet direkt in die Arme laufen, es ist nämlich einer der Achtlinge, der seine stets angezündete Zigarette superlässig an der Decke ausdrückt und gleich zwei Spielzeugwummen auf einmal zieht. Bevor er die benutzen kann, bekommt er aber einen Bauchschuß ab, mit den berühmten kackfarbenen (und blutverlusttechnisch übertriebenen) Folgen. Dennoch kann er Eisentempler, als der mit seinen Halbbrüdern mal wieder siegesgewiß abziehen will (tötet hier doch endlich mal jemanden! Versucht es wenigstens!), selbst noch einen Treffer in die Magengegend verpassen, durch den ihm etwa 5.000 Liter Blut aus dem Bauch spritzen, woraus sich ein Handgemenge ergibt, an dessen Ende der Achtling noch von Eisentempler einen Kopfschuss erhält – der den aber ebenfalls noch nicht tötet.

Unerwartet mischen noch zwei weitere menschenähnliche Wesen auf Seiten der Bösewichte mit, sprich: irgendwelche von diesen Matschbirnen-Hackfressen-Zombies von vorhin, darunter auch ein weiblicher, dem von einem von Eisentemplers Gefährten eine künstliche Titte weggeschossen wird. Obwohl Eisentempler ob seiner Bauchverletzung trotz festen Drückens auf das Einschußloch fast in seinem eigenen Blut ertrinkt, gehen die drei Vollidioten siegreich aus dem Kampf hervor – weil sie schließlich und endlich ein Rezept gefunden haben, wie man hier zur Abwechslung jemanden umbringen kann. Man steche dem gewünschten Opfer gerundete 500 Mal in seinen Kopf. So geschehen mit dem enttäuschend luschigen Achtlingsmafioso.

Wir halten fest: Der Film versucht in puncto Blut alle Peter-Jackson-Filme zu toppen und gleichzeitig das Niveau der schlechtesten Amateurfilme zu unterbieten.

Irgendwo in einem Keller liegt Bandera (ob es derselbe Schuppen ist, wo eben der erste der Achtlingsmafiosos ums Leben gekommen ist, oder doch zwei verschiedene Drehorte?) und leidet inzwischen erwacht sowohl unter seinen Verletzungen als auch unter Visionen (zu hören an den hallenden Stimmen von der Tonspur, die ihn zum Töten auffordern). „Ich sterbe“, heult er, als ihm der nächste Schwall Blut aus dem Armstumpf schießt. Glücklicherweise steht ihm Andy aus dem Prolog als Helfer in der Not zur Seite. Zwar hat er weder Tacker und Heißklebepistole noch Nadel und Faden, aber immerhin ein heißes Bügeleisen, das er auf die klaffende Wunde pressen kann. Damit macht er alles nur noch schlimmer, eine nicht enden wollende Blutfontäne spritzt und schießt in alle Richtungen und beide Gesichter. Erst beim zweiten Ansetzen des Bügeleisens kann die Blutung gestoppt werden.

Plötzlich stürmen Eisentempler, Mike und Stephan Banderas derzeitigen Aufenthaltsort, um ihn ins Radieschen-von-unten-Land zu schicken, doch während ich mich bei dem sich anschließenden, zu erwartenden Blutdurchfall schon wieder aufregen will über dieses stupide immergleiche Schlag-Gegenschlag-Schlag-Gegenschlag-Schlag-Gegenschlag-Szenario, entpuppt sich das soeben Gesehene als ein Fiebertraum von Bandera – worüber ich mich allerdings auch aufrege. Als wäre es noch nötig, mit plumpen Irritationseffekten wie Träumen zu arbeiten, wo doch der gesamte Film nur aus einer Aneinanderreihung von Szenen besteht, in denen sich Arschlöcher folterfreudig massakrieren. Sollte das jetzt eine Überraschung sein? Toll, Fipper, toll. Andy ist es egal: Er rüttelt Bandera wach und gibt ihm Durchhalteparolen mit auf den Weg, seine Brüder seien bereits unterwegs.

Im nächsten Moment ist wieder Tag. Eisentempler und seine Halbbrüder sitzen auf einer Parkbank und beklagen ihr Schicksal. Nun hat man schon so schön im Keller rumgesaut, Zombies zerschossen, einen Achtling zerstochen und in frischem und nicht mehr ganz so frischem Blut gebadet, aber es in der Hektik nicht hinbekommen, auch was von dem kostbaren Lebenssaft mitzunehmen, obwohl sie doch schon wieder dabei sind, gnadenlos auszulaufen. Da hilft nur eins: zurück zum Haus, neues Blut holen. Warum auch immer die davon ausgehen sollten, daß dort weiteres Frischfleisch lauert. Das Drehbuch ist eine Schande für jeden kreativen Autoren: erst zur Hirn-OP ins Haus, dann raus und Bandera böse anpieksen, dann zurück zur Brustkorbzutackerung ins Haus mit folgender Zombie- und Achtlingzerstörung, dann raus – und nun wieder zurück ins Haus.

Stephan erklärt sich bereit, diesen Gang allein zu wagen, zumal er sich in der Bringschuld sieht nach dem vollen Körpereinsatz seiner Mitstreiter bei der Hirntransplantation. „Du weißt, daß das verrückt ist“, macht Eisentempler klar, was er von der Idee hält. Ich finde ja eher verrückt, daß der Film erst zur Hälfte um ist. Und wo wir schon bei „verrückt“ sind: Verrückt werde ich bestimmt bis zum Ende auch noch.

Allen Warnungen zum Trotz schleicht Stephan also zum Haus und ballert ein paar Kugeln durch die geschlossene Kellertür. Ahnt er, daß da noch mehr Zombies rumlungern? In einem Anflug von Zurückhaltung sieht man, nachdem er sich gewaltsam Zutritt verschafft hat, nur eine Hand des Opfers auf dem Boden hinter einer Tür hervorlugen anstatt einer weiteren Blutfontäne. Kurz darauf wackelt ein neuer Matsch-Zombie (oder meinetwegen auch ein alter) aus der geöffneten Tür in die Freiheit. Unerklärlicherweise hält sich draußen hinter einer Hausmauer versteckt der immer noch einarmige Bandera auf, den ich aufgrund seiner Wunden immer noch im Haus vermutete, und geht noch unerklärlichererweise auf den Zombie los, weil ich bis eben noch dachte, Bandera, die Achtlinge und die Zombies arbeiten eigentlich zusammen. Wie dem auch sei: Er stochert jedenfalls in dessen Bauch herum und läßt die Blutfontänen spritzen. Generell ist das etwas Overkill, was er da betreibt, wie ich finde, aber nun ja, bin noch nie einem Zombie begegnet und vielleicht bringt es bei denen besonders Spaß, ihnen sämtliche Körperteile auszurupfen und mit diesen sinnlos rumzukloppen.

Eisentempler und Mike ruhen sich derweil erschöpft aus und träumen den Schlaf der Blöden und Dummen. Eine rätselhafte kleine Kreisüberblendung (das Kameraequipment hat visuell echt einiges drauf!) schräg über Mikes Kopf später fällt Mike dem Wahnsinn anheim, tritt dem schlafenden Eisentempler in die Fresse und rammt ihm einen trockenen Grashalm (oder was auch immer das sein soll, es wäre ein sehr, sehr dicker Grashalm) in den Bauch, woraufhin – genau – das Blut spritzt. Mit dieser Szene hätte die Blutfontäne nun auch offiziell den Hauptdarstellerstatus dieses Films eingenommen, wird in den Credits aber leider nicht entsprechend gewürdigt. Das Blut reicht Mike aber nicht, also zaubert er irgendwo einen Schlauch herbei und schneidet sich selbst in den Arm (ein ganz, ganz furchtbarer und peinlicher Trick mit Schaumstoff), auf daß die nächste Fontäne sich ihren Weg aus einem Körper bahne. Den Schlauch nutzt er, um ein größeres Loch in Eisentemplers Bauch zu pieksen, was anscheinend zu reger Blutzufuhr führt. Was auch immer.

Wie sich herausstellt und aufgrund der merkwürdigen Kreisüberblendung eben auch zu vermuten war, war das ganze Spektakel allerdings ebenfalls lediglich ein Traum von Mike (Fipper, echt jetzt?!), wenn auch einer, in dem für ihn irgendeine Botschaft versteckt gewesen sein muß, hält er doch gerade diesen Zeitpunkt für günstig, um den aufgewachten Eisentempler völlig unvermittelt in ein bislang wohlgehütetes Geheimnis einzuweihen: „Ich muß dir was erzählen. Vor zehn Jahren, als du in Koma [sic!] gefallen bist … deine Freundin, sie war schwanger … und Banderas Leute, sie haben ihr, tut mir leid, sie haben, sie haben ihr den Bauch aufgeschlitzt.“ Das ist genau das, was Eisentempler jetzt hören wollte. Er bricht emotional überwältigt völlig zusammen und fängt hemmungslos zu heulen an. „Es tut mir leid“, schiebt Mike ganz kleinlaut hinterher. Man darf sich an dieser Stelle durchaus die Frage stellen, ob Eisentempler seit seinem Erwachen aus dem Koma gar nicht daran gedacht hat, wo denn seine Freundin abgeblieben ist. Ach, Film, wieso bloß bist du so unvorstellbar dumm?

Uns als müßte er seine unvorstellbare Dummheit umgehend ein weiteres Mal unter Beweis stellen, fällt dem Film ein, daß „schwanger“ und „Bauch aufschlitzen“ eine Kombination ist, die man in einem deutschen Amateur-Splatterfilm nicht nur in Dialogform hören will – nein, wir wollen das doch auch alle sehen, oder? Oder? ODER?

Also ab in eine Rückblende, in der besagte Freundin von Eisentempler gerade im Wald auf einer Parkbank sitzt und mit einem Kissen unter dem Oberteil vor sich hinschwangert. Sie raucht dabei. Aha, ein ungewolltes Kind also. Einer aus der Achtlingsmafia kommt unheilvoll seines Weges und haut, wenn sie schon mal da ist, einer ahnungslos auf einer Brücke stehenden unbeteiligten Frau ein Messer in den Kopf. Die Achtlingsmafia ist damit auch offiziell eine astreine Psychopathenbande, die nicht nur im Auftrag handelt, sondern aus reiner Spaß an der Freud meuchelt, was das Zeug hält, egal wen, egal wo.

Danach erst schleicht sich der Killer von hinten an das eigentliche Ziel heran und schlitzt die Frau in Bauchhöhe auf. Und weil das noch nicht geschmacklos genug ist, reißt er der sich aussichtslos mit Händen und Füßen Wehrenden bei lebendigem Leibe auch noch die Zwillingsföten (mehr als sichtbare Spielzeugpuppen natürlich) aus dem Leib und zerstampft sie auf dem Boden. War Heiko Fipper für mich bis dato nur ein ganz besonders bekloppter Vollspacken, der einen ganz besonders bekloppten Amateurfilm auf die Beine gestellt hat, ist er für mich ab sofort ein ganz besonders widerlich-bekloppter Vollspacken.

In dieses ganze blutige Schlamassel platzt der sich zufällig auch im Wald aufhaltende Mike, der nach einem ungemein stylischen „Vertigo“-Rückwärts-und-gleichzeitig-Vorwärts-Gedächtniszoom (boah!) nur noch entsetzt einzelne Worte herauskriegt: „Oh Gott, Luzie, Babys, Luzie, Luzie, Scheiße, Krankenwagen, Scheiße.“ Ein Krankenwagen lohnt sich vielleicht sogar noch, denn Luzie bewegt sich immer noch. Ob sie die Tat überlebt hat oder seitdem in einem Sanatorium aufgepäppelt wird, bleibt offen.

Zurück in der Gegenwart entschuldigt sich Mike noch einmal: „Tut mir leid, ich mußte dir das erzählen.“ Nein, Mike, du mußtest das nicht erzählen. Jedenfalls nicht jetzt. Der einzige plausible Grund, der mir einfällt, ist, daß es Fipper die Gelegenheit gab, seine fragwürdigen Phantasien auszuleben und den Zuschauer daran teilhaben zu lassen, weil – ist ja alles nur ein riesengroßer Spaß und voll gory und so.

Die Szenenanschlüsse sind merkwürdig. Wütete Bandera eben kurz draußen rum, um einen Zombie zu erlegen, ist er nun wieder im Keller und wird von Andy weiter verarztet, denn die Blutung war ja zwar gestoppt, aber der Arm noch nicht dran. Andy erweist sich dabei erneut als Meister der Improvisation: Verwendete er eben noch das Bügeleisen, um einen vollständigen Blutauslauf zu verhindern, nimmt er nun Bohrmaschine und Schrauben zur Hand, um Banderas Arm wieder an der richtigen Stelle anzubringen. Die rustikale Anschraubmethode hat die zu erwartende Folge, daß der Blutverlust weitere 200 Liter beträgt, der sich in einer weiteren Blutfontäne in Andys Gesicht äußert. An einer Stelle sieht es zwar so aus, als hätte man dem Bandera-Darsteller ein gelbes Metallrohr in den Ärmel gesteckt, das den angeschraubten Arm darstellen soll, aber am Ende sitzt der Arm perfekt, und alle könnten glücklich und zufrieden vielleicht sogar bis an ihr Lebensende sein – nicht aber Bandera. Schließlich hat er als Bad Guy einen Ruf zu verteidigen. Also befiehlt er Andy, ihm Rodriguez herbeizuschaffen. Rodrig-wer-wie-was? Auf den schiebt Bandera einen Riesengroll, weil der ihn hätte beschützen sollen, als Eisentempler und seine Bande ihm den Arm abgesägt haben.

Eine Szene später klebt Rodriguez auch schon an einer Holztür. Sieht zwar wie Luftschlangen aus, die man ihm quer über den Oberkörper gehängt hat, aber im Drehbuch, falls es denn eins gab, was ich mit jeder Minute mehr bezweifle, stand bestimmt sowas wie „gefesselt“. Äußerst gestelzt markiert Bandera den harten Max: „Wo warst du, als ich dich brauchte? Der hat mir den Arm abgesägt!“ Doch Rodriguez schweigt. Darum hält ihm Bandera seine Knarre an den Kopf. „Du hast mir den Arm absägen lassen. Dafür wirst du bezahlen.“ Er erweist sich als Kenner der Anatomie und kündigt bereits unvorstellbare Qualen für sein neues Opfer an, weil er genau weiß, in welche Stellen im Kopf er schießen muß, um einen gaaanz langsamen Tod herbeizuführen. Nun, die unvorstellbaren Qualen bestehen darin, daß Bandera innerhalb von 30 Sekunden Rodriguez drei Kugeln in den Kopf jagt (Schnittfolge: Bandera mit auf Rodriguez gerichteter Waffe – Rodriguez mit Loch in Stirn – Bandera mit auf Rodriguez gerichteter Waffe – Rodriguez mit zweitem Loch in Stirn – Bandera mit auf Rodriguez gerichteter Waffe – Rodriguez mit drittem Loch in Stirn). Womit der hinüber wäre. Was für ein Weichei. Aber auch enttäuschend von Bandera, wo er doch mit der mittlerweile nominell auf sechs Leute reduzierten Achtlingsmafia als Geschäftsmodell eigentlich die jahrelange Quälerei praktiziert.

(Ich möchte nicht unerwähnt lassen, daß ich Fipper für einen Fan von „Desperado“ halte. Bandera. Rodriguez. Das ist doch kein Zufall.)

Mich interessiert nun natürlich brennend, was Eisentempler und seine Halbbrüder machen. Sie schlafen mal wieder. Zumindest Eisentempler und Mike, Stephan scheint von seinem anstrengenden Zwei-Minuten-Trip zum Haus (ja, auch die zeitlichen Abläufe stimmen gar nicht) immer noch nicht zurück zu sein. Allerdings werden die beiden abrupt aus ihren Träumen gerissen, als sich einer der Achtlinge (mittlerweile ja eigentlich Sechslinge) anschleicht und Mike ein Plastikschwert quer durch den Kopf treibt. Eisentempler selbst muß sich mit einem einfachen Kehlendurchschnitt zufriedengeben. Das macht jedoch nicht weniger Schweinkram.

Stephan kommt mit einem reichlich mit Blut gefüllten Eimer hinzu, als eigentlich schon alles zu spät ist. Da hier aber tödliche Wunden ständig nur kleine Wehwehchen sind, erzähle ich euch natürlich nichts Neues, wenn ich sage, daß eben doch nicht alles zu spät ist. Eisentempler und Mike stecken alles locker weg und bearbeiten den ungebetenen Angreifer, nachdem der von Stephans Waffe niedergestreckt wurde. Weil einfache Kopfschüsse zu leicht wären, greift man zu neuen Foltermethoden. Das heißt in diesem Fall: Flasche in einen Sack legen, zertreten, den Sack über den Kopf des Achtlings stülpen (erspart lästige Effektarbeit) und mit Baseballschlägern draufschlagen, bis sich endlich der Kopf vom Rumpf löst und er als Fußball dienen kann. Ich verabscheue diesen Film. Und die kreativen Köpfe, die dahinter stehen. Stephan ist am Ende zufrieden: „Blut! Genug für uns alle!“

Anstatt nun mal halblang zu machen, machen die Filmemacher aber immer weiter und weiter und weiter und weiter und weiter. In der folgenden Szene trifft sich Bandera nämlich irgendwo auf einem Wiesenweg mit einem Dennis. Dennis, Dennis, who the fuck is Dennis? Der Film hört nicht auf, neue Figuren einzuführen. Dennis ist ein Auftragskiller, den Bandera offenbar als weniger unfähig als die Ehemals-Achtlings-nun-Fünflings-Mafia einschätzt. Der Schurke beauftragt ihn damit, ihm Eisentempler zu bringen. Einer von Andys Brüdern, Morales, soll ihm dabei helfen. Okay, als Sidekicks taugen sie wenigstens noch. Klar, macht Dennis gern, aber was kriegt er dafür? Ganz ohne Vergütung geht nämlich nicht. Zum Glück kommt gerade eine harmlose Oma mit einem Handtäschchen ihres Weges. Wir sehen sie nur von hinten, mit grauer Perücke, weil Fipper wohl keine echte Oma (nicht mal die eigene) auftreiben konnte, die in diesem Scheißdreck mitspielen wollte. Zack, Bandera haut ihr hinterrücks auf den Kopf, eine Blutfontäne schießt aus ihrem Kopf und sie fällt tot zu Boden. Bandera nimmt die Handtasche an sich und findet darin nicht weniger als 3.000 DM (ich verkneife mir jeden weiteren Kommentar), die Dennis gerne annimmt. Genüßlich lange Kameraeinstellung des Kopfes der tot auf dem Boden liegenden angeblichen Oma, aus dem in Schüben immer noch Blut spritzt. Geile Sache.

Eisentempler und seine Bande wissen noch nichts von ihrem Glück und inhalieren friedlich auf einer Bank sitzend mit dünnen Plastikschläuchen das Blut aus dem von Stephan mitgebrachten Eimer. Wie das technisch gehen soll, wenn sie sich die Schläuche nur an ihre Köpfe halten? Fragt sie doch. Um die „keine Minute ohne Blutfontäne“-Regel einzuhalten, stehen auch schon Dennis und Morales auf der Matte und verwickeln das Trio in den nächsten langwierigen Kampf, der aber nun wirklich aufgrund der blutigen Fressen und der unübersichtlichen Schnittarbeit nicht mehr nachzuvollziehen ist. Fest steht nur, daß die Heldenfraktion – prust, „Helden“, „Helden der Beknacktheit“ vielleicht – die Oberhand behält und den Achtling (bzw. Fünfling) unwiederbringlich per ultrablutigem Kopfschuß ins Jenseits befördert. Dabei handelt es sich offensichtlich auch noch um den Fötuszertreter aus der Rückblende, an dem Eisentempler seine ganz persönliche Rache vollstrecken kann. Warum Eisentempler nun gerade den als Übeltäter ausgemacht hat, wenn er a) doch nicht dabei war, als seine Freundin niedergemetzelt wurde und b) doch eh alle Achtlinge gleich aussehen? Ich weiß es doch nicht.

(Kleiner Einwurf: Da es mit fortschreitender Spieldauer immer schwieriger (sprich: NOCH schwieriger) wird, die mit Blut übersäten Protagonisten auseinanderzuhalten, kann man zum jetzigen Zeitpunkt nur froh darüber sein, wenn sie sich gegenseitig mit Namen anreden. So klappt’s auch mit dem Ausschlußverfahren.)

Jetzt, wo alles vorbei ist, traut sich auch die feige Socke Bandera aus seinem Versteck ganz in der Nähe und schleppt den zwar schwer blutenden, aber immer noch lebenden Dennis durchs Grün – nur um im nächsten Moment SCHON WIEDER in einen blutigen Kampf verwickelt zu werden, als ihnen das dummnamische Trio um Eisentempler auflauert. Warum nur? Was habe ich getan?

Also nochmal von vorn, Geprügel und Gekloppe mit einem Baseballschläger und so weiter und so fort. Diesmal scheint Bandera die Oberhand zu gewinnen. Er hat die Möglichkeit, Stephan das halbe Hirn (mehr hat er ja nicht mehr, und streng genommen ist das ja nicht mal seins) wegzublasen, entscheidet sich aber dagegen: „Nicht jetzt und nicht heute.“ Das ist zweifellos der poetischste Satz des gesamten Films, auch wenn ich ihn nicht verstehe. Warum nicht jetzt? Warum nicht heute? Ich dachte, ihr wolltet endlich mal klar Schiff machen und die Dreierbande terminal erledigen. Oder ist die selbst auferlegte Frist des jahrelangen Folterns immer noch nicht vorbei? Bandera geht zufrieden davon und läßt den bewußtlosen Stephan von einem Achtling (bzw. Vierling) mitsamt Gehilfen abschleppen.

Die frohe Entführungskunde möchte er auch dem benommenen Eisentempler übermitteln. Deshalb läßt er neben ihm ein Mobiltelefon klingeln und berichtet ihm über diesen Kommunikationskanal davon. Eisentempler ist sofort hellwach und rüttelt am ebenfalls noch schläfrig im Staub liegenden Mike: „Verdammt! Die haben Stephan!“ Und wie sie ihn haben: Eine kurz zwischengeschaltete Einstellung zeigt den zwischen zwei Bäumen angebundenen Stephan. Wir wissen ja mittlerweile, daß Mike nach ein wenig Rumgedöse öfter mal seine Eingebungen hat. So auch diesmal: Mike zaubert nun nämlich Banderas Freundin aus dem Hut. Eisentempler kriegt sich vor Freude gar nicht mehr ein („Was?! Der hat ’ne Freundin?!“) und malt sich in seinem Kopf wahrscheinlich schon die schönsten Rachephantasien aus, erst recht, als Mike hinzufügt, daß sie sogar schwanger sei.

Bleibt nur eine wichtige Frage für Eisentempler: Wo ist diese Freundin? Oder wie er sich ausdrückt: „Wo ist die Sau?“ Ohne Mike wäre er echt aufgeschmissen, denn der weiß aus sicherer Quelle, daß sie einmal im Monat das Familiengrab ihres Stechers pflegt – und vielleicht haben sie ja Glück und sie ist morgen da. Nein, ehrlich, auf diesem Niveau bewegen wir uns. Sie spekulieren darauf, daß ausgerechnet morgen einer der zwölf Tage im 365-tägigen Jahr ist, an dem sie das Grab pflegt. Sagte ich, daß der Film offensiv dumm ist?

Moment, kommt aber noch besser: Nun ratet mal, wer am nächsten Tag an Banderas Familiengrab steht, um es zu pflegen? Genau. Es gehört schon eine ganze Menge dazu, den Zuschauer für so dumm zu verkaufen, wie Fipper es hier tut. Ich nehme aber an, er wußte einfach nicht besser, wie er die Freundin geschickter in die Geschichte einbauen konnte. Der Freundin zur Seite steht einer von den Achtlingen (bzw. Vierlingen) als Bodyguard, der seinen Job so gut erfüllt, daß er sich innerhalb weniger Sekunden von Eisentempler und Mike überwältigen, nicht aber töten läßt.

Start einer wahrhaft großartigen Parallelmontage, in der einerseits der zwischen zwei Bäume gefesselte Stephan von einem anderen Achtling (bzw. Vierling) mit einer den Geräuschen nach elektrischen Vier-Finger-Freddy-Krueger-Handschuh-Kralle (oh Gott, bitte tötet mich!) angekratzt und reichlich zerstochen wird. Andererseits sehen wir unsere tollen integren Helden, die Banderas Freundin an je einem Bein festhalten und unentwegt in den Unterleib treten, bis er auseinanderreißt und einer von beiden ihr so lange die Faust in die Gedärme donnern kann, bis sie das Embryo auskotzt (!) und es mit bloßen Händen zerquetscht werden kann. Anschließend schlagen sie den Kopf der Frau noch zu Brei. Ich hoffe, Fipper schämt sich heute für dieses Machwerk.

Und das nur so am Rande: Falls Eisentempler mit Banderas Freundin ein Druckmittel haben wollte, um Stephan im Austausch wiederzubekommen, hat er das gerade heftig verkackt.

Der Achtling (bzw. Vierling) wird indes in der schönsten Stephan-Folterei von einem seiner Brüder gestört und berichtet aufgeregt, daß Diana entführt worden sei. Es scheint der zu sein, der eigentlich auf sie hätte aufpassen sollen. Folter-Achtling (bzw. -Vierling), in der Karriereleiter offensichtlich etwas weiter oben als der Boten-Achtling (bzw. -Vierling) – vielleicht ist es sogar Andy –, befiehlt ihm, sich gemeinsam mit noch einem anderen Bruder, Enrico, auf die Suche nach ihr zu begeben. Es soll das einzige Mal nach dem getricksten Prolog sein, daß zwei Achtlinge (bzw. Vierlinge) gemeinsam im Bild zu sehen sind, was verständlich ist, weil ja alle nur von einem Darsteller verkörpert werden. Ich muß zugeben, der Trick ist okay.

Danach macht Folter-Achtling (bzw. -Vierling) weiter und kompensiert möglicherweise ein frustrierendes Eheleben mit weiteren ausgiebigen blutfontänenfördernden Grausamkeiten an Stephan. Dabei lacht er reichlich dämlich. Im Drehbuch stand bestimmt „diabolisches Gelächter“ (oder wohl eher „böses Lachen“, weil das Wort „diabolisch“ zu kompliziert für den eingeschränkten Wortschatz des Autoren ist). Schließlich sehen wir den bewußtlosen Stephan, immer noch zwischen den Bäumen hängend, und irgendeine verfremdete Stimme aus dem Off ruft irgendwen auf dem Handy an, um einen Treffpunkt zu einer bestimmten Uhrzeit zu vereinbaren, inklusive angekündigter Überraschung.

Der ominöse Anrufer war Bandera (die Stimmverfremdung war also für’n Arsch), der mit einem seiner Achtlingshandlanger (bzw. Vierlingshandlanger) auf Eisentempler und Mike wartet. Beide halten gezückte Waffen in ihren Händen. Als Eisentempler und Mike ankommen, wollen die den beiden sofort die Fresse polieren. (Ehrensache übrigens, daß von Banderas Freundin Diana bis zum Ende nicht mehr die Rede sein wird. Es brauchte sie also nur für diese eine geschmacklose Szene eben.) Doch Bandera hat ein As im Ärmel: Die Überraschung besteht nämlich darin, daß er einen Zeitzünder an Stephan angebracht hat, der bei Betätigung der Fernbedienung in seiner Hand aktiviert wird. Eisentempler findet solche technischen Spielereien unangebracht und fordert Bandera auf, das lieber wie Männer zu regeln, und wie Männer das in diesem Film regeln, wissen wir ja alle. Bandera wirft Waffe und Fernbedienung weg und schon geht das Gebalge los.

Leider ist das Kampfgetümmel nicht überschaubarer geworden, so daß der Zuschauer weiterhin arge Schwierigkeiten bekommt, den Überblick zu behalten. Vier blutüberströmte Idioten bekämpfen sich gegenseitig, und wer wer ist, wird ein reines Ratespiel. Jedenfalls sind irgendwann plötzlich doch wieder Pistolen im Spiel, Bandera greift zur Fernbedienung und betätigt sie, und irgendjemand wird über den Haufen geschossen.

Dann wird es einige Sekunden komplett schwarz und eine ganz tiefe, kaum verständliche Stimme amüsiert sich, daß Eisentempler und Mike auf den Trick mit dem Zeitzünder hereingefallen sind, was die Aktion nur noch sinnloser macht, als die ich sie ohnehin schon angesehen habe. Die Jungs wären bestimmt auch gekommen, wenn dieser Zeitzünder-Schnickschnack nicht gewesen wäre. Außerdem sagt die Stimme: Sobald Eisentempler erwacht, ist er ganz allein. Bandera hat ihm also immer noch nicht endgültig die Lichter ausgepustet. Qualvolle und ewig lange Foltereien in allen Ehren, Bandera, aber muß es nicht irgendwann auch mal das Ziel sein, dem Ganzen ein Ende zu machen? Wenn ihr mit allen Leuten so verfahrt, die eure Organisation beauftragen, werdet ihr doch nie mit irgendwas fertig.

Nach dem Schwarzbild sehen wir irgendeinen unterhalb des Oberkörpers halbierten toten Menschen in einem Waschbecken ruhen, den ich spontan nicht zuordnen kann. Da er aber ein zusammengebundenes Tuch auf dem Kopf trägt, kann das nur einer der beiden Hirnoperierten Mike oder Stephan sein, die zuletzt so etwas getragen haben. Man kann es unter dem Blut aber ernsthaft nicht erkennen. (Egal, eine von den Hauptfiguren ist tot, tot, tot – juhu, juhuuu!) Bandera betreibt Leichenschändung und spuckt den Toten zweimal an. Im nächsten Moment wird Mike oder Stephan von einem der Achtlinge in den Keller des uns bereits wohlbekannten Hauses geschleppt und mit blutspritzenden Baseballschlägen k.o. geschlagen. Da ich meine, daß Stephan eine weiße und Mike eine blaue Hose trägt und der brutal Verprügelte eine weiße hat, folgere ich: Die Leiche ist Mike! Ha, mit dem Ausschlußverfahren klappt’s wirklich!

Plötzlich aber naht Rettung in Gestalt von Eisentempler, der den Achtling niederballert, so daß der erstmal genug damit zu tun hat, seine Blutung zu stillen und jämmerlich zu krepieren. Da waren es nur noch drei Achtlinge. Dann will er sich endlich und endgültig Bandera vorknöpfen, doch davor hat das kluge Drehbuch noch einen Zombie gesetzt, und zwar keinen willkürlichen, sondern – Eisentemplers damals im Wald niedergemetzelte Freundin! Boah, echt? Wir haben uns bislang zu 99,9 Prozent doch einen Dreck um menschliche Gefühle geschert, da mengt das Skript nun also noch die ganz dicke Kelle Tragik bei und führt eine Konfrontation zwischen Eisentempler und einst geliebter, nun aber seelenlos-blutdurstiger Freundin herbei. Eisentempler wird emotional total überwältigt und erinnert sich in Flashbacks an glücklichere Zeiten mit ihr, u.a. wie sie ihm zuwinkt. Mit einem Baseballschläger macht er mit ihr aber kurzen Prozeß. Das war… äh… sehr dramatisch, zumal mir Eisentempler doch so ans Herz gewachsen ist.

Eisentempler hat das Glück, daß Bandera die ganze Zeit tatenlos daneben steht und nichts macht. So kann Eisentempler seinen Erzfeind packen und seine rasende Wut in menschlichen Körpermatsch umwandeln. Der nun wirklich mehr als enttäuschende Bandera hat nichts mehr entgegenzusetzen und muß mit sich geschehen lassen, wie ihm erst mit einem Messer die Nerven durchtrennt werden (was ihn bewegungsunfähig macht) und dann mit bloßen Händen die Gesichtshaut abgerissen wird. Fipper und sein Filmteam haben nämlich ein anatomisches Skelett für den Dreh zur Verfügung, und das muß man ja nutzen. Außerhalb des Bildausschnittes läßt jemand den Mund des Skelettes auf- und zuklappen, um die von der Tonspur eingespielten Schreie Banderas zu simulieren. Nur die Augen glibbern noch in ihren Höhlen, aber auch nicht lange, dann drückt Eisentempler sie tief in den Schädel. Den benommenen Stephan – der mußte echt am meisten mitmachen – klemmt sich Eisentempler unter den Arm und stürzt Hals über Kopf davon. Ein letzter Zoom auf den Totenschädel und – huch, hurra – dann ist plötzlich Schluß. Tja, wenn nicht 90 Prozent des Films stupides Geprügel und Gemetzel gewesen wären, hätte man das erahnen können. So war ich aber ehrlich über das jäh hereinbrechende Ende überrascht – und äußerst erfreut.

(Schön, daß man sich mit dem Tod Banderas auch nicht mehr für die noch lebenden Achtlinge interessiert. Man stelle sich vor, der Film wäre noch weiter gegangen, um nun wiederum diese auf Rachefeldzug zu schicken. Ein schlimmer Gedanke. Befassen wir uns nicht weiter damit.)

Über den Abspann laufen Outtakes, die zeigen, daß alle Beteiligten, auch die weiblichen Crewmitglieder, durchaus eine ganze Menge Spaß hatten. Weil unterhalb dieser Bilder außerdem noch einmal die Rollen- und Darstellernamen aufgelistet werden, guckte ich auch ziemlich blöd, als ich dort den Rollennamen „Heiko Eisentempler“ las. Gut, es galt zwar die Gleichung Vorname des Darstellers = Vorname seiner gespielten Figur, aber wenn ich das so Revue passieren lasse, habe ich nicht einmal gehört, daß Eisentempler mit Heiko angesprochen worden wäre. Aber nun ja, immerhin half mir das alles auch im Nachgang wenigstens etwas bei der Rollenzuordnung…

Nun habe ich in meinem Leben ja auch ein paar Werke deutscher Amateursplatterfilme gesehen, ohne von mir behaupten zu können, Experte zu sein, aber daß das Niveau dort äußerst düster aussieht, wage ich sicherlich zu sagen. So kann es auch nicht überraschen, daß „Das komabrutale Duell“ eine Totalkatastrophe an allen Ecken und Enden ist, die sich nahtlos in das einreiht, was ich lange an Vorurteilen mit mir herumgetragen hatte und im Laufe der Jahre, mittlerweile ja fast sogar schon Jahrzehnte durch Nach-und-Nach-Sichtung von Werken von Schnaas, Taubert, Ittenbach & Co. bestätigt sah. Es gibt offenbar nur miese und etwas weniger miese Amateursplatterfilme aus deutschen Landen – Heiko Fippers Beitrag zählt eindeutig in erstere Kategorie.

Wenn ich mal mit einem Lob anfangen möchte, dann mit dem, daß die Kameraarbeit sich alle Mühe gibt, nicht bloß statisch, sondern abwechslungsreich zu sein. Hier wird wirklich versucht, etwas Schwung reinzubringen durch Froschperspektiven, Egoperspektive und Wackelkamera – eine Verspieltheit, die sich auch im Einsatz aller möglichen Kamerafunktionen wie Abblenden, Zeitlupe, Szenenwechsel, indem das Bild „umgeblättert“ wird, usw. widerspiegelt. Leider sind das aber gleichzeitig auch Funktionen, die dem Film keine visuelle Stärke verleihen. Im Gegenteil: Da ohnehin eine Billigkamera verwendet wurde, durch die der Film folglich auch eine extreme Billigoptik erhält, verstärkt der vielfache Einsatz derartiger Funktionen diesen Eindruck eher noch. So denkt man eher: „Schön, daß sie ein bißchen rumprobiert haben, aber wie ein richtiger Film sieht das nun wirklich nicht aus.“ Hm, nun habe ich das Positive gleich ins Negative verkehrt, doch ehrlich gesagt ist das halbe Plus, das ich der Kameraarbeit hiermit vergebe, auch schon das Einzige, was ich ihm auf der Habenseite zugestehen kann. Denn der Rest ist einfach nichts.

„Das komabrutale Duell“ ist letzten Endes nichts anderes als eine widerlich-primitive Gore-Orgie in Würgoptik und mit einer exquisit beschissenen Tonmischung, quasi das filmische Äquivalent zum von Adam Sandler verkörperten Billy Madison, dem ein Lehrer bescheinigte, jeder, der sich seinen soeben vorgetragenen Sermon hätte anhören müssen, wäre dümmer geworden. So ist es auch hier. Ich verdummte quasi mit jeder weiteren Minute mehr und mehr, so daß hier eigentlich nur noch ein sabberndes Etwas diese Zeilen mit gleichzeitig gesteigertem Zorn in die Laptoptastatur hämmert.

Vielleicht wird Heiko Fipper es sogar als Kompliment sehen, wenn ich hier nun festhalte, daß sein Film des von der Quantität des vergossenen Blutes her der gewalttätigste Film ist, den ich in meinem Leben gesehen habe. In der Hinsicht sprengt er wirklich jede Skala und läßt keine Gelegenheit aus, jede noch so kleine Schußwunde zu einem Blutbad gravierenden Ausmaßes verkommen zu lassen, keine Minute, in der mal nicht irgendein Körper mit Löchern versehen wird, die da eigentlich nicht reingehören. Das mag ja alles schön und gut sein, aber ein Film, der so exzessiv mit erbärmlichen Pseudo-Körperteilen, abgrundtief bodenlosen Effekten und generell dem peinlichsten Kunstblut aller Zeiten um sich wirft und schüttet und dann auch noch mit zwei Szenen daherkommt, die jegliche Geschmacksgrenzen lässig überschreiten (natürlich meine ich die mit den Babypuppen und – als wäre das nicht schon genug gewesen – dem ausgekotzten Embryo) – wieso sollte der von mir überhaupt eine Chance bekommen, auch nur ansatzweise gut wegzukommen? Eben.

Ich weiß gar nicht, ob eine noch detailliertere Analyse, was hier alles falsch läuft, noch nötig ist, denn es läuft ja ALLES falsch, aber ich möchte die Kritikpunkte zumindest umreißen. Als da wäre das grundsätzliche Problem, was Fipper überhaupt von mir will. In den ersten fast zehn Minuten tut der Film immerhin noch so, als wolle er mehr erzählen als das, was die Geschichte final ist – in drei Worten: Brutalo-Vollhonks killen Brutalo-Vollhonks. Erst umreißt Andy als Kopf der Achtlingsmafia die Ausgangslage, dann mischt kurz Eisentempler als Erzähler mit, tja, und dann gibt es eigentlich nur noch blutig auf die Glocke, eigentlich ja sogar schon ab Minute 2 mit dem Vorspann, aber da wird das noch in einen gewissen Kontext gesetzt, um zur Ausgangslage „Eisentempler als einziger Überlebender eines gigantischen Massakers und seine Halbbrüder gegen die Mörder seiner Familie und Freunde“ zu gelangen.

Na gut, das ist gelogen, denn nach dem ersten ellenlangen Kampf Eisentempler vs. irgendeinen Schuft schließt sich ja erst einmal die noch ellenlängere Szene im Keller an, in der irgendein Weißkittel irgendwelchen Menschen aufs Garstigste wehtut und zu allem Überfluß irgendwelche Zombies rumwuseln. Die Szene wirkt wie aus einem anderen Film entnommen (ist sie das am Ende auch?), an irgendeine beliebige Stelle reingeklebt, ohne Wert darauf zu legen, ob sie überhaupt paßt. Es gibt keine Erklärungen, alle sind stumm (bis auf die Hilfeschreie des einen Opfers), man hat selbst im Rückblick allenfalls eine vage Ahnung, was der Weißkittel da tut und warum er es tut und was das alles mit Zombies zu tun hat. Später sind die Protagonisten bei ihren ewigen Dauerkämpfen dann so blutverschmiert, daß ausgerechnet zum Finale hin der Film zu einem undurchsichtigen „Wer ist wer?“-Ratespiel ausartet. Vorher haben einen die Leute schon nicht interessiert, und sie waren schwer auseinanderzuhalten, aber mit dem ganzen Blut wird es fast unmöglich, den Überblick zu bewahren. Wer da im Finale lebend entkommt, konnte ich ehrlich gesagt erst durch mehrmaliges Vor- und Zurückspulen herausfinden, weil die Darsteller bis zur Unkenntlichkeit besudelt wurden.

Es hilft natürlich nicht, daß „Das komabrutale Duell“ von Blaßnasen noch und nöcher bevölkert wird, die wie verschimmeltes Toastbrot agieren, und man händeringend nach äußerlichen Merkmalen sucht, die sie voneinander unterscheidbar machen. Das ist mir durchgängig nur beim Darsteller der Achtlingsmafia gelungen (wegen des prägnanten Schnauzers).

Daß sich mir erst beim zweiten Ansehen und zusätzlich noch im Nachgang erschließt, was passiert, und das auch nur, weil ich als Art Verarbeitungstherapie diese Kritik schreibe, spricht entweder gegen mich (weil hoffnungslos verblödet) oder gegen die Inszenierung. Ich vermute zweiteres, aber vielleicht gilt auch beides.

Dazu gesellen sich die angesprochenen Effekte, die mit „mies“ eigentlich noch euphemistisch beschrieben sind. Der Produktion war offenbar sogar rote Farbe zu teuer, weshalb man auf irgendeine undefinierbare braune Soße zurückgriff, die eher Assoziationen an bei Krankheit aus hinteren Körperöffnungen fließende Flüssigkeiten weckt als an Blut. Vielleicht ist ein Verwandter oder Bekannter des Filmteams aber auch Besitzer einer großen Soßenfabrik gewesen, denn davon gibt es in diesem Film tatsächlich mehr als genug. Jeder Schuß in jede Körperöffnung, jeder Schnitt in jedes Körperteil, jede Amputation wird mit literweise sprudelnden Fontänen dargestellt, als gäbe es kein Morgen mehr. Daran labt sich Fipper dann zumeist minutenlang, weil es für ihn nichts Schöneres zu geben scheint, als seine Akteure mit allem zu bespritzen, was nur geht. Natürlich erkennt man dabei zu jedem Zeitpunkt die mehr als durchsichtigen Tricks. Ein fehlender Arm steckt überdeutlich im Pullover des jeweiligen Darstellers, für einen kopflos umherwankenden Körper stülpt man dem Darsteller einfach einen Pullover über den Kopf, für Schüsse und Aufspießungen werden die Darsteller kurzerhand etwas dicker, weil sie Schaumstoff oder was weiß ich unter ihrer Kleidung tragen, Kopfschüsse können nicht dargestellt werden, da hört man einfach nur den Schuß und schon hat das Opfer im nächsten Moment einen roten Fleck auf der Stirn. Selbst denjenigen, die sich auch an billigsten Effekten erfreuen können, wenn sie nur blutig und zahlreich sind, kann ich sagen, daß sie in der Häufung mit Gewißheit niemandem Spaß machen werden, zumal sich irgendwann auch die größte Kreativität bei den Tötungsmethoden erschöpft und die Schose auch in der Hinsicht langweilig-monoton wird.

Das Augenmerk liegt also einzig und allein auf Blut, und wenn das miserabel gemacht ist, gibt es eigentlich nichts, woran man sich erfreuen kann. Ich bin mir nicht sicher, ob Fipper das ganze Ding als Splatter-Komödie angelegt hat, weil ich hin und wieder tatsächlich Humor durchschimmern zu sehen meine, wenn etwa einer dem anderen befiehlt, ihm den Kopf abzureißen, um die Hälfte seines Gehirns in den anderen zu verfrachten. Und natürlich ist der generelle Umgang mit den klaffenden und eigentlich tödlichen Wunden sehr lässig, weil hier nie jemand sofort stirbt, sondern erst ganz am Ende, weil jeder Film nun einmal einen Abschluß braucht. So können sich die beiden Widersacher Eisentempler und Bandera noch so oft die Fressen polieren, zersägen, zerhacken und zerschießen – sie leben einfach weiter. Das nehme ich fast als Humor hin, aber dann gibt es auch wieder abartige Szenen wie das gleich zweifache, äußerst brutale Töten von Schwangeren, inklusive exzessiven Fötuszertrampelns, daß einem ganz anders werden könnte, wenn man nicht eh schon aufgrund des Mega-Dilettantismus als Zuschauer quasi hirntot ist. Für mich gibt das dann nur einen Einblick in das schlichte Gemüt des Machers, der das offensichtlich für eine Mordsgaudi hält. Besonders toll auch, daß der zweite Mord dann womöglich noch als ausgleichende Gerechtigkeit angesehen wird, weil Eisentempler, der hier tatsächlich so etwas wie der Held sein soll, ja seine schwangere Freundin auf ähnliche Weise verloren hat. Gleiches mit Gleichem vergelten, so gehört sich das laut Filmlogik. Und vielleicht fand ja Fipper beim Dreh sogar das ungemein lustig.

Ansonsten mag ich eigentlich gar nicht mehr so viel sagen, denn ich denke, der Inhalt spricht für sich: Die Darsteller sind gnadenlos schlecht, alle miteinander, die vermutlich aus irgendeinem öffentlichen Archiv gekramte Musik dröhnt permanent im Hintergrund, ohne natürlich auch nur halbwegs Wert darauf zu legen, sie an die Bilder anzupassen, und die Kulissen beschränken sich hauptsächlich auf ein verlassenes Haus und die Wälder sowie Waldwege. Man kennt das ja, wenn man nirgendwo Dreherlaubnis hat.

Bliebe allerhöchstens noch die Frage nach der unfreiwilligen Komik. Nein, beim besten Willen nicht. Der Look macht bereits alles zunichte, bevor die Story richtig angefangen hat, und sobald das immergleiche monotone Abgeschlachte mit den grauenvollen Effekten losgeht, gähnt man eigentlich nur noch.

Machen wir’s kurz: einfach nur scheiße!


BOMBEN-Skala: 10

BIER-Skala: 0


mm
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