Das Geheimnis des Grabmals am Nil


  • Deutscher Titel: Das Geheimnis des Grabmals am Nil
  • Original-Titel: The Tomb
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  • Regie: Fred Olen Ray
  • Land: USA
  • Jahr: 1986
  • Darsteller:

    David Manners (Richard Alan Hench)
    Helen (Susan Stokey)
    Dr. Stewart (George Hoth)
    Nefratis (Michelle Bauer)
    John Banning (David O´Hara)
    Dr. Howard Phillips (Cameron Mitchell)
    Dr. Manners (Jack Frankel)
    Det. Sullivan (Stu Weltman)
    Mr. Andoheb (John Carradine)
    Jade (Sybil Danning)


Vorwort:

Abt. Ein Besuch bei einem alten Freund

Ich hab´s an dieser Stelle sicher mehr als nur einmal erwähnt – zu den wesentlichen Persönlichkeiten, die den Doc durch ihr Schaffen zu dem gemacht haben, was er ist (kann ich die eigentlich verklagen?), gehört zweifellos Fred Olen Ray. Als ich so um 1988/9 rum zum ersten Mal bewusst mit seinem filmischen Werk in Berührung kam, zeichnete das den weiteren Lebensweg meiner Wenigkeit bis hin zur verkrachten Existenz, die ihre Freizeit mit dem Schreiben von doofen Reviews verbringt, gnadenlos vor. Ich wurde zum Trash-Fan konvertiert.

Und so verfolgte ich, once hooked, die weitere Karriere Rays mit Wohlwollen und einem Augenzwinkern, auch wenn mir seine jüngeren Werke (wie Final Examination und die zusammengestückelten Actionfilmchen aus der Wynorski-Produktion) nicht so sehr zusagen wie seine klassichen anarchistischen „wir machen Trash und wir wissen es“-Horrorheuler aus den 80er und frühen 90er Jahren. Und von der Sorte hab ich lang keinen mehr besprochen…

Traurigerweise sind viele Perlen des Ray´schen Ouevres in Deutschland noch nicht auf DVD erschienen. CMV hat zwar einen Anfang gemacht und Hollywood Chainsaw Hookers veröffentlicht, aber auf die seit ungefähr dreiundneunzig Jahren angekündigte Evil Toons-DVD von SOI werden wir wohl solange warten müssen, bis Timo Rose seine Gangsta-Rapper-Karriere an den Nagel gehängt hat (oder wenigstens von einem seiner dortigen Kollegen in einem drive-by-shooting erlegt wird. Okay, der war jetzt böse. Aber ich finde die deutsche Aggro-Szene einfach nur lächerlich. Sido, Bushido, Eko Fresh, Fler… pfffz. Witzfiguren). Ist vielleicht auch ganz gut so, wenn nicht gerade „Sword of Independence“ den Film rausbringt…

Egal, um den geht´s heute nicht, der ist ja schon längst besprochen. Aber auch der Streifen, den wir uns heute zu Gemüte führen wollen, harrt noch seiner DVD-Auswertung. Immerhin läuft er alle paar Monate mal bei Kabel 1, wo der Doc ihn natürlich ständig verpasst. Aber dafür hält sich der Webmaster von Welt einen willfährigen Moderatorensklaven… Und so konnte ich, nach ungefähr sechzehn oder siebzehn Jahren, wieder mal einen Blick auf The Tomb werfen, oder, wie man den Film hierzulande nicht kennt, Das Geheimnis des Grabmals am Nil, ein hastig heruntergekurbeltes Horror-Abenteuerfilmchen aus Rays güldener Epoche 84-88, geradezu gespickt mit Stars – Cameron Mitchell, der Held zahlloser Gladiatorenfilme und der Weihnachtsmann-Adama-Verschnitt aus Space Mutiny, John Carradine, der für Geld in so ziemlich jeden Null-Budget-Film seine Veteranen-Nase steckte, Sybil Danning, „der größte weibliche Action-Star“ (Eigenwerbung auf ihrer Website)! Wow. Da kann ja überhaupt gar nichts mehr schiefgehen, das wird rocken, das muss rocken, das wird rocken, das muss rocken…

Inhalt:

Begrüßt werden wir nicht nur von einem mitreißend-energetischen Score (Ironie usw.), sondern auch einer extrem mitreißend-energetischen Verfolgungsjagd zwischen einer Cessna und einem Jeep. In der Cessna sitzt Sybil Danning, im Jeep ein Gipskopf, der sich noch zu einer zentralen Figur entwickeln wird. Sybil scheint John Benning, so heißt der Gipsschädel, durch ihre aufdringlichen Flugmanöver ziemlich zu nerven, weshalb er furchtlos und entschlossen seine Faust in den Himmel reckt. Bravo, Benning, jetzt hast du´s ihr gegeben.

Was die ganze Verfolgerei sollte, ist mir recht schleierhaft, da die beiden Parteien eh miteinander verabredet sind und sich deshalb auf einem nahen Flugfeld treffen. Sybil hat ´ne todschicke Sonnenbrille auf (todschick maximal 1984. Ja, und ich weiß, dass der Film von ´86 ist), man kennt sich und schenkt sich gegenseitig ein paar nett gemeinte blöde Sprüche ein. Der Grund des Meetings ist ein geschäftlicher – Benning hat für Jade, so heißt Sybil hier, ein undefinierbares kleines antikes Dingens beschafft und möchte für die Aushändigung desselben eine monetäre Gegenleistung in Anspruch nehmen. „Manche Dinge sind unbezahlbar“, säuselt Jade (für alles andere gibt´s bekanntlich Eurocard) und möchte den Gegenstand offenbar mit einem unverlangten Lippenschmatzer auslösen.

Nein, nicht mal das. Denn plötzlich materialisiert sich ein schlappes halbes Dutzend schwerbewaffneter Galgenvögel und stellt sich an Jades grüne Seite. „Wie kriegst du nur eine ganze Armee in den Vogel?“, fragt sich in der Tat auch Benning (müssen sich zwischen den Tragflächen versteckt haben, die Kerle), aber zu seinem Glück hat auch er einen armierten Kumpel mit Tarnanzug, der sich jetzt sichtbar macht und auf der Rückbank des Jeeps pflackt (der hatte sich vermutlich vorher im Benzinkanister oder Ersatzreifen verkrochen). Benning spekuliert auf eine Patt-Situation, hat aber irgendwie dabei nicht richtig mitgezählt. 6 Mann sind mehr als zwei und deswegen haben Jades Truppen einen strategischen Vorteil im anschließenden Shoot-out. Benning beweist, dass man eine handelsübliche Cessna mit einer (in Worten: EINER) Pistolenkugel in einen Feuerball verwandeln kann (Fred Olen Ray hatte 1986 Geld, um eine Cessna in die Luft zu jagen? Das kann ich nicht glauben. Woher ist der Shot geklaut?) und bläst unter der Tarnung der Qualmwolke zum Rückzug. Jade wirft ihm noch ärgerlich ein paar Handgranten hinterher und fletscht die Zähne, ist aber über den Verlust ihres fliegenden Untersatzes so sauer, dass sie keine weiteren Gegenmaßnahmen ergreift und verabschiedet sich hiermit aus der Handlung. Wahrscheinlich schuldete Sybil Fred Olen Ray noch ´nen halben Drehtag…

Irgendwann später und irgendwo-anders in einer schäbigen Bar. Die ist zwar schäbig und hat ungefähr drei abgezählte Gäste, leistet sich aber eine zehn Mann starke Band mit Background-Tänzern, die in altägytpische Kostüme gehüllt den klassischen arabischen Shanty „Tutti Frutti“ rocken (die Band nennt sich übrigens „Pharaoh and the Mummies“, und damit das mit den Mumien seine Ordnung hat, zappelt sich eine solche als Background-Tänzer den mumifizierten Wolf). Die Interpretation des Songs ist übrigens anhörbar, ganz im Gegensatz zu einer reihe weiterer sonorer Mordanschläge, die weiteren Filmverlauf noch auf uns verübt werden.

In selbiger Spelunke hockt auch ein etwas trübsinnig wirkender Benning rum (übrigens nutzen wir diese Sequenz auch zur Einblendung der Credits, und da verausgabt Rays damaliger Titeldesigner Bret Mixon sich völlig – jeder Credit wird auf eine gewollt-witzig-obskure Weise eingeblendet, ins Bild gerollt oder bewegt sich analog zu Bewegungen der Darsteller in der Szene. Das deutet zumindest mal an, dass wir auch als Zuschauer den nachfolgenden Film vermutlich nicht wirklich ernst nehmen sollen. Als ob wir das täten…). Benning setzt humorig dem Kellner auseinander, dass er an einheimischen ägyptischen Spezialitäten (wir befinden uns also in Egypt) nicht interessiert ist, sondern ein ordentliches T-Bone-Steak in Bälde auf seinem Teller vorzufinden wünscht (ob er da mal im richtigen Lokal ist?). Sein vorhinlicher Retter und Kollegenfreund Alan taucht auf. „Ich hab dich überall gesucht“, gibt Alan zum besten. Bennings Antwort verdient Originalitätspreise: „Ich war nicht da!“ Alan hat einen verkalkten einheimischen Burnusträger im Schlepptau und nicht, wil er den demnächst zu ehelichen gedenkt, sondern weil der den Weg zum „Schatz der Königin“ zu wissen behauptet (etwas unpräzise. „Königin?“ Welche nu? Die von Saba, England oder Mallorca?). Benning ist ganz ohr: „Wir sind Amateurgynäkologen und interessieren und für gewisses historisches Gerümpel!“, behauptet er schamlos (naja, Gynäkologe und Arsch-äologe sind ja nicht soweit voneinander entfernt, gelle). Yussef, der Einheimische, berichtet daraufhin von seinem tollen Erlebnis – er war in der Wildnis außerhalb von Kairo, da gab´s ein Erdbeben, das setzte eine Höhle frei und dadrin war ein unberührtes Grab. Alan und Benning geben sich interessiert, aber Benning traut dem Kaftanhirten nicht über´n Weg, zumal der auch finanzielles Interesse deutlich macht. Nichtsdestotrotz, schließlich müssen wir ja langsam mal in die Nähe einer nachvollziehbaren Handlung kommen, wird übereinstimmend beschlossen, dem ominösen Grab auf den Sargdeckel zu fühlen.

Was zunächst mal Fred Olen Ray Gelegenheit bietet, Epik und SCOOOPE vorzutäuschen, indem er ein paar aus einem Reisevideo geklaute Stock-Footage-Aufnahmen von Kairo inkl. aller wesentlichen Moscheeen, der Pyramiden von Gizeh einzuspielen, denn selbstverständlich hat eine Produktion dieses Schlages nicht die budgetären Mittel, um seine Protagonisten in eine echte, tatsächliche Wüste zu karren (obwohl´s im Death Valley durchaus Ecken gäbe, die der Sahara nahekommen), daher muss Fred Olen Rays Stamm-Location, der Bronson Canyon, dafür herhalten (dort wurden auch u.a. auch Star Slammer, Biohazard oder Warlords gedreht). Anstelle sandiger Staubwüste entzücken des Zuschauers Glotzer also allerliebst bewaldete Hügel und auch sonst reichlich grüne Vegetation. Man, die Illusion ist täuschend ähnlich. Immerhin – Fred hat tatsächlich beim nächsten Zirkus oder Zoo zwei echte Kamele gemietet, obschon ich mir, trotz der Tarnung durch Decken, ziemlich sicher bin, dass es sich um die falsche Sorte handelt. In Ägypten sind, wenn ich mich recht entsinne, die einhöckrigen Dromedare ansässig, während es sich bei diesen Viechern ziemlich eindeutig um zweihöckrige Trampeltiere handelt. Anyway, ich respektiere den betriebenen Aufwand. Hätten ja auch Lamas werden können.

Nach langer entbehrungsreicher Reise erreicht man endlich den Felsspalt, hinter dem sich das Grab befinden soll. In Tradition sämtlicher einheimischer Informanten möchte sich Yussef nun aus Gründen der persönlichen Sicherheit verdrücken, was Benning mit einem hingerotzten „Du kommst mit!“ verhindert (Yussef hat noch weniger Rückgrat als ein gemeiner Regenwurm). Im Grab ist´s finster und müfflig. „Riecht nach Geld“, grinst Benning und stolpert sofort über eine mannshohe Bast-Statue (die, wenn mich nicht alles täuscht, später auch in Hollywood Chainsaw Hookers auftaucht. No use letting a good prop waste…). Chefägyptologe Benning klassifiziert die Miezekatze als „Göttin der Frührentner“ und ist sich aus völlig unerfindlichen Gründen sicher, dass die Statue aus purem Gold besteht (? Es ist eine völlig ordinäre schwarze Bast-Statue, ich schätze aus Stein. Den Unterschied sollte selbst ein Blinder merken).

Kurze Überprüfung des Steinviehs bringt aber die – für mich wenig überraschende – Enttäuschung ans Licht. „Die hat nicht genügend Gold, um sich ´nen Zahn zu plombieren,“ schnieft Benning, worauf bei Alan sofort sämtliche Sicherungen rausspringen: „Ich hab´s gewußt“, tobt er und äußert den Wunsch, Yussef in Streifen schneiden zu wollen. Ich erfreue mich als aufmerksamer Zuschauer indes an der Tatsache, dass das angebliche Felsengrab anständig gemauerte Wände, Torbögen und sogar mit Gittern versehene Fenster, durch die friedlich das Tageslicht scheint, aufweist (Klartext: Freddie hat sich einfach die nächstbeste in irgendeinem Studio rumstehende Mittelalterdeko gegriffen und darin gefilmt. Das Grab sieht ungefähr so ägyptisch aus wie Schloß Neuschwanstein).

Unsere inspirierten Grabräuber müssen aber nicht mit leeren Händen wieder heimwärts torkeln, wiel plötzlich ein Sarkophag in einer Ecke steht, „der noch nicht da war, als wir reinkamen“, wie Blitzmerker Alan rekapituliert. „Hauptgewinn“, gröhlt Benning und möchte den ganzen Kasten gleich mal raustragen. Nun ist´s an Alan, unerwartet den Bedenkenträger zu spielen und etwaige altägyptische Pharaonenflüche aufzubringen. Benning juckt das gar nicht, aber da ist ja auch noch Yussef, der sich als wandelndes Lexikon altägyptischer Mythologie und Legenden erweist und ungefragt die Geschichte von „Prinzessin Nefratis“, einer Art pharaonischen Gräfin Bathory, rezitiert. Die war Tochter von Ptolemäus dem Großen (welcher auch immer das gewesen sein soll. Im Allgemeinen ging´s den Ägyptern so rein großmachtstechnisch aber nicht mehr so dolle, als die Ptolemäer herrschten), hatte sich diverse magische Kräfte angelacht und erhielt sich mit dem Süffeln von rotem Lebenssaft, bevorzugt jenem von Jungfrauen, ihren jugendlichen Teint. Zur Strafe für diesese räudige Verhalten habe ihr Paps sie lebendig einmauern lassen (und das gleich im Sarkophag? Harte Sitten) und natürlich liegt der übliche Fluch auf dem Grab und wird jeden treffen, der doof genug ist, es zu öffnen (wenn ihm an der Story wirklich was gelegen wäre, hätte er die vielleicht erzählen können, BEVOR er selbst reingelatscht ist, der Depp).

Benning glaubt kein Grabräubergarn, das er nicht selbst erfunden hat und befiehlt die Einsackung alles Einsackbaren. Alan hat indes eine mentale Kalkulation durchgeführt und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass ein lästiger Mitwisser weniger begrüßenswert wäre. Klartext: Yussef soll weg. Benning hegt dagegen keinerlei Einwände (hm, ist doch eigentlich nicht so, dass die mit ihm teilen würden?). Da muss sich Alan allerdings ranhalten, denn die Idee hat schon ein anderer, bzw. eine andere, nämlich Prinzessuin Nefratis, die sich gerade aus dem Sarkophag schält…

Als Alan in die Grabkammer (muwa-haa-haa) zurückkehrt, ist Yussef weg und der Sarkophag a) offen und b) leer. Nefratis hat sich nämlich heimtückischerweise hinter dem geöffneten Sargdeckel versteckt, wartet, bis Alan den Sarg zuklappt, macht BUH, griffelt mit Klauenfingern nach ihm und entblößt Vampirbeißer. Ansonsten sieht sie aus wie Michelle Bauer, und dagegen ist nicht das geringste zu sagen.

Benning kuckt in die Grabkammer und sieht ein seltsames Bild. Alan lehnt nämlich mit dem Gesicht an den Sarkophag und macht einen recht schweigsamen Eindruck. Die Ereignisse überschlagen sich – Benning findet in einer für kostbare ägyptische Preziosen gedachten Tasche Yussefs Rübe (bzw. ein vage kopfaussehendes Requisit), Alan fällt dekorativ tot um und Nefratis tritt aus den Schatten, um dem angemessen Panik schiebenden Benning in feinstem Englisch (bzw. Deutsch) vage Drohungen auf den Weg zu geben: „Du kannst fliehen, weil ich es dir erlaube, aber ich werde zu dir zurückkommen!“ Was auch immer. Benning ballert prophylaktisch ein paar blaue Bohnen in die Decke, worauf das Grab auch sofort in sich zusammenstürzt (und ich dachte immer, die alten Ägypter hätten bautechnisch was draufgehabt. Aber okay, die Ptolemäer haben ja nicht mehr so viel gebaut… siehe Asterix und Kleopatra. Der Architekt war vermutlich Numerobis).

Womit wir – endlich, wird sich Freddie Ray denken – den in Ägypten spielenden Part unseres Movies hinter uns gebracht hätten und im heimischen Los Angeles weitermachen können. Benning sitzt mal wieder in einer Bar und besäuft sich. Die Qualität des Etablissements ist zweifelhaft – erstens wird fürchterliche Musik gespielt und zweitens strippt Kitten Natividad (die zehn Sekunden, in denen sie ihre Double-Ds unbedeckt vor die Kamera reckt, rechtfertigen nach Rays Ansicht einen „AND“-Credit im Vorspann). Es kann der fieseste Grabräuber nicht in Unfrieden saufen, wenn es den Herren in Schwarz nicht gefällt. Die zwei Schlips-, Sonnenbrillen- und Anzugträger halten Benning zwar kein Blitzdings unter die Nase, sind aber trotzdem nicht gut auf ihn zu sprechen, wiel sie Vertreter der Zollbehörde sind und in diesem Sinne ein paar Fragen an den freiberuflichen Kunstgewerbehändler hätten: „Die Regierung hat eine Akte über sie, die ist so dick wie ein Telefonbuch!“ „New York oder L.A.?“, wisecracked Benning, und dann cracked er eine Flasche auf dem Schädel des einen Customs-Agenten. Die restlichen Gäste stehen der sich entwickelnden Schlägerei mit loyalem Desinteresse gegenüber, zumal Benning keine Hilfe braucht, die kampftechnisch mangelhaft ausgebildeten Zöllner auf die Bretter zu schicken (im Gegentum, man versucht sogar, die Gefällten auszurauben). Benning geht stiften, wird aber von den erholten Zollfuzzis plus einer Hundetöle (die aber nicht den Zöllnern gehört, sondern aus purem Spaß an der Freude hinter Benning herrennt) verfolgt. Auf einem Güterbahnhof gelingt es unserem, eh, soll das am Ende der Held sein, „Helden“, die Verfolger durch den bewährten „zwischen Zügen hin- und herwuseln“ zu entziehen. That was almost exciting. Im übrigen bin ich der festen Überzeugung, dass Benning schwul ist (nicht, dass das was schlimmes wäre), aber dieses Outfit – ein ROSA Hemd und eine kurze ROSA Hose… also, jedenfalls sollte er mit den Klamotten nicht versehentlich über den schwulen Straßenstrich latschen…

Trotz des verbotenen Outfits erreicht Benning (wenn auch über ersichtlich angebrachte Um- und Schleichwege über Dächer und Hinterhöfe) seinen Kunden und zupft sich erst mal ein mitgebrachtes Bier aus der Hose (!). Der noch namenlose Kunde legt begreiflicherweise keinen gesteigerten Wert darauf, gemeinsam mit Benning gesehen zu werden und drängt auf Vollzug des Geschäfts (schließt den schwulen Straßenstrich noch immer nicht aus). Nun, es geht hier aber nicht um Oralsex oder sonstige sexuellen Dienstbarkeiten, sondern um ein, hüstel, altägyptisches Amulett, das ungefähr so antik aussieht wie das, was man für 10 Cent aus einem Kaugummiautomaten zieht. „Wenn sie wüßten, was ich dafür durchgemacht habe“, hofft Benning erfolglos auf eine Erschwernis- oder Melodramazulage.

Dieweil kommt am LA International Airport ein POV-Shot an und nimmt sich ein Taxi. Der POV-Shot ist natürlich niemand anderes als Prinzessin Nefratis, immer noch in ihr mindestens 2000 Jahre altes Kleidchen gehüllt (das mit dem Jungfrauenblut muss wol auch bei Textilien funktionieren. Wenn sich das mal rumspricht), und möchte nach Beverly Hills kutschiert werden, was bedeutet, dass wir uns nun mit einigen netten Sights & Sounds aus L.A. unterhalten können (die Abteilung „Kultur“ hatten wir mit der Kairo-Stock-Footage ja schon). Mit seinem untrüglichen Gespür für in-jokes lässt Ray die Taxifahrt an einem Kino vorbeiführen, in dem der fiktive Film „Mummy Dearest“ (eine Verballhornung von Mommy Dearest) gezeigt wird (vier Jahre später kam die Pornobranche auf die Idee, tatsächlich einen Film namens Mummy Dearest zu drehen).

Mit den dämonischen Mächten der ägyptischen Unterwelt verbundene magische Priesterin müsste man sein, dann würde man sich nämlich nie mehr verlaufen. Nefratis´ Weg führt sie nämlich ohne Umschweife direkt in die billige Absteige (das muss die mieseste Unterkunft in ganz Beverly Hills sein), in der Benning sich einquartiert hat. Der Grabräuber ist schnell hypnogesaftet und einen rotglühenden Billig-Effekt später hat die Prinzessin einen Skarabäus in der Hand, und zwar einen der lebendige Sorte. Und die quartieren sich, wie ein breites Publikum spätestens seit Stephen Sommers´ Mummy-Filmen weiß, bevorzugt unter der Haut ein (ich weiß spontan nicht, ob´s schon frühere Beispiele dafür gab, auf jeden Fall ist Ray mit dem Trick – und der Effekt sieht bei aller Schlichtheit gar nicht schlecht aus – zehn Jahre früher dran als der Blockbuster). Der Skarabäus logiert sich direkt neben Bennings Pumpe ein und wie Nefratis ihm schnell vermittelt, nicht nur, weil´s da besonders gemütlich ist. Benning stellt erst mal blöde Fragen („Sind sie auch vom Zoll?“ – Klar, klassische Zoll-Kutte, der vage ägyptische Fummel) und greift unter sein Kopfkissen. „Suchen sie etwa das?“, grinst Neffi hämisch und hält ihm das Objekt der Begierde unter den Riechkolben – nicht etwa eine Knarre, sondern eine ungeköpfte Flasche Bier (Benning ist das, was Ladde von den Dimple Minds voller Bewunderung einen „Punk-Asi“ nennen würde: „Der nimmt abends ein Bier mit ins Bett, damit er morgens, wenn er aufwacht, eins hat“). Nach der alkoholischen Versorgung macht sie Benning klar, dass er von nun an unter ihrer Fuchtel steht – dafür sorgt der heilige Mistkäfer, der im Falle der Zuwiderhandlung gegen hochprinzessliche Weisungen für heftige Brustschmerzen sorgt (ganz abgesehen davon – für seine one-liner verdient Benning jeden Schmerz der Welt). Nun aber Tacheles geredet – Nefratis hätte ganz gerne ihre geraubten Grabbeigaben wieder – einen goldenen Skarabäus (der nichtlebendigen Sorte) und das „Auge des Horas“, das Fünf-Pfennig-Amulett, das Benning gerade vertickt hat (HorUs heißt der, HorUs). Benning spielt zunächst den Doofen, aber einen Schmerzschub später muss er zugeben, dass er den Kram längst verhökert hat. Nefratis wüßte nun zu gern, an wen…

Nun überrascht uns der Film mit einem spontanen Wechsel der Erzählperspektive, Benning wird sich für eine Weile völlig aus der Handlung verabschieden. Statt dessen schalten wir um ins Studierzimmer eines gewissen Doktor Manners, der den goldenen Skarabäus fachmännisch inspiziert. POV schleicht sich an, doch es ist nur ein false scare in Form seines Sohns David (David Manners ausgeschrieben. Eine Hommage an den Helden des Original-Universal-Mummy-Classics). Dave ist berufsmäßiger Langzeitstudent, zum freundlichen Mißfallen seines Dads, der der Überzeugun anhängt, sein Junior sollte sich mal ein Fach aussuchen und zum Abschluss bringen. „Ich hab noch kein Fach efunden, das mich so interessiert wie Mädchen“, stellt Dave seine Prioritäten klar. Und deswegen muss er dringend auf Piste und ein paar Girls anbaggern. Manners sr. forscht weiter am Skarabäus rum, bis das Telefon klingelt – es ist Bennings Käufer von vorhin, Professor Howard Phillips (auch das eine Hommage, an H.P. Lovecraft). Phillips würde gern den Skarabäus käuflich erwerben, da er das fehlende Mosaiksteinchen für eine Theorie darstellt, an der er gerade arbeitet. Manners erklärt den Käfer für unverkäuflich. Phillips erkundigt sich, ob Manners schon begonnen habe, die Inschrift des Skarabäus zu dechiffrieren und ob ihm dabei ein „unbekannter“ Name aufgefallen sei. Ist er, und „Nefratis“ lautet er (der Name ist so unbekannt, dass es eine populäre ägyptische Legende gibt, die sogar der olle Yussef herbeten konnte. Naja, Wissenschaftler…). Phillips unterbreitet ein Angebot – wenn er den Käfer leihweise untersuchen könnte, würde er Lob, Preis & Publikationsehren mit Manners teilen. Manners willigt positiv überrascht ein und verabredet sich für den nächsten Tag. „Bringen sie den Skarabäus mit“, fällt Phillips gerade noch ein, ehe er auflegt und ein erleichtertes „Gott sei dank“ murmelt.

Aber Manners wird wohl nicht kommen können, denn Nefratis hat sich längst in seine Stube geschlichen und macht den alten Knacker an: „Ich wette, es ist lange her, dass eine Frau wie mich geliebt haben“, säuselt sie und als dem Senioren der Sabber aus der Kauluke träufelt, bringt sie ihn um. Love kills, das wusste schon der gute Freddie Mercury.

Am nächsten Morgen ist das Entsetzen groß. Vor allem natürlich bei David und dem alten Freund der Familie, Dr. Bill Stewart (ob der jetzt auch ´ne Hommage ist? Ich glaub nicht). David ist nicht gänzlich unverständlicherweise ein wenig traumatisiert und die erfrischend inkompetente Art des ermittelnden Doofbullen trägt nicht viel zur Entspannung bei, zumal die blutigen Details des grausigen Mords nicht ausgespart bleiben (abgesehen von der bildlichen Aussparung, denn einen Gore-Effekt kann sich Fred Olen Ray natürlich nicht leisten): dem Toten ist das Herzelein herausgerissen worden. David bemerkt, dass der Skarabäus abgängig ist. Dem torfnasigen Blödplattfuß muss natürlich erst mal begreiflich gemacht werden, was ein Skarabäus ist und auch nach der Aufklärung ist der Bulle nicht wesentlich schlauer: „Was hat der Tote mit Ungeziefer zu tun?“ Stewarts kleiner Ägyptologie-Kurs für Anfänger, verbunden mit dem Hinweis, dass es sich um ein wertvolles Stück handle und dementsprechend durchaus als Mordmotiv tauge, wischt der Superkriminale mit schierer Autorität des Amtes beiseite: „Ich entscheide, was hier wichtig ist!“ Ich will nicht unken, aber ich bezweifle, dass der Meister diesen Fall aufklärt… immerhin, er (bzw. Fred Ray, aber bei dem ist´s keine Überraschung) kennt seinen Ed Wood: „Manners ist tot, ermordet, und jemand ist verantwortlich!“ (Das ist eine wortgenaue Übernahme aus Plan 9 From Outer Space).

Stewart und Dave rechnen sich aus, dass eine erfolgreiche Klärung der Mordsache nur anzunehmen ist, wenn sie sich selbst drum kümmern und pflügen sich durch die Notizen des Verschiedenen (die Polizei hat sich dafür ersichtlich nicht interessiert. Memo an mich selbst: bloß nicht in L.A. ermordet werden). Stewart entdeckt diverses Gekritzel bezüglich Nefratis und die Verabredung mit Phillips. Da Manners sr. diese aus naheliegenden Gründen nicht selbst wahrnehmen kann, beschließen Dave und Stewart, Phillips aufzusuchen.

Phillips haust, dafür, dass er eine Konifere der Altertumsforschung ist, in einem erschreckend mikrobenhaften Unitäts-Büro (aber dank Ed Wood wissen wir ja auch, dass Zwölf-Sterne-Generäle in besseren Abstellkammern Hof halten). Phillips mimt äußert unüberzeugend totale Erschütternis über das gewaltsame Ableben des hochgeschätzten und bestbefreundeten Kollegen (das wundert Dave, denn er weiß, dass die beiden rivalisierenden Forscher sich spinnefeind waren). Von einem Skarabäus hat Phillips aber üüüüüberhaupt keine Ahnung, dito, was Manners von ihm wollte (man sollte sich mal ´nen Verbindungsnachweis von Manners´ Telefon geben lassen, da wird schon ersichtlich sein, wer wen angerufen hat). In die eh ziemlich erfolglos verlaufende Besprechung platzt Phillips´ Nichte Helen (Susan Stokey, bekannt aus Star Slammer, verunziert mit einem Nasenfahrrad, dessen Glasfläche nur noch in Quadratmetern gemessen werden kann. Oh, die 80er), die ihrem Oheim eine ungefähr fünftausendseitige Diplomarbeit zuM Thema „Leben und Tod in der ägyptischen Mythologie“ zwecks kurzem Probelesen auf den Schreibtisch knallt. Phillips wirft seine Besucher mit dem Vermerk, ein Objekt wie der bewusste Skarabäus könnte nur auf illegale Weise ins Land gebracht worden sein, er selbst mit solch kriminellen Subjekten selbstredend aber nichts zu schaffen habe, höflich hinaus.

Einen alten Fuchs wie Dr. Stewart konnte Phillips mit seiner provinzbühnenreifen Schauspieleinlage natürlich nicht foppen: „Er lügt!“ Dave spekuliert, dass Phillips sehr gut weiß, wer für den Kulturgutschmuggel und den Verkauf des Krempels zuständig ist. Nur wie kommt man an die Info ran? Stewart erinnert Dave an seine Frauenaufreißerqualitäten (die uns noch bewiesen werden müssen) und schlägt vor, dass er (also David) sich an Helen ranschmeißen soll. Es bedarf allerdings sanfter Überredungskunst, bis David seine männliche Libido in den Dienst der gerechen Sache stellen mag.

Selbstverständlich darf der edle Held aber keine fiesen Tricks anwenden und Helen unter Vorspiegelung geheuchelter Liebesschwüre erst flachlegen und ihr dann die gewünschten Informationen aus der Nase ziehen. David spielt mit offenen Karten, erzählt Helen brühwarm, dass er vermutet, ihr Onkel wüsste, welcher Schuft seinem Paps den Skarabäus verkauft habe und bittet um Herausfindung sachdienlicher Hinweise.

In der Tat erinnert sich Helen wenig später an einen Namen – Benning. Dies teilt sie den immer noch eifrig des Toten Unterlagen studierenden Hobbydetektiven telefonisch mit. Der Name ist Stewart ein Begriff (und warum ist er dann nicht gleich SELBST darauf gekommen?), und der olle Doktor weiß auch, wo man den gesuchten Schlimmfinger finden kann, z.B. in einer miesen Spelunke. Benning, dem´s dafür, dass er ´nen lebendigen Skarabäus zwischen den Rippen sitzen hat, ziemlich gut geht, ist aber unkooperativ: „Ich hab die Schnauze voll von dem ägyptischen Schrott“. Und von einer Nefratis weiß er schon ganz gewiß rein gar nichts. David und Stewart möchten sich doch bitte umgehend demateralisieren.

Benning zieht sich gefrustet in sein Appartment zurück. Dort hat Nefratis offensichtlich umdekoriert (zumindest sieht die Bude aus wie des Docs Wohnung nach einem dreitägigen Forumstreffen). Die Priesterprinzessin informiert ihn, dass das Hotel von zwei Männern beobachtet wird. Benning rät ihr, die Kerle geflissentlich zu ignorieren, was ihm eine weitere Dosis Schmerz einbringt.

Dave trifft sich indessen mit Helen und fragt sie nach Nefratis. Der Name ist ihr nicht vertraut, abre Mr. Andohep, der örtliche Ägyptologie-Guru der Universität, könnte Bescheid wissen. Andohep (wir kommen zum 5-Minuten-Auftritt von John Carradine) wundert sich: „Ich hab doch ihrem Onkel schon alles gesagt, was ich weiß!“ Und weil der Pfarrer ungern zweimal predigt, ist er nicht wirklich motiviert, seinen Sermon erneut herunterzubeten. Helens treuherziger Augenaufschlag (wird durch die Brille ja auch noch vergrößert) und ihrer schnell erfundenen Ausrede, Onkel Howard hätte seine Notizen verlegt, stimmen den eigenbrötlicherischen Bibliothekar allerdings um. Zunächst mal erzählt er uns nichts grundlegend neues über die Nefratis-Legende (die, wir erinnern uns, bei Phillips – sonst hätte er sich den Schmand von Andohep ja nicht erzählen lassen müssen – und Manners dem Älteren und Toten völlig unbekannt war, aber für Andohep selbst sichtlich kalter Kaffee ist). Magisch begabte Hohepriesterin, bluttrinkende Dämonin, schlimmer als ein gewöhnlicher Vampir, weil sie sogar Neugeborene hat töten lassen, um deren Blut zu schlürfen. Außerdem reiße sie ihren Opfern das Herz heraus (ach). Alle sieben Moante muss sie allerdings ein Ritual vollführen, e.g. eine Jungfrau opfern, um ihre ewige Jugend zu erhalten, und dafür reicht´s nicht, der ausersehenen Sexverschmäherin einfach ein Küchenmesser durch die Kehle zu ziehen, nein, man benötigt diverse Kultgegenstände, und ich verwette jetzt einfach mal meinen kompletten Hausstand inklusive DVD-Sammlung darauf, dass es sich dabei um den Goldkäfer und das Kaugummiautomatenamulett handelt. „Wann ist sie gestorben?“, fragt Dave recht dämlich. „Wer sagt, dass sie gestorben ist?“, gegenfragt Andohep mit einem fiesen Grinsen (womit J.C. seinen Gagenscheck abgearbeitet hätte).

Nefratis hat sich inzwischen in ein etwas straßentauglicheres, aber nur unwesentlich unattraktiveres Outfit geworfen (wo hat sie das her? Hat Benning ihr das gekauft?) und sitzt in einer Kneipe (d.h. dass wir wieder einen der wunderschönen Soundtrack-Songs genießen dürfen. Dieser heißt „Saturday Night Rockers“). Wer aussieht wie Michelle Bauer und solo in einer Kneipe abhängt, muss sich nicht wundern, wenn er bzw. sie angebaggert wird. Auf männliche Begleitung legt Neffi aber keinen Wert, so dass der Bekorbte sich mit dem peinlichsten aller Anmachsprüche seit Erfindung des Pfeffersprays auf ein anderes Paar Möpse umorientiert: „Darf ich dir eine feuern?“ (zigarettentechnisch gemeint, latürnich… spanking kommt später…). Auf die Mopsträgerin hat aber auch Nefratis ihr Dämonenauge geworfen und ihre Anmachsprüche scheinen ein bis drei Ligen höherklassiger zu sein. Jedenfalls finden sich Neffi und das Babe wenig später in einem luxuriösen Schlafgemach wieder, wo die Aufgerissene sich erfreulicherweise der Klamotten entledigt. Nefratis steht aber nicht nach schnödem gleichgeschlechtlichen Beischlaf der Sinn – sie schubst die Nackte aufs Bett, was sich jetzt zugegebenermaßen nicht wirklich teuflisch anhört, allerdings ist anzumerken, dass das Bettlaken von allerlei Schlangengezücht belegt ist. Vermutlich von der eher ungemütliche Sorte… Nefratis grinst jedenfalls das gewinnende Lächeln einer Frau, die Spaß an ihrem bösen Job hat, während die Kriechtiere sich über die Nackte im Bett winden…

Phillips packt indes recht hastig im Unibüro seine Unterlagen zusammen, wird aber (untermalt von schlichtweg grauenerregendem Ekelscore) von Helen ertappt. Die konfrontiert ihn mit ihrem neuen Wissen, nämlich z.B. dass er wegen des unerlaubten Besitz des Horasauges (argh, Horus, Horus!) in akuter Lebensgefahr schwebe. Ist ihrem Onkel völlig klar, spätestens seit Manners ins Gras gebissen hat. Weil er nun mal aber ein Wissenschaftler, Historiker und damit nach B-Filmlogik hirnamputierter Vollhonk vor dem Herrn ist, will er ungeachtet der Risiken für Leib und Leben Nefratis unbedingt persönlich kennenlernen. Dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Währenddessen betätigt sich Benning unter Neffis mentaler Fuchtel als Zimmermann, der die Axt im Haus erspart (oder so) und bastelt irgendeine undefinierbare Konstruktion. David sucht dieweil Helen heim. „Fühlen sie sich wie zu Hause“, empfiehlt die Holde. „Das is´n Angebot“, freut sich David – man sollte erwarten, dass er sich sofort in Unterhosen auf die Fernsehcouch hockt, aber uns Held ist verhältnismäßig zivilisiert und beschränkt sich darauf, Helens Fernofon zu benutzen. Sein Anruf gilt Stewart, der mittlerweile herausgefunden hat, in welcher Absteige Benning untergekommen ist. David will sich Helen unter den Arm klemmen und dort mal vorsprechen. Stewart seinerseits will Phillips erneut interviewen. Helen stellt indes in ihrer Ankleidezu ihrer Überraschung fest, dass sie neue Besitzerin des Horasauges ist.

Nachdem der Soundtrack einen neuen gruseligen Song einfiedelt und Helen ein wenig Humor eingebracht hat, indem sie aus Gründen der Attraktivitätssteigerung probehalber auf ihre Brille verzichtet (und prompt gegen alles und jeden rumpelt), machen sie und David sich auf die Pirsch. Hm, also, so ganz oben auf Davyboys „to-do“-Liste scheint der Besuch bei Benning doch nicht zu sein, denn er lädt sie erst mal zu einem gemütlichen Schmackofatz vom Fast-Food-Tempel ein.

Unsere ägyptische Vampirpirinzessin macht sich indes auf den Weg zu Phillips. Ich fall doch immer wieder auf die selbe Sorte Shots rein – für einen Moment blieb mir bei der Einstellung von Nefratis in der Tür, nebelumwabert und von grünlicher Hintergrundbeleuchtung zu einem (sehr femininen, wenn ich das mal sagen darf) Schatten stilisiert, die Spucke weg. Style bei Fred Olen Ray! Nicht grämen, das geht schnell vorbei. Phillips hat die Fiese schon erwartet und versucht, sie mit einem Ankh zu bannen (also, ob sich klassische Kruzfix-Symbolik auf altägyptische Blutsauger übertragen lässt? Ich weiß nicht…). Bleibt beim Versuch, denn „das funktioniert schon seit Jahrhunderten nicht mehr“, grinst Neffi, ohne zu erklären, wann, wie und warum sie sich gegen das Ankh hat immunisieren lassen. „Einen Versuch war´s wert“, seufzt Phillips, während Nefratis das Ankh angeberischerweise in eine Schlange verwandelt, was der Prof erstaunlich cool quittiert. Nefratis fordert nun Informationen über den Verbleib des Horus-Auges, aber Phillips hält es für eine clevere Idee, mit der Untoten in Verhandlungen zu treten und seinerseits die Auslieferung des Skarabäus zu fordern (dedicated, that guy, gotta hand it to him): „Man kann nicht das eine ohne das andere haben!“ Einen Allgemeinplatz später („je mehr die Dinge sich ändern, desto gleicher bleiben sie“) hat Nefratis die Schnauze voll (verständlich, gleich fängt der alte Knabe noch mit „das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite“ und „nachts ist´s kälter als draußen“ an) und fuchtelt mit diversen grünlichen cartoonishen Strahlen-Effekten um sich. Da staunt des Professors Kuschelleguan und der Fachmann wundert sich…

Stewart ist es vorbehalten, die schöne Bescherung zu finden. Noch röchelt Phillips und kann mit letzter Kraft die dramaturgisch wertvolle Bemerkung machen, dass er das Horusauge Helen zugesteckt hat (sehr nett von ihm), bevor er in Anubis´ Reich eingeht. Pech, dass Nefratis sich einfach hinter dem nächsten Wandschrank versteckt hatte und diese Information nun gratis geliefert bekommen hat. Sie haut Stewart k.o. (warum sie ihn nicht umbringt, was ihr einige Komplikationen ersparen würde? No idea. Versteh einer die altägyptischen blutsaufenden untoten Weiber…).

Helen und David hocken dieweil in einer Bar, vorgeblich um Benning zu suchen (eh, eigentlich WISST ihr, in welchem Hotel der sich aufhält. Ich glaub, David will die Tussi nur abfüllen und doch noch flachlegen), der Soundtrack, zuständig für die wahrhaft erschreckenden Bestandteile dieses Films, erfreut uns mit einem hübsch dilettantisch-schrägen Elektropopstück, das schon irgendwie fast wieder kultig ist. Helen erblickt Nefratis (wobei sich noch die Frage stellt, wie Helen sie erkennen sollte, schließlich ist die Aushilfsmumie in Zivil unterwegs), aber die Ägypterin verschwindet, ehe Helen David auf sie aufmerksam machen kann. David hält seine Begleiterin für dezent durchgeknallt: „Du spinnst!“ (Sehr einfühlsam), denn „warum sollte sie uns verfolgen?“ Ööh, ääh, druckst Helen herum, bevor die ganze Benning-Suchaktion ersichtlich als unwichtig ad acta gelegt wird und zu Helen nach Hause gefahren wird.

Ich hatte Recht, David wollte sie wirklich nur flachlegen. In der nächsten Szene teilen die beiden nämlich bereits ein Bett. Gerammelt wurde offensichtlich schon, denn vom dringendsten Samenüberdruck befreit, fällt David plötzlich ein, dass er sich eigentlich mit Stewart treffen wollte. Helen möchte mit, aber David befiehlt kategorisch, dass sie daheim bleiben soll, „da bist du sicher.“ Da täuscht sich David natürlich gewaltig, denn kaum ist er weg, ist Nefratis da und schenkt Helen ein paar witty Bemerkungen ein: „Hat er dein Blut in Wallung gebracht? Zeit für einen Aderlass!“

Stewart wird von David alive, but groggy aufgefunden. Der alte Zausel erzählt, was er weiß. David schlägt umgehende Rettung vor (eigentlich sollte, wenn er seinen Job richtig gemacht hat, sich die Thematik „Jungfrau“ gerade erledigt haben…), doch da stürmen die Cops unter Leitung von Detective S. T. Upid die Bude und verstehen selbstverständlich Bahnhof.

Dabei hat Nefratis Helen schon am Wickel. Das ausersehene Opfer begehrt Information über den Verbleib von Onkel Howard. Neffi beweist, dass sie in Punkto coole Schurken-one-liner noch einen gewissen Nachholbedarf hat: „Lass es mich so sagen… er ist nicht sehr alt geworden, mwa-ha-ha“ (das ist nicht mal entfernt lustig).

El grande detectivo erklärt indes die ihm von Dave und Stewart aufgetischte Story für bodenlosen Schwachsinn der üblen Sorte (ich kann ihm nicht wirklich widersprechen). Immerhin gelingt es David, den Cop zu überreden, ein Streifenhörnchen bei Helen vorbeizuschicken, welches rapportiert, dass von Helen keine Spur zu finden ist, dafür aber um so mehr eines Kampfes. David verfällt in zerknirschte Selbstkritik („alles meine Schuld“), Stewart fabuliert, dass es immer noch eine Chance gäbe und der Bulle blickt überhaupt nicht mehr durch, als Stewart von Zeremonien und Ritualen salbadert. Benning ist der Schlüssel, behauptet Stewart. Der Name sagt nun wieder dem Plattfuß nichts, weswegen er ihn in seinem Notizbuch nachschlägt. Diese Aktion belegt die vollständige Zerebralkapazität des Gesetzeshüters, so dass sich Dave und Stewart völlig unauffällig in seinem Rücken durch ein offenes Fenster verpissen können. Es wundert mich wirklich, dass in L.A. überhaupt Verbrechen aufgeklärt werden.

Benning wird immer noch von den Zoll-MIB überwacht. Dem wachsamen Auge der Kampfzöllner entgeht allerdings, dass Stewart und David sich heimlich in Bennings Hotelzimmer geschlichen haben und den nach seinem täglichen Besäufnis überfallen und ausknocken (das übernimmt begreiflicherweise David, der dafür äußerst übertrieben von seinem alten Knackerfreund mit „Du hast ja Dynamit in den Fäusten“ gelobt wird).

Stewart hat inzwischen offenbar das Drehbuch gefressen und weiß, woher auch immer, dass Neffi Amateur-Chirurgin ist und dem bedauernswerten Benning einen Skarabäus in die Brust gepflanzt hat über den sie ihn kontrolliert (so arg kontrollieren tut sie eigentlich nicht. Ab und zu gibt sie ihm ´nen Stich in der Herzgegend). Stewart, Angehöriger der in B-Filmen immer wider gern gesehenen Fakultät der Universal-Wissenschaftler, traut sich zu, den Krabbelkäfer zu extrahieren, auch wenn als Operationsbesteck nicht viel mehr als ein Taschenmesser zur Verfügung steht. Also schnippelt er dem bewußtlosen Benning die Brust auf (Splädda!!!) und holt den Skarabäus mit einem laut vernehmlichen PLOPP heraus (und was wird nun aus dem armen Tierchen?).

Benning kommt wieder zu sich, seine Dankbarkeit hält sich im überschaubaren Rahmen: „Ich soll jetzt dafür blechen?“. David wünscht lediglich umgehend zu Nefratis geführt zu werden. Dagegen scheint Benning nichts zu habe – auf geht´s, und im Schlepptau hat man unwissenderweise die Zollbullen.

Nefratis hat sich irgendwo ein abgelegenes Grundstück gesucht, auf dem sie ihr Blutopferritual durchzuführen gedenkt. Helen hat sie bereits in ein ägyptisches Gewand gehüllt (hm, die Neffi kam doch ohne Koffer an? Im Kostümverleih besorgt? Dann hat sie hoffentlich ein gutes Waschmittel, Blut saut doch so…) und an ein Andreaskreuz gefesselt (das also hat Benning vorhin zusammengehämmert). Sie selbst hat sich in ihr bestes Hohepriesterinnenoutfit geworfen und ruft ihren Horas (hm, selbst wenn ich jetzt Horas als Horus interpretiere… dämonisch war diese ägyptische Gottheit eigentlich nie. Horus ist vielmehr eine der absolut positiven ägyptischen Gottheiten. Naja, aber die ollen Ägypter pflegten sowieso eigentlich selten bis nie Jungfrauen zu opfern) an. „Da unten läuft das Happening“, erläutert Benning von einem Hügel aus und erklärt zudem seine absolut mangelnde Bereitschaft, sich in den anstehenden Showdown persönlich einzumischen. Stewart ist´s Salami, denn er hat eh eine Geheimwaffe am Start. Benning ist extrem optimistisch und würde sich gerne wünschen, dass David und Stewart den Autoschlüssel dalassen, dieweil die Zöllner sich zum Zugriff entscheiden.

Stewart stürmt mit einem fulminanten „Aufhören! Im Namen von Oden-Ra!“ (wer immer Oden-Ra auch sein soll. Hat der nordische Göttervater ´nen Schwippschwager bei den Ägyptern?) und wedelt… mit einem Ankh. Das hat bekanntlich schon Phillips richtig toll geholfen, demzufolge zeigt sich Nefratis erneut relativ unbeeindruckt, schießt einen roten Strahlen-Effekt ab und dematerialisiert Stewart. Dumm gelauefn. Auch David bekommt ein paar Strahlen ab. Nun greifen die Zöllner mit einem beherzten „Flossen hoch“ ein. Nefratis zappt einen der Agenten ins Nirvana. Sein extrem mutiger Kollege schießt drei Löcher in die Luft, kommt zu dem treffenden Ergebnis „Scheiße“ und bemüht sich, mit seinem Wagen zu fliehen. Neffi schießt einen Strahl auf das Auto ab, das sich sofort überschlägt (wow, action, stunts, FX, alles, was das Herz begehrt!).

Es bleibt also wohl doch an Benning und seinem Radschlüssel hängen, den Tag zur etten. Nefratis wundert sich über den neuen Widersacher, der nach ihrer Kalkulation ja eignetlich auf ihrer Lohnliste stehen sollte. „Ich mach dich kalt, du mumifizierte Hure“, keift Benning (das klingt auch erheblich uncooler, als er sich das wohl vorgestellt hat). Neffi zischt ihn an und hofft damit wohl, den Skarabäus zu schmerzhafter Aktivität zu veranlassen, aber aus bekannten Gründen haut das nicht hin, so dass sie zu Plan B, mithin mit-Strahlen-um-sich-schießen, greifen muss. „Das war dein letzter Fehler“, knurrt sie und zieht (woher auch immer) aus ihrem Gewand eine Machete (klassisches ägyptisches Priesterinnen-Gear). Während Nefratis also damit beschäftigt ist, Benning umzubringen, robbt David, wieder zu sich gekommen, zum improvisierten Opferstock und befreit Helen.

Nefratis möchte Benning mit Hilfe ihres magischen Horasamuletts plätten und ruft die entsprechenden Effekte herbei, doch irgendwie muss sie in der Gebrauchsanweisung ein paar Absätze überlesen haben (oder jahrtausendelang eingemauert sein macht doch vergesslich) – der Effekt wendet sich gegen sie! Nefratis altert in Sekunden zur verschrumpelten Mümmelgreisin und unterfällt spontaner Selbstentzündung. „Hast du Feuer?“, wisecracked Benning…

Die Priesterprinzessinvampirin verbrennt zu einem Skelett, doch einer ihrer Arme bewegt sich nach wie vor. Schockende!!!
Bewertung

Ich weiß gar nicht, warum ich bis zu diesem Punkt des Reviews drei Tage gebraucht habe – schließlich ist The Tomb (ich bleibe enthusiastisch beim wesentlich angenehmer zu tippenden Originaltitel) genau die Sorte Film, die mir Spaß macht – ein doofer, hirnrissiger Streifen, der aber WEISS, dass er das ist und in keiner Sekunde auch nur ansatzweise versucht, das zu verleugnen. Trash, wie ich ihn liebe und wie ihn Fred Olen Ray zu seinen besten Zeiten mühelos aus seinem Ärmel schüttelte.

Womit eigentlich schon alles gesagt wäre. Aber damit kann ich´s natürlich nicht bewenden lassen, schließlich erwartet Ihr hier noch mehrere Seiten ausführliche Detailanalyse… Mal sehen, was ich machen kann…

Es soll ja Leute geben, die eventuell (warum auch immer) unbelastet an einen Fred-Olen-Ray-Film herangehen und nicht wissen, was sie erwartet. Diese lassen sich wiederum eventuell von dem oben eingeblendeten Videocover und dem deutschen Titel (der Originaltitel ist zwar kürzer, aber auch nicht unbedingt treffender) irritieren – was The Tomb mit Sicherheit NICHT ist, ist ein bunter Abenteuer-Actionfilm im Indiana Jones-Stil. Das, was man bei gutem Willen die Abenteuer- und Action-Portion des Films nennen können, ist nach ungefähr 15 Minuten vorbei, von da an spielt sich The Tomb theoretisch als relativ konventionelles, okkult angehauchtes Horrorstück, ohne allerdings wirklichen Horror-Inhalt zu haben (wer den Bodycount mitzählen will, braucht nicht sonderlich viele Finger, nämlich bis zum Showdown genau drei) und geizt dabei mit einem weiteren Trademark der meisten Ray-Filme, nämlich nackten Tatsachen. Das macht The Tomb schon fast zu einem familientauglichen Streifen…

Wer sich obenstehende Inhaltszusammenquarkung bis zum bitteren Ende angetan hat, wird schon bemerkt haben – es * tut * sich nicht wirklich allzuviel in The Tomb. Der Reihe nach – wir haben einen komplett zusammenhanglosen Prolog (mit Benning und Jade alias Sybil Danning), der, würden nicht Benning und Alan im weiteren Filmverlauf wieder auftauchen, nun wirklich 1-A so aussieht, als hätte ihn Ray mal eben aus einem anderen Film reingeschnippelt (macht er heutzutage als Auftragsregisseur bei Jim Wynorski auf täglicher Basis). Ich spekulierte in der Tat darauf, dass die Szene aus einem anderen Ray-/Danning-Heuler stammen könnte, aber Sybil spielte nur in einem weiteren Film für Ray, und da (The Phantom Empire) agiert sie als „Alien Queen“, das passt also auch nicht. Ist also summa summarum nur so zu erklären, dass Ray nach Drehschluss noch ein paar Dollar und ein Flugzeug zum Sprengen übrig hatte, Danning noch am letzten Set rumhing und man gemeinschaftlich schnell noch einen fetzigen Teaser, aus dem man auch einen coolen Trailer schnippeln könnte (Shoot-outs, Explosionen!), improvisierte.

Ein echter Lachschlager ist dann der Part, der in „Ägypten“ und speziell in dem „Felsengrab“ (mit Mauern, Fenstern usw.) spielt und der sich wirklich ein wenig an Indiana Jones orientiert (wobei Benning sichtlich weniger ein edler Abenteurer der Indiana-Schule ist, sondern eher nach Indys Nemesis Belloq schlägt). Wenn sich die Handlung dann nach L.A. verlagert, wir nach gut 20-25 Minuten einen völlig neuen Satz Protagonisten erhalten (Benning mutiert von da an zur Nebenfigur, David, Stewart und noch später Helen übernehmen) und Nefratis beginnt, ihre Gegner abzumurksen (alle zwei), scheint der Film sich sowohl drehbuchtechnisch als auch filmisch nicht mehr fortzubewegen. Plotentwicklungen sind kaum zu verzeichnen, weil der Zuschauer bereits von Anfang an alles wissenswerte, eh, weiß und die entsprechenden Informationen daher nur ständig wiederholt werden (wobei natürlich drollig ist, dass die Nefratis-Legende in Ägypten Allgemeinbildung zu sein scheint, absolute Oberägyptologieexperten wie Manners und Phillips nichts davon wissen, ein verschrumpelter Uni-Librarian aber wiederum bestens im Bilde ist), sich Spannung also nicht entwickeln könnte, auch wenn Alfred Hitchcock persönlich auf dem Regiestuhl sitzen würde. „Dahinplätschern“ als Synonym für den Storyfortgang herzunehmen, wäre also stark übertrieben, auch wenn sich die ganze Plotte lose am Original-Karloff-Klassiker The Mummy mit vertauschter Geschlechterrolle orientiert.

Das Kunststück, das Fred Olen Ray aber gelingt (sofern man als Trashfan geneigt ist, dem beizuwohnen): es wird trotzdem nicht langweilig. Wie in Eddie Woods besten Zeiten rettet Ray den Film über die Dialoge. Die sind nämlich schlicht und ergreifend Trash-Comedy-Gold, und dass Ed Wood dabei beabsichtigt Pate stand, beweist schon die wörtliche Übernahme einer der evergreenigsten Dialogzeilen aus Plan 9 („he´s dead, murdered, and someone´s responsible!“). Das Script strotzt nur so vor lustig-doofen Dialogen, wie sie Edward der Große nicht besser (oder schlimmer, je nach Standpunkt) hinbekommen hätte. Das wird mit einigen Klischee-Nebenfiguren (wie dem geistig mehr als beschränkten Polizisten) garniert (auch die Hauptcharaktere sind natürlich alles andere als ausgefuchste Detailstudien, sondern simple eindimensionale Abziehbilder).

Filmtechnisch ist The Tomb mangels Masse kein Aufreger. Von wirklichen production values zu reden, verbittet sich angesichts des Gezeigten mehr oder minder von selbst – das einzige wirkliche „Set“ im Wortsinne ist das Grabmal (und dass sich Fred und seine Produktion da irgendwo eingemietet haben, ist ja klar, so ägyptisch, wie das Ding aussieht…), und auch dessen Ausstattung ist mir „extrem spartanisch“ wohlwollend umschrieben. Der Rest des Films spielt praktisch ausschließlich in Wohnungen und Kneipen, dementsprechend wird viel gelabert (das aber, s.o., auf charmant-debile Weise), jede Menge grauenvolle Songs angespielt (bis auf die „Tutti Frutti“-Rendition ist das Ohrenfolter pur). Das Budget (Fred dürfte seinerzeit in der 50.000-Dollar-pro-Film-Klasse gespielt haben) lässt keine visuellen Spielereien zu – es wird abgefilmt was da ist, so sieht das dann halt auch aus. Nicht mehr, nicht weniger. Eine Szene allerdings, bzw. sogar nur eine Einstellung, und die hab ich oben auch schon ausgiebig gewürdigt, ist beinahe schon atemberaubend (im Kontext eines Fred-Olen-Ray-Billig-Trashheulers, selbstverständlich. Ich will nicht sagen, dass Michael Ballhaus z.B. wegen des hiesigen D.O.P. Paul Elliott in Rente gehen muss). Der Plot selbst lässt schlechthin keine großen Sprünge zu, was Tempo und Spannung angeht. Ray versucht, mit ein paar eher halbherzigen POV-Shots Suspense zu erzeugen (funktioniert natürlich nicht, weil wir von Anfang an wissen, wer da stalked). Ansonsten ist der Film halt eher dialoglastig, und das gereicht ihm aus geschilderten Gründen nicht zum Nachteil. Anstelle das nicht vorhandene Budget für FX-Sudeleien zu verprassen, wie´s der ein oder andere hiesige Amateur-Proll getan hätte, konzentriert sich Ray auf den Witz und trashigen Charme – wie schon gesagt: Ray und sein Team wissen, dass sie Trash machen und haben damit nicht nur kein Problem, sondern sie kosten es aus. Sehr sympathische Einstellung, und die überträgt sich trotz der offenkundigen objektiven Schwächen des Films auf den Zuschauer.

Wie erwähnt ist der Film für einen Ray-Klopper erstaunlich prüde – nicht mal Michelle Bauer, die dafür sonst keine besondere Einladung braucht, fährt aus ihren Klamotten, sondern beschränkt sich darauf, in knapp geschnittenen Kleidern (ganzen zwei verschiedenen, hehe), sexy auszusehen (ich muss jetzt scharf nachdenken – es kann sein, dass die von ihr mit den Schlangen bekannt gemachte Barschlampe Nippel zeigt, aber es ist mittlerweile fünf Tage her, dass ich den Film gesehen habe. Man kommt zu nichts mehr). Susan Stokey bleibt züchtig-hochgeschlossen.

Der Gewalt-/Splädda-Blutfaktor ist ebenfalls nicht gerade dramatisch – Andeutungen von Splatter gibt´s in den Szenen, in denen Benning der Skarabäus eingepflanzt bzw. extrahiert wird. Viel mehr explizite Gewalt gibt´s eh nicht. Nefratis schießt ab und zu mit ihren Strahlen-FX um sich und dematerialisiert ihre Opfer damit, lediglich ihre Verbrennung im Finale ist noch als „härterer Tobak“ einzustufen. Die FSK-16-Einstufung ist damit absolut im grünen Bereich. Die Qualität der Effekte ist für die Preisklasse des Films okay; den Skarabäus-„Splatter“-Effekt hätte man wesentlich schlechter hinmurksen können, Nefratis „Todesstrahlen“ sind simpel-schlicht, aber einigermaßen effektiv und doch deutlich besser als die in anderen Filmen dieser Machart gern genommenen „Filzstift-auf-Negativ“-Tricksereien.

Was sein Ensemble angeht, zieht Fred Olen Ray alle Register seines Könnens, um einen erlesenen Cast präsentieren zu können. Zu Michelle Bauer, einer DER B-Movie-Scream-Queens der 80er Jahre, muss ich an dieser Stelle ja wohl nicht wirklich lang und breit ausführen – wer sich hierher verirrt, der kennt Michelle. Ich werfe einfach mal stichpunktartig ein paar ihrer (110) Filme in den Raum: Hollywood Chainsaw Hookers, Sorority Babes in the Slimeball-Bowl-O-Rama, Warlords, Evil Toons, Dinosaur Island, Lust for Frankenstein, Puppet Master III, Demonwarp). Da ich weiß, wer meine Zielgruppe ist (hehe), erwähne ich an dieser Stelle mal gezielt, dass Michell unter ihrem Adult-Film-Pseudonym Pia Snow bzw. Pia Sands auch in einigen Bondage-Videos zu sehen ist. You might want to check them out…

Richard Alan Hench spielte in Biohazard, Star Slammer, Scalps und Deep Space für Ray und war zuletzt in der Erotik-TV-Serie Red Shoe Diaries zu sehen. David O´Hara (aka David Pearson, Benning) erfreute die Herzen der Trashfans bereits in Hard Rock Zombies. Susan Stokey (Helen) gehörte ebenfalls zu Rays Stammbelegschaft der 80er und war als solches festes Ensemblemitglied in Star Slammer, The Phantom Empire, Armed Response und Deep Space am Start. George Hoth (Dr. Stewart) spielte lustigerweise 2001 im hier besprochenen Tail Sting ebenfalls wieder einen „Dr. Stewart“ (in die Dimension hat ihn Nefratis also gebeamt…). Für den Auftritt als Nefratis in Old-Age-Make-up erklärt sich Katina Garner bereit, die wir aus dem Ultra-Trash-Hysteriker Roller Blade kennen und fürchten.

Soviel zu den „normalen“ Trash-Darstellern und Ray-Regulars. Nun zu den „Gaststars“. Ray engagierte ja immer wieder abgehalfterte Horror- und Exploitation-Veteranen, und man kann beim besten Willen nicht (immer) sagen, dass er sie nur wegen ihres Namens einkaufte (mit „starring Cameron Mitchell“ verkauft man vermutlich nicht wirklich ein Video mehr). Mitchell (auch er schon mehrfach hier gewürdigt) war bekanntlich eine Ikone des italienischen Kinos der 60er Jahre, verbrachte nach dem Abklingen der Italowesternwelle die 70er größtenteils im Fernsehen und wurde Ende der 70er (so in etwa ab seinem 1978er-Auftritt in The Toolbox Murders, jüngst von Hooper remaked) für den Exploitation- und Horror-Trash-Markt „entdeckt“. Bis zu seinem Tod im Jahr 1994 spielte er in sicher über 40 direkt für diese Seite qualifizierten Heulern von Without Warning bis Jack-O, wobei sein herausragender Auftritt sicher der als weihnachtsmannähnlicher Galactica-Kopie-Kommandant in Space Mutiny sein dürfte. Hier gibt er den Howard Phillips recht straight.

John Carradine, der so ziemlich alles und für jeden gespielt hätte (und es oft und gern auch getan hat… Coleman Francis, Ted V. Mikels, Al Adamson – ´nuff said) schaut mal kurz für fünf Minuten vorbei und erzählt uns (als Zuschauern) als Nefratis-Experte Andohep nichts wesentlich neues. Sybil Danning, die sich unbescheiden auf ihrer Website als „größter weibliche Actionstar“ bewerben lässt (auf Grundlage von Werken wie L.A. Bounty, Reform School Girls, S.A.S. Malko oder Battle Beyond the Stars würde ich mit dem Claim nicht unbedingt hausieren gehen; mein Lieblingsauftritt von ihr bleibt nach wie vor der in Amazon Women on the Moon), absolviert als Jade ebenfalls nur einen extended cameo, und dass Russ-Meyer-„Entdeckung“ Kitten Natividad dafür, dass sie vielleicht zehn Sekunden lang ihre Riesenoschis vor die Kamera hält und ein wenig, äh, „tanzt“, einen „and“-Screencredit abstaubt, spricht wohl eher gegen Fred Olen Ray als für sie…

Ihr habt schon gemerkt, zu den zelebrierten darstellerischen Künsten an sich hab ich nicht wirklich viel gesagt – das wäre in einem Film dieser Art auch völlig fehl am Platze… alle Akteure agieren zumindest wesentlich besser als die Chargen in einem beliebigen Ittenbach-/Schnaas-Amateurfilm (oder auch die Chargen in einem beliebigen italienischen Zombie-Film), und das reicht. Michelle Bauer hat an ihrer Rolle auch sichtlich Spaß (aber Spaß scheint die gute Michelle eigentlich immer zu haben, jedenfalls ist sie mir noch nie schlecht aufgelegt untergekommen), die restlichen Akteure agieren absolut zweckmäßig.

Da kann man eigentlich nur mit dem Fazit schließen, dass sich dringlich einer der üblichen Verdächtigen (CMV?) dazu durchringen sollte, The Tomb als DVD zu veröffentlichen. Das alte deutsche Videotape ist schon schwer genug zu finden und die gelegentliche TV-Ausstrahlung auf Kabel 1 macht den Sammler halt auch nicht glücklich (auch wenn´s schon irgendwie lustig ist, wenn dem Zuschauer in den Werbepausen der „DIE BESTEN FILME ALLER ZEITEN“-Spruch um die Ohren gehauen wird).

The Tomb erreicht, ganz einfach von Tempo und Ideenreichtum her, nicht das Niveau des zweifellos besten und unterhaltsamsten aller Ray-Filme Hollywood Chainsaw Hookers, aber dennoch macht der Film einen riesigen Humpen Spaß. Und das liegt in dem Fall daran, dass es Ray gelingt, einer eigentlich unergiebige Story, die bei weniger „fähigen“ Regisseuren zu einer ziemlich drögen Plotte geraten wäre, in Zusammenarbeit mit dem Co-Autor T.L. Lankford (der hier für „additional dialogue“ kreditiert wird, und ich WEISS einfach, dass auf sein Konto die guten Lines gehen) jede Menge stupid fun einzuimpfen. Und damit haben Ray und seine Kollaborateure auf jeden Fall schon gewonnen – sympathischer, ehrlicher Trash, der in keiner Sekunde vorgibt, etwas anderes zu sein.

(c) 2004 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 7

BIER-Skala: 7


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