Dark Relic – Sir Gregory, der Kreuzritter


  • Deutscher Titel: Dark Relic - Sir Gregory, der Kreuzritter
  • Original-Titel: Dark Relic
  • Alternative Titel: Soldier of God
  • Regie: Lorenzo Sena
  • Land: USA/Bulgarien
  • Jahr: 2010
  • Darsteller:

    James Frain (Sir Gregory), Clemency Burton-Hill (Rebecca), Tom Basden (Sir Robert), Ally Khan (Hassan), Marija Karan (Safa), Samuel West (Bruder George), Christian Cooke (Paul), Atanas Srebrev (Arthur)


Vorwort:

Jerusalem, 1099 n. Chr. Der erste Kreuzzug ist beendet, die Christenheit hat für den Moment gesiegt und die Heilige Stadt den muslimischen Griffeln entrissen. Sir Gregory, ein britischer Nobelmann, der sich dem Kreuzzug mit hundert Männern angeschlossen hatte, könnte eigentlich zufrieden sein, doch im allgemeinen Blutvergießen des Krieges ist ihm irgendwie der rechte Glaube abhanden gekommen, überdies auch der Großteil seiner Ritter. Seine einstige Streitmacht kann er jetzt mit zwei Händen abzählen. Sir Gregory ist also ordnungsgemäß desillusioniert und hat jetzt nur noch ein Ziel – eine Reliquie finden, die man dem Papst in Rom vors Knie nageln kann, und dann ab nach Hause. Der Plan könnte aufgehen, denn über einen windigen Mittelsmann findet Sir Gregory tatsächlich ein Stück des Kreuz Christi, und Greggys Haus-Pfaffe, der Mönch George, bescheinigt auch schnell die Echtheit des Artefakts. Vor lauter Begeisterung verlieren die Neu-Reliquien-Besitzer leider den gerade bezahlten Vermittler aus den Augen und verpassen so, dass der postwendend in einer hübsch geknüpften Schlinge hängt. Judas lässt grüßen.

Nichtsdesotrotz chartern die Briten ein Schiff, um nach Italien zu segeln. Das heilige Holz bringt aber ersichtlich kein Glück, denn kaum auf See, verwandelt sich das Trinkwasser in Salzsuppe und verfaulen die Lebensmittelvorräte. Es bleibt keine Zeit, sich darüber aufzuregen, denn schon bricht ein heftiger Gewittersturm los, der sehr selektiv ausschließlich die Mannschaft der Schaluppe über Bord spült und die Ritter, mit er nautischen Kunst eher nicht so vertraut, allein an Bord zurücklässt. Prompt erleidet der Kahn Schiffbruch an der nächstbesten Küste und verschwindet, gerade als die Ritter und ihre Kriegsbeute an Land gegangen sind, spurlos im Nebel.

Die Schiffbrüchigen haben sich gerade eben so sortiert, da dringt Kampfeslärm an ihr Ohr und als Ritter muss man natürlich eingreifen, wenn gemeine Wegelagerer einen Pilgertreck überfallen. Zu allgemeiner Überraschung kämpft das Kreuzritterpack auf einmal Seite an Seite mit einer Handvoll Sarazenen, die den Bedrängten ebenfalls zur Hilfe eilten. Nachdem die Banditen niedergestreckt und ein paar kleinere Missverständnisse ausgeräumt sind, hat sich die Reisegruppe um zwei Überlebende des Pilgerzuges und die drei Kampftürken verstärkt. Hassan, der Türkenchef, fühlt sich nämlich nach einer kleinen Lebensrettung durch Sir Gregory in einer Ehrenschuld, und die erstreckt sich freilich auch auf sein Weib, Kampfschote/Heilerin Safa, und den wortkargen Krieger Aleem. Rebecca, die weibliche überlebende Pilgerin, ist für eine solche 'ne ungewöhnliche Nummer, alldieweil Atheistin der „wenn-es-Gott-gibt-warum-lässt-er-solches-Leid-zu“-Schule, an der Sir Gregory, bekanntlich eh nicht mehr ganz so glaubensfest, durchaus Gefallen findet.

Das Nachtlager allerdings sorgt dafür, dass sich die Herrschaften wieder mehr um ihr Kreuz kümmern müssen, denn ETWAS greift an und tötet höchst effektiv und grauslig, in bester Predator-Manier, den ansonsten nicht weiter wichtigen anderen Pilger. Gregory und Hassan sind sich einig – böse Mächte wollen offensichtlich die heilige Reliquie zerstören (für den Muselmanen ist es nicht schwer, an die Heiligkeit des Objekts zu glauben, ist Jesus doch im Koran der zweithöchste Prophet nach Mohammed himself), was es zu verhindern gilt. Sir Robert, der zur Bewachung des Relikts abgestellte Ritter, zieht sich am Kreuz einen fiesen Spreißel ein und zieht sich eine Infektion zu. Das wird auch nicht gut ausgehen.

Nach einem Zwischenstopp auf einem Bauernhof, dessen Belegschaft unmittelbar nach Eintreffen der Kreuzritter von einem Heuschreckenschwarm skelettiert wird, fällt den Rittersleut' nix besseres ein, als die Reliquie auf Heiligem Boden zwischenzuparken. Hassan kennt zum Glück ein nahes Kloster, wo die Party, Muslime abgerechnet, auch Aufnahme findet. Auch der Abt identifiziert die Reliquie als motherfuckin' genuine piece of the cross, sogar das Stück mit dem INRI (charmanterweise eingenagelt). Nicht eingeplant war allerdings, dass sich die Mönche stantepete in Zombies verwandeln, die unsere Ritter fressen wollen. Nur Hassans beherztes Eingreifen rettet Gregory, Rebecca und dem Knappen Paul noch das Leben. Man kommt zum Schluss, dass die bisherige Theorie einen Denkfehler beinhaltet – nicht das Böse will die Reliquie vernichten, die Reliquie zieht das Böse an. Offenbar wäre es wohl das beste, das Ding dahin zurückzuschaffen, wo es herkommt, nach Jerusalem...

Inhalt:

Und noch ein Syfy-Movie-of-the-Week, wieder nominell eine Universal-Produktion und in der praktischen Umsetzung ein Werk von UFO und Phillip J. Roth. Kurioserweise kann der Streifen trotz der nahezu identischen Produktionsumstände und einem Großteil identischen Teams hinter der Kamera („Thor“-Regisseur Todor Chapkanov verdingt sich hier wieder als erster Regieassistent) als praktisch komplette Antithese zu „Thor: Der Hammer Gottes“ verstanden werden. War jenerwelcher ein Langweiler ersten Ranges, der mit seiner nordischen Mythologie nichts gewinnbringendes anzufangen wusste, ist „Dark Relic“ ein willkommenes Beispiel dafür, dass man auch mit Schmalhans-Budget aus einer halbwegs originellen Prämisse einen unterhaltsamen Film rauskloppen kann, so man will.

Screenwriter Andrew Briggs ist nun auch keine ganz große Nummer – in seiner Vita stehen mit „Rise of the Gargoyles“ , „Das Philadelphia Experiment Reactivated“ oder „Legendary Dragon 3D“ jetzt nicht gerade großartige Gemmen der Filmschreibkunst, aber was er sich für „Dark Relic“ aus dem Daumen gelutscht hat, ist so schlecht nicht. Obwohl bekanntlich bekennender Ungläubiger hab ich durchaus ein Faible für religiös angehauchte Genrefilme und „Dark Relic“ macht aus der Thematik der authentischen Reliquie, die auf irgendeine Weise mit dem Bösen an und für sich verbunden ist, mehr als nur einen bloßen Monsterfilm. Denn das wäre natürlich die einfachste Methode gewesen, einen anspruchslosen Syfy-Klopper hinzuholzen, den Kreuzrittern einfach irgendein dämonisches Monster auf den Hals zu hetzen, das sie bis zum Endfight dezimiert. Okay, wir haben ein dämonisches Monster, das unseren Kreuzrittern auf die Pelle rückt, aber es ist nicht der durchgängige Feind, denen sich die Helden ausgesetzt sehen – es taucht in Gregorys Visionen auf, es schlägt da und dort mal zu, hebt sich aber seinen großen Auftritt für den Schlussakt auf. Bis dahin fährt Briggs auch andere okkulte Ideen auf, vom übernatürlichen Sturm über biblische Plagen wie die Heuschrecken (und Brunnen, die nur noch Blut spenden), den Wahnsinn, den den vom Kreuz infizierten Sir Robert ergreift, und, last, but sure not least, die zu blutgierigen Zombies mutierenden Mönche des Klosters.

Dass sich unsere Helden also mit einem ganzen Reigen unterschiedlichster okkulter Bedrohungen auseinandersetzen muss, macht den Film, kritisch angemerkt, sicher ein wenig episodenhaft, hält aber andererseits das Tempo durchaus hoch, da wir praktisch im Viertelstundentakt mit neuen zu überwindenden Obstakeln konfrontiert werden und sorgt für Abwechslung – würde immer wieder das gleiche (äußerst mäßig animierte) CGI-Monster hervorgezogen, der Film würde sein Willkommen rasch überdauern.

Ich will jetzt kein unverhältnismäßig großes philosophisches Fass aufmachen – natürlich steht „Dark Relic“ nicht der Sinn nach einer tiefschürfenden Auseinandersetzung mit Glaubensthemen, aber wenn man der ewigen Konfrontation Batman und Joker existentielle Bedeutung zumisst, darf man auch bei diesem kleinen Schmuddelfilmchen mal hinkucken, wenn er eine These postuliert, wonach mehr oder minder die Existenz des Guten (hier: der heiligen Reliquie) das Böse überhaupt erst in die Welt bringt.
Zudem bringt uns „Dark Relic“ auch ein Rudel ziemlich interessanter Figuren, die schon deutlich über dem üblichen Schubladenpersonal solcher Filmware stehen: Sir Gregory als an sich und allem, wofür er gekämpft hat, Zweifelnder, der keinen gesteigerten Wert auf die versprochene päpstliche Absolution hat, solang er mit sich selbst und seinen Taten während des Kreuzzugs nicht im Reinen ist, und die Reliquie nur deswegen unbedingt nach Rom schaffen will, damit der ganze Kriegskokolores wenigstens *irgendeinen* Sinn hatte, und der naiverweise glaubt, jetzt, wo der Krieg vorbei sei, könnten Christen und Muslime wieder in Frieden miteinander leben, ist ein überraschend kantiger Protagonist für einen schlichten Abenteuerhorrorfilm, wie auch Rebecca als Atheistin in Zeiten der totalen kirchlichen Dominanz nicht gerade Charakterstangenware ist. Ja, Hassan und seine türkischen Freunde sind ein bisschen *zu* sehr die edlen ehrenvollen und vergebenden Kämpfer (weswegen sie, huch, SPOILER, auch sicherheitshalber nicht überleben dürfen), aber in Zeiten allgemeinen Muslim-Bashings und anti-islamischer Hetze tut es ganz gut, mal muslimische Figuren in einem B-Film zu sehen, die nicht heimtückische Terrormörder sind – die Botschaft von Toleranz, gegenseitiger Achtung und Respekt der Gemeinsamkeiten, nicht Herausstellung der Unterschiede, ist wichtiger denn je und ich nehme jedes Medium, das sie verbreitet.

Nun gilt es das ganze bisher Gesagte etwas zu relativieren – „Dark Relic“ ist letzten Endes trotzdem noch ein Film der „ein paar Gestalten latschen durch unwirtliche Landschaft und werden Stück um Stück niedergemacht“. Er ist in der Disziplin ein deutlich besserer Film als der sich als Referenz anbietende „Thor: Der Hammer Gottes“, aber doch halt immer noch ein billiger Syfy-TV-Heuler. D.h. production values sind eher mal nicht so vorhanden – immerhin reicht’s hier noch für’s Filmen in ein paar Ruinen, wie sie in Bulgarien vermutlich an jeder zweiten Ecke stehen, die Musik nervt mit ihren sphärischen Synthichören ebenso wie bei „Thor“, und die CGI-Effekte sind einmal mehr von der ziemlich erschütternden Sorte – zumal auch manches computeranimiert wird, was nicht unbedingt computeranimiert werden müsste (so werden ab und an Ruinen in den Hintergrund geshopped, an einer Stelle wird sogar die Rittergruppe CG-animiert und manchmal sieht’s tatsächlich so aus, als würden unsere Helden vor einer guten alten Fototapete amtieren). Aber Regisseur Lorenzo Sena, dessen einzigen Filmcredit „Dark Relic“ darstellt, treibt die Sache forsch voran, findet den richtigen Rhythmus zwischen Action, Gore (teilweise überraschend heftig) und Charakter-Stuff und qualifiziert sich eigentlich für weitere Aufgaben im DTV-/TVM-Bereich. Wie üblich in derlei Ware ist der Showdown eher ein letdown, aber Filme dieser Kragenweite haben halt nur selten die finanziellen Mittel und technische know-how, einen angemessen spektakulären Höhepunkt zum Finale zu setzen.
Auf Darstellerseite finden wir James Frain, der den zweifelszerfressenen Kreuzritter ganz gut hinbekommt. DC-Fans kennen ihn als zentrale Nemesis der zweiten „Gotham“-Staffel, Theo Galavan, außerdem ist er in „Orphan Black“, „True Detective“, „Star Trek: Discovery“ und „Tron: Legacy“ mit von der Partie. Clemency Burton-Hill ist eine brauchbare Rebecca – sie hätte vielleicht eine „große“ Charakterszene mehr gebraucht, um der Rolle etwas mehr dramaturgische Wucht zu verpassen, aber, ich wiederhole mich, wir reden von einem Syfy-Movie-of-the-Week, keinen Oscar-Contender. Sie ist u.a. in „Dungeons & Dragons: Die Macht der Elemente“ und der TV-Serie „Party Animals“ zu sehen. Bollywood-Akteur Ally Khan („Don 2“, „Everywhere and Nowhere“, „Oonga“) liefert als Hassan eine temperamentvolle Vorstellung hin, von Marija Karan („Assassination Games“, „The Rite – Das Ritual“) hätte ich gerne mehr gesehen (in jeder Beziehung, lechz). Als Mönch Peter bringt sich Samuel West („Van Helsing“, „Notting Hill“, „Wiedersehen in Howard’s End“, „Jonathan Strange & Mr Norrell“) in Erinnerung.
Die Blu-Ray von Universal/New KSM bringt das, was man erwarten kann – ordentliche Bild- und Tonqualität mit anständiger deutscher Synchro, als Extra nur Trailer und eine Bildergalerie.

Wer keine Syfy-Originals kuckt, braucht auch diesen nicht anzuschauen – man braucht schon eine gewisse Resistenz gegen karge Landschaften, ungewaschene Charaktere und wenig „eye candy“, um an einem typischen Horror-Creature-Feature aus diesem Hause Gefallen zu finden. Hat man aber ein gewisses Faible für einen launigen Monsterfilm, findet man hier einen, der etwas „deeper“ ist als seine Genre-Rivalen, etwas mehr Fleisch auf den Story- und Charakterknochen hat, und mal ein bisschen was anderes ist als die üblichen im Wochentakt versendeten Nullitäten. Daher slight thumbs up, fort hat what it is it’s rather good.

  • Wo ist Graham Chapman?

  • Where is your God now?


BOMBEN-Skala: 6

BIER-Skala: 6


mm
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