Cloverfield


  • Deutscher Titel: Cloverfield
  • Original-Titel: Cloverfield
  • Alternative Titel: 1-18-08
  • Regie: Matt Reeves
  • Land: USA
  • Jahr: 2008
  • Darsteller:

    Michael Stahl-David (Rob Hawkins), Jessica Lucas (Lily Ford), T.J. Miller (Hudson „Hud“ Platt), Lizzy Caplan (Marlena Diamond), Mike Vogel (Jason Hawkins), Odette Yustman (Beth McIntyre)


Vorwort:

Rob hat das große Los gezogen – der New Yorker Yuppie wird seinen neuen Job als Vizepräsident seiner Firma in Japan antreten. Seine Schwägerin in-spé Lily organisiert eine Abschiedsparty, die vom gemeinsamen Kumpel Hud (geködert mit der Aussicht, seinem Schwarm Marlena unauffällig auf die Pelle rücken zu können) video-dokumentiert wird. Die ausgelassene Stimmung kippt, als Beth, Robs Sandkastenfreundin, unerwarteterweise nebst Macker erscheint. Wie sich herausstellt, hatten Rob und Beth kürzlich Sex und Rob hat sich, völlig verunsichert von der Situation, nicht mehr bei ihr gemeldet. Es kommt zum Streit – Beth packt ihren Freund und verzieht sich, Rob bläst Trübsal. Noch während Bruder Jason und Hud versuchen, Rob wieder aufzuheitern, erschüttert eine Art Erdbeben Manhattan – eine gewaltige Explosion folgt und dann fliegt auch schon der Kopf der Freiheitsstatue durch die Straßen. Panik! Ist es ein neuer Terroranschlag? Eine Naturkatastrophe? Oder doch, wie der eifrig filmende Hud behauptet, einfach nur „gewaltig“ und „am Leben“?

Letzteres… ein Riesenmonster ist in N.Y. an Land gegangen und veranstaltet ordentlich Rampage. So geht die Brooklyn Bridge, über die Rob und seine Freunde sich evakuieren wollen, zu Bruch und Jason dabei hops. Rob, Lily, Hud und Marlena rettet nur der Zufall, dass Beth sich Sekunden zuvor über Handy gemeldet hat (und dadurch die Viererbande lange genug aufhält, um nicht mit der Brücke abzusaufen) – sie liegt eingeklemmt und verletzt in ihren Appartment. Rob beschließt, edler Held zu werden und Beth zu befreien – Polizei und Militär haben nämlich alle Hände anderweitig voll zu tun. Lily, Hud und Marlena schließen sich an. Das Quartett kämpft sich durch die Stadt, bedrängt nicht nur vom Chaos, das vom Monster veranstaltet wird, sondern auch von bissigen Monster-Parasiten, deren Bekanntschaft unerfreulich ist, und dem Militär…

Inhalt:

Als „Transformers“ in den USA ins Kino kam, wurden die Zuschauer von einem Teaser-Trailer überrascht, der nur aus Handheld-Kamerasicht den abgerissenen Kopf der Freiheitsstatue durch eine Straße rollen zeigte. Kein Filmtitel, keine Darstellernamen, kein Regisseur oder Produzent wurde genannt…

Als „Cloverfield“, interessanterweise letztlich unter dem mit dem Filminhalt nicht weiter in Verbindung stehenden Arbeitstitel veröffentlicht, begleitet bzw. vorbereitet von einer ausgeklügelten viral-marketing-Kampagne in die Kinos kam, hatte sich herausgestellt, dass es sich um das neue Projekt von „Lost“- und „Alias“-Erfinder (und „Star Trek“-Rebooter) J.J. Abrams und den ersten Versuch seit Emmerichs Godzilla 1998, einen „richtigen“ amerikanischen kaiju eiga, sprich Riesenmonster-Film auf die Beine zu stellen, handelte. Das moderate 25-Mio-Dollar-Budget wurde schon in der ersten Woche locker eingespielt – insgesamt sammelte „Cloverfield“ solide 80 Millionen Dollar in amerikanischen Lichtspieltheatern auf; kein Megahit, aber ein solider Moneymaker für Paramount.

Der – sicherlich hinlänglich bekannte – Clou an „Cloverfield“ ist nicht die (in der Promo verschleierte) Tatsache, dass es sich um einen kaiju, sondern um einen first-person-Perspektive-kaiju handelt, sozusagen quasi um das „Blair Witch Project“ unter den Monsterfilmen und, egal wie man zu diesen subjektive-Handkamera-Streichen stehen mag, für einen kaiju ist das ein frischer Ansatz und wohl die einzig wirklich Möglichkeit, sich kreativ vom üblichen, praktisch seit den 50er Jahren unverändert bestehenden Schema des Subgenres ansetzen. Anstatt Wissenschaftler, Militärs oder Journalisten – die üblichen Protagonisten von Monsterfilmen seit Hondas originalem „Godzilla“ selig – bedeutungsschwanger Unheilsszenarien rezitieren oder Monsterfiguren auf Landkarten umherschieben zu lassen, stellen Abrams, Drehbuchautor (und Joss-Whedon-Schüler) Drew Goddard und Regisseur Matt Reeves (Schreiberling von „Alarmstufe Rot“ und Autor/Regisseur der anstehenden US-Version „Let Me In“ des schwedischen Vampirdrama-Hits So finster die Nacht) diejenigen in den Mittelpunkt, deren Rolle im kaiju es üblicherweise ist, von Godzilla & Co. zertrampelt, atomisiert oder wenigstens mit Wolkenkratzern erschlagen zu werden, dem gemeinen unbescholtenen Durchschnittsbewohner des vom Monster attackierten Städtchens.

Ein ordentlicher Monsterfilm braucht von Haus aus keine sonderlich clevere Story, und wenn man dann noch zum first-person-Gimmick greift, ist man theoretisch von der Erbringung kreativer geistiger Leistung hinsichtlich einer konventionellen Geschichte mehr oder weniger erst recht befreit (derlei Filme leben, wie wir zuletzt im Review zu CAM festgestellt haben, primär von der „Mythologie“, dem Setting und den Charakteren denn von der Geschichte an sich). Um (knapp, ohne Abspann sind das gerade mal so ungefähr 78 Minuten) abendfüllend zu unterhalten, braucht „Cloverfield“ letztlich nicht mehr als einen plausiblen Grund für die Zusammenstellung der Gruppe (check: sie sind eh alle gemeinsam auf einer Party), einen semi-glaubhaften Grund für die permanente Filmerei (check: für Hud ist die Kamera mehr oder weniger ein Schutzschild, hinter dem er die Ereignisse besser verarbeiten kann) und einen über simples „am Leben bleiben“ knapp hinausgehenden Quest für die Gruppe (check: Rob will die – endlich eingestandene – Liebe seines Lebens retten; die anderen ziehen aus persönlichen Gründen mit – für Lily ist es der einzige Weg, Jasons – vermuteten – Tod zu verarbeiten, Marlena ist durch die Ereignisse so geschockt, dass sie sich einfach nur an Lily hängt, und Hud wiederum fühlt sich zu Marlena hingezogen). Das ist alles simpel, aber durchaus nachvollziehbar (sofern man nun mal die Grundprämisse eines marodierenden Monsters in Manhattan gefressen hat) und tragfähiges Konstrukt für ein notdürftiges, entlanghangelbares Handlungsgerippe, das den elementarsten dramaturgischen Notwendigkeiten genügt.

Zunächst werden die wesentlichen Protagonisten, ihre wechselseitigen Beziehungen und ihre Charaktere vorgestellt. Die Abschiedsparty für Rob ist hierfür ein gutes Werkzeug, speziell mit dem Kunstgriff, Hud „Testimonials“, also kurze Botschaften für Rob, aufnehmen zu lassen. In dieser Auftaktphase verbreitet der Streifen problemlos lockere Party-Atmosphäre, macht uns mit den diversen Marotten der zukünftigen Hauptfiguren bekannt (so erweist sich z.B. Hud als alte Tratschtante – kaum hat Lily ihm unter dem Siegel der Verschwiegenheit erklärt, dass Rob und Beth miteinander geschlafen haben und deswegen die Gemütslage zwischen den beiden gespannt ist, hat Hud nichts besseres zu tun, als dieses „Geheimnis“ sprichwörtlich jedem Partygast an die Backe zu klatschen, ob sie’s hören wollen oder nicht) und beschreibt die Verzahnungen zwischen den Figuren. Das ist sicherlich nicht die feinste erzählerische Expositions-Klinge, aber für einen Film dieser Machart, in dem „character stuff“, sobald die eigentliche Action einsetzt, bekanntlich nur stört, ist das das richtige Mittel – wie ich schon in diversen anderen Reviews zu first-person-Stuff geschrieben habe, ist es in diesem Subgenre besonders wichtig, dass wir als Zuschauer, der ja „mitten im Geschehen“ steckt, einen Bezug zu den Charakteren aufbauen können. Diese Phase dauert hier vielleicht 20 Minuten und ist damit genau richtig dosiert – sobald „Cloverfield“ richtig loslegt, wissen wir, wer die Figuren sind, wie sie ticken, warum sie agieren, wie sie agieren.

Die darauffolgende Phase ist unzweifelhaft die stärkste, effektivste des Films – die Minuten unmittelbar nach dem „Beben“ und der Explosion der Freiheitsstatue ist meisterhaft; die Verwirrung, die Panik, das Entsetzen, es ist realistisch, sicherlich auch, weil „Cloverfield“ hier in der Bildsprache – will man es „verwerflich“ nennen? Gibt sicher, speziell jenseits des Großen Wassers, einige, die das so sehen – ohne Gewissensbisse 9/11 zitiert: die sich durch die Straßenschluchten schiebenden Staubwolken, asche- und staubbedeckte Menschen, Verletzte in den Straßen, die totale Orientierungs- und Hilflosigkeit der Menschen, die nicht wissen, was da gerade über sie hereingebrochen ist, die versuchen, sich irgendwie und irgendwo in Sicherheit zu bringen. Das allein ist schon beunruhigend genug, aber – speziell, wenn man unvorbereitet an den Film herangehen würde, was mittlerweile nur mehr schwer möglich ist – Reeves toppt das mit den sekundenbruchteilskurzen Andeutungen, dass hinter den Staubwolken, Trümmern und Wolkenkratzerfassaden etwas Riesiges und Lebendiges sein Unwesen treibt. Das first-person-Konzept würde schon bei einem „herkömmlichen“ Katastrophenfilm m.E. ganz gut funktionieren, kombiniert mit der Monster-Suspense sind das genuin creepige Minuten.

Da der Film sich durch den zitierten „Quest“ rudimentär einem klassischen Narrative unterwirft, kann er dieses Niveau, realistischen „Terror“ und die unwirkliche, außerweltliche Bedrohung so gekonnt zu kombinieren, nicht ganz halten, aber auch in der Folge hat „Cloverfield“ starke Szenen (z.B. wenn Plünderer, die einen Elektroladen ausräumen, schockiert innehalten, als die ausgestellten Fernseher Luftaufnahmen aus Manhattan zeigen und den in Manhattan Verbliebenen klar machen, womit sie es wirklich zu tun haben; unsere Protagonisten einem Russen über den Weg laufen, der verzweifelt versucht, sich ihnen mitzuteilen, aber an der Sprachbarriere scheitert oder sie, sich in eine U-Bahn-Station geflüchtet habend, ihre Situation erstmals richtig kontemplieren können); nicht zufällig oft und gerne die „leisen“ Szenen und diejenigen, die nicht speziell damit zu tun haben, dass ein 100 Meter hohes Monster durch die Stadt tobt, sondern sich auch, um den Vergleich noch einmal zu ziehen, so oder ähnlich vermutlich vielfach am 11.9. abgespielt haben dürften.

Natürlich ist das nicht (ausschließlich) der Stoff, aus dem die Genre-Träume sind, und deswegen gibt’s auch noch genügend Monster-Rampage (der Prämisse geschuldet halt über weite Strecken nicht formatfüllend, sondern im Hintergrund) und, damit auch klassische Spannungs- und Actionszenen innerhalb des Quest-Szenarios stattfinden können, die zusätzliche Bedrohung durch die Monster-Parasiten, die unsere Helden auch in U-Bahn-Schächten an die Wäsche gehen und deren Biss man tunlichst vermeiden sollte (was programmgemäß natürlich nicht allen gelingt). Diese Passagen sind durchaus spannend und kommen auch aus der subjektiven Kameraperspektive gut rüber, aber das sind auf der anderen Seite eben auch wieder Sequenzen, die sich jetzt nicht wesentlich von umhertollenden Velociraptoren oder Mini-Godzillas unterscheiden und daher eben nicht diesen gewissen Aha-das-ist-mal-was-neues-Effekt haben, auch wenn sie aus first-person-Sicht geschossen werden.

Den Hintergrund des Monsters muss man sich erarbeiten – der Film selbst bietet nur minimalste Andeutungen von Erklärungen an (dafür aber, wie es in einem solchen Fall bei solchen Charakteren üblich ist, jede Menge Theorien von Regierungsverschwörung bis Aliens); die dazugehörige Viral-Kampagne, ein solides Dutzend hierfür aufgestellter Webseiten (inklusive MySpace-Pages für alle wesentlichen Hauptfiguren), das DVD/BR-Begleitmaterial und, sofern man des Japanischen mächtig ist, ein Prequel-Manga, erläutern Herkunft und unmittelbare Vergangenheit des Monsters (an dieser Stelle nur der Hinweis, dass die Amis den Japsen den schwarzen Peter, den sie üblicherweise für ihre Atombombenversuche und dadurch folgende Godzilla-Erweckung zugeschoben bekommen, mal weiterreichen, und die Behauptung, dass es sich bei dem liebevoll „Clover“ genannten Untier um ein „Baby“ handelt, das deswegen nicht inhärent böse ist, sondern nur ebenso verwirrt und orientierungslos wie seine Opfer. Die Mama möchte ich da gar nicht kennenlernen…).

Bevor ich mich aus der Drehbuch- und Strukturanalyse zurückziehe, möchte ich noch loswerden, dass mir das „framing device“ (das eigentlich kein solches ist, sondern nur „zufällig“ vor und nach der Monster-Footage abgespeichertes Videomaterial von Rob – dessen Kamera Hud bedient und versehentlich dessen Filme überspielt) ausgezeichnet gefällt (und auch in der Fassung, für die sich Reeves schlussendlich entschied – die beiden Alternativenden haben zwar auch ihre Vorzüge, aber die berührendste und auch stimmigste „coda“, wie Reeves selbst sich ausdrückt, ist die, die letztlich für den Film gewählt wurde).

Optisch ist „Cloverfield“ für einen first-person-Film, die ja bekanntlich immer ein wenig hektisch und auf großen Leinwänden übelkeitsförderlich sein können, auf der heimischen Glotze gut verträglich. Reeves überfordert den Zuschauer nicht durch unterschiedliche Perspektiven – es wird nicht von einer „Kamera“ auf die nächste geschnitten, sondern sozusagen „uncut“ nur das gezeigt, was (überwiegend) von Hud gefilmt wird. Die unterschiedliche Bildsprache, von der z.B. „Blair Witch Project“ lebte, ist hier nicht von Nöten, da die „Bedrohung“ in „Cloverfield“ nicht im Okkulten/Übersinnlichen liegt, sondern in Fleisch und Blut (bzw. CGI und Pixeln) vor unseren Protagonisten steht. Das Bild, geschossen von einer sogenannten „Prosumer“-Kamera (also keinem handelsüblichen Camcorder, den sich jedermann für 299 Euro aus’m Aldi holen kann, sondern einem Gerät für höhere, durchaus professionelle Ansprüche), ist, um einen richtigen dokumentarisch-authentischen Ansatz zu bieten, zu glatt, zu poliert – eine Konzession daran, dass ein Majorstudio wie Paramount „Cloverfield“ nicht als „Überraschungshit“ (wie BWP oder „Paranormal Acticity“), sondern schon als kalkulierten Blockbuster in die Kinos bringen wollte und in dem Fall schon, soweit möglich, die Sehgewohnheiten des Mainstreampublikums zumindest ins Blickfeld genommen werden müssen; d.h. trotz der handheld-Zooms und -Schwenks ist das Bild klar und scharf, die Kameraführung von Michael Bonvillain („Zombieland“, „From Dusk Till Dawn 3“, „Sniper 3“) muss einen Kompromiss zwischen der Spontanität des „Amateurfilmers“ und der durchdachten, gewollten Bildkomposition des Profis finden und schafft dies überwiegend gut (im letzten Akt sind Bonvillain und Reeves vielleicht etwas zu sehr darauf bedacht, dem Publikum jetzt doch deutliche, großformatige Shots des Monsters zu präsentieren – was sicherlich auch verständlich ist). Das Tempo des Films ist, nach der Vorstellungsphase zu Beginn, bei einer gerade mal sieben Stunden währenden Handlung, hoch, aber Reeves nimmt sich immer wieder mal die Zeit für eine kurze Besinnungsphase – nicht das, was ich oben despektierlich „character stuff“ genannt habe, also aufgesetzte Liebesgeschichten, belanglose Subplots o.ä., sondern sich schlüssig aus den jeweiligen Situationen entwickelnde emotionale Atempausen.

Einen Score gibt es nicht – lediglich während der Party spielen diverse Popsongs (die eben auf der Party laufen) und im Nachspann setzt nach anderthalb Minuten ein symphonisches Theme ein.

Die CGI-Effekte aus der Werkstatt von Phil Tippett („Starship Troopers“) sind ausgezeichnet und speziell ob des knappen Budgets bemerkenswert (wenn man bedenkt, wie schwach dagegen die FX des dreimal so teuren koreanischen Dragon Wars waren…) „physisch“. Das Monsterdesign selbst ist gewöhnungsbedürftig, aber es war die erklärte Absicht der Filmemacher, hier etwas eigenständiges zu schaffen. Selbst für den ein oder anderen kleinen (oder im Hintergrund versteckten) PG-13-tauglichen-Gore-Effekt ist Zeit und Raum (lustig übrigens, dass das PG-13-Rating dafür sorgt, dass trotz aller veranstalteten carnage niemand ein böseres Wort als „shit“ sagt, und das auch bestenfalls drei- oder viermal).

Wie üblich im first-person-Genre setzt sich das Ensemble nicht gerade aus der A-Liste Hollywoods zusammen; es ist ja die Krux, dass die Figuren in diesem Genre eben „normale“ Leute wie du und ich (naja, eher wie ich, hähä) sein sollen und wenn man in jeder Sekunde „das ist der aus dem-und-dem-Film“ denkt, lenkt das vom gewünschten Ziel natürlich ab. Reeves und Abrams entschieden sich auch hier für eine Art Kompromiss – ihre Darsteller sind erfahren, aber eben keine „leading men“ bzw. „women“. Mike Vogel („The Texas Chainsaw Massacre 2003“, „Poseidon“) ist nominell der größte Star, aber auch derjenige, der als erste Hauptfigur aus dem Spiel genommen wird (da denkt man natürlich mal kurz an „Psycho“ und Janet Leigh), aber selbst er ist nun nicht jemand, den man auf Anhieb identifizieren könnte.
Michael Stahl-David („The Black Donellys“) ist als Yuppie, der plötzlich in der Stunde höchster Not erkennt, was ihm WIRKLICH wichtig ist, überzeugend, Jessica Lucas („90210“, „Melrose Place“, jeweils Neuauflage) und Lizzy Caplan („Tru Calling“, „True Blood“) schlagen sich auch wacker, T.J. Miller („Carpoolers“) muss hauptsächlich durch voice-acting überzeugen, da er die meiste Zeit hinter der Kamera steht. Insgesamt ein gut aufeinander abgestimmtes, blendend harmonierendes Ensemble, das die Aufgabe, quasi „Friends“ unter Gefechtsbedingungen zu spielen, durchaus zu meistern im Stande ist.

Bildqualität: Die BluRay aus dem Hause Paramount ist bildtechnisch ausgezeichnet. Der anamorphe 1.78:1-Transfer lässt keine Wünsche offen (außer eben, dass das Bild „zu perfekt“ aussieht und man sich einreden muss, das Militär, aus dessen „Fundus“ das Band angeblich stammt, hätte es mit allen denkbaren technischen Kniffen nachbearbeitet). Alles, was nicht perfekt aussieht (Nachzieher bei raschen Schwenks z.B.) liegt eben an der single-handheld-Kamera-Technik, die nun mal das Herzstück des Films ist.

Tonqualität: Ich habe mich nur um den englischen O-Ton gekümmert (authentic feeling, wenn schon, denn schon). Dieser Audiotrack ist ebenfalls ausgezeichnet, wahnsinnig differenziert, ungeheuer gefühlvoll in den leisen Szenen und mit ordentlich Druck, Power und LAUTSTÄRKE, wenn die Action losbricht. Diverse Untertitelspuren werden ebenso mitgeliefert wie natürlich eine deutsche Synchronfassung.

Extras: Neben Audiokommentar, deleted scenes und alternativen Enden gibt’s selbstverständlich diverse Featuretten wie Making-of, FX und Monsterdesign sowie als juxigen Gimmick einen „enhanced viewing mode“, in dem das Filmgeschehen in ein Fenster verlagert wird und man nebenher die Militärkommunikation (die diverse Hinweise über die Backstory des Monsters beinhaltet), GPS-Tracker und ein „Monster-Radar“ verfolgen kann. Lustig für Ober-Geeks, aber ein wenig anstrengend. Dennoch: gutes Package.

Fazit: Na, sieh mal einer guck, wer hätte gedacht, dass es nach dem Emmerich-„Godzilla“-Debakel (das übrigens ja kommerziell kein Bauchklatscher war) doch Hollywood ist, das dem kaiju-eiga-Genre einen durchaus fälligen Tritt in den Allerwertesten verpasst. „Cloverfield“ ist möglicherweise der beste ernsthafte Monsterfilm, d.h. ein kaiju-Spektakel, das nicht auf Fun, lustiges Monsterbalgen und eher jugendliches Publikum zugeschnitten ist, sondern tatsächlich als spannender Horrorfilm funktioniert, seit dem originalen 54er-„Godzilla“; und nebenher ist der Streifen sogar ziemlich wahrscheinlich der beste first-person-perspective/Documentary-Style-Film inklusive „Blair Witch Project“, „Open Water“ & Konsorten, da hier nicht nur das Gimmick regiert (obwohl es blendend eingesetzt wird), sondern „Cloverfield“ auch als *Film* funktioniert. Die 10-15 Minuten unmittelbar nach Einsetzen der „Monsterhandlung“ sind sogar Weltklasse, der Rest sollte aber für jeden giant-monster-movie-Fan, der sich derlei Filmware nicht aus Trash-und-Fun-Gesichtspunkten ansieht, ein Freudenfest sein. Thumbs way up!

  • Der neue Städtebaubeauftragte New Yorks in Aktion.

  • Das ist jedenfalls mal kein Monster.

  • So sieht der "Special Investigation Mode" der BluRay aus.

  • I'm leavin' on a Chopper... don't know if I'll go hops now...

  • Hinter solchen Vorhängen trägt sich selten Angenehmes zu.


mm
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