Christmas Wedding Planner


  • Deutscher Titel: Christmas Wedding Planner
  • Original-Titel: Christmas Wedding Planner
  •  
  • Regie: Justin G. Dyck
  • Land: Kanada
  • Jahr: 2017
  • Darsteller:

    Jocelyn Hudon (Kelsey), Stephen Huszar (Connor), Kelly Rutherford (Tante Olivia), Rebecca Dalton (Emily), Eric Hicks (Todd), Joey Fatone (George), Celeste Desjardins (Michelle), Ted Atherton (Tim), Severn Thompson (Linda), Melinda Shankar (Jealous), Gabrielle Graham (Clumsy), Samantha Helt (Bitter), Taylor David (Sharl), Meghan Heffern (Marianne) u.a.


Vorwort:

Oh, du schöne Weihnachtszeit! Rechtzeitig zum Feste wird Badmovies.de besinnlich und präsentiert der werten Leserschaft was fürs Herz. Das ist nach den vergangenen beiden Scheißjahren 2020 und 2021 auch dringend nötig: Corona hat uns alle immer noch fest im Griff. „Kontaktbeschränkungen“ ist nach wie vor gleichzeitig eines der Wörter und eines der Unwörter des Jahres. Deshalb stellt sich auch diesmal wieder die Frage, ob man für die Feiertage nach Hause zur Familie fahren möchte oder sich doch lieber bei einem gemütlichen Punsch in die eigenen vier Wände zurückzieht und den nächstbesten Weihnachtsfilm einwirft. Letzteres dürfte nicht weiter schwerfallen bei all den Streaming-Diensten, die seit einiger Zeit regelrecht aus dem Boden sprießen wie Unkraut. Ähnlich wie ich dem Song „Last Christmas“ wie in jedem Jahr diesmal nicht entkommen konnte, war es mir nicht möglich, das geballte Programm zu ignorieren, das da auf die Menschheit losgelassen wurde. So schaute ich gleich ein ganzes Bündel dieser Filme – und einer davon war „Christmas Wedding Planner“.

Vielleicht kennen die Älteren unter uns noch „Wedding Planner – Verliebt, verlobt, verplant“ mit Jennifer Lopez und Matthew McConaughey, der trotz eher mäßiger Kritiken weltweit fast 100 Millionen Dollar einspielte und zumindest die Freunde seichter RomCom-Unterhaltung zufriedengestellt haben dürfte, die sich nicht mehr wünschen, als bis zu zwei Stunden in einer Plastikwelt mit schönen Menschen zu versinken, die mit der Realität nicht mehr viel gemein hat. In die gleiche Kerbe schlägt da erwartungsgemäß auch „Christmas Wedding Planner“, der eine solche Hochzeitsplanung ins Zentrum der Geschichte stellt und dabei halt mit dem Weihnachts-Gimmick punkten will. Produzenten solcher Filme wissen genau: Lassen sich die Zuschauer nicht gerade im Dezember noch mehr gefallen als in den restlichen Monaten des Jahres? Liebe und Romantik, Harmonie und Freude – es kann gar nicht dick genug aufgetragen werden. Mehr, noch mehr und noch viel, viel mehr. Ob „Tatsächlich… Liebe“, „Liebe braucht keine Ferien“ oder „Die Familie Stone“ – die Romanzen-Bäckerei läuft auf vollen Touren, und der Zucker schießt aus allen Körperöffnungen, wenn er nicht vorher alle Arterien verklebt. Man lässt halt alles über sich ergehen.

Unser heutiges Produkt spielt allerdings in einer etwas kleineren Preisklasse als die soeben genannten Filme. Es wurde auch nicht fürs Kino aufbereitet, sondern 2017 im kanadischen Fernsehen versendet. Damit verschwand er allerdings nicht in der Versenkung, sondern es schlug die Stunde von Netflix, das den Film mit offenen Armen in sein eigenes Weihnachtsfilmangebot aufnahm, damit passend zu dieser Jahreszeit genug weihnachtliche Stimmung verbreitet werden kann. Nun, wir alle wissen, dass mitunter auch das Motto „klein, aber oho“ gilt – warum also nicht hier? Ich setze mein vorfreudigstes Lächeln auf, versinke glückselig in der Couch und freue mich völlig unbelastet auf die große Ladung Weihnachtsgefühle… 🙂

Inhalt:

Was darf in einem guten Weihnachtsfilm nicht fehlen? „Last Christmas“? Untersteht euch! Jeder Film ohne „Last Christmas“ ist ein besserer Film. „Christmas Wedding Planner“ verzichtet klugerweise auch darauf. Dafür gibt es eine aufgepeppte „Jingle Bells“-Version. Und Schnee. Viel Schnee. Schnee auf Tannenzweigen. So schön. Ich amüsiere mich über die eingeblendete Schrifttafel: „Brain Power Studios Presents“. Ich weiß ja nicht, wie viel Hirnschmalz man von einem Produktionsstudio erwarten darf, das folgende Titel im Angebot hat: „A Puppy for Christmas“, „Operation Christmas List“, „48 Christmas Wishes“, „A Very Country Christmas“, „Christmas with a View“, „Christmas with a Prince“, „A Christmas Village“, „Christmas Catch“, „Christmas with a Prince: Becoming Royal“, „Christmas in Paris“, „A Christmas Recipe for Romance“, „Snowbound for Christmas“, „A Very Country Christmas: Homecoming“, „Dashing Home for Christmas“, „Christmas in the Rockies“, „A Christmas Exchange“, „Christmas in the Wilds“, „Christmas with a Prince: The Royal Baby“, „Christmas on 5th Avenue“, „A Christmas Dance Reunion“… Laut IMDb hat das Studio 107 Produktionen im Angebot, und die meisten Gedanken müssen bei den Produzenten vermutlich alljährlich darauf verwendet werden, sich einen Titel auszudenken, der NICHT das Wort „Christmas“ enthält.

Die nächste Warnung folgt gleich auf dem Fuße: „based on a Harlequin novel, ‚Once Upon a Wedding‘ by Stacy Connelly.“ Die sich auf ihrer sehr veralteten Website selbst als „Romance Author“ bezeichnende Connelly hat auch noch folgende Romane geschrieben: „How to Be a Blissful Bride“, „The Best Man Takes a Bride“, „Romancing the Rancher“, „Small-Town Cinderella“ und „Darcy and the Single Dad“. Und wer sich unter einer „Harlequin Novel“ nichts vorstellen kann, dem sei gesagt, dass es sich bei Harlequin um einen Herausgeber von Frauenliteratur handelt, der 1949 in Kanada gegründet wurde. Dabei sind bis heute unzählige Werke erschienen. Ich schaue in ein beliebiges Jahr: Allein 2002 kamen fast 50 Romane heraus, beginnend mit „The Millionaire’s Daughter“, fortgeführt u.a. mit „The Bridesmaid’s Secret“ und beendet mit „The Fortunes of Francesca“. Wenn man mich fragt, könnten das genauso gut Pornotitel sein, aber ich bin ja auch Laie in diesem Genre. Und ich will und darf mich vorab auch gar nicht beschweren: Ich wusste ja schließlich, was hier auf mich zukommen könnte.

Nachdem wir also diese wesentlichen Informationen und auch ein paar Castangaben von Menschen verdaut haben, die keine Sau und erst recht kein Schwein kennt, setzt der Voice-over unserer Titel- und Hauptfigur der kommenden 85 Minuten ein: „In meiner Branche geht es um die Liebe, genauer gesagt: um die Heirat. Zu mir kommen glückliche Paare mit leuchtenden Augen und voller Enthusiasmus. Heiraten ist nicht das Happy End, sondern der Anfang für den Rest des Lebens. Und als Hochzeitsplanerin habe ich die wunderbare Aufgabe, diesen Anfang zu zweit so zauberhaft und so stilvoll wie möglich zu gestalten. Mein erster Job ist ausgerechnet, die Hochzeit meiner Cousine Emily an Heiligabend zu planen, und das ist für mich ein echter Stressfaktor.“ Schon der erste Wortbeitrag unserer Erzählerin zeigt an, womit wir hier und heute rechnen müssen: mit jeder Menge Kalendersprüchen („Heiraten ist nicht das Happy End, sondern der Anfang für den Rest des Lebens.“) und wirren Gedankengängen entweder der Vorlagenschreiberin Stacy Connelly oder des Drehbuchautoren Keith Cooper. Noch in Satz 2 sagt die Erzählerin: „Zu mir kommen glückliche Paare mit leuchtenden Augen und voller Enthusiasmus.“ Und in Satz 5 folgt: „Mein erster Job ist ausgerechnet, die Hochzeit meiner Cousine Emily an Heiligabend zu planen.“ Ja, wie denn nun? Erst redet sie von glücklichen Paaren, die zu ihr kommen, und kurz darauf gibt sie plötzlich zu, die Hochzeit ihrer Cousine sei ihr erster Job. Das geht ja gut los.

Weil dieser Film aber nicht nur eine Romanze sein möchte, sondern eine klassische RomCom im Hollywood-Stil, kommentiert der Voice-over der Erzählerin das aktuelle Geschehen immer wieder herrlich schwungvoll und ironisch. Wir starten in einem Coffeeshop. Als eine Blondine in Zeitlupe mit Kaffeebecher in der Hand vom Tresen wegspaziert, sagt die Erzählerin: „Oh, die, die bin ich nicht.“ Die Blondine stößt mit einer unachtsamen brünetten Frau zusammen. „Die bin ich“, kommentiert die Erzählerin. Wir lachen herzhaft. Die brünette Frau entschuldigt sich bei der Blondine für ihren Fauxpas, aber die macht sich merklich genervt aus dem Staub. Gestatten – unsere chaotische Erzählerin heißt Kelsey und wäre furchtbar gern Sandra Bullock, scheitert an dieser schier unüberwindbaren Hürde allerdings frühzeitig. „Und das war der Anfang der verrücktesten Hochzeitsplanung aller Zeiten“, verspricht ihr Voice-over uns vollmundig Dinge, die unsere Titelfigur nie und nimmer wird einhalten können. Eine Frage habe ich: Warum WAR das der Anfang? Es IST der Anfang. Oben hat sie jedenfalls noch im Präsens zu uns gesprochen.

Damit nicht genug, dass uns ein Voice-over von Minute 1 an vollschwallert, als stünde ab morgen das Reden unter Todesstrafe, kommen wir auch schon zum nächsten nervtötenden Gimmick dieses Films: die eingeblendete Handy-Textnachricht. Offenbar will sich der Film auf der Höhe der Technik präsentieren und meint, es wäre von Vorteil, Kelsey ihre Nachrichten nicht nur voice-overn zu lassen, sondern auch groß neben ihr einzublenden. Ihre Tante Olivia meldet sich zu Wort: „Du bist spät.“ Kelsey schreibt zurück: „Nur ein paar kleine Pannen. Erklär’ ich später.“ Olivia: „Auch als deine Familie erwarten wir deine volle Hingabe für diese Hochzeit.“ Schon kapiert: Tante Olivia ist die Schreckschraube unseres Stücks.

Nach ein paar weiteren Sätzen voller Rechtfertigungen für ihre Verspätung stößt Kelsey mit unserer männlichen Hauptfigur zusammen, mit der sie am Ende eine Partnerschaft eingehen wird. Das ist schon jetzt so sicher wie das Amen in der Kirche. Ist Kelsey schon keine Sandra-Bullock-Figur, so ist der Typ erst recht kein Hugh Grant, ja noch nicht mal ein Craig Sheffer, mit dem die Bullock ja in „Fire on the Amazon“ ihre ihr heute sehr peinliche erste (und so ziemlich einzige) Nacktszene drehen durfte. Ehrlich gesagt erinnert er mich sofort unangenehm an einen dieser grobschlächtigen Pornodarsteller, die mit ihren Partnerinnen erst steifen (hihi) Smalltalk halten müssen, um der sich anschließenden 30- bis 40-minütigen Vögelei wenigstens einen groben Rahmen zu geben. Das mag nicht ganz fair sein, aber Stephen Huszar wird bis zum Ende auch nichts dafür tun, mich davon zu überzeugen, KEIN gelernter Pornodarsteller zu sein.

Kelsey entschuldigt sich auch bei diesem Typen für ihre Tollpatschigkeit. Als Gegenleistung lässt sie ihn vor, obwohl sie eigentlich als Nächstes dran wäre, um eine Bestellung beim netten männlichen Angestellten aufzunehmen, der jeden Kunden mit einem überfröhlichen „Willkommen bei Cheery Beans, wo Sie unser Kaffee zum Lächeln bringt…“ begrüßt. Normalerweise würde er dafür mindestens einen missbilligenden „Halt deine dämliche Fresse“-Blick ernten, aber hier ist er nur einer der vielen als charmant und ganz und gar nicht durchgeknallt gedachten Charaktere, die wir noch kennenlernen werden. Porno-Typ bestellt daraufhin gleich zwölf Kaffee mit Milch, zwölf Muffins und einen Blaubeerkuchen. Mann, ist das viel! Das kann er doch gar nicht allein essen und trinken!

In der Zwischenzeit klingelt Kelseys Handy. Die Besitzerin nimmt ab, und als Beispiel für den filmtechnischen Einfallsreichtum wird das Telefonat als Split Screen dargestellt. Die Anrufende ist ihre Cousine Emily, die sich von ihrer Hochzeitsplanerin eine Schneeflockeneisskulptur und silbernes Eis wünscht. Da meldet sich mit einem weiteren Anruf der Besen, Tante Olivia, in einem dritten Split Screen, die – weil das lustig ist – Emilys Wünsche im Nebenzimmer mitgehört hat und die Schneeflockeneisskulptur gefälligst gecancelt sehen will. Kelsey will alles dafür tun, um beide Wünsche unter einen Hut zu bekommen (ich schätze, das wird nicht mehr klappen). Porno-Typ trägt die große Bestellung weg, die sich jetzt allerdings nur auf zwölf Papp-Kaffeebecher zu beschränken scheint, wenn ich mir ansehe, was er da wegträgt, aber gut, Kontinuität ist Schall und Rauch, wenn wir dafür den einen oder anderen prickelnden Dialog mehr erhalten.

Es ist aber allgemein nicht Kelseys Tag: Porno-Typ hat ihr als Kavalier alter Schule den letzten Blaubeerkuchen vor der Nase weggeschnappt. Das führt zu meinem Entsetzen zu einem elendig schlechten Running Gag, bei dem Kelsey forschen Schrittes losmarschiert und ihre Entschlossenheit mit einem sich selbst anspornenden „Ich bin eine furiose Kämpferin“ ausdrückt, während die Tonspur eine Tango-Melodie spielt. Es sind gerade vier Minuten um, und ich beginne bereits, den Film und seine Figuren nicht leiden zu können. Das hat ja lange mit der Besinnlichkeit gehalten. Dabei war ich so vorfreudig.

Kelsey geht auf Porno-Typ zu und versucht verzweifelt, dem sympathischen Charmeur… äh… ich meine, groben Holzklotz… den Blaubeerkuchen abzukaufen. Sie bietet erst das Doppelte, dann das Dreifache, aber weil Porno-Typ nicht darauf eingehen möchte, ist sie sogar bereit, ihm zusätzlich zu den sieben Dollar eine Gutscheinkarte zu überlassen. Porno-Typ springt jedoch auch darauf nicht an und lässt sie stehen. Weil der Szene aber noch eine gute Pointe fehlt, steht plötzlich der überfröhliche männliche Angestellte mit dem kecken „Cheery Beans“-Spruch auf den Lippen vor ihr und strahlt sie an: Als Alternative für den Blaubeerkuchen hätte er noch einen Kuchen ohne alles und separat dazu Blaubeeren vom Mittagessen im Angebot. Puh, das wird ein hartes Stück Arbeit, dieser Film. Das sehe ich doch jetzt schon.

Vor einem Haus sehen wir Kelsey etwas in ihr Handy tippen. Der Adressat bleibt aus Gründen späterer überraschender (jaja) Enthüllung noch verborgen, aber der Text leider nicht: „Ich bin kurz davor, mir das Geschäft zu vermasseln, noch bevor es richtig losgeht. Schritt eins: Komm zu spät zur Verlobungsparty, die du selbst organisiert hast. Schritt zwei: Feilsche nicht um einen Blaubeerkuchen, wenn du dabei zu einem Arschkriecher wirst. Schritt drei: Scheitere kläglich, kauf dir Katzen und verbring den Rest deines Lebens mit Teleshopping bis tief in die Nacht. Ha, wird schon schiefgehen. Hab dich sehr lieb.“ Ja, es ist leider einer dieser Filme, die die Gefühlswelt der Hauptfigur nicht allein durch Gestik und Mimik ausdrücken wollen, sondern auch gleich noch unterstützend durch Textnachrichten – wohl aus Angst, dass es sonst nicht offensichtlich genug für das doofe Publikum ist. Übrigens ist es – zumindest in diesem Fall – von Vorteil, auf die deutsche Synchronisation zurückzugreifen, weil sie verbal (wenn schon nicht schriftlich, denn da steht der Text natürlich im englischen Original) eines der schlimmsten Wortspiele übergeht, die „Christmas Wedding Planner“ zu bieten hat: Im Deutschen heißt es bei Kelsey „Hab dich sehr lieb“, im Original aber – „love you muchly“. Yuck.

Man darf Kelsey frühzeitig unterstellen, ihren Job nicht vernünftig zu machen, denn wenn sie schon zu spät zur Verlobungsparty kommt, schreibt man doch nicht erst noch ellenlange Textnachrichten. Dumme Pute. Ihre Cousine nimmt ihr es allerdings nicht weiter krumm und begrüßt sie überschwänglich. Anstatt dass wir uns ein eigenes Bild von der angehenden Braut machen können, nimmt Kelseys Voice-over alles vorweg: „Die süßeste Frau auf diesem Planeten und eine Person, die ich gern zur Schwester hätte, atemberaubend reich und strotzend vor Güte.“ Tante Olivia wiederum kann sich einen weiteren Spruch über die Verspätung nicht verkneifen, und Kelseys Voice-over erklärt, was das für eine Person ist: „Der Inbegriff von Reichtum und Macht und eine Person, die ich mir gerne zum Vorbild nehme.“ Äh, sorry, wenn ich mich einmische: Du wirst ja wohl hoffentlich bessere Vorbilder finden. Aber gut, dass Kelsey beide vorgestellt hat. Wir wären sonst hoffnungslos überfordert gewesen, nachdem sie doch immerhin schon vor drei Minuten in der Split-Screen-Szene ihren ersten Auftritt hatten. Der Film wählt eine etwas verquaste Erzählstruktur.

Kelsey berichtet Olivia stolz, dass sie für die nächsten Tage gut vorbereitet ist: Kleideranprobe, Kuchengeschenke, Junggesellinenabschied, Catering – alles bereits organisiert. Olivia wirft ein, dass sie an eine Sache nicht gedacht hat: den Blaubeerkuchen. „Oh, der Wind dreht sich“, ergänzt Kelseys Voice-over, obwohl sich kein Wind dreht. Zu ihrem Glück hat nämlich jemand anderes den gewünschten Kuchen mitgebracht. Kelsey ist für wenige Augenblicke verwirrt, wer denn der gute Samariter gewesen sein könnte, aber wir wissen es natürlich, noch bevor Kelsey Porno-Typ auf der Party entdeckt (stellt sich nur die Frage, was er dann mit zwölf Pappbechern Kaffee wollte – vermutlich einfach Kelsey ärgern, weil das doch so charmant ist). Sie geht schnurstracks auf ihn zu und tauscht Screwball-Dialoge aus, wie sie Katherine Hepburn und Cary Grant in „Leoparden küsst man nicht“ nicht schöner hätten sprechen können:

Sie: Wie war der Kuchen?
Er: Oh, äh, der war nicht für mich. (deutet auf Olivia) Ihr Lieblingskuchen.
Sie: Das haben Sie zufällig erraten?
Er: Nein, ich hab’ nachgeforscht. Das ist mein Job, Kelsey.
Sie: Sie wussten also, wer ich bin?
Er: Nicht mit Sicherheit. Ich hatte Fotos gesehen. Sehr alte Fotos.
Sie: Wie, sagten Sie, war Ihr Name?
Er: Sagte ich das?

Äh, Moment. Die Gegenfrage „Sagte ich das?“ auf die Frage „Wie, sagten Sie, war Ihr Name?“ ist doch sinnlos. Mein Dank geht an die Synchronisation, die „I didn’t say it“ lieber etwas freier und nicht mit „Ich habe ihn doch gar nicht gesagt“ übersetzt hat. Nur Meister am Werk. Was ich ähnlich schlimm finde: Kelsey spielt die schnippische Zicke, Porno-Typ den süffisant-überheblichen Macho. Sprühen da nicht die Funken? Wollen wir nicht, dass die beiden sich kriegen? Ach, leckt mich doch…

Dieses „lustvolle“ Geplänkel wird abrupt von Emily unterbrochen.

Sie: Oh hallo!
Er: Hi Emily! Du siehst bezaubernd aus.
Sie: Oh bitte! Ich hätte fast schon vergessen, was heute für ein Tag ist. (zu Kelsey) Ihr kennt euch bereits?
Er: Ja, seit heute Morgen im Coffeeshop.
Sie: Oh.
Er: Sie hatte sieben Dollar.

Ich kann es natürlich nicht mit Bestimmtheit sagen, aber ich glaube, das ist wirklich das, was Drehbuchautor Keith Cooper unter witziger Schlagfertigkeit versteht. Dafür fehlt es allerdings zum einen am Witz und zum anderen an Schauspielern, die vielleicht noch etwas aus den fehlzündenden Pointen machen könnten. Übrigens ist aus dem Nichtleidenkönnen von Porno-Typ bereits ein zartes Pflänzchen von Hass geworden: Es ist grausam mitanzusehen, wie er sich von Minute eins an in seiner Selbstgefälligkeit suhlt, für die bei solch lahmen Sprüchen nun garantiert kein Anlass besteht.

Um nur einmal klarzustellen, wie überflüssig hier die schablonenhaften Figuren eigentlich sind, die nach und nach in die Story geworfen werden – nun kommt eine Marianne ins Spiel, beruflich Chefredakteurin von hochzeitdestages.com. Noch vor wenigen Minuten wurde sie von Olivia als ganz wichtig dargestellt und als eine Person, der man sich unbedingt gut präsentieren müsse. Marianne befragt Kelsey auf ziemlich arrogante Weise zur anstehenden Hochzeit, die antwortet mit zwei, drei knappen zufriedenstellenden Sätzen – und danach verschwindet Marianne (bis auf eine kleine weitere Szene) sang- und klanglos aus der Geschichte. Die Wichtigkeit jener Marianne wird also lediglich behauptet. Fraglich, wieso sie überhaupt vorkommt. Da hätte man doch lieber noch mehr vom prickelnden Schlagabtausch zwischen den Hauptfiguren einarbeiten können. Obwohl – lieber auch das nicht.

Dann klärt Olivia Kelsey in einer ruhigen Minute über Porno-Typ auf, vor dem diese sich gefälligst hüten müsse, denn er könnte Emily die Hochzeit ruinieren, Kelseys Firma zerstören und auch noch scharf aufs Geld der Familie sein – kurzum: Der Teufel hält einen besonders heißen Platz für ihn in der Hölle frei. Porno-Typ nennt sich Connor McClane [sic!]. Da stockt Kelsey: „Emilys Ex Connor McClane?“ Tja, John McClane bestimmt nicht, sonst würde Connor ja wohl wie Bruce Willis aussehen. Aber wieso fragst du überhaupt? Du bist Emilys Cousine! Und Emily ist wie eine Schwester für dich! Und dann kennst du den Typen nicht persönlich?! Wie das? Wer soll das glauben? Mein Ärger geht explizit an alle am Film Beteiligten, nicht nur an Keith Cooper, der vermutlich einfach nur irgendwelche Plotelemente hier mit denen aus einem seiner anderen Drehbücher verwechselt hat, die er parallel für Brain Power Studios geschrieben hat. Auf sein Konto gehen nämlich auch noch „A Christmas Village“, „A Very Country Christmas“ und andere Weihnachtsfilme ohne „Christmas“ im Titel.

Kelsey, die diesen kantigen roboterhaften Schnösel ohne Ausdrucksvermögen von Anfang an nicht leiden konnte, nimmt sich den Vorschlag ihrer Tante umgehend zu Herzen, ihm auf den Zahn zu fühlen. Sie wählt dabei die bewährte Elefant-im-Porzellan-Taktik und marschiert entschlossen auf ihn zu mit den Worten: „Ich bin eine furiose Kämpferin!“ Tango-Melodie. Schlechte Running Gags zu bringen, ist eine Sache. Denselben schlechten Running Gag innerhalb von nicht mal zehn Minuten gleich zweimal zu bringen, eine andere. Sie will den gerade in ein Gespräch mit einem anderen Gast vertieften Connor blöd von der Seite anblaffen, aber weil er noch nicht fertig ist, fährt er ihr erst einmal schroff über den Mund. Ich mag Connor wie gesagt gar nicht, aber hierfür hat er meinen Segen. Nachdem er seinen überaus lauen Witz an den Mann gebracht hat, widmet er sich ihr und sieht sich sogleich einem Sturm der Entrüstung ausgeliefert: Er solle sofort verschwinden und gar nicht erst weiter versuchen, Emily schon wieder das Herz zu brechen, wie er es seinerzeit getan hätte. Genau, Kelsey, das ist die richtige Herangehensweise: nicht in Ruhe das Gespräch suchen, gleich die ganz schweren Geschütze auffahren. Connor lässt den Ärger in gewohnt ruhig-cooler Manier (erschießt mich bitte!) an sich abperlen und sagt, dass er zufällig in der Stadt gewesen und dabei von Emily zur Party eingeladen worden sei. Okay, zufällig in der Stadt gewesen, zufällig Emily getroffen und zufällig eingeladen worden, obwohl man sich jahrelang nicht gesehen und offenbar nicht im Guten voneinander getrennt hat? Klingt sehr logisch. Wobei Emilys bisher freundliches Verhalten nicht auf eine schlimme Trennung schließen lässt, aber wie wahrscheinlich ist bitte der Rest der Geschichte?

Bevor die beiden Unsympathen ihr „Wortgefecht“ weiter austragen können, hält Tante Olivia eine Ansprache und stellt der anwesenden Gästeschar Emilys „unglaublich charmanten“ Zukünftigen vor. Um auf Nimmer Sicher zu gehen, dass wir auch seine besonders hervorstechende Charaktereigenschaft mitbekommen haben, mischt sich Kelseys Voice-over wieder ein: „Todd Brannigan, der Inbegriff von Charme.“ Emily die süßeste Person der Welt, Olivia der Inbegriff von Reichtum und Macht, Todd der Inbegriff von Charme – in diesem Film ist alles so toll und einzigartig, dass mir die Kotze hochkommt. Olivia nutzt die Gelegenheit und spricht auch kurz über ihren verstorbenen Mann, der heute bestimmt gern mit dabei gewesen wäre. Danke, jetzt hole ich aber wirklich den Eimer.

Connor will nach der Rede noch einmal eins klarstellen: „Es gibt nichts zu befürchten, was Emily und mich betrifft. Das verspreche ich.“ Das beruhigt Kelsey fürs Erste, aber da wäre ja noch Connors Zusatz: „Aber ich verspreche nichts hinsichtlich dieser Hochzeit.“ Da zuckt sie zusammen, und weil es nicht reicht, dass uns die Figuren und Kelseys penetranter Voice-over derbe auf den Senkel gehen, folgt auf diesen Satz auch noch einem Tusch gleich ein Soundeffekt, der die Unglaublichkeit von Connors Worten zusätzlich betonen soll. Auch derartige Soundeffekte werden zukünftig noch häufiger eingesetzt (heul). Noch ehe Kelsey auf diese dubiose Äußerung eine Reaktion erhält, leert Connor schnell sein Glas und verlässt die Party.

Kelsey rennt dem Schuft hinterher und springt in seinen Wagen, um ihn zur Rede zu stellen.

Sie: Sie sagen, Sie wollen diese Hochzeit verderben, und dann laufen Sie weg.
Er: Hab’ ich doch schon.

Tut mir leid, dass ich so viel unterbreche, aber mittlerweile stoße ich mich dreißigsekündlich an irgendwelchen Dingen, die in diesem Film geschehen. So auch hier: Einmal mehr passen die Dialogzeilen so von der Sinnhaftigkeit her einfach nicht zusammen. Schuld ist einmal mehr die deutsche Synchronisation, die sich erneut bei der Übersetzung Freiheiten nimmt, die sie sich nicht hätte nehmen sollen. Kelsey sagt eigentlich wörtlich übersetzt: „Sie können nicht einfach sagen, Sie wollen diese Hochzeit verderben und dann weglaufen.“ Hätte man das beibehalten, ergäbe Connors „Hab‘ ich doch schon“ Sinn, aber doch nicht, wenn man die verdammte Negation weglässt! Mensch, Leute, es reicht doch schon, dass ich mich durch diesen Plot quäle. Müsst ihr auch noch bei der Synchro pfuschen?

Aber nun muss ich wirklich mal etwas vorankommen, ich bin auf Seite 6 meines Reviews angelangt und erst in der 14. Minute. Und – wie schön – wir kommen auch mal einen Schritt mit der Geschichte weiter. Connor, der Kelsey im Folgenden trotz deren Widerwillen, weil er so ein schlagfertiger toller Kerl ist, fast ausschließlich „Kels“ nennen wird, gibt zu, von jemandem als Privatdetektiv engagiert worden zu sein, um Todd und seinen Hintergrund zu checken, und je nachdem, was er über ihn herausfinden werde, könne auch die Hochzeit in Gefahr geraten. „Okay, aber daraus wird nichts, Sie Schnüffler“, schimpft die von der Aufrichtigkeit von Todds Absichten überzeugte Kelsey, was ihr Voice-over sogleich erschrocken mit einem „Oh, hab’ ich gerade ‚Schnüffler‘ gesagt?“ kommentiert. Hä? Mädel, dein Voice-over ist schon sinnlos genug. Mach ihn doch nicht NOCH sinnloser! (Im Original nennt sie ihn nicht „Schnüffler“, sondern „Buck-O“, was ihre Reaktion wieder etwas verständlicher machen würde. Es ist also mal wieder die Synchro, die hier scheitert.) Egal – Connor würde größere Erfolgsaussichten für seine Mission sehen, wenn Kelsey ihn bei seinen Recherchen unterstützen würde. Das lehnt sie allerdings resolut ab. Sie geht zurück ins Haus und stampft gedanklich mit dem Fuß auf, um die Endgültigkeit dieser Meinung zu unterstreichen.

Ein neuer Tag. Kelsey textet wieder mit dem großen Unbekannten. Die Textnachrichten werden wie eh und je auch in Bildform festgehalten: „Hier ein kurzes Update: Die Verlobungsparty lief gut trotz des kleinen Zwischenfalls, als Emilys Ex auftauchte. Ich bereue jetzt die Anprobe des Hochzeitskleides, das teurer werden könnte als meine Wohnung. Hab dich lieb.“ (Auf Englisch – nur zur Erinnerung –: „Love you muchly.“ Argh.) Juhuuu, endlich die Kleideranprobe-Szene. Kein Hochzeitsfilm geht ohne sie. Gut, dass Kelsey uns das bereits Sekunden vor der Kleideranprobe-Szene mitteilt. Man könnte es sonst nicht mitbekommen. Wobei – es ist in diesem Fall schon ganz gut, dass wir vorgewarnt werden. Bildlich deutet nichts darauf hin. Offenkundig reichte das Budget nicht aus, für zwei, drei Stunden einen echten Hochzeitskleiderladen zu mieten (wir sehen nicht ein einziges Brautkleid!), und so befinden wir uns in einem Gebäude, von dem ich nicht mal ausschließen möchte, dass es dasselbe ist, in der eben noch die Verlobungsparty stattgefunden hat, sprich: bei Olivia und Emily zu Hause. Es könnte natürlich auch sein, dass die stinkend reiche Familie den Hochzeitskleid-Bringdienst in Anspruch genommen hat, aber liefert der auch die Verkäuferinnen (wie in diesem Film) gleich mit? Ich könnte mir darüber noch mehrere Stunden den Kopf zerbrechen.

Emily begrüßt Kelsey laut und grell, wie Frauen es halt so tun („Hi! So schön, dich zu sehen!“ *kreisch* *quietsch*), und kurz darauf gesellen sich auch schon die drei Brautjungfern dazu, die keine richtigen Namen erhalten werden (weil sie zu unbedeutend sind). Kelsey stellt sie uns allerdings mittels Voice-over vor, allerdings lediglich in Form von Adjektiven. Wir hätten da also Jealous („die neidische Brautjungfer – sie wünscht sich, es wäre ihre Hochzeit und tut so, als wäre es auch so“), Bitter („die verbitterte Brautjungfer – erst kürzlich geschieden und völlig frustriert“) und Clumsy („die liebenswerte, aber leider sehr tollpatschige Brautjungfer“), die ihren „Namen“ natürlich bereits bei der Begrüßung alle Ehre machen. Der Anlass der Zusammenkunft wird jäh durch Connor unterbrochen, der auf Kelseys Handy durchgeklingelt (Split-Screen-Szene!). Er möchte wissen, ob Kelsey nicht vielleicht doch mit ihm zusammenarbeiten möchte. Nein, will sie nicht. Die Frage, wie der Typ an ihre Nummer gekommen ist, stellt Kelsey zwar auch, bekommt sie aber nicht beantwortet – ebenso wenig, woher er weiß, dass sie gerade nach dem passenden Brautkleid suchen. Das soll möglicherweise ganz geheimnisvoll und so sein, aber es sei versichert: Der Film wird nichts davon verraten.

Während Emily ein Brautkleid anprobiert, sitzen Kelsey und die Brautjungfern schnatternd zusammen und kommen dabei auch auf Connor zu sprechen. Im Gegensatz zu Kelsey kennt zumindest Jealous unseren Hallodri und verklickert den Zuhörerinnen weitere Hintergrundinformationen: Er und Emily hätten sich seinerzeit im Urlaub kennengelernt, aber ihre Eltern Olivia und Albert wären ganz und gar nicht amused über die Beziehung gewesen. Eines Tages hätte er sich dann einfach ohne ein Wort aus dem Staub gemacht, obwohl Emily bereit gewesen wäre, die Schule hinzuschmeißen und mit ihm ein Leben zu führen. Für Kelsey sind das alles Neuigkeiten: „Wirklich? So wichtig war er ihr?“ Nochmal: Ich dachte, du kannst so gut mit deiner Cousine? Du weißt aber gar nichts über ihre ehemals große Liebe? Mannomann. Clumsy bietet den Frauen Kekse an, aber weil sie ja „clumsy“ ist, fällt ihr die Packung runter. Es ist ihr einprägsamster Moment, und sie wird ab jetzt auch nicht mehr wirklich gebraucht, genauso wenig wie Bitter. Jealous hat zwei, drei belanglose Szenen mehr.

Emily präsentiert den Tratschtanten ihr gewünschtes Brautkleid, und natürlich sind alle so begeistert, dass sie sie erst einmal drücken müssen. (*kreisch* *quietsch*) Da klopft es an der Tür: Es ist Emilys Verlobter Todd, der aber natürlich seine Holde noch nicht im Brautkleid sehen darf. Deshalb muss Emily schnell in einen Nebenraum flüchten. Wir haben Todd bisher nur einmal kurz auf der Verlobungsparty gesehen und konnten uns noch keinen genaueren Eindruck von ihm machen – außer eben, dass er der Charmeur schlechthin sein soll. Ich würde noch ergänzen, dass der Schönling ein schmieriger Lackaffe ist, aber das bin ja nur ich neidischer Mann. Seine Begrüßung „Wow! Also, alles klar, ihr Girls?“ finde ich allerdings NOCH abstoßender als die Macho-Allüren des künftigen Love Interests von Kelsey. Er ist eigentlich nur kurz vorbeigekommen, um Kelsey, Jealous, Bitter und Clumsy eine „kleine Stärkung“ vorbeizubringen. Mit der kleinen Stärkung sind aber keine Hamburger, Pralinen oder Sekt gemeint, sondern – Schmuck? Schmuck?! Kurz in die Originaltonspur gewechselt: „I just thought I’d stop by with a little surprise for all you lovely ladies.“ Leute, Leute. Die deutsche Übersetzung für „surprise” könnte man aber schon kennen. Kelsey bedankt sich, meint aber auch, das wäre doch nicht nötig gewesen, aber für Todd ist eins am wichtigsten: „Ich will nur, dass meine Girls happy sind.“ Es ist schwer, aber der Film schafft es mühelos, jede der Figuren so unausstehlich wie möglich zu gestalten.

Dann klingelt Kelseys Handy. Diesmal meldet sich ihr Caterer Marco (Namen gleich wieder vergessen, mit dem werden wir es nie zu tun bekommen – wir hören nicht mal seine Stimme, obwohl wir bisher noch bei jedem Anruf den Anrufer auch gesehen und gehört haben), der ihr die Hiobsbotschaft überbringt, leider nicht mehr für die Hochzeit zur Verfügung zu stehen, weil seine Frau ihn verlassen hätte. Mit dem Eheaus sinkt natürlich auch die Arbeitsmoral. Kelsey ist trotzdem empört, aber noch viel mehr, weil sie während des Gesprächs durch den Türspalt sieht, wie Todd ganz offensichtlich mit einer hübschen jungen Frau flirtet, die sich noch als Brautkleidverkäuferin herausstellen wird, ihr unter anderem vertraut ins Ohr tuschelt und noch dazu etwas in ihr Notizbuch kritzelt. „Das ist Täuschung!“, brüllt sie. (Im Original heißt es an dieser Stelle „You’re cheating!“ – „Das ist Betrug!“ –, was für mich dann doch etwas besser passt als „Das ist Täuschung!“. Lebt Ivar Combrinck doch noch, und er ist untergetaucht, um heimlich schlechte Weihnachtsfilme zu übersetzen?) Wie dem auch sei: Kelsey ist gleichermaßen verwirrt über den Flirt wie entsetzt über die kurzfristige Umdisponierung im Catering-Bereich.

Nachdem Todd gegangen und das Telefonat beendet ist, möchte Kelsey umgehend wutentbrannt die Verkäuferin zur Rede stellen (diesmal aber dankenswerterweise, aber inkosequenterweise ohne ihren „Ich bin eine furiose Kämpferin“-Spruch) oder lieber noch einen Blick in das Notizbuch werfen. Das liegt zwar direkt vor ihrer Nase, aber eben gleichzeitig auch vor der der Verkäuferin, weshalb sie es mit einem genialen Ablenkungsmanöver versucht. Sie fragt sie, ob das Bild an der Wand hinter ihr ein echter Degas sei. (Das spricht übrigens für meine These, dass das hier tatsächlich so etwas wie ein Kleidergeschäft sein soll.) Ja, ist es. (Ist es zwar nicht, aber wundert es jemanden, dass die Macher dieses Films Kunstverächter sind, wenn sie mit diesem Film ohnehin die Kunst verachten?) Hastig will sie den Eintrag prüfen, während die Verkäuferin wegschaut, aber plötzlich steht Emily neben ihr und macht den Versuch zunichte. Die bedankt sich bei Michelle (das ist also der Name der Verkäuferin), und schon will sie sich mit den „Girls“ aufmachen zur Planung des Junggesellinenabschieds.

Die baldige Braut und die Brautjungfern gehen schon mal vor, Kelsey bleibt noch kurz zurück. Immerhin ist sie ihrem Ziel, in Erfahrung zu bringen, was Todd in das Buch geschrieben hat, immer noch nicht entscheidend nähergekommen. Da ihr ursprünglicher Plan aber nicht beliebig reproduzierbar ist, möchte sie auf anderem Wege an das Buch kommen. Und ich verstehe ehrlich gesagt nur Bahnhof: Kelsey lenkt das Gespräch auf die Kekspackung, die ebenfalls auf dem Tisch mit dem Buch liegt. Ob die von Sharl sei, will sie wissen. Der sei nämlich auch für Emilys Hochzeitstorte zuständig. Michelle bejaht: Sie würde dort jeden Tag Kekse abholen. Sie bietet Kelsey auch gleich einen aus der Packung an. Die lehnt erst ab, nimmt das Angebot dann aber doch an. Ende der Szene.

Äh, was? Wer ist Sharl? Inwiefern kommt sie so an die Notiz? Und sollte das anfängliche Zögern, einen Keks zu nehmen, ein Gag sein, weil sie von der vermeintlich falschen Schlange keinen Keks annehmen möchte, dann aber nicht widerstehen kann? Das Ganze bitte noch mal im Originalton. Geprüft. Nee, diesmal kein Synchro-Fehler.

Nun, die Fragezeichen werden im Verlauf der jetzigen Szene weniger, aber es wird nicht das einzige Mal bleiben, dass wir uns erst über rätselhafte Verhaltensweisen der Figuren wundern müssen, ehe dann doch noch geklärt wird, warum so gehandelt wird, wie gehandelt wird. Das macht den Film jedenfalls nicht gerade leicht goutierbar. Kelsey besucht jenen ominösen Sharl. Was ist das eigentlich für ein Name? Ich dachte zuerst an Charles, aber las dann in den Credits Sharl. Sharl ist – in dem Bemühen, mit jeder weiteren eingeführten Figur immer noch eins drauf zu setzen – ein mich völlig kirre machender, minderwertigkeitskomplexbehafteter und hektischer Bäcker. Der Film vertritt eben die Meinung, aufgedrehte Figuren seien in einer Liebeskomödie Pflicht und automatisch lustig. Und ähnlich wie eben im Hochzeitskleidergeschäft habe ich eine Frage: Moment – soll das hier eine Bäckerei sein? Das sieht wie eine Privatküche aus. Ich möchte nicht ausschließen, dass auch diese Szene im Haus spielt, wo die Verlobungsparty stattfand. Vielleicht soll diese Küche auch die Privatküche von Sharl sein, es wird uns nur wieder nicht richtig gesagt. Boah, dieser Film macht mich offiziell wahnsinnig. Ich schrieb eben: Die Fragezeichen werden weniger. Von wegen!

Andererseits weiht Kelsey nun endlich Sharl und somit auch uns in ihren ausgefuchsten Plan ein, um an Michelles Notizbuch zu kommen. Das Drehbuch ist konfus, und ich wäre dankbar, wenn es mich etwas mehr an die Hand nehmen würde. Nun gut – Sharl soll Kelsey und Emily gleich einen privaten Backkurs geben. (Ist das hier also tatsächlich Sharls Privatadresse?) Währenddessen kommt Michelle vorbei, um sich wie jeden Tag die Kekse für ihre Boutique bei ihm abzuholen. (Doch nicht Sharls Privatadresse? Waggawagga.) Im letzten Schritt soll Sharl Michelle irgendwie ablenken, damit Kelsey in Emilys Buch blicken kann. Äh, was? Kelseys Plan fußt also im Wesentlichen darauf, dass Michelle fürs Abholen der Kekse ihr Notizbuch mitbringt?! Und es unbeaufsichtigt liegen lässt, während sie vom Bäcker abgelenkt wird?! Himmel, ist das doof.

Und der Plan wird noch bekloppter dadurch, dass Kelsey das Sharl erst jetzt erzählt, wenige Minuten vor Michelles Ankunft. Sie hat doch ein Handy. Hätte sie ihm das nicht etwas früher mitteilen können? Und überhaupt: Was ist Kelsey für eine hinterfotzige Ziege? Wieso fragt sie Michelle nicht einfach wegen des Flirts? Der könnte doch genauso gut ein Missverständnis sein, das in zwei Sekunden aus dem Weg geräumt werden könnte. Schon klar, dann hätten wir natürlich keinen Film. Kelsey stünde jedoch in der Zuschauergunst auch um einiges besser da. Davon abgesehen: Was für ein Zufall, dass Michelle bei demselben Typen einkauft, wo auch die Hochzeitstorte für Emily hergestellt wird! Wie falsch müssen die Hirnwindungen gepolt sein, um sich so eine Story auszudenken?

Damit nicht genug, dass Kelsey eine hinterfotzige Ziege ist. Noch unsympathischer wird sie mir dadurch, dass sie für den armen Sharl eine entscheidende Rolle in ihrem Plan vorsieht, obwohl sich der schnell als absolut hysterisches (und nervtötendes) Nervenbündel entpuppt. „Aber meine Kekse… Ich mein‘, ihre [Michelles] Kekse sind doch schon fertig. Wie soll ich sagen, dass die Kekse nicht fertig sind, wenn sie fertig sind?“, jammert er. Kelsey hat die Lösung: Sie nimmt eine Schere und schnippelt die Schleife der bereits für Michelle garnierten Kekspackung auf, sodass Sharl guten Gewissens sagen kann, dass die Kekse eben noch nicht fertig sind. Dann kommt es zum bislang unfassbarsten Moment des Films: Sharl guckt hektisch auf sein Handgelenk und stellt fest, dass Michelle in zehn Minuten hier sei. Er schaut auf sein HANDGELENK, dort befindet sich KEINE Armbanduhr, und er sagt: zehn Minuten noch. Obwohl er KEINE Armbanduhr hat. Schauspieler Taylor David muss so tun, als hätte er eine um, obwohl man sieht, dass er KEINE trägt! Boah. So viel zur Sorgfalt dieses Films.

In der Zwischenzeit ist Emily für den privaten Backkurs eingetrudelt. Die beiden Frauen wollen Lebkuchen backen lernen (weil Weihnachten und so), was für die baldige Braut sehr wichtig ist, weil auch der Senator da sein wird. (Ein weiterer Punkt, den wir umgehend vergessen können. Es gibt keinen Senator in diesem Film. Jetzt nicht und später auch nicht.) Unerwartet früh steht auch schon Michelle auf der Matte und möchte die Kekse einsammeln, aber Sharl ist ja damit dank Kelsey noch nicht fertig und hampelt generell wie ein entlaufener Irrer mit Hyperaktivitätsschüben durch die Gegend, weil er doch so nervös ist. Es ist erstaunlich, WIE unerträglich man seine Figuren schreiben kann.

Kelsey sieht, dass Sharl dringend Hilfe bei seinem Ablenkungsmanöver benötigt und opfert sich auf (wie nett). Sie schlägt Michelle vor, doch so lange einen Spaziergang zu machen, bis der Bäcker eine neue Schleife an der Packung angebracht hat – ganz offenbar darauf spekulierend, dass Michelle ihre mitgebrachte Handtasche dafür dalässt UND in dieser Handtasche das Notizbuch verstaut hat, damit sie während des Spaziergangs einen Blick riskieren kann. Erwähnte ich, dass das alles so furchtbar doof ist? Michelle möchte aber hier warten. Somit benötigt Kelsey kurzerhand einen Plan B (oder eher Plan C, weil Plan A ja eigentlich war, dass Sharl Michelle ablenkt), den sie sofort parat hat: Sie kippt eine Schüssel voll Mehl aus. Sharl ist entsetzt („Dieses Mehl wurde noch nicht gesiebt, und man kann kein Backpulver mit Mehl mischen, das noch nicht gesiebt wurde, und diese Schüssel ist nur für feuchte Zutaten geeignet!“ Bitte schweig!!), und die Beseitigung des Malheurs erfordert nun seine ganze Aufmerksamkeit. Der Plan geht auf: Michelle wird das jetzt doch alles zu zäh, und sie geht raus, um kurz ein Telefonat zu führen – und natürlich lässt sie dafür ihre Handtasche wie gewünscht stehen. Ha!

Nun hat Kelsey aber noch ein weiteres Problem: Emily darf ja nicht mitbekommen, dass sie Michelles Notizbuch durchstöbern will. Also kippt sie „versehentlich“ auch noch ihr Mehl über Schürze und Oberteil, damit Emily sich schnell zum Saubermachen zurückzieht. Auch das gelingt ohne Hindernisse, und so hat sie nun tatsächlich die Möglichkeit, die Handtasche zu durchsuchen. Jetzt müsste nur noch das Notizbuch darin liegen. Und siehe da – natürlich tut es das! Sie findet auch gleich den gewünschten Eintrag von Todd, und der lässt sie aufhorchen: „Hey, Süße! Danke für die Beratung! Dinner am Mittwoch.“ Dieser Schlingel! Das kann doch nur bedeuten, dass er Emily betrügt und ganz bestimmt nichts anderes! Und Michelle, du bösartige Schlampe – ich spuck‘ auf dich!

Schneller als gedacht ist Michelle vom Telefongespräch wieder zurück, und im letzten Moment kann Kelsey das Buch zurück in die Handtasche packen. Glück gehabt! Michelle nimmt das Paket dann doch schon im halbfertigen Zustand mit und geht. Der kurz vor dem Herzkasper stehende Sharl atmet schwer durch und kann Kelsey und der zurückgekommenen Emily etwas über die Geschichte des Lebkuchens erzählen. Selbst dabei hat Kelsey keine Ruhe: Als wäre auch eben wieder Zeuge des Vorfalls gewesen, nervt der penetrante Connor sie mit einer weiteren Textnachricht mit der Frage, ob sie ihre Meinung denn jetzt geändert hätte. Ich will die blöde Tussi ja ungern in Schutz nehmen, aber was genau hat er eigentlich an ihrem strikten Nein nicht verstanden? Mittlerweile grenzt das, was er hier abzieht, schon deutlich an Belästigung. Aber für Kelsey steht ja durch ihre neuerliche Entdeckung fest: Sie wird Connor bei der Detektivarbeit unterstützen!

Und so treffen sich Kelsey und Connor in einem Restaurant. Sie will ihm unter einer Bedingung helfen: dass er ab sofort ehrlich zu ihr ist und keine Geheimnisse mehr vor ihr hat. Er ist einverstanden, nur ein einziges Geheimnis muss er für sich behalten – und das ist eigentlich das, was Kelsey am dringlichsten wissen möchte –: wer ihn engagiert hat. Immerhin aber kann er ihr aber Spektakuläres mitteilen: Todd sei möglicherweise nicht so wohlhabend, wie er sagt, sondern pleite. Echt spektakulär, oder? Wohl eher eine spektakuläre Spekulation. „Wie wohlhabend ist er eigentlich?“, fragt Kelsey dumm. Äh. Wäre das nicht etwas, was du wissen müsstest, als ach so gute Cousine, Schwester, Freundin usw. von Emily? Sie kennt Connor nicht. Sie kennt Todd nicht. Wen kennt sie eigentlich? Selbst Connor weiß, dass er für seine Behauptung Beweise benötigt, aber er hat schon einen Plan (oh nein, bitte nicht!): Er muss nur an den Computer von dessen Vater. Hä, was? Müsste er nicht eher an Todds Computer? Oder weißt auch du wieder mehr? Etwa dass ganz bestimmt Todds Bankunterlagen auf Daddys Rechner schlummern, oder wie oder was? Klingt ähnlich abenteuerlich wie Kelseys Plan mit dem Notizbuch. Die Gelegenheit zum Durchstöbern soll schon morgen kommen: Kelsey solle einfach Connor als Begleitung zur morgigen Baumschneideparty mitnehmen (die dann wohl zufälligerweise bei Todds Eltern stattfinden). Sie willigt ein trotz ihrer Bedenken, dass es komisch erscheinen könnte, wenn sie mit Emilys Ex dort auftaucht.

Während des Gesprächs werden sie von einem Typen bedient, den die Älteren von uns als Joey Fatone identifizieren könnten. Joey WER? Na, der eine Typ da von N’Sync. Die Boygroup?! Klingelt’s jetzt? Kelsey schmeckt das angebotene Essen sehr und würde ihn daher gern für die anstehende Hochzeit buchen, da ja der eigentlich dafür vorgesehene Caterer kurzfristig ausgefallen ist. Zu ihrer Überraschung muss er sich dafür bei Connor rückvergewissern. Das hat den Grund, dass Connor nicht nur Schnüffler ist, sondern – oho – auch Mitinhaber dieses Restaurants! Aber hallo – die nächste atemberaubende Enthüllung!

Es gibt in dieser Szene noch einige hundserbärmliche Witzeleien rund um Connors Hummer, den Kelsey für den Vollidioten zum Essen bestellt hat. Er zögert, davon zu probieren und muss am Ende zugeben, allergisch auf Krustentiere zu reagieren. Das finden Kelsey und Connor ganz wahnsinnig lustig, und sie lachen. Glaubt mir – es ist besser, dass ich die Szene deutlich abkürze. Selbst wenn ich sie in all ihrer Pracht vor euch ausbreiten würde, würdet ihr nie verstehen, was daran witzig ist. Worauf ihr aber einen lassen könnt – das war die erste Annäherungsszene zwischen den beiden getragenen Turnsocken, denn irgendwann muss ja bei all den Frotzeleien Chemie entstehen. Ich präzisiere: dreist behauptete Chemie, die niemand bemerkt.

Ein neuer Tag. Kurz vor Beginn jener Baumschneideparty wird Kelsey von ihrer Tante angerufen. Olivia hat keinen Bock, sich von Tim und Linda zu ihrem Boot volllabern zu lassen. Äh, wer? Tim? Linda? Wer ist das? Hauptsache, Kelsey weiß, von wem sie spricht. Es ist ja nur der blöde Zuschauer, der für diesen Film blecht. Idioten. Danach schreibt Kelsey eine Textnachricht an den großen Unbekannten: „Ich weiß nicht genau, wie ich erklären soll, was ich vorhabe. Ich warte auf jemanden, der mir bei der Planung meiner ersten Hochzeit den Hals brechen könnte. Ich schicke dir das, um dir wie immer zu vergewissern, dass ich keine Ahnung habe, was ich hier tue.“ Und – ach ja: „Love you muchly.“ Ich habe ehrlich gesagt auch keine Ahnung, was ich hier tue. Warum dachte ich, dass es eine gute Idee sein könnte, diesen Film zu sehen? Einen billigen kanadischen TV-Weihnachtsfilm mit Arschgeigen noch und nöcher? Besinnlichkeit? Am Arsch!

Die Party ist schon in Gange, als Connor verspätet zur Tür hereinkommt. Der Requisiteur hat ihm etwas sehr offensichtlichen Kunstschnee auf die Schultern geklebt, damit wir nicht vergessen, dass das hier ein Weihnachtsfilm ist. Und ein Weihnachten ohne Schnee ist auch in Kanada nicht denkbar. Wir sind 36 Minuten im Film, und wir werden Ohrenzeuge des ersten (und bestimmt einzigen) gelungenen Gags:

Kelsey: Sie sind zu spät!
Connor: Nur wenn Sie nach der Uhr gehen.

Kaum hat er seine Jacke abgegeben, will er auch schon ran den Speck: Wo ist das Büro mit dem Computer? Folgenden Plan hat er dafür ausgeheckt: Er verschafft sich heimlich Zugang, und Kelsey lenkt die Leute ab. Okay, nicht sehr ausgearbeitet, aber pragmatisch und durchaus machbar. Ich bin ja froh, dass Kelsey ihn nicht geschmiedet hat, sonst wäre da am Ende wieder irgendwas mit Sharl bei rumgekommen. Ehe sie zur Tat schreiten können, kommt ihnen aber noch Mr. Brannigan in die Quere, Todds Vater, dem Kelsey erst einmal Honig um den Mund schmiert, weil sie das Ambiente so prächtig findet. Der gibt zu, dass es ein Vermögen kosten würde und entschuldigt sich sogleich für den Personalmangel. Er hätte nämlich ein paar Leute wegen Diebstahls entlassen müssen. Connor wird hellhörig und glaubt ihm kein Wort. Deshalb korrigiert er seinen ursprünglichen Plan, um mehr als auffällig das anwesende Personal zu befragen und ihm Visitenkarten zuzustecken.

Kelsey bekommt derweil die undankbare Aufgabe, sich mit Todds Vater beschäftigen zu müssen – und mit dessen Frau Linda. Linda? Ah okay, dann sind das hier also Tim und Linda. Und es war jetzt so schwierig, das vorher schon zu etablieren? Linda schwallert Kelsey dann auch gleich mal wegen ihres Bootes zu, aber Kelsey kann sich nicht richtig darauf konzentrieren, weil sie darum bemüht ist, sie so abzulenken, dass sie nicht mitbekommen, was Connor da in ihrem Rücken so treibt. Dann fragt Linda sie, was Kelsey von ihrer Idee hält. Äh, was für eine Idee? Ich habe ihrem Redeschwall wie Kelsey zwar nur so halb zugehört, aber auch mit Zurückspulen höre ich keinen Satz heraus, der eine Idee beinhalten würde, auf die Kelsey reagieren könnte. Hat die Synchronisation hier mal wieder versagt und Textstellen falsch oder gar nicht übersetzt? (Nein, hat sie nicht.) Wie in jeder guten Komödie (ähem) antwortet sie, um nicht zugeben zu müssen, nicht zugehört zu haben: „Das wäre eine wundervolle Idee.“ Linda ist begeistert: Sie darf also auf der Hochzeit ihres Sohns und ihrer Schwiegertochter singen! Es ist lustig. Oder nicht. Und im Übrigen führt auch das zu nichts: Im gesamten Film wird niemand singen (wenigstens das!).

Nach Beendigung der halbherzigen Nachforschungen kann es dann auch endlich an den eigentlichen Plan gehen. Connor geht die Treppe zum Büro hoch, Kelsey eilt heimlich hinterher. Äh. Wäre es nicht besser, wenn sie anstatt im Büro an der Treppe stehen bleiben würde, um zu verhindern, dass niemand hochgeht? Nicht doch, das wäre zu einfach! Wie ihr euch denken könnt, liegt der gewünschte Laptop wie bestellt und nicht abgeholt auf dem Schreibtisch – und er findet tatsächlich in Sekundenbruchteilen die gewünschten Bankdateien! Warum liegen die Bankdaten des erwachsenen Todd auf dem Laptop seines Vaters?! Immerhin eine Hürde gibt es: Connor benötigt ein Passwort, um sie öffnen zu können. Auf Hilfe von Kelsey kann er dabei nicht zählen: „Er ist mir völlig fremd.“ Etwas anderes hätte mich auch gewundert. „Leute wie er wählen immer was Arrogantes“, ist sich Connor sicher, und weil der Drehbuchautor noch fauler ist, als Homer Simpson es je sein könnte, kommt Kollege Zufall dem Heldenduo (hüstel) erneut zur Hilfe. Kelsey entdeckt das Foto der Yacht des Ehepaares an der Wand – und die Yacht heißt „Get It All“. Einmal den Bootsnamen ausprobiert – zack, schon kann er die Dateien auf einen USB-Stick ziehen. (Es ist so doof. Ich möchte schreien.) Alles könnte also gut sein, wenn nicht in diesem Moment Papa Tim das Büro aufsuchen würde. Kelsey greift jedoch umgehend zu einer List. Welche könnte das wohl sein?

a) Sie stürmt auf Tim zu und schlägt ihn k.o., in der Hoffnung, dass er danach das Gedächtnis verliert und sich nie mehr an diesen Vorfall erinnert.
b) Sie erzählt Tim, sie hätten ein Geräusch gehört und hätten deshalb mal gucken wollen, woher das kommt.
c) Sie greift sich blitzschnell Connor und knutscht mit ihm, um von ihrer illegalen Tat abzulenken und so zu tun, als habe man nur einen ruhigen Ort gesucht, wo man in Ruhe sehr intime Dinge tun könnte.

Tja, Leute, auch wenn a) diesem Film ohne Weiteres zuzutrauen wären, wenn wir Kelseys unendlich komplizierten und auf reinem Glück basierenden Planspiele bedenken, und b) vielleicht die Ausrede gewesen wäre, die mir als Erstes in den Sinn gekommen wäre, greift Autor Cooper auf das vermutlich älteste Klischee der Liebesfilmgeschichte c) zurück. Tim schluckt die aufgetischte Lüge und lässt das Turtelpärchen in Ruhe weitermachen. War das knapp. Und langweilig. Und doof. Und natürlich stehen sie moralisch auf der richtigen Seite. Sie sind die Helden unserer Geschichte, sie dürfen Daten klauen! Auch in dieser Szene wird eines schmerzhaft deutlich: Dem Film fehlt alles – Witz, Romantik, Charme, Sympathieträger.

Irgendwann später sitzt Kelsey allein auf ihrem Bett und sortiert irgendwelche Bilder oder so. Ihre Tante will mit ihr sprechen und ruft an, aber Kelsey möchte ausnahmsweise mal nicht sofort springen und geht nicht ran. Nicht mit Olivia, für die nichts wichtiger sein kann als sie selbst, weshalb sie eine Nachricht hinterherschickt: „Du bist wohl zu beschäftigt, um ranzugehen. Komm zu mir. Wir müssen reden.“ Kelsey seufzt: „Das kenn‘ ich schon.“ …

… womit wir für einen weiteren absolut unlustigen Gag völlig unmotiviert das erste und letzte Mal in eine Rückblende bzw. Rückblendenfolge wechseln, in der wir Kelsey als junges Mädchen auf einem Stuhl sitzend sehen, das sich mahnende Worte von Olivia anhören muss:

Olivia: Sage mir mal, warum wir kleine Jungs nicht herumstoßen sollen.
Kelsey: Weil eine Wilson eine Wilson ist, innerhalb und außerhalb des Hauses.

Danach ist sie ein paar Jährchen älter, das Prozedere ist aber das gleiche wie eben:

Olivia: Also, Kelsey, warum sagen wir nicht „Sie Schwein“ zu unserem lieben Lehrer?
Kelsey: Weil eine Wilson eine Wilson ist, innerhalb und außerhalb des Hauses.

Und dann verkörpert Hauptdarstellerin Jocelyn Hudon ihr etwa 16-jähriges Alter Ego (wenig überzeugend, weil sie beim Dreh schon 23 war):

Olivia: Kelsey, was sagen wir dazu, wenn wir uns nachts mit Jungs rumtreiben?
Kelsey: Die Beine sollten rasiert sein. (lacht) Wir tun es nicht, weil eine Wilson eine Wilson ist, innerhalb und außerhalb des Hauses.

Lacht schon mal vor, ich lache später. Ich möchte dem Drehbuchautoren zuerst einen Baseballschläger über den Scheitel ziehen, denn diese Szenenfolge weit zurück in die Vergangenheit zeigt dann ja noch deutlicher, dass Kelsey schon von Kindesbeinen an mit Tante Olivia und folglich auch mit deren Tochter Emily zu tun gehabt haben muss. Also nochmals: Und trotzdem kannte sie Connor nicht?!

Zurück in der Gegenwart sucht Kelsey dann doch ihre Tante auf und wird von ihr gleich mahnend auf Connor angesprochen. Offenbar hat sich die Knutscherei in Tims Arbeitszimmer längst bis zu ihr herumgesprochen. Einerseits betont sie, Kelsey sei mittlerweile alt genug, doch andererseits: „Connor McClane ist ein Problem.“ Stimmt. Sein Problem ist, ein Arschloch zu sein. Die bräsige Kelsey allerdings hat sich mittlerweile ein anderes Bild von ihm gemacht – wahrscheinlich waren seine Lippen ein Inbegriff der Ehrlichkeit – und findet ihn gar nicht mal so übel, womit sie aber nicht sagen will, dass zwischen ihr und ihm etwas wäre. „Kelsey, versuchst du jetzt, mich oder dich selbst zu überzeugen?“, hakt Olivia nach. In einem Film ohne Witz, Romantik, Charme und Sympathieträger wundert es mich nicht, dass wir nicht mitbekommen haben, dass es an irgendeiner Stelle bei Kelsey gefunkt hat. Na gut, vielleicht ergibt ja Charismafreiheit mal Charismafreiheit Plus oder so. Zum Glück kann sich Kelsey weiteren Nachfragen entziehen, weil sie für einen Hochzeitstortentest mit Sharl verabredet ist.

Jippieh, neue Comedy-Popomedy mit Sharl – was freu‘ ich mich! Sharl jammert und selbstzweifelt wie in seiner ersten Szene, obwohl dazu kein Anlass besteht. Emily und Kelsey sind nämlich schwer begeistert von den Kreationen, die der Kerl für die Hochzeit geschaffen hat. Es ist nur er selbst, der sie für Müll hält und sich am liebsten selbst zu lebenslangem Früchtebrotmachen verurteilen würde. „Kein Lob mehr“, mahnt er deshalb auch seine beiden Kundinnen. Sharl ist ein exzentrischer und ungemein lustiger Kerl. Dagegen können Rhys Ifans‘ Spike in „Notting Hill“ und Bill Nighys Sänger Billy Mack in „Tatsächlich… Liebe“ einpacken. Nein, im Ernst: Ich hasse Sharl und bin erleichtert, dass wir den nach dieser Szene nie wiedersehen.

Emily hat wie ihre Mutter augenscheinlich ein paar Informationen hinsichtlich des Liebeslebens ihrer Lieblingscousine erhalten und will das doch mal genauer wissen. Im Gegensatz zu Olivia fände sie es nicht schlimm, wenn sich Kelsey den Ex angeln würde, immerhin sei die Beziehung mit ihm ja schon über zehn Jahre her, und sie würde doch in Kürze mit Todd den Mann ihrer Träume heiraten. Hm, Jealous erzählte vorhin noch, dass Emily seinerzeit bereit gewesen sei, alles für Connor aufzugeben und alles für ihn stehen und liegen zu lassen. Wenn dem so wäre, ist ihr lapidares „Nimm ihn ruhig“ als höchst unglaubwürdig einzustufen. Man nehme an, Kelsey und Connor wären ein Paar. Dann würde Emily ihn ja zukünftig wieder häufiger sehen, und sie kann mir nicht erzählen, dass da keine alten Erinnerungen und Fragen wie „Was wäre gewesen, wenn…“ aufflammen würden. Vielleicht kapiere ich aber nur einmal mehr die Frauenwelt nicht. Ich kapiere ja zum Beispiel auch nicht, wieso Kelsey die mögliche Untreue ihres Zukünftigen für sich behält. Wenn ihr so viel an Emily gelegen ist und sie nur das Beste für sie will, wäre es da nicht fair, ihr von ihrem Verdacht zu berichten? Also wenigstens, dass sie Todd zufällig beim Turteln mit Michelle beobachtet hat? Das wäre ehrlich und auch kein Vertrauensbruch (im Gegensatz zu ihrer illegalen Aktion in Tims Arbeitszimmer, aber das müsste sie ihr dann ja nicht sofort auf die Nase binden).

Immerhin – kaum sage ich es, melden sich bei Kelsey eine Szene weiter auch schon die Gewissensbisse. Weil das Drehbuch es uns nicht anders vermitteln kann, muss das wieder in Form einer Textnachricht an den großen Unbekannten geschehen: „Noch schlimmer, als den Verlobten deiner besten Freundin zu bespitzeln, ist, wenn sie dir sagt, dass sie dich unendlich lieb hat. Zu sagen, das ist mir zu viel, wäre die Untertreibung des Jahres. Ich kann das nicht. Morgen sage ich Connor, ich bin raus. Ich bin nicht die Richtige dafür. Es muss eine andere Erklärung für Todds Verabredung am Mittwoch geben. Außerdem ist die Weihnachtshochzeit schon in einer Woche, und ich muss mich konzentrieren.“ Und: „Love you muchly.“ (AAAAH!)

Kelsey trifft sich am folgenden Tag mit dem Restaurantbesitzer-Privatdetektiv und stellt klar: „Ich bin raus!“ Sag bloß! Das ist aus deiner Textnachricht vor 30 Sekunden gar nicht klar geworden. Connor reagiert mit Unverständnis, aber für sie steht eines fest: „Ich liebe Emily, und ich will nicht daran beteiligt sein, ihr die Hochzeit zu verderben.“ Außerdem sei sie nicht so dumm, sich länger durch ihn für seine Zwecke benutzen zu lassen. Ihr Gesprächspartner gibt alles, um sie für weitere Detektivarbeit zu begeistern – und wenn es ein wunderschönes Kompliment ist: „Warten Sie! Hab‘ ich gesagt, Sie seien dumm? Ich halte Sie für klug, und das gefällt mir an Ihnen. Der USB-Stick war ihr Verdienst.“ Hat er das nicht schön gesagt? Ihm gefällt ihre Klugheit. Und mal ehrlich – „Der USB-Stick war Ihr Verdienst“ ist doch das neue „Sie sehen heute einfach traumhaft schön aus“, oder?

Damit kriegt er sie insoweit rum, dass sie sich wenigstens anhören will, was auf dem Stick ist. Er muss zugeben: „Nichts Brauchbares. Jedenfalls sind sie nicht pleite.“ Na also, Fall gelöst, Weg frei für ein Happy End, Abspann. Oder wozu brauchst du sie denn jetzt noch? „Deswegen kann er trotzdem ein böser Junge sein. Drei Tage. Sie kommen mit, und wir beschatten Todd drei Tage lang. Und wenn nichts dabei rauskommt, stelle ich meine Nachforschungen ein und verschwinde von hier.“ Ach, die berühmte männliche Intuition. Es gibt eigentlich keinen Grund mehr, weiter nachzubohren, aber es kann nicht sein, was nicht sein darf. Kelsey wäre schön blöd, wenn sie auf diesen Vorschlag eingehen würde. Und da wir ja wissen, dass sie schön blöd ist, dürft ihr auch raten, wie sie sich entscheidet. Connor ist begeistert, greift nach ihren Händen und sagt: „Sehen Sie, und schon sind wir ein Team.“ Sie lächeln. Geht da was? Hoffentlich, die beiden haben sich verdient. Aber das würde am Ende noch bedeuten, dass sie glücklich aus diesem Film gehen würden – und DAS wünsche ich ihnen nun wirklich nicht.

Also auf zur großen Spionageszene. Die sieht so aus, dass die beiden Darsteller auf den Vordersitzen eines Vans sitzen und dabei hin und wieder pro forma durch ein Fernglas gucken, weil ihnen mal gesagt wurde, das würde man als Privatdetektiv so tun. Sonst tun sie aber sprichwörtlich nichts – kein Hinterherschleichen zu Fuß oder per Wagen, kein Wegducken, weil der Beobachtete sich umdreht, rein gar nichts. Warum nochmal wollte Connor, dass Kelsey mit dabei ist? Kann er das nicht allein? Ich vermute egoistische Gründe. Sonst wäre ihm zu langweilig. Besonders schön: In den Nahaufnahmen gewährt man uns Blicke aus den Seitenfenstern, hinter denen nur eine weiße Wand ist. Man hat also auch diese Szene komplett im Studio gedreht.

Todd verhält sich bei der „Beschattung“ übrigens völlig unverdächtig: Einmal gibt er weihnachtlich gekleideten Straßenmusikern Geld, ein anderes Mal hilft er einer älteren Dame beim Paketschleppen. Zu „One in a Million“ von David Myles schließt sich eine Montage an, die zeigt, wie viel Spaß Kelsey und Connor bei ihrer „Arbeit“ haben. Manchmal wirft sie ihm verliebte Seitenblicke zu, mal lachen sie, mal machen sie ein Selfie und mal machen sie sitzend Tanzbewegungen und schunkeln dabei hin und her. Zum Abschluss der Montage drückt er auf die Hupe, um die schlafende Kelsey zu wecken. Beide lachen. Geht euch da etwa das Herz auf? Ich hoffe ja wohl nicht.

Und dann ist auch schon Mittwochabend – der Abend, an dem sich Todd laut Notizbucheintrag mit Michelle treffen will. Das ist ein Anlass, für den Kelsey und Connor dann doch mal das Auto verlassen und sich in eine Ecke des Restaurants setzen, in dem das Treffen stattfinden soll und von wo aus sie einen guten Blick auf den bereits anwesenden Todd haben. Fehlt nur noch Michelle. Wenn sie denn kommt. Bis dato bleibt noch etwas Zeit für weitere schmerzhafte Comedy-Einlagen rund um eine aufdringliche männliche Bedienung (die natürlich total witzig rüberkommen soll!), die die Zusammenkunft der zwei Dummbratzen für ein Date hält. Kelseys „Wir sind Kollegen“ missversteht der Restaurantangestellte so, dass er glaubt, dass sie eine heimliche Büroliebschaft führen. Er wirft seinem Kollegen hinterm Tresen einen Blick zu und seufzt: Sie dürften auch nicht öffentlich miteinander ausgehen. Haha.

Ich weiß nicht, was schlimmer ist: die grausigen Gags oder das erschütternde Nichtcharisma der angeblich Verliebten. Kelsey und Connor werfen sich häufiger stumme Blicke zu, aber was womöglich ausdrücken soll, dass hier eine Anziehungskraft wirkt, macht eher den Eindruck, dass die Schauspieler auf irgendwelche Regieanweisungen am Set warten. Kelsey schreibt eine Nachricht an den großen Unbekannten: „Wie es aussieht, bin ich jetzt eine Pseudodetektivin. Aber was soll’s? Ich bin gut. Zumindest sagt mir das mein Partner ständig, obwohl, dieser Fall scheint eine echte Pleite zu sein. Es ist der letzte Abend und als Detektivin wohl auch mein erster und letzter Job. Bis bald, deine Kelsey Gumshoe. PS: Habe mir einen Detektivnamen der alten Schule gegeben.“ Und: „Love you muchly.“ (wein, heul, schrei) Ja, Kelsey, du bist echt gut. Im Wagen rumsitzen und ein Fernglas halten hätte niemand so gut gekonnt wie du, lass dir das ruhig von Connor einreden.

Connor liest Kelseys Nachricht mit und spricht sein „Date“ auf den Inhalt an. Er tut wirklich alles, dass ihn kein Mensch leiden kann (außer Kelsey, aber die ist ja – und jetzt alle zusammen – doof). Sein Gegenüber ist über diese Indiskretion leicht echauffiert (immerhin), und Connor entschuldigt sich für diese „blöde Angewohnheit“ (immerhin). Findet Kelsey letztlich aber alles nicht so schlimm, und sie lüftet überdies freiwillig – überraschend noch über eine halbe Stunde vom Ende entfernt – das große Geheimnis um den ebenso großen Unbekannten. Na, wem könnte sie denn da ständig „Love you muchly“ geschrieben haben? Der Empfänger ist eine Empfängerin, und die ist – täterätäää – ihre Mutter! Und noch was: Sie vertraut ihrer Mama ihr tiefstes Inneres an – obwohl die längst tot ist! Liebe Leser, ist das nicht rührend? (Ist es nicht, aber fragt man sowas in solchen Situationen nicht immer, um Mitleid vorzutäuschen?) Ihr habt schon gemerkt: Das ist unsere große Herzschmerzszene, die uns die Kelsey-Figur näherbringen soll. War sie bislang eine hinterhältige, chaotische und nervig-aufgedrehte Ziege, ist sie jetzt eine hinterhältige, chaotische und nervig-aufgedrehte Ziege mit Familienhintergrund: Mami war sehr lange sehr schrecklich krank, Tante Olivia hat sie und Mami bei sich aufgenommen und half dabei, Mami zu pflegen, Onkel Albert war selten zu Hause und hat viel mit Olivia gestritten. Interessant. Oder etwa nicht? Gähn. (Und ihr beide wollt euch in der Zeit nicht einmal kennengelernt haben? Tut mir leid, wenn ich auf diesem Punkt so herumreite – es ist der bislang zentralste von vielen Schwachpunkten.)

Weil Todd immer noch allein an seinem Platz sitzt, ist Connor bereit, seine Meinung über ihn zu revidieren. Kelsey findet das schade, weil das einerseits bedeutet, dass sie und Connor wieder getrennte Wege gehen – und andererseits hat ihr das Detektivabenteuer Spaß gemacht. Ich wünschte, ich wäre so anspruchslos wie sie. Connor scheint das ebenso zu bedauern und rekapituliert die letzten Tage: die erste Begegnung im Coffeeshop, das Wiedersehen bei der Verlobungsfeier und schließlich der Kuss auf der Baumschneideparty. Ob die Zusammenfassung der Story an dieser Stelle eine gute Idee ist? Ich würde ja mit einem klaren Nein antworten, führt uns das doch nur schonungslos vor Augen, WIE ereignislos der gesamte Film bisher war. „Bilden Sie sich mal nichts ein, alles nur Theater. Und Ihre Küsse waren wirklich grottenschlecht“, scherzt Kelsey. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass sie scherzt. Connor greift ihre Hände und bietet den nächsten Kussversuch an – als zum Glück dieses scheußliche Gesäusel zweier scheußlicher Gesellen unterbrochen wird, weil Michelle schließlich doch noch auftaucht! Donnerwetter!

Kelsey muss Michelle nur sehen, und schon setzt es komplett bei ihr aus. Ihre Kurzschlusshandlungen sind schließlich legendär. Ja, ich gebe es zu: Es mutet etwas merkwürdig an, dass sich Todd mit Michelle zum Abendessen trifft, aber kann sie sich wirklich so sicher sein, dass dieses Treffen fremdgehender Natur ist? Kann sie nicht generell einfach mal für eine Minute denken? Nein, kann sie allein schon deshalb nicht, damit der längst vergessene Running Gag neu aufgewärmt werden kann: „Ich bin eine furiose Kämpferin!“ Tango-Melodie. Wütend stellt Kelsey Todd zur Rede und lässt sich dabei in ihrer Unbeherrschtheit nicht zügeln. Sie macht ihn vor der versammelten Gästeschar rund, wie er es denn wagen könnte, mit dieser Schnepfe auszugehen. Ist sie nicht eine herzerwärmende Frohnatur, die man nur lieben kann?

Damit wäre der auf frischer Tat ertappte Todd nun aber mal so richtig auf den Pott gesetzt, die treulose Tomate, der elende Schuft. Man darf gespannt sein, wie er sich da noch herausreden will. Nun, liebe Leute, überrascht es euch, wenn ich nun schreibe, dass alles ganz anders ist, als es sich Kelsey in ihrem vom Hirn gänzlich befreiten Kopf ausgemalt hat? Seine Erklärung ist diese:

• Todd kennt Michelle schon seit Jahren.
• Er hat ohne Emilys Wissen das von ihr ausgesuchte Hochzeitskleid von Michelle zum Freundschaftspreis erworben.
• Als Gegenleistung will er Michelle heute Abend zum Essen einladen.
• Michelles Mann selbst, zugleich der Besitzer dieses Restaurants, hat das Treffen arrangiert.

Mal davon abgesehen, dass für mich die Einladung in ein Restaurant, in dem Todd vermutlich nichts für Michelle bezahlen muss, weil ja ihrem Mann der Laden gehört (wer besitzt in diesem Film eigentlich KEIN Restaurant? Oder gehört das Restaurant Joey Fatone, dem N’Sync-Menschen? Ist Michelle Joey Fatones Frau? Man könnte es denken, aber es wird nicht aufgeklärt), ein typisches Beispiel für das haarsträubend undurchdachte Skript ist, würde ich sagen: Bumm, das hat gesessen! Alles, was sich Dumm-Kelsey aufgebaut hat, in wenigen Sekunden eingerissen. Meine Schadenfreude könnte nicht größer sein. Auch für ihren Begleiter hat Todd noch ein paar kalte Worte übrig: „Ist das Ihre Methode, Connor? Eifersüchtig das Glück der Wilson-Frauen kaputtmachen?“ Connor schaut ihn böse an und zieht Leine, und Kelsey kann sich nur noch bei Todd für ihren peinlichen Auftritt entschuldigen. Dann geht auch sie, und es ist mir ein besonderes Vergnügen, mir vorzustellen, wie sie die ganze Nacht durchheult.

Glücklicherweise gibt es noch die weise Tante Olivia, die die nötigen tröstenden Worte für Kelsey übrighat: „Willst du dir dein ganzes Leben zerstören oder nur deinen Job?“ Ja genau, würg ihr so richtig eine rein, Olivia! Nur leider ist das schon das Maximum an hämischem Kommentar, das sie für sie übrighat. Für den Rest des Gesprächs möchte sie Kelsey wieder aufbauen (so viel zu ihrem Schreckschraubenstatus), zumal die nicht zu Unrecht befürchtet, in Kürze von Emily umgebracht zu werden für die am Vortag geleistete Aktion. Doch Olivia hat schon das Heft des Handelns in die Hand genommen und Todd davon überzeugt, die ganze Angelegenheit für sich zu behalten. Immerhin sei Kelsey sehr raffiniert von Connor beeinflusst worden.

Damit wäre das leider vom Tisch (den Bruch mit ihrer Cousine hätte ich ihr schon gegönnt), doch es gibt ein weiteres Problem: Olivia ist immer noch davon überzeugt, dass sich ihre Nichte in das dreiste Oberarschloch Connor verliebt hat. Damit Kelsey sich dieses abartige Subjekt ein für alle Mal aus dem Kopf streicht, drückt sie ihr die Kopie eines Schecks (o.Ä.) in die Hand. Dazu kommen ein paar aufklärende Worte: Den Scheck hätte Onkel Albert vor zehn Jahren für Connor ausgestellt, damit er Emily nie wiedersieht – und so verschwand er eines schönen Weihnachtsmorgens. Emily hätte das nie verwunden.

Häääää, bitte was?! Zum einen: Wenn Emily es nie verwunden hat, dass Connor sie einfach Hals über Kopf verlassen hat, warum merkt man ihr das heute gar nicht mehr an? Und zum anderen: Was sind das bitte für Arschlocheltern, die den Freund der Tochter mit einem Scheck abspeisen, damit er aus ihrem Leben verschwindet? Sind wir hier im Mittelalter, wo Frauen noch gegen ihren Willen mit den Eltern genehmeren Leuten vermählt wurden? Und dann stellt sich Olivia hier hin und beschwert sich allen Ernstes, dass Emily die Trennung nie verwunden hätte. Wieso hat dein Mann ihm den Scheck denn überhaupt erst angeboten und eure Tochter unglücklich gemacht? Wieso wird Connor hier der Schwarze Peter zugeschoben, obwohl Olivia sich selbst (oder wenigstens ihren Mann) dafür verachten sollte? Hallo, Logik?!

Was mich allerdings gar nicht wundert, ist, dass Kelsey sofort darauf anspringt: „Das muss ein Irrtum sein. Das würde er nie tun.“ Ja, Kelsey, schon klar. Die Tatsache, dass Connor in seinem damals ja noch sehr jungen Alter das Bestechungsgeld angenommen hat, ist natürlich verachtenswerter als die Tatsache, dass er von Kelseys Onkel bestochen wurde, der ihn damit loswerden wollte? Wir reden hier von Erpressung, und Kelsey interessiert es nicht. Holleri-dudödeldi, diridiri-dudeldö.

Das ist aber immer noch nicht alles: Olivia zückt einen zweiten Scheck. Diesen hatte ihr Mann kurz vor seinem Tod an Connor ausgestellt, nachdem der ihn erneut um Geld gebeten hatte, und das sei auch der Grund, warum Connor aktuell hier sei.

Alter, in dieser Szene lässt mich jeder Dialogsatz mit Freude Stacheldraht umarmen: Wieso „erneut um Geld gebeten“? Connor hatte doch seinerzeit gar nicht um Geld gebeten, sondern Geld dafür bekommen, dass er verschwindet. Das „erneut“ passt also nicht. Und darüber hinaus: Wieso bittet Connor einen Typen um Geld, der ihm vor über zehn Jahren mitteilte, er solle sich verpissen? Und eine noch viel dringlichere Frage: Warum stellt Onkel Albert ihm dann auch noch diesen Scheck aus? Welche Beweggründe hätte er, einem Typen, der damals schon nicht gut genug für seine Tochter war, einfach Geld zu überweisen? Und warum soll das Geld der Grund sein, dass Connor hier ist? Er hat das Geld doch schon, wenn es bereits überwiesen wurde. Das ist alles… ist alles… ist… Sorry, keine Worte mehr, ich tilte aus und springe gleich aus dem Fenster.

Anstatt also Tante Olivia zur Schnecke zu machen, sucht Kelsey Connor in seinem Restaurant auf. Er weiß gar nicht, wie ihm geschieht, als sie ihm den Scheck auf den Tisch knallt.

Er: Hören Sie, Kelsey, ich muss Ihnen das erklären. Ich wollte nur…
Sie: Vergiss es. Ich wusste, dass du mich nur benutzt. Ich war ja so blöde, aber ich hab‘ wirklich was für dich empfunden. Ich hatte das Gefühl, das zwischen uns wäre ehrlich gemeint. Ich will dich nie wiedersehen.
Er: Bitte, Kelsey, lass mich das erklären, okay?
Sie: Ich wünschte, ich könnte dich einfach nur hassen, aber ich hasse mich selbst, weil ich so bescheuert war.

„… bescheuert BIN“, Kelsey, „… weil ich so bescheuert BIN.“ Und ja, Connor siezt in der ersten Zeile Kelsey und wechselt dann ganz plötzlich zum Du.

Ich weiß, es ist viel verlangt, aber auch diesmal wäre es durchaus möglich gewesen, Connor in sachlichem Tonfall auf den bzw. die ausgestellten Schecks anzusprechen. Die naheliegendste Frage wäre doch jetzt: Warum? Aber schon klar – es braucht das Klischee „Liebespaar verkracht sich aus irgendeinem Grund, damit es sich am Ende wieder versöhnen kann“ unbedingt, da ist es völlig egal, wie schwachsinnig der Grund ist. Als Kelsey davonläuft, könnte Connor theoretisch hinterherlaufen. Macht er aber nicht. Er weiß, das liefe dem eben genannten Klischee zuwider: Es wäre schlichtweg zu früh, den Konflikt aufzulösen, denn der Film geht noch über 20 Minuten. Mittlerweile halte ich Connor nur noch für eine Torfnase und Kelsey für eine blöde Kuh.

Kelsey kommt traurig nach Hause. Ihr Handy klingelt, aber sie drückt den Anruf weg. Ist es der von Connor? Olivia? Emily? Man weiß es nicht. Ihr Voice-over seufzt: „Ich habe mir immer eine leidenschaftliche und romantische Liebesbeziehung gewünscht, aber jetzt verbringe ich meine Zeit damit, mir zu wünschen, es nie gewünscht zu haben.“ Und nochmal seufz. Ja, du bist echt arm dran, blöde Kuh.

Bisher fehlte noch die „Bester Kumpel gibt kluge Ratschläge“-Szene. Die holen wir jetzt nach, da das Kind in den Brunnen gefallen ist. Connor heult sich bei seinem Kumpel George aus. (Joey Fatone! N’Sync?!) Kelsey werde nie mehr ein Wort mit ihm reden, glaubt er: „Ich finde sie bezaubernd. Ich kann sie nicht einfach vergessen. Ich war die halbe Nacht wach, weil ich wusste, dass ich sie heute Morgen sehe. Ich fühlte mich wie ein Kind am Weihnachtsabend.“ Erst Kelseys Herzschmerz, nun Connors Herzschmerz. Es hätte dem Film nicht geschadet, wenn man sie denn mögen würde (und Darsteller Stephen Huszar diesen Gefühlsausbruch nicht mit Stoneface spielen würde, wie er es den gesamten Film über schon tut). So will ich nur, dass dieser Mist endlich vorbei ist. Ich finde ja, Connor sollte nicht so einer blöden Kuh nachhängen, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man in der Verliebtheitsphase nicht immer rational denkt. Ich schrieb ja aber eben, das ist die „Bester Kumpel gibt kluge Ratschläge“-Szene. Und der Ratschlag ist der folgende: „Sag ihr einfach die Wahrheit!“ Yeah, wie gut, dass es beste Kumpels gibt. Die haben immer die besten Ideen!

Wenn hier nicht hin und wieder das Wort „Weihnachten“ fallen würde und immer mal wieder als Szenenübergänge Bilder von Schnee zu sehen wären, könnte glatt vergessen werden, dass „Christmas Wedding Planner“ offiziell ein Weihnachtsfilm ist. Diesmal sehen wir einen geschmückten Weihnachtsbaum – und dann eine der gehaltvollen Textnachrichten von Kelsey: „Ich weiß, du hast mir beigebracht, stark zu sein. Und das bin ich auch, jedenfalls versuche ich es. Du würdest jetzt wohl sagen, dumme Männer verlieren kluge Frauen, und mir übers Haar streicheln, bis ich eingeschlafen bin. Morgen ist ein sehr wichtiger Tag für mich. Wenn du wüsstest, wie sehr ich dich vermisse.“ Und: „Love you muchly.“ Woah, nun hört aber mal auf hier. Ich krieg‘ schon wieder das kalte Kotzen. Ach ja, und wenn wir nach diesem Film gehen, heißt es ja wohl: „Dumme Männer verlieren dumme Frauen.“ Kluge Frauen sehe ich weit und breit nicht. Keine falsche Bescheidenheit, Kelsey.

Und da ist er – der Tag der Hochzeit. Wir nähern uns also dem Finale. Die Kirche wird festlich dekoriert, und alle sind guter Dinge. Während der Vorbereitungen erscheint auch Todd auf der Bildfläche. Darauf hat Kelsey offenkundig gewartet: Sie möchte unter vier Augen ihn doch nochmal um Verzeihung bitten, doch Todd fährt ihr über den Mund.

Er: Kels, ich wollte dir nur sagen, ich bewundere deine Arbeit. Das ist der Traum einer Traumhochzeit.
Sie: Danke, das macht mich sehr glücklich. (…) Sie hat großes Glück mit dir.
Er: Ich hab‘ großes Glück.

Hach, so viel Friede, Freude, Eierkuchen halte ich ja im Kopf nicht aus. Von diesem Zuckerschock fallen mir noch die Zähne aus. Da setzt George mit seinem Anruf bei Kelsey genau den richtigen Kontrapunkt: „Die Gefriertruhe ist in der Nacht kaputtgegangen.“ Kelsey kann es nicht fassen und sieht es als ihre gottgegebene Pflicht an, sich das persönlich anzusehen. Ich weiß zwar nicht, warum sie das tun sollte, erst recht nicht so kurz vor Beginn der Hochzeit – eine kaputte Gefriertruhe ist eine kaputte Gefriertruhe, und aufgetautes Essen ist aufgetautes Essen –, aber gut, irgendwie muss man ja krampfhaft die „Er will sich bei ihr entschuldigen“-Szene ins Skript prügeln.

Denn – und das überrascht sicherlich keinen Leser mit einem höheren IQ als 0 – Georges Anruf war natürlich nur ein Vorwand, um Kelsey zum ebenfalls anwesenden Connor zu lotsen, der ihr etwas zu sagen hat, aber von Angesicht zu Angesicht nicht mal Gestammel herausbringt. „Sollte ich kommen, damit wir uns hier anstarren?“, zickt Ziege Kelsey. Da zeigt Connor ihr etwas: die Besitzurkunde dieses Restaurants. Weil George seinerzeit Geldprobleme hatte, unterstützte Connor als guter Freund ihn bei seinem großen Traum mithilfe des Bestechungsgeldes von Emilys Dad. Mit dieser Masche kommt er bei Kelsey nicht weit, und normalerweise würde ich die Geschichte auch anzweifeln, wenn man bedenkt, wie jung Connor zu dem Zeitpunkt gewesen sein muss. Da sollte man noch gar nicht an ein eigenes Restaurant denken. Da aber nicht explizit Connors und Georges Alter verraten wird, lasse ich ihm das mal durchgehen. Was ich dem Film aber nicht mehr durchgehen lasse: Das ist jetzt bereits die dritte Szene in diesem Restaurant – und bis auf Kelsey, Connor und George habe ich darin keine Person, sprich: keinen Gast, gesehen. Mich wundern Georges Geldprobleme nicht.

Connor rechtfertigt sich weiter, warum er damals so plötzlich verschwunden ist: Ihm blieb nichts anderes übrig, als abzuhauen, weil der gute Onkel Albert seiner Tochter sonst gesagt hätte, dass er von Connor erpresst worden wäre. Das sind echt Abgründe, die sich hier auftun – und damit meine ich explizit die Abgründe bei Albert, nicht bei Connor. Kelseys Wut adressiert allerdings nach wie vor ausschließlich Connor, weil er Klartext mit Emily hätte reden müssen. Gut, damit hat sie einen Punkt, das wäre aber aus seiner Sicht leichter gesagt gewesen als getan: „Ich hätte sie zwingen müssen, sich für einen von uns zu entscheiden.“ Auch das überzeugt die eiskalte Kelsey nicht (mich ehrlich gesagt auch nicht, wenigstens ein Wort des Abschieds wäre ja wohl drin gewesen). Es steht ja aber immer noch eine weitere Frage im Raum: Was hat es mit dem Geld auf sich, das Connor von Onkel Albert kurz vor dessen Tod gezockt hat? Connors kurzes Zögern wertet sie als Eingeständnis, etwas Schäbiges getan zu haben, und dampft wütend ab. Wieder hätte Connor die Möglichkeit, ihr hinterherzulaufen, und wieder belässt er es beim Seufzen. Wenn der Film Eier hätte, würde Connor jetzt sagen: „Bleib doch, wo der Pfeffer wächst.“ Aber der Film hat keine Eier. Nur faule Eier.

Nachdem die zu den Hochzeitsvorbereitungen zurückgekehrte Kelsey sich kurz mit ihrer Tante Olivia über Schuft Connor ausgelassen hat und beschließt, mit ihr nach der Hochzeit sämtliche Alkoholbestände für ein hübsches Besäufnis zu leeren, kommt der große Twist. Was? Twist? Ihr hättet mit keinem gerechnet? Ich gebe zu: ich nicht. Wie ein Orkan bricht der Twist über uns herein, denn Connor bekommt Besuch – von einer schwangeren Frau. Wenn man im Gegensatz zu mir bei der Erstsichtung besonders gut aufgepasst hat, könnte man diese schwangere Frau kennen, weil sie doch vorhin immerhin rund drei Sekunden im Bild war, und zwar als Bedienstete auf der Baumschneideparty von Familie Brannigan. Connor hatte ihr dort seine Karte in die Hand gedrückt. Sie besucht ihn, weil sie ihm was zu erzählen hat. Hat das Ganze etwa mit Todd zu tun? Spannung. (Na ja.)

Gleich wird geheiratet. Todds Eltern Tim und Linda werden fotografiert, Marianne ist auch da (wer? Na, die Redakteurin von hochzeitdestages.com! Habt ihr die etwa vergessen? Könnt ihr gleich wieder, die sehen wir nicht wieder), und Jealous mimt die Platzanweiserin. Schließlich sitzen alle, die Brautjungfern laufen mit Kelsey ein, und der berühmte Hochzeitsmarsch, der bei keiner kirchlichen Vermählung fehlen darf, setzt ein. Emily und Todd stellen sich vor den Altar, der Pfarrer spricht seinen Trauspruch, blablabla. Wir kennen das aus 5.729831 anderen RomComs – ebenso wie diese Worte des Pfarrers: „Sollte jemand der Anwesenden einen Grund kennen, der gegen diese Vermählung spricht, so möge er jetzt reden oder für immer schweigen.“

Das wäre doch jetzt Connors Auftritt, oder? Jo, und da ist er auch schon und ruft: „Stopp!“ Großes Entsetzen bei allen Anwesenden. Connor hat Neuigkeiten: „Emily, er ist nicht der Richtige! Wenn du mir nicht glaubst, glaub ihr!“ Äh, was? Moment! Du hast die Frau doch wohl nicht mitgebracht? Nein, das hast du nicht. So blöd kann keiner sein. Oder doch? Doch, er hat sie mitgebracht. Da kommt sie auch schon und präsentiert schüchtern ihren Babybauch. Das Hochzeitspublikum ist entsetzt – und ich bin es auch.

In einem realistischen Film würden sich jetzt alle wutentbrannt auf Connor und Dienstmädchen Veronica stürzen und beide bei lebendigem Leibe zerfleischen, dafür, dass hier gerade eine lang geplante Hochzeit ruiniert wird, aber das hier hat bekanntlich nichts mit der Realität zu tun. Das Vertrauen in Todd, den Traummann, scheint allgemein nicht so groß zu sein, denn die Möchtegernbraut glaubt ihrem einst einfach so verschwundenen Ex mehr als ihm und bringt stante pede den Babybauch mit Todd in Verbindung: „Sag mir bitte, dass das nicht wahr ist.“ Bisher könnte es ja aus Sicht der Familien genauso gut eine besonders perfide Art von Connor gewesen sein, um sich eine zweite Chance bei Emily, die er ja auch mal über alles liebte, zu erschleichen, zumal Connor es bislang mit der Ehrlichkeit ja nicht so genau nahm, aber man glaubt ihm auf der Stelle – sogar Olivia, die ihn bis zur letzten Szene noch auf den Tod nicht ausstehen konnte. Ich kann es gar nicht oft genug sagen: Es ist SO bekloppt. Die ganze Story ist für den Arsch, und ich hasse alles an diesem Film.

Während Todd noch bestreitet, diese Frau zu kennen, holt Connor triumphal zum Vernichtungsschlag aus, als hätte er das alles selbst durch intensive Schnüffelei herausgefunden und nicht durch Last-Minute-Besuch des übel geschwängerten Dienstmädchens. Ich würde ihm ja sagen, dass es aktuell angebrachter wäre, die Klappe zu halten, aber wenn er schon mal dabei ist: „Veronica hat Todd gesagt, dass sie von ihm ein Kind erwartet, aber anstatt Verantwortung zu übernehmen, beschloss er, sie zu ignorieren und stattdessen Emily zu heiraten. Die Brannigans ließen sie noch bei sich arbeiten während der Schwangerschaft, und dann entdeckten sie, wer der Vater war. Nun, sie taten etwas, was viele tun würden: Sie entließen sie.“ Das ist so überzeugend vorgetragen, dass Todd sich nur noch verzweifelt an seinen anwesenden Dad wenden kann, damit der noch ein paar entkräftende Sätze spricht, aber der ist ähnlich sprachlos. „Lass nicht zu, dass sie uns alles kaputtmacht“, ist daher das Beste, was Todd einfällt, doch damit kriegt er Emily nicht mehr weich. Sie rennt heulend davon, und Kelsey wirft Todd wütend den Brautstrauß vor die Füße.

All das hätte möglicherweise vermieden werden können, wenn Kelsey mit Emily vorher über ihren Verdacht gesprochen hätte. Oder wenn sie ihr ehrlicherweise, wie beste Freundinnen es tun sollten, über ihren peinlichen Auftritt im Restaurant berichtet hätte. Vielleicht hätte sie Emily damit nochmal sensibilisiert. So hat sie nun ihren Teil dazu beigetragen, dass Emily den schlimmsten Tag ihres Lebens erlebt. Connor ist ganz in seinem Arschloch-Element und richtet in überheblicher Oberwassermanier ein paar ernste Worte an Todds Vater: „Wie frech manche sind, nicht wahr, Mr. Brannigan?“ Hä? Was will er denn damit schon wieder sagen? (Ich sollte aufhören, auf diese Synchro reinzufallen. Im Original sagt er: „Can’t trust anyone these days, right, Mr. Brannigan?“ Wobei ich auch da nicht weiß, worauf genau sich Connor bezieht.) Todd möchte Connor die zweifelsohne verdiente Abreibung verpassen, aber Olivia schaltet schnell und stellt ihm ein Bein. „An deiner Stelle würde ich mich jetzt entschlossen um dieses Baby kümmern“, sagt sie, als er wieder aufsteht. Sie hat sich wirklich sehr schnell mit der neuen Situation arrangiert: vom Traumschwiegersohn zum jämmerlichen Fußabtreter in einer Minute. Von Entsetzen keine Spur.

Ich hätte gedacht, Emily wäre nun einfach nur weit weg gelaufen, irgendwohin, wo sie keiner findet. Stattdessen hat sie es nur bis zur Sitzbank vor der Kirche geschafft, wo sie trauert, auf so einen geilen Frauenschwängerer hereingefallen zu sein. Kelsey versucht sie in ihrem Kummer zu trösten.

Emily: Wie konnte ich so dumm sein?
Kelsey: Du bist doch nicht dumm. Gar nicht, ehrlich. Du bist der beste Mensch, den ich kenne.

Nun, auch der beste Mensch kann dumm sein. Das eine schließt das andere nicht aus, Schätzchen.

Emily lässt sich davon nicht beruhigen: „Ich wollte so gerne Kinder, und eins sollte sogar Kelsey heißen.“ Du Ärmste! Das hat sich mit deinen uralten 25 Jahren nun wohl für immer erledigt, Emily. Und wenn du wüsstest, was für eine falsche Schlange deine angeblich so fürsorgliche Cousine ist, würdest du dir das mit der Namensgebung noch einmal überlegen. Kelsey nimmt Emily in den Arm – und damit wäre die verpatzte Hochzeit auch schon nur noch Nebensache. Das meine ich ernst, Leute. Du und ich würden jetzt tage- und wochenlang vor Selbstmitleid vergehen und nichts und niemanden sehen wollen nach diesem Alptraum, aber Emily interessiert sich nun für das Liebesleben ihrer Sitznachbarin: „Und was ist mit dir? Du liebst doch Connor.“ (!!!) Klar, es ist jetzt das Allerwichtigste, dass wenigstens Kelsey glücklich wird. Kelsey würde am liebsten alles stehen und liegen lassen und mit Emily nach Mexiko, und Emily hätte nichts dagegen. Es ist rührend, ich kotze. Schon wieder. „Du bist meine Schwester. Ich tu‘ alles für dich“, tröstet Kelsey. Wie jetzt? Schwester? Cousine! Oder will Kelsey damit sagen, dass Emily für sie so wichtig wie eine Schwester ist? Wie dem auch sei: Als „Schwester“ wäre es deine gottverdammte Pflicht gewesen, ehrlich zu Emily zu sein! So eine Heuchlerin, ey.

Den Mexiko-Trip können sich Kelsey und Emily abschminken, denn wir müssen ja leider doch noch irgendwie ein Happy End konstruieren – und deshalb führt kein Weg an Hochzeitszerstörer Connor vorbei, der sich zu den beiden Frauen gesellt. Unbeschadet, obwohl zumindest die Hälfte der Hochzeitsgesellschaft (die Brannigan-Familie!) einen Grund gehabt hätte, ihn windelweich zu prügeln. (Wir sehen allerdings das schwangere Hausmädchen nicht wieder. Vielleicht brennt es ja bereits auf der anderen Seite der Kirche auf dem Scheiterhaufen.) Das ist für Emily das Stichwort, sich wieder in die Kirche zurückzuziehen, damit sich die füreinander Bestimmten (würg, kotz, brech) in Ruhe aussprechen können. Schließlich ist Connor jetzt ein Guter. Emily raunt ihm beim Reingehen zu: „Du hast hoffentlich das beste Weihnachtsgeschenk für sie.“ Wie gesagt: Nichts ist jetzt wichtiger als Kelseys Wohlbefinden. Dass Emilys schönster Tag ihres Lebens zum schlimmsten wurde – geschenkt!

Mit Beendigung seiner unglaublich feinsinnigen Detektivarbeit, die ja eigentlich aus nichts bestand, außer sinnlos falschen Spuren zu folgen und Visitenkarten herauszugeben, darf Connor nun auch endlich auf die Verschwiegenheitserklärung pfeifen und seinen Auftraggeber preisgeben: Es war Onkel Albert! Dem seien Zweifel an Todd gekommen (die er offenbar seiner eigenen Frau verschwiegen hat – oder wusste sie auch davon, weil sie vorhin ja immerhin Kelsey den Scheck in die Hand drücken konnte, und es interessierte sie nur nicht? Ach, alles egal). „Du weißt ja, er war ein ziemlicher Kontrollfreak. Ich sollte Todd unter die Lupe nehmen. Er sagte, nur ein Mistkerl versteht die Tricks eines Mistkerls“, erklärt sich Connor. Tja, und weil der Mistkerl dich damals erpresst und dir deine große Liebe Emily genommen hat, hast du natürlich sofort Ja gesagt – und das alles auf die Gefahr hin, dass dann wieder alte Gefühle hochkommen, entweder bei dir oder bei Emily oder bei beiden… Sagte ich, dass das Drehbuch völlig hirnamputiert ist?

Vermutlich hätte Connor das alles gar nicht mehr erzählen müssen, denn auch für Kelsey ist natürlich mit einem Mal alle Unehrlichkeit der vergangenen Tage vergessen: „Mistkerl? Ich sehe keinen!“ Das war übrigens der Zeitpunkt, zu dem ich mir einen neuen Fernseher zulegen musste, weil ich ihn vor lauter Wut auf so viel Blödheit kaputtgehauen habe. Das ist doch alles nicht mehr zu fassen. Connor hat zwar innerhalb weniger Augenblicke die geplante Hochzeit kurz und klein geschlagen, aber als Skeptiker stand er natürlich von Anfang an auf der richtigen Seite und darf sich zu seinem Glück noch die geliebte Frau abholen. „Kelsey, ich liebe dich“, säuselt er, nähert sich Kelsey und küsst sie. Hui, super, Happy End!

Hätte der Film mit diesem Kuss aufgehört, wäre er immer noch eine erschreckend schlechte RomCom gewesen, völlig banal, langweilig und phasenweise ganz furchtbar idiotisch. Nun, der Konjunktiv drückt es bereits aus: Der Film hört aber nicht auf – und entscheidet sich dafür, uns ein Ende aufzutischen, das jeder Beschreibung spottet, ein auf alles scheißendes Stinkefinger-Ende, das man so einfach nicht bringen kann. Und das geht so:

Emily und Olivia gucken aus der Kirchentür und freuen sich: Die vor zehn Minuten geplatzte Hochzeit, auf die der ganze Film hingearbeitet hat (und die beiden ja sogar noch länger als die 80 Minuten, die wir gesehen haben), ist vollständig abgehakt. Als Alternative gibt es ja ein neues Liebespaar. Olivia entschuldigt sich persönlich bei Connor für ihre furchtbare Fehleinschätzung. „Fuck you! Ihr konntet mich damals nicht ausstehen und habt mir die Liebe meines Lebens genommen!“, sollte Connor rufen, und er hätte meinen Segen dafür. Stattdessen nimmt er aber an. Kelsey resümiert für uns kurz die Filmhandlung: „Komisch. Für Emily ist heute ein grausamer Tag, aber mir, mir scheint er irgendwie Glück zu bringen.“ Ein so grausamer Tag sogar, dass Emily über beide Ohren darüber lächelt, dass ihre beste Freundin endlich mit dem Ex, den sie einst so liebte, zusammen ist. Schmerzt an einem solchen Tag wie heute bestimmt überhaupt nicht. Wie dem auch sei, es hilft ja alles nichts: Irgendjemand muss die Hochzeit absagen. Ich hätte zwar gedacht, die Absage wäre nach den Vorfällen der letzten Minuten schon längst vollzogen worden, aber da habe ich mich wohl geirrt. Und dann passiert das Unfassbare…

… Connor hat da eine Idee: „Vielleicht bleiben einfach alle.“ Kelsey fragt sich, was das Ganze soll, und noch ehe mir gewahr wird, was hier jetzt und gleich passieren könnte, und noch ehe ich „Nein, das wagt er nicht, auch nicht dieser Film…“ sagen kann, fällt Connor vor Kelsey auf die Knie und fragt die Frage aller Fragen: „Kelsey Wilson, willst du mich heiraten?“ Wir haben uns vor vielleicht sieben Tagen kennengelernt, du konntest mich bis vor zehn Minuten nicht ausstehen (bis vor zehn Minuten), wir hatten noch nicht mal ein Date, aber: „Kelsey Wilson, willst du mich heiraten?“ Ich habe auch eine Frage: „Christmas Wedding Planner“, willst du mich verarschen? Weit hat es der Film getrieben, aber hier und jetzt ist eine Grenze überschritten, die ich nicht mehr dulden kann – Weihnachts-RomCom hin oder her, damit verbundene Realitätsferne hin oder her, das geht einfach nicht.

Ihr könnt euch denken, was Kelsey sagt. Ihr Einwand, man müsse sich doch erst kennenlernen, ist ihr zwar immerhin einen halben Satz wert, aber als dann auch noch Olivia Connor ihren eigenen Ehering zuwirft (!!!) und sie somit ihren Segen für die Ehe gibt – ich kann es nur immer und immer wiederholen: für einen Mann, der bis vor wenigen Minuten noch Satan höchstpersönlich war –, kann Kelsey nicht widerstehen. Ihr Voice-over meldet sich: „Ich hätte nie gedacht, mich einmal so mutig dem Leben zu stellen, und ich weiß, dass die Liebe nicht alle Hindernisse überwinden kann. Ich bin erwachsen geworden.“ Erwachsen geworden? Bekloppt geworden! Oder besser: schon immer gewesen.

In der Abschlussszene sehen wir dann Connor im Anzug und Kelsey im Brautkleid in der Kirche stehen. Äh. Woher hat sie jetzt so schnell ein Brautkleid bekommen? Emilys kann es nicht sein, denn die trägt ihres noch. Und braucht es keine Papiere, um überhaupt so kurzfristig heiraten zu können? Müssen nicht generell irgendwelche Vorkehrungen getroffen werden in Kanada oder kann da jeder Hinz und Kunz zum Pfarrer gehen und sagen: „Ey, ich würde gern in fünf Minuten heiraten“? Wenn ja – liebe heiratswillige Leser, macht doch mal nach Kanada rüber! Absoluter Geheimtipp! Keine Wartezeiten!

Kelsey und Connor geben sich das Ja-Wort und besiegeln es mit einem Kuss. Allgemeiner Jubel, Standing-Ovations usw. – und das alles auch noch in Zeitlupe, weil bewegend und so. Man stelle sich das mal vor: Da sitzen der Emily-Clan auf der einen und der Todd-Clan auf der anderen Seite – und sie jubeln einer Frau zu, die ein Großteil der Hochzeitsgäste gar nicht kennt, und einem Mann, der den eigentlichen Grund ihres Besuchs zunichte gemacht hat. Glglglglgl, adda-adda-dei-dei. Tut mir leid, bei mir hat die Hirnschmelze längst begonnen, vernünftig formulierte Sätze fallen mir entsprechend schwerer. Andererseits konstatiere ich: In der gesamten Hochzeitsszene sind lediglich die beiden Frischvermählten, der Pfarrer, Emily und Olivia zu sehen. Ansonsten sehen wir keinen einzigen Menschen, nicht mal die anderen Brautjungfern. Gäbe es den Applaus von der Tonspur nicht, könnte man glauben, dass diese Pfeifen kein Publikum haben. Eine sehr schöne Vorstellung.

Die letzten Worte vor dem Abspann hat Kelsey, während „Season’s Greetings“ von Cassie Dasilva läuft und während Kelsey den Brautstrauß wirft – direkt in Emilys Arme: „Siehst du, Mom? Das war mein Debüt, meine erste professionell geplante Hochzeit, die am Ende dann zu meiner eigenen wurde, natürlich mit dem Segen der anderen. Ich weiß noch nicht, wohin mich die Reise führen wird, und das verunsichert mich. Aber egal wo es mich hin verschlägt, ich vertraue auf die Liebe, die mich umgibt und lenkt, und ich weiß, diese Liebe ist bedingungslos.“ Plus: „Love you muchly, Kelsey.“ Und mir bleibt nur noch zu sagen: Fuck you muchly, movie!

Doch es ist immer noch nicht aus (heul). Über den Abspann läuft eine Szene, in der Connor seine frischgebackene Gattin über die Türschwelle in die Hochzeitssuite trägt und sagt: „Willkommen zu Hause, Mrs. McClane!“ Und für einen Moment hoffte ich, Hans Gruber käme höchstpersönlich vorbei und würde die McClanes eiskalt niedermähen. Dass ich diesen Satz mal schreiben würde, hätte ich auch nicht gedacht…

Uiuiuiuiuiuiuiuiui… Bei einem Film wie „Christmas Wedding Planner“ kommt man ab einem bestimmten Zeitpunkt (also so nach zehn Minuten) nicht umhin, sich zu fragen, ob manche Filmemacher eigentlich denken, man könnte den anspruchslosen Zuschauern alles zu fressen geben, was sie ihnen anbieten, irgendwie werden sie es schon schlucken. Zumindest in diesem Fall ging der Plan nicht auf – die sehr mauen 4,4 auf der IMDb und zahlreiche Negativkommentare sprechen Bände. Hier wurde die Intelligenz der Zuschauer derart beleidigt, dass sich selbst viele RomCom-Fans mit Grauen abwendeten, was mich im Glauben an die Menschheit, der in diesen schweren Zeiten eigentlich verloren scheint, doch wieder etwas bestärkt.

Weihnachtliche TV-Filme wirken grundsätzlich immer eher provinziell. Man merkt das fehlende Budget, die Storys sind noch flacher als die Pendants aus Hollywood, die Konflikte meist so zahm und schnell weggequatscht, dass man kaum merkt, wann denn welche auftauchen – und natürlich müssen wir auch bei den Schauspielern einige Abstriche machen. Das bin ich auch alles bereit hinzunehmen, wenn ich mir solche Romanzen ansehe. Ich bin nicht die Zielgruppe, und das akzeptiere ich. Aber mal ehrlich – was uns Regisseur Justin G. Dyck und sein Drehbuchautor Keith Cooper hier anbieten, zieht einem echt sämtliche Zähne. Vielleicht kann man auch Stacy Connelly als Vorlagengeberin nicht ganz von der Schuld für so manche Idiotie freisprechen (natürlich habe ich die Vorlage nicht gelesen!), aber letzten Endes wäre es ja auch Coopers Aufgabe gewesen, die bestehenden Fehler aus dem Originalwerk auszumerzen und sie nicht noch zu verschlimmern. (In der IMDb ist auch noch eine Rebecca Lamarche für das „additional material“ aufgeführt – was genau ihr Beitrag an diesem Desaster ist, kann ich aber nicht sagen. Ist ja letztlich auch egal, weil das Drehbuch für die schmutzigste Tonne ist.)

Alles verursacht hier körperliche Schmerzen, sodass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Vielleicht bei den unerträglichen Hauptfiguren? Kelsey und Connor sind so ziemlich das charismafreiste Pärchen, an das ich mich erinnern kann. Wie gesagt soll Kelsey in ihrer Quirlig- und Schusseligkeit offenbar Sandra Bullock kopieren, die dieses Rollenprofil ja nun wirklich sehr gut drauf hat und damit schon lange sowohl die weiblichen als auch die männlichen Zuschauer im Sturm zu erobern weiß. Sie hat stets eine Grundsympathie, der man schwerlich widerstehen kann. Aber Kelsey hat nichts davon. Schlimmer: Sie nervt.

Und das von ihrer ersten Sekunde an – sogar noch bevor man sie überhaupt das erste Mal sieht, weil der Film ja mit einem Voice-over von ihr beginnt. Diese Off-Kommentare sind nicht nur nicht spritzig, sondern auch noch hochgradig überflüssig. Sie steuern nichts zum Verständnis bei, sondern käuen nur Offensichtliches wieder, und wenn dann jemand in Kelseys Gegenwart etwas sagt, was sie dann kommentiert, oder wenn sie selbst meint, sich mit einer Äußerung ins Fettnäpfchen gesetzt zu haben und dann sich gedanklich scheltet, ist das einfach nur peinlich unlustig. Später kommt dann auch noch hinzu, dass ihre Charakterzüge von chaotisch zu unangenehm wechseln, wenn sie ihren Liebsten nie zu Wort kommen lässt, um sich zu erklären, und die ganze Zeit vorgibt, nur das Beste für ihre ach so tolle Cousine zu wollen, obwohl sie sich völlig unmöglich aufführt, schlicht unaufrichtig und kriminell agiert – das sind zu viele Makel, um ihr als Zuschauer eine Chance geben zu können.

Und dann wäre da auch noch Connor, der die Unaufrichtigkeit erst recht lebt und lügen kann, bis sich die Balken biegen. Anfangs springt er auch noch äußerst chauvinistisch mit Kelsey um, womit der Drehbuchautor mal eben Frauenfeindlichkeit mit Schlagfertigkeit und Coolness verwechselt. Connor ist ein Arschloch – und es fällt schwer, das nicht so zu sehen. Entsprechend aus heiterem Himmel kommt dann auch sein spätes Eingeständnis, Kelsey doch vom ersten Moment an geliebt zu haben. Da wird er dann sogar kurz zum jämmerlichen Waschlappen, um zum Schluss mit seiner Aktion, die Hochzeit zu torpedieren, indem er auch noch die unfreiwillig Geschwängerte auf dem Präsentierteller zur Schau stellt, zu alter Arschloch-Stärke zurückzufinden. Wie für Kelsey gilt: Ja, er mag attraktiv sein, aber er ist unsympathisch, und Leute wie ihn will man einfach nicht in einer romantischen Komödie sehen. Ich erwähnte es oben: Kelsey und Connor verdienen sich und werden hoffentlich eine schlechte Ehe führen (was gut ist), aber sie gehen total happy aus dem Film (was schlimm ist).

Und ich sagte es ja schon: Das vollbringen die beiden Darsteller Jocelyn Hudon und Stephen Huszar auch noch ohne jeden Charme. Beide liefern einfach schwache Leistungen ab. Während sich Hudon wenigstens hin und wieder mit großen Augen und Grimassen daran versucht, lustig zu sein, bewegt Huszar im Prinzip im ganzen Film keinen Gesichtsmuskel: Ob er schlagfertig sein will oder ob er traurig ist – er macht nichts. Das erinnert wirklich an die hölzernsten Pornodarsteller.

Es ist aber nicht so, dass die anderen Figuren erträglicher wären: Der Film bringt das Kunststück fertig, nicht einen Charakter zu kreieren, der aus dem Leben gegriffen wäre. Schlimmer noch: Ausnahmslos alle Charaktere sind eigentlich keine, sondern bleiben völlig konturlos. Kelsey schreibt einigen von ihnen bestimmte Eigenschaften zu – und darüber hinaus geht der Film auch nicht. Schlimmer noch: Einige erhalten gar keine Eigenschaften. Tante Olivia ist reich und arrogant (und garantiert nicht zum Vorbild geeignet, wie Kelsey behauptet), Emily ist lieb (und garantiert doof, wie Kelsey allerdings nicht behauptet), Todd ist charmant und ein betrügerischer Arsch, George ist… Connors Kumpel, Jealous ist neidisch, Bitter ist verbittert, Clumsy ist schusselig, Michelle ist… Verkäuferin, Tim und Linda sind… Todds Eltern. Und vergessen wir nicht Sharl, den Koch: Der ist ein zappeliger Hampelmann, dem man einfach nur in die Fresse schlagen will, wenn man denn ein böser Mensch wäre. Wo andere RomComs mit starken Nebenfiguren wuchern können, wenn die Hauptfiguren dröge sind, haben wir hier nur Nullgesichter, die im schlimmsten Fall sogar noch erwürgenswerter sind als Kelsey und Connor.

Tja, und all diese schrecklichen Gestalten bevölkern eine Weihnachtsgeschichte, die 1. nicht mal richtig weihnachtlich ist (es ist zwar ständig von „Weihnachtshochzeit“ die Rede, aber das Fest an sich spielt eigentlich keine Rolle, außer dass Kelsey und Emily an einer Stelle mal Lebkuchen backen wollen) und 2. hinten und vorn vor Sinnlosigkeit, Unlogik und Schwachsinn geradezu untergeht. Den gesammelten Unfug noch einmal aufzählen muss ich sicherlich nicht. Teilweise erscheint die Story so, als hätte der Autor sie über Jahre verfasst und weiterentwickelt, ohne die Handlungsstränge nach den langen Zwischenpausen noch einmal auf Kontinuität abzuklopfen.

Picken wir uns mal den offensichtlichsten Punkt heraus: Allein dass Kelsey und Connor sich vorher nicht kannten, obwohl Kelsey ja bei ihrer Tante aufgewachsen ist und doch irgendetwas von ihm mitbekommen haben müsste, da er doch phasenweise der Sonnenschein im Leben ihrer Cousine war, ist maßlos undurchdacht, wie überhaupt alles um die ehemalige Beziehung zwischen Emily und Connor total unverständlich ist. Ist Emily nun über die Trennung hinweggekommen? Sie selbst sagt Ja, ihre Mutter Nein. Wenn sie nie darüber hinweggekommen ist – warum hat Olivia nichts dagegen, dass er am Ende Kelsey heiratet, wenn das doch gleichzeitig bedeutet, dass er auch wieder mehr mit Olivia zu tun haben wird? Warum erpresst Emilys Vater Albert Connor mit einem Scheck, wenn er damit seine Tochter unglücklich macht? Warum weiß Olivia das offenbar, schreitet aber nicht ein? Warum stört Kelsey das gar nicht, sondern findet sie es viel schlimmer, dass Connor das Erpressungsgeld angenommen hat, anstatt den Erpresser dafür zu verurteilen – und Mitwisserin Olivia? Und warum wendet sich Albert Jahre später ausgerechnet an Connor, wenn er einen Detektiv benötigt? Um alte Wunden für seine Tochter wieder aufzureißen, die er ja wohl hoffentlich geliebt hat? Warum weiß Olivia davon und lässt das zu? Oder hat sie das erst später erfahren, als sie einen Blick auf ihre Bankdaten geworfen hat? Wann ist Albert gestorben? Es bleiben so viele offene Fragen, dass man einen Drehwurm bekommt, wenn man näher darüber nachdenkt.

Zusätzliche Konfusion erzeugt „Christmas Wedding Planner“ noch durch seine Synchronisation. Von der Qualität der Sprecher her ist das an sich völlig in Ordnung, sie wirkt professionell gemacht und nicht wie die letzte Hinterhof-Synchro, wie sie ja gern für Billigschmieden wie Asylum produziert werden. Dennoch sind da einige auffällige Kinken drin, weil beim verantwortlichen Studio entweder Nachlässigkeit regierte oder das Verständnis für die englische Sprache fehlte. Beides wäre schlimm, denn in jedem Fall springt dabei so mancher Nonsens-Dialog heraus, der mich nachhaltig verwirrte, sodass ich in den Originalton wechselte – und siehe da: Die Synchro hat’s verbockt!

Aber natürlich nicht nur: Es gibt genügend andere missverständliche Stellen, die bereits auf den Mist des Drehbuchautoren gewachsen sind, so z.B. das Gespräch von Kelsey mit Todds Eltern, bei dem die Mutter sie aus heiterem Himmel nach ihrer Gesangsidee fragt, ohne dass sie bis eben davon gesprochen hätte. Das ist aber immer noch nichts gegen den hochkomplizierten Plan, den Kelsey ausheckt, um an Michelles Notizbuch zu kommen. In diesem Plan stecken so viele Eventualitäten, dass er eigentlich unmöglich klappen kann – aber hier tut er es. Auf Anhieb habe ich nicht mal verstanden, wieso Kelsey da unversehens beim Koch ist und wie das alles mit Michelle und ihrem Buch zusammenhängt. Das kam alles erst während des Schreibens raus. Kelseys Entscheidung, doch auf Connors Idee einzugehen, Todd drei Tage lang zu beschatten, nachdem der Detektiv doch gerade erklärte, er hätte nichts Verdächtiges gefunden, ist gar nicht mehr nachvollziehbar.

Und dann wären da noch die zahlreichen überflüssigen Hinweise auf angeblich wichtige Dinge, die dann für den weiteren Verlauf keine Rolle spielen: Warum wird Marianne vorgestellt, als würde ihr Hochzeitsbericht über Wohl und Wehe der Hochzeit entscheiden? Wieso erwähnt Emily den Senator als ihren Hochzeitsgast, wenn der später gar nicht auftaucht? Warum besteht Linda auf eine Gesangseinlage auf der Hochzeit, obwohl es gar nicht dazu kommt? Die Brautjungfern Jealous, Bitter und Clumsy erhalten Voice-over-Vorstellungen durch Kelsey, sind danach aber nur noch wenige Sekunden im Film zu sehen und leisten am Ende nichts für die Handlung. Warum also werden sie überhaupt vorgestellt? Was soll die einmalige Rückblende in Kelseys Kindheit, in der sie von ihrer Tante gemaßregelt wird? Einfach nur als Gag? Wie passt die aber stilistisch rein?

Doch offene Fragen hin oder her – nichts allerdings toppt das absolut geisteskranke Ende dieses Films. Mir ist schon bewusst, dass gerade romantische Komödien – und erst recht romantische Weihnachtskomödien! – nicht selten riesige Umwege gehen müssen, damit sich das Paar am Ende doch noch kriegt. Die Schema-F-Handlungsstruktur ist ja spätestens seit „Harry und Sally“ etabliert: Anfangs kann man sich nicht leiden. Dann verliebt man sich ineinander. Dann kommt irgendein Missverständnis oder eine Aktion, die das Paar auseinanderbringt. Man zofft sich, will sich nie mehr wiedersehen, man weint viel usw. Und am Ende kommt dann die große Versöhnungsgeste: Der eine geht auf den anderen zu, macht etwas unendlich Romantisches oder Mutiges (oder Blödes), und natürlich kann das Gegenüber nicht anders und verzeiht. Schluss, Freude, Jubel.

Genau diesem Konzept folgt auch „Christmas Wedding Planner“: Necken, Lieben, Versöhnen. Die Phasen „Necken“ und „Lieben“ waren ja schon wahlweise anstrengend, unlustig oder langweilig (oder eben alles zusammen) genug, aber bei der Versöhnung springt mir ja die Feder aus dem Hut: Kelsey verzeiht Connor nicht nur im Bruchteil von Sekunden, sie akzeptiert auch noch seinen Heiratsantrag! Nach vielleicht sieben Tagen, in denen Connor oft unehrlich geblieben ist, und dann noch, nachdem sie ihn doch bis eben noch gehasst hatte. Der Kerl ruiniert eine Hochzeit (auch wenn er damit Emily vor einer Riesendummheit bewahrt, schon klar), bringt alle Hochzeitsgäste gegen sich auf, die hier schön feiern wollten – und als Dankeschön kriegt er die Hand der geliebten Frau und kapert auch noch kurzerhand Emilys Hochzeitsfeier!!! Es war ein grausamer Tag für Emily – machen wir ihn für sie doch noch grausamer! Na ja, oder eben auch nicht. Die Hochzeit findet ja sogar den Segen von Emily und Olivia. Ich schlucke ja echt viel – und manchmal lasse ich mir sogar Out-of-left-field-Finals gefallen, aber Himmel, doch nicht in einem Film, der mir vorher schon 85 Minuten auf die Nüsse ging und in dem ich keine einzige Figur mochte, erst recht nicht das Heldenpaar!

Sollte es tatsächlich Leute geben, die sich nicht im Geringsten an der hirnrissigen Story stören, so haben sie aber ehrlich gesagt auch sonst nichts zu gucken. Die immer mal wieder eingeblendeten Bilder von auf Zweige fallenden Schnee, händchenhaltenden Pärchen und Weihnachtsbäumen, die als Szenenübergänge fungieren, können nicht verhehlen, dass Weihnachtsstimmung an keiner Stelle aufkommt. Der ganze Film ist sehr billig: Größere Außenaufnahmen gibt es so gut wie gar nicht, Spaziergänge durch den Schnee fehlen auch komplett. Stattdessen spielt fast alles in unspektakulären Innenräumen, die ganz bestimmt nicht weihnachtlich geschmückt sind. Sollten das Hochzeitskleidergeschäft ein echtes Hochzeitskleidergeschäft und die Bäckerei eine echte Bäckerei darstellen, so wirkt es eher so, als hätte man die dort spielenden Szenen am selben Drehort wie die Szenen der Verlobungs- und Baumschneideparty inszeniert. Wie ein Hochzeitskleidergeschäft und eine Bäckerei sehen die präsentierten Räume jedenfalls nicht aus. Die große Spionageaktion findet einzig und allein in einem Van statt, wo beide Hauptfiguren vereinzelt zum Fernglas greifen. Es gibt nicht mal eine „Ich versteck‘ mich schnell hinter einem Baum/Auto/Laternenpfahl“-Szene. Vermutlich mangelte es fast durchgängig an einer Drehgenehmigung oder man wollte keine Mühen und Kosten investieren, um auch noch draußen filmen zu müssen. Die einzige längere Szene an frischer Luft ist das Finale mit dem Hochzeitsantrag, und selbst das wirkt wie im Studio aufgenommen. Würde mich nicht wundern, wenn es auch da spielen würde.

In größere Schauspielerkritik möchte ich an dieser Stelle nicht einsteigen. Die Hauptdarsteller haben wenig bis gar nichts anzubieten. Jocelyn Hudon ist einem größeren Publikum möglicherweise aus „The Strain“ bekannt, wo sie in fünf Folgen Abby spielte. Stephen Huszar hingegen ist schon fast regelmäßiger Gast in Fernseh-Weihnachtsfilmen und spielte zuletzt in mehreren Episoden der Serien „Chesapeake Shores“ und „Tribal“. Die beste Darstellerin im Cast ist sicherlich Kelly Rutherford als Tante Olivia, die bereits in mehreren Serien zu sehen war und vermutlich vor allem „Gossip Girl“-Fans ein Begriff ist, wo sie eine ähnliche Rolle spielte. Ansonsten könnte man Joey Fatone als N’Sync-Mitglied kennen, der sich mittlerweile vorwiegend in Kino und Fernsehen aufhält. Unter anderem war er in beiden „My Big Fat Greek Wedding“ aktiv. Was ihn ausgerechnet in dieses fade Filmchen getrieben hat, weiß wohl auch nur er. Ein bekanntes Gesicht ist noch Ted Atherton (Tim), der seit fast 25 Jahren im Film- und Fernsehgeschäft ist und erstmals in der Serie „Nothing Too Good for a Cowboy“ als Panhandle Phillips von sich reden machte. Den Rest schenke ich mir – sind eh alles Pappnasen.

Kommen wir also zu den berühmten letzten Worten, die sicherlich keine Überraschung sind, aber falls jemand erst hier einsteigt, fasse ich meine Meinung gern noch einmal zusammen: Selbst im Rahmen der unzähligen Weihnachtsfilme fällt „Christmas Wedding Planner“ noch negativ auf. Wir haben hier ein ganz und gar grauenvolles Beispiel für eine RomCom, die ganz auf die Dummheit des Zuschauers setzt und für die der Drehbuchautor Keith Cooper vermutlich selbst kein Herzblut vergossen hat. Man merkt das an allen Ecken und Enden. Das hier ist von jeglichem Charme befreite Massenware, idiotisch bis ins Mark, mit durchweg unsympathischen bis nervtötenden Darstellern und wäre auch absolut vergessenswert – wäre da nicht dieser Schluss, der auch das gutwilligste Publikum vergrault und den Machern die Pest an den Hals wünschen lässt. Selbst wenn ich niedrigste Maßstäbe ansetze – und dazu war ich durchaus bereit –, kann man sich den Film nicht schönreden. Wirklich ganz abscheulich schlecht.

Und dennoch – auch wenn es nach so einem Erlebnis schwer fällt: Merry Christmas everybody!


BOMBEN-Skala: 8

BIER-Skala: 2


mm
Subscribe
Benachrichtige mich zu:
guest
1 Kommentar
älteste
neuste beste Bewertung
Inline Feedbacks
View all comments
Raetschina
Raetschina
23. Dezember 2021 13:06

Vielen Dank für diese treffende Zusammenfassung! Ich habe den Film gestern Abend geschaut und obwohl ich schon damit gerechnet hatte, dass er grausam wird, war ich auf dieses Ausmaß nicht vorbereitet… gut, dass ich mit Wut und Verwirrung nicht alleine gelassen wurde :’D Schöne Weihnachten!