Catholics


  • Original-Titel: Conflict
  • Alternative Titel: Catholics
  • Regie: Jack Gold
  • Land: Großbritannien
  • Jahr: 1973
  • Darsteller:

    Martin Sheen (Father Kinsella), Trevor Howard (Abt), Raf Vallone (Father General), Cyril Cusack (Father Manus), Andrew Keir (Father Matthew), Geoffrey Quigley (Father Walter), Michael Gambon (Brother Kevin), Leon Vitali (Brother Donald), Seamus Healy (Brother Pius), John Kelly (Brother Paul)


Vorwort:

Man hat mich hin und wieder gefragt, warum ich als a-religiöser Mensch nicht ungern Filme mit starken religiösen Bezügen oder Themen ansehe. Nun, zum einen ist es ein ähnliches Interesse wie beim Urwaldforscher, der einen neu entdeckten Indiostamm am Amazonas erkundet – Neugierde, wie diese Menschen ticken, was sie dazu bewegt, die Dinge zu glauben, die sie glauben; zum anderen haben religiöse Filme gerne starke, interessante Konflikte im Fokus, die vielleicht nicht immer so gelöst werden, wie ich mir das wünschen würde, aber die gut geschrieben ausgesprochen spannend sein können.

Darum heute „Catholics“ aka „The Visitor“ aka „Conflict“, ein kleines TV-Drama von 1973, inszeniert von Jack Gold, der mit „Der Schrecken der Medusa“ und „Der Mann aus Metall“ zwei prägende 70er-Jahre-Thriller drehte und daher schon einer ist, bei dem man mal hinkucken darf.

Die Story spielt einige Jahre nach einem fiktiven vatikanischen Konzil, das den liturgischen Ritus radikal reformierte – die Messe wird nicht mehr auf Latein gehalten, sie wird zu den Gläubigen hin gerichtet und nicht von ihnen weg, und die Verwandlung von Brot und Wein zu Fleisch und Blut ist nurmehr symbolisch und nicht Faktum. Man geht mit der Zeit. Aber so wie nicht ganz Gallien von den Römern besetzt ist, leistet ein kleines Kloster auf einer abgelegenen irischen Insel hartnäckigen Widerstand. Das wäre im globalen Zusammenhang nun nicht weiter tragisch, aber die Medien sind drauf angesprungen und seitdem sind die Mönche von der Insel auf einmal ein Symbol für den Widerstand gegen die Kirchenreform und ziehen Pilgerströme an, die ihre kleine Kirche nicht mehr bewältigen kann, so dass sie mittlerweile Open-Air-Messen halten müssen.

Die Einheit der Kirche ist in Gefahr – also schickt der Vatikan mit Father Kinsella (Sheen) einen Sonderermittler nach Irland, der ergründen soll, warum sich das Kloster nicht an die neuen Vorgaben hält. Kinsella ist – zur ausgesprochen überschauberen Begeisterung der Mönche – das Exempel eines modernen Reformpfaffen, läuft mit Lederjacke und Tolle rum und hat bei den wettergegerbten Hardcore-Mönchen einen schweren Stand, erst recht als Proponent progressiver Ideen. Während der Abt (Trevor Howard) versucht, die Wogen einigermassen glatt zu halten, würde Bruder Matthew (Andrew Keir) lieber heute als morgen mit dem Flammenschwert durch den Vatikan reiten und das Reformergesindel zur Hölle schicken. Der Abt versucht Kinsella, den Weg der Mönche als schlichte Frage von Angebot und Nachfrage zu verkaufen – als sie anfingen, die Messe wie nunmehr gewünscht auf Englisch zu halten, blieben die Leute in Scharen weg, nach der Rückkehr zum alten Ritus kann sich das Kloster kaum vor Bewerbern retten. Nichtsdestotrotz hat Kinsella strikte Anweisungen und auch die Vollmachten, um die Kirchendisziplin wiederherzustellen. Die Frage ist, ob der Abt die nötige Autorität hat, diese auch bei seinen rebellischen Mönchen durchzustzen, ganz besonders, wo er sowieso mitten in einer tiefen Glaubenskrise steckt…

Inhalt:

Das ist in der Tat wieder so ein Fall von religiös geprägtem Film, der auch für einen Atheisten hochinteressant ist, macht er doch durchaus offen Fragen auf, die „wir“ Ungläubige uns auch stellen – wie stark oder schwach kann z.B. ein Glaube sein, der davon abhängt, dass liturgisch vorgegeben bei der Messe ein Wunder stattfindet, der in sich zusammenbricht, sobald ein Stück Papier sagt, dass es eben keins ist? Ist das Halten der Messe auf Latein ein Zeichen des Respekts Gott gegenüber, dass man ihn nicht in der gleichen Sprache wie seinen doofen Nachbarn anredet, oder nur ein Instrument der künstlichen Entfremdung zwischen Ecclesia und gläubigem Pöbel? „Catholics“ will diese Fragen nicht beantworten, aber aufwerfen, und räumt den gegensätzlichen Standpunkten äquivalenten Raum ein, ihre jeweilige Argumentation vorzubringen, ohne sich dabei auf eine Seite zu schlagen. Das Ende ist daher ambivalent – formal mag sich Kinsella durchgesetzt haben, dass er die Mönche (abgesehen vom Glauben eh abgefallenen Abt) nicht überzeugen konnte, ist aber klar.

Jack Gold inszeniert das, wie es seine Art ist, wenig plakativ, lässt seinem exzellenten Ensemble (aus dem Howard und Keir herausstechen) den notwendigen Raum zur Entfaltung. Martin Sheen ist auch gut (und in gewisser Weise mag man „Catholics“ als eine Art frühe Feldstudie für „Apocalypse Now“ sehen – auch Kinsella dringt in ein nach eigenen Regeln funktionierendes, für ihn fremdes Reich vor), u.a. ist außerdem noch ein junger Michael Gambon mit von der Partie. Die Bildsprache ist der Landschaft entsprechend rau und stellt die „hardship“ des Mönchslebens in den Fokus. Elstree Hills Print könnte deutlich besser sein, aber für 1,99 EUR will ich mal wieder nicht meckern.

Der Freund hochklassigen Charakterdramas sollte hier mal reinschauen.

(c) 2016 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 2

BIER-Skala: 7


mm
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