Carry On Laughing

 
  • Original-Titel: Carry On Laughing
  •  
  • Regie: Alan Tarrant
  • Land: Großbritannien
  • Jahr: 1975
  • Darsteller:

    Sidney James, Joan Sims, Kenneth Connor, Barbara Windsor, Jack Douglas, David Lodge, Peter Butterworth, Bernard Bresslaw


Vorwort

1. The Prisoner of Spenda

Der fiese Colonel Yackoff (Jack Douglas) plant im schönen Lande Pluritania einen Umsturz und hat deswegen Kronprinz Rupert (Sid James) sowie sämtliche greifbaren Doppelgänger des potentiellen Monarchen in den Kerker geworfen.
Der loyale Count Yerackers (Peter Butterworth) wüsste nicht, was er tun sollte, würde nicht zufällig der britische Flitterwöchler Arnold Basket (Sid James) samt Eheweib (Barbara Windsor) auftauchen – Arnold gleicht Prinz Rupert bis auf die letzte Augenbraue. Aber auch Yackoff und sein Henchman Nickoff (Kenneth Connor) haben das Auftauchen des neuen Doppelgängers bemerkt. Madame Olga (Joan Sims), die ein Haus, ähm, zweifelhaften Rufes führt, soll Arnold von einer ihrer, äh, Angestellten verführen lassen.

2. The Baron Outlook

Während des Hundertjährigen Krieges… Baron Hubert (Sid James) und seine Gemahlin Lady Isobel (Joan Sims) residieren in einer maroden Burg im hintersten Hinterland. Mit Sir William (Kenneth Connor) steht ihm nur ein geistig dem Zustand der Burg gleichender Ritter zur Verfügung und Bruder Roger (Peter Butterworth) versucht sich in der Dachkammer an der Alchimie. Solange kein königlicher Inspektor auftaucht, wäre das ein Arrangement, das allen einigermaßen zupass kommt (bis auf Lady Isobel), doch eines schönen Tages steht er vor der Tür – Sir Simon de Montfort (David Lodge), der königliche Burgeninspektor! Und im Gepäck hat er einen des Lösegelds wegen gefangenen französischen Ritter – Gaston de Lyon. Doch ahnt Sir Simon nicht, dass in der Rüstung des Franzosen dessen Dienstmagd Marie (Barbara Windsor) steckt, die mit dem Ritter die Kleidung getauscht hat. Verwicklungen sind garantiert.

3. The Sobbing Cavalier

Die Royalisten um Charles II. kämpfen gegen die Parlamentarier um Oliver Cromwell. Sir Jethro (Jack Douglas) und seine Gemahlin Lady Kate (Joan Sims) möchten sich am liebsten aus allen Streitigkeiten raushalten und sich nach Ende der Kampfhandlungen demonstrativ auf die Seite des Siegers stellen. Blöd nur, dass Kates Bruder Lovelace (Sid James) beinharter Monarchist ist und sich für den König in die nahe Schlacht stürzt. Die gewinnen die Parlamentarier aber haushoch und Cromwell selbst (Peter Butterworth) sucht sich Jethros Schloss als temporäres Hauptquartier aus. Doch da will sich auch Lovelace – sehr zum Verdruss Jethros – vor Cromwells Häschern verbergen. Das geht nur „in drag“…

4. Orgy and Bess

England und Spanien stehen vor dem Krieg – nicht zuletzt, weil Sir Francis Drake (Sid James) gerade erfolgreich ein paar spanische Häfen geplündert (aber die Beute peinlicherweise verloren) hat.
Doch Rettung naht aus unerwarteter Richtung – König Phillip von Spanien (Kenneth Connor) möchte unbedingt Königin Elizabeth I. (Hattie Jacques) heiraten! Kein Problem, soweit es die Queen betrifft, auch wenn die gerne mit Drake poussiert.
Letzteres wiederum regt Lord Essex (Jack Douglas) auf, der sich nach einem erfolgreichen Feldzug in die „Low Lands“ selbst Hoffnungen auf die Krone gemacht hat. Mit dem schwulen Sir Walter Raleigh (John Carlin) als Komplizen plant er die Diskreditierung Drakes als Weiberheld – Hofdame Lady Miranda (Barbara Windsor) spielt den Köder.

5. One in the Eye for Harold

Die Normannen kommen! Harold, König der Angelsachsen (Norman Chappell), braucht dringend eine Geheimwaffe. Ritter Ethelred (Jack Douglas) soll selbige von den technikbegabten Mönchen zum Schlachtfeld bringen. Der experimentierfreudige Mönch Athelstan (Kenneth Connor) begleitet Ethelred (nachdem sein Abt ihn buchstäblich rausgeworfen hat). William der Eroberer (David Lodge) ist nicht untätig und schickt seinen Geheimagenten Youknowwho (Jerold Wells) auf die Spur der Geheimwaffe, doch angelsächsisches Glück und Unfähigkeit des Agenten schaltet jenen aus – also muss William seine nächste Agentin auspacken – Youknowwhoelse, genannt Else (Joan Sims). Doch Athelstan ist cleverer als er aussieht…

6. The Nine Old Cobblers

Ein Fall für den Amateur-Detektiv Lord Peter Flimsy (Jack Douglas) und seinen getreuen (und wesentlich schlaueren) Butler Punter (Kenneth Connor). Während der Proben für ein Benefiz-Kirchen-Konzert wird der Bariton ermordet!
Gesellschaftslady und begnadet schlechte Jazz-Schlagzeugerin Amelia Forbush (Joan Sims) schaltet Flimsy ein – ist auch nötig, denn dessen Nemesis, Inspektor Bungler (David Lodge), ist wie immer aufgeschmissen. Das Opfer war neu im Ort und residierte im Gasthaus von Maisie (Barbara Windsor), in dem sich auch Lord und Butler eingemietet haben. Offensichtlich besteht eine Verbindung zu einem lang zurückliegenden Juwelenraub – und warum eigentlich freut sich der neue Totengräber Charlie (Victor Maddern) so sehr über die anfallenden Leichen?

7. Under the Round Table

König Artus (Kenneth Connor) hat ein Problem. Nun ja, mehrere, wenn man einrechnet, dass Lady Guinivere (Joan Sims) sich stetig beklagt, dass im königlichen Schlafzimmer im wahrsten Sinne des Wortes tote Hose herrscht. Nein, das Hauptproblem ist, dass seine Tafelrunde kein großes Verlangen verspürt, den großschnäuzigen Schwarzen Ritter (Oscar James) in seine Schranken zu verweisen. Doch da naht Rettung in Person von Sir Pureheart (Bernard Bresslaw), doch der stellt Bedingungen – besiegt er den Schwarzen, so hat sich Camelot in Zukunft Abstinenz, Keuschheit und Tugend hinzugeben. Ein Leben, das, nach Purehearts überraschendem Sieg, König & Co. nicht sehr viel Freude macht, nicht mal Sir Gay (Jack Douglas). Also muss man Pureheart die Keuschheit austreiben – der alte Merlin (Peter Butterworth) hat auch einen passenden Zaubertrank auf Lager…

8. The Case of the Screaming Winkles

Ein weiterer Fall für Lord Peter Flimsy und Punter! Dieses Mal wird er von seinem alten Bekannten Admiral Clanger (Peter Butterworth) gerufen – in dem Sanatorium, in dem er die Sommerfrische verbringt, wurde Major Merridick (John Carlin) vergiftet und zwar mit einem Schellfisch-und-Schnecken-Gericht, dass eigentlich für Clanger bestimmt war! Inspektor Bungler ist wie immer auf dem Holzweg und verdächtig ist zunächst mal natürlich Wirtin Mrs. MacFlute (Joan Sims). Doch Flimsy und Punter entdecken Hinweise in Form von rätselhaften Gedichten auf dem Lokus – die deuten auf die Wahrsagerin Madame Petra (Marianne Stone) – ist Petra etwa Bangalore-Lulu, die einstige Komplizin das wahnsinnigen Mörders Charwallah Charlie (Melvyn Hayes)?

9. And in My Lady’s Chamber

Aufregung im Hause des alten Generals Sir Harry Bludgeon-Plunger (Kenneth Connor). Nicht nur, dass sein Sohn Wille (Andrew Ray) von einer Expedition an den Amazonas (nach Harrys Ansicht kurz hinter Watford) zurückkehrt und mit Silas (Peter Butterworth) gleich einen Kumpel mitgebracht hat, der sich sehr für Harrys Tochter Virginia (Sherrie Hewson) interessiert, nein, die neue Nachbarin mit zweifelhaftem Ruf, Baronin Lottie von Titsenhausen (Barbara Windsor), entpuppt sich als alte Flamme von Sir Harry und der macht ihr gleich ’nen Antrag. Da Lottie zwischen zwei Ehen immer Zeit hat, willigt sie ein – zum Entsetzen des Hauspersonals. Butler Clodson (Jack Douglas) und Köchin Mrs. Breeches (Joan Sims) schmieden einen Plan, der den Status quo erhalten soll – doch der geht fürchterlich in die Binsen…

10. Short Knight, Long Daze

Nachdem sich der königliche Schatzmeister mit dem königlichen Schatz aus dem Staub gemacht hat und infolgedessen die komplette Tafelrunde (mit Ausnahme des treuen Sir Gay) den Dienst quittiert, steht Artus vor den Trümmern seiner Regentschaft. Zum Glück prophezeiht Merlin aus Hühnereingeweiden und -ei (und Interpretation durch das neu berufene Orakel Guinivere) einen Reichsretter aus dem Norden.
Die abgegriffene Gestalt (Bernard Bresslaw), die wenig später aufkreuzt und den König unbürokratisch von einem Furunkel befreit, mag nicht der mystische Lancelot sein, den das Hühnerei vorhergesagt hat, aber für Artus ist er nah genug dran. Der neue Champion des Königs soll sich in einem Turnier beweisen, doch leider ist der neue Lancelot, was das Kämpfen angeht, eine totale Flasche. Da hilft nur noch eins: schummeln, bis der Arzt kommt. Merlins Unsichtbarkeitszauber könnte von Nutzen sein…

11. The Case of the Coughing Parrot

Dr. Janis Crunbitt (Joan Sims) und ihre Assistentin Irma Klein (Sherrie Hewson) sind bestürzt – im frisch aus Ägypten angelieferten Sarkophag des Pharaos Ramatattan findet sich keine Mumie, sondern nur die Leiche des deutschen Ärchäologen Herr Bloomers. Dieweil stolpern Lord Peter Flimsy und Punter im dichten Londoner Nebel über einen total-bandagierten Herren, der sich zu ihrer Bestürzung als tot erweist. Das allerdings schon seit ein paar tausend Jahren…
Nachdem alle Parteien, inklusive Inspektor Bungler, die notwendigen geistigen Verbindungen hergestellt haben, wird klar, dass es hier um den gestohlenen Rubin vom Zepter des Ramatattan geht – und dass der hustende Papagei von Teestandbesitzerin Freda Filey (Vivienne Johnson) irgendwie damit zusammenhängt.

12. Who Needs Kitchener?

Der Erste Weltkrieg bricht aus – und da wird, so meint zumindest Sir Harry, jeder erfahrene Krieger gebraucht. Sir Harry wird zum General für Schuhbänder und Hefteisen ernannt, dieweil Willie mit allen Tricks versucht, sich vor der Abreise zur Front zu drücken. Mit Otto Klanger (Bernard Bresslaw) stellt sich ein neuer Diener – Schweizer und gaaanz bestimmt kein deutscher Spion, zackzack – vor und versucht, Harrys streng geheime Staatsgeheimnisse (z.B. jeden Soldaten mit 200 Paar Reserve-Schuhbändern auszurüsten) zu stehlen. Außerdem kehrt Lottie nach dreijähriger Abwesenheit (und ebensovielen Ehen) zurück – davon hat Harry aber nicht viel, weil sie sich in ihrem Gemach der, äh, Truppenbetreuung widmet. Nichtmal mehr Clodson und Mrs. Breeches behalten den Überblick…

13. Lamp-Posts of the Empire

Journalist Stanley (Kenneth Connor) überredet Lady Mary (Barbara Windsor), eine Expedition zur Suche nach dem verschollenen Forscher Dr. Pavingstone (Bernard Bresslaw) zu finanzieren – dass sie daran teilnimmt, war nicht unbedingt geplant. Als Führer wird der Dschungelexperte Dick Darcy (Jack Douglas), genannt „Elephant Dick“, angeheuert. Dem gelingt es zwar, sämtliche angeheuerten Träger schon an der Victoria Station zu verlieren, nichtdestotrotz schlägt sich das Trio in den tiefsten Dschungel durch – wo sie auch Pavingstone finden. Der traut sich nicht in die Heimat zurück, weil er vom Medizinmann Youranutter (Oscar James) verflucht wurde – mit dem pelzigen Schwanz, den ihm der schwarze Mann angehext hat, würde er in London doch arg auffallen.
Stanley hat eine Idee – wenn man den Medizinmann von der Überlegenheit der Magie des weißen Mannes überzeugen könnte, müsste der einknicken. Also organisiert er eine Zaubershow…


Inhalt

Die britische Comedy-Filmserie „Carry On…“ (zu gut oder schlecht Deutsch „Ist ja irre…“) tauchte in den 80er Jahren im deutschen Fernsehen auf und erfreute sich eine Weile lang höchster Beliebtheit – und das, ähnlich wie die Louis-de-Funes-Komödien, auf beiden Seiten der Mauer. Im Westen brachte das ZDF unter dem „Ist ja irre“-Banner Schwänke wie „Cäsar liebt Kleopatra“, „Agenten auf dem Pulverfaß“, „Nur nicht den Kopf verlieren“ oder „Alarm im Gruselschloss“ – Parodien auf einschlägige Genres wie Historien-Monumentalfilm, Agententhriller, Mantel- und Degen-Abenteuer oder Hammer-Horror respektive – ins Programm, das DDR-Fernsehen hielt sich an spätere Carry-on-Filme wie „Das total verrückte Camping-Paradies“ oder „Ein total verrückter Urlaub“ (wohlgemerkt ohne den nur im Westen verwandten „Ist ja irre“-Übertitel). Die preiswert hergestellten und von einer Stamm-Truppe gespielten Streifen waren zotige, auf Slapstick und derben Humor konzentrierte Klamotten (wobei die deutschen Synchronautoren zumindest tapfer versuchten, mit den teilweise unübersetzbaren Wortwitzeleien der englischen Originalfassungen Schritt zu halten) und grad deswegen, schätze ich, bei einem breiten Publikum beliebt.

Doch so explosionsartig, wie die Carry-on-Filme auftauchten, verschwanden sie auch wieder – der Versuch einer Neuauflage mit „Carry on Columbus“ (von einfallslosen deutschen Verleihern, die sich an „Ist ja irre“ offenbar nicht mehr erinnerten, „Mach’s nochmal, Kolumbus“ getauft) floppte 1992 sowohl im heimatlichen Britannien (auch wenn der Film mehr einspielte als die beiden ernsthaften Kolumbus-Filme gleichen Baujahrs) als auch in Deutschland (was nicht an Schreiber dieser Zeilen lag, der pflichtbewusst ins Kino stapfte und mindestens einen Gag heute noch oft und gern zitiert).
Einer offiziellen „Wiederentdeckung“ harrt die Reihe hierzulande noch – auf DVD gibt’s zwar die meisten Filme der Reihe, aber überwiegend nur in technisch liederlichen Billig-Auflagen von Carol Media (wenigstens bekommt man die 6er-Boxen recht billig), wohingegen es in England liebevoll restaurierte DVD-Releases gibt – man schämt sich dort der Slapstick-Historie nicht; muss halt nicht immer Monty Python sein.

Allerdings – dass es eine kurzlebige „Carry on“-Fernsehserie gab, scheint selbst in Britannien vergessen; einige der dreizehn Episoden, die 1975/76 in zwei Staffeln auf das britische Fernsehpublikum losgelassen wurden, finden sich als Bonusmaterial auf verschiedenen Einzel-DVDs der Spielfilmreihe, eine Komplettfassung gibt’s überraschenderweise nur in den USA (ich wusste nicht mal, dass der Carry-on-Humor überhaupt über den Atlantik gekommen war) von A&E.

Während Produzent Peter Rogers und Regisseur Gerald Thomas sich auf die Rollen des ausführenden Produzenten bzw. Produzenten zurückzogen, übernahm den Regiestuhl Alan Tarrant, ein Spezialist für Comedy-Shows (und immerhin insoweit Carry-on-erfahren, als er 1973 eine Dokumentation über die Carry-on-Bühnenshows inszeniert hatte), die Drehbücher teilten sich Dave Freeman (der schon zwei der Carry-on-Weihnachtsspecials geschrieben hatte und nach der ersten Staffel der TV-Reihe den Kinofilm „Carry on Behind“ [hier je nach Landstrich als „Alles geht nach hinten los“ bzw. „Der total verrückte Mumienschreck“ gelaufen und insoweit eine Ausnahme in der Serie, als die Produzenten für die unerhörte Gage von 30.000 Pfund – ein „gewöhnlicher Series Regular erhielt gerade mal 5.000 Pfund pro Film – Elke Sommer einkauften] schreiben durfte) und Lew Schwarz, ein Auftragsschreiberling, der sich hauptsächlich im Sitcombereich herumtrieb, aber z.B. auch bei „Mondbasis Alpha 1“ ein Script unterbrachte.

Nicht alle Regulars der Serie standen ständig zur Verfügung – Kenneth Williams z.B. weigerte sich einfach standhaft, Charles Hawtrey war aufgrund seiner massiven Alkoholprobleme schon in den letzten Kinofilmen nicht mehr berücksichtigt worden, warum Hattie Jacques nur in einer Folge auftauchte, scheint niemand so richtig zu wissen, Bernard Bresslaw fand nur in der zweiten Staffel Beschäftigung, Sid James verstarb 1975 nach seinem zweiten Herzinfarkt. Während aus dem Kernteam Kenneth Connor, Joan Sims, Barbara Windsor und Peter Butterworth (dieser in der zweiten Staffel aber zunehmend mit Cameo-Rollen) die meisten Hauptrollen übernahmen, bot die TV-Serie Leuten aus der zweiten Reihe Gelegenheit, sich „in den Vordergrund“ zu spielen. Jack Douglas, der 1972 mit „Carry on Matron“ in der Reihe debütierte, spielte in vielen Folgen eine Hauptrolle, gleiches gilt für David Lodge, der nach einem ersten Cameo in „Carry on Regardless“ erst Mitte der 70er, als die Filmreihe ihren Zenit deutlich überschritten hatte, substantielle Nebenrollen übernahm.

Formal und storytechnisch hielt man sich an bewährtes Terrain – „period pieces“ zu parodieren (sicherlich, weil „… Up the Khyber“, „Don’t Lose Your Head“ oder „Cleo“ zu den Fan-Favoriten gehörten… andererseits sind gerade einige der „kontemporären“ Klamotten wie „Agenten auf dem Pulverfass“ oder „Der total verrückte Urlaub“ zumindest bei mir hochgradig beliebt). Während die erste Staffel auf Einzelgeschichten setzt, deren Highlight fraglos „Orgy and Bess“ ist, wo Sid James, Hattie Jacques, Kenneth Connor und John Carlin ein humoristisches Highlight nach dem anderen setzen, baut die zweite Staffel einige „Mini-Serien“ auf – es gibt drei Geschichten um den adeligen Amateurdetektiv Lord Peter Flimsy (eine Parodie auf den beliebten Gentleman-Detektiv Lord Peter Wimsey), zwei um die Sorgen und Nöte von König Artus und seiner Tafelrunde und zwei im Haushalt von Sir Harry, unschwer als Parodie auf die auch hierzulande beliebte britische TV-Serie „Das Haus am Eaton Place“ zu erkennen, wobei nur der Artus-Mini-„Arc“ eine Art Abschluss erhält.

Der Humor ist, wie bei „Ist ja irre“ üblich, hit-or-miss. Gerade in der ersten Staffel gibt es mit der Auftaktepisode „The Prisoner of Spenda“ (was das parodiert, dürfte klar sein) und „One in the Ey of Harold“ zwei ziemliche humoristische Nullnummern, allerdings mit „Orgy and Bess“ (das einfach ein direkter Einfluss auf die zweite „Black Adder“-Staffel gewesen sein MUSS) auch die witzigste Episode der gesamten Serie (die auch eine gute Blaupause für einen kompletten Film gewesen wäre).
Die Flimsy-Episoden verlangen einen recht guten englischen Wortschatz – der Humor dieser Geschichten basiert nahezu vollständig auf Wortspielen (gern unter der Gürtellinie, versteht sich), Alliterationen, Zungenbrechern, Gedichten und Anagrammen (für „Carry-on“-Verhältnisse regelrecht anspruchsvoll) – allerdings hat Flimsy auch den absolut besten Gag der Serie zu bieten (ich spoilere hemmungslos: Jack Douglas fragt Joan Sims nach einem längeren Alliterations-Monolog (ungefähr 20 s-Worte hintereinander), ob sie das wiederholen könne. Joan entgegnet nach kurzer Überlegung „… no.“ Es ist in treuer Tradition der Filmreihe ein völlig vorhersehbarer Gag, aber einer, über den man trotzdem einfach lachen muss, ob man will oder nicht).
Viel Spaß machen in der zweiten Staffel die Artus-Episoden (auch wenn man, wie auch bei den „Eaton Place“-Geschichten, erkennen kann, dass Kenneth Connor hier Rollen spielt, die eigentlich für Sid James gemacht sind), die lustigste Season-2-Geschichte ist aber doch ausgerechnet die einzige Standalone-Geschichte, die Abschlussepisode „Lamp-Posts of the Empire“ (auch wenn die sich strukturell ein bisschen was von „Carry on Up the Jungle“ ausleiht; hier wie auch in „Under the Round Table“ gibt sich als Gaststar Oscar James, Mitglied der Royal Shakespeare Company und Original-Cast-Mitglied der legendären BBC-Soap „East Enders“, die Ehre – einer der wenigen Schwarzen, die in „Carry on“ in nennenswerter Funktion auftauchen).

Generell ist der Humor – zugegeben – flach (und wer gut aufpasst, bekommt so ziemlich jede Zweideutigkeit der englischen Sprache mit), aber flach heißt ja noch lang nicht schlecht… Das Tempo ist aufgrund des 25-Minuten-Formats naturgemäß recht hoch; gedreht wurde überwiegend im Studio (nur die Flimsy- und Artus-Folgen leisten sich ein paar schmale Außendrehs), aber Ausstattung und Kostüme sind trotz des niedrigen Budgets ziemlich opulent (aber Peter Rogers hatte immer ein Händchen dafür, von anderen Produktionen genutzte Bauten und Kostüme wiederzuverwerten).
Während die incidental music nicht sonderlich auffällig ist (und im Zweifelsfall hinter dem laugh track zurückstehen muss), hätte die schmissige Titelmusik sicherlich nichts dagegen, wenn man sie mit dem Benny-Hill-Theme „Yakety Sax“ verwechseln würde (allerdings ist der Carry-on-Humor im Vergleich zu Benny Hill ja regelrecht sophisticated).

Zu den Darstellern – Sid James ist in seinen vier Auftritten der uneingeschränkt Höhepunkt, auch wenn er „nur“ seine übliche großschnäuziger-womanizer-Persona (die ihm aber über die Jahrzehnte gute Dienste erwies) abspult.
Barbara Windsor ist wie üblich die mal naive, mal agressivere Sexbombe (und MUSS einfach ein Einfluss auf Ingrid Steegers „Klimbim“-Figur gewesen sein), Joan Sims hat vom Stammpersonal die größte Rollenvarianz zwischen Hausmütterchen und sexuell unterversorgter Wuchtbrumme.
Kenneth Connor darf ab und zu sogar mal den „straight man“ geben (in den Flimsy-Geschichten), Butterworth und Bresslaw haben mal mehr, mal weniger zu tun.
Jack Douglas ist zweifellos „an acquired taste“, wie man so schön sagt, aber man gewöhnt sich an ihn (zumal er im Vergleich zu den meist nur Archetypen spielenden Kollegen auch eine recht große Bandbreite an Figuren von Trottel bis relativ straight spielen kann).
David Lodge brilliert vor allem in den Flimsy-Episoden als staubtrockener Inspektor.

Bildqualität: A&E bringt die 13 Episoden auf zwei Discs jeweils im Vollbildformat. Die Bildqualität ist nicht überragend (zumal in NTSC), aber brauchbar, bei einigen Folgen der zweiten Staffel nervt ein gelegentliches Flackern und Pumpen.

Tonqualität: Englisch Dolby Mono 1.0 – mehr gab’s nie. Der Dialogton könnte manchmal etwas klarer sein, gerade bei den Folgen der ersten Staffel muss man manchmal etwas lauter aufdrehen, um alles mitzubekommen. Untertitel wären nett gewesen, aber bei älteren amerikanischen DVDs war das ja wegen des dort üblichen Closed-Captioning-Systems eher unüblich.

Extras: Leider nichts.

Fazit: Für Carry-on-Fans ist diese Box unverzichtbar, wenn man nach den 31 Kinofilmen noch weiteres Futter braucht. Nicht alles ist hochklassiges Material, aber die besten Folgen stehen den lustigsten Filmen kaum nach. Gute Englisch-Kenntnisse sind, wie gesagt, ob der wortspielintensiven Dialoge, essentiell. Ich würde ja allein schon wegen „Orgy and Bess“ zuschlagen, Einsteigern ins Carry-on-„Universum“ würde ich aber zunächst einige der oben genannten Spielfilme ans Herz legen.

3/5
(c) 2013 Dr. Acula


mm
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