CarGo


  • Deutscher Titel: CarGo
  • Original-Titel: CarGo
  •  
  • Regie: James Cullen Bressack
  • Land: USA
  • Jahr: 2017
  • Darsteller:

    voicecast, englische Originalfassung:
    Haley Joel Osment (Danny Carbunkle), Melissa Joan Hart (Cabigail), Ed Asner (Art Carbunkle), Jason Mewes (Vin), Porsha Williams (Carlotta), Phil LaMarr (Fred CopCar/Speedy Fireball u.a.), Ellen Gerstell (Mrs. Edsel/Stage Manager/Clunker 1, Cabigails Gesangsstimme), Jessica DiCicco (Rudy Carleone/Krankenschwester), Dylan Vox (Monster Truck/Clunker 2), Maurice LaMarche (Ferryman/Tough Old Car/Chief), James Cullen Bressack (Don Carleone/Smokey Car)


Vorwort:

Cargo, North Dakota (sic), eine gemütliche Kleinstadt – hier gehen nette, freundliche Autos auf anständige Weise ihrem Tagwerk nach. So eigentlich auch Danny Carbunkle, der Teenager-Sohn des Mechanikers Art Carbunkle (ich lasse das mal mit den „sics“, da käm‘ ich nicht mehr raus), bester Schüler seines Jahrgangs, aber unglücklicherweise auch Freund des jugendlichen Nichtsnutzes Vin Diesel (well…). Vin hat Danny auf den Geschmack illegaler Straßenrennen gebracht, und wegen einer solchen kleinen Nachtpartie hat Danny versäumt, für den anstehenden Mathetest zu lernen. Um Mrs. Edsels unnachgiebigen Scheinwerfern zu entgehen, simuliert Danny auf Vins Anraten eine spontane Krankheit. Und ehe Danny es sich versieht, hat Vin ihn schon zum nächsten Rennen gelotst. Danny und Vin liegen aussichtsreich vorne, doch geraten sie blöderweise an Fred Cop Car, den Stadtbullen. Nur der Umstand, dass Fred ein alter Freund von Art ist, rettet die beiden Jungautos vor der „Juvenile Delinquency Garage“.

Papa Art glaubt dem heimgekehrten Danny kein Wort von der Ölkotzerei und erhöhter Motortemperatur – im Gegenzug verklickert Danny seinem alten Herrn, dass er von Schule, Bildung und der Aussicht, Arts Werkstatt zu übernehmen, nichts hält. Der junge Freigeist lechzt nach Abenteuer und Herausforderungen, auch wenn seine Kumpelfreundin Cabigail, ein schickes pinkes (Golf)-Cabrio, ihn vor den Konsequenzen warnt. Aber wer jung und dumm ist, der lässt sich von rationalen Gedanken nicht irritieren. Vin überredet Danny dazu, in der Nacht wieder an einem Rennen teilzunehmen – gefährlichster Gegner ist Rudy Carleone, der Sohn des Chefs der örtlichen Carsa Nostra. Rudy arbeitet mit allen erlaubten und vielen unerlaubten Mitteln, was den Ehrgeiz unserer jungen Helden nur anstachelt – bis Fred Cop Car wieder auftaucht, um den Spaß zu verderben. Vin und Danny ergreifen die Flucht, doch auch Art hat den Braten gerochen, stellt Danny auf offener Straße zur Rede und demütigt den Youngster durch öffentliches Abschleppen. Danny wehrt sich gegen die Zwangsmaßnahme – mitten in das Tauziehen ums Abschlussseil platzt der von der Polizei verfolgte Rudy und crasht volle Kanne in Art Carbunkle…

Danny und Cabigail erfahren im Krankenhaus, dass Art ein Totalschaden ist – und für die geht die Reise nur noch nach Clunker Island, Endstation für alle ehemals fahrbaren Schrotthaufen. Danny ist erschüttert und hält zunächst auch nicht viel von Cabigals Idee, nach Clunker Island zu fahren und Art zu retten, schließlich kommt man eben nur als Schrottkarre auf die Insel. Das allerdings bringt Danny auf eine Idee – er könnte doch am Demolition-Derby teilnehmen, sich ein paar Blessuren zuziehen und sich damit glaubhaft als Totalschaden ausgeben. Cabigail hält die Idee für Wahnsinn, aber der Türsteher an der Rennstrecke lässt die beiden eh wegen zu deutlich sichtbarer Jugend nicht rein. Danny und Cabby verfallen auf die Idee, im nahen Theater Kostüme auszuborgen, um sich als älter auszugeben, müssen aber erst mal als Zweitbesetzung für „Chromeo & Tooliette“ einspringen – was ein überragender künstlerischer Erfolg wird. Mit gestärktem Selbstbewusstsein und angemessener Alterstarnung nehmen unsere Helden die Operation Demolition Derby nochmals in Angriff. Dort muss sich Danny dem gefürchteten Monster Truck stellen, den er allerdings mit seiner überragenden Geschwindigkeit ausschaltet.

Vor lauter Begeisterung hat Danny aber glatt vergessen, sich die gewünschten Blechschäden einzufangen. Man steht also wieder am Anfang. Und es kommt noch dicker – Don Carleone taucht auf und beansprucht, da sein Sohn aufgrund der Kollision mit Art rennuntauglich ist, dass Danny für ihn in einem Rennen um die Kfz-Briefe gegen Speedy Fireball (er ist speedy und ein fireball!) antritt. Danny bleibt keine Wahl, doch das Rennen wird durch Fred Cop Car abgebrochen, der keine Gnade kennt und Danny (und die solidarische Cabby) in die Strafgarage schickt. Dort treffen die beiden auf den ebenfalls verknackten Vin, und der hat nicht nur einen Ausbruchsplan, sondern kennt auch den Weg nach Clunker Island! Ein Tunnel, raffiniert hinter einem Pin-up von Rita Carworth verborgen (!), führt die Flüchtigen in den „unmöglichen Wald“. Während Vin die Verfolger ablenkt, versuchen Danny und Cabby den Wald zu durchqueren. Nach Abenteuern mit einem Waldgeist, einer gefährlichen Hängebrücke und dem autofresswilligen „Ferryman“ erreichen die zwei Autos Clunker Island – wo ein Stamm von primitiven Autos lebt, die die neu ankommenden Schrottautos ausschlachten und täglich zwei Autos ihrem Gott, der Schrottpresse, opfern. Eines der ausgekuckten nächsten Opfer ist der bereits ausgeschlachtete Art. Aber vielleicht kann Carlotta, die Tochter des Häuptlings, die von einem Leben unter richtigen Autos träumt, helfen…

Inhalt:

Asylums neue Animationsabteilung hatte keinen guten Start – „Trollz“ habe ich nicht gesehen, soll aber fürchterlich sein, und „Izzies Weg nach Hause“ war, wie auf diesen Seiten bereits dokumentiert, ein totales Desaster. Was passiert also, wenn Asylum sich an Pixars „Cars“-Franchise wagt?

Prinzipiell ist das eine gute Idee für einen Mockbuster. „Cars“ mag zwar die finanziell erfolgreichste Franchise von Pixar sein, ist aber gleichzeitig die wohl unbeliebteste – es gibt wohl kaum jemanden, der älter ist als sechs und sich ernstlich als „Cars“-Fan bezeichnen würde. Ich glaube, selbst Pixar/Disney produzieren nur neue Filme in diesem Universum, weil sich das Merchandise verkauft wie warme Semmeln und Kinderzimmer von Alaska bis Zimbabwe vollstopft. Für meine Begriffe ist es dann okay, wenn Asylum sich dieses Franchise vorknöpft und nicht irgendein von Millionen geliebtes Universum wie das von „Toy Story“ oder „WALL-E“. Hier kann Asylum keine nostalgischen Erinnerungen ruinieren, beliebte Charaktere durch miese Imitation schänden oder künstlerische Meilensteine beklauen (ich glaube letztlich, dass man selbst bei Pixar nichts dagegen hat, denn SO direkt, wie Asylum hier abkupfert, hätte eine Unterlassungsklage nach meiner bescheidenen juristischen Meinung verdammt große Chancen auf Erfolg. Aber man weiß da offenbar selbst, dass „Cars“ den Aufwand und die Gratis-Publicity für die Kuperkönige nicht wert ist).

Regisseur/Writer James Cullen Bressack, der seine Karriere witzigerweise mit YouTube-Kritikvideos („Oh, We Review!“) befeuerte, ist für Asylum kein Unbekannter, er inszenierte bereits „Blood Lake“ (den mit den Neunaugen) und „13/13/13“, die beide durchaus zum besseren Asylum-Output zählen. Auf dem Gebiet des Kinder- und/oder Animationsfilm hat er allerdings keine Erfahrung. Aber das muss kein Nachteil sein, denn – ich weiß, es ist kein großes Kunststück – „CarGo“ hat eine bessere Story als „Cars“ (und „Cars 2“. Und ich vermute ungesehen auch „Cars 3“. Von „Planes“ gar nicht erst zu reden…). Ja, letztlich läuft es natürlich auf das gute alte Hohelied auf die Familie hinaus, dass Abenteuer und Risikobereitschaft zwar hin und wieder erstrebenswert und nötig, aber kein Selbstzweck sind, und (ebenso selbstverständlich) auf den Hinweis, dass das wahre Glück vor der eigenen Nase sitzt. Das sind aber ebenso selbstverfreilich per se keine schlechten Werte, die vermittelt werden, nur weil sie althergebracht und vielfältig erprobt sind. Wie üblich in dieser Art Film wird die Moral durchaus holzhämmerlich vermittelt, aber bevor’s zu süßlich wird, erlaubt sich Bressack im Zweifelfall ein gruseliges Wortspiel mit „car“, einen flockigen in-joke oder eine Parodie, die nur Erwachsene kapieren und im Schlussakt sogar einen Ausflug in grimdark-Gefilde, die mich die FSK-0-Altersfreigabe etwas argwöhnlich beäugen lassen. Clunker Island mit seiner Kannibalen-Gesellschaft (die mir ein bisschen von Martin Campbells leider ziemlich vergessenen „Flucht aus Absolom“ beeinflusst erscheint) und dem Cargo-Cult-Gott „Schrottpresse“ ist schon recht düster ausgefallen – das offizielle „Cars“-Franchise würde sich aus Angst vor heulenden Kinderaugen und Alpträumen kaum in diese Gefilde wagen. Parodien auf „Der Pate“, „Shawshank Redemption“ (auch im Kontext des Films ein Film mit dem Titel „Carshank Redemption“, den außer Danny – durchaus analog zum realen Vorbild – aber niemand gesehen hat) und „Mad Max: Jenseits der Donnerkuppel“ dürften an der Zielgruppe auch pfeilschnell vorbeigehen, aber die Mitguckverpflichteten bei der Stange halten. Asylum erlaubt sich sogar einen Humpen Selbstironie – in Dannys Bude hängt ein „Carnado“-Poster, das Art mit meinem Standard-Spruch „völlig unrealistisch“ kommentiert…

„CarGo“ ist dabei keine laugh-a-minute-Comedy – Bressack legt abseits der Puns und Parodien wenig Wert auf Schenkelklopfergags (und das kommt nicht daher, weil versuchte Gags einfach nicht zünden, sondern weil Bressack nicht auf Teufel komm raus in jeder Szene unbedingt was Witziges drin haben will. Dafür verdient er schon Respekt). Die seltsamen Implikationen des „Cars“-Universe, über das sich schon größere Geister als ich ausführliche Gedanken gemacht haben (Cracked legte neulich schlüssig dar, dass es im Cars-Universum einen Auto-Holocaust gegeben haben *muss*), treffen natürlich auch auf „CarGo“ zu (ich denke, dass die Autos dieses Universums ihre menschlichen Schöpfer ausgerottet haben, darauf können wir uns einigen…) und sollten daher nicht Asylums Version zur Last gelegt werden. Wichtiger ist, dass der Streifen schon ordentlich, äh, rollt und Leerlauf dadurch vermeidet, dass er seine Geschichte in recht handliche Episoden unterteilt.

Technisch ist der Streifen kein Weitwurf – natürlich kann „CarGo“ optisch nicht mit Pixar oder DreamWorks mithalten, wie sollte das bei den Budgets auch gehen? Die Hintergründe und Landschaften sind auch hier, wie bei „Izzie“, sehr steril – die Stadt Cargo erinnert mich an die Welt, auf der man bei WiiSports eine Miis rumlaufen lassen konnte. High-End-CGI ist das also nicht (ich hab auch Facebook-Spiele gesehen, die grafisch durchaus mit „CarGo“ mithalten können), für Clunker Island und den unmöglichen Wald (bei dem die Designer offensichtlich sehr glücklich über die Copypaste-Funktion ihrer Engine waren) gilt ähnliches – manchmal wirkt das sogar noch altbackener und erinnert an SNES-Grafik („F-Zero“ oder so…). Es ist hier aber nicht so tragisch wie beim Fischfilm, weil hier ja eben keine bunte, lebhafte und ständig in Bewegung seiende Unterwasserwelt simuliert werden soll, sondern überschaubare, weitgehend statische Hintergründe verlangt werden. Die Animation der Charaktere ist ganz passabel – das Charakterdesign ist zwar volle Kanne – und dabei noch etwas simplifiziert – direkt von „Cars“ geklaut, aber die Autos und ihre „Gesichter“ sind sehr smooth und flüssig animiert (Danny ist übrigens ohne weiteres ein Porsche 911, Cabby ein Golf-GTI-„Henkelköfferchen“-Cabrio und Carlotta hatte wohl einen Mazda 121 in der Ahnengalerie). Einen zusätzlichen Minuspunkt verdient sich „CarGo“ allerdings dafür, dass für einen Film, dessen Prämisse „illegale Rennen“ lautet, diese Rennen ausgesprochen lahm sind – von „speed“ kann da keine Rede sein, das wirkt stets so, als würden die CGI-Autos im Schritttempo fahren. Gerade das hätte man nicht verhauen dürfen…

Festgehalten muss an dieser Stelle werden, dass es sich bei „CarGo“ um ein Musical handelt – nicht weniger als neun Gesangsnummern werden dargeboten, vom klassischen musical-choir-style über 60er-Rock’n’Roll bis hin zu Rap und Heavy Metal. Bis auf eine noch zu besprechende Ausnahme singen alle Sprecher ihre Songs selbst. Ich bin von der Qualität der Songs positiv überrascht – natürlich ist nichts von der Klasse eines guten Disney-Songs dabei, aber nichts foltert die Ohren, und länger als zwei Minuten dauert eh kein Lied.

Der Cast, den Asylum zusammengetrommelt hat, ist vermutlich einer der besten, den das Studio je zur Verfügung hatte. Den Danny spricht durchaus sympathisch Haley Joel Osment („A.I.“, „The Sixth Sense“), seine Freundin Cabby wird von der ewigen Teenage-Hexe „Sabrina“ Melissa Joan Hart gesprochen (Melissa ist aber die erwähnte Ausnahme, die ihre Gesangsparts einer Kollegin überlässt). Alt-Mime Ed Asner („Lou Grant“ und als voice-actor in Pixars „Oben“) spricht mit der ganzen Gravitas seiner 88 Jahre Vater Art. Den Hoodlum Vin Diesel (ächz) verköpert Jay von Jay und Silent Bob, Jason Mewes, Carlotta wird von US-Reality-TV-Star Porsha Williams („The Real Housewives of Atlanta“, „The Apprentice“, „Dish Nation“, „Sharknado 5“) passabel gesprochen. Für das Restensemble versicherte sich Asylum überwiegend der Mitarbeit verdienter professioneller voice actors wie Phil LaMarr (Hermes Conrad in „Futurama“, „Family Guy“, „Mad TV“ und Marvin in „Pulp Fiction“), Jessica DiCicco („Ab durch die Hecke“, „Adventure Time“, „DC Superhero Girls“) und Ellen Gerstell („Jem and the Holograms“, „Little Nemo – Adventures in Slumberland“, „Darkwing Duck“), die Melissa Joan Hart auch ihre Stimme für die Songs leiht. Kann man eigentlich nur sagen – alles richtig gemacht.

Die Blu von Magic Movie bringt den Film in adäquater Bild- und Tonqualität, wobei ich mich für den Unterhaltungswert explizit nur für die englische Originalsprachfassung verbürge, die ich aufgrund des prominenten Casts natürlich vorgezogen habe. Als Extra gibt’s den Trailer.

Was sagen wir also dazu? Ich klappe mein virtuelles RESPEKT-Schild hoch und konstatiere, dass ich mich mit „CarGo“ unerwartet gut unterhalten habe. Klar, technisch spielen die Asylum-CGI-Filme bestenfalls in der Kreisklasse, aber im Vergleich zum furchtbaren „Izzies Weg nach Hause“ ist „CarGo“ ein Film, den man zumindest auf der inhaltlichen Ebene unfallfrei (hihi) konsumieren kann, für kleine Kinder vielleicht am Ende (trotz des Happy Ends) etwas sehr düster wird, aber so ab 6 aufwärts durchaus sein Publikum finden sollte und dabei aufgrund der zahlreichen in-jokes und Parodien auch Erwachsene nicht langweilt. Addiert man dazu noch einen in der Originalsprachversion sympathischen und gut aufgelegten voice cast, ergibt das insgesamt einen Animationsfilm, von dessen Klasse Asylum ruhig mehr vorlegen darf.

(c) 2017 Dr. Acula


BOMBEN-Skala: 7

BIER-Skala: 7


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