Bruce Li – Die Faust der Vergeltung


  • Deutscher Titel: Bruce Li - Die Faust der Vergeltung
  • Original-Titel: Lao jia lao nu lao shang lao
  • Alternative Titel: Edge of Fury
  • Regie: Tso Nam Lee
  • Land: Hong Kong
  • Jahr: 1978
  • Darsteller:

    Bruce Li (Fang Pao), Yasuaki Kurata (Mr. King), Ming Chin (Kargor?), Yuan Kao (Shen Fong?), Dana (alias Tsen Shu-Yi)


Vorwort:

Laa, Lee, Luu… Inzwischen habe ich drei Vertreter des Genres aufgegriffen (CHALLENGE OF THE TIGER https://badmovies.de/reviews/spezialkommando-feuervogel, THE DRAGON LIVES AGAIN https://badmovies.de/reviews/the-dragon-lives-again und den Bodensatz des Genres FIST OF FEAR TOUCH OF DEATH https://badmovies.de/reviews/fist-of-fear-touch-of-death). Auch Sonderfall GAME OF DEATH (https://badmovies.de/reviews/game-of-death-1978), der sich zumindest mit einiger Berechtigung Bruce-Lee-Film schimpfen darf, wurde von mir beäugelt. Nun ist dieses bizarre Sub-Genre ein schier unerschöpflicher Ozean, der so viele Schätze zu bergen hat, dass es einen echt wundern muss. Ich weiß nicht wie viele Bastarde hier hervorgebracht wurden, Schätzungen gehen von 60 bis über 100, soll uns egal sein. Nein, ich weiß auch nicht, warum ich immer und immer wieder hier lande. Es liegt wohl irgendwo daran, weil die Unsitte von B-Filmern, das Publikum für superduper-doof zu halten, in diesem Genre besonders stark ausgeprägt ist (und somit fast schon zwangsläufig für unfreiwilligen Humor sorgt) und uns kurios aufzeigt, wie dreist Filmemacher sein können, wenn’s auch nur einen Cent irgendwo zu holen gibt. Jammerschade, dass gerade der Könige der Halsabschneider-Mentalität, ich denke an Bruno Mattei, sich dem Genre gegenüber leider indifferent gezeigt hat, aber immerhin gibt’s Bruceploitation von Godfrey Ho.

Ich habe irgendwann mal eine Teilung in grob drei Kategorien vorgenommen, die immer noch Bestand hat:
1. Straighte Eastern, die mal mehr mal weniger auf einen Imitator setzen und unter Zuhilfenahme des „Deceptive Marketings“ das als bisher unentdeckte Filmperle des Meisters andrehen, manchmal nur in bestimmten Ländern oder der BL-Bezug wird nur durch den Filmtitel oder die Dialoge hergestellt, um den treuen Fans das letzte bisschen Sauerverdientes rauszupressen.
2. „Dokumentationen“ und „Biographien“, die gelegentlich etwas freier mit der Lebensgeschichte umgehen und dem ohnehin von Mythen, Halbwahrheiten und Legenden überfrachteten Leben Bruce Lees noch weitere hinzufügen glauben zu müssen.
3. Selbsternannte Hommagen oder „Fan“-filme, die zwar sich formal nicht als Originalprodukt vermarktet haben, aber natürlich auf der Popularitätswelle mitschwammen und die Kampfszenen ebenfalls mit mehr oder wenig schlechten Imitatoren realisierten (hier kann man auch die Ultra-Trash-Kategorie verorten, auf die wir alle so scharf sind).

Unser Film fällt in Kategorie 1, d.h. Bruce Li darf sich die Ehre geben, den Film, den er gedreht hat, anstatt Game of Death zu machen (wir erinnern uns). Er selbst hat immer vehement von sich gewiesen, Bruce Lee schänden zu wollen, die Produzenten hätten demnach ohne seine Einwilligung seinen Namen geändert – dazu werde ich mich in der Analyse noch ausführlicher äußern. Kurios ist erstens, dass der deutsche Verleihtitel uns unumwunden auf dieses Faktum hinweist und zweitens, dass das Backcover von CMV dann wieder obgleich dieses Faktums von Bruce Lee (sic) spricht und drittens, dass der Film – festhalten – der erste jemals indizierte Videofilm in der Geschichte der Bundesprüfstelle gewesen sein soll, ja richtig gehört, nicht die ewigen Ausläufer des italienischen Horrorfilms, nicht Schwarzenegger oder Stallone, nicht „Lustig juckt die Lederhose Teil trölfzig“ und noch nicht mal der echte Bruce Lee selbst haben den ersten Kampf gegen die Zensoren verloren. Inzwischen ist die Indizierung aufgehoben, trotzdem wird das hier bestimmt pfoll prutal und so, also Kinder, wegschauen.
Ein weiteres erwähnenswertes Faktum ist die Anwesenheit von Dana (Tsen Shu-Yi) in diesem Film, die bereits in IMAGE OF BRUCE LEE (einem Must-See des Genres) geglänzt hat. Ob Bruce Li es besser machen wird als Robert Clouse und Raymond Chow im selben Jahr? Wir werden bald schlauer sein. Aufgrund unzureichender Credits muss ich mich bei den Charakternamen auf mein Gehör verlassen. Ich gebe mein Bestes.

Inhalt:

Das waren noch Zeiten, als in Hong Kong das Sicherheitsgesetz noch nicht gegolten hat. Mancher wird sich die Stadtansichten der Metropole daher mit Wehmut ansehen. Unser Held Bruce Li, hier laut Imdb-Credits Fang Pao, oftmals auch mit Ah Fong angesprochen, der nichts im Sinn hat als seine Mutter zu versorgen, denkt sich nichts Böses als er einen Anruf bekommt von seiner Freundin, die keinen mir greifbaren Charakternamen bekommt (ihre Darstellerin heißt im richtigen Leben Michelle also bleibe ich dabei, viel ins Geschehen eingreifen wird sie nicht). Er kann sie nicht mit der Karre mitnehmen, sondern muss seinen Boss Chan kutschieren, der aus Bangkok zurückkommt. Dem Chauffeur ist nix zu schwör oder so.

Er fährt am Haus seines Onkels vorbei, um noch Shao Lung (nein, nicht Shang Tsung aus Mortal Kombat) aufzugabeln, der Sohn des Bosses Chang ist (Kinderdarsteller, Himmel hilf). Er wird sogleich von einer Gruppe Typen angehalten, die behaupten von der Polente zu sein. Fang gibt zu Protokoll, für seinen Scheffe Fahrdienste zu übernehmen, für ihn seit eineinhalb Jahren zu arbeiten und regelmäßig nach Bangkok zu latschen. Außerdem lässt er es sich nicht nehmen, seinem Sohnemann Kung Fu beizubringen. Da muss der Kleine aber noch üben, denn das taugt noch nicht viel, was der präsentiert. Vom Chef ist noch sein Businesspartner bekannt, Shin Shen Fong oder so ähnlich, alias der Mann mit Pornobrille, Pornobalken und im weißen Mercedes-Bonz. Zudem lernen wir noch Chans zweite Frau kennen, dargestellt von keiner geringeren als Dana (hier als „Danna“ gebillt), die viel Mahjong spielt und sich tagelang rumtreibt. Völlig zügellos.

Jetzt ist es dummerweise nur so, dass der Boss heute Morgen beim Grenzübertritt mit Drogen erwischt worden ist, und ihm droht sogar die Todesstrafe. Fang bestreitet jede Kenntnis von solchen Schweinereien, die Cops halten ihn ebenfalls für unschuldig. Die Meldung schafft es nun auch in die Nachrichten. Dana taucht auf und das Chaos bricht aus, Fang denkt laut über einen neuen Job nach und der Kleine stürmt hysterisch durchs Zimmer. Fang nimmt ihn mit in einen Wasserpark, wo man Delphinen zugucken kann (wie süß), doch böse Fieslinge nutzen einen unaufmerksamen Moment Fangs schamlos aus, um ihm was auf die Mütze zu geben. Yo, nach rund 10 Minuten haben wir den ersten Fight, Fang muss echt aus Stahl bestehen, denn selbst Baseballschläger scheinen ihn nur zu kitzeln. Sie schaffen es, ihn im Auto an die Hafenkante zu bringen, wo Kargor (?) sich unfreundlich vorstellt. Mit dem Namen könnte er eher bei He-Man oder so auftreten, ist aber in diesem Film gelandet. Der ist natürlich schuld an allen Drogengeschäften und verklickert Fang unter schlagenden Argumenten, lieber nichts davon den Cops mitzuteilen. Das kann nur eins bedeuten, es kommt zur Schlägerei, wo Fang es mit der kompletten Truppe aufnehmen muss. Ich beschwere mich nicht, der Fight ist absolut solide inszeniert und die Hafenkulisse mit dem Labyrinth aus Containern ist eine mehr als ansehnlich. Die Feinde verwenden alle Arten von Knüppeln doch Fang kann sich dessen erwehren, einmal sogar unter dem Einsatz einer Leiter. Einer kämpft noch unfairer mit einem Messer, da hat er aber noch nicht Bekanntschaft mit Fangs Käsequanten gemacht.

Kargor jagt Fang durchs Container Maze, beim sich anschließenden Fight lässt Fang ihn relativ alt aussehen, auch seine Henchmen sehen wenig Land (Flaschen…), Fang ist das fröhliche Treiben leid und flieht durch einen geschickten Sprung vom Container auf einen fahrenden Transporter (sportlich). Damit ist die Gefahr fürs erste ausgestanden, doch muss er mit verbeulter Visage seiner Mama gegenübertreten, die sofort vermutet, die Polizei könnte ihm das angetan haben, denn er hat bestimmt irgendwelche krummen Dinger gedreht. Fang weist das schwer von sich, trotzdem ist man hier nicht mehr sicher.

Gespräch unter Gangstern, Money Brasco und Don Fiko Corleo… äh halt nein, Mr. King, der örtliche Mafiaboss mit Roy-Black-Frisur und unser offizieller Bösewicht, aber zumindest jetzt noch nur als Nachtclub-Besitzer „getarnt“, sprich jeder Idiot mit drei Hirnzellen müsste checken dass er Übles im Schilde führt, nur Fang nicht.
Fang spaziert mit seiner Ollschen an der Hafenpromenade von Hong Kong herum. Fang würde ja gerne sich verkrümeln, doch wegen dem kleinen Hosenscheißer muss er hierbleiben. Klar, Fang kümmert sich um alles und jeden, der ist so ein netter Mensch, dass ich gleich kotzen muss. Auf einem Parkplatz fordert eine Bande Unholde erneut Cash von Fang und untermauern ihre Forderung durch weiteres Gekloppe. Er hätte sich sein Geld vielleicht aus handsamerer Quelle leihen sollen. Fang wehrt sich mit Händen und Füßen, hier ist auch die Szene vom Cover zu sehen „Bruce Li kickt mit rechts und links gleichzeitig“. Kargor wird hier zufällig vorbeikutschiert, warum auch immer, und sieht sich das muntere Treiben an. Dann wird’s ihm irgendwann zu blöd, er mischt sich ein und sagt den Prügelnden, sie sollen ihn in Ruhe lassen, er werde das schon regeln.

Fang will nun die Dienste des Vaters verlassen, Dana will ihm in gewohnt lasziver Pose ins Gewissen reden, doch Fang bleibt bei seinem Entschluss, selbst mit Geld ist er nicht zu ködern. Fang wäscht pflichtbewusst das Auto, da taucht schon wieder der Knirps auf (ächz), Fang verspricht ihm, Kung Fu beizubringen und der Hosenkacker wirft ihm einen Bumerang zu. Sehr aufregend.
Im Fernsehen erfahren wir, dass Chan inzwischen wegen Drogendealen zum Tode verurteilt worden ist. Bei einer Bootsfahrt diskutieren die Gangstas darüber, dass man den Frankfurter Puderzucker finden muss. Offensichtlich juckt es manchen schon in der Nase.
Fang singt beim nächsten Spaziergang seiner Freundin sein Klagelied: „Why is my life never easy?“ – Weil du der Held in einem Prügelfilm bist, deswegen.
Michelle will sich sein Echauffiere nicht länger anhören, doch komplett unrecht hat er nicht, schließlich waren es die anderen die im alles in die Schuhe schieben wollen. Fang ist angesäuert genug, um endlich eine Trainingssequenz zu liefern, wo er wütend gegen den Sandsack im Garten tremmelt, seine Mutter will ihn beruhigen, doch Fang wendet nicht ganz zu Unrecht ein, dass die mit der Hinrichtung nicht mehr lange warten werden. Jemand, ein Typ namens K.J. (keine Jugendfreigabe?), sieht sich das aus sicherer Entfernung mit einem Fernglas an.

Auch Dana reißt inzwischen der Geduldsfaden, für nen Anwalt braucht sie sogar noch mehr Asche als sie hat und Shin Shen Fong soll sich mal was einfallen lassen, wo die Kohle herkommen soll, ein gewisser Mr. Chow (Raymond?) soll aushelfen, doch auch der will keinen zu großen Optimismus versprühen: „If a doctor could say his patients had been cured after he treated them, then there wouldn’t be any need for cemeteries.“ Offenbar sind Menschen solange unsterblich, bis sie auf einen Arzt treffen. Über diese Sätze sollten wir nachdenken. Mr. Chow meint, wenn man Vatis Eigentum zu Geld macht, können locker auf die Schnelle 10 Millionen bereitgestellt werden, das dürfte für den Anfang reichen (Anwälte sind TEUER stelle ich fest), Dana unterstellt Chow will bloß an das Hab und Gut des Papas kommen und unterstellt ihm sogar, mit den Tony-Montana-Geschäften was zu tun zu haben und evtl. seinen Tod geplant zu haben. Chow zischt beleidigt ab und Dana denkt laut darüber nach, die Geschäfte nun selbst zu führen, doch ein Testament liegt leider nicht vor (das aber wenn dann frühestens NACH Papas Tod was bringt, gelle). Fang taucht auf mit einem wichtigen Brief an den Anwalt Mr. Chow, den er niemals nicht rausrücken will.

Ein anderer Typ (Jimmy) nutzt die Gelegenheit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben, sprich er poppt (in Fangs Abwesenheit natürlich) ne Runde mit Dana, nicht ohne vorher gemeinsame Spielchen unter der Dusche gemacht zu haben, denn Wasser sparen ist wichtig. Klar, kaum ist Danas Mann in der Todeszelle, holt sie sich sofort nen neuen Stecher ins Bett. In der Uncut-Version geht die Szene übrigens noch länger und wir sehen, wie Jimmy noch länger bei Dana aufhubert, und das sogar nicht mal unexplizit. Man fragt sich, wer es hier am nötigsten hatte (im Zweifelsfall der Zuschauer).
Dana verfolgt auch finanziell ihre eigenen Ziele, sie will unbedingt den Brief, in welchem sie das Testament vermutet, und ist immerhin bereit 5000 Dollar dafür springen zu lassen. Fang ist natürlich unbestechlich, auch Jimmy vermag ihn nicht mit härteren Bandagen zu überzeugen. Doch als auch Fangs Mutter in Mitleidenschaft gezogen wird, ist es mit den warmen Worten vorbei und es darf geflechtet werden, diesmal weniger spektakulär, allerdings landet mal ein Bad Guy nach erfolgtem Treffer mit dem Schädel in der Mülltonne, ein anderer mit der Omme in nem Wassertrog. Ist bestimmt schwer symbolträchtig für irgendwas. Man merkt jedenfalls dass Fang endgültig die Faxen dicke hat. Allerdings sei wieder angemerkt, die Location weiß zu gefallen.

Jimmy kommt mit verbeulter Schmisse vom nicht erledigten Auftrag zurück. Dana muss sich was Neues einfallen lassen, um Fang gefügig zu machen, irgendwas mit irgendwelchen Sex-Spielchen wagt Jimmy anzumerken und kriegt sogleich eine aufgestrichen, denn Dana würde sowas natürlich niemals nicht tun. Dana entschuldigt sich sofort und schlabbert mit ihm rum, da taucht ohne Vorwarnung wieder der Shao Lung auf, der das alles gesehen hat. Dana droht ihm ne ordentliche Tracht Prügel an (verdient hätte er’s) und dann gibt’s nach weiteren Beleidigungen tatsächlich so was ähnliches wie angedeutete Kung Fu Moves von Shao Lung (neiiiiin…), selbst Jimmy rutscht auf der Frisbee-Scheibe aus, wat hammwer jelacht. Der Kleine bewirft die beiden im wahrsten Sinne des Wortes mit Dreck.
Der Bodyguard lässt nicht locker bei seinem Vorhaben, die Drohschen finden zu wollen.
Für Fang gibt’s nun noch mehr Probleme, sein Vermieter macht Stunk, da Fang a) nun der Schohföhr von einem Schmuggler ist und b) sich kürzlich geprügelt hat – das hätte man bei einem Bruce-Lee-Lookalike aber vielleicht voraussehen können, oder? Am besten soll Fang sich gleich verpissen.

Ein Henchman aus einem Club der Mr. King gehört übergibt Fang seine Visitenkarte. Vielleicht will er sich im Laden mal umsehen und vielleicht lassen sich so auch seine Schulden regeln. Klingt sehr seriös, das Angebot. Fang stattet dem Etablissement einen Besuch ab. Mr. King hat großes Interesse an seinen treuen Diensten und reicht ihm gleich mal ein Bündel Scheine rüber. Fang weiß gar nicht wie ihm geschieht und nimmt den Zaster entgegen. Um eine Wohnung hat sich King auch noch gekümmert, wo Fangs Mutter sich einquartieren darf.
An dieser Stelle fehlt in verschiedenen Fassungen wieder eine Szene, wo sich eine Person mit Strumpfmaske zu Dana ins Zimmer schleicht und einen Vergewaltigungsversuch startet, allerdings ist es nur Jimmy in Verkleidung, der das für einen wahnsinnig tollen Witz hält. Okay, Jimmy hat offiziell nen Dachschaden im Endstadium, daran besteht kein Zweifel.
Aus mir völlig unnachvollziehbaren Gründen sind Dana und Jimmy immer noch ziemlich dicke und es gibt gleich Gelegenheit zum Feiern. Jimmy entkorkt den Sekt zusammen mit Dana, wobei schwer symbolisch die Korken knallen, während gleichzeitig ein wehrloser Häftling erschossen wird, allerliebst im schwarzweiß-gestreiften Streifenhörnchen-Dress. Immerhin die erste blutige Szene, ich beschwere mich nicht. Das war übrigens nicht irgendein Häftling, sondern der olle Papi, der soeben mit einem Kügelchen ins Jenseits geschickt worden ist. Jimmy und Dana brechen in evil laughter aus.

Fang lässt die Visage auf halb acht hängen als er sieht wie viel Freude Jimmy und Dana miteinander haben. Fang gibt zu bedenken, dass noch nicht mal die Leiche aus Thailand abgeholt worden ist, und ihm platzt final der Kragen, als Jimmy das an der Furche vorbeigeht. Endlich wieder Fratzengeballer! Dana tadelt Fang schwer, er solle seine Fäuste im Zaum halten, diesen Moment der Unachtsamkeit nutzt Jimmy, um Fang ein Eisenrohr über die Möhre zu ziehen (ich liebe es, wie in diesen Filmen es völlig egal ist, wie und mit was man jemanden verkloppt – mit bloßen Händen oder mit nem Stahlrohr, dieselbe Trefferwirkung). Trotz dieser waffentechnischen Überlegenheit gewinnt Fang schnell wieder Oberwasser und zeigt Jimmy, was ne Harke ist, beeindruckend finde ich wie Fang eine besondere Spezialtechnik auspackt, nämlich macht er einen Drehtritt indem er sich schwungvoll um eine Stange herumwindet, wie ein Poledancer, daraus könnte man ein Meme machen (und tausendmal besser als der berühmte „Auf-dem-Kofferraum-festhalten“-Kick in SAMURAI COP). Trotzdem erstaunlich, dass Jimmy nun wirklich so gar nix drauf hat, dem hätte ich in Sachen Kung Fu mehr zugetraut.

Dana unterbricht diesen (sogar minimal blutigen) Fight durch zwei eindrucksvolle Revolverschüsse in die Luft. Dana fordert immer noch den scheißblöden Brief, evtl. gibt’s dann sogar eine Belohnung für ihn. Fang, immer im Namen der Gerechtigkeit unterwegs, übergibt den Brief an den Shen Fong, fest in dem Glauben, das stelle eine Verbesserung dar. Spül ihn doch gleich im Klo runter.
Mr. King feiert eine feuchtfröhlich Poolparty, weil Börsday von Mr. King und so. Fang spricht einen Toast aus (und ich dachte immer, den soll man essen). King will nun endlich die „Goods“ haben, sie würden ihm für Preisgabe dieser Info sogar 500000 Dollar berappen (nicht schlecht!) Als King sich zur Seite dreht kloppen Fang ein paar Henchmänner auf die Glocke, Fang schlägt zurück, bekommt aber dann unerwartet Hilfe von Mr. King selbst, der seinen Jungs Manieren beibringt, die Goodies aber trotzdem will.

Fang kommt nach Hause, wo seine Mama und seine Freundin bereits mit Happa-Happa auf dem Tisch auf ihn warten. Fang fragt seine Freundin, was sie hier eigentlich macht. Seltsam, irgendwie verstehe ich deren Beziehung nicht. Zum Glück gibt’s ein paar Innenansichten ihrer Liaison. Fang: „I didn’t even try to find you, but you found me.“ Das versetzt seine Freundin aus welchen Gründen auch immer schwer in Rage. Ich bin nicht schlauer als vorher.
Nachdem Fang etwas unvorsichtig mit dem Brief umgegangen ist, hält ihn nun Dana endlich in den Händen. Zwar hat laut Testament Papi angeblich 2 Millionen Öcken vermacht, blöderweise ist der kleine Scheißer Shao Lung Haupterbe und Shen Fong bis zu dessen 21. Geburtstag Erbverwalter. Dana vermutet sofort Beschiss und will wissen wo das wahre Testament ist, doch der Shen Fong meint ganz kühl „in meinem Safe“. Ich käme mir als Dana jetzt leicht verarscht vor.

Die Bösen kidnappen Fangs Freundin. Jetzt ist wirklich die Kacke am Dampfen.
Dana ist angefressen, wenn der Knirps ihr im Weg steht, wird sie nie an Geld und Reichtum kommen. Jimmy, der Dana gerade mit einem Massagestab bearbeitet (und bestimmt noch einen Ersatzstab in der Hinterhand hat), gelobt, den richtigen letzten Willen aus dem Safe zu holen.
Fang hat inzwischen das Fernbleiben seiner Angebeteten bemerkt. Er stattet King einen erbosten Besuch ab, der natürlich von nix ne Ahnung haben will. Fang muss unverrichteter Dinge wieder abziehen, doch nicht ohne ihnen Haue anzudrohen.

Man muss kein Safeknacker sein, wenn der Besitzer doof genug ist, das Zeugs aus demselbigen rauszunehmen und dann auch noch das Fenster offen zu lassen. Ein Typ mit Strumpfmaske überm Kopp betritt ungebeten das Haus, es handelt sich wieder um Jimmy, das hat ja schon eine gewisse Tradition. Nur diesmal geht die Sache anders aus, denn Shen Fong kann die Knarre des Einbrechers erfolgreich gegen ihn einsetzen und ihn abballern. Pech. Und das war sogar Notwehr.
Fang besucht Dana und sucht nach dem Opium, seltsamerweise vermutet er das im Wandschrank (hä?) Dana erweist sich als wenig hilfreich, doch Fangs Blick fällt auf irgendein Bild, das anscheinend den entscheidenden Durchbruch gibt. So wie es aussieht, ist dort die Spelunke abgebildet, wo Jimmy mit seinen Atzen abhängt. Außerdem hält er dort auch Fangs bessere Hälfte gefangen. Fang sucht mit Shao Lung zusammen die Gerätekammer ab, mich dünkt zwischen den ganzen Fässern lässt sich gut der Finalkampf bewerkstelligen. Jimmy überschüttet derweil Fangs Freundin mit Fusel und sie sieht sich nun von den bösen Buben umzingelt und Jimmy beginnt Dinge zu tun, die nun nicht gerade einen Preis für Höflichkeit gewinnen, wenn man es mal vorsichtig formuliert… Er lässt von ihr ab als er erfährt, dass Long hier am Gelände sein Unwesen treibt.

Dana torkelt angetrunken durch die Wohnung, Shen Long taucht auf und zeigt ihr mit ein paar kernigen Sprüchen („my friend was a little slower with the shooting“) das Foto vom toten Jimmy. Dana greift erstmal bzw. wieder mal zur Flasche (klar, wenn die Drogen unauffindbar sind) und lallt was von den zwei Milliönchen, doch leider steckt die Kohle im Haus und Dana hat gerade mal 7 Tage, um es zu verscherbeln. Die Erbschaft hat sich nicht wirklich gelohnt. Shen Fong hat noch ein weiteres As im Ärmel, schließlich ist Jimmy mit Danas Waffe erschossen worden und überhaupt will sie ihn (Shen Fong) schon lange putt machen, d.h. sie wird für viele Jahre im Ächz sitzen, folglich ist es besser für sie, über seine miesen Machenschaften Stillschweigen zu bewahren. Shen Fong macht ihr Komplimente, dass Dana doch schön ist und so viel Cash haben kann, wie sie will. Dana, nicht mehr ganz Herr ihrer Sinne, entblößt ihre Milchtüten (oha!), doch das ist King nur ein müdes Lachen wert, auf so was ist er nicht aus bei ihr. Tja, wer zuletzt lacht, lacht am besten, denn Dana sticht ihn hinterrücks ab, womit weder er noch ich gerechnet hätte. Noch größer die Überraschung, dass Dana sich nun selbst (!) das Messer reinhaut und das verstehe ich nun irgendwie so gar nicht.

Die Gangsters fahren zu dem Gebäude von Fang nun endlich den Stoff gefunden hat. Fang ist bereit für einen Austausch. Tatsächlich lassen sich die Gangster auf diesen Kuhhandel ein und lassen Fang abziehen. Ein schwerer Fehler, wie sich herausstellen wird, denn Fang hat genau an der Stelle, wo er die Drogen gefunden hat (und wo die Gangster komischerweise immer noch stehen), eine Bombe platziert, die er per Fernzündung nun hochgehen lässt. Kargor, der das irgendwie überlebt hat, knöpft sich Fang vor, gleichzeitig schleicht auch King durch die Gegend, dem das gar nicht behagt, wie die Sache gelaufen ist. Einer seiner Handlager, K.J., outet sich gerade noch als Doppelagent, das kann King nicht auf sich sitzen lassen und verdrischt ihn gehörig – und das noch nicht mal übel, man hätte durchaus noch mehr Kampfszenen von King sehen können.
Gleichzeitig rupft Fang mit Kargor ein Hühnchen, in den Fight mischt sich King ein, und nun geht’s in ein 1 gegen 1 zwischen Fang und King über, auch der Fight kann sich sehen lassen. Der Fight geht über mehrere Stockwerke und landet schließlich im Raum mit den Fässern. Nun wird auch etwas von der Umgebung miteinbezogen, sprich wie bei Jackie Chan bewerfen sich die beiden abwechselnd mit allem umliegenden Gerümpel, schließlich kann sich Fang den entscheidenden Vorteil rausarbeiten und schlägt King k.o., doch tötet ihn nicht, weil Ehrenmann und so. Fort he record: auch Kargor überlebt das Filmende, soweit wir sehen. Das gab’s beim echten Bruce Lee nicht. Draußen wartet schon die Pullezei, doch was die unternehmen wird, bleibt uns vorbehalten.

Analyse

Wer nach dem Urteil der Bundesprüfstelle gemeint hat, EDGE OF FURY wäre ein besonders harter oder auch nur besonders spektakulärer Vertreter seiner Zunft, der wird sich enttäuscht sehen. Der Film ist weder besonders hart – tatsächlich ist er sogar ein relativ unharter Genrebastard – noch besonders spektakulär, sondern ein eher mittelmäßiger Eastern, bei dem sich positive und negative Aspekte in etwa die Waage halten. Selbst im Universum von Bruce Li gibt’s sehenswertere Exemplare, etwa wie den bereits angesprochenen IMAGE OF BRUCE LEE oder CHINESE STUNTMAN.

Zunächst ist der Streifen eigentlich mehr Krimi als Eastern. Alles ist in der Gegenwart angesiedelt und möglichst realistisch gehalten (also auch kein Wire Work aber das hat wohl keiner erwartet). Ähnlich wie bei Game of Death (1978) wurden auf alle philosophischen Schnörkel komplett verzichtet, selbst das Martial-Arts-Babble („deine Adlerklaue ist chancenlos gegen meinen Tiger-Kranich-Stil“) bleibt hier aus. Somit durchaus eine Bestandsaufnahme der MA-Welt anno 1978, bereits 5 Jahre nach dem Tod von Bruce Lee hatte das Publikum wenig Bock darauf, tiefschürfende philosophische Erkenntnisse geboten zu kriegen, sondern begnügten sich mit was halt gerade zu haben war. Wir können ja nur froh sein, dass in dieser Zeit auch der Aufstieg von Jackie Chan seinen Anfang nahm.

Tiefgehende Drehbuch-Analysen sind hier sicherlich fehl am Platz, die Geschichte mit der Erbschaft ist wenig originell und auch nicht besonders aufregend, von den „Überraschungen“ des Skripts ist für mich nur eine wirklich überraschend (nämlich dass Chan tatsächlich hops geht, ich hätte gedacht, der würde irgendwann gerettet). Ansonsten gibt die Story wenig her, dem man interessiert folgen müsste, versucht aber gar nicht erst, größere Experimente zu wagen. Viel (zu viel) Augenmerk liegt auf Fangs Familie, hier ist wieder beachtenswert, dass gerade seine Freundin völlig blass bleibt und letztendlich nur Damsel in Distress ist. Die Story mit den Drogen ist 100000 Mal da gewesen (auch in BIG BOSS), dass Fang gerade der Chauffeur ist hat uns der echte Bruce Lee als Kato schon vorgemacht (doch ist er mit dieser Rolle nie zufrieden gewesen).

Auch Fang ist als Charakter so ne Sache, klar, Bruce Li kämpft für die Enterbten, allerdings trägt das Skript hier so dick auf, dass es deutlich zu viel ist. Ein oder zwei Szenen wo er Mutter und Freundin beschützt mag ja ganz okay sein, aber die dauernde Wiederholung sorgt eher für Kopfpatsch denn Freude. Vieles im Skript ist auch nur schwer zu glauben, etwa dass Mr. King tatsächlich nie als Bösmann verdächtig wird bzw. umgekehrt, warum Chan so blöde war ihm zu vertrauen. Auch Kargor verhält sich vom Start weg verdächtig, aber auch das scheint niemanden zu interessieren. Interessant ist, dass King bis zum Finale seine Fähigkeiten als Kämpfer nicht demonstriert (bzw. nur ganz kurz mit zwei Kicks), das ist beim echten Bruce Lee auch ein immer wieder eingesetztes Stilmittel, aber in anderen Eastern sieht man doch häufiger, wie der Antagonist „aufgebaut“ wird. Obwohl King von einem japanischen Schauspieler dargestellt wird, gibt’s hier keinen Konflikt China – Japan, doch das haben wir ja schon in den Pseudo-Sequels zu FIST OF FURY abgearbeitet.

Eines der Highlights ist natürlich Dana als absolute Femme fatale, Erinnerungen an Sin City 2 werden wach, außerdem hat Dana, wie bei IMAGE OF BRUCE LEE schon unter Beweis gestellt, keine Probleme mit Nudity und durch ihre ständige flirty Art sorgt sie für genug Erotik, auch das ist für HK-Verhältnisse eher gewagt. Dem steht der unsägliche Plot mit dem nervigen Nerv-Balg gegenüber. Jetzt bin ich nun davon entfernt, so wie der Doc jeden Kinderdarsteller prinzipiell zu verachten, doch Shao Lung geht mir nun wirklich extrem auf den Zeiger, sicherlich auch, weil seine Rolle letztendlich komplett anders hätte geschrieben werden können, also der Kniff mit dem Kinderdarsteller Mist ist. Absoluter Tiefpunkt ist seine Rangelei mit Dana, hier wird Fremdschämen zur Pflicht. Da guck ich doch echt lieber noch mal MR. NANNY (halt nein, das ist zu viel).

Wie auch immer, entscheidend sind natürlich im Eastern die Kämpfe, die werden hier einigermaßen zahlreich geboten und sind wirklich grundsolide. Typisch für Bruce Li sind die eher unhart, tatsächlich gibt es kaum Blut, auch Knochenbrüche etc. sind hier Mangelware, allerdings sind sie solide choreographiert, sind relativ variiert (Bruce Li hat eine solide Technikpalette) und haben einen halbwegs brauchbaren „Connect“ (sprich: die Schläge und Tritte sehen halbwegs so aus, als würden sie treffen), das schwankt von Fight zu Fight. Auch die Gegners sind in der Regel ordentliche Martial Artists und so ergeben sich ganz gute Duelle. Wo die Fights auf jeden Fall punkten ist in Sachen Szenerie, alle Fights sind im industriellen und suburbanen Umfeld gehalten, was absolut positiv gemeint ist, ziemlich cool finde ich die Location am Containerhafen, die man in viel mehr Filmen hätte sehen dürfen, auch der Endfight im Abbruch-Haus ist super schlicht und budgetsparend aber wirkungsvoll.

Wir müssen natürlich auf die Zensurgeschichte eingehen. Das kann etwas länger dauern. Laut Ofdb ist es der erste indizierte Videofilm. Ich habe versucht, das zu verifizieren, laut dieser Seite (https://www.bundespruefstelle.de/blob/132518/92ff4694912faa420d1644287230f741/2014-04-schlaglichter-data.pdf) waren vier Filme die ersten Fiddeos die auf der bösen Liste gelandet sind, namentlich Edge of Fury, Shaolin – Der Todesschrei des Panthers, No Morals und Sexfilme 2. Während ich zu den letzten beiden nichts Gewinnbringendes auf den Tisch bringen konnte (außer dem, was ihr nicht wissen wollt), ist mir der Todesschrei des Panthers wohlbekannt, ein absolut empfehlenswerter Eastern, zwar mit minimaler Kulisse aber mit zünftiger Action – und auch härter als Edge of Fury. Nun ist die (Erst-)Indizierung für Edge of Fury für den 21.10.1980 belegt (hey, das jährt sich bald zum 40. Mal!), der Todesschrei für den 13.05.1980, laut Schnittberichte.com als VHS, allerdings gibt’s auch noch die Super8/16-Version (auch von CMV), die könnte terrorretisch auch gemeint sein. Ohne Einblick in die Listen werde ich da nicht mehr rausknobeln können, Fakt ist aber, dass Edge of Fury sicher nicht der erste Eastern im Begutachtungsraster der BPjS (heute BPjM) war.
Andere Behörden befassten sich schon vorher damit, die FSK schon seit Anfang der 70er und fast immer – auch bei Edge of Fury – kam ab 18 raus. Allerdings – daran erinnern sich viele nicht mehr, waren die FSK-Freigaben erst ab 1985 auf den Videoboxen verbindlich, vorher erschien theoretisch alles ungeprüft und konnte indiziert werden (und es gab auch FSK 16-Filme, die unter dieser Regelung auf den Index kamen), ab 1985 ging das „nur“ noch bei FSK 18, später nur noch bei ungeprüften Filmen – was den Sinn des Unternehmens etwas fragwürdig erscheinen lässt, warum einen Ab-18-Film noch indizieren? Bei nem Porno sehe ich ja noch ein, dass der unter den Ladentisch verbannt wird, aber bei nem Actionfilm?
1980–1985 mag ne Indizierung noch eher eine Berechtigung gehabt haben, da konnte prinzipiell alles was nicht offensichtlich Porno war, offen ausliegen. Wenn das doofe Werbeverbot nicht gewesen wäre, das eine kommerzielle Auswertung in den meisten Fällen unrentabel gemacht hat. Das ist auch eines der Hauptprobleme der Indiziererei, letztendlich hatte die nur die Konsequenz, dass den Anbietern das Leben wirtschaftlich möglichst schwer gemacht wurde, damit die Produkte über kurz oder lang vom Markt verschwinden (so wie das im Wirtschaftswunder mit vielen Comic-Reihen passiert ist, ein paar Mal indiziert und das Zeugs war im Prinzip eingestellt), durch die Videothekenkultur konnte das Medium Video nie totgekriegt werden, trotzdem war das für die Anbieter ne doofe Lage. Jetzt mit ausländischen Fassungen etc. sieht die Sache völlig anders aus, heute kann man die Maßnahmen sehr einfach umgehen, damals sah das noch anders aus.

Eastern hatten zensurtechnisch in Deutschland insgesamt einen sehr schweren Stand und in kaum einem anderen Genre (außer Horror vielleicht) hat sich die Bewertung so stark verändert wie im Eastern. So sind alle Bruce Lees (außer ENTER THE DRAGON) inzwischen uncut FSK 16. Dieses Schicksal hat EDGE OF FURY bisher noch nicht erreicht, aber eine Neuprüfung würde mit Sicherheit nichts anderes ergeben. Warum gerade Eastern so hart beurteilt wurde, hab ich damals™ schon nicht verstanden. Ich habe in den Filmen immer mehr den kampfsportlichen bzw. -choreographischen Wert gesehen, doch die Jugendschützer sahen das wohl anders. Wahrscheinlich war es so, dass eben der Held die Gewalt macht und – das ist zugegebenermaßen nicht grundfalsch – Gewalt in diesen Film grundsätzlich das einzige Konfliktlösungsmittel ist, aber wie gesagt, das trifft eigentlich auf jeden Eastern irgendwo zu, auch die die auf FSK 16 runtergeschnitten wurden.
Ich kann nicht sagen wie viele Eastern auf den Index kamen, aber das dürften ziemlich viele gewesen sein und damit nicht genug. Wir erinnern uns mit Grausen als 1973 die Kinofassung von dem völlig harmlosen HAMMER OF GOD (Wang Yu – Sein Schlag war tödlich) nach dem damals neu geschaffenen (und immer noch nicht abgeschafften, seufz) § 131 StGB beschlagnahmt und erst nach mehreren Schnitten wieder freigegeben wurde. Weitere Eastern (Kino und Video) sollten folgen. Dass es gerade Edge of Fury geworden ist, der so früh vorgelegt wurde, ist mir ein Rätsel. Wer hat gerade da den Antrag gestellt (und die BPjS konnte nur auf Antrag tätig werden)? Fast unglaublich, dass WAY OF THE DRAGON, ENTER THE DRAGON und BLOODSPORT als Genre-Klassiker und hohem Bekanntheitsgrad tatsächlich nie auf dem Index waren. Dafür hat es vollkommen obskuren Shit wie TIMESWEEP (aber kein Eastern) erwischt. Sehr seltsam, der Legende nach sollen Videothekenbesitzer selbst Anträge angeregt haben, um ihre Ladenhüter populärer zu machen. Und dass die Behörden mit ihrer Einschätzung, was nun gerade von den Jugendlichen tatsächlich nachgefragt wird, oftmals krass daneben lagen, ist kein Geheimnis (siehe auch im Punk, aber das ist ne andere Geschichte).

Da Edge of Fury nicht sehr hart ist, ist selbst aus damaliger Sicht die Indizierung nur schwer zu verstehen. Nicht nur, dass graphisch wenig passiert (es gibt maximal 2-3 Mal Blut zu sehen und der Bodycount beträgt gerade mal läppische 4), auch ist der Kontext der Gewalt nicht das, was man sich unter einem harten Index-Film vorstellt. So handelt Fang am Anfang in Notwehr und später auch nur sehr widerwillig, Töten scheint für ihr gar nicht in Frage zu kommen, auch zynische Sprüche sucht man vergebens. Zwar gibt’s noch die Entführung und angedeutete sexuelle Belästigung von Michelle, aber auch hier gibt’s nix explizites zu sehen. Die „Jimmy besucht Dana“-Szene war nach allen mir vorliegenden Informationen in den deutschen Fassungen cut. Wahrscheinlich sollte hier einfach der Standard gesetzt werden für alles was noch kommen wird, die Bundesprüfstelle wusste natürlich, dass der Markt in den folgenden Jahren überschwemmt werden wird (was ja nicht falsch ist) und somit quasi aus später Ausfluss der Moralpanik gegen Eastern Anfang der 70er, wo man als BPjS halt auch irgendwie was tun wollte. Außerdem kommt das Wort „Vergeltung“ im Titel vor und nein, Vergeltung, also das geht ja wohl überhaupt nicht.

Somit gibt’s in Sachen Fassungen wieder mal Kraut und Rüben. Im Kino lief eine um 6 Minuten (angeblich nur Handlung) gekürzte Fassung mit FSK 18, die dann wohl auch so von CMV auf Video (ungeprüft) veröffentlicht wurde. Diese Fassung wurde dann indiziert, die VMP-Fassung ist sogar um 11 Minuten cut (hier fehlten zudem auch 3 der 4 Kills und noch weitere Action-Szenen), aber war wegen Inhaltsgleichheit ebenso als indiziert anzusehen, damit noch weniger zu begreifen was hier die Jugend hätte verderben sollen. Die niederländische, chinesische und französische Fassung sind alle cut aber auf unterschiedliche Weise (schnittberichte.com ist dein Freund), die US/Kanada-Fassung (auf der dieses Review zum größten Teil beruht) ist in Sachen Action soweit ich sehe komplett, allerding fehlen die beiden besagten Dana-Szenen. Andere Bruceploiter wurden für ab 16 krass runtergeschnitten, das war hier nicht der Fall, immerhin. Da wäre wahrscheinlich ne 60-Minuten-Version rausgekommen.

Bevor ich zu der Fassung komme, die man kaufen sollte, Schauspielerschelte.
Bruce Li alias Ho Chung Tao kennen wir inzwischen natürlich zur Genüge, er wurde aufgrund der zweifellos vorhandenen Ähnlichkeit zu Bruce Lee als Imitator verkauft, er selbst wollte das nach seinen Angaben immer abschütteln, hat es aber nie geschafft. Hm, schwierig, einerseits spricht für ihn, dass er die Rolle in Game of Death (1978) abgelehnt hat und die verschiedenen Umtitelungen seiner Werke auch nicht auf seinem Mist gewachsen ist, andererseits gibt es viele Momente in seiner Film-Vita, wo er Bruce Lee doch sehr deutlich kopiert, auch wenn er nicht wusste, was die Produzenten mit ihm anstellen, er hätte es besser wissen sollen. Nun, seine Kampffähigkeiten sind in Ordnung, er kämpft hauptsächlich Wing Chun, soll aber auch in Taekwondo, Judo und Karate trainiert sein, so gibt’s auch immer wieder Sprungtritte zu sehen. Besondere technische Neuerungen sind nicht zu erwarten, außer der Szene „Bruce Li schwingt sich um den Laternenmast“. In Sachen Geschwindigkeit und Power kann es Bruce Li mit Bruce Lee natürlich nicht aufnehmen, aber das sollte sich von selbst verstehen. Mimik und Gestik ist betont zurückhaltend (für übertriebene Mimik und Gestik ist auch bekanntlich eher Dragon Lee zuständig), seine schauspielerische Leistung bestenfalls zweckmäßig, aber man kann sich all das schmerzfrei ansehen. Schon 1990 war seine Karriere wieder zu Ende.

Yasuaki Kurata alias Mr. King ist Japaner und seit 1972 dauerbeschäftigt im Eastern-Genre, am bekanntesten wohl seine Rolle in FIST OF LEGEND mit Jet Li, aber auch KARATO – SEINE FÄUSTE SIND DER TOD, CHEN SING – DIE FAUST IM GENICK oder WANG YU – DER KARATEBOMBER gehört zu den Streifen, die sich um seine Anwesenheit verdient gemacht haben. Er fühlt sich hier sichtlich wohl als Kingpin und kämpferisch hätte ich von ihm sogar noch gerne mehr gesehen. Er ist immerhin 7. Dan in Karate.
Ming Chin (Kargor) ist ebenfalls Easter-Veteran, allerdings mit kürzerer Karriere, Anfang der 80er durfte er auch bei NINJA – DIE KAMPFMASCHINE und DER NINJA (mit Richard Harrison!) als Stuntman bzw. Regisseur mitmischen.
Yuen Kao (Shen Fong) stand seit 1955 vor der Kamera, das meiste ist hierzulande unbekannt geblieben, höchstens SHAOLIN – DIE TÖDLICHEN SCHWINGEN DES ADLERS könnte ein Begriff sein.
Dana (eigentlich Tsen Shu-Yi) ist Bruceploitation-Veteranin, natürlich bei IMAGE OF BRUCE LEE (aka „Der reißende Puma“) am Start, auch Trashfest BRUCE LI IN NEW GUINEA durfte nicht ohne sie steigen. Dazu hatte sie Rollen in THE DEADLY ANGELS („Die Todesengel des Kung Fu“) eine tragende Rolle und natürlich in Ultra-Trasher THE INFRA SUPERMAN. Sie hatte kein Problem mit Nudity und spielte folglich immer die Rollen als Tease und Femme fatale, ich kann es ihr nicht verübeln.

Regisseur Tso Nam Lee kommt auf 44 Einträge im Eastern-Genre, u.a. ABSCHIED VON DER TODESKRALLE und TSCHANG FU – DER TODESHAMMER (mit Bruce Li natürlich). Recht bekannt ist auch GEHEIMKOMMANDO D-E-A-T-H – LADY NINJA (komplizierter Titel), leider nix mit der trashologischen Lady Ninja alias Cora Bentley alias wie auch immer sie wirklich heißt (als würden wir das je erfahren). Einen Eintrag finde ich aber doch seltsam, der Film KUNG FU TÖTET DEN PATEN. Wieso, ich dachte das der entsprechende Bruce-Lee-Klon in THE DRAGON LIVES AGAIN bereits erledigt? Die Regie ist so eine Sache, irgendwie findet der Film keine so richtig klare Linie und keinen klaren Ton, Fights starten fast immer ohne Build-up und werden dann durch die Familiendrama-Szenen unterbrochen, die oft genug zu bestimmend werden. Da schleicht sich dann immer wieder die ein oder andere Länge ein, die nicht hätte sein müssen, und wo man hätte straffen können. Oder nen Fight mehr einbauen.

Inzwischen gibt es von Picture Lake / Schröder Media eine neue rekonstruierte Integral-Fassung, die mit 85 Minuten als uncut angegeben wird. Leider natürlich wieder mit hässlichem FSK-Flatschen (d.h. mit dem alten „nicht freigeben unter 18 Jahren“, sprich es gab keine Neuprüfung), aber dafür kann das Label nix, das ist halt mal wieder so ein völlig überflüssiges Moralpanik-Gesetz, das kein Mensch braucht und nur das Cover verschandelt. Zum Glück gibt’s Wendercover. Deutschland und Jugendschutz, ein endloses Thema. Jedenfalls ist man mit dieser Fassung am besten bedient, so steht dem Vergnügen nix im Wege.

Fazit: BRUCE LI – DIE FAUST DER VERGELTUNG alias EDGE OF FURY ist weder ein großer Klassiker des Genres noch eine Trashbombe, aber ein absolut solider Kandidat, den man sich geben kann, wenn man von Eastern allgemein und Bruceploitation im Besonderen angesprochen wird. Der Film ist wahrscheinlich entweder für Einsteiger oder für Komplettisten am geeignetsten, wenn man erst mal abchecken will, ob man dieser Art Film was anfangen kann, bevor man sich an die großen Trash-Werke heranwagt bzw. wenn man die absurdesten Auswüchse dieses Genres hinter sich hat und mal etwas mehr „normales“ Gekloppe braucht (auch wenn die „Jimmy besucht Dana“-Szene schon krass neben der Spur ist, aber in vielen Prints fehlt). Auch wenn man einfach nen okayen Eastern sehen will ohne trashologisch vorbelastet zu sein, kann man hier zugreifen. Der Film hat jedenfalls solide Fights und gute Locations, zum großen Klassiker fehlt aber noch etwas. So im Mittelfeld.

(c) 2020 Diamond Bentley

  • Hong Kong zu Zeiten vor dem Sicherheitsgesetz

  • Bruce Li der Familienmensch. Immer alles tun für die Mama.

  • Kinder die Kung Fu trainieren sind mir irgendwie suspekt, Erwachsene die solchen Nervbalgen Kung Fu beibringen, noch viel mehr.

  • Immer dieser Hascher

  • Früher war doch alles besser. Zumindest die Herrenmode.

  • Wir singen Flipper, Flipper, Flipper…, äh im Eastern?

  • Der echte Bruce Lee hätte sich das nicht gefallen lassen.

  • „Bin ich hier richtig am Set für den nächsten Bruceploitation-Film?“ – „Du trägst Matte und Pornobrille, klar bist du richtig!“

  • Ob’s jetzt gleich auf die Fresse gibt?

  • Und ich dachte, Containern wäre strafbar?

  • Das VMP-Covermotiv hier in Action. Van Damme kann den Spagat trotzdem besser.

  • „Wo sind die Gegnaz? Wo sind die Gegnaz? Wo sind die Gegnaz? Nur noch 100 Metaz!“

  • Wax on, wax off – auch Bruce Li braucht die Übung noch.

  • Man kann sagen was man will, aber die Ansichten von Hong Kong sind gut.

  • Was hat dir nur der arme, unschuldige Sandsack getan?

  • Gemeinsam duschen = Wasser sparen. Wieder was getan für den Klimaschutz.

  • Ich wäre auch gerne der Kingpin

  • Dana in ihrer Lieblingspose. Muss ich noch mehr sagen?

  • Verurteilt zum Tode wegen schlechtem Kostüm

  • Bruce Li extreme pole dancing!

  • Der BM-Schmodderservice: blutiger wird’s nicht

  • Ob er mit seinem anderen Stab auch so gut umgehen kann?

  • „Wir wollen zu dem Fass da. Es ist voll zu das Fass, ich glaub so kommt kein Bier raus.“

  • Wer zuletzt lacht, hat den Witz vorher nicht verstanden.

  • „Wenn wir an der Reihe sind fährst du an die Rampe ran, Tür auf, Palette rein und feddisch.“ – „Feddisch is nich feddisch wenn du sagst feddisch, feddisch is feddisch wenn ich sach feddisch.“

  • Das Kolosseum ist es jetzt nicht gerade…

  • DVD von Picture Lake / Schröder Media

  • Altes Kinoplakat

  • Deutsches Tape von VMP

  • Niederländisches Tape

  • Kanadische DVD


BOMBEN-Skala: 6

BIER-Skala: 5


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