Body Shot


  • Deutscher Titel: Body Shot
  • Original-Titel: Body Shot
  •  
  • Regie: Dimitri Logothetis
  • Land: USA
  • Jahr: 1993
  • Darsteller:

    Robert Patrick (Mickey), Michelle Johnson (Chelsea/Danielle), Ray Wise (Dwight Frye), Jonathan Banks (Simon Devoreux), Kim Miyori (Christine Wyler), Peter Koch (Elmer Hatch), Charles Napier (Leon)


Vorwort:

Mickey verdient sich seine spärlichen Brötchen als zwar einigermaßen anerkannter, jedoch stets haarscharf an der Privatinsolvenz vorbeischrammender Paparazzo mit einer merkwürdigen Obsession auf die Rocksängerin Chelsea Savage. Die soll ihm zum Verhängnis werden – nicht nur erwirkt die öffentlichkeitsscheue Rockröhre (hüstel) wegen seiner mülldurchwühlenden Aktivitäten eine einstweilige Verfügung gegen ihn, nein, der wahre Ärger kommt erst noch, als der undurchsichtige Simon Devoreux ihn anheuert, gegen ein sattes Honorar eine Fotoserie mit einem Chelsea-Double zu schießen. Mickey sagt nicht nein und, wie kann es anders sein, verliebt sich in das Model Danielle, das angeblich unglücklich mit Simon verheiratet ist. Als Mickey eine Bondage-Szene fotografieren soll, ist ihm das etwas zuviel des Guten, zwar fügt er sich, ist aber sauer sowohl auf Simon als auch auf Danielle. Aber auch das ist nur Vorgeplänkel – denn als plötzlich Chelsea Savage ermordet aufgefunden wird, exakt in der Bondage-Pose, die Mickey vorher mit Danielle abgelichtet hat, und sich auf der Tatwaffe seine Fingerabdrücke finden, ist er für die Cops, mit Ausnahme der ermittelnden Beamtin Wyler, verständlicherweise Tatverdächtiger Numero Uno. Mickey taucht ab und versucht, Beweise für seine Unschuld zu finden – und da könnte Danielle helfen…

Inhalt:

Der Weg vom Gegenspieler eines Actionhelden zum leading man ist, so eindrucksvoll die Schurkerei auch gewesen sein mag, ein steiniger und selten erfolgreicher – diese Erfahrung mußte auch Robert Patrick, der legendäre T-1000 aus „Terminator 2“ machen – bevor ihn Chris Carter 2000 als Nachfolger von David Duchovny für die „Akte X“ exhumierte, ereilte Patrick das übliche Schicksal solcher schauspielerischer Äquivalente zum „one-hit-wonder“. Nach einigen Cameos, in denen er vom Terminator-Ruhm zehrte, stellte „Bodyshot“ sein erstes eigenes starring-vehicle dar und, ich weiß nicht, ob ich ihm dafür Kredit geben soll oder sich einfach nichts anderes anbot, immerhin spielt er hier komplett gegen sein durch den Arnie-Hit geprägtes Image, was sich nicht nur in der radikal geänderten Haarfarbe äußert (fällt echt schwer, den Jungen zu erkennen). Aber zunächst mal zum Film selbst – „Bodyshot“ ist ein mit relativ bescheidenen Mitteln realisierter Thriller, der – um mal ausnahmsweise was vorwegzunehmen – letztlich besser funktioniert, als er von Rechts wegen her dürfe – will sagen, nach einer wenig vielversprechenden Auftaktphase, die den Eindruck erweckt, als hätte man es mit dem drölfzigsten „Doppelgängerinnen“-Erotik-Thriller zu tun (ein paar recht harmlose Softcore-Szenen, bei denen Robert Patrick eindeutig mehr Haut zeigt als Michelle Johnson, halten den anspruchslosen Zuschauer bei Laune), der seine Existenzberechtigung weniger aus dem „Thrill“ aus aus der vermeintlichen Erotik bezieht, entwickelt sich nach gut dreißig Minuten ein nicht immer vollkommen logisches und durchschaubares, aber durchaus interessantes Mördersuchspiel mit einigen Twists und Turns, von denen man wiederum mit einigen rechnen konnte, mit anderen nicht. Das alles erfindet sicherlich das Thrillergenre nicht neu, aber es wird nicht unspannend in Szene gesetzt und, ob man will oder nicht, man beginnt sich mit fortschreitender Laufzeit auf das fröhliche whodunnit-Spielchen einzulassen und stellt seine eigenen Theorien an. Ein wenig seiner Möglichkeiten beraubt sich der Film allerdings durch eine unglücklich gewählte Struktur – man bedient sich nämlich zwar des bewährten film-noir’ishen Stilmitteils des Voiceover-Kommentars aus der Sicht Mickeys, baut dann aber einige Szenen aus den Ermittlungen der Polizei ein, was sich verständlicherweise nicht wirklich rund zusammenfügt – da hätte man m.E. lieber komplett auf den an sich sowieso überflüssigen Voiceover verzichten sollen, der in diesem Fall wirklich nur stört.

Die Regiearbeit von Dimitri Logothetis kann gefallen – als den sicherlich beschränkten finanziellen Mitteln gelingt es ihm, maximale Wirkung zu erzielen, was durch einige gar nicht mal so üblen Kamerakniffe von Nicholas von Sternberg gut unterstützt wird. Trotz der FSK-18-Freigabe hat man’s hier natürlich nicht wirklich mit einem Festival an Blut und Freikörperkultur zu tun, ein recht splattriger Effekt ist zu bewundern, aber insgesamt nichts, was man nicht auch einer liberaleren FSK-16-Einstufung hätte unterwerfen können. Etwas hanebüchen ist gelegentlich die musikalische Untermalung – der Score von Cliff Magness liegt doch ab und zu mal etwas neben der Spur und stört an sich angemessene Atmosphäre des Streifens.

Schauspielerisch wird größtenteils Durchschnittskost geboten. An Robert Patricks Darstellung muß man sich erst mal gewöhnen (so richtig mit „Heldenrollen“ will man ihn, T2 sei dank, halt einfach nicht identifizieren; übrigens folgte ein Jahr später er ultimative Abstieg auf der Karrierleiter, als er mit Albert Pyun „Hong Kong 97“ drehte), aber nach einer Weile fällt er nicht mehr negativ auf. Michelle Johnson („Glimmer Man“, „Dr. Giggles“) macht einen recht souveränen Eindruck in ihrer Doppelrolle und gibt sich natürlich rein optisch keine Blöße (auch wenn sie sich ironischerweise für einen echten „body shot“ nicht hergegeben hat). Immer wieder gern sieht man Ray Wise („Twin Peaks“), der seine Paraderolle des unsympathischen Widerlings gibt. Als ermittelnde Polizistin Wyler präsentiert sich Kim Miyori („Metro“, „The Punisher“ und immerhin Yoko Ono in „John and Yoko: A Love Story“). Einen kleinen Gastauftritt hat der B- und Trashfilmveteran Charles Napier und einen amüsanten Bit-Part absolviert Peter Spellos („Attack of the 60-Foot-Centerfold“, „Dinosaur Island“).

Bildqualität: Auch MCP gehört zu den deutschen DVD-Publishern, die vermutlich nie in die Verlegenheit kommen werden, Branchenpreise für die technische Perfektion ihrer Releases serienweise abzustauben (der geplagte Vielseher erinnert sich leicht genervt an „Feuerwalze“ oder „Quatermain“. Mehr als einen Vollbildtransfer hat man auch „Bodyshot“ nicht spendiert, aber der ist immerhin durchaus ansehnlich geraten. Das Bild ist zwar ein ganz klein wenig grieselig, aber immerhin gut brauchbar, bietet akzeptable Werte bezüglich Kanten- und Detailschärfe und gerät erst beim Vierfachzoom kompressionstechnisch aus dem Leim. Die Farben sind stimmig, der Kontrast in den dunklen Szenen könnte eine Idee besser sein, aber insgesamt gehört das zu den besseren bisher von mir gesichteten Werken von MCP.

Tonqualität: Irgendwann allerdings sollte sich mal bis MCP durchsprechen, dass man akustisch durchaus mehr als einen Dolby-Stereo-Track auf eine DVD klatschen kann – Heimkinobesitzer haben an MCP-Scheiben nicht wirklich ihre Freude. Der präsentierte Stereo-Track ist zwar von den Soundeffekten und der Musik her ganz anhörbar, allerdings wirken die Dialoge arg blechern und scheinen über einen leichten Halleffekt zu verfügen, was auf die Dauer doch etwas nervt.

Extras: Außer Spesen, sprich drei Trailern aus dem MCP-Programm, nichts gewesen.

Fazit: „Bodyshot“ ist ein insgesamt überraschend brauchbarer Thriller der Kategorie B. Natürlich bewegt sich der Streifen nicht auf dem Niveau des gemeinen David-Fincher-Films, aber die Geschichte entwickelt sich recht originell und durchaus überraschend, der Streifen vermag tatsächlich zu fesseln und ein wenig mitzureißen (in einem bescheideneren Rahmen natürlich als die modernen Klassiker des Genres). Da das ganze optisch durchaus ansehnlich gestaltet wird und auch von routinierten Darstellern dargeboten wird, kann man beim relativ geringen Preis der DVD als anspruchsloser Thrillerfreund, der nicht unbedingt Wert auf technisch perfekte Silberscheiben legt, eigentlich kaum was verkehrt machen. Nicht gerade das, was ich jetzt „Geheimtipp“ nennen würde, aber es gibt erheblich unangenehmere Methoden, sich einen verregneten Nachmittag um die Ohren zu schlagen.

3/5
(c) 2006 Dr. Acula


mm
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