Blades of Blood


  • Deutscher Titel: Blades of Blood
  • Original-Titel: Goo-reu-meul beo-eo-nan dal-cheo-reom
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  • Regie: Joon-ik Lee
  • Land: Südkorea
  • Jahr: 2010
  • Darsteller:

    Jung-min Hwang (Hwang Jeon-hak), Seung-won Cha (Lee Mong-hak), Ji-hye Han (Baek-ji), Sung-Hyun Baek (Gyeon-ja), Chang-wan Kim (Seon-jo), Young-chang Song (Han Shin-kyun), Jeung-geun Sin (Lord Yoo), Seung-rryong Ryu (Lord Jung)


Vorwort:

Korea, im 16. Jahrhundert – die Zeiten sind schlecht. Vor der Tür stehen die Japaner, aber die Regierung, inklusive des zaudrigen Königs, pendelt zwischen den Extremen „grob inkompetent“ und „korrupt wie die Hölle“ hin und her. Deswegen haben einige Warlords die „Große Allianz“ gegründet, die eigentlich mal zur Unterstützung des Königshofs und der Nation ausgerufen wurde, unter der Führung von Lee Mong-Hak an der Schwelle zur offenen Revolte steht.

Der angebliche Freitod und die anschließende „mock execution“ von Allianz-Mitglied Hwang wird zu einem Wendepunkt – auch und vor allem im Leben von Gyeon-yi, dem unehelichen Sohn des Verstorbenen, dem ob seiner illegitimen Abkunft eh schon generelle Verachtung entgegenschlägt und von Hwangs „legitimer“ Familie auch verboten wird, an der Trauerfeier teilzunehmen. Ist aber vielleicht sein Glück, denn schon wenig später metzeln Mong-Haks Mannen alle nieder.

Gyeon-yi wird von einem blinden Bettler unter die Fittiche genommen, der wie alle blinden Bettler in Asien ein Meister der Kampfkunst ist. Hwang möchte gern unterwiesen werden, aber der Bettler ist eher unwillig – dass er gemeinsam mit Gyeon auf die Suche nach Mong-Hak geht, ist schon ein großes Entgegenkommen. Dem Quest schließt sich auch die Prostituierte Baek-ji, ihres Zeichens auch Mong-Haks Geliebte an, aus eher eigenen Motiven.

Während die japanischen Invasoren immer näher rücken und am Königshof noch immer niemand so recht Entscheidungen treffen will, bläst Mong-Hak nunmehr zum offenen Aufstand gegen das Regime, auch wenn einige seiner Verbündeten langsam an der ehrbaren Motivation ihres Anführers zu zweifeln beginnen. Doch er eilt von Sieg zu Sieg, stets gefolgt von Hwang.

Schließlich stellt sich Mong-Hak die entscheidende Frage – Marsch auf Seoul, um das Regime hinwegzufegen oder sich den mittlerweile munter marodierenden Japanern in den Weg stelle? Mong-Haks Entscheidung ist für alle Beteiligten verhängnisvoll…

Inhalt:

„Blades of Blood“ kommt mit turmhofen Vorschusslorbeeren, handelt es sich doch um die Big-Budget-Verfilmung eines triumphal erfolgreichen manwha (koreanischer Manga), der von der seriösen Literaturkritik unter die „100 wichtigsten koreanischen Bücher“ einsortiert wurde.

Nun ist Schnaps Schnaps und Dienst, will sagen, was in Comic-Form gefeiert wird, muss als Film noch lang nicht viel taugen, und leider fällt „Blades of Blood“ trotz seiner ultraslicken Machart, des betriebenen Aufwands und der überwiegend achtbaren darstellerischen Leistungen, unter die Kategorie „gewollt, aber nicht sooo dolle gekonnt.“

Hindernis Nummer 1 zum echten Erfolg ist schon mal das historische Setting – nicht als Ausschlusskriterium per se, aber es ist für eine westliche Langnase, der nun in der koreanischen Geschichte nicht permanent zuhause ist, schon eine recht komplexe Angelegenheit, und wer mit Unterscheidungen von König (Korea) und dem vielfach referierten Kaiser (China) schon seine Not hat, wird ausklinken, wenn es dann um die Intrigen zwischen West- und Ostkabinett untereinander und gegen die Allianz geht. Da empfiehlt es sich regelrecht, den passenden Wikipedia-Artikel griffbereit zu haben, um nicht komplett wie der Ochs vorm Berg zu stehen.

Hindernis Nummer 2 ist der uneinheitliche Ton – das sind wir ja von asiatischen Filmen durchaus mal gewohnt, dass sich Comedy einschleicht, wo sie eigentlich nichts verloren hat, selten aber war es so störend wie hier – wir haben hier eh schon einen persönlichen Racheplot UND das große politisch-militärische Intrigen- und Ränkespiel, was sich verständlicherweise bei den Stakes (es geht ja schlicht und ergreifend um das Schicksal einer ganzen stolzen Nation) todernst spielt. Dass dann das Zusammenspiel von Bettler und Hwang überwiegend auf einer sorta-„Drunken Master“-komischen Basis bewegt (der Bettler lässt keine Gelegenheit aus, Hwang als Idioten anzusprechen und ihn mehr oder minder zu verarschen), passt irgendwie überhaupt nicht dazu (zumal wir uns ja von Anfang an recht klar darüber sind, dass das alles überhaupt nicht gut und in Blut + Tränen enden wird, dieweil Melodrama und Nationalpathos aus allen Öffnungen des Heimkinos sickern).

Hindernis Nummer 3 ist das recht maue Tempo, das der Streifen vorlegt. 110 Minuten ist jetzt nicht gerade „Faust I+II“ am Stück, fühlt sich aber erstaunlich lang an. Vielleicht, weil zu viel Zeit mit der Buddy-Comedy verschwendet wird, vielleicht, weil grundsätzlich zu viel geredet wird, mit Sicherheit, weil die Actionszenen, wenn sie kommen, auch keine Wunderdinge in Sachen Kampfchoreographie darstellen. Das ist alles sehr patent gemacht und wenn’s denn mal sein muss, auch gut blutig (auch wenn der Film vor groben Splattereien zurückschreckt), aber insgesamt wenig mitreißend und etwas zu unspektakulär.

Darstellerisch das das durchaus in Ordnung – Gyeons Darsteller und vor allem Seung Won-Cha (als Mong-Hak) wissen zu überzeugen, wohingegen mir der Darsteller des blinden Bettlers (bitte zu verzeihen, dass ich den aufgrund fehlender „westlicher“ Credits nicht zuordnen kann) zu dick aufträgt.

Ergo: ein technisch durchaus hochanständiger, aber nicht wirklich packender Martial-Arts-Historienstreifen, für den man ein wenig Willenskraft mitbringen muss…

2/5
(c) 2017 Dr. Acula


mm
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