Blacklist


  • Deutscher Titel: Blacklist
  • Original-Titel: Liste Noire
  •  
  • Regie: Jean-Marc Vallée
  • Land: Kanada
  • Jahr: 1995
  • Darsteller:

    Michel Côté (Jacques Savard), Geneviève Brouilette (Gabrielle Angers), Sylvie Bourque (Francine Savard), Raymond Cloutier (Laberge), Robert Gravel (Tandif), Aubert Pallascio (Harvey Dansereau), André Champagne (Michel Gauthier)


Vorwort:

Heikle Aufgabe für den aufstrebenden prinzipientreuen Richter Jacques Savard – einer seiner ehrbaren Kollegen ist in flagranti mit der Nutte Gabrielle erwischt worden. Die Öffentlichkeit fordert natürlich lückenlose Aufklärung, wohingegen Savards Juristenkollegen baß erstaunt sind, dass er tatsächlich der Ansicht nachzuhängen scheint, für Richter und Staatsanwälte würden die selben Gesetze gelten wie für Normalsterbliche. Als wäre die Sache nicht schon pikant genug, schiebt Gabrielle ihm im Prozeßverlauf eine Liste weiterer Kunden zu; etliche hochrangige Juristen bis hin zum Minister selbst zählten zu ihren Stammkunden. Während die Presse Jacques drängt, die Liste zu veröffentlichen und Gabrielles schmieriger Verteidiger die dort erwähnten Personen erpresst, erhält Jacques Morddrohungen. Kommen die aus dem Kreise seiner feinen Juristenfreunde? Schon bald gibt’s die ersten Todesfälle…

Inhalt:

Das Kino aus dem französischsprachigen Kanada dümpelte lange Jahre ohne große internationale Bedeutung vor sich hin, aber in den letzten Jahren hat sich das geändert. Anstelle eines „Minderheitenprogramms“ bemühen sich jetzt auch quebecianische Filmemacher um Kompatibilität mit dem Weltmarkt und werden zumindest zur Kenntnis genommen – Sunfilm brachte schon vor einiger Zeit den ambitionierten, aber nicht ganz geglückten Serienkillerthriller „The Collector“ auf den Markt, und auch das Fantasy Film Fest setzte seinem Publikum im Rahmen der „französischen Reihe“ dieses Jahr einige frankokanadische Werke vor. Im Zuge der Neuentdeckung frankokanadischer Genrefilme erscheint es folgerichtig, dass auch einige vergleichsweise betagtere Werke den Weg über das große Wasser finden und dem DVD-Konsumenten ans Herz gelegt werden, so z.B. eben der 1995 entstandene Thriller „Black List“ (was ich davon halte, einen Allerweltsoriginaltitel wie „Liste Noire“ künstlich zu anglifizieren, anstatt’s beim sicher genaus griffigen deutschen Terminus „Schwarze Liste“ zu belassen, können sich die lieben Mitleser an dieser Stelle sicherlich denken).

„Black List“ offenbart sich letztlich als durchaus interessanter und kurzweiliger Thriller – mag man zuerst befürchten oder erwarten, dass man es mit einem Gerichtsdrama zu tun hat (was mir persönlich, der solche Filme irgendwie mag, auch nicht übel aufgestoßen wäre), dreht sich die Story schnell in Richtung eines Verschwörungsthrillers mit juristischen Elementen und erinnert daher durchaus von der Stimmung her an juristische Anwaltsthriller a la Baldaci oder Patterson (erstens – ich spreche von gedrucktem Wort zwischen zwei Buchdeckeln und zweitens – nein, Grisham erwähne ich absichtlich und aus Prinzip nicht). Die geschickt konstruierte Story wird rasch vorangetrieben, legt die üblichen Fußangeln für den oberflächlichen Betrachter aus, gerät aber die Laufzeit hin (nicht, dass das noch in einer Heiligsprechung endet) ein wenig aus den Fugen und wird etwas konfus, vor allem dank der Vielzahl an wichtigen Charakteren, die die Sache stellenweise etwas unübersichtlich gestalten (ich sag sowas ja eher selten, aber „Black List“ ist einer der Fälle, in denen zehn-zwölf Minuten Laufzeit mehr, die die ein oder andere Beziehung der Charaktere untereinander deutlicher gemäacht hätte, nicht schaden würden – mit knapp 80 Minuten Nettospielzeit ist der Streifen sicher am untersten Limit für einen funktionierenden komplexeren Thriller). Bemerkenswert ist die offensichtliche Resignation, mit der Drehbuchautor Sylvain Guy, der den Stoff zwischenzeitlich unter eigener Ägide mit Hollywood-Besetzung (Ryan O’Neal, Madchen Amick, Ben Gazarra) unter dem Titel „The List“ neu verfilmt hat, der Juristenkaste gegenübersteht – er schildert die Judikative beinahe ausnahmslos als auf ihren eigenen Vorteil bedachte, munter untereinander kungelnde, fröhlich umherhurende und nach außen den Biedermann kehrende amoralische Bande, die sich selbst für außerhalb der Gesetze stehend erachtet und der man tunlichst nicht über den Weg trauen sollte (angesichts meiner eigenen beruflichen Erfahrungen mit der Branche würde ich zumindest den letzten Halbsatz bedingungslos unterschreiben). Kein hübsches Weltbild.

Sicherlich sind nicht alle Plotelemente neu, aber Regisseur Vallée fügt die Bausteine geschickt zusammen und erweist sich als ziemlich stilsicher, ohne sich ganz vom kanadischen Filmproduktionen oft vorgeworfenen TV-Look lösen zu können. Dafür aber inszeniert er den Film in flottem, aber nie reißerischen Tempo (wie in so vielen Fällen stört das etwas aufgesetzt wirkende plakative Finale inklusive Plottwist). In Sachen Härte bleibt der Streifen relativ zurückhaltend und erlaubt sich nur zwei blutige Szenen, aber der Film kommt aufgrund seines spannenden Plots auch ohne oberflächliche Härten aus (eine von mir zunächst ebenfalls als eher unnötig erachtete Sexszene erweist sich aber letztendlich als integral wichtig für den Plot). Ausgezeichnet wird die Stimmung des Streifens durch den exzellenten Soundtrack des Komponistenduos Arcuri/Aubry unterstrichen.
Die im hiesigen Raum weitgehend unbekannten Darsteller schlagen sich wacker. Michel Côté („Evil Words“) mag auf den ersten Blick ein wenig zu bieder als Jacques Savard wirken, aber im Verlaufe des Films zeigt sich, dass er vielmehr den Charakter des (vermeintlich?) pflichtbewußten und unbestechlichen Advokaten auf den Punkt bringt. Geneviève Brouillette („Fathers and Sons“), wie die meisten Schauspieler haupsächlich in frankokanadischen TV-Serien beschäftigt, überzeugt als Gabrielle ebenso wie Sylvie Bourque (beinahe ausnahmslos in der kanadischen Eishockey-Soap-Opera „Lance et compte“ [was es nicht alles gibt] beschäftigt) als Savards mißtraurische Ehefrau. Auch die jetzt hier nicht namentlich aufgeführten Darsteller vermögen durch die Bank zu gefallen.

Bildqualität: Von Sunfilm ist man mittlerweile Qualität gewöhnt und da ist ein nicht ganz herausragender Transfer, wie wir ihn bei „Black List“ zu verzeichnen haben, schon eine kleine Enttäuschung. Der anamorphe 1.85:1-Transfer erscheint mir insgesamt etwas auf der weichen Seite, Bildhintergründe neigen doch dazu, ein wenig zu verschwimmen, außerdem plagt sich der Film einer überdurchschnittlichen Anzahl an Bilddefekten. Der Ausgleich: sehr guter Kontrast und eine ausgezeichnete, völlig makellose Kompression.

Tonqualität: Wie üblich bei Sunfilm hat der Konsument die Qual der Wahl unter vier Tonspuren in zwei Sprachfassungen – neben der deutschen Synchro steht die französische Originalfassung zur Verfügung, beide Varianten als 5.1-Mix oder 2.0-Surround (was dem Original-Tonformat entsprechen dürfte). Die französischen Sprachfassungen klingen leider etwas knarzig, verrauscht und insgesamt etwas sehr leise, wohingegen die deutschen Fassungen deutlich kraftvoller, lebendiger und klarer wirken, so dass sogar Euer rezensierender O-Ton-Fetischist nach kurzer Überlegung auf die deutsche Variante umstieg. Selbstverständlich sind optionale deutsche Untertitel vorhanden.

Extras: Da sieht’s allerdings ziemlich mau aus. Einziges filmbezogenes Goodie ist der Originaltrailer (kleine grundsätzliche Anmerkung: wenn es sich um einen deutsch synchronisierten Trailer handelt, ist das für meine Begriffe kein „Original“ mehr), sonst findet sich nur noch die übliche Trailershow mit 9 Vorschaufilmchen auf andere Sunfilm-VÖs.

Fazit: „Black List“ ist ein solider Thriller, der eigentlich den Fans der oben angesprochenen Anwalts- und Jura-Autoren gefallen müsste. Nicht irritieren lassen sollte man sich vom zu sehr auf Erotik getrimmten deutschen DVD-Artwork und den vom Verleih angestrengten Chabrol-Vergleichen (die einzige Gemeinsamkeit, die den offenbar vielfach ausgezeichneten kanadischen Film mit den Werken des französischen Altmeisters verbindet, ist, dass die Abgründe hinter den Fassaden der vermeintlich „anständigen“ Biedermänner aufgezeigt werden – Chabrol-Fans werden aber bei „Black List“ ob des vergleichsweise rasenden Tempos sicher infarktgefährdet sein). Der Streifen ist flott inszeniert, verfügt über einen spannenden, fast schon mitreißenden Plot und gute, seriöse Darsteller. Kein Film für die Ewigkeit, aber ansprechender Zeitvertreib für zwischendurch. Die DVD von Sunfilm fällt letztlich trotz leichter Schwächen im Bildbereich und beim O-Ton ebenfalls solide aus, könnte aber deutlich besser ausgestattet sein.

3/5
(c) 2005 Dr. Acula


mm
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