Black Dynamite


  • Deutscher Titel: Black Dynamite
  • Original-Titel: Black Dynamite
  •  
  • Regie: Scott Sanders
  • Land: USA
  • Jahr: 2009
  • Darsteller:

    Michael Jai White (Black Dynamite), Arsenio Hall (Tasty Freeze), Tommy Davidson (Cream Corn), Kevin Chapman (O’Leary), Richard Edson (Dino), Buddy Lewis (Gunsmoke), Deidee Deionne (Afroditey), Brian McKnight (Sweetmeat), Byron Minns (Bullhorn), Phil Morris (Saheed), Salli Richardson-Whitfield (Gloria), Mykelti Williamson (Chicago Wind), Roger Yuan (Fiendish Dr. Wu), James McManus (Richard Nixon)


Vorwort:

„Da man“ hat’s wieder mal auf die brothers und sisters im Ghetto abgesehen. Die neue Droge Smack überschwemmt die Straßen, selbst die kleinen Kinder im Waisenhaus sind schon süchtig. Als Undercover-Agent Jimmy von den bösen Gangstern erschossen wird (er fällt auf, weil er den jive talk nicht beherrscht), kann nur noch einer helfen – Jimmys Bruder Black Dynamite, Legende unter den Legenden, Befriediger aller Frauen, Kung-Fu-Großmeister, Vietnam-Veteran und Ex-CIA-Agent. Zunächst nur interessiert an der Aufklärung des Todes seines Bruders, entwickelt er bald auch noch, ähm, anderweitige Motivationen, denn Gloria, die Chefin des geplagten Waisenhauses, ist eine echt heiße Bitch, und nicht so leicht flachzulegen… Black Dynamite rekrutiert ein Team aus Pimps, ehemaligen Kampfesgenossen und Black-Panther-Aktivisten, lässt sich vom CIA seine Lizenz zum Töten erneuern und entdeckt eine gigantische Verschwörung, die es auf den uneingeschränkten Stolz eines jeden schwarzen Mannes abgesehen hat – die Größe seines Schniedels…

Inhalt:

Spoof-Time! Blaxploitationfilme sind, wenn wir ehrlich sind, relativ schwer zu parodieren – das liegt natürlich daran, dass das Genre nach seinen ersten Höhenflügen (die „Shaft“- und „Superfly“-Filme, Pam-Grier-Klopper wie „Foxy Brown“ und „Coffy“) schnell zur Selbstparodie neigte („Dolemite“ & Co.). Wie will man ein Genre, in dem eh schon ALLES ging, noch übersteigern? Zuletzt versuchten das die Wayans-Brüder, als die noch ansatzweise lustig waren, Ende der 80er (wenn ich mich recht erinnere) mit ihrem recht netten und vor allen Dingen durch das impressive Stunt-Casting ehemaliger Blaxploitation-Ikonen wie Isaac Hayes oder Antonio Fargas beeindruckenden „I’m Gonna Git You Sucka“ (hierzulande einfallsreich „Ghettobusters“ betitelt) – ein Film, den allein schon Steve James‘ Auftritt als „Kung-fu-Joe“ adelt. Nun also versucht sich Michael Jai White, dessen Karriere nach dem Coup, die Hauptrolle in der mächtig antizipierten, aber dann doch ziemlich abgestunkenen Realfilm-Adaption des Kultcomics „Spawn“ nie wirklich abhob, daran, den alten Recken gleichzeitig ehrfürchtig Hommage zu erweisen und sie kräftig zu verarschen.

„Black Dynamite“ geht einen anderen Weg als die meisten neuen Parodiefilme, die aus den Klassikern des Genres (also „Airplane!“) und Co. nur übernommen haben, dass das direkte Zitieren aus bekannten Filmen per se witzig ist, und setzt nicht auf einzelne Segmente, sondern die komplette Parodie eines kompletten typischen späten Blaxploiters – ein Plot, der direkt aus Absurdistan kommt, aber genau den Geist der Mid-70’s atmet, in dem „da man“, sprich „whitey“ es ausschließlich und immer auf den aufrechten schwarzen Mann (der natürlich auch aufrecht ist, wenn er Drogen und/oder Frauen verdealt, denn im ordentlichen Blaxploitation-Film ist ein Pimp zwangsläufig immer ein großer Held) abgeshen hat, aber jetzt endlich wissen wir warum – Penisneid! Und verdammt verständlicher, noch dazu, das beweist uns schon die Szene, in der Black Dynamite (der heißt WIRKLICH so – und natürlich hat er auch seinen eigenen, bei ansatzweise heldenhaften Taten stets angestimmten Themesong) gleichzeitig drei Frauen (selbstverständlich in allen denkbaren ethnischen Ausprägungen) in der Kiste hat, die ihn jeweils anhimmeln, dass sie gerade den besten Sex ihres Lebens hatten und BD nur trocken anmerkt: „Shut up, you wake the other bitches!“ My kind of guy (wäre ich schwarz).

Es ist diese rotzfreche Attitüde des Streifens, die Klischees des Blaxploitationheulers nur ganz knapp zu überdrehen und sich dabei, wie es sich für eine wirklich gelungene Parodie gehört, todernst zu spielen, die „Black Dynamite“ wirklich zu einem Spaßfeuerwerk ersten Ranges werden lässt, obwohl der Film seine Gags nicht im Stakkatotempo eines ZAZ-Werks raushaut und auf Nebenher-Hintergrund-Sightgags überwiegend verzichtet. Regisseur Sanders, White und sein Co-Autor und -star Minns konzentrieren sich völlig darauf, look’n’feel eines billigen Grindhouse-Hobels der 70er perfekt zu emulieren – da darf Black Dynamite beim Aufstehen schon mal gegen das Mikro rumpeln, kämpft der Kameramann mit dem Fokus seines Geräts, wird für Auto-Crashes stets die gleiche, völlig unpassende Stock Footage verwendet, regieren altertümliche Rückprojektionsaufnahmen für Autofahrten etc. Vor keiner Geschmacklosigkeit (inkl. Mikro-Dödel-Shot) wird zurückgeschreckt, was selbstverständlich auch die abartigen Kostüme und Afro-Frisuren einschließt, selbstverständlich kann Black Dynamite mit ganzen Legionen von Gegnern dank seines überlegenen Kung-fu (erlernt auf Kung-fu-Island, wo wir uns natürlich auch plottechnisch hinbewegen) den Boden aufwischen und selbstredend will JEDE Frau den schwarzen Mann haben. JEDE. Es ist herrlich, geradezu.

Ironischerweise ist mein Lieblings-Gag des ganzen Films grad so ziemlich der einzige, der nicht unbedingt im klassischen Blaxploitationfilm sein Vorbild hat, sondern aus sich allein heraus lustig ist – in einer geradezu umwerfend komisch brillanten mehrminütigen Szene ermitteln Black Dynamite und Konsorten auf vollkommen logische, aber total hysterisch-abwegige Weise durch konzentrierte Geistesarbeit den Plan der Widerlinge (der für jeden anderen Menschen offen auf der Hand liegt) – die Gedankensprüge, Winkelzüge und Verbindungen, die in dieser Szene hergestellt werden, sind zwerchfellkillend. Hätte der Film keinen anderen Gag als diesen, ich würde ihn lieben. Aber er hat ja hunderte mehr… (und, wie gesagt, nur selten sind die Gags selbstironisch oder -referentiell, und wenn sie’s dann sind, treffen sie um so zielsicherer. Ich sage nur „Whoever saw that coming?“).

Regisseur Scott Sanders („Thick as Thieves“) treibt den Film in energischem, aber nicht hyper-energetischem Tempo voran, lässt den Witzen genug Zeit zur Wirkung – kann er auch, weil er sich nicht, wie die „Epic Movies“ dieser Welt, damit herumärgern muss, dass von zehn beabsichtigten Gags eineinhalb zünden und deswegen die schiere Menge an Jokes und solchen, die sich dafür halten, von der mangelnden Qualität derselben ablenken muss. Technische Mätzchen sind nicht zu erwarten (außer einer Zeichentrickeinlage, die für eine ansonsten absolut nicht jugendfreie Sexszene einspringen muss…), die Stilmittel, die Sanders verwendet, sind die, die auch die Vorbilder in der guten alten Zeit zur Verfügung hatten. Die Kung-fu-Szenen sind ausgesprochen juxig (aber auch ohne Flachs macht White eine passable Figur, ein paar Bruce-Lee-Mannerismen hat er auch drauf) und gegen Ende gibt’s auch ein bissi Splatter. Herausragend ist der erwartungsgemäß heftig funkende Score, wobei die Songs hochgradig unterhaltsamerweise in den Lyrics oft genau die gerade dargestellte Szene beschreiben und kommentieren. Great!

Wie schon angedeutet – Michael Jai White in der Titelrolle ist umwerfend. Er hat die richtige Ausstrahlung, die richtige physische Präsenz und das richtige komische Timing, um vollkommen straight-faced den unbesiegbaren Black-Power-Helden zu mimen (kein Vergleich zu Keenen Ivory Wayans, der das in „I’m Gonna Git You Sucka“ versuchte, aber sich in diesem Film noch den character arc vom Weichei zum Supermann auf den Leib schrieb). In den Nebenrollen ragen Arsenio Hall („Der Prinz aus Zamunda“, „Amazonen auf dem Mond“) als spot-on-Antonio-Fargas-Imitation, Co-Schreiberling Byron Minns als durchgeknallter Bullhorn (so ’ne typische Isaac-Hayes-Rolle), Kampfchoreograph Roger Yuan („Lethal Weapon 4“, „Shanghai Noon“) als fieser Dr. Wu und Salli Richardson-Whitfield („EurekA“, „I Am Legend“), als Gloria kaum wiederzuerkennen, heraus.

Fazit: Das isses, Freunde, das isses. Ich hatte die Befürchtung, dass wie so oft, wenn die Erwartungen turmhoch sind, das Ergebnis eine Enttäuschung sein wird, aber „Black Dynamite“ regiert, regelt, haut alle anderen Parodien der letzten 20 Jahre zu motherfuckin‘ blutigem Matsch und setzt dann noch ’nen coolen Spruch und einen funky music cue drauf. Ein absolutes MUSS für jeden Blaxploitation- UND Filmparodiefan, mit so viel Herzblut und sichtlicher Begeisterung für’s Detail gemacht, trefflich gespielt, ein riesengroßer Hit und Partyschlager (mein einziger Kritikpunkt wäre, dass die Outtakes und deleted scenes im Abspann nicht sonderlich lustig sind, aber für die bezahlen wir ja auch nicht). Die Höchstnote kassiert „Black Dynamite“ nur deswegen nicht, weil ich irgendwie ein moralisches Problem damit habe, Parodien in den Rang von filmischen Meisterwerken zu erheben, aber im Kontext des Genres „Parodie“ IST „Black Dynamit“ ein Meisterwerk und das wohl motherfuckin‘ beste Stück seit „Airplane!“ selig. Can you dig it?

4/5
(c) 2009 Dr. Acula


mm
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