Bite


  • Original-Titel: Bite
  •  
  • Regie: Chad Archibald
  • Land: Kanada
  • Jahr: 2015
  • Darsteller:

    Elma Begovic, Annette Wozniak, Denise Yuen, Tianna Nori, Jordan Gray, Lawrence Denkers


Vorwort:

Casey bringt von ihrer Junggesellinnenabschiedsparty auf der DomRep ein Souvenir mit. Ausnahmsweise mal keine sexuell übertragbare Krankheit, aber dafür einen vermeintlich harmlosen Insektenbiss, der nicht abheilen will, sondern sich vielmehr eitrig entzündet. Kurz vor einer Hochzeit, von der sich Casey überhaupt nicht sicher ist, ob sie eine gute Idee ist (schließlich wird sie von ihrer zukünftigen Schwiegermutter, die auch ihre Vermieterin ist, amtlich als „nicht gut genug für meinen Jungen“ gehasst…), hat Casey wenig Nerv, sich um den Bugbite zu kümmern, aber irgendwelche Salben draufschmieren hat, wie sich schnell herausstellt, keinen Erfolg. Dieweil Casey mit ihren Freundinnen die Sinnhaftigkeit des potentiellen Ehelebens diskutiert, und darunter leidet, dass sich ihr künftiger Gemahl nicht von Frau Mama lösen kann (er darf nicht mal bei ihr übernachten), beginnt sie sich zu verändern und schließlich völlig zurückzuziehen, um in Ruhe zu einem grässlichen Insektenmonster zu mutieren und ihre Wohnung zu einem Stock zu verwandeln, in dem sie ihre Eier ablegen und ihre Opfer töten kann…

Inhalt:

Wo wir gerade bei Insekten waren… Chad Archibald, gemeinhin bekannter als Produzent (in der Funktion betreute er u.a. „Sweet Karma“ und „Antisocial“), erinnert sich an David Cronenberg und „Die Fliege“ und bringt uns Mutations-Body-Horror der schleimigen Art. Das allein sollte eigentlich schon ausreichen, um eine Entscheidung pro oder contra „ansehen“ zu treffen. Aber Ihr erwartet ja mindestens wieder eine A4-Seite Gebrabbel meinerseits, also darf ich Euch nicht enttäuschen.

Archibald erschreckt uns zunächst mal damit, den Mädelsausflug nach Fickificki-Island im Found-Footage-Stil zu bringen, geht dann aber, sobald die Handlung wieder zurück in die Zivilisation findet, zu konventionellem Spielfilmformat über. Danke dafür. Dummerweise wird der Film davon nicht entscheidend besser, weil wir’s hier mal wieder mit einem besonders doofen Exemplar von „idiot movie“ zu tun haben, vulgo einem Film, dessen „Handlung“ nur funktioniert, weil sich ausnahmslos alle Charaktere wie die letzten gehirnamputierten Volldrömlinge verhalten. Würde auch nur eine Figur zu einem beliebigen Zeitpunkt der Story zwei Gehirnzellen in Verbundschaltung legen, würde der ganze Kram in sich zusammenfallen wie ein besonders labiles Kartenhaus. Um nur den größten Hammer exemplarisch mal herauszustellen – nicht eine, nicht zwei, sondern VIER Figuren betreten Caseys Wohnung, die inzwischen aussieht wie eine Mischung aus Innenleben eines Xenomorphen-Magens und Wespenstock, wo der grüne Schleim stalagmitenweise von der Decke tropft und rufen nicht Polizei, Feuerwehr oder nuklear bewaffnete Streitkräfte, sondern spazieren in aller Seelenruhe rein, weil man ja exzentrischen Inneneinrichtungsgeschmack irgendwie tolerieren muss, oder?

Aber „Bite“ ist augenscheinlich ein Film für die Klientel, die nicht wirklich Wert darauf legt, ob glaubwürdige Charaktere nachvollziehbare Dinge tun, sondern für die, denen es reicht, wenn Flüssigkeiten, Schleim und ekliger Stoff aller Art aus allen Körperöffnungen (und zusätzlich geschaffenen solchen) trieft. Ich bin aus dem Alter raus, an dem mir pures Anekeln als filmisches Mittel reicht (ich denke, eine solche Phase macht man mal durch und sei’s als Mutprobe), weswegen ich mir z.B. auch „Excess Flesh“ dankend gespart habe – im Gegensatz zu Cronenbergs Klassiker lässt „Bite“ nicht durchschimmern, dass über das Anwidern des Publikums hinaus ein Punkt gemacht wird (ich glaube nicht mal, dass Archibald keinen Punkt machen *will*. Da steckt wohl schon eine Beziehungsmetapher drin) und dass es ein Regisseur bzw. sein Effektemacher schafft, dass sich mir selbst auf nüchternen Magen selbiger umdreht (technisch ist an den FX nichts auszusetzen), ist auch nichts mehr, was ich als „positiven Punkt“ in die Waagschale werfen könnte.

Zumal auch die schauspielerischen Leistungen nicht umwerfend sind – Elma Begovic in ihrer ersten Filmrolle erregt weder Mitleid noch wird sie richtig hassenswert, Annette Wozniak, Denise Yuen und Tianna Nori als ihre Freundinnen können auch nichts bewirken, Jordan Gray bleibt farblos und auch Lawrence Denkers, die als böses Schwiegermonster aufgebaut wird, hat letztlich auch nicht wirklich gehaltvolle Szenen zu spielen.

Daher: wer nicht jeden schleimigen Ekel-Mutations-Horror sehen muss, kann sich „Bite“ getrost schenken. Da ist mir dann selbst „Die Fliege 2“ noch lieber. Ist man aber Fan von Schleim in allen Facetten und Varianten, kann man sich zumindest an den FX delektieren. Als Film taugt „Bite“ aber auch dann nicht viel…

Toter Hund: Nein.

1/5
(c) 2015 Dr. Acula


mm
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