Belagerung der Shaolin


  • Deutscher Titel: Belagerung der Shaolin
  • Original-Titel: Wu Lin Sheng Dou Shi
  • Alternative Titel: Deadend of Besiegers
  • Regie: Hsiao-hui Chang, Hsin-yan Chang
  • Land: Hongkong
  • Jahr: 1992
  • Darsteller:

    Cynthia Khan (Cui Gu), Rongguang Yu (Wuwechimatao), Chun Hua Ji (japanischer Piratenkapitän), Yung Chang, Chun-yan Ge, Chieh Hsu, Hua Wang, Hai Yu, Jianwen Zhang, Te- mao Jin, Dale Cook (Gaijin)


Vorwort:

So 17./18. Jahrhundert rum – der japanische Meisterkämpfer Wuwechimatao hat eine schwere Demütigung erlitten. Ein arroganter englischer Fighter hat mit ihm in Edo (vom Film fälschlicherweise Tokio genannt) öffentlich den Boden aufgewischt. Ein buddhistischer Mönch rät ihm anstelle einmal Harakiri für Anfänger nach China zu reisen, um dort Kung-fu und insbesondere die Technik der Hundefaust zu erlernen.
Dummerweise sucht Wuwechimatao (ich werde ihn in der Folge „Wu“ nennen) sich ausgerechnet ein Piratenschiff zur Überfahrt aus und obwohl er versucht (und durchaus erfolgreich dabei ist), die von seinen Landsleuten angestrebte Entführung der Kinder der Stadt (sie wollen 1000 Kilo Silber pro Kind Lösegeld, was mir selbst wenn ich Kinderfreund wäre eindeutig überbezahlt vorkäme) zu verhindern, halten ihn die auf die Söhne Nippons aus eben diesen räuberischen Erwägungen generell nicht gut zu sprechenden Chinamänner sicherheitshalber auch für einen Bösen. Nur die vielleicht zwölfjährige Mao Tou realisiert, dass Wu für’n Japaner eigentlich ’n ganz Guter ist. Zudem ist sie die Schwester von Cui Gu und damit Angehörige des für die Hundefaust-Technik zuständigen Clans.

Es dauert ein Weilchen, bis Mao Tou Cui Gu beigebracht hat, dass der Japaner, den sie in einer Berghöhle versteckt und so gerne chinesisches Kung-fu lernen würde, nicht zu der blutrünstigen Piratenbande gehört und einen vertrauenswürdigen Schüler abgibt. Ein Problem ist allerdings, dass Cui Gu einen Lover aus dem Tigerfaust-Clan hat, mit dem die Doggystyle-Familie eine seit Jahrzehnten gepflegte freundschaftliche Rivalität hegt, und der wiederum glaubt fälschlicherweise, ausgerechnet Wu wäre es gewesen, der beim Piratenüberfall seinen Vater (im Tigerfaust-Clan ist die Kampfkunstexpertise eher auf der mütterlichen Seite) umgelegt hat.

Dabei kann das Dorf einen zusätzlichen Fighter, der sowohl den japanischen als auch den chinesischen Stil beherrscht, gut gebrauchen, denn die Japaner, mit einem Verräter im Dorf im Bunde, planen einen neuen Überfall…

Inhalt:

„Shaolin – Die unbesiegbaren Kämpfer“-Box, die Dritte. Ich bin nach Der letzte Kampf der Shaolin und Die 8 Meister der Shaolin zwar sowieso schon der Überzeugung, dass ich für die zehn Euro angemessenen Gegenwert erhalten habe und alles weitere an positiver Überraschung nun schon fast unanständige Zugabe wäre, aber kucken wir halt mal, was wir vorfinden.

„Belagerung der Shaolin“ ist auf der einen Seite das, was ich eigentlich von Anfang an in dieser Box erwartet habe – ein kleiner Kung-fu-Klopper unbedeutenden Ranges, wie er in der Blütezeit des VHS-Booms massenweise in die Videothekenregale gestapelt wurde. Auf der anderen Seite ist er gerade deswegen für einen alten Sack wie mich ein nostalgisch verklärter Rückblick in eben diese Zeit, als wir – wir hatten ja nix anneres – jeden dieser Regalfüller mit religiöser Gründlichkeit ausliehen. Keine fünf Minuten im Film erinnerte ich mich tatsächlich daran, den Film – als Tape von New Vision, wenn ich mich recht erinnere (falsch erinnert, Keule, es war Eagle Pictures) – vor 20 Jahren gesehen zu haben. Gut, mehr als „Piraten“ und „Cynthia Khan“ hatte ich nach all den Jahren nicht mehr im Kopf, aber das ist mehr, als mir über manchen Film einfällt, den ich letzten Monat gesehen habe…

Das Drehbuch kreiselt um den Jahrhunderte alten Konflikt zwischen China und Japan – traditionell können sich die beiden mächtigen asiatischen Reiche so gar nicht leiden, was daran liegen mag, dass die technologisch meist etwas moderneren Japaner sich bei ihren Ausflügen ins Reich der Mitte gewöhnlich aufführten wie die Axt im Walde; die gegenseitigen Ressentiments werden noch heute (und grade wieder) in aller Inbrunst gepflegt (sei es, wenn ein japanischer Regierungschef mal wieder einen Schrein zum Gedenken übler Kriegsverbrecher besucht oder die Chinesen demonstrativ ihre Flotte an einer Insel vorbeituckern lassen, die beide Staaten für sich beanspruchen); dass die Japaner als Feindbild in chinesischen Filmen nicht ähnlich oft auftauchen wie wir Krauts bei Engländern, haben sie nur dem „glücklichen“ Umstand zu verdanken, dass das chinesische Kaiserreich genügend „innenpolitischen“ Stoff hergibt, der als historischer Backdrop dienen kann.

Nun, hier haben wir’s mal mit einem Script zu tun, dass explizit die gegenseitige Feindschaft zum Thema hat und dabei auf eine versöhnliche Message setzt. Wu, der weiß, dass die Chinesen keinen Grund haben, ihm zu vertrauen, stellt fest, dass es Menschen gibt, die ihm vorurteilsfrei gegenüber treten (oder zumindest solange verhauen werden können, bis sie einsehen, dass Wu kein Böser ist), und die Chinesen lernen, dass es mindestens einen anständigen Japaner gibt (so ganz real-historisch gesehen war der eine allerdings offensichtlich zu wenig). Schön für die Japaner, dass der Film noch zu Kronkolonie-Zeiten gedreht wurde, ich glaube nicht, dass die VR China, die ja fix dafür gesorgt hat, dass Hongkongs Regisseure, wenn sie historische Gefilde beackern, die nationalistischen Töne nicht vergessen („Red Cliff“, Little Big Soldier) über eine völkerverständigende Botschaft wie hier sehr glücklich wäre…

Strukturell macht der Film es sich selbst etwas schwer, indem er Wus Motivation und Background erst gen Filmmitte in einem Flashback erläutert (der allerdings hat es in sich. Dale Cook!) und seine Figur somit lange Zeit recht schwer zugänglich macht. Ja, wir wissen, dass er kein Pirat ist, aber nein, wir wissen nicht, was er eigentlich will und ob er wirklich nur Gutes im Schilde führt (an der Stelle wird der Film aber auch von der deutschen Synchronfassung sabotiert – es ist relativ lange ein wichtiger Plotpoint, dass Wu und die Chinesen sich auf rein linguistischer Basis nicht verstehen – Wu beherrscht kein Mandarin, umgekehrt die Chinesen kein Japanisch. Die Synchro schüttet einheitlich Deutsch drüber – dass zwischen den Figuren eine Sprachbarriere steht, realisierte ich erst, als Mao Tao Wu in der Höhle Chinesisch-Unterricht erteilt [und ihm dabei wertvolle Sätze wie „ich bin ein japanischer Hurensohn“ beibringt]. Es lässt die Charaktere etwas dämlich wirken).

Interessant ist, dass der „emotionale Anker“ – soweit ein Fließband-Kung-fu-Klopper sowas hat – die Beziehung von Wu mit Mao Tao ist. Cui Go ist diejenige, die ihm ein paar Techniken beibringt, aber ein emotionales Band besteht zwischen ihr und Wu nicht (das Ende lässt es so aussehen, als wäre Cui Go vielleicht nicht abgeneigt gewesen, aber Wu hat an ihr kein Interesse jenseits der Kampfkunst). Der Schlussfight zwischen Wu und dem bösen japanischen Piratenchef hat daher als „stake“ Mao Taos Leben (Cui Go kämpft dieweil irgendwo anders mit namenlosen japanischen Goons). Für einen historischen Kung-fu-Film eine recht ungewöhnliche Konstruktion, zumal „Belagerung der Shaolin“ absolut nicht so tut, als würde er sich an ein jugendliches Publikum, das deswegen eine Identfikationsfigur bräuchte, richten.

Wie beinahe jeder HK-Film nimmt sich auch dieser Zeit für die ein oder andere humoristische Einlage (wenn Wu sich z.B. auf Mao Taos Anraten als „Verrückter“ ausgibt oder die Chefin des Tiger- und der Chef des Hunde-Clans miteinander kabbeln), nur um einen Umschnitt weiter auf todernst umzuschalten – daber das ist bewährter Hongkong-Stil, da hat man sich als langnasiger Connoisseur längst dran gewöhnt; erfreulicherweise ist der hiesige Humor dann auch relativ „unpansig“ und auch für westliche Sehgewohnheiten akzeptabel.

In den knapp 80 Minuten Laufzeit kann kaum Zeit verschwendet werden – die Geschichte wird forsch vorangetrieben, ohne dabei auch nur eine halbseidene Gelegenheit für eine Kampfszene auszulassen. Die Fights sind exzellent, wobei Schwert- und Stockkampf wie auch pures „handgreifliches“ Kung-fu geboten werden. Der Schwerpunkt in der Choreographie liegt dabei nicht auf superspektakulären Moves (auch wenn einige kleinere Wire-Spielereien dabei sind), sondern auf Speed und Power (und das ohne auf das von mir bekanntlich verachtete Mittel des Hochspeedens zurückgreifen zu müssen). „Belagerung der Shaolin“ hat Stars zur Verfügung, die auch in „Normalgeschwindigkeit“ wahnsinnig flink auf den Füßen sind.
Regisseur Hsin-yan Chang (ob Hsiao-hui Chang ein Co-Regisseur oder nur eine andere Transkription aus dem Chinesischen ist, konnte ich nicht verifizieren. Für letztere Theorie spricht, dass die IMDb für Hsiao-hui keine weiteren Credits verzeichnet, während Hsin-yan seit den frühen 60ern aktiv war, seine international bekanntesten Filme – diesen, „The Shaolin Temple“ nebst Sequel und „Tai Chi 2“ in den 80ern realisierte) gibt sich inszenatorisch keinen Mätzchen hin – was vor der Linse steht oder kämpft, wird gefilmt, besonderer Einfallsreichtum wird dabei nicht gezeigt (im Gegenteil – der Film hat einige atemberaubende Naturkulissen und Chang filmt sie mit dem Regie-Äquivalent eines schulterzuckenden „steht halt hier rum das Zeug“, anstatt mal einen awe-insprierenden EPISCHEN shot zu zelebrieren).
Etwas unglücklich ist, dass ausgerechnet der Showdown-Fight zwischen Wu und dem Oberpiraten sich selbst durch die Auswahl der Location (in einer Art Mühle o.ä., die ziemlich eng und vollgestapelt ist und kaum Möglichkeit zur kämpferischen Entfaltung bietet, wenn man nicht gerade Jackie Chan ist, was hier nun mal keiner ist) limitiert – der Schlussfight sollte normalerweise der Höhepunkt der Kampfchoreographie sein, hier gibt’s die besseren Fights eindeutig zuvor (allein der Demonstrationskampf im Shaolin-Tempel ist schon fetziger). Dafür gönnt Chang seinem Film sogar einen wrap-up, während „normale“ HK-Filme normalerweise schon ihr THE END einblenden, wenn der Bösewicht noch nicht mal kalt ist.

Die FSK 16 ist für die Fights okay – auch wenn fleißig gestorben wird, ist nichts übermäßig explizit.

Die Stars des Films sind Cynthia Khan (hier, weil gerade nicht im Battlin‘ Babes-Subgenre unterwegs, unter ihrem chinesischen Namen Li-Tsing Yang amtiert – der deutsche Verleih klatschte sicherheitshalber groß CYNTHIA KHAN aufs Cover, die wussten schon, was zieht – und bekanntlich neben Moon Lee und Yukari „Cynthia Luster“ Oshima das Triumvirat der HK-Action-Femme-Fatales bildete), einmal mehr sehr schnucklig anzusehen und kampftechnisch natürlich voll auf der Höhe (in Deutschland kennt man sie als Star der diverser Entries der Endlos-„Nicht-Serien“ „Ultra Force“, „Red Force“ oder „Born to Fight“) und Rongguang Yu (durchaus überzeugend als netter Japaner), der seinen ersten auffälligen Auftritt in „Der Krieger der Kaiserin“ hatte und unmittelbar nach seinem hiesigen Auftritt eine Star-Making-Performance in „Iron Monkey“ hinlegte – komischerweise brauchte seine Karriere danach ein paar Jahre, bis er im Kielwasser von Jackie Chans neueren HK-Produktionen wie Der Mythos, „New Police Story“ oder „Karate Kid“ wieder international auf sich aufmerksam machen konnte.

Einen amüsanten Gastauftritt absolviert der mehrfache Kickbox-Weltmeister Dale „Apollo“ Cook („Bloodfight 4“, „American Kickboxer 2“, mit einem professionellen Kickbox-Record von 99 Kämpfen und 94 Siegen, nebenher hat er noch 22 Profi-Boxkämpfe mit 19 Siegen auf seiner Liste) als Engländer, der Rongguang Yu schwer aufs Haupt schlägt – den Weltklasse-Sportler muss man schon mal in dem extrem lächerlichen „17.-Jahrhundert-Engländer“-Kostüm mit Quasten an den Schuhen gesehen haben. Kann mir nicht vorstellen, dass ein Mann mal in einem lächerlicheren Outfit gefighted hat…

Bildqualität: Dafür, dass „Belagerung der Shaolin“ der bislang neueste Film in der Shaolin-Box ist, sieht er zuverlässig wie der älteste aus… Baujahr 1972 würde man dem 4:3-Vollbild-Print mit seinen zahlreichen Defekten und Verschmutzungen eher glauben als das tatsächliche 1992. Zumindest die Farben sind allerdings schön und an den etwas rumpeligen Zustand des Prints gewöhnt man sich auch…

Tonqualität: Nur deutscher Ton in Dolby 2.0 – und die Synchro ist leider extrem mäßig ausgefallen. Nicht mal unbedingt von den Sprechern her, das ist in Ordnung, aber das Audio-Master war offensichtlich ein englischer Dub und seitens des deutschen Distributors hat man sich damit begnügt, die „Hauptfiguren“ zu übersetzen – wann immer Komparserie mal ein paar Lines hat oder mal Kampfgeschrei ertönt (oder auch nur ein chinesisches Kinderlied angesummt wird), bekommen wir das in unübersetztem Englisch – das irritiert (ebenso wie die Untertitel, die man dann für genau ZWEI unübersetzte Lines im Showdown eingeblendet bekommt). Ganz besonderes übel ist eine Szene, in der der deutsche Dialogton einfach ÜBER den noch hörbaren englischen gelegt wird. Das darf nu wirklich nicht vorkommen.

Extras: –

Fazit: Eigentlich ist „Belagerung der Shaolin“ ein nicht sonderlich aufregender Kung-fu-Film der Mittelklasse – aber als solcher macht er Spaß. Es gibt wenig Leerlauf, die Kampfszenen sind so gut, dass auch nicht weiter stört, dass die Regie ziemlich einfallslos ist, hey, und Cynthia Khan ist für mich immer ein Garant für gute Laune. Für einen Film, den ich, wie geschildert, eh als kostenlose Zugabe zu zwei richtig guten Streifen betrachte, ist das mehr als zu erwarten war…

3/5
(c) 2013 Dr. Acula

  • Da will man grad "Ich bin der König der Welt" brüllen, da drückt einem jemand ein Katana in die Hand.

  • Die Chinesen müssens beim LARPen immer übertreiben.

  • Schon Torfrock wussten: Pulverdampf verdeckt Heldenkrampf!

  • Wie foltert man einen Japaner? Man droht, ein Gamera-Baby zu kochen!

  • Der blonde Engel MUSS ein guter Kämpfer sein - anders kann er sich mit den Klamotten nicht auf die Straße trauen.

  • Exhibitionismus wird auch im alten China kritisch beäugt.

  • Und nun zum Familienprogramm - köpf den Japs!

  • Cynthia verteilt Dresche.


mm
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