Banshee – Der Schrei der Bestie


  • Deutscher Titel: Banshee - Der Schrei der Bestie
  • Original-Titel: Banshee!!!
  •  
  • Regie: Colin Theys
  • Land: USA
  • Jahr: 2006
  • Darsteller:

    Ashley Bates (Veronica), David McCarthy (Rocker), Kevin Shea (Jack Gorman), Kerry McGann (Julianna Bansley), Iris McQuillian-Grace (Kerry), Troy Walcott (Lake), A. Mike Forgette (Corey), Leo Petry (Officer Connelly), Greg Nutcher (Officer Young), Ken LaMothe (Alan), Cristina Santiago (Jennifer), John Doolan (Thomas), Nathan Pupillo (Mike), Jesse Murphy (Chad), Jade Anderson (Lauren)


Vorwort:

Spring Break in den Wäldern Connetticuts zelten? Klingt auf den ersten Blick nach keiner sonderlich inspirierenden Idee, aber Veronica und ihre College-Freunde haben sich dafür entschieden, anstatt Sonne, Strand, Sex und alkoholischer Getränke die heimatliche Natur zu würdigen (Lake, der Quotenschwarze, hofft allerdings zumindest darauf, dass die Punkte „Sex“ und „Alk“ auch in den Wäldern abgehakt werden können). Doch kaum sind die Zelte aufgebaut, beginnt das Metzeln – eine geflügelte Kreatur, die shapeshiftenderweise menschliche Gestalt annehmen und Massen-Halluzinationen erzeugen kann, dezimiert die Studententruppe auf rudimentäre drei Überlebende, die sich in das Haus des alten Farmers Jack retten. Natürlich können sie nicht ahnen, dass Jack und sein Neffe Rocker (der heißt so, weil er nebenher eben Rockmusiker ist), der nur auf Wochenendbesuch vorbeischauen wollte, sich schon seit Tagen vor der Kreatur verschanzt halten, die schon Jacks treues Eheweib (und seinen Hund) auf dem Gewissen hat. Blöderweise ist die Farm kommunikationstechnisch völlig von der Außenwelt abgeschlossen – da das Meuchelmonster ersichtlich keine großen Problem hat, nach Gutdünken vorbeizuschauen und sich einen neuen Snack vom Menschenbuffet abzuholen, sieht die Lage hoffnungslos, aber doch auch ernst aus…

Dieweil ist Polizeibeamtin Julianna zu ihrem Leidwesen auf der Suche nach Jennifer, einem längst hingemetzelten Mitglied der Campingurlauber, da deren Mutter vermutet, ihr Baby wäre mindestens einem Sexualstraftäter in die Hände gefallen. Julianna stößt auf den verwüsteten Zeltplatz und findet sich nach einer Konfrontation mit der Brut des Monsters gemeinsam mit Jack, Rocker und den verbliebenen Studenten als Gefangene in der Gorman-Farm wieder. Sollte der örtliche „crazy old man“ Alan mit seinen besoffenen Tiraden, eine „Banshee“ mache die Wälder unsicher, doch Richtig liegen? Immerhin scheint das Vieh Ultraschallkräfte zu haben und ausgesprochen lärmempfindlich zu sein…

Inhalt:

Ein beherzter Griff in die bewährte „erwarten-se-nix“-Kiste mir auf Anhieb nichts spezielles sagender DTV-Releases förderte gestern „Banshee“ zu Tage, einmal mehr ein für schmales Geld entstandenes Indie-Projekt, das, wie kaum anders zu erwarten, in den Staaten in die Fänge des SciFi-Channels geriet und dort als Monster-of-the-Week-Filmchen versendet wurde. Gewisse Hoffnung darf man dennoch haben – der Kabelsender hat mit der Produktion des Streifens nichts zu tun, kaufte nur das fertige Werk ein.

Verantwortlich für den Film zeichnet die Schmiede „Synthetic Cinema“, hauptamtlich bestehend aus Colin Theys (hier Regie und Digital-Artist), Gregory C. Parker und Christian Pindar (hier Drehbuchautoren und bei Synthetics direktem Vorgängerfilm „Werewolf: The Devil’s Hound“ Co-Regisseure). Die IMDb liefert keinen Hinweis auf das Budget, also befleißige ich mich mal einer vorsichtigen Schätzung – mehr als eine Million dürfte das Ding nicht gekostet haben…

Erst mal allerdings Respekt – mit der „Banshee“ haben die Jungs hier ein Monster aufgegabelt, das noch nicht diesen ominösen „been there, done that, bought the T-shirt“-Geruch aufweist wie Werwölfe, Vampire, Bigfoots & Co. Die Todesfee der irischen Mythologie ist zwar nicht unbedingt bekannt dafür, sich neuerdings in der amerikanischen Pampa herumzutreiben, aber das Problem lösen die Autoren unbefangen damit, überhaupt keine Mythologie anzubieten. Das Viech ist einfach da und macht sein Ding, ob es nun wirklich die klassische mythologische Gestalt ist, ist völlig unwichtig (es ist auch nur der stadtbekannte Bekloppti Alan, der die Banshee-These vertritt), die Bezeichnung „passt“ halt einfach ungefähr auf den modus operandi der Bestie, der prinzipiell, und das ist, wenn ich mich jetzt mal in meiner DVD-Sammlung umsehe, für das Genre des kleinen Monsterfetzers auch ziemlich originell, mit akustischen Elementen arbeitet. Unser Monster kann nicht nur mit (Ultra-)Schallwellen töten (sprich Schädel sprengen), sondern beliebige Gestalten annehmen (bevorzugt natürlich „Vertrauenspersonen“ seiner ausgekuckten Opfer, aber, wenn’s sein muss, auch mal die eines „wilderness girls“, die es auf einem Plakat gesehen hat) und in gewissem Umfang Massen-Suggestionen vornehmen (so „hypnotisiert“ es der Studentengruppe vor, als diese über den vom Monster verwüsteten Zeltplatz staunen, dass alles wieder in bester Ordnung sei). Es ist ein ungewöhnliches, frisches Monsterkonzept – dass ein kleiner B-Film wie dieser hier nicht * so * viel daraus macht, wie mit mehr kreativer Power im Schreibprozess und mehr Kohle möglich wäre, entschuldige ich heute mal. Wenn man sprichwörtlich hunderte austauschbarer Horrorfilme mit undiskriminierend killenden Monstern hinter sich gebracht hat, ist man für jede neue Idee, jeden noch nicht tausendmal gesehenen Einfall dankbar…

Neben der Monsterkonzeption erfreut mich auch die ausgesprochen effiziente Drehbuchstruktur – der Verzicht auf eine Hintergrundmythologie für das Monster mag Feingeister abschrecken, aber er sorgt dafür, dass der Film sich auf das Wesentliche (die Dezimierung des Casts und den Kampf gegen das Untier) konzentrieren kann – und WIE er sich konzentriert. Keine langwierige setup-Phase, in der uns umständlich die Figuren vorgestellt werden – nein, ein kurzer, knackiger Teaser, der ungefähr darauf vorbereitet, womit wir es in der Folge zu tun haben werden, knappe fünf-sechs Minuten, in denen die wesentlichen Hauptfiguren mal kurz ihre Nase vor die Kamera halten, und dann geht die fröhliche Metzelei auch schon los. Da ist natürlich nichts mit raffinierten Charkaterentwicklungen und ähnlichem Gedöns (wobei „Banshee“ damit überrascht, „den Schwarzen“ reichlich lange am Leben zu lassen und ihm überdies auch noch die offizielle „doofes Arschloch“-Rolle zuzuschanzen), hier geht’s rasant zur Sache – „achtzehn on-screen-Tode“ verkündet das Cover stolz und das ist eine beachtliche Strecke für einen Streifen, der abzüglich der Credit-Sequenzen so schlappe 75 Minuten Laufzeit füllt. Das schon fast hysterische Tempo der Phase zwischen Minute 10 und 30 wird nicht ganz durchgehalten (was angesichts der Eile, mit der der Cast gelichtet wird, auch unmöglich wäre) – das sich zwangsläufig einstellende „Night of the Living Dead“-Szenario wird daher aufgepeppt: es gibt den ein oder anderen Flashback, sowohl erläuternder als auch erheiternder Natur, den Parallelplot um Polizistin Julianna, der langsam, aber sicher, mit der „Haupt“-Plotlinie zusammenläuft, wenn alle Stricke reißen; einen Monsterkill, der eigentlich nicht wirklich in die interne Logik passt (aber dann wieder doch, wenn wir die Existenz mindestens zweier Banshees postulieren, und dafür bietet uns der Film einen Beweis) und den Umstand, dass das Monster quasi nach Belieben auch im belagerten Farmhaus schalten und walten kann, also auch die ein oder andere Attacke indoors reiten kann. Es wird also nicht langweilig…

Überdies nimmt sich das ganze Spektakel auch nicht sonderlich ernst, ohne in totale Parodie-/Komödienstimmung zu verfallen (wobei’s natürlich schon strikt auf den Lacher hin inszeniert wird, wenn kurz vor Showdown Rocker als „Ablenkungsmanöver“ ein Gitarrensolo hinzaubert, dass dem lärmempfindlichen Monster [hauptsächlich] Hören und Sehen vergeht…).
Nicht ganz glücklich bin ich höchstens mit dem Showdown (der nur in Form einiger sekundenkurz geschnittenerAusschnitts-Einstellungen angedeutet wird) und dem angetackerten Epilog, in dem sich die hierzulande minderbekannten YouTube-“Celebrities“ M. Kelley und Shawn C. Phillips („The Don & Murph Show“) präsentieren dürfen.

Auch formal kann der Streifen durchaus überzeugen – Colin Theys treibt die Angelegenheit, wie erwähnt, in forschem Tempo voran, die Kameraführung ist überwiegend überzeugend und, holla, sogar und ganz besonders der Schnitt ist da und dort richtiggehend einfallsreich und bringt Dynamik ins Spiel. Sicher, das ist alles nicht die hohe Filmkunst, über die in fünfzig Jahren noch nickelbrilletragende Filmtheoretiker seitenlange Abhandlungen verfassen werden, aber für einen kleinen, lauschigen Monsterfilm ist „Banshee“ im Vergleich zu den meisten anderen billigen B-Movies, die zu zwölft auf ein Dutzend gehen, schon fast „Citizen Kane“. Fast permanent passiert irgendwas (und „irgendwas“ heißt im Zweifelsfalle, dass ein Charakter durch den Fleischwolf gedreht wird) und wenn gerade mal nichts passiert, beweisen Theys und seine Autoren durchaus Gespür für ironischen, dabei aber nicht plump-parodistischen Humor (wer sich z.B. über die Gitarren-Einlage vor dem Showdown nicht amüsieren kann, ist ein schlechter Mensch).

Bei allem Bemühen um Rasanz und eine „leichte“, nicht völlig bierernste (eben aber auch nicht reine Fun-Splatter-) Attitüde vergisst „Banshee“ nicht, auch knüppelhart zu sein. Das ist mal eine FSK-18-Freigabe, die das rote Papperl völlig zurecht trägt. Überwiegend mit „old-school“ prosthetischen Effekten realisiert, splattert und suppt „Banshee“ wie die Seuche – es werden Beine und Köpfe durchbohrt, Opfer ausgeweidet und mit Gedärmen gespielt, Köpfe weggerissen oder akustisch „gesprengt“, Menschen mittschiffs halbiert – gibt kaum einen denkbaren Splatter-Effekt, den Theys und seine FX-Tüftler nicht ausprobieren und auf akzeptablem Niveau hinbekommen. Das Monster himself, eine ziemlich coole Kreation (die ein wenig an Gargoyles erinnert) stammt aus dem Computer, sieht gut aus und ist auch – für das vermutete Budget des Streifens – verblüffend gut animiert. Ist natürlich nicht „Avatar“, doch wenn ich mir vor Augen halte, welche Güte CGI-Kreaturen in billigen Horrorfilmen üblicherweise haben, verdient „Banshee“ allerhöchsten Respekt; das Monster sieht tatsächlich „physisch“ aus, die Interaktionen mit dem Real-Cast sind akzeptabel, die Animation ist flüssig und überraschend detailliert. Thumbs up für das Digital-Department.

Die Darsteller sind keine großen Strategen vor dem Herrn, für die hiesigen Zwecke agieren sie aber adäquat. Niemand blamiert sich entsetzlich, niemand drängt sich für die Hauptrolle im nächsten Spielberg-Streifen auf. Die meisten Aktiven gehören zur „stock company“ von Synthetic. Herauszuheben wären vielleicht Kerry McGann als down-to-earth-Polizistin Julianna und Kevin Shea als Onkel Jack, der mich irgendwie an eine Mischung aus Hulk Hogan und dem alten Knacker aus „American Chopper“ (ja, ich weiß, der heißt Paul Teutel sr.) erinnert. Das Jungvolk ist überwiegend sympathisch und natürlich genug, um etwaige darstellerische Defizite auszugleichen, dass Troy Walcott mich eher nervt, liegt weniger an ihm als an seinem Charakter.

Bildqualität: Savoy präsentiert den Film in praktikablem anamorphen Widescreen (1.85:1). Das Bild neigt gelegentlich zu leichtem Blockrauschen, was sich aber in Grenzen hält, die Farben sind kräftig, die Schärfewerte gut durchschnittlich und der Kontrast richtig gut.

Tonqualität: Deutscher Ton in Dolby 2.0 und Dolby 5.1, englischer O-Ton in Dolby 2.0. Da ich mich bei DTV-Horror-Releases nach Möglichkeit um die deutsche Synchro drücke, hab ich mich mal wieder für den O-Ton entschieden (dt. Untertitel werden mitgeliefert). Der ist in Ordnung – unspektakulär, aber ohne ernstliche Probleme.

Extras: Leider nur ’ne Trailershow.

Fazit: Es ist lange her, dass mir ein simpler, blutiger Monsterhorrorfilm so viel Spaß gemacht hat wie „Banshee“. Es ist ein Film, der das Genre auf das zurückführt, was es eigentlich sein sollte. Überlebenskampf, knackige Effekte und ein Schuss Humor zur Auflockerung, frei von langweiligem Charaktergedöns, nirgendwohinführenden Liebesgeschichten und „relevanten“ Botschaften. In Sachen simpler, blutiger, kurzweiliger Horrorfun macht man mit „Banshee“ nichts falsch. Dafür zücke ich leicht euphorisierte (und sicherlich ein bisschen übertriebene, aber das gestatte ich mir einfach mal) vier Silberscheiben. Wie sagen Exodus und ich so gerne: Good friendly violent fun.

4/5
(c) 2010 Dr. Acula

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mm
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